WM 2002: Begeisterung

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 20.06.2002, aktualisiert: 12.01.2018

Des Deutschen liebstes Kind ist zurzeit auf allen Fernsehschirmen zu sehen. Die Fußballweltmeisterschaft ist noch in vollem Gange, und die Deutschen sehen nicht mal schlecht aus. Und man merkt, wie die Spannung im Volk steigt, von Spiel zu Spiel wird es spannender und die Begeisterung wächst. Und dabei jagen letztendlich nur zweiundzwanzig junge Menschen pro Spiel hinter einem Ball her. Und doch ist es mehr, denn diese jungen Männer spielen für ein ganzes Volk.

Wie stellen wir uns als wachsende Christen zu diesem Spektakel? So wie diese elf Spieler für ein ganzes Volk spielen, so sollte das Volk Gottes für den einen Mann „spielen“: Jesus Christus.

Die Frage, die wir uns aber nun stellen wollen, ist: Wovon bin ich als Christ begeistert? Und dabei geht es eigentlich nicht darum, zu entscheiden, ob ein Christ sich für die Fußballweltmeisterschaft interessieren und vielleicht sogar auch begeistern lassen darf, sondern es geht darum, ob wir uns wohl auch so von Jesus Christus begeistern lassen wie z.B. für eine Fußballweltmeisterschaft. Wie schnell ist man doch bereit, für ein Länderspiel alles andere stehen und liegen zu lassen. Die Frage ist doch wohl berechtigt, ob wir für unseren Herrn Jesus Christus auch bereit sind, alles stehen und liegen zu lassen. Im optimalen Fall kann z.B. die deutsche Mannschaft Weltmeister werden und einen Pokal mit nach Deutschland bringen. Natürlich wären wir sehr stolz darauf und es wäre eine wirklich gute Leistung.

Aber was ist das im Vergleich zu dem, was Jesus Christus tat, als Er für deine und meine Sünden starb? Nachdem Jesus Christus am Kreuz auf Golgatha starb, war der Himmel offen – offen für Sünder, die so, wie sie waren, niemals in die Gegenwart Gottes hätten kommen können. Alle Sünden wurden auf diesem Kreuz getilgt und unser Schuldbrief zerrissen, sofern wir bereit sind, unseren Zustand zu erkennen und Gott zu bekennen. Wie viele sahen sich eigentlich dieses „Endspiel“ an, als Jesus Christus als das Schaf zur Schlachtbank geführt wurde? Wie viele stützten Ihn auf seinem Weg und wie viele waren da, um Ihm Mut zu machen? Im Achtelfinale der Begegnung Mexiko–USA rief Präsident Bush noch kurz vor dem Spiel in der Kabine an und machte den Spielern Mut. Wer machte dem König der Könige, dem Herrn der Herren Mut, als Er im ringenden Kampf war? Noch im Garten Gethsemane kam ein Engel, der Ihn stärkte, aber wo war dieser Engel am Kreuz? Als der Herr Jesus den letzten schweren Weg nach Golgatha ging, da jubelte Ihm keiner zu, da schrie man nur: „Kreuzige, kreuzige ihn!“

Ist das zu fassen? Der Schöpfer der Welt, der gekommen ist, um zu suchen und zu erretten, was verloren war: am Kreuz? Ja, viele kamen, um sich dieses „Schauspiel“ anzusehen, aber alles hatte sich gegen diesen Mann in der Mitte – den Mann der Schmerzen – verschworen; man wollte gar einen Räuber lieber amnestiert sehen, als diesen Einen weiter um sich haben, der die Traurigen tröstete, die Hungrigen speiste, die Kranken heilte und die Gefangenen in Freiheit setzte. Er brachte das Wort Gottes vom Himmel zu ihren Herzen und wollte den Himmel für sie öffnen. Aber da war keiner, der Ihm zujubelte. Dann geschah sogar noch das Unfassbare: Als die Sonne ihr Licht nicht geben wollte; als keiner mehr beim Kreuz war; als die Erde bebte – da verließ Ihn sogar noch Gott, dem Er ununterbrochen gedient hatte, so sehr gedient hatte, dass Er sagen konnte: „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat“, und so bricht es aus dem Herrn heraus: „Mein Gott! Mein Gott! Warum hast du mich verlassen?“ Wir dürfen es heute wissen! Gott musste seinen Sohn verlassen, weil sein Sohn deine und meine Schuld auf sich genommen hat, weil Er für das bezahlte, was wir verbrochen hatten. Darf ich dich fragen: Begeistert dich das noch?

Das Endspiel schien verloren, der Heiland der Welt wurde gekreuzigt. Er war angetreten, die Welt zu retten, aber Er kam in das Seine und die Seinen nahmen Ihn nicht an. Und der Eindruck des Propheten Jesaja schien sich zu erfüllen: „Umsonst habe ich mich abgemüht, vergeblich und für nichts meine Kraft verzehrt.“ Und doch: War wirklich alles verloren? Nein! Gott sei Dank. Die Bereitschaft des Herrn, von ganz oben nach ganz unten zu gehen, gehorsam zu sein bis in den Tod, ja zum Tod am Kreuz, die brachte Ihm zum Schluss doch alle Herrlichkeit, jede Anerkennung, die Er in seinem Leben nur selten erlebte. Gottes Freude, Gottes Begeisterung an seinem Sohn kam darin zum Ausdruck, dass Er Ihn nach vollbrachten Werk aus den Toten auferweckte und Ihm den Platz zu seiner Rechten gab. So wurden am Ende die drei Stunden der Finsternis doch zu Stunden, in denen die Rettung jener begründet liegt, die einmal an dieses Werk glauben würden. („Für die vor ihm liegende Freude, hat er das Kreuz erduldet“ [Heb 12,2].)

In Wirklichkeit war dieses „Schauspiel“ das wahre und einzigartigste Endspiel, was die Menschheit je erlebt hat. „Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden“ (Heb 10,14). Auch war es ein einzigartiger Triumph über den größten Feind des Menschen: den Tod. So wie Christus nicht im Tod geblieben ist, so wird keiner in diesem Tod bleiben, der an Jesus Christus glaubt. Am Kreuz erkannte einer der Übeltäter, dass Jesus Christus der Sohn Gottes war, und erstaunlicherweise erkennt dieser Übeltäter an, dass dieser Mensch, der dort in der Mitte hing, zwischen Himmel und Erde, der König der Könige war. Nachdem der Übeltäter sah, wie dieser Gerechte starb, ohne zu murren in Liebe zu den Geschöpfen; wie Er sogar noch beten konnte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“ – da wurde diesem Übeltäter klar, dass hier nicht nicht einfach ein Mensch starb, sondern jemand, dem alles übergeben war, der von Gott selbst gesandt war. Denn er sagte: „Gedenke meiner, wenn du in dein Königreich kommen wirst.“ Er erkannte in dem Mann mit der Dornenkrone den wahrhaftigen König – er sah mit den Augen des Glaubens.

Hast du Ihn schon so erkannt? Noch ist Er der verachtete Nazarener mit einer Dornenkrone auf seinem Haupt, aber bald wird Er der Mann mit einer wahrhaftigen Königskrone sein: „Und auf seinem Haupt sind viele Diademe“ (Off 19,12). Lass dich von Ihm begeistern!

Der diesmalige Gewinner bei der Fußballweltmeisterschaft wird den Pokal mit nach Hause nehmen, und er wird für vier Jahre den Titel „Weltmeister“ tragen dürfen. Doch Er, der Herr Jesus Christus, ist der Sieger für alle Ewigkeit, und Er wird einen „Titel“ tragen, „den niemand kennt, als nur er selbst“ (Off 19,12). Paulus schreibt in Philipper 2,9: „Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist.“

„Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird mein gerechter Knecht die Vielen zur Gerechtigkeit weisen, und ihre Missetaten wird er auf sich laden. Darum werde ich ihm Anteil geben an den Vielen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und den Übertretern beigezählt worden ist; er aber hat die Sünde Vieler getragen und für die Übertreter Fürbitte getan“ (Jes 53,11.12).

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