Wie der Glaube an der Neugeburt beteiligt ist
Kommt der Glaube vor oder nach der neuen Geburt?

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 16.10.2020

Einige haben sich gefragt, wo und wie der Glaube vonseiten des Menschen bei der Neugeburt beteiligt ist. Wir haben es bereits gesagt: Die alte Adamsnatur hat keinen Glauben an Gott. Menschen glauben vielleicht an ihre eigenen Fähigkeiten oder an ihre Mitmenschen usw., aber Glauben an Gott haben sie nicht. Bevor der Mensch nicht belebt wird oder von neuem geboren ist, hat er keinen wahren, gottgemäßen Glauben.[1] Wenn jemand jedoch von neuem geboren wird, schenkt Gott ihm mit dem neuen Leben den Glauben an Ihn. Dieser Glaube ist ein Geschenk Gottes: „Durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es“ (Eph 2,8).[2]

Zu sagen, Glaube komme vor dem Leben, ist arminianische Lehre; zu sagen, Leben komme vor dem Glauben, ist Hypercalvinismus. Beide Lehrsysteme sind im Irrtum. Calvinismus ist eine Herabsetzung der Ehre Gottes, indem er sagt, Gott liebe nicht alle Menschen, sondern nur die Welt der Auserwählten; folglich sei Christus nur für die Auserwählten gestorben. Der Arminianismus hingegen erhebt den Menschen, weil er leugnet, dass der Mensch völlig verloren ist, und indem er sagt, dass der Mensch eine gewisse Kraft habe, sich für Christus zu entscheiden, selbst wenn er nicht wiedergeboren ist. Der Calvinismus ist das schlimmste System von diesen beiden, weil er die Herrlichkeit Gottes beschmutzt. Den Menschen zu verherrlichen, wie es der Arminianismus tut, ist schlimm; aber von Gottes Herrlichkeit geringschätzig zu sprechen, ist immer schlimmer.

Die Wahrheit ist: Echter, gottgefälliger Glaube wird gleichzeitig mit der Neugeburt gegeben. Wir können den Glauben nicht vom Leben trennen, aber wir können sicher sagen, dass es den Glauben nicht vor dem Leben gibt.[3] Das neue Leben, das durch die neue Geburt vermittelt wird, hat Glauben an Gott. Das ist ein weiterer Beweis dafür, dass ein Mensch von neuem geboren ist.

Dennoch bestehen einige Leute darauf, dass der Mensch Glauben hat, bevor er von neuem geboren ist (was wir bereits als „die arminianische Lehre vom freien Willen“ bezeichnet haben), weil sie voraussetzen, dass dem Sünder die Neugeburt geschenkt wird als Ergebnis davon, dass er sich im Glauben zu Gott hingewendet hat.[4] Ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht: Sie sagen, dass die alte Adamsnatur Glauben habe und dass daher im gefallenen Menschen etwas Gutes stecke. Sie bestehen zwar darauf, dass der Mensch im Fleisch gefallen und völlig verderbt ist, doch im Widerspruch dazu steht ihre Vorstellung, dass der Mensch einen freien Willen und einen gottwärts gerichteten Glauben habe, bevor Gott überhaupt wirkt.

In Johannes 5,25 heißt es: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben.“ Man glaubt, dieser Vers weise darauf hin, dass ein Mensch, der „tot ist in Vergehungen und Sünden“ (Eph 2,1), die Fähigkeit habe, zu hören (und daher zu antworten), bevor er Leben hat. Aber alles ist so gesegnet einfach, wenn wir das Thema in der Sprache der Schrift belassen. Die menschliche Vernunft gerät mit Sicherheit in Irrtum, wenn sie versucht, das göttliche Wirken in den Seelen zu verstehen jenseits dessen, was in der Schrift steht. Die einfache Antwort lautet: „Wer aus Gott ist, hört die Worte Gottes“ (Joh 8,47). Wenn einige der Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören, dann deshalb, weil sie „aus Gott“ sind. Gott vollbringt ein Wunder in ihnen und bringt sie dazu, zu hören. „Das hörende Ohr und das sehende Auge, der HERR hat sie alle beide gemacht“ (Spr 20,12). Doch wenn Gott nicht in ihren Seelen wirken würde, dann würden sie niemals hören. Die Schrift sagt klar: Glaube und Hören kommen nur durch das Wirken des Wortes Gottes in der Seele. „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort“ (Röm 10,17).[5] Dieses Wirken ist die Lebendigmachung oder die Neugeburt. Dass einige der Toten (durch das göttliche Wirken Gottes) hören, beweist nicht, dass alle, die „tot sind in Vergehungen und Sünden“ (Eph 2,1), diese Fähigkeit haben. Das stünde in klarem Widerspruch zu den Schriftstellen, die wir bereits betrachtet haben. Diese Stellen besagen, dass der Mensch im Fleisch nicht hören kann.

Darüber hinaus ist das Thema in Johannes 5,24.25 der Glaube an den Vater zum ewigen Leben und nicht der Glaube an Christus, um wiedergeboren zu werden.[6] Der Charakter des Lebens ist hier ewiges Leben. Neue Geburt und ewiges Leben sind nicht genau dasselbe. Sie sind aufs Engste miteinander verbunden, bedeuten aber nicht dasselbe. Christen, die diese beiden Dinge miteinander verwechseln, meinen daher, ein Mensch werde wiedergeboren, indem er glaubt. Sie lesen Bibelstellen wie Johannes 3,15.16.36; 5,24; 6,47; 20,31 und 1. Johannes 5,13 und fragen sich, warum jemand jemals sagt, dass ein Mensch nicht durch seinen eigenen Glauben aus Gott geboren wird. Aus solchen Versen, die den Glauben erwähnen, schließen sie, dass ein Mensch sicherlich Glauben haben müsse, um von neuem geboren zu werden. Doch sie verwechseln das ewige Leben mit der Neugeburt. Ewiges Leben gehört mit dem Glauben an Christus, den Sohn Gottes, zusammen, der in der Tat „das ewige Leben“ ist (1Joh 1,2). Aber die Heilige Schrift hütet sich sorgfältig davor, die Neugeburt eines Menschen als Ergebnis seines Glaubens zu sehen. (Beachten wir Folgendes: Nachdem in Johannes 3,15 das ewige Leben eingeführt worden ist, ist danach in den Schriften des Johannes niemals die neue Geburt das Thema. Es ist immer ewiges Leben, auch wenn es manchmal als „Leben“ bezeichnet wird. Und der Besitz des ewigen Lebens ist immer mit dem Glauben an den Sohn Gottes verbunden.) […]

Die moderne evangelikale Predigt stellt heute die Neugeburt als etwas dar, worum der verlorene, leblose Sünder bitten muss. Die Prediger drängen die Menschen dazu, Gott zu bitten, dass sie von neuem geboren werden – als ob in dem Sünder etwas wäre, was die Dinge Gottes wünschen würde. Zweifellos verwechseln sie die Wiedergeburt mit der Errettung, für die der Mensch den Herrn anrufen muss (Röm 10,13). Die Schrift lehrt jedoch nicht, dass es in der Verantwortung des Menschen liegt, dass er von neuem geboren wird. Er hat nicht die Macht dazu. Als der Herr zu Nikodemus sprach, betonte Er, dass die Neugeburt absolut notwendig ist, aber Er sagte Nikodemus nie, er solle um die Neugeburt bitten (Joh 3,7). Wir finden auch keine andere Person in der Bibel, die um eine neue Geburt bittet oder dafür betet. „Ihr müsst von neuem geboren werden“ (Joh 3,7) – wie wahr dies auch immer ist, dies ist nicht das Evangelium.[7] Im Evangelium predigen wir nicht das Leben (die Neugeburt), sondern wir predigen Christus und Ihn als gekreuzigt (1Kor 1,17.18; 2,2) und dass es „Buße zu Gott“ (Apg 17,30; 20,21) und „Glauben an unseren Herrn Jesus Christus“ geben muss. Das sind die Dinge, die die lebendig gemachte Seele tut, wenn sie das Evangelium hört. Folglich wird so ein Mensch „die Vergebung der Sünden durch seinen Namen“ erhalten und mit dem Heiligen Geist versiegelt werden (Apg 10,42.43; 13,38.39; Eph 1,13). Wir sagen nicht, dass ein Prediger Johannes 3 in der Evangeliumspredigt niemals verwenden sollte. Es ist ein gutes Kapitel für diesen Zweck, aber die Schrift weiß nichts davon, dass ein Prediger seinen Zuhörern sagt, sie sollten Gott um ihre Wiedergeburt bitten. Nachdem der Herr in Johannes 3 von der Wiedergeburt gesprochen hatte, fuhr Er fort, über das Kreuz (Joh 3,14), das ewige Leben (Joh 3,16.17) und die Errettung (Joh 3,17) zu sprechen. Diese Dinge sind die Grundbestandteile des Evangeliums.

Unabhängig davon haben einige (irrtümlicherweise) gedacht, dass leblose Sünder darum bitten könnten, dass sie von neuem geboren werden, weil der Herr der Frau am Brunnen sagte, sie solle darum „bitten“ (Joh 4,10). Das ist jedoch ein Missverständnis. Die Wiedergeburt ist nicht das Thema dieses Verses. Sie ist auch sonst nirgendwo in diesem Kapitel zu finden. Die „Gabe“, von der der Herr sprach, war das „lebendige Wasser“ – der Geist Gottes –, nicht die neue Geburt. Im Johannesevangelium ist Christus „das lebendige Brot“ (Joh 6,51), und der Heilige Geist ist „das lebendige Wasser“ (Joh 4,10; 7,38.39). Der empfangene Heilige Geist ist das Mittel, durch das ein Mensch das ewige Leben genießt (Joh 4,10.14).[8] […]

Einige könnten dem widersprechen mit der Begründung, dass der Geist Gottes zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben war – und daraus schließen, dass der Herr der Frau am Brunnen nicht gesagt haben könne, sie solle Ihn um etwas bitten, was sie nicht ohne weiteres empfangen würde. Diese Logik rührt daher, dass der Standpunkt, von dem aus das Evangelium geschrieben ist, missverstanden wurde. Der Herr wird im Johannesevangelium als Gott, der Sohn, dargestellt. Und als Gott lebt Er immer in der ewigen Gegenwart und weiß alle Dinge vom Ende bis zum Anfang, bevor sie geschehen; und folglich spricht Er von diesem Standpunkt aus. Dieses Muster zieht sich durch das ganze Evangelium. Zum Beispiel sagte der Herr später: „Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen“ (Joh 7,37.38). Wenn jemand an jenem Tag zu Ihm gekommen wäre und geglaubt hätte, hätte er dann den Geist empfangen, wie Er gesagt hatte? Der nächste Vers (Joh 7,39) erklärt, dass er den Geist nicht empfangen hätte – das würde erst nach Pfingsten geschehen, wenn der Geist gegeben worden wäre. Dennoch sagte der Herr an diesem Tag deutlich, dass, wenn jemand zu Ihm käme, er den Geist empfangen würde! Man vergleiche auch Johannes 17,4.12 usw.

 

Anmerkungen

[1]

Sie sind bereits von Gott geboren; ohne Wiedergeburt könnte es weder Buße noch Glauben geben. (W. Kelly, „Acts 2“, Acts of the Apostles, S. 27)

Es ist zu Recht festgestellt worden, dass der Glaube nicht vor der Wiedergeburt kommen kann, denn sonst wäre er vom Fleisch, und das widerspräche dem, was die Anfangsverse in Johannes 1 über den Zustand allen Fleisches nachdrücklich sagen. (J.A. Trench, „New Birth and Eternal Life“, Scripture Truth, Jg. 4, 1912, S. 331)

[2]

Der Abschnitt in Epheser 2 ist sehr einfach. Gegner dieser Wahrheit [dass der Glaube die Gabe Gottes ist] behaupten: „Weil ,das‘ im Griechischen Neutrum ist, kann es sich nicht auf Glauben beziehen, weil der Glaube im Griechischen ein Femininum ist.“ – Aber ebenso wenig kann „das“ mit „Gnade“ übereinstimmen, weil auch dieses Wort ein Femininum ist. – Daraufhin sagen sie: „Das ist wahr, aber es stimmt mit der ganzen Sache überein: mit der Errettung.“ – Aber das ergibt keinen Sinn. „Durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das (diese Rettung) nicht aus euch, Gottes Gabe ist es.“ Selbstverständlich ist die Errettung aus Gnade und nicht aus uns selbst, sonst könnte sie keine Gnade sein – es ist unmöglich, anzunehmen, Gnade sei aus mir selbst, so dass in diesem Fall „und das“ keinen Sinn ergibt. Aber man kann durchaus auf den Gedanken kommen, der Glaube komme aus uns selbst. Und wenn Paulus sagt, dass sie [die Errettung] durch den Glauben kommt, fügt er deshalb hinzu: „und das nicht aus uns selbst, Gottes Gabe ist es“. […] Wir sind die Kinder Gottes: Aber das ist so, weil wir aus dem Geist geboren sind, der in uns wirkt und den Glauben hervorbringt, wenn wir aus Gott durch seinen eigenen Willen gezeugt werden. (J.N. Darby, Letters, Februar 1879, Bd. 2, Nr. 330, S. 480)

Das erste Handeln Gottes in der Seele eines Sünders ist, dass Er sein Wort durch den Geist auf das Gewissen anwendet. Dieses Wirken erzeugt Glauben in der Seele, so wie wir es in Römer 10,17 lesen: „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort.“ Glaube ist das erste Prinzip dieser neuen Natur. (F.G. Patterson, „Scripture Notes and Queries“, Words of Truth, Jg. 6, 1871, S. 80. Siehe auch Words of Truth, Bd. 2., S. 82)

Wir müssen darauf achten, die Dinge an ihren richtigen Platz zu stellen. Der Heilige Geist bringt das Wort in das Innere des Menschen, und es ist dieses Wort, das den Glauben hervorbringt, und zwar nicht, indem der erste Adam verbessert, sondern indem der letzte Adam offenbart wird. (W. Kelly, „Ephesians 2“, Lectures on the Epistle to the Ephesians, S. 69–70)

Vielleicht sagen Sie: Aber ist es nicht auch wahr, dass ein Sünder, wenn er sich zu Gott bekehrt, dies auch will? Ja, er will und wünscht dann, gerettet zu werden und Gott zu dienen. Wenn das also nicht seine eigene freie Wahl als verlorener Sünder ist, wie sollte er es dann tun? Die Antwort der Heiligen Schrift lautet: „Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken, zu seinem Wohlgefallen“ (Phil 2,13). Dies ist, wie Sie sehen, die Erklärung dafür, wie diejenigen, die in Christus gerettet und geheiligt werden, ihre eigene Errettung bewirken sollen. Es ist Gott, der in ihnen den Willen wirkt. Er gibt ihnen einen neuen Willen und wirkt in ihnen durch „das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus“ (Röm 8,2). (C. Stanley, „Free Will“, Things New and Old, Jg. 33, 1890, S. 26)

Die Kraft Gottes wirkt auf die tote Seele durch das Wort, und Gott gibt den Glauben, der das Wort aufnimmt. Niemand kann es verstehen oder erklären. (A.H. Rule, „Eternal Life and the Person of Christ“, Selected Ministry, Bd. 2, S. 210)

Der Glaube wird durch das Wirken des Geistes Gottes mittels des Wortes hervorgebracht. (W.J. Lowe, „Part 3: in Christ“, Life and Propitiation, S. 114)

[3]

Glaubt eine Seele, bevor sie lebendig gemacht wird? Finden Glaube, Belebung und Bekehrung zur gleichen Zeit statt, und findet dann irgendwann in der Zukunft eine Versiegelung statt? Ich glaube, ein paar Worte reichen aus. Die Versiegelung durch den Geist findet im Allgemeinen dann statt, wenn jemand an Christus geglaubt hat, damit ihm die Sünden vergeben werden. Lebendigmachung findet statt, wenn der Heilige Geist durch das Wort Gottes oder die darin offenbarten Wahrheiten an der toten Seele wirkt. Sein Wirken erzeugt und vermittelt Glauben, und zwar gleichzeitig mit der Lebendigmachung. Jemand glaubt an das, was unmittelbar offenbart worden ist, auch wenn er vielleicht noch längere Zeit danach nicht weiß, dass ihm vergeben und er errettet ist (F.G. Patterson, „Letters on Subjects of Interest“, Words of Truth, Jg. 1, NS, 1874, S. 212)

Wir sagen nicht, dass der Glaube keinen Platz in der Neugeburt hat, denn wir wissen aus Hebräer 4,2, dass das Wort keinen Nutzen hat, wenn es nicht mit dem Glauben verbunden wird. Aber wenn der Glaube zuerst käme, würde er dem Willen des Menschen entspringen, doch wir sind von Gott gezeugt. Glaube und Neugeburt kommen gleichzeitig, so wie die Wunde mit dem Schwerthieb kommt; aber die Wunde verursacht nicht den Schwerthieb, sondern der Schwerthieb verursacht die Wunde. Aus der Neugeburt entspringt alles für Gott, alles Suchen nach Gott und die Sehnsucht nach Heiligkeit und die Erkenntnis der Wahrheit und alles andere, was Gott im Menschen gefällt, denn die Natur, die aus und von Gott selbst ist, wird in den Menschen vermittelt; und der Mensch, in dem diese Dinge wirklich gesehen werden, ist von neuem geboren. („The New Birth“, Scripture Truth, Jg. 4, 1912, S. 271)

Man kann nicht sagen, dass ein Mensch Leben hat, bevor er Glauben hat. … Man kann nicht zu Recht das eine vor das andere stellen. Man kann kaum sagen, dass der Glaube vor dem Leben war, doch das Leben ist keinesfalls vor dem Glauben. (W. Kelly, Lectures on the Epistle to the Ephesians, S. 83–84)

[4]

Die Neugeburt ist Gottes souveränes Handeln. Nirgendwo sagt die Schrift: „Wer glaubt, wird von neuem geboren werden.“ Dies zu sagen hieße, die neue Geburt von dem Ort zu nehmen, an den Gott sie gesetzt hat, und den Glauben an das Evangelium [zeitlich gesehen] vor die neue Geburt zu setzen. Die Wiedergeburt ist ein Vorgang, bei dem Gott an erster Stelle steht, denn niemand kann an seiner eigenen Geburt mitwirken. Der alte Adam bringt keinen Glauben hervor, denn sonst könnten die, die im Fleisch sind, Gott gefallen. Erst wenn die souveräne Macht in unsere finstere Nacht eingedrungen ist und uns ein neues Prinzip eingepflanzt hat, das es nie zuvor gegeben hat, können unsere Wünsche und Sehnsüchte, unsere Trauer über die Sünde, unsere Atemzüge nach Gott nur in Christus erfüllt werden. (W.H. Westcott, „A Letter on New Birth and Eternal Life“, 23.5.1923, Scripture Truth, Jg. 16, 1924, S. 19–20)

Wer mit solchen Schriftstellen zeigen will, dass die Neugeburt abhängig ist von einem Akt des menschlichen Willens, Christus anzunehmen oder das Evangelium, das Ihn darlegt, hat den Anwendungsbereich und die Bedeutung dieser Schriftstellen völlig falsch verstanden und verrät Unkenntnis über das Ausmaß und die Absicht eines großen Teils des Wortes Gottes. („No Man becomes a Child of God by his Own Will. A Letter to a Friend“, The Present Testimony, Jg. 8, 1856, S. 308)

Einige setzen den Glauben an die erste Stelle und machen die Wiedergeburt zum Ergebnis des Glaubens. Doch wenn wir dies anhand der Schrift prüfen, werden wir es als Irrtum erkennen. Wenn der Glaube an erster Stelle steht, muss er notwendigerweise von dem kommen, was der Mensch im Fleisch ist, und wenn das so wäre, dann wäre Römer 8,8 nicht wahr: „Die aber, die im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen“ (Röm 8,8) – denn der Glaube gefällt Gott, und „ohne Glauben ist es unmöglich, ihm zu gefallen“ (Heb 11,6). („The New Birth“, Scripture Truth, Jg. 4, 1912, S. 271)

Einige haben gedacht, dass sie wiedergeboren wurden, nachdem sie an das Evangelium geglaubt hatten. Wie kann das sein, wenn unser Herr sagt, dass sie das Reich Gottes nicht einmal sehen können, bis sie von neuem geboren sind? („The Holy Spirit as seen in John’s Gospel“, Reading with George Davison, Precious Things, Jg. 7, 1962, S. 43)

[5]

Das erste Handeln Gottes in der Seele eines Sünders ist, dass Er sein Wort durch den Geist auf das Gewissen anwendet. Dieses Wirken erzeugt Glauben in der Seele, so wie wir es in Römer 10,17 lesen: „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort.“ Glaube ist das erste Prinzip dieser neuen Natur. (F.G. Patterson, „Scripture Notes and Queries“, Words of Truth, Jg. 6, 1871, S. 80)

[6]

Johannes 5,24.25 zeigt uns, wie der Sohn in der gegenwärtigen Zeit in lebensspendender Kraft wirkt: Er macht durch sein Wort lebendig; d.h., sie hören darin „die Stimme des Sohnes Gottes“, und als Folge davon glauben sie an den Vater, der Ihn gesandt hat, und leben. (F.B. Hole, „Lebendig gemacht“, Das große Heil Gottes, Zürich (Beröa) 1990, S. 95; engl. Orig.: The Great Salvation, S. 61)

Johannes 5,25 sagt: „Es kommt die Stunde und ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben.“ So auch Epheser 1,13: „In Christus seid auch ihr [die aus den Nationen], nachdem ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils – in ihm seid ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden.“ Beachten wir: Es wird weder Gebet noch Glaube noch Buße noch irgendeine andere Frucht des Wirkens des Geistes erwähnt. Der Mensch ist zu einem bestimmten Zeitpunkt moralisch tot. Der Sohn Gottes spricht mittels des Wortes zu ihm; der Mensch hört, er lebt: „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort“ (Röm 10,17). (A.P. Cecil, „New Birth, Salvation, Sealing“, Helps By the Way, Jg. 3., NS, 1880, S. 176) [Anm. d. Red.: Die engl. Bibelübersetzung hat „hören“ statt „Verkündigung“: „So then faith comes by hearing, and hearing by the word of God“ (So kommt der Glaube aus dem Hören und das Hören durch das Wort Gottes).

[7]

Das Leben ist nicht das, was gepredigt wird, sondern Christus – Buße und Vergebung der Sünden: der Zustand unserer Beziehung zu Gott in uns selbst oder in Christus. „Ihr müsst von neuem geboren werden“ – wie wahr das auch immer ist, das ist nicht das Evangelium. (J.N. Darby, Letters, April, 1875, Bd. 3, Nr. 231, S. 435)

Die Neugeburt ist nicht das Evangelium, obwohl sie unumgänglich ist für jeden, der in das Reich Gottes eintreten will. (W. Scott, Doctrinal Summaries, S. 21)

[8]

Aber die Vorsehung Gottes hatte eine volle Manifestation der weiteren Herrlichkeit, die in Ihm war, verfügt; ebenso auch eine Manifestation der Gabe des Geistes und des ewigen Lebens als die gegenwärtige Kraft des ewigen Lebens in Ihm, getrennt von allen jüdischen Verbindungen, obwohl sie zugibt, dass die Errettung aus den Juden kommt. Er muss durch Samaria gehen. … Die Person Jesu öffnet die Tür und hebt den Unterschied zwischen einem Juden und einer Frau aus Samaria auf. Es handelt sich also insgesamt um ein Zeugnis für Christus als den Geber des Geistes, und das stand im Gegensatz zu den zeitlichen Segnungen und Verbindungen des Jakobs von alters her und hob die Scheidung auf, die es zwischen einem Juden und einer Samariterin insoweit gab. (J.N. Darby, „John 4“, Notes and Comments, Bd. 7, S. 47–48)

Mit dem „lebendigen Wasser“ meint der Herr den Geist Gottes. Das ist ganz klar, wenn wir zu Johannes 7,39 kommen. In Kapitel 3 ist der eingeborene Sohn die Gabe Gottes an die Welt. In Kapitel 4 ist der Geist Gottes die Gabe Gottes an den Gläubigen. (F.B. Hole, „Johannes 4“, Grundzüge des Neuen Testaments. Johannes—Apostelgeschichte, Bd. 2, Hückeswagen (CSV) 2007, S. 35; engl. Orig.: The Gospels and Acts, S. 227)

Was diese Gabe Gottes war, wird offenbart: nämlich der gegenwärtige Genuss des ewigen Lebens im Himmel durch die Kraft des Heiligen Geistes. (J.N. Darby, „On the Gospel of John. John 5“, Collected Writings, Bd. 33, S. 166)


Originaltitel: „How Faith is Involved in New Birth“
aus New Birth, Salvation, and Eternal Life: “What Saith the Scripture?” (Romans 4:3),
Christian Truth Publishing 1995, S. 24–32


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