|
Leitvers: Matthäus 1,19
Mt 1,19: Joseph aber, ihr Mann,
indem er gerecht war und sie nicht öffentlich zur Schau stellen wollte,
gedachte sie heimlich zu entlassen.
Inhalt
Joseph — ein gerechter Mann Joseph
— ein Mann, der liebte Joseph
— ein Mann des Glaubens Joseph
— ein Mann des Gehorsams Joseph
— ein Mann der Geduld
Was weißt du über Joseph, der in der Weihnachtsgeschichte immer im Hintergrund
steht? Was für einen Mann wollte Gott erwählen, der der irdische Vater unseres
Herrn sein sollte? Wir wissen, dass er ein Zimmermann von Beruf war (Mt 13,55),
aber welchen Charakter hatte er? War er nur ein „ganz normaler Gläubiger“
wie die meisten von uns, oder war er ein ausgezeichneter Mann Gottes?
Nach Matthäus 1,19 war Joseph ein gerechter Mann. Joseph war nicht perfekt oder sündlos,
aber sein Leben war charakterisiert von dem, was in Gottes Augen gut war. Joseph
war nicht nur ein aufrichtiger Zimmermann, er stellte auch seine ausgezeichneten
moralischen Qualitäten in jedem Bereich seines Lebens dar. Selbst wenn die
Bibel nicht viel sagt über diesen „Hintergrund-Mann“, so sehen wir
doch in den wenigen Stellen, die Gott uns über Joseph gegeben hat, seinen guten
Charakter, seine exzellenten moralischen Eigenschaften. Wenn wir studieren, was
die Bibel über den „gerechten Joseph“ sagt, dann sollte uns dies
herausfordern, seinem Beispiel zu folgen.
Joseph war ein Mann, der liebte. Wir sehen seine Liebe in zärtlicher Sorge und Rücksichtnahme
gegenüber Maria unter sehr schwierigen Umständen. Können wir uns Josephs
schwierige Situation vorstellen, als er herausfand, dass seine Verlobte
schwanger war? Marias Erklärung mit der „Engel-Ankündigung“ und der „Heiligen-Geist-Empfängnis“ war einfach zu viel für Joseph. Mit tiefem Schmerz und Enttäuschung
muss er geschlossen haben, dass sie ihm während
der Zeit des dreimonatigen Besuches bei ihrer Cousine Elizabeth untreu
geworden war. Wie konnte sie so etwas nur tun, dem Mann gegenüber, der sie so
aufrichtig liebte? Und dann noch nicht einmal die Schuld einzugestehen und ihm
die Wahrheit zu sagen! Sie bestand darauf, dass dies alles von Gott war und dass
er das verstehen müsste. Joseph hatte solch eine gefühlsmäßige Belastung und
solch einen Schmerz noch nicht erlebt!
An diesem Punkt verließ Joseph Maria mit zwei Begründungen. Er liebte Gott, und
er wollte tun, was recht war. Nach dem Gesetz (5Mo 22,23-24) hätte Maria
hingerichtet werden können. Selbst wenn auf eine öffentliche Steinigung
verzichtet würde, wäre sie doch öffentlich beschuldigt worden. (Diese
Handlung hätte auch bewirkt, dass Josephs Ehre geschützt wurde!) Aber Joseph
liebte Maria, ungeachtet der scheinbaren Treulosigkeit an ihm. Da war kein
Gedanke in seinem Herzen, sich irgendwie zu rächen. Zu Marias Gunsten entschied er
sich, die Sache möglichst zu verheimlichen und löste die Verlobung auf
privater Ebene auf. Weil Marias Schuld nicht bewiesen war, hatte er die Möglichkeit,
auf seine natürlichen Rechte zu verzichten. Vielleicht war seine Überlegung,
dass Maria zu Elisabeth zurückkehren konnte, die woanders wohnte. Sie konnte
ihr Baby dort bekommen und einen großen peinlichen Skandal in Nazareth
vermeiden. Joseph war ein Mann der Liebe und wollte das Beste für Maria — sogar
trotz des Gedankens, dass sie ihn betrogen hatte.
Zeigen wir die gleiche Liebe, die Joseph hier zeigte? Was ist unsere Reaktion,
wenn wir glauben müssen, dass ein christlicher Freund uns hintergangen hat,
oder wenn jemand, der uns sehr nahestand, uns tief verletzt hat? Suchen wir
dann nach einer Gelegenheit, um es ihm heimzuzahlen? Sind wir vielleicht gefüllt
mit Zorn und Bitterkeit? Gehen wir allem aus dem Weg, damit wir diese Sache
vergessen können? Oder fahren wir fort damit, diesen christlichen Freund zu
lieben, und versuchen wir nicht nur danach zu handeln, was nach Gottes Maßstäben
gerecht ist, sondern auch zu suchen, was das Beste für jene Person ist, die
uns wehgetan hat? Diese Art der Liebe ist nicht immer einfach, aber sie ist
möglich (Joh 17,26).
Joseph war auch ein Mann des Glaubens. Damit meinen wir, dass er mehr als nur
ein Gläubiger war. Der gerechte Joseph lebte und wandelte durch Glauben an den
lebendigen Gott. Der treue Joseph muss eine lange Zeit im Gebet gewesen sein,
als er überlegte, was er mit Maria tun sollte (1,20). Es war nicht so, dass er
ihre Geschichte nicht glauben wollte, aber wie konnte er diese fantastische
Geschichte akzeptieren? Diese unglaubliche Geschichte zu glauben, wäre nicht
Glauben, sondern Leichtgläubigkeit gewesen! Eine Jungfrauen-Geburt hatte es
noch niemals in der Geschichte der Menschheit gegeben — noch nicht einmal in der
Wunderzeit der Propheten!
An diesem Punkt war es, dass ein Engel des Herrn dem Joseph
in einem Traum erschien. Der Engel bestätigte alles, was Maria ihm mitgeteilt hatte. Sie war
treu! Die Empfängnis war von dem Heiligen Geist! Maria war die Jungfrau, von der
Jesaja schon prophezeit hatte (1,23)! Josephs Verlobte sollte die Mutter des
lang ersehnten Messias werden! Und er sollte der irdische Vater dieses Kindes
werden, und er sollte ihm den Namen Jesus geben! Welch eine unerwartete gute
Botschaft! Was für eine unglaubliche Erleichterung für seine Seele! Joseph
musste eine ehrfürchtige Bewunderung und eine verzückte Freude zur gleichen
Zeit erlebt haben. Er zögerte keine Sekunde, Maria zu heiraten (1,24) — ein
konkreter Beweis seines Glaubens an Gott. Kannst du dir die schöne und
begeisternde Wiedervereinigung dieses gottesfürchtigen Paares vorstellen?
Der Glaube Josephs sollte ein Beispiel für uns alle sein. Beachte,
dass Joseph
dem Engel keine Fragen stellte oder irgendwie an der göttlichen Offenbarung zweifelte. Beachte,
dass der Engel auch nie Joseph befragte. Da war keine Rüge
für Joseph wegen seiner Schlussfolgerungen wegen Maria. Der Herr macht uns
nicht verantwortlich dafür, eine unglaubliche Sache ohne eine göttliche
Offenbarung zu glauben. Gott sucht bei uns nicht blinden Glauben oder irgendeine
Leichtgläubigkeit. Er ruft uns auf zu einem vernünftigen Glauben — einen
Glauben, welcher gegründet ist auf sein offenbartes Wort. Joseph hatte nun
sicher die alttestamentliche Stelle aus dem Propheten verstanden, auf die ihn
der Engel hingewiesen hatte (1,21-23). Joseph glaubte dem Engel, weil die
Botschaft sich auf das Wort Gottes gründete, und so sollten wir glauben und
nicht zweifeln an dem, was Gott uns in seinem Wort klar geoffenbart hat. Nimm
beispielsweise unsere täglichen Bedürfnisse. Haben wir Sorge wegen unserer
Sicherheit? Zweifeln wir an Gottes Fähigkeit, für uns zu sorgen mit den
grundlegenden Lebensmitteln? Im vernünftigen Glauben vorwärts zu gehen
bedeutet, dass wir nicht zweifeln oder ängstlich werden im Hinblick auf unsere
täglichen Bedürfnisse, weil Gott klar gesagt hat, dass Er uns versorgen will
„mit allen Dingen“, wenn wir „zuerst nach dem Reich Gottes trachten“ (Mt 6,25-34).
Joseph war selbstverständlich ein Mann des Gehorsams. Er führte den Auftrag
des Engels im Gehorsam aus und nahm Maria zur Frau. Vielleicht sagst du, dass
diesem Auftrag zu gehorchen sehr einfach war! Warte eine Minute! Erinnere dich,
Maria war zu dieser Zeit wenigstens seit drei Monaten schwanger (Lk 1,56). Indem
er Maria heiratete, nahm er alle Anschuldigungen und die Stigmatisierungen auf
sich, die in Kürze kommen würden. In diesem Zusammenhang sollten wir zur
Kenntnis nehmen, was die Juden dreißig Jahre später äußern sollten: „Wir sind
nicht durch Hurerei geboren ...“ (Joh 8,41). Aber Joseph gehorchte der
Botschaft des Engels, ungeachtet aller Konsequenzen. Ein weiteres Beispiel für
Josephs Gehorsam sehen wir in Matthäus 2,13-14. Nach Jesu Geburt wurde ihm durch
den Engel geboten, nach Ägypten zu gehen — schnell! Obwohl es in Ägypten zu
dieser Zeit jüdische Gemeinden gab und Gott durch die Geschenke der Weisen aus dem
Osten für alle Mittel dieser
Reise sorgte, war es doch ein
ziemliches Unternehmen. Mit einem Esel, mit Maria und dem jungen Jesuskind in ein
unbekanntes Land zu ziehen, wenigstens dreihundert Meilen durch unwegsames Gelände, das
war kein Sonntagsspaziergang! Aber Joseph war gehorsam — sofort (2,14)! Nachdem
sie sich in Ägypten eingelebt hatten, wurde Joseph aufgetragen, wieder nach
Israel zurückzukehren! Wieder führte Joseph dies aus, ohne darüber nachzudenken, ob ihm das in den Kram passte, oder gar
ohne Gottes Terminkalender infrage zu
stellen!
Sind wir wie Joseph in unseren Ausführungen der Befehle des Herrn? Folgen wir
sofort, oder praktizieren wir dies nur teilweise und mit Verzögerung? Warum fällt
es uns so schwer, dem Befehl des Herrn, das Evangelium unseren Kollegen,
Mitstudenten und Nachbarn zu sagen zu gehorchen (Mk 16,15)? Was ist mit dem
Bereich der Begierden — von welcher gesagt wird, das wir sie fliehen sollen
(2Tim 2,22)? Folgen wir nur, wenn es bequem und einfach ist? Was ist mit der Sünde
des Kritisierens anderer und dem Sich-Beschweren über die Umstände? Es ist so
bequem und einfach, in diesen Bereichen ungehorsam zu sein! Gehorchen wir auch,
wenn wir nicht verstehen, was Gott in unserem Leben tun will? Vertrauen wir dem
Herrn, selbst wenn Tragödien eintreffen und die Zukunft nicht gerade rosig
aussieht (Spr 3,5-6)? Joseph ist ein großartiges Vorbild für uns alle, von
dem, was es bedeutet, zu vertrauen und zu gehorchen.
Zuletzt war Joseph ein Mann der Geduld. Wir haben gesehen, dass er nicht
vorschnell reagierte. Er überlegte sich seine Handlungen sehr gut (1,20). In Matthäus 1,25 wird uns gesagt,
dass Joseph der Maria die Jungfrauenschaft beließ,
bis Jesus geboren wurde. Ob es ein Befehl des Engels war, wissen wir nicht. Gewiss,
die göttliche/menschliche Natur von Christus konnte in keiner Weise beeinflusst
werden, da die Empfängnis bereits drei Monate zuvor stattgefunden hatte. Aber
vielleicht im Hinblick auf die Prophetie, dass eine Jungfrau empfangen und einen
Sohn gebären sollte, behielt Joseph der Maria die Jungfrauenschaft bis zu der
Geburt von Jesus. Es bedarf nicht viel tiefgründigen Verständnisses um zu
erkennen, dass Joseph ein Mann war, der seine Leidenschaften beherrschte und
geduldig war.
Diese Geduld des Joseph brauchen auch wir Christen heute. Die Ungeduld im
Bereich der sexuellen Wünsche hat viele Gläubige schon zu Fall gebracht. Wenn
Gott dem Joseph Geduld geben konnte, dann kann Er auch uns diese Geduld
gleicherweise geben! Erinnern wir uns, dass Geduld in allen Bereichen ein Teil
der Frucht des Geistes ist, der in uns wohnt und jedem Christen die Kraft gibt
(Gal 5,22).
Während dieser Urlaubstage steht das Bild von dem „gerechten Joseph“
im Schatten vieler Weihnachtsszenen. Wir wollen uns dann daran erinnern, seinem
Beispiel der Liebe, des Glaubens, des Gehorsams und der Geduld zu folgen.
|