Satan – Mythos oder Realität? (1)
1.Mose 3; 2. Korinther 11,3; Offenbarung 20,2

Frederick Charles Jennings

© EPV / SoundWords, online seit: 26.01.2005, aktualisiert: 19.01.2018

Leitverse: 1. Mose 3; 2. Korinther 11,3; Offenbarung 20,2

2Kor 11,3: … wie die Schlange Eva durch ihre List verführte …

Zu Beginn unserer Betrachtung über den mächtigen Gegenspieler Gottes, den „Durcheinanderwerfer“ (diabolos), müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass Satan nach der Aussage der Heiligen Schrift ein wirkliches, lebendes und selbständig denkendes Wesen ist. Die Person und Existenz Satans wird von der Bibel mit gleicher Klarheit bezeugt wie diejenige unseres Herrn Jesus Christus. Satan stellt in gewissem Sinn die Verkörperung des Bösen dar, wie Gott die Verkörperung alles Guten ist.

Viele, die sich Christen nennen, glauben nicht an die Existenz des Teufels. Bei unangenehmen Dingen sagt man eben einfach: „Daran glauben wir nicht“, oder noch überzeugender: „Niemand glaubt daran“; oder ganz unwiderlegbar: „Kein vernünftiger Mensch glaubt das noch“ (und „vernünftig“ wollen wir ja doch alle sein!), und schon ist man das Problem los.

Doch das Gericht, die Hölle, der Teufel sind Realitäten – ob Menschen daran glauben oder nicht. Es ist kindisch, ja geradezu sträflicher Leichtsinn, nur an das zu glauben, was einem gefällt. Wenn wir die Bibel in ihren Aussagen über Christus, den Himmel und das ewige Leben akzeptieren, dann müssen wir ihr auch glauben, wenn sie vom Gericht, von der Hölle oder vom Teufel redet. Wer daran rüttelt, entzieht allem die Grundlage.

Bei der Betrachtung seiner Person mag es nützlich sein, uns zunächst ein wenig mit der Vorstellung zu beschäftigen, die unsere Vorfahren in vergangenen Jahrhunderten von ihm hatten. Bekannt sind sicher die Bilder Albrecht Dürers, die den Teufel mit Schweinekopf, in Tiergestalt und mit den unvermeidlichen Hörnern, Hufen und Schwanz darstellen. Doch nicht ein einziges dieser Merkmale ist durch die Schrift belegt. Eine gewisse Andeutung solcher Vorstellungen mag man in Jesaja 13,21 sehen. Dort wird berichtet, dass in den Ruinen Babels „Strauße wohnen und Böcke dort hüpfen“ werden. Gemäß der Fußnote sind unter „Böcken“ wohl „bockgestaltige Dämonen“ zu verstehen (vgl. auch Jes 34,14; das hebräische Wort searim, das hier gebraucht wird, bedeutet eigentlich „Haarige“). Doch rechtfertigt dies keinesfalls die irrige Vorstellung über Satans Person und Wesen, die in manchen Volksschichten noch heute existiert.

Die Schlange

Gottes Wort berichtet uns erstmals über den Angriff Satans in Gestalt einer Schlange auf das wohl eben erst erschaffene erste Menschenpaar. Obwohl in 1. Mose 3 nur „die Schlange“ erwähnt wird, lassen andere Schriftstellen keinen Zweifel an der Identität des Feindes, der sich hinter ihr verbarg. Dass die Schlange sich der menschlichen Sprache bediente und sich in eine Diskussion mit dem Menschen einließ, beweist eindeutig, dass ein „Geist“ sich ihrer als Werkzeug bediente, bzw. die Gestalt einer Schlange angenommen hatte. Diese Tatsache wird durch andere Schriftstellen bewiesen. In seinem Brief an die Korinther vergleicht der Apostel die Kirche mit Eva, die Schlange aber mit dem Verführer Satan (2Kor 11,3). Im letzten Buch der Bibel wird der Teufel ausdrücklich und endgültig als „die alte Schlange“ bezeichnet (Off 20,2). Die Schlange wird allgemein als ein abstoßendes, Abscheu erregendes Tier angesehen. Es wäre jedoch übereilt, die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Schlange bereits seit ihrer Erschaffung in Wesen, Gestalt und Fortbewegungsart das war, was wir heute an ihr kennen. Die hebräische Bezeichnung nachasch kann von der Bezeichnung für „Zischen“ abgeleitet sein. Wahrscheinlicher ist nach Dr. Tayler Lewis jedoch die Verbindung mit einer zweiten Bedeutung des hebräischen Wortes, die auf „Glanz, Erz (glänzendes Metall)“ hindeutet. Auch die biblische Bezeichnung der Schlange als „listig vor allem Getier“ weist nicht notwendigerweise auf etwas Böses in ihrem Wesen vor dem Sündenfall hin. Der hebräische Ausdruck ahrum wird häufig für „klug“ in einem durchaus guten Sinn gebraucht, so z.B. in Sprüche 22,3: „Der Kluge sieht das Unglück …“ Ziehen wir noch in Betracht, dass Gott „alles sah, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ (1Mo 1,31), so muss die ursprüngliche Schlauheit oder Klugheit der Schlange ebenfalls als gut angesehen werden. Diese Klugheit wurde jedoch von Satan bei der Verführung der Eva zu einem durchaus bösen und hinterlistigen Zweck missbraucht. Auch würde das Urteil Gottes „Auf deinem Bauche sollst du kriechen“ keine Bedeutung haben, wenn das bereits vorher die Fortbewegungsart der Schlange gewesen wäre. Vielmehr erscheint der Gedanke nicht abwegig, dass die Gestalt und das Aussehen der Schlange nach dem Fluch aus Gottes Mund radikal verändert wurden. Adam hatte ihr bei der Benennung der Tiere (1Mo 2,19), offenbar in Anbetracht ihres leuchtenden Anblicks und ihrer überragenden Klugheit, den Namen Nachasch gegeben („Leuchtende, Strahlende, Herrliche“). Gerade diese äußeren Vorzüge benutzte Satan aber in seiner Arglist, um sich Eva zu nähern und ihr Vertrauen zu erlangen. 

Es ist eine bekannte Tatsache, dass die Schlange in allen alten Religionen eine göttliche Verehrung genoss. Sie wurde von allen heidnischen Völkern der alten Welt als Gottheit anerkannt und deutet somit auf den hin, den die Bibel den „Gott dieser Welt“ nennt (2Kor 4,4). 

[Vielleicht hat der Gedanke, dass die Schlange „Staub fressen sollte alle Tage“ ihres „Lebens“ auch noch eine tiefere Bedeutung. Für den Satan sollte das da sein, was übrig bleiben würden von denen, deren Geist er zerstört haben würde, und die mit dem Ausdruck „Staub“ gut charakterisiert sind, woher sie gekommen und wohin sie zurückkehren. Doch intelligente Anbetung „in Geist und Wahrheit“ wird er niemals bekommen, keine liebende Herzenshingabe der Seele jemals genießen. Mit nichts als Staub, die äußerliche Niederwerfung des Körpers und das in Angst und Schrecken muss er sich begnügen.

Lasst uns den Kontrast zu unserem Herrn Jesus sehen. Als Er einen Sünder zu Gott zurückführte, sagte Er: „Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt“ (Joh 4). Des Teufels Speise ist, den Menschen von Gott wegzuziehen. Und Gott lässt das geschehen. So heißt es in 1. Korinther 10,20: „Nein, sondern dass das, was sie opfern, sie den Dämonen opfern und nicht Gott.“ Das geschieht in Verbindung mit dem äußerlichen Niederwerfen des Körpers.

Die Speise des Herrn Jesus dagegen ist, das Herz des Menschen zu Gott zurückzubringen, und ihn zu einer innerlichen freudigen Anbetung des Vaters in „Geist und Wahrheit“ zu führen. Dafür sei Sein Name für immer gepriesen.]

Nächster Teil


„Satan – seine Person, seine Tätigkeit und sein Schicksal“
Auszüge aus dem Buch von F.C. Jennings Satan, his Person, Work, Place and Destiny
aus der Monatszeitschrift Hilfe und Nahrung, 1982, Ernst-Paulus-Verlag, S. 7–9
[von SoundWords ergänzte Übersetzung]

 


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