Die Psalmen richtig verstehen
Einführende Gedanken zu den Psalmen

Dirk Schürmann

© SoundWords, online seit: 16.07.2003, aktualisiert: 26.05.2018

Warum ist das Buch der Psalmen so schwierig?

Selbst viele gelehrte, orthodoxe Schreiber haben die Psalmen oftmals nicht richtig verstanden. Wie kommt das? Das Studium der Psalmen setzt voraus, dass man Folgendes berücksichtigt: Die christlichen Wahrheiten waren noch nicht offenbart, und man muss die christlichen Wahrheiten gut kennen, um den Unterschied zwischen den Gläubigen im Buch der Psalmen und den Christen heute zu beachten. Die Psalmen sind zwar prophetisch, geben aber meistens keine direkte Prophezeiung, sondern nur eine indirekte Prophezeiung, indem sie Empfindungen und Gedanken von Gläubigen in den damaligen und zukünftigen Umständen wiedergeben. Um die Psalmen in  den richtigen prophetischen Kontext einzuordnen, ist die Kenntnis der Prophezeiungen aus den prophetischen Büchern der Bibel eine Voraussetzung.

Dass die Psalmen ein prophetisches Buch sind, finden wir sehr deutlich in Matthäus 13,35. Dort sehen wir, dass der Herr Jesus von Propheten spricht und dann Psalm 78,2 zitiert. Die Psalmen sind natürlich anders geschrieben als die „normalen“ Prophetenbücher. In den prophetischen Büchern spricht Gott zu dem Menschen, in den Psalmen spricht der Mensch zu Gott. Es sind Menschen, die eine Beziehung zu Gott haben. Manchmal ist es sogar der Herr Jesus selbst, dessen Stimme wir hören. Manchmal sind es aber auch solche, die mit Ihm in Verbindung stehen. Nicht die Kirche! Nein, es handelt sich um Israeliten, gläubige Israeliten.

Viele Missverständnisse über die Psalmen wären unterblieben, wenn man mehr darauf geachtet hätte, wie die Psalmen im Neuen Testament zitiert werden, denn das Neue Testament gibt uns sehr klare Hinweise für die Auslegung der Psalmen. Viele Teile der Psalmen sind in Christus erfüllt. So wird z.B. in Johannes 19 dreimal auf die Psalmen hingewiesen und aufgezeigt, wie sie durch Christus erfüllt worden sind.

An vielen Stellen in den Psalmen wird auf Ereignisse hingewiesen, die noch nicht stattgefunden haben, z.B. wird in Psalm 2 der Messias auf Zion als König gesalbt. Das ist offensichtlich noch immer Zukunft. Manche wollen die Erfüllung der Psalmen in der Kirche sehen, aber es ist schon sehr willkürlich, wenn man akzeptieren muss, dass Paulus in Römer 11,9.10 zwar Psalm 69,22.23 zitiert, um die Verwerfung Israels anzuzeigen und gleichzeitig Psalm 69,35.36 auf die Kirche anzuwenden und zu vergeistlichen. Ein interessantes Beispiel für diesen Aspekt ist auch Psalm 118,26: „Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ In Matthäus 21,9 rufen die Volksmengen in Israel dieses aus über den Herrn, der als niedriger Mensch in ihrer Mitte war. Doch leider steckte, wie wir wissen, kein wahrhaftiges Herz, kein echter Glaube dahinter. Daher legte der Herr in Matthäus 23,39 die Erfüllung dieses Psalmwortes in die Zukunft. Aber Er sagt auch ganz deutlich, dass dieser Satz von jenem Jerusalem ausgerufen werden würde, das Ihn jetzt ablehnte, deswegen auch nicht mehr sehen würde, aber Ihn einmal wiedersehen würde. Man kann sich kaum vorstellen, wie man das mit der Gemeinde/Kirche in Verbindung bringen will.

Die Position der Gläubigen in den Psalmen

Was vielen Gläubigen, die die Psalmen lesen, immer wieder auffällt und Schwierigkeiten bereitet, ist das Vorkommen von Rachegedanken und -ausrufen. Diese Christen übersehen, dass die Psalmen eben ein alttestamentliches Buch sind und sich auch prophetisch auf eine nachchristliche Zeit beziehen. Die Rachepsalmen zeigen klar, dass hier nicht die Sprache der Gemeinde gesprochen wird. Für uns heißt es ganz deutlich: „Rächt nicht euch selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: ,Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr‘“ (Röm 12,19).

Aber es hat einmal eine Zeit gegeben, und es wird bald wieder eine Zeit kommen, wenn die Gläubigen in Israel zu Recht um die Hilfe Gottes gegen ihre Feinde bitten werden. Es sind Gläubige, die im Gegensatz zu uns Christen eine irdische Berufung haben, mit irdischen Verheißungen, die dadurch verwirklicht werden, dass die „Bösen“ von der Erde vertilgt werden und sie selbst dort gesegnet werden.

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass die Psalmen uns Gläubige zeigen, die unter Gesetz stehen. Christen stehen eben gerade nicht unter Gesetz – Israel dagegen wohl, sowohl damals als auch in der Zukunft wieder. Die bekanntesten Beispiele aus den Psalmen sind der 19. und der 119. Psalm.

In Römer 3 spricht Paulus zu den Juden (s. Röm 3,1). Dann zitiert er aus sechs oder, wenn man will, sieben Psalmen. (Römer 3,10-12 kommt sowohl in Psalm 14 als auch in Psalm 53 vor.) Danach sagt er dann in Vers 19: „Alles was das Gesetz sagt, redet es zu denen, die unter Gesetz sind.“ Dass die Psalmen die Gefühle solcher wiedergeben, die unter Gesetz sind, ist vielleicht auch der Grund, warum manche Wiedergeborenen heute auch ihre Gefühle in den Psalmen so gut ausgedrückt finden: weil sie selbst auch noch unter Gesetz stehen. Sie befinden sich noch in dem Zustand, der in Römer 7 beschrieben wird, wo jemand so unter der Knechtschaft des Gesetzes leidet, dass er ausruft: „Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?“ Wir befinden uns bei den Psalmen eben noch im Alten Testament. Und so gibt es weitere signifikante Unterschiede zu unserer christlichen Position heute:

  • Ein vollbrachtes Erlösungswerk war nicht bekannt
    Auch für die Gläubigen das AT (genauso wie später) gibt es, ohne Frage, eine Erlösung, aber sie war eben nicht als geschehen bekannt.

  • Gott war nicht als Vater geoffenbart
    Wir finden zwar das Wort „Vater“ (in Ps 68 oder auch Ps 89), aber es bedeutet hier: „der uns geschaffen hat“. Wir Christen dagegen kennen den Vater als den Vater unseres Herrn Jesus Christus, der jetzt auch unser Vater geworden ist, dadurch dass Christus unser Leben geworden ist.

  • Kein Heiliger Geist wohnend in den Gläubigen
    Der Heilige Geist ist zwar bekannt (Ps 51), aber nicht als in Ewigkeit in uns wohnend.

  • Keine Verbindung zu einem Menschen im Himmel
    Auch diese Position wird zwar gekannt (Ps 110), aber nicht unsere Verbindung damit.

Diese typisch christlichen Segnungen sind alle in den Psalmen nicht gekannt. Wer das beim Lesen der Psalmen nicht beachtet, kommt schnell zu völlig falschen Schlussfolgerungen. Natürlich kann der Christ viel Kraft aus den Psalmen schöpfen, aber er muss gut bedenken, dass viele Aspekte nicht der christlichen Position vor Gott entsprechen. Wie man die Psalmen als Christ geistlich anwenden könnte, sieht man z.B. in unserem Artikel über Psalm 1.

Man kann die Psalmen auch falsch gebrauchen

Aus dem vorigen Abschnitt wird deutlich, dass eine Vermischung der Position des Gläubigen heute mit der des Gläubigen in den Psalmen zu einer Aufgabe der wahren christlichen Stellung führen kann. J.N. Darby schreibt dazu in seiner Synopsis sehr ernst:

Das Herz, das sich in die in den Psalmen beschriebene Stellung versetzt, kommt zu Erfahrungen zurück, die einem gesetzlichen Zustand angehören, wo der Mensch unter der Züchtigung für die Sünde steht und sich in der Prüfung dieserhalb befindet. So jemand kehrt zurück zu den Hoffnungen eines irdischen Volkes. Ein gesetzlicher und für einen Christen nicht dem Glauben entsprechender Zustand wird dann in der Seele als der richtige anerkannt: Man begnügt sich mit einem geistlichen Zustand, dem die Erkenntnis der Erlösung fehlt. Und während man denkt, sich die Psalmen zunutze zu machen, erhält man sich in einem Seelenzustand, in welchem man des Verständnisses seiner eigenen Vorrechte und der richtigen Benutzung der Psalmen beraubt ist. Man wird unfähig, dieselben wirklich zu verstehen und sich an ihnen zu erquicken. Ja, was noch schlimmer ist, man beraubt sich des so gesegneten und so tief belehrenden Verständnisses des zärtlichen und gnadenreichen Mitgefühls Christi in seiner wahren und göttlichen Anwendung. Der selbstsüchtige Geist lernt, indem er sich die Psalmen zueignet, Christus nicht so kennen, wie Er ist und wie Er geoffenbart worden ist, und der Verlust ist wirklich groß. Eine Seele unter dem Gesetz findet zwar Tröstungen und Gnadendarreichungen in den Psalmen, weil dieselben gerade auf solche ihre Anwendung finden, die unter dem Gesetz stehen (und Seelen in diesem Zustande sind oft dadurch erquickt worden); aber die Psalmen zu benutzen, um in diesem Zustand zu bleiben und sie vorzugsweise auf uns selbst anzuwenden, ist, ich wiederhole es, eine falsche Anwendung derselben, wodurch wir die Kraft dessen, was uns in ihnen gegeben ist, verlieren, und uns der wahren geistlichen Stellung, in die uns das Evangelium bringt, berauben.

Besonderheiten des Buches der Psalmen

Die Psalmen haben tatsächlich als Bibelbuch viele Besonderheiten. So ist es das längste Buch der Bibel. Es ist eine Gliederung bereits vorgegeben, dadurch dass das Buch in fünf Teile und einhundertfünfzig Einzelpsalmen eingeteilt ist. Die Zeit, in der die Psalmen geschrieben wurden, war sehr lang: Von Mose bis zur babylonischen Gefangenschaft; mindestens sieben Schreiber waren beteiligt. Trotzdem besteht eine tiefe Harmonie in diesem Buch (s.u.). Dazu ist das Buch auch eines derjenigen, das am meisten im NT zitiert wird. Der Stil des Buches – das wird natürlich mehr im Hebräischen deutlich – ist rein poetisch. Das Buch ist so wichtig, dass es für den dritten Hauptteil des AT (nach der hebräischen Einteilung) neben dem Gesetz und den Propheten zum Oberbegriff geworden ist. selbst der Herr Jesus benutzte das Wort schon in diesem Sinn. Dann gibt es noch einen großen Unterschied zu den anderen prophetischen Büchern, der zu beachten ist. Normalerweise spricht Gott zu Menschen im prophetischen Wort. In den Psalmen jedoch sprechen Menschen im Gebet zu Gott und drücken Ihm gegenüber ihre Gefühle aus. Trotzdem ist es ein prophetisches Wort an uns heute. Dieses Mysterium drücken die Söhne Korahs in Psalm 45,2 aus, in dem sie schreiben: „Meine Zunge ist der Griffel eines fertigen Schreibers.“ Gott hat die Gefühle und den Mund der Psalmisten gebraucht, um zu uns zu reden

Die Reihenfolge der Psalmen

Beim oberflächlichen Lesen der Psalmen bekommt man vielleicht den Eindruck, dass die Psalmen rein zufällig, wie die Lieder im Gemeindegesangbuch, angeordnet sind. Das ist jedoch keineswegs der Fall. Die Reihenfolge ist überhaupt nicht wahllos, sondern von tiefster Bedeutung und Schönheit. Die Psalmen sind alle inhaltlich harmonisch miteinander verbunden. Das kann natürlich nur bei einer ausführlicheren Betrachtung der einzelnen Psalmen bewiesen und betrachtet werden. Für jetzt sollte es uns genügen, dass der Geist Gottes es für wichtig erachtet hat, darauf hinzuweisen, das etwas im „zweiten Psalm“ steht (Apg 13,33). Ihm war also die Reihenfolge wichtig. Auch die oben schon erwähnte Einteilung in fünf Hauptteile macht deutlich, dass die Reihenfolge nicht unwichtig ist.

Ein Hauptthema der Psalmen: Leiden

Eines der Hauptthemen der Psalmen sind Leiden. Hierbei können wir verschiedene Unterschiede machen sowohl hinsichtlich der Personen, die leiden, als auch hinsichtlich der Art und Weise der Leiden.

Die Leiden des Herrn Jesus

Der Herr Jesus hat Leiden erduldet, in denen Er ganz allein dasteht. Hierbei handelt es sich um die Leiden von Seiten Gottes, die Er erduldet hat für sein Volk anstelle seines Volkes: einmal im Hinblick auf Gott, um seinen Willen und sein Wohlgefallen zu seiner Verherrlichung zu tun (Ps 40), zum andern im Hinblick auf Menschen, um für sie Sühnung zu tun und den sündigen Zustand des Menschen zu beseitigen (Ps 22). Im einen Fall sehen wir Ihn als das Brandopfer, im anderen Fall als das Sündopfer.

Dann finden wir aber auch Leiden des Herrn mit seinem Volk. In diesen Leiden steht Er nicht allein, daran hat der Überrest (s.u.) teil. Diese Leiden kommen nicht direkt von Seiten Gottes, sondern von Seiten der Menschen. Auch diese Leiden haben zwei Seiten. In Bezug auf Gott dienen sie zur Prüfung, Läuterung und Reinigung. Nun könnte man sich fragen: Musste bei dem Herrn Jesus etwas geläutert oder gereinigt werden? Sicherlich nicht. Bei Ihm dienten diese Leiden nur dazu, seine Lauterkeit und Reinheit, Heiligkeit und Uneigennützigkeit, Freundlichkeit und Gerechtigkeit ans Licht zu bringen. Wenn wir die Evangelien lesen, wie haben doch gerade die Angriffe böser Menschen aber auch die fleischlichen Handlungen der Jünger gerade seine Vollkommenheit ans Licht gebracht, und damit bedeutet dies auch ein Zeugnis von dem, was Gott wertschätzt den Gottlosen gegenüber. Bei dem Überrest (und uns) – so wie wir an diesen Leiden auch teilhaben – ist allerdings manches zu reinigen und zu läutern.

Die Leiden des Überrestes

Der Überrest leidet aus zwei sich scheinbar widersprechenden Gründen: Einmal fühlt er sich schuldig, weil er weiß, dass der Herr Jesus von seinem Volk ermordet wurde und dass sie Ihn abgelehnt haben. Und sie wissen nicht, ob sie dadurch vor dem Gericht verschont werden. Andererseits fühlt der Überrest sich, was seine praktische Gerechtigkeit angeht, völlig unschuldig und fragt sich, warum er an Verfolgung, Schmach und Bedrückung so viel mitmachen muss. Dabei ist es ein Trost, dass einmal ein Mensch da war – Jesus von Nazareth –, der an seinem Leib auch all das erduldet hat, was sie von dem gottlosen Volk und den Völkern erdulden müssen.

Der Überrest

Wenn die Psalmen auch in erster Linie ihre prophetische Bedeutung in Bezug auf die gläubigen Juden haben, die in der noch kommenden Drangsalszeit in Israel leben werden, so gilt es doch zu bedenken, dass sich die Gefühle, die hier ausgedrückt werden, bei all den Gläubigen wiederfinden, die zu ihrer jeweiligen Zeit den Gott wohlgefälligen Überrest inmitten eines abgefallenen Volkes Gottes bildeten.

So gehörte Mose zu solch einem Überrest, nachdem sich das Volk in der Wüste ein goldenes Kalb gemacht und später das gute Land Kanaan verschmäht hatte. Von Mose finden wir aus dieser Zeit den Psalm 90. Die Söhne Korahs hatten in ihrer Familie den Abfall erlebt und erfahren, dass sie dadurch gerettet worden waren, dass sie sich auf das Wort des Herrn hin von ihrem Vater und seiner Rotte weggewandt hatten. Viele Psalmen haben sie beigesteuert. Auch David und die wenigen, die bei ihm waren, bildeten einen Überrest, der von Saul verfolgt wurde – so wie auch die gläubigen Juden in der Zukunft von ihrem König, dem Antichristen, verfolgt sein werden. David ist mithin eines der treffendsten Vorbilder für den Überrest der Zukunft, und daher ist es nicht verwunderlich, dass seine Psalmen den Hauptanteil des Buches bilden.

Doch auch zu der Zeit, als der Herr hier auf der Erde war, gab es solch einen Überrest. Zu ihnen gehörte eine Maria, eine Elisabeth, ein Simeon, ein Zacharias, eine Anna und letztlich die, die sich von Johannes dem Täufer taufen ließen. Und hier kommt eine Sache ganz besonders ans Tageslicht, die zwar vorher schon erkennbar war, aber niemals so offenbar geworden war: Der Herr wollte diesem Überrest nicht nur vom Himmel herab eine Ermunterung zurufen. Nein, das Gewaltige war: Er möchte sich mit den Seinen in ihrer Not verbinden, um ihnen einmal in ihrer Not nahe sein zu können und andererseits völliges Mitgefühl mit ihnen haben zu können.

Schon in der Wüste wohnte Gott bei seinem Volk in einem Zelt, als sie selbst in Zelten wohnten. In Jesaja 63 heißt es: „In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt.“ Mose hatte schon gehört, dass Gott selbst in dem brennenden Dornbusch – ein Bild von dem durch die Ägypter bedrückten Israel seiner Zeit – war, so wie Er auch selbst im Feuerofen Nebukadnezars bei den drei Freunden Daniels war. Doch jetzt war ein Augenblick gekommen, dass Er sogar selbst Mensch geworden war, um über Jahre bei dem Überrest zu leben, mit dem Er sich bei seiner Taufe in besonderer Weise verbunden hatte. Während dieser Zeit, und ganz besonders am Ende seines Lebens, hat Er alle Erfahrungen – auch die des Überrestes noch zukünftiger Tage – durchgemacht, um völlig Mitgefühl mit ihnen haben zu können.

Und wie ist es heute, nachdem Er wieder in den Himmel aufgefahren ist? Als Saulus die Jünger des Herrn verfolgte, musste er hören: „Saul, Saul was verfolgst du mich?“ So eng sieht sich der Herr heute mit den Seinen verbunden. Und dieses Bewusstsein seiner Nähe und seines Mitgefühls möchte der Herr auch in der Zukunft dem Überrest vermitteln, bevor Er sich ihrer Sache in Macht und Herrlichkeit annimmt.

Welchen Wert haben die Psalmen für uns heute?

Die wichtigste Bedeutung dieses Buches für uns heute ist sicherlich, dass es uns einen Blick in die Gefühle und Empfindungen – ja letztlich in das Herz – des Herrn Jesus tun lässt, und zwar mehr als wahrscheinlich jedes andere Buch der Bibel, weit mehr auch besonders als die Evangelien. In den Evangelien wird uns zum Beispiel berichtet, was dem Herrn im Einzelnen angetan wurde, aber nur in den Psalmen finden wir, was Er während dieser Zeit gedacht und empfunden hat.

Zwar finden wir den Herrn in den Psalmen nicht in Verbindung mit der Gemeinde, aber die Enge der Verbindung dieser Gemeinde mit Christus bedeutet doch, dass die Gemeinde alles das, was sich auf den Herrn in seiner Erhöhung bezieht, mit Ihm teilen wird. Zwei Beispiele mögen das belegen:

  • Psalm 2,9 („Mit eisernem Zepter wirst du sie zerschmettern, wie ein Töpfergefäß sie zerschmeißen“) spricht von Christus in seiner Erhöhung. Doch Offenbarung 2,26.27 („Wer überwindet …, wird sie weiden mit eiserner Rute, wie Töpfergefäße zerschmettert werden“) zeigt, dass wir, die Christen, darin mit Ihm verbunden sein werden.

  • Psalm 8,6.7 („Du hast ihn zum Herrscher gemacht über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füße gestellt“) spricht von Christus in seiner Erhöhung. Doch Epheser 1,22 („und hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“) zeigt, wie nahe wir darin mit Ihm verbunden sind.

Viele Umstände und Erfahrungen und auch die Tröstungen galten und gelten natürlich für die Gläubigen aller Zeiten. Und selbst wenn wir uns nicht in denselben Schwierigkeiten befinden, so macht es uns doch immer wieder Mut, zu sehen, dass Gläubige in vielleicht anderen schwierigen Umständen doch immer wieder ihren Blick zu Gott erhoben und von Ihm getröstet wurden.


Diese Gedanken gehen auf Schriften vergangener Jahrhunderte wie auch auf Vorträge zeitgenössischer Bibelausleger zurück.

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