Anmerkungen zu dem Buch „Der Himmel: Was uns dort wirklich erwartet“
Ein Buch von Randy Alcorn

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 06.12.2014, aktualisiert: 04.10.2018

Inzwischen kennen auch manche Christen in Deutschland Randy Alcorn. Er ist ein amerikanischer Autor und Direktor der gemeinnützigen christlichen Organisation Eternal Perspective Ministries.

Im Deutschen wird außer Alcorns Buch Der Himmel: Was uns dort wirklich erwartet besonders auch sein Buch Behüte dein Herz: Warum es wichtig ist, mit Sexualität richtig umzugehen beworben. Ich habe auch dieses Buch selbst gelesen und auch an junge Christen weitergegeben, weil es dieses Thema sehr treffend behandelt.

Ziel des Buches Der Himmel: Was uns dort wirklich erwartet ist es, bei Gläubigen eine größere Freude auf den Himmel zu bewirken. Der Christ soll wissen, was ihn dort erwartet und wie schön es dort ist. Grundsätzlich ist an diesem Ansatz nichts auszusetzen. Wenn es auf der letzten Seite der Bibel heißt: „Der Geist und die Braut sagen: Komm!“, dann ist es klar, dass eine Sehnsucht, bei unserem Herrn zu sein, uns ständig, grundsätzlich und tief kennzeichnen sollte. Es ist natürlich bei solch einem Buch wichtig, dass wir dann auch die Gedanken Gottes vorstellen und nicht unsere unerfüllten irdischen Wünsche in den Himmel projizieren.

Im Folgenden gebe ich einige Gedanken weiter, die mir beim Lesen des Buches gekommen sind. Ich folge damit der Aufforderung, die Alcorn auf den ersten Seiten seines Buches dem Leser mit auf den Weg gibt: „Prüfen Sie dieses Buch anhand der Bibel“ (S. 7).

Ich beschränke mich dazu auf den ersten Teil des Buches, da sich im Verlauf des Buches die Argumentationen wiederholen. Dazu nutze ich die Methode, die Aussagen von Alcorn direkt mit den Aussagen des Wortes Gottes zu konfrontieren und dann kurz zu kommentieren.


Alcorn schreibt: „Wenn wir uns kein Bild vom Himmel machen können, dann können wir uns auch nicht auf ihn freuen. Alles Angenehme, das wir vom Leben auf der Erde kennen, haben wir durch unsere Sinne erfahren. Wenn folglich der Himmel als etwas beschrieben wird, das für unsere Sinne unerreichbar ist, dann wirkt er auf uns nicht einladend – im Gegenteil, er wirkt befremdlich und jagt uns sogar Schrecken ein“ (S. 24).

Das Wort Gottes sagt: „Wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1Joh 3,2); „… damit wir … zusammen mit ihm leben“ (1Thes 5,10); „Sucht, was droben ist, wo der Christus ist“ (Kol 3,1).

Kommentar: Müssen wir uns bezüglich des Himmels wirklich mehr vorstellen können, als dass er von Christus ausgefüllt wird? Reicht Christus nicht als Bild vom Himmel aus? Woher will Alcorn wissen, wie die Sinne des „Leibes der Herrlichkeit“ funktionieren?


Alcorn schreibt: „Deshalb können wir die Ermahnung von Paulus in Kolosser 3,1 so verstehen: ,Verfolgt sorgfältig, tatkräftig und zielstrebig das, was droben ist‘ – kurz gesagt: den Himmel“ (S. 27).

Das Wort Gottes sagt: „Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit“ (Kol 3,1-4).

Kommentar: Es geht bei dem Wort „was droben ist“ nicht so sehr um den Himmel selbst, sondern um den, der den Himmel bewohnt, denn es heißt „wo der Christus“ ist. 


Alcorn schreibt: „Wir müssen beginnen, von Gottes offenbarter Wahrheit her logisch zu denken. Doch dieses logische Denken erfordert den Gebrauch einer Phantasie, die von der Bibel belebt wird“ (S. 28).

Das Wort Gottes sagt: „… noch sich mit Fabeln … abzugeben“ (1Tim 1,4); „Die ungöttlichen und altweibischen Fabeln aber weise ab“ (1Tim 4,7); „Sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren, sich aber zu den Fabeln hinwenden“ (2Tim 4,4); „… und nicht achten auf jüdische Fabeln und Gebote von Menschen, die sich von der Wahrheit abwenden“ (Tit 1,14); „Denn wir haben euch die Macht und Ankunft unseres Herrn Jesus Christus nicht kundgetan, indem wir ausgeklügelten Fabeln folgten, sondern als solche, die Augenzeugen seiner herrlichen Größe geworden sind“ (2Pet 1,16); „Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und hofft völlig auf die Gnade, die euch gebracht wird bei der Offenbarung Jesu Christi“ (1Pet 1,13); „Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. Seid nun besonnen und seid nüchtern zum Gebet“ (1Pet 4,7); „Seid nüchtern, wacht; euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (1Pet 5,8).

Kommentar: Natürlich sind Fabeln nicht zwingend mit der Phantasie zu vergleichen, dennoch ist es auffallend, dass gerade die Fabeln doch der Phantasie entspringen und dass davor deutlich gewarnt wird. Auch zeigen die Bibelstellen aus dem Petrusbrief, dass besonders für die Endzeit und mit dem Kommen des Herrn Nüchternheit gefragt ist. Die Offenheit Alcorns bezüglich der Phantasie halte ich für bedenklich. Der Apostel Paulus fordert uns auf, „jeden Gedanken gefangen [zu] nehmen unter den Gehorsam des Christus“ (2Kor 10,5).


Alcorn schreibt: „Genau das verspricht uns die Bibel: Wir werden mit Christus und miteinander für immer auf der neuen Erde leben“ (S. 40). [Kursiv von SI]

Das Wort Gottes sagt: „Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln“ (Phil 3,20); „Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und bewahren für sein himmlisches Reich“ (2Tim 4,18); „Wie der von Staub ist, so sind auch die, die von Staub sind; und wie der Himmlische, so sind auch die Himmlischen“ (1Kor 15,48); „Denn wir wissen, dass, wenn unser irdisches Haus, die Hütte, zerstört wird, wir einen Bau von Gott haben, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, ein ewiges, in den Himmeln“ (2Kor 5,1); „… von dem jede Familie in den Himmeln und auf der Erde benannt wird“ (Eph 3,15).

Kommentar: Es gibt offensichtlich ein Bürgertum im Himmel, und Epheser 3 sagt sogar, dass es Familien im Himmel und auf der Erde geben wird [z.B. die Familie der Engel, aber eben auch die Familie der Kinder Gottes der heutigen Zeit]. Es gibt offensichtlich zwei Bereiche. Der Himmel ist nicht gleich Erde und die Erde ist nicht gleich der Himmel, auch wenn ich zustimmen würde, dass der Himmel im ewigen Zustand wohl der Erde näher ist, als man landläufig meinen könnte. R. Alcorn übersieht nach meinem Dafürhalten, dass Gott ein Geheimnis offenbart hat, wobei Gott seinen Plan für den Himmel enthüllt hat. Dazu hat er Menschen mit einer himmlischen Berufung gerufen (Heb 3,1), so wie Er im Alten Testament hauptsächlich seinen Plan mit dieser Erde enthüllt und in Abraham, den einen (Jes 51,2), ein Volk mit einer Berufung für die Erde gerufen hat (vgl. 1Mo 12).


Alcorn schreibt: „Warum widerstrebt uns der Gedanke, dass der Himmel gegenständlich sein könnte, so sehr? Die Antwort liegt meiner Meinung nach in dem unbiblischen Glauben, dass der geistliche Bereich gut und die materielle Welt schlecht ist, eine Anschauung, die ich Christoplatonismus nenne“ (S. 46).

Das Wort Gottes sagt: „Gott ist ein Geist“ (Joh 4,24); „Was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“ (Joh 3,6); „Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist“ (Joh 3,8); „Es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistiger Leib. Wenn es einen natürlichen Leib gibt, so gibt es auch einen geistigen“ (1Kor 15,44).

Kommentar: Egal, was Plato gesagt hat, die Heilige Schrift spricht davon, dass der Leib in der Auferstehung deutlich unterschieden ist von dem natürlichen Leib (vgl. 1Kor 15). Das Geistige ist nun mal davon gekennzeichnet, dass es nicht gegenständlich ist. Wie man sich den geistigen Leib vorzustellen hat, kann man nicht genau sagen; jedenfalls war der Leib des Herrn nicht in dieser Weise gegenständlich, wie wir das kennen, als Er am Auferstehungstag durch verschlossene Türen ging.


Alcorn schreibt: „Wir haben Heimweh nach Eden. Wir sehnen uns nach dem, was in unserem Herzen eingewurzelt ist. Wir sehnen uns nach dem, woran sich der erste Mann und die erste Frau freuten: nach einer vollkommenen und schönen Erde mit einer freien und unbeeinträchtigten Beziehung zu Gott, anderen Menschen, Tieren und unserer Umwelt, jeder Versuch menschlichen Fortschritts ist ein Versuch, das wiederherzustellen, was beim Sündenfall verlorenging“ (S. 59).

Das Wort Gottes sagt: „Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist“ (Kol 3,2).

Kommentar: Es mag in jedem Menschen ein Überbleibsel einer gewissen Sehnsucht danach sein, was Adam und Eva verloren haben. Aber für den Christen hat diese Sehnsucht eine völlig neue Dimension erhalten. Wir sehnen uns nicht mehr nach einem Optimalzustand für diese oder die zukünftige Schöpfung (obwohl es diesen geben wird), sondern nach Christus. Wer von dem Wasser getrunken hat, das allein Christus geben kann, wird nicht mehr dürsten in Ewigkeit (vgl. Joh 4). Hat dieses Wasser, das allein der Herr geben kann, irgendetwas mit der Stillung eines irdischen Bedürfnisses zu tun?


Alcorn schreibt: „Hier könnte man einwenden, Jesus habe aber doch gesagt, er werde einen Platz für uns vorbereiten, zu dem er uns holen wird und an dem wir für immer mit ihm leben (Johannes 14,2.3). Stimmt. Doch was für ein Platz ist das? Offenbarung 21 gibt eine klare Antwort darauf: Dieser Platz ist die neue Erde. Dort wird das neue Jerusalem sein, wenn es vom Himmel herunterkommt. Erst dann werden wir wirklich zu Hause sein“ (S. 59).

Kommentar: Unser wirkliches Zuhause wird da sein, wo der Vater ist und wo Christus ist. Wir werden in Ewigkeit im Haus des Vaters sein. Das ist unser wirkliches Zuhause. R. Alcorn schreibt: „Offenbarung 21 gibt eine klare Antwort darauf.“ Wirklich? Wenn wir aber Offenbarung 21 genau lesen, dann stellen wir fest, dass es zumindest nicht dort steht, dass ihr Platz die Erde sein würde, wir lesen lediglich, dass es aus dem Himmel herabkommt. Bis wohin bleibt an dieser Stelle offen.


Alcorn schreibt: „Wenn man glaubt, dass man sich den Himmel nicht vorstellen kann, dann kann man sich nicht für ihn begeistern. Dann kann man nicht in der kindlichen Erwartung und Vorfreude leben, die Gott so hoch schätzt (Markus 10,15)“ (S. 60, 61).

Das Wort Gottes sagt: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9).

Kommentar: Was muss ich über den Himmel wissen, um mich für ihn zu begeistern? Wenn Christus nicht reicht, damit ich mich für den Himmel begeistere, dann scheint grundsätzlich etwas nicht zu stimmen. Wenn wir uns mit Christus beschäftigen, dann lernen wir die ganze „Welt“ des Vaters kennen. Das sollte mehr als genug sein!


Alcorn schreibt: „Hätte Jesus gesagt, dass der Himmel ein Platz, ein Ort, ist, wenn dem nicht so wäre? Wenn wir den Himmel zu etwas weniger oder zu etwas anderem als einen Ort machen, dann berauben wir die Worte Christi ihrer Bedeutung“ (S. 61).

Das Wort Gottes sagt: „Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet (Joh 14,3); „… zusammen mit ihm leben“ (1Thes 5,10); „Wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1Joh 3,2).

Kommentar: Das wird unser Himmel sein: dass wir Ihn sehen, wie Er ist; dass wir zusammen mit Ihm leben; dass wir dort sind, wo Er ist. Alcorn besteht darauf, dass der Himmel ein wirklicher gegenständlicher Ort ist, aber Christus legt gerade den Focus darauf, dass es zuerst ein Ort der Beziehung sein wird. Wenn uns der Himmel als das Haus des Vaters beschrieben wird, dann stellen wir uns ja nicht wirklich ein Gebäude von Stein vor. Möchte der Herr Jesus mit diesem Ausdruck nicht viel mehr andeuten, dass das Haus des Vaters ein Ort der Beziehung ist, ein Ort wo die Liebe des Vaters zu dem Sohn völlig gekannt und wertgeschätzt wird?


Alcorn schreibt: „Die Welt, wie sie war und wie sie sein wird, ist unser Zuhause. Wir haben noch kein Leben ohne Sünde, ohne Leid und ohne Tod erlebt. Und doch sehnen wir uns nach einem solchen Leben und einer solchen Welt. Wenn wir einen tosenden Wasserfall, herrliche Blumen, ein wildes Tier in seinem natürlichen Lebensraum oder die Freude in den Augen unserer Haustiere sehen, dann spüren wir, dass diese Welt unser Zuhause ist – oder zumindest dafür bestimmt war, unser Zuhause zu sein“ (S. 62).

Das Wort Gottes sagt: „Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt bin“ (Joh 17,16); „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt“ (Heb 13,14); „Denn die, die solches sagen, zeigen deutlich, dass sie ein Vaterland suchen. Und wenn sie an jenes gedacht hätten, von dem sie ausgegangen waren, so hätten sie Zeit gehabt, zurückzukehren. Jetzt aber trachten sie nach einem besseren, das ist himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott genannt zu werden, denn er hat ihnen eine Stadt bereitet“ (Heb 11,15.16).

Kommentar: Die Bibel spricht mehrfach davon, dass der neue Mensch in Christus ganz andere Interessen kennt, als der erste Mensch unter Adam. Der erste Mensch war aus dem Fleisch geboren und der zweite Mensch aus dem Geist. Das ist ein grandioser Wechsel. Die Schrift spricht deutlich von einem „natürlichen Leib“ und einem „geistigen Leib“. Es wird einen Leib der Herrlichkeit geben, also einen Leib, der für die Herrlichkeit im Vaterhaus angemessen ist. Meines Erachtens wird der Wechsel von der ersten Schöpfung in Adam zur Neuschöpfung in Christus im Buch von R. Alcorn nicht genügend berücksichtigt.


Alcorn schreibt: „Bedenken Sie Folgendes: Wenn es Gottes Plan wäre, die Menschen einfach in den jetzigen Himmel, also den Zwischenhimmel, zu holen oder in einen Himmel, der der Wohnort von Geistwesen ist, dann bräuchte man keinen neuen Himmel und keine neue Erde. Er könnte seine ursprüngliche Schöpfung einfach zerstören und von ihr Abstand nehmen. Doch das will er nicht“ (S. 70).

Das Wort Gottes sagt: „Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Fürstentümer, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern“ (Eph 6,12); „Und es entstand ein Kampf in dem Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel; und er gewann nicht die Oberhand, auch wurde ihre Stätte nicht mehr in dem Himmel gefunden. Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, welcher Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen“ (Off 12,7-9).

Kommentar: Offensichtlich ist die Lage nicht so einfach, wie Alcorn sie beschreibt. Er scheint nicht zu sehen, dass auch der Himmel, zumindest das, was als himmlische Örter bezeichnet wird, durch den Teufel verunreinigt ist. Deshalb ist eine Neuschöpfung des Himmels – des geistigen Bereichs – ebenso erforderlich. Zudem wird es eben nicht nur Menschen im Himmel, sondern auch Menschen auf der Erde geben. Je nach Berufung, die jemand erhalten hat (vgl. Eph 3,15). Im ewigen Zustand sind eben nicht alle Gläubigen aller Zeitalter gleichgestellt. Es wird immer solche geben, die in Ewigkeit „herrschen“ werden (Off 22,5). Wenn alle Menschen gleich wären, stellt sich die Frage, wer hier über wen herrschen sollte.


Alcorn schreibt:Jesaja 60 ist eine weitere bedeutende Bibelstelle, in der die neue Erde beschrieben wird. Obwohl der Begriff neue Erde darin nicht vorkommt (anders als in Jesaja 65 und 66), können wir sicher sein, dass Jesaja sie meinte, weil Johannes genau diese Worte für die Beschreibung der neuen Erde in Offenbarung 21–22 benutzt. Deshalb dient Jesaja 60 als bester Bibelkommentar zu Offenbarung 21–22“ (S. 76).

Kommentar: Ist Jesaja 60 wirklich ein Kommentar für Offenbarung 21–22? War es wirklich die Aufgabe von Johannes einfach etwas zu wiederholen, was zuvor bereits aufgeschrieben wurde und es zu kommentieren? Offenbart der Apostel Johannes nicht gerade etwas völlig Neues, was bis dahin eben noch nicht offenbart wurde? Die Aufgabe des Apostels Johannes war doch, gerade das zu offenbaren, was weit über Jesaja 60 hinausgeht. Jesaja beschäftigt sich nur mit Dingen, die die Erde betreffen, aber Johannes beschreibt uns gerade die Seite, was zur gleichen Zeit in der himmlischen Sphäre passiert. Im Weiteren argumentiert Alcorn so, dass Jesaja 60 schließlich sagen würde: „Sie werden das Land ewiglich besitzen“ (Jes 60,21). Das Wort „ewig“ will er so verstanden wissen, dass dies eben der ewige Zustand ist. Aber eine Untersuchung des Wortes „ewig“ im Alten Testament zeigt, dass wir nicht immer buchstäblich an die Ewigkeit denken dürfen (das ist im Neuen Testament übrigens völlig anders).

  • Exkurs: Das Wort „ewig“ hat eine vielschichtigere Bedeutung, als es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag. Es wird nicht nur verwendet, um zu beschreiben, dass etwas auch in der „Zeit“ des neuen Himmels und der neuen Erde, also in der Ewigkeit, noch gültig ist; es wird ebenso verwendet, um die Dauer einer Sache auszudrücken, die beständig fortdauert, ohne unterbrochen zu werden, auch wenn die Sache ihrer Natur nach nicht fortdauern kann. Das ist insbesondere im Alten Testament der Fall, wenn es sich, wie bei den obengenannten Stellen, um Verheißungen für die Erde handelt. Diese Verheißungen für „ewig“ haben in dem Augenblick keine Funktion mehr, wenn die Erde, auf die sie sich beziehen, nicht mehr existiert. In anderen Bibelstellen wird noch deutlicher, dass der Begriff „ewig“ aus dem Zusammenhang heraus verstanden werden muss, auf den er sich bezieht. Wenn ein Sklave unter bestimmten Umständen „auf ewig“ zu dienen verpflichtet war (2Mo 21,6), hatte dieser Dienst mit dem Tod des Sklaven offensichtlich ein Ende. Ebenso wenig wird irgendjemand auf der neuen Erde noch ein Andenken an den Trümmerhaufen von Ai erwarten (Jos 8,28). Und heute wird in Israel niemand mehr die Schutthaufen der verbrannten Städte suchen (5Mo 13,17). Nach 5. Mose 23,4 sollte „kein Ammoniter oder Moabiter … in die Versammlung des HERRN kommen in Ewigkeit“. Niemand käme aufgrund dieser Stelle auf den Gedanken, dass dieses Gebot auch in der Gemeinde des Herrn in der heutigen Zeit Gültigkeit hätte. Diese Beispiele mögen genügen, um aufzuzeigen, wie abwegig es ist, in den oben angeführten Stellen bei dem Begriff „ewig“ an Verheißungen zu denken, die bis in die Ewigkeit des neuen Himmels und der neuen Erde hineinreichen. Diese Bedeutung im Sinne von „endlos“, „ohne Ende“, „ohne Aufhören“ geht weit über den zeitlich begrenzten Aspekt der irdischen Verheißungen und des irdischen Volkes hinaus.

Alcorn schreibt: „Unser Interesse für die Endzeit beschränkt sich normalerweise auf die Zeit unmittelbar vor und nach der Wiederkunft Christi. Doch der Zielpunkt von Gottes Plan liegt nach dem letzten Gericht, wenn Jesus als König sagt: ,Kommt, ihr seid von meinem Vater gesegnet, ihr sollt das Reich Gottes erben, das seit der Erschaffung der Welt auf euch wartet‘ (Matthäus 25,34). Wo ist dieses Reich? Genau da, wo es von Anfang an war – auf der Erde“ (S. 82).

Das Wort Gottes sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt wäre, hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde; jetzt aber ist mein Reich nicht von hier“ (Joh 18,36); „Die Himmel herrschen“ (Dan 4,26). „Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und bewahren für sein himmlisches Reich; dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“ (2Tim 4,18).

Kommentar: So einfach ist es nicht, uns mit diesen Aussagen auf die Erde zu bringen. Das zeigen die angeführten Schriftstellen. Die Frage ist doch, zu wem spricht der Herr Jesus in Matthäus 25,34? Natürlich wird das Reich, von dem hier die Rede ist, auf der Erde sein. Hier geht es dann um das Erbe für Israel und nicht um das Erbe für die Gemeinde. Das Erbe und die Verheißungen für die Gemeinde liegen auch weit vor der Zeit im ewigen Vorsatz Gottes begründet (vgl. Eph 1,3-14). Hier geht es um das, was von der Erschaffung der Welt an verheißen wurde, und das steht vor allen Dingen mit dem irdischen Volk Gottes (Israel) in Verbindung. Es ist übrigens auch auffallend, dass hier nicht steht, „Gesegnete eures Vaters“, sondern „Gesegnete meines Vaters“. In der heutigen Epoche ist der Vater des Herrn Jesus Christus auch „unser Vater“. Scheinbar wird das im Friedensreich anders sein.


Alcorn schreibt: „Der Himmel ist Gottes Wohnung. Die Erde ist unsere Wohnung. Jesus Christus verbindet als Gottmensch für immer Gott und die Menschen und verbindet deshalb auf immer den Himmel und die Erde. Epheser 1,10 macht klar, dass die Vorstellung von der Vereinigung der Erde und des Himmels wirklich biblisch ist. Christus wird die Erde zum Himmel und den Himmel zur Erde machen“ (S. 83).

Das Wort Gottes sagt: „… für die Verwaltung der Fülle der Zeiten: alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das was in den Himmeln und das, was auf der Erde ist, in ihm“ (Eph 1,10).

Kommentar: Epheser 1,10 sagt nicht einmal: „… das was in den Himmeln und auf der Erde ist, in ihm.“ Nein, hier heißt es beide Male, in Bezug auf die Himmel und auf die Erde, ausdrücklich „und das“. Christus wird ein himmlisches Volk und ein irdisches Volk haben. Er wird im Himmel regieren, über die Himmelsbewohner, und Er wird auf der Erde regieren über die Erdbewohner. Aber beide werden keineswegs verschmolzen, weil Er Haupt von beiden ist. Ist die Erde wirklich die Wohnung der Christen? Schon in der Jetztzeit sollten wir uns praktisch mehr in himmlischen Örtern aufhalten, weil wir bereits unserer Stellung nach dorthin versetzt wurden (Eph 2). Wir haben eine Behausung Gottes im Geist. Ja, unsere Stätte wird nicht auf dieser Erde bereitet, sondern unsere ewige Wohnung wird im Vaterhaus sein (Joh 14). Sieht R. Alcorn denn nicht, dass die Berufung der Kinder Gottes in der Jetztzeit eine völlig andere ist als in allen Zeitaltern zuvor? Die Gläubigen sind eben vor Grundlegung der Welt auserwählt, also bevor es überhaupt eine Schöpfung von Himmel und Erde gab. So sind Christen also auch „nicht von dieser Welt“, sie gehören in eine völlig andere Sphäre. Das Buch "Der Himmel" kommt über eine irdische Hoffnung nicht hinaus und kann die himmlische Hoffnung nicht sehen. „… wegen der Hoffnung, die für euch aufgehoben ist in den Himmeln“ (Kol 1,5) – diese Hoffnung fehlt mir in  Alcorns Buch.


Alcorn schreibt: „Die künftige neue Erde wird Gottes Wohnort sein, sie wird so rein und heilig sein, wie der Himmel schon immer war. Deshalb kann es nicht unangemessen sein, sich den Himmel irdisch vorzustellen, weil die Bibel selbst uns quasi dazu zwingt“ (S. 125).

Das Wort Gottes sagt: „Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott“ (Off 21,3); „Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich in ihrer Mitte wohne“ (2Mo 25,8).

Kommentar: Der Vergleich dieser beiden Schriftstellen zeigt: Es greift zu kurz, aus Offenbarung 21,3 zu schließen, dass Gott seine Wohnung im Himmel verlassen muss, um bei Menschen im Himmel zu wohnen. Auch heute wohnt Er in seiner Versammlung hier auf der Erde. Hat Er darum das Vaterhaus im Himmel aufgegeben? Warum sollten wir uns den Himmel irdisch vorstellen? Wenn der Himmel quasi die Erde ist, warum schafft Gott dann eigentlich überhaupt noch einen neuen Himmel? Nach Epheser 1,10 gibt es zwei Sphären, in denen Gott sich durch Christus verherrlichen möchte. Dass im ewigen Zustand Himmel und Erde näher zusammenrücken als in der heutigen Zeit, lasse ich gerne stehen, aber dass man den Himmel zur Erde und die Erde zum Himmel macht, finde ich im Wort Gottes nicht.


Alcorn schreibt: „Wenn man zu einem Menschen, der die Wunder der Welt zu schätzen weiß, sagt: ,Diese Welt ist nicht unser Zuhause‘, dann hat das die Wirkung einer eiskalten Dusche. Wir sollten aber die Liebe zur Erde anfachen und nicht auslöschen“ (S. 127).

Das Wort Gottes sagt: „Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist“ (Kol 3,2; vgl. Mt 6,19.20; 1Joh 2,15); „Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern eine irdische, sinnliche, teuflische“ (Jak 3,15); „… deren Ende Verderben, deren Gott der Bauch und deren Ehre in ihrer Schande ist, die auf das Irdische sinnen“ (Phil 3,19); „Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage?“ (Joh 3,12); „Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt bin“ (Joh 17,16); „Die jetzigen Himmel aber und die Erde sind durch sein Wort aufbewahrt, für das Feuer behalten auf den Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen. … Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, an welchem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brande werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden“ (2Pet 3,7-10).

Kommentar: Wie kann man angesichts einer Bibelstelle wie Kolosser 3,2 wirklich dazu auffordern, die Liebe zur Erde anzufachen, wo doch jener, der uns am meisten bedeutet, im Himmel ist. Sieht Alcorn wirklich nicht, dass zumindest für die Gemeinde eine ganz andere Hoffnung besteht als zum Beispiel für Israel? Und so schön die Wunder dieser Welt auch alle sein mögen und sie tatsächlich etwas von der Herrlichkeit Gottes erzählen, so heißt es doch: „… indem ihr erwartet und beschleunigt die Ankunft des Tages Gottes, dessentwegen die Himmel, in Feuer geraten, werden aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden“ (2Pet 3,12).


Alcorn schreibt: „Wenn wir in der Kirche sitzen, geben wir möglicherweise vor, die Welt zu verachten, doch sobald wir in unserem Auto sitzen, stellen wir unsere Lieblingsmusik an und fahren nach Hause zu einem Grillfest mit Freunden, schauen ein Fußballspiel an, spielen Golf, fahren Rad, arbeiten im Garten oder sitzen bequem mit einer duftenden Tasse Kaffee und einem guten Buch im Sessel. Wir tun diese Dinge nicht, weil wir Sünder sind, sondern weil wir Menschen sind. Wenn wir sterben und in den Himmel kommen, sind wir immer noch Menschen. Das ist keine enttäuschende Tatsache, sondern Gottes Plan. Er hat uns so gemacht, wie wir sind – mit Ausnahme der Sünde, und die hat nichts mit Freunden, Essen, Sport, Gartenarbeit oder Lesen zu tun. Was uns an diesem Leben gefällt, sind die Dinge, die an das Leben erinnern, für das wir geschaffen wurden. Die Dinge, von denen wir begeistert sind, sind nicht nur das Beste, was dieses Leben zu bieten hat, sie sind so etwas wie eine Vorschau auf das künftige, großartigere Leben“ (S. 127).

Das Wort Gottes sagt: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14,17); „Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung“ (2Kor 5,17).

Kommentar: Es wäre gut, einmal zu studieren, was mit der Neuschöpfung in Christus alles verbunden ist. Leider fehlt dazu hier der Platz. Ich gebe dazu einige Studienhinweise: Eph 2,14-16; 2Kor 5,16-18; Gal 6,14-16; Eph 4,22-24; 5,1; Kol 3,9-11. Es geht in keiner Stelle darum, das Leben hier auf der Erde zu genießen. Es geht vielmehr um eine völlig neue Einheit, um völlig neue Beziehungen, um eine neue Lebensregel, einen neuen Wandeln im Bereich der Moral und Ethik und um eine neue Kenntnis. Der neue Mensch in Christus bringt völlig andere Interessen, Empfindungen und Bedürfnisse mit sich. Weder den Herr Jesus noch seine direkten Jünger noch den Apostel Paulus finden wir in der Bibel Golf spielen, ein Grillfest organisieren, im Sessel sitzend genüsslich eine Tasse Kaffee trinken und sollten wir nicht ihre Nachahmer sein?

All das ist an sich nicht böse (obwohl es das dann wird, wenn wir eigentlich etwas anderes tun sollten), weil wir noch in dieser Welt leben, aber in der neuen Schöpfung spielen diese Dinge keine Rolle mehr; denn das Reich Gottes ist eben nicht Essen und Trinken, wie Römer 14 sagt. Gott hat uns die irdischen Dinge „alle reichlich dargereicht zum Genuss“ (1Tim 6,17); davon wollen wir nichts wegnehmen, aber sie sind nicht typisch christlich. Wer aus der Gemeindestunde kommt und sich, wie oben beschrieben, nur noch in diesen irdischen Dingen verliert, muss sich nicht wundern, wenn er die Ermahnung hören muss: „… deren Ende Verderben, deren Gott der Bauch und deren Ehre in ihrer Schande ist, die auf das Irdische sinnen“ (Phil 3,19).


Alcorn schreibt: „Wenn ich an anderer Stelle in diesem Buch über die vielfältigen Freuden des auferstandenen Lebens im neuen Universum spreche, könnten einige Leser einwerfen: Doch unsere Augen sollten auf den Geber, nicht auf die Gabe gerichtet sein. Wir müssen uns auf Gott konzentrieren, nicht auf den Himmel. Diese Einstellung klingt geistlich, trennt aber in irreführender Weise die Erfahrungen, die wir mit Gott gemacht haben, vom Leben, von den Beziehungen und von der Welt – von allem, was Gott uns in seiner Gnade schenkt“ (S. 133).

Das Wort Gottes sagt: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus“ (Eph 1,3).

Kommentar: Es wäre gut, das ganze Kapitel 1 des Epheserbriefes zu lesen. Denn dort geht es um die himmlischen Segnungen. Der Apostel Paulus erwähnt dort einige Segnungen, die wir in Christus haben, aber er bleibt dabei nicht stehen, sondern preist darüber Gott den Vater. Wenn wir den Segen der Sohnschaft empfangen haben, dann heißt es weiter: „für sich selbst“. Wir haben die Sohnschaft nicht für uns empfangen, sondern damit Gott dadurch hoch erhoben wird. Wenn Paulus über die Versiegelung mit dem Geist berichtet, dann bleibt er nicht bei diesem Segen stehen, sondern sagt: „zum Preise seiner Herrlichkeit“. Weiter schreibt Paulus, dass wir den Geist der Weisheit und Offenbarung erhalten sollen. Warum? „In der Erkenntnis seiner selbst.“ Bei allen Gaben geht es doch letztlich nie um die Gabe an sich, sondern um den, der diese Gabe gegeben hat – wir sollen dadurch Gott selbst erkennen. Wenn unsere Augen erleuchtet werden sollen (Eph 1,18), dann deshalb, um die Hoffnung seiner Berufung und den Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes zu erkennen. Es geht eben nicht so sehr um die Gabe, sondern um den Geber. 

Alcorn hat recht, wenn er schreibt: „Diese Einstellung klingt geistlich, trennt aber in irreführender Weise die Erfahrungen, die wir mit Gott gemacht haben, vom Leben, von den Beziehungen und von der Welt.“ Doch ist es genau anders, als Alcorn diesen Satz meint. Alcorn bringt unsere geistlichen Erfahrungen mit Gott auf das Niveau dessen herunter, was wir tagtäglich mit all dem Versagen, himmlisch zu leben, erfahren, statt dass wir unser Verhalten, unsere Beziehungen, unsere Beschäftigung dem Niveau solcher Erfahrungen mit Gott anpassen, wie Gott sie haben möchte; dass wir nämlich in seine Gedanken eingehen und die Dinge um uns herum mit seinen Augen sehen. Wenn das der Fall wäre, dann würden wir mehr und mehr gelöst werden von der Welt. Wir sollten uns mit den Segnungen des Himmels beschäftigen und nicht mit den Segnungen der Erde; und die Segnungen des Himmels haben alle irgendwie mit Christus zu tun.


Alcorn schreibt: „Wir sind zur Anbetung Gottes geschaffen. Es gibt kein größeres Vergnügen. Manchmal werden wir uns im Lobpreis verlieren und nichts anderes tun, als ihn anzubeten. Zu anderen Zeiten werden wir ihn anbeten, während wir einen Schrank zimmern, ein Bild malen, ein Essen kochen, mit einem Freund sprechen, spazieren gehen oder einen Ball werfen“ (S. 143).

Das Wort Gottes sagt: „Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an und wisst nicht, was; wir beten an und wissen, was; denn das Heil ist aus den Juden. Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahrhaftigen Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten“ (Joh 4,21-24).

Kommentar: Ob wir im Himmel einen Schrank zimmern oder ein Bild malen werden, ist erst einmal reine Spekulation, dafür gibt es nicht den geringsten Beweis in der Heiligen Schrift. Das Thema Anbetung ist zudem auch sehr vielschichtig. In Johannes 4 finden wir, dass nicht jede Anbetung heute auch eine Anbetung ist, die Gott akzeptiert. Es gibt hier ein heiliges „Müssen“ („und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten...“). Weder Kain, noch die Rotte Korahs, dessen Räucherwerk von Gott abgelehnt wurde, noch Nadab und Abihu, die fremdes Feuer ins Heiligtum brachten, konnten sich ihre Weise aussuchen, wie Gott angebetet werden wollte. Allerdings stimme ich insoweit zu, dass wir in der heutigen Zeit tatsächlich alles zur Ehre Gottes tun sollen, auch Essen kochen oder einen Schrank zimmern (vgl. 1Kor 10,31). Aber diese Art der Anbetung/Ehre müssen wir doch von der Anbetung in Geist und Wahrheit, die der Vaters sucht, unterscheiden.


Alcorn schreibt: „Wir wurden in die Familie eines unglaublich reichen Landbesitzers hineingeboren. Unser Vater hat einen Familienbetrieb, der das ganze Universum umfasst. Er vertraut uns die Verwaltung des Familienbetriebs an, und deshalb wird es unsere Aufgabe in der Ewigkeit sein, Gottes Vermögen zu verwalten, sein Universum zu regieren und ihn als sein Ebenbild, als seine Kinder und Botschafter zu vertreten“ (S. 151).

Das Wort Gottes sagt: „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabkommen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Thron sagen: Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen!“ (Off 21,2.3).

Kommentar: Gottes Wort unterscheidet also deutlich zwischen der heiligen Stadt, dem neuen Jerusalem, der Braut des Lammes, der Hütte Gottes auf der einen Seite und den Menschen auf der anderen Seite, bei denen diese sein wird. Man fragt sich unwillkürlich: Wenn es im Himmel, oder nach Alcorn ja auf der Erde, doch nur eine Sorte Menschen gibt, vor wem will Alcorn hier eigentlich etwas als Botschafter vertreten? Wenn wir allerdings tatsächlich Botschafter des Himmels sind, weil unser Bürgertum im Himmel liegt, dann können wir tatsächlich etwas vertreten gegenüber jenen, die auf der neuen Erde leben. Nur dann gäbe es auch solche, über die man herrschen könnte. Wer will eigentlich hier über wen herrschen, wenn es nur eine Art von Menschen gäbe? Wenn alle zum Herrschen berufen sind, dann fehlen ja jene, die beherrscht werden …


Alcorn schreibt: „Wie der Garten Eden unser Bezugspunkt in der Vergangenheit ist, so ist die neue Erde unser Bezugspunkt in der Zukunft. Wir können erwarten, dass die neue Erde so wie der Garten Eden sein wird, nur besser. Genau das verspricht die Bibel: Ja, der Herr tröstet Zion, er tröstet alle ihre Trümmer und macht ihre Wüste wie Eden und ihr dürres Land wie den Garten des Herrn, dass man Wonne und Freude darin findet, Dank und Lobgesang (Jesaja 51,3; Luther). Und man wird sagen: Dies Land war verheert, und jetzt ists wie der Garten Eden, und diese Städte waren zerstört, öde und niedergerissen und stehen nun fest gebaut und sind bewohnt (Hesekiel 36,35; Luther). Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien (Jesaja 35,1; Luther). Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln (Jesaja 55,13; Luther)“ (S. 171).

Das Wort Gottes sagt: „… dann das Ende, wenn er das Reich dem Gott und Vater übergibt, wenn er weggetan haben wird alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht. Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird der Tod weggetan. Denn ‚alles hat er seinen Füßen unterworfen.‘ Wenn er aber sagt, dass alles unterworfen sei, so ist es offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst dem unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei“ (1Kor 15,24-28).

Kommentar: R. Alcorn verwechselt immerzu das Tausendjährige Reich auf der Erde mit der himmlischen Seite des Reiches und der Zeit nach diesem Reich, von der auch 1. Korinther 15 spricht. Alle alttestamentlichen Stellen über das Friedensreich werden mit dem Himmel gleichgesetzt. Wenn er sehen würde, dass das zukünftige Reich eine himmlische und eine irdische Seite hat und dass dieses Reich nach tausend Jahren in dieser Form zu Ende ist, käme er nicht in Versuchung, den Christen einzureden, dass sie eine irdische Hoffnung haben. 

Gott hat, wenn ich das so sagen darf, zwei Pläne. Der eine Plan hatte mit der Erde zu tun, davon sprachen alle Propheten im Alten Testament: „Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, dass er sein Volk besucht und ihm Erlösung bereitet hat und uns ein Horn des Heils aufgerichtet hat in dem Haus Davids, seines Knechtes (wie er durch den Mund seiner heiligen Propheten von alters her geredet hat), Rettung von unseren Feinden und von der Hand aller, die uns hassen“ (Lk 1,68-71). Davon hatten alle heiligen Propheten von alters her geredet! Aber Gott hatte noch einen weiteren Plan, den er „den Söhnen der Menschen nicht kundgetan“, sondern erst durch den Apostel Paulus offenbart hat (Eph 3). Dieser Plan hatte mit der himmlischen Seite zu tun und auch mit der Zeit nach dem 1000-jährigen Reich. Und so verstehen wir heute auch das Geheimnis seines Willens: „Er hat uns kundgetan das Geheimnis seines Willens, nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgesetzt hat in sich selbst für die Verwaltung der Fülle der Zeiten: alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln, und das, was auf der Erde ist, in ihm, in dem wir auch ein Erbteil erlangt haben, die wir zuvorbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rat seines Willens“ (Eph 1,9-11). 

Der Plan für die Erde war, wie gesagt, im Alten Testament hinreichend offenbart worden, aber der Plan für den Himmel wurde vor allem durch den Apostel Paulus offenbart. Gott wird sich in der irdischen Sphäre besonders durch sein Volk Israel verherrlichen und in der himmlischen Sphäre durch seine Gemeinde. Wenn man diese beiden Plänen nicht sieht, muss man zwangsläufig dazu kommen, alle alttestamentlichen Bibelstellen über das Friedensreich auf die Christen zu beziehen. Letztlich haben wohl auch die Zeugen Jehovas keine andere Hoffnung. Mit der Auslegung der Zeugen Jehovas geht man heute meines Erachtens härter ins Gericht, als man das heute mit der Auslegung von Alcorn macht.


Alcorn schreibt: „Wenn wir verstehen, dass uns alles, was wir auf der alten Erde lieben, auch auf der neuen Erde gehören wird – entweder in derselben Form oder in einer anderen –, dann ändert sich alles. Wenn wir das begriffen haben, tut es uns nicht Leid, all die Wunder der Welt, die wir gesehen haben, zurückzulassen, und wir trauern auch nicht über die zahllosen anderen Wunder, die wir nicht gesehen haben. Warum? Weil wir sie noch sehen werden können“ (S. 175).

Das Wort Gottes sagt: „Ja wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, damit ich Christus gewinne“ (Phil 3,8).

Kommentar: Der Apostel Paulus malt uns ein ganz anderes Bild. Er braucht sich nicht deshalb zu grämen, weil er alles, was er vielleicht in seinem Leben verpasst hat, einmal in der neuen Welt erleben wird, sondern er hat einfach an Christus genug. Für ihn war sterben Gewinn, weil er Christus hatte, weil Christus sein Leben war. Paulus achtete alles, was die Erde an vermeintlich guten Dingen hervorbringen konnte, für Dreck. Es ist so gewaltig, dass der Himmel so sehr von Christus reden wird, dass wir uns gar nichts mehr aus den schönsten Dingen der Erde machen werden. Beachten wir es gut, dass Paulus nicht die schlechten Dinge der Erde für Dreck achtete, sondern sogar Dinge, die Gott für eine Zeit den Menschen sogar geschenkt hat.


Fazit: Alcorn wendet sämtliche Bibelstellen des Friedensreiches, so wie es sich auf der Erde entfalten wird, auf den ewigen Zustand an, wobei die Bibel über den ewigen Zustand kaum etwas sagt. Den echten himmlischen Aspekt scheint er nicht zu sehen, denn für ihn ist der Himmel die Erde und die Erde der Himmel. Sie mögen ja nah beieinander liegen, aber sie sind immer noch zu unterscheiden. Der Himmel ist bei ihm einfach nur die Erde in perfektem Zustand. Dass wir in Christus zu neuen Menschen geworden sind und dass sich dieses neue Leben in ganz anderen Interessen, Empfindungen und Bedürfnissen widerspiegelt, sieht er nicht – das Neue ist bei Alcorn einfach nur eine Verbesserung des Alten, quasi wie ein Update seiner Textverarbeitung mit ein paar Verbesserungen (wie Alcorn im Buch schreibt). Aber die neue Geburt ist aus einer völlig anderen Quelle geschehen („Der erste Mensch ist von der Erde, von Staub; der zweite Mensch vom Himmel“), eben aus dem Geist, und so bekommen wir eben auch einen geistigen Körper und werden dadurch völlig passend für den Himmel – deshalb beten wir auch an im Geist, bringen geistliche Schlachtopfer, sind ein geistliches Haus und singen geistliche Lieder. Es ist schon längere Zeit her, dass ich mich mit den Zeugen Jehovas beschäftigt habe, aber deren Zukunftshoffnung ist wohl genau jene von Alcorn (die Bilder der Wachturm-Gesellschaft zeigen genau das, was Alcorn in seinem Buch beschreibt).

Nach meinem Schriftverständnis macht Alcorns Buch die himmlische Hoffnung der Christen zunichte. Bedenken wir es gut, dass es gerade im Epheserbrief um unsere himmlischen Segnungen, um unser Versetztsein in himmlische Örter geht; aber gerade da werden wir auch aufgefordert, die ganze Waffenrüstung Gottes anzuziehen, um am bösen Tag zu widerstehen. Wir haben hier nicht gegen Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die geistlichen Mächte der Bosheit. Hier geht es offensichtlich nicht um unseren Kampf gegen die Sünde, sondern besonders darum, dass wir unsere himmlische Stellung vergessen und so unseren festen Stand in Christus einbüßen.

Meine Befürchtung ist, dass dieses Buch letztlich auch zu einer irdischen Gesinnung in der heutigen Zeit führt (als wären wir als Christen heute nicht schon irdisch genug gesinnt!). Wenn der Teufel uns schon nicht aus der Hand des Vaters rauben kann, dann sorgt er wenigstens dafür, dass wir nicht unserer eigentlichen Stellung gemäß wandeln, um Christus dadurch über die Maßen zu ehren und zu verherrlichen. Christus hat uns vorgelebt, wie ein himmlischer Mensch auf der Erde wandeln sollte, und in Paulus finden wir einen Nachahmer Christi, der auf diesem Weg sehr weit gekommen ist.

Das Buch Der Himmel von R. Alcorn kann ich aus obigen Gründen nicht empfehlen – andererseits hat es mich noch mal dazu animiert, über unsere himmlische Hoffnung nachzudenken. Tun wir es häufiger, tun wir es mehr mit der Bibel in der Hand.

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