Traumhaft
1. Mose 28

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 21.03.2006, aktualisiert: 12.09.2018

Leitverse: 1. Mose 28,10-22

Hast du schon einmal einen Traum gehabt, von dem du dir gewünscht hast, er ginge nicht zu Ende? Oder erinnerst du dich an einen Traum, der dich so sehr geängstigt hat, dass du schweißgebadet aufgewacht bis? Jakob hatte solch einen Traum, wo er nicht sicher war, ob er nun andauern oder doch lieber jäh beendet werden sollte. Der große Gott offenbarte sich dem Jakob in einem Traum und verhieß ihm traumhafte Dinge – allerdings waren diese Dinge so traumhaft, dass Jakob tief erschüttert war, als er erwachte.

Hintergrund dieser Geschichte

Einst hatte Abraham die Verheißung bekommen, dass seine Nachkommenschaft wie die Sterne des Himmels werden sollten. Sie sollte zu einer großen Nation werden (1Mo 22,17). Diese Verheißung ging dann über auf seinen Sohn Isaak, der in 1. Mose 26 die gleiche Verheißung empfing. Isaak zeugte bekanntermaßen die Zwillinge Esau und Jakob. Esau ging einen ungöttlichen Weg (Heb 12,16). Jakob hatte zwar ein großes Interesse an den Verheißungen, die an Abraham und Isaak ergingen. Er wollte jedoch diese Verheißungen auf einem Weg der List erreichen. Jedenfalls sollte in Jakob die Linie der Verheißung fortgesetzt werden, wie wir in dem vor uns liegenden 28. Kapitel im ersten Buch Mose sehen werden. Jakob geriet in die misslichen Umstände der Wüste, weil er zuerst von seinem Bruder mit List das Erstgeburtsrecht erschlichen hatte und dann mit noch größerer List sich den Segen des Erstgeborenen angeeignet hatte, indem er seinem alten, fast blinden Vater vorgaukelte, er wäre Esau.

Jedenfalls spielten diese drei Männer in der Geschichte Gottes mit dem Menschen eine hervorragende Rolle, so dass wir mehr als einmal lesen können: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“ (2Mo 3,6). Und auch Petrus bestätigt in Apostelgeschichte 3,13: „Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter …“

In Abraham sehen wir ein Bild Gottes des Vaters. In Isaak sehen wir das Bild des Sohnes Gottes und in Jakob sehen wir das Wirken des Heiligen Geistes in einem fleischlichen Gläubigen. Es ist ein langer Weg und es bedarf des beständigen Arbeitens des Geistes Gottes in uns, bis wir zu der Bestimmung gelangen, zu der wir berufen wurden. Die Geschichte Jakobs ist deshalb auch so interessant, weil sie Stationen eines Gläubigen zeigt, der lernt, mehr und mehr von sich wegzuschauen und am Ende allein Gott die Ehre zu geben – am Ende der Geschichte Jakobs heißt es, er „betete an über der Spitze seines Stabes“ (Heb 11,21). Es bedurfte allerdings einer langen Arbeit des Heiligen Geistes, um Jakob von dem unseligen „Ich“ zu befreien.

Verdiente Gnade?

Was bewegte Gottes Herz, dem Jakob in der Wüste in diesem Traum zu erscheinen? Hatte Jakob sich diese Gnade verdient? War es einfach eine Folge seiner Frömmigkeit, warum Gott ihm dort in der Wüste erschien? Sicher nicht! Er war ja auf der Flucht wegen seiner eigenen Sünde. Nein, verdient hatte Jakob dieses Nachtgesicht sicher nicht. Aber Gnade lässt sich eben auch nicht verdienen. Gnade wäre nicht Gnade, wenn wir sie uns verdienen könnten. Die erste Lektion, die Jakob lernen sollte, ist, dass Gnade immer unverdient und aus der Souveränität eines liebenden Gottes entspringt. In Psalm 146,5 heißt es: „Glückselig der, dessen Hilfe der Gott Jakobs, dessen Hoffnung auf den HERRN, seinen Gott, ist!“ Das darf uns Trost sein, dass Gott der „Gott Jakobs“ genannt wird. Es mag auch in unserem Leben manche beklagenswerte Untreue geben, doch dass wird uns nicht trennen von der Liebe Gottes (Röm 8,38.39). Gott hat auch einen Weg, um aus einem Überlister einen Anbeter zu machen. Nichts vermag uns so klein zu machen und zu demütigen wie das Ausschütten der souveränen Gnade Gottes über einen Heiligen, der alles andere „verdient“ hatte.

So ist Jakob nun getrennt von denen, die er liebt. Er ließ den Zorn Esaus hinter sich, eine ungewisse Zukunft hatte er vor sich. Entbehrungen würden zur Tagesordnung gehören, doch hatte er über sich den Gott, den er so schwer beleidigt hatte, indem er seine eigenen Ideen und Gedanken der Vorsehung Gottes voranstellte.

Gott macht aus Bösem Gutes (1Mo 28,10)

So geht also Jakob in gewisser Weise den umgekehrten Weg Abrahams. Abraham macht sich im Glauben auf, ohne zu wissen, wohin er kommt und zieht zuerst nach Haran. Auch von Jakob heißt es, dass er auszog und nach Haran ging:

1Mo 28,10: Und Jakob zog aus von Beerseba und ging nach Haran.

Jakob verließ den Ort (Beerseba), wo Gott seinem Vater Isaak nach seiner Odyssee im Land der Philister erschienen war und zog nach Haran, weit entfernt von den geistlichen Höhen seiner Väter Abraham und Isaak. Darf ich eine geistliche Anwendung machen und fragen, wie weit wir von den geistlichen Höhen unserer Väter entfernt sind? „Gedenket eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben“ heißt es in Hebräer 13. Ich bin manchmal erschrocken, wie leichtfertig wir diese Worte vernachlässigen.

Jedenfalls kommt Gott nie in Verlegenheit wegen unserer Untreue. Gott vermag eine scheinbar aussichtslose Lage umzudrehen. Gottes Freude ist, aus Bösem Gutes zu machen und aus „dem Fresser Fraß und aus dem Starken Süßigkeit“ (Ri 14,14) hervorzubringen – siehe auch Römer 12,21: „Überwinde das Böse mit dem Guten.“

Es mag ja stimmen, dass Jakob wegen seiner eigenen Schuld in die Verbannung geschickt wurde, doch konnte Gott ihm bei dem Linsengericht erscheinen? Konnte Gott dem Jakob im Zelt seines Vaters Isaak erscheinen, wo jener seinen Vater betrog? Hätte Jakob, menschlich gesprochen, das Haus seines Vater nicht verlassen, so hätte er das Haus Gottes (Bethel = Haus Gottes) nicht erleben können. Diese beiden Seiten wird man in der Geschichte Jakobs immer wieder finden.

Die Sonne ging unter (1Mo 28,11a)

1Mo 28,11a: Und er gelangte an einen Ort und übernachtete daselbst; denn die Sonne war untergegangen.

Die Sonne war für Jakob buchstäblich untergegangen. Die Finsternis um seine Seele stand jener Nacht in Bethel in nichts nach. In seinem Leben war das Licht verloschen und jede Wärme war verschwunden. Jakob musste sich wie jemand fühlen, dem man das Licht ausgeknipst hatte. Ich möchte nicht zu viel aus diesem Ausdruck „denn die Sonne war untergegangen“ machen, doch es scheint ganz eigenartig, dass dies berichtet wird, als Jakob sich am Tiefpunkt seiner Geschichte befindet und dass es just in dem Augenblick, wo eine gewaltige Wende im Leben Jakobs zu verzeichnen war, heißt: „Und die Sonne ging ihm auf, als er über Pniel hinaus war“ (1Mo 32,31).

Das Leben wurde hart (1Mo 28,11b)

1Mo 28,11b: Und er nahm einen von den Steinen des Ortes und legte ihn an sein Kopfende und legte sich nieder an selbigem Orte.

Armer Jakob! Sein Leben wurde hart. Er musste eine weitere Lektion lernen. „Denn was irgend der Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal 6,7). Wenn wir für das Fleisch sähen, dann werden wir auch für das Fleisch ernten. Jakob hatte durch seine Listen reichlich für das Fleisch gesät und nun wurde sein Leben hart. Sein Kopfkissen war ein Stein. Nebenbei sei es gesagt, dass für das Fleisch zu säen nicht immer hart ist, das kann zuerst sehr schön sein oder jedenfalls so erscheinen. Aber für das Fleisch zu ernten, dass ist immer hart. Manche Sünden scheinen auf den ersten Blick sehr lieblich und anziehend für das Fleisch zu sein, doch am Ende stehen immer Verdruss und Enttäuschung. Wie viel Ehen gehen kaputt, weil ein Ehepartner denkt, dass es mit einem anderen Partner alles viel besser würde, nur um am Ende festzustellen, dass es besser gewesen wäre, an der bestehenden Ehe besser zu arbeiten und sie zu pflegen?

Der Traum (1Mo 28,12)

1Mo 28,12: Und er träumte: und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, und ihre Spitze rührte an den Himmel; und siehe, Engel Gottes stiegen auf und nieder an ihr.

Was war das für ein Gesicht in der Nacht? Eine Leiter, an dessen Ende der Gott Jakobs stand und am anderen Ende ein untreuer Heiliger, der auf der Flucht vor seinem Bruder Esau war und dazwischen Engel Gottes, die ausgesandt waren zum Dienst an den Heiligen (Heb 1,14). Ich spreche jetzt nicht von der zukünftigen Bedeutung dieser Stelle im Tausendjährigen Reich im Zusammenhang mit der Stelle aus Johannes 1,51. Aber ich spreche davon, welche Lektion Jakob an dieser Stelle lernen sollte. Sein Leben war hart geworden, das haben wir gesehen. Das bot Gott jedoch die Gelegenheit, seinen untreuen Heiligen darauf aufmerksam zu machen, dass er im Bereich der Fürsorge eines liebenden Gottes stand, der seine Engel aussenden würde, um die Seinen zu versorgen. Das ist es, was wir jedem Heiligen – und sei er noch so verdreht – sagen können: „Du stehst im Blickfeld und in der Fürsorge des Himmels, und die Engel haben auf dich acht. Du brauchst dich nicht zu fürchten.“ Gott mag einen Weg der Zucht vorgesehen haben, wie das tatsächlich bei Jakob über zwanzig Jahre der Fall war, aber an der Fürsorge des Himmels hat es ihm nie gemangelt.

Die Leiter: ein Bild des Herrn Jesus

Für uns ist die Leiter ein Bild von Christus. Eine Leiter verbindet zwei Enden miteinander. Sicher ist Christus auch der Anfang und das Ende, das Alpha und Omega – aber Er ist auch in gewisser Weise diese Leiter. Christus hat den Himmel in einzigartiger Weise mit der Erde verbunden. Nicht nur, dass Er den Himmel ein Stück weit auf die Erde brachte (in der Person des Herrn Jesus war das Reich Gottes auf die Erde gekommen!), sondern Er brachte durch seinen Kreuzestod auch Menschen in den Himmel. Christus wurde diese Brücke. Er hat die große Kluft zwischen Gott und Menschen überbrückt. Der Himmel schien ohne diese Leiter weit, weit entfernt, doch durch diese Leiter, durch Christus, ist der Himmel so nah gekommen. Der Herr Jesus kam, um uns zu Gott zu bringen, aber Er kam auch, um uns Gott zu bringen! Betrachtet den Apostel (von oben nach unten) und den Hohenpriester (von unten nach oben) Jesus (Heb 3,1). In dem Evangelium der Gnade kommt Gott zu uns, und in dem Evangelium der Herrlichkeit werden wir zu Gott gebracht.

Jakob: ein Bild des Herrn Jesus

Jakob ist aber trotz seiner Untreue irgendwie doch auch ein Bild des Herrn Jesus. Denn die Übereinstimmungen mit Johannes 1,51 sind zu auffällig. Doch worin bestand die Übereinstimmung oder ist es gerade der Gegensatz, der diese beiden Schriftstellen miteinander verbindet? In 1. Mose 28 haben wir es mit einem Flüchtling zu tun, der wegen seiner eigenen Sünde in die Wüste geschickt wurde. In gewisser Weise ist auch der Herr Jesus dieser Flüchtling geworden. Auch von Ihm lesen wir, dass Er nicht hatte, wo Er sein Haupt hinlegen konnte – außer dieses Kopfkissens in dem Schiff, als die Wellen hochgingen und der Herr Jesus ruhig im hinteren Teil des Schiffes auf einem Kopfkissen schlief (Mk 4,38). Welch ein Gegensatz zu Jakob in der Wüste! So wie der Bock am großen Versöhnungstag mit den Sünden des Volkes in die Wüste geschickt wurde, so nahm der Herr Jesus die Sünden seines Volkes auf sich und wurde in die Einsamkeit der Wüste geschickt. Jakob mag wegen seiner eigenen Sünde an diesem harten Ort gewesen sein, der Herr Jesus kam an diesen „harten Ort“ wegen unserer Sünden. Und während der Herr Jesus die tatsächliche Gottesferne erduldete – „Warum hast du mich verlassen?“ –, bekam Jakob die Zusicherung, dass er sich Gottes Fürsorge sicher sein könnte. Hier sehen wir also nicht so sehr eine Übereinstimmung, sondern einen gewaltigen Gegensatz – und doch wird dieser Gedanke unterstützt durch die Tatsache, dass das Neue Testament diese beiden Begebenheiten miteinander verbindet.

Gott sprach nicht offen mit Jakob

Nebenbei handelt Gott entsprechend des Zustandes seiner Heiligen, wenn Er zu ihnen spricht. Gott offenbarte sich dem Jakob in einem Traum, also Er sprach nicht offen mit Jakob. Von Mose lesen wir: „Mit ihm rede ich von Mund zu Mund, und deutlich und nicht in Rätseln, und das Bild des HERRN schaut er“ (4Mo 12,8).

Ein Bild des Tausendjährigen Reiches

Aber was wird es auch einmal im Tausendjährigen Friedensreich sein, wenn sich Himmel und Erde berühren werden. Der Herr Jesus hat diese Verbindung durch seinen Tod gesichert. Und es wird eine Zeit des Segens sein, wenn die Engel Gottes das Verbindungsglied zwischen dem Himmel und der Erde im buchstäblichen Sinn sein werden. So wie es in Hosea 2,21-23 heißt: „Und es wird geschehen an jenem Tage, da werde ich erhören, spricht der HERR: Ich werde den Himmel erhören, und dieser wird die Erde erhören; und die Erde wird erhören das Korn und den Most und das Öl; und sie, sie werden Jisreel erhören. Und ich will sie mir säen in dem Lande und will mich der Lo-Ruchama erbarmen. Und ich will zu Lo-Ammi sagen: Du bist mein Volk; und es wird sagen: Mein Gott.“

Gott verlässt die Seinen nicht (1Mo 28,13-15)

1Mo 28,13-15: Und siehe, der HERR stand über ihr und sprach: Ich bin der HERR, der Gott Abrahams, deines Vaters, und der Gott Isaaks; das Land, auf welchem du liegst, dir will ich es geben und deinem Samen. Und dein Same soll werden wie der Staub der Erde, und du wirst dich ausbreiten nach Westen und nach Osten und nach Norden und nach Süden hin; und in dir und in deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde. Und siehe, ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wohin du gehst, und dich zurückbringen in dieses Land; denn ich werde dich nicht verlassen, bis ich getan was ich zu dir geredet habe.

Was für eine Gnade, diese Zusage von Gott zu bekommen. Jakob steht unter Zucht, doch darf er sich während der Züchtigung der Liebe und des Trostes Gottes sicher sein. Diese Verheißung ist weit tiefer als jene bei Abraham, denn Jakob erhält sie während seiner Verbannung! Dafür hat Abraham die Verheißung, dass sein Same wird wie die „Sterne des Himmels“; bei Jakob sehen wir nur, dass sein Same werden soll wie der „Staub der Erde“. Wie fleischlich ein Heiliger Gottes auch leben mag, Gott verlässt die Seinen nicht. Ist das eine Entschuldigung für ein fleischliches Leben unsererseits? Nein! Das sei ferne! Aber es ist ein Trost für jeden, der entweder selbst unter eigener Fleischlichkeit leidet oder Christen kennt, die sehr fleischlich leben. Wir dürfen uns bewusst sein, dass der Heilige Geist einen wahrhaft bekehrten Menschen nicht in Ruhe lässt. Er wird seinen Dienst erst beenden, bis Er den Gläubigen zu dem geführt hat, wozu er berufen wurde. Bei Jakob hatte es über zwanzig Jahre gedauert. Er musste zu dem Punkt zurückgeführt werden, wo Gott ihm das erste Mal erschien, nämlich hier in Bethel. Ein Christ wird nie glücklich werden und wird Verdruss und Enttäuschung erleben, wenn er einen Ort kennengelernt hat, wo Gott wirklich ist, und sich dann nicht im Geist dort aufhält. Wir mögen uns manche Umwege ausdenken, aber wenn Gott in unser Herz geleuchtet hat und wir einen eigenen Weg gehen, werden wir niemals glücklich werden. So war Jakob diese zwanzig Jahre nie wirklich glücklich, bis er an den Ort zurückkehrte, wo er ausrief: „Dies ist nichts anderes als Gottes Haus, und dies die Pforte des Himmels.“

Das Haus Gottes und das Fleisch (1Mo 28,16.17)

1Mo 28,16.17: Und Jakob erwachte von seinem Schlafe und sprach: Fürwahr, der HERR ist an diesem Orte, und ich wusste es nicht! Und er fürchtete sich und sprach: Wie furchtbar ist dieser Ort! Dies ist nichts anderes als Gottes Haus, und dies die Pforte des Himmels.

Das war für Jakob kein schöner Ort. Schweißgebadet erwacht Jakob und ruft aus: „Wie furchtbar ist dieser Ort!“ Können wir das verstehen? Sollte er nicht vor lauter Dankbarkeit auf seine Knie gegangen sein und Gott angebetet haben? Wäre hier nicht der Augenblick gewesen, über der Spitze seines Stabes anzubeten? Nein, so weit war Jakob noch lange nicht, noch manche Lektion wartete auf ihn. Er lernte hier erst einmal die Lektion, dass das Fleisch sich in der Gegenwart Gottes nicht wohl fühlen kann. Fleisch und Geist sind einander entgegen, da gibt es keine Übereinstimmung. Es gibt auch keine Evolution, wobei aus Fleisch allmählich Geist würde. Nein, Jakob musste zuerst lernen, dass das „Fleisch nichts nützt“. Die erste Lektion in dem Leben eines Christen ist in der Regel, dass man lernen muss, dass „in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt“ (Röm 7,18). Der fleischliche Jakob konnte sich im Haus Gottes nicht wohl fühlen. Es musste für ihn ein furchtbarer Ort sein. Wie gesagt, bei Jakob dauerte es über zwanzig Jahre, bis er über der Spitze seines Stabes anbetete. Wie lange wird diese Lektion wohl bei uns dauern?

Wir müssen uns nicht wundern, wenn wir keine Freude an den Versammlungen der Gläubigen haben und das persönliche Gebet auf ein Minimum reduzieren, wenn wir ein fleischliches Leben führen oder nur mit irdischen Dingen beschäftigt sind. Dann wird auch für uns das Haus Gottes ein furchtbarer Ort sein. Wenn wir dagegen ein Leben mit dem Herrn führen, dann werden wir wie die Psalmisten sagen: „HERR, ich habe geliebt die Wohnung deines Hauses und den Wohnort deiner Herrlichkeit“ (Ps 26,8), und: „Eines habe ich von dem HERRN erbeten, nach diesem will ich trachten: zu wohnen im Hause des HERRN alle Tage meines Lebens, um anzuschauen die Lieblichkeit des HERRN und nach ihm zu forschen in seinem Tempel“ (Ps 27,4), oder: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR der Heerscharen! Es sehnt sich, ja, es schmachtet meine Seele nach den Vorhöfen des HERRN; mein Herz und mein Fleisch rufen laut nach dem lebendigen Gott“ (Ps 84,1.2).

Wenn wir unseren sündigen Zustand erkennen, dann fühlen wir uns nicht wohl in der Gegenwart Gottes. So war es auch bei Petrus, als er erkannte, wie durch und durch sündig er war, so dass er zum Herrn sagte: „Gehe von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch“ (Lk 5,8). Doch gerade dann hat der Herr Jesus eine großartige Botschaft für uns, wenn wir bereit sind, das Urteil Gottes über uns anzuerkennen und uns allein auf die Gnade zu stützen. Dann sagt der Herr, wie damals zu Petrus: „Fürchte dich nicht.“

Aber solange wie wir in Sünden leben oder auch einfach nur irdisch gesinnt sind, werden wir uns in der Nähe Gottes nicht zu Hause fühlen. Aber wenn wir zerbrochenen und geschlagenen Geistes sind, wenn wir anerkennen, dass wir „arm an Geist“ sind, dann will Gott gerne bei uns wohnen, „denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt, und dessen Name der Heilige ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum, und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen“ (Jes 57,15).

Jakob wollte auch etwas tun (1Mo 28,20-22)

1Mo 28,20-22: Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wenn Gott mit mir ist und mich behütet auf diesem Wege, den ich gehe, und mir Brot zu essen gibt und Kleider anzuziehen, und ich in Frieden zurückkehre zum Hause meines Vaters, so soll der HERR mein Gott sein. Und dieser Stein, den ich als Denkmal aufgestellt habe, soll ein Haus Gottes sein; und von allem, was du mir geben wirst, werde ich dir gewisslich den Zehnten geben.

Zum Schluss möchte Jakob einen Vertrag mit Gott machen. Wenn Gott etwas für ihn tun will, dann möchte das Fleisch auch etwas für Gott tun. Die Lektion für Jakob ist auch hier, dass er lernen musste, dass unser Fleisch nur Feindschaft gegen Gott ist und dass wir völlig von Gnade abhängig sind. Er hat den alten Menschen noch nicht ausgezogen. Jakob brauchte zwanzig Jahre, um diese Lektion zu lernen. Und die Frage ist wieder, wie lange wir dafür brauchen?

Zusammenfassung

Wir haben in Jakob ein Bild eines Gläubigen gesehen, an dem der Heilige Geist arbeitet. Es kann uns Mut machen, wenn wir sehen, wie geduldig Gott mit den Seinen ist, wie Er ihnen nachgeht, wie Er auf der einen Seite Zucht ausüben muss und dennoch auch den untreuesten Heiligen auf die Fürsorge des Himmels hinweist. Wie Jakob müssen auch wir lernen, allein von der Gnade zu leben und uns dort aufzuhalten, wo Gott uns hinhaben möchte: in sein Haus. Die Gemeinde Gottes ist die Pforte des Himmels. Indem ich durch den Geist zu dem einen Leib hinzugefügt werde, trete ich ein in das Haus Gottes; ich werde direkt mit dem Himmel in Verbindung gebracht, denn das Haupt des Leibes ist bereits im Himmel: der Herr Jesus Christus. Und es wird für uns der Ort der Glückseligkeit sein, wenn wir in Übereinstimmung mit den Gedanken Gottes unseren Weg gehen. Dann wird unser Leben geprägt sein von dem, was das Ziel Gottes mit Jakob war: „Er betete an über der Spitze seines Stabes.“ Vergessen wir es nie, der Vater sucht solche als seine Anbeter (Joh 4). Hat der Vater in dir schon einen Anbeter gefunden?

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