Ereiferung an der falschen Stelle
Antwort auf eine Leserzuschrift

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 12.10.2021, aktualisiert: 18.10.2021

E-Mail an die Redaktion:

Ganz liebe Grüße sende ich dir, lieber Stephan,

heute wende ich mich an dich, lieber Bruder im HERRN, da ich auf ein Video gestoßen bin, welches sehr hörenswert ist. In den letzten Monaten wurde auf für meine Begriffe unschöne Art mit Christen umgegangen, welche in Gewissensnöte gekommen sind, da sie die vom Staat auferlegten und in den Gemeinden durchgesetzten Maßnahmen mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren konnten. Es wurden Beiträge geschrieben, die in dieser Situation nicht sehr hilfreich und auch nicht erbaulich waren. 

Dieses Verhalten fand ich sehr befremdlich und hat mich misstrauisch gegenüber den Aussagen von Geschwistern gemacht, deren Auslegungen ich bisher als eine Bereicherung empfand. Aber an diesem Punkt war es meine eigene Schuld; der HERR selbst fordert uns auf, allein auf IHN zu schauen und SEINEN Worten zu folgen. In Menschen kann und wird man sich immer wieder irren.

Mich persönlich verstörte der damalige Beitrag „Corona – werden wir betrogen?“. Da ich selber aus der Medizinbranche komme, bin ich in diesem Gebiet nicht so ahnungslos, wie dort geschildert. Die Aussage „Und so spielt die Frage, ob nun der Mund-Nasen-Schutz sinnvoll oder nicht sinnvoll ist, letztlich gar keine Rolle, denn wir tun einfach das, was die Obrigkeit vom Bürger erwartet“ ist für meine Begriffe unbiblisch. 

Gestern nun bin ich auf den Videobeitrag gestoßen, welcher sich sachlich und auch biblisch mit dem Zeitgeschehen befasst.

Der beigefügte Videobeitrag zeigt für meine Begriffe sehr gut, wie man ein Thema biblisch betrachten sollte.

https://youtu.be/AnCDFFLrE48

Viele Grüße


Antwort

Liebe …,

herzlichen Dank für deine Mail und deinen Gedankenanstoß.

Es tut mir leid, wenn du den Eindruck hattest, dass viele die Gewissennöte von Geschwistern nicht gesehen haben. Ich denke, dass Christen jederzeit vernünftig über dieses Thema sprechen sollten, ohne den anderen schlechtzumachen. Bei unterschiedlichen Ansichten ist es natürlich hilfreich, wenn jede Seite davon ausgeht, dass sie auch irren kann, und nicht die Haltung hat: Ich weiß es aber besser. – Wir sollten es immer für möglich halten, dass wir in zwei oder drei Jahren möglicherweise alle besser wissen, was an Maßnahmen überzogen war und wo sie sogar hätten strenger sein müssen. Ich bin wirklich keiner, der den Regierungen nach dem Mund redet – dazu habe ich auch auf SoundWords schon oft genug gegen die Regierung Stellung bezogen, vor allem wenn es um Gender oder „Ehe für alle“ ging –, aber wenn Herr Spahn am Anfang der Pandemie gesagt hat: „Wir müssen uns am Ende der Pandemie wohl viel vergeben“, dann hat er wohl recht. Dazu sind diese Themen wirklich zu schwierig und nicht immer einfach. Ich habe von dem Video das eine oder andere mitgenommen, auch wenn ich hinter einigen Aussagen gerne ein Fragezeichen machen würde und meinerseits ein paar Gedankenanstöße weitergeben möchte. Wenn wir am Ende Dinge unterschiedlich beurteilen, dann soll das aber meine Wertschätzung für dich nicht mindern.

Wir wollen über dieses Thema nicht streiten. Unser Beitrag „Corona – werden wir betrogen?“ wurde aus dem Wunsch heraus geschrieben, die Diskussion zu versachlichen und nicht noch Öl ins Feuer zu gießen; ebenso unser neuer Artikel: „Wenn Corona Familien, Gemeinden und Gruppen zerstört“. Sie wurden nicht aus der Haltung heraus geschrieben: „Wir wissen es aber besser; wir können genau entscheiden, was in den jeweiligen Situationen richtig und falsch ist“, sondern mit dem Hintergrund: Wie verhalten wir uns als Christen? Wie gehen wir miteinander um? Wie können wir den Frieden bewahren? Wie schaffen wir es zusammenzubleiben, auch wenn wir vielleicht unterschiedlich denken? – Viel zu oft geht es nur darum, dass irgendwer recht haben möchte, und oft entgleitet eine Diskussion in eine Art Kampf. Das Einzige, wo wir behilflich sein wollen, ist, dass wir uns bei allem als Christen verhalten und christliche Tugenden widerspiegeln, die da wären: nachgiebig sein, milde sein, nicht auf eigene Rechte bestehen, den anderen höher achten, sich lieber übervorteilen lassen, zu Unrecht leiden usw.

Du schreibst, dass der Corona-Artikel nicht hilfreich und nicht erbaulich war. Das will ich gerne respektieren. Doch wohl noch nie haben wir für einen Artikel so viel Zuspruch bekommen; er wurde sogar in verschiedenen Zeitschriften abgedruckt und auch in verschiedene Sprachen (englisch, italienisch, rumänisch) übersetzt. Es haben also sehr viele Christen diesen Artikel als erbaulich und hilfreich empfunden, und dafür sind wir dem Herrn sehr dankbar. Damit ist natürlich nicht gesagt, dass wir in allem recht haben, aber es gehört zu einer ausgewogenen Sichtweise dazu. Jeder muss sich immer wieder Gedanken machen und sich selbst fragen: „Vielleicht bin ich es ja, der falschliegt oder der wenigstens nuancierter und differenzierter denken muss, du genauso wie ich.“ – Nebenbei gesagt: Auch ich arbeite in der Medizinbranche und meine Tochter arbeitet im Krankenhaus, und trotzdem kann ich viele Dinge nicht beurteilen und maße mir nicht an, hier letztgültig entscheiden zu können, was richtig und falsch ist, obwohl ich mit etlichen Ärzten über diese Themen sprechen konnte.

Wenn wir uns an die Maskenpflicht halten, dann kann man unseres Erachtens nicht einfach sagen, dass das unbiblisch wäre. Wenn die Regierung von uns erwarten würde, dass wir Masken tragen sollen, wo draufsteht, dass wir die Regierung anbeten, sobald wir sie tragen, dann wäre das etwas anderes. Man kann zu den Masken stehen, wie man will – wir wollen uns hier nicht positionieren –, aber sie wurden eingeführt, um den Bürger zu schützen, und nicht, um ihm zu schaden. Römer 13,1-6 und 1. Petrus 2,13.14 sind biblische Argumente, sich an das zu halten, was die Obrigkeit sagt. Ich arbeite viel mit Zahnärzten, Kieferchirurgen und Kieferorthopäden zusammen, die auch schon vor Corona die meiste Zeit über einen Mundschutz getragen haben, und das hat ihnen bis heute nicht geschadet. Viele Asiaten kennen es schon seit eh und je, dass man in der Grippesaison Mundschutz trägt (oder wegen Feinstaub im Sommer). Wir haben nicht gehört, dass das irgendeinem geschadet hätte.

Nun hast du noch den Link für ein Video beigefügt, in dem es allerdings um ein ganz anderes Thema geht als in unserem Artikel „Corona – werden wir betrogen?“. Man kann eine Impfung nicht mit einem Mundschutz vergleichen. Wir respektieren jeden, der aus Angst und Sorge oder aus Gewissensgründen von einer Impfung Abstand nimmt oder zögerlich ist. Ich habe noch nie jemand zu einer Impfung geraten. Auch bei dem Thema Impfung nehmen wir keine Position ein, für die wir uns ereifern wollen wie die beiden Herren in dem Video. Ich finde es immer verdächtig, wenn man bei diesem Thema meint, man wüsste ganz genau, wie Gott das beurteilt – macht man sich dann nicht selbst zu Gott? Wir wissen nur dann genau, wie Gott über eine bestimmte Sache denkt, wenn wir dazu etwas explizit im Wort Gottes finden! Oder haben die beiden eine extra Offenbarung erhalten? Wir sollten meines Erachtens bescheiden bleiben und sagen, dass wir hier nur aufgrund einiger Bibelstellen bestimmte Schlussfolgerungen gezogen haben; und diese kann man eben so oder so ziehen. Hier wäre nach meinem Dafürhalten etwas mehr Bescheidenheit und Demut angebracht. Bitte bedenke auch die andere Seite: Wenn durch unsere Empfehlung Menschen zu Schaden kommen, weil wir von einer Impfung aktiv abgeraten haben, dann tragen wir daran eine Mitschuld. Dieser Verantwortung scheint man sich oft nicht bewusst zu sein.

Die Argumentation im Video ist jedenfalls sehr zu hinterfragen. Nur weil bei einem Produkt in der langen Kette der Herstellung irgendetwas scheinbar nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, kann man nicht per se das ganze Produkt verwerfen. Wenn man so argumentiert, müssten wir aus der Welt fliehen. Wir können die Welt nicht mit den Maßstäben beurteilen und nach bestimmten Prinzipien handeln, die wir unter Kindern Gottes in Anwendung bringen. In 1. Korinther 5,9 heißt es z.B., dass wir mit Menschen, die sich Christen nennen und in Hurerei leben, keinen Umgang haben sollen. Dann heißt es weiter im nächsten Vers: „nicht durchaus mit den Hurern dieser Welt oder den Habsüchtigen und Räubern oder Götzendienern, sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen“. Es heißt dann weiter, dass Gott die richtet, die draußen sind; wir sollen uns um das kümmern, was „drinnen“ ist (1Kor 5,12.13). So heißt es auch in 1. Korinther 10,25: „Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, esst, ohne zu untersuchen um des Gewissens willen.“ Wenn wir alles „untersuchen“ würden, dann würden wir sehr schnell feststellen, dass wir nichts mehr kaufen könnten (nicht mal die meisten Kleidungstücke, die wir am Leibe tragen). Du wirst wahrscheinlich ein Smartphone haben. In Smartphones wird Kobalt verarbeitet (übrigens nicht nur in Smartphones), das u.a. aus dem Kongo kommt, wo es durch Kinderarbeit gewonnen wird; dabei sterben Kinder sogar bei dieser Arbeit. Also nach der Argumentation im Video: Bitte keine Smartphones mehr kaufen!

Im Video wird gesagt, dass man etwas Böses nicht für etwas Gutes einsetzen kann. Dabei vergisst man, dass Gott die böseste Tat, die die Welt je gesehen hat, benutzt hat, um Gutes daraus entstehen zu lassen: die Rettung unzähliger Menschen dieser Welt durch den Kreuzestod Jesu. Joseph sagte zu seinen Brüdern: „Ihr zwar hattet Böses gegen mich im Sinn; Gott aber hatte im Sinn, es gut zu machen, damit er täte, wie es an diesem Tag ist, um ein großes Volk am Leben zu erhalten“ (1Mo 50,20). Ja, eine Abtreibung ist etwas sehr Schlimmes und für einen Christen keine Option. Menschen dieser Welt kommen jedoch in Situationen, wo sie nicht mehr ein noch aus wissen, und weil sie ohne Gott leben, werden sie zu diesen schrecklichen Dingen getrieben (schlimm genug!). Wenn Gott in seiner Souveränität jetzt daraus noch Gutes entstehen lässt (Er könnte es ja auch verhindern) und vielen Millionen Menschen geholfen werden kann – bei einer Krebserkrankung oder anderen schweren Erkrankungen oder eben bei Corona –, dann können wir eigentlich nur über die Gnade Gottes staunen. Bitte beachte auch, dass keine Kinder mit dem Ziel abgetrieben oder getötet wurden, um die sog. Zelllinien zu „ernten“, wie es im Video ausgedrückt wird.

Im Video wird weiterhin gesagt, dass wir uns nicht von der Angst treiben lassen sollten. Das kann ich nur unterschreiben. Es wird durch die Medien bewusst oder unbewusst sehr viel Panik und Angst verbreitet, weil jeder gerne etwas dazu schreiben und den anderen noch überbieten will. Das ist leider kein spezielles Problem von Coronazeiten, sondern war schon immer so. Deshalb dürfen wir nach Philipper 4 handeln und unsere Sorgen und Ängste und alle Anliegen zu Gott bringen, und Gott möchte uns seinen Frieden schenken. Angst ist übrigens etwas, wofür wir sehr dankbar sein dürfen. Angst hat schon unzähligen Menschen das Leben gerettet und viele sogar vor dem ewigen Tod bewahrt – in dieser gefallenen Welt ist die Angst ein Geschenk (sich von der Angst bestimmen zu lassen, ist hingegen der Schachzug des Teufels). Aber als Christen brauchen wir uns nicht durch die Angst treiben zu lassen, wir müssen uns nicht mehr von der Angst knechten lassen. Das ist ein wunderbares Vorrecht für uns Christen. Wenn die beiden Herren im Video meinen, wir sollten uns nicht impfen lassen, weil so viel Angst verbreitet wird, dann fehlt uns hier die Ausgewogenheit. Gott hat uns auch den Verstand gegeben, und ja, wir müssen lernen, uns nicht auf den Verstand zu verlassen, sondern auf Gott. Dennoch dürfen wir den Verstand einsetzen. Wenn jemand am Meer wohnt, dann wird er wissen, dass Gott ihn vor Hochwasser schützen kann – er wird dafür regelmäßig beten –, und trotzdem wird er einen Damm bauen (vgl. 5Mo 22,8); alles andere wäre nicht Gottvertrauen, sondern Dummheit. Die Bibel ist voll von Beispielen, dass Gott in seiner Souveränität alles kann; aber sie ist ebenso voll davon, dass der Mensch seiner Verantwortung entsprechen muss. Ich darf dafür beten, dass bei einem Unwetter der Blitz nicht bei uns einschlägt, aber ich werde trotzdem einen Blitzableiter am Haus befestigen. Wenn ich krank bin, bete ich zum Herrn, dass Er der gute Arzt ist und dass mir kein Arzt dieser Welt helfen könnte, wenn Er es nicht will, und trotzdem gehe ich nach diesem Gebet zum Arzt und nehme Hilfe dankbar entgegen. Wir müssen hier nüchtern sein, und  diese Nüchternheit fehlt mir im Video.

Eine andere Frage wird im Video aufgegriffen: Ist die Impfung ein Götze? Ja, für viele Menschen ist es so, wie es im Video dargestellt wird, aber für Christen wird das hoffentlich nicht so sein. Nur weil für viele Menschen der Fußball ein Götze ist, verbieten wir unseren Kindern ja nicht das Fußballspielen.

Mir kommt es leider so vor, dass diese beiden gut meinenden Brüder für die falsche Sache eifern (vgl. Röm 10,2). Sie wollen mit aller Macht Menschen vor einer Impfung zurückhalten oder sie wenigstens zur Buße über diese Dinge bringen. Ist das der gute Kampf, den z.B. der Apostel Paulus gekämpft hat? Wir sollten alle Energie in das Verkündigen der guten Botschaft stecken, denn nicht die Impfung führt massenhaft zum Tod, sondern wenn Menschen ohne Gott in die Ewigkeit gehen, dann führt das zum ewigen Tod. Wir sollten mit aller Kraft gesunde Lehre verbreiten, die uns auch in Coronazeiten hilft, das Gute vom Bösen zu unterscheiden. Schließlich sollten wir Christen helfen, die seelsorgerliche Nöte haben, vielleicht durch Corona vereinsamt sind oder sich übermäßig von der Angst haben leiten lassen.

Wir haben mit unseren Artikeln auf SoundWords jeweils länger gewartet, weil wir uns bei diesem Thema nicht ereifern wollten. Deshalb sollten die Artikel auch hauptsächlich geistlichen Charakter haben, weil wir sehen, wie dieses Thema die Gemeinden spaltet. Noch einmal: Uns geht es nicht darum, einem Christen vorzuschreiben, wie er zu denken hat, aber wir sehen schon unsere Aufgabe als Redaktion, Christen einen Weg aufzuzeigen, der den Herrn verherrlicht und wie man geistlich mit einer schwierigen Situation umgehen kann. Es ist unser Vorschlag und unser Impuls für diese schwierige Zeit, aber jeder Christ steht und fällt seinem eigenen Herrn.

Es ist wichtig, in so schweren Zeiten als Christen zusammenzukommen und die Zusammenkünfte – solange sie stattfinden – nicht zu versäumen. Es heißt sogar: „und das umso mehr, je mehr ihr den Tag näher kommen seht“ (Heb 10,25). In diesem Sinne möchte ich dich ermutigen, fleißig die Zusammenkünfte zu besuchen. Der Herr wartet auf unser Lobopfer an dem Ort, wo Er verheißen hat, in der Mitte derer zu sein, die zu seinem Namen versammelt sind. Hier ist der Ort, wo wir in der Gemeinschaft der Gläubigen gestärkt werden und gemeinsam unsere Anliegen, Sorgen und Ängste zu Gott bringen.

Ich wünsche dir weiterhin Gottes reichen Segen.

Lieben Gruß
Stephan

Hier noch einige hilfreiche Links:

Wenn Corona Familien, Gemeinden und Gruppen zerstört
https://www.soundwords.de/a13615.html

Michael Kotsch – Embryonen, Abtreibung und Corona-Impfung
https://xuvu7p.podcaster.de/2021/09/10/embryonen-abtreibung-und-corona-impfung/
https://www.youtube.com/watch?v=OiYgDN-7QjE

„Zeit zum zivilen Ungehorsam!“
https://www.soundwords.de/a12681.html

Weitere Artikel des Autors Stephan Isenberg (117)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...

Bibeltexte im Artikel anzeigen