David und Jonathan
Was ist Freundschaft?

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 12.02.2001, aktualisiert: 17.12.2017

Leitverse: 1. Samuel 18,1-4; 19,1; 20,12-17; 23,14

1Sam 18,1-4: Nach diesem Gespräch traf David Jonathan, den Sohn des Königs. Vom ersten Augenblick an liebte Jonathan David sehr, ja, er liebte ihn mehr als sein eigenes Leben. Saul behielt David nun am Königshof und ließ ihn nicht mehr nach Hause zurückkehren. David und Jonathan schlossen einen Bund und schworen sich ewige Freundschaft. Jonathan sagte: „David, du bist mir so lieb wie mein eigenes Leben!“ Dann zog er den Mantel und die Waffenrüstung aus und schenkte sie David, dazu noch sein Schwert, den Bogen und den Gürtel. (Aus der Übersetzung Hoffnung für alle)

Freundschaften sind in unserer Zeit wichtiger den je. Einen Freund zu haben, bedeutet gleichzeitig, jemand zu kennen, dem wir ohne Vorbehalt trauen, dem wir Dinge erzählen, die andere nicht verstehen würden. Ich denke an (geistliche) Verletzungen, Sünden und auch Gedanken, die jemand anderen vielleicht nur zu herablassenden Bemerkungen führen würde. Die Frage ist: Gibt es neben der Ehe ein Band, das größer ist als eine Freundschaft?

Die Antwort finden wir in der Geschichte Jonathans und Davids. Wer die Geschichte Jonathans kennt, hat sofort eine geteilte Meinung von ihm. Warum? Weil er zwar in einer schwierigen Situation (1Sam 23,14-18) „Davids Hand in Gott stärkte“, aber nicht die Kraft hatte, bei David im Wald zu bleiben, sondern wieder zu seinem Haus zurückkehrte.

Aber wir sollten diese Situation nicht überbewerten, auch wenn Jonathan einige Kapitel weiter mit seinem Vater Saul sterben muss. Das Wort schweigt darüber, ob es wirklich falsch war, wieder nach Hause zu gehen. Vielleicht war es Schwachheit wie bei den Jüngern am Auferstehungsmorgen, als Petrus und Johannes zum Grab kamen, hineinschauten, die Botschaft des Engels vernahmen und dann bei sich dachten: „Hier gibt es nichts mehr zu sehen, lasst uns nach Hause gehen“ (nach Joh 20,10). Auch hier wird nicht gesagt, dass es falsch von Petrus und Johannes war, wieder nach Hause zu gehen. Aber sie haben etwas verpasst, was Maria wahrscheinlich in ihrem ganzen Leben nie mehr vergessen hat.

Man kann darüber spekulieren, was passiert wäre, wenn Jonathan bei David im Wald geblieben wäre. Hätte er dann auch so jung sterben müssen? Wir wissen es nicht! Genauso wenig wissen wir, was passiert wäre, wenn Petrus und Johannes nicht nach Hause gegangen wären. Jedenfalls war Jonathan kein „Warmduscher“, der seinen Freund in der Gefahr im Stich ließ. Das bewies er, indem er selbst vor seinem Vater nur Gutes über David redete, als dieser sich aufmachte, David zu töten (1Sam 19,1). Außerdem bekannte sich Jonathan deutlich zu David, als dieser vor Saul fliehen musste (1Sam 20,12-17). Er bekannte sich zu David und anerkannte den verworfenen König. Ich wünschte mir, dass wir auch so zu unserem verworfenen „König“ stehen wie Jonathan damals zu David.

Jonathan sah mit an, wie David den Riesen ohne Waffen eines Kriegsmannes besiegte. Er nahm teil an diesem großartigen Sieg, und er freute sich über die gewaltige Errettung, die David für ihn und das Volk geschaffen hatte. All das sind Vorbilder auf unseren Herrn, und auch wir haben Teil und Freude an der Errettung, die durch den Herrn Jesus auf Golgatha vollbracht wurde.

Aber hier in 1. Samuel 18,1-4 haben wir viel mehr als die Freude über die Errettung, die David dem ganzen Israel verschaffte. Jonathan sagte nicht nur: „Gott sei Dank, der Riese ist tot und der Feind überwunden, wir sind gerettet und können nach Hause gehen und glücklich sein.“ Nein! Er freute sich nicht nur an dem Sieg, sondern über den Sieger. Nicht das Werk war es, das ihn anzog, sondern der, der das Werk vollbrachte. Und weil er den Sieger schätzte und liebte, legte er alles ab, was er hatte, und schenkte es David.

Was bedeutet das alles für uns? Ja, auch wir sind oft mehr mit unserer Erlösung beschäftigt und vergessen so schnell den Erlöser, wir verkünden das Heil und vergessen oft den Heiland. Natürlich dürfen wir uns über die Errettung freuen, aber wir sollen nicht dabei stehen bleiben; die Liebe zum Herrn möchte alles geben, möchte nichts zurückhalten. Paulus sagte: „Was irgend mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust geachtet; ja, wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, auf dass ich Christus gewinne“ (Phil 3,7.8).

Wünschen wir uns diese aufopfernde Liebe? Jonathan fragte nicht: „Was bringt es mir?“, sondern: „Was bringt es David?“ Was ist nun mehr als eine gute Freundschaft? Die bewundernde Gemeinschaft mit dem Herrn!

Weitere Artikel des Autors Stephan Isenberg (107)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...