Der Wert des Todes Christi (2)
Gott verändert seine Haltung der Welt gegenüber

Dirk Schürmann

© SoundWords, online seit: 08.10.2003, aktualisiert: 06.10.2018

Leitverse: 1. Mose 8,20–9,7

1Mo 8,20–9,7: Und Noah baute den HERRN einen Altar, und er nahm von allem reinen Vieh und von allem reinen Gevögel und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der HERR roch den lieblichen Geruch, und der HERR sprach in seinem Herzen: Nicht mehr will ich hinfort den Erdboden verfluchen um des Menschen willen; denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an; und nicht mehr will ich fortan alles Lebendige schlagen, wie ich getan habe. Forthin, alle Tage der Erde, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, und Frost und Hitze, und Sommer und Winter, und Tag und Nacht.
Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch, und füllet die Erde; und die Furcht und der Schrecken vor euch sei auf allem Getier der Erde und auf allem Gevögel des Himmels! Alles was sich auf dem Erdboden regt und alle Fische des Meeres, in eure Hände sind sie gegeben: alles, was sich regt, was da lebt, soll euch zur Speise sein; wie das grüne Kraut gebe ich es euch alles. Nur das Fleisch mit seiner Seele, seinem Blute, sollt ihr nicht essen; und wahrlich, euer Blut, nach euren Seelen, werde ich fordern; von jedem Tiere werde ich es fordern, und von der Hand des Menschen, von der Hand eines jeden, seines Bruders, werde ich die Seele des Menschen fordern. Wer Menschenblut vergießt, durch den Menschen soll sein Blut vergossen werden; denn im Bilde Gottes hat er den Menschen gemacht. Ihr nun, seid fruchtbar und mehret euch, wimmelt auf der Erde und mehret euch auf ihr!

Gott richtet den Menschen, der durch und durch böse ist

Gott hatte den Menschen für sich selbst geschaffen (Kol 1,16). Er wollte seine Freude an dem Menschen haben. Jedes Geschöpf sollte für Ihn da sein, Ihm nützen, Ihm dienen. Aber was wird jemand tun, wenn er etwas für sich selbst macht, was sich dann aber als nutzlos erweist? Denn in 1. Mose 6 sehen wir, dass die Menschen so geworden waren, dass Gott sagte, alles Gebilde der Gedanken ihres Herzens sei nur böse den ganzen Tag, und dass es Gott reute, dass Er den Menschen gemacht hatte (1Mo 6,5.6). Und dann kam die Flut. Was konnte Gott mit einem Geschöpf, an dem und in dem nichts Gutes ist, anderes tun, als es zu vertilgen? Sein Gericht muss über alles kommen, was im Widerspruch zu Ihm ist. Er konnte nur Gericht über die Menschen bringen. Die Flut brachte sie alle um, mit Ausnahme dieses einen Mannes, der Gnade gefunden hatte und der dann auf wunderbare Weise gerettet wurde: Er ging in die Arche und in ihr entkam er durch das Wasser. Die Gewalt der Wellen des Gerichtes Gottes kam gegen die Arche, aber er war sicher darin. So kam er gewissermaßen auf eine neue Erde, auf eine Erde, die gereinigt war durch Gericht. Und was tat er dort?

In 1. Mose 6 hatte Noah eine Arche gebaut. Seine Gedanken waren mit dem Gericht beschäftigt, von dem er gehört hatte, dass es über den sündigen Menschen kommen musste und kommen würde. Er suchte nach einem Weg, um gerettet zu werden, und fand ihn in Gottes Augen. Die Gnade Gottes sagte ihm, wie diese Rettung möglich war: in der Arche. Hier in Kapitel 8 steht nun Noah auf der anderen Seite des Gerichts, auf der neuen, der gereinigten Erde.

Der Altar

Und was tut Noah jetzt? Er baut einen Altar und er nimmt von allem reinen Vieh und von allem reinen Gevögel und opfert Brandopfer. Das sind wunderbare Dinge! Wir merken: Noah opferte nicht, um noch gerettet zu werden, sondern weil sein Herz voller Dankbarkeit war dafür, dass er jetzt gerettet war! Deshalb wollte er ein Brandopfer bringen, und zwar bringt er es auf einem Altar. Wir denken im Allgemeinen, das Opfer sei das Wichtigste, der Altar sei dagegen weniger wichtig. Aber der Herr Jesus sagt in Matthäus 23,19, dass der Altar mehr ist als das Opfer, weil die Gabe durch den Altar geheiligt wird. Zum ersten Mal im Laufe der Geschichte dieser Welt wird in der Heiligen Schrift der Altar erwähnt; wie hätte auch ein Altar auf verfluchtem Boden errichtet werden können? Der Altar erforderte einen reinen Ort. Jetzt war die Erde durch Gericht gereinigt worden, und dadurch war ein entsprechender Ort da. Dadurch dass Noah seinen Altar baute, beanspruchte er die Erde für Gott und stellte sie damit gewissermaßen auf die Grundlage des Brandopfers. Er sagt gleichsam: Diese Erde ist nicht mehr für den verdorbenen Menschen, diese Erde soll für Gott sein.

Gott verändert die Grundlage seines Handelns mit dem Menschen

Nun sehen wir hier das zweite Opfer, von dem wir in der Schrift lesen, und es ist wunderbar: Es war nur ein Altar auf der ganzen Erde, und diesen Altar und die Opfer darauf finden wir, nachdem Gott gerade von dem Menschen gesagt hatte: „Alles Gebilde der Gedanken seines Herzens ist nur böse den ganzen Tag“, und: „Und es reute den Herrn, dass er den Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es schmerzte ihn in sein Herz hinein“, nachdem soeben das Gericht in der großen Flut gekommen war. Gott hatte gerade die ganze Menschheit als Folge ihrer Sünden gerichtet und weil ihr Zustand so verdorben war. Jetzt war nicht nur das Paradies für den Menschen verschlossen, jetzt war alles, was der Mensch bis dahin aufgebaut hatte, seine gesamte Zivilisation, verschwunden, und darüber hinaus war jede Segnung Gottes auf der Erde vernichtet.

Und dann finden wir ab Vers 21, dass sich plötzlich die Haltung Gottes vollständig ändert. Obwohl das Herz des Menschen weiter böse ist („Denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an“), nicht anders als vor der Flut („Alles Gebilde der Gedanken seines Herzens ist nur böse den ganzen Tag“; 1Mo 6,5), so will Gott doch solch ein Gericht nicht mehr über die Menschen und die Erde bringen. Damals war sein Urteil gewesen: Ich will den Menschen vertilgen von der Erde. – Hier aber sagt Gott: Ich will es nicht mehr tun. – Und Er gibt eine segensreiche Verheißung für die Zukunft, ja, Er selbst segnet Noah und seine Söhne, schließt dann auch einen Bund mit Noah.

Was hat diese gewaltige Veränderung in Gottes Haltung hervorgebracht? Einzig und allein dieses Brandopfer, das vorbildlich auf das Opfer hindeutete, das Christus einmal in ferner Zukunft bringen würde. Der Duft des Opfer kam sozusagen nicht nur in die Nase Gottes, sondern rührte auch sein Herz, so dass es sich von Zorn und Strafe nach Barmherzigkeit und Segen wendete. Es hatte Gott „in sein Herz hinein" (1Mo 6,6) geschmerzt, dass Er den Menschen überhaupt geschaffen hatte; jetzt roch Er den lieblichen Geruch dieses Opfers, und sein Herz geht aus, um nicht nur die Sünden Noahs und seiner Familie hingehen zu lassen, sondern Er segnet sie sogar, und nicht nur sie, sondern für ewige Geschlechter macht Er einen Bund der Gnade.

Die Auswirkung dieses Opfers auf diesem Altar ist so groß vor Gott, dass Er gleichsam sagt: Zwar ist der Mensch verderbt. Selbst ein solches Gericht ändert sein Herz nicht. Sein Herz ist ebenso verdorben wie vorher. – Und die wenigen Menschen, sie wissen es nicht. (Noah und seine Frau und seine Söhne werden es wohl kaum gewusst haben, dass ihre Herzen so böse waren, aber Gott wusste es.) Aber Gott sagt hier: Wenn das auch so ist, werde ich sie dennoch nicht mehr verderben; denn da kommt von dieser Erde solch ein wohltuender Geruch, ein lieblicher Geruch von diesem Opfer (nach einer anderen Übersetzung: ein Duft der Beruhigung); Ich werde die Erde nicht mehr verderben. – Ja, es geht sogar noch weiter. Es heißt hier sogar: „Nicht mehr will ich … verfluchen …; denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse.“ Dieses „denn“ verwundert uns nun wirklich. Aber es ist, als ob Gott sagen wollte: Weil der Mensch nun mal so ist, kann Ich mit dem Menschen nicht mehr nach dieser Grundlage handeln, und daher werde Ich eine andere Grundlage nehmen – und diese Grundlage ist das Brandopfer. – Das, was der zweite Mensch, der Mensch vom Himmel vollbracht hat, das wird nun die Grundlage, die das Handeln Gottes mit dem Menschen bestimmt.

Die Auswirkungen des Opfers bis zur neuen Erde

Und jetzt sehen wir überwältigende Auswirkungen: dass das Opfer nicht nur imstande ist, Sünder zu retten, so dass ein sündiger Mensch zu Gott kommen kann, wenn er den Tod dieses Opfers zwischen sich und Gott stellt, sondern dass Gott auch imstande ist, aufgrund dieses Opfers die ganze Schöpfung zu reinigen und nach dem Gericht zu segnen, im Endeffekt einen neuen Himmel und eine neue Erde zu geben, wo der Mensch wohnen kann. Was für ein Mensch? Der Mensch, der in sich selbst vollkommen böse ist und dessen Herz nicht besser ist als das der Menschen, die durch das Gericht getroffen waren, aber der in einem anderen durch das Gericht gegangen und so auf dieser neuen Erde angekommen ist. Natürlich ist es hier noch dieselbe Erde. So wie es auch in ihrer geistlichen Bedeutung von der Erde spricht, die zu Beginn des Tausendjährigen Reiches durch schrecklichste Gerichte gereinigt sein wird. Durch diese Gerichte wird auch ein kleiner Überrest von Gott beschützt und – wie Noah in der Arche – hindurchgerettet worden sein. Dann wird Christus auch einen Altar auf der Erde bauen. Er wird die Erde für Gott beanspruchen. Der Fluch ist gänzlich hinweggenommen, denn der Mensch, der Gott ein Herzeleid war, ist im Gericht beseitigt. Alles ist jetzt auf den Tod Christi gegründet und alles vom Wohlgeruch seines Opfers durchdrungen. Dann wird kein Fluch mehr sein, sondern Gottes Wohlgefallen wird auf der Erde ruhen können; der Bund wird bestehen und eine bleibende Ordnung. Es wird nicht aufhören „Saat und Ernte, und Frost und Hitze, und Sommer und Winter, und Tag und Nacht. Die Herrlichkeit Christi wird kommen und die Erde wird davon voll sein.

Weiter finden wir vielleicht auch eine Vorschattung von dem, was wir in 2. Petrus 3 finden, wenn nach dem Tausendjährigen Reich die Erde durch das Gericht Gottes vernichtet, verwüstet werden wird und eine neue Erde, ein neuer Himmel kommen werden (2Pet 3,12.13).

Noah bringt das Opfer

Nun opfert Noah. Er ist sich dessen bewusst, dass aufgrund der Sünde nur ein Opfer Gott angenehm sein kann, denn auch er selbst braucht Erlösung, auch er selbst war ein Sünder. Aber er opfert nicht nur das, was für ihn und seine Familie notwendig war, sondern er opfert von jedem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln. Wir können sagen, dass hier Gott ein Opfer gebracht wurde, das ein vollständiges Bild von der Person des Herrn Jesus in all seinen wunderbaren Eigenschaften darstellt, wie sie in seinem Werk am Kreuz offenbar wurden. Jedes dieser Tiere weist auf eine besondere Eigenschaft hin: Ein Vogel zum Beispiel spricht von Ihm als dem Menschen vom Himmel, ein Schaf spricht von Ihm als dem Sanftmütigen (Jes 53). Und alle Eigenschaften, die in den Opfertieren zum Ausdruck kamen, waren zur besonderen Freude Gottes, als der Herr Jesus das Werk vollbrachte. Alles, was ein Bild von dem Herrn Jesus war, alles, was angenehm war für Gott – und wir wissen, nur was in Ihm, dem Herrn Jesus, war, ist angenehm für Gott –, wurde hier durch Noah auf der neuen Erde dargebracht.

Und Gott roch den lieblichen Geruch, der Ihm Ruhe gab, und Gott sagte gewissermaßen: Jetzt kann Ich einen Zustand beständigen Segens einführen. „Nicht mehr will ich hinfort alles Lebendige schlagen, wie ich getan habe. Forthin, alle Tage der Erde, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, und Frost und Hitze, und Sommer und Winter, und Tag und Nacht.“ Aufgrund eines so wertvollen Opfers ist es Gott möglich, nicht nur Sünden zu vergeben, sondern sogar sündige Menschen zu segnen. In gewisser Weise kommt die ganze Erde hier unter den Segen des Wohlgeruchs dieses Opfers.

Selbstverständlich ist das in den natürlichen Dingen auf dieser Erde auch wahr. Wir wissen nicht, ob es vorher geregnet hat. Aber von dieser Zeit an ist das so gewesen. Immer ist die Nacht nach dem Tag gekommen, oder, wie hier steht, der Tag nach der Nacht. Immer hat es Saat und Ernte gegeben, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Und wir wissen, dass es so bleiben wird, solange die Erde besteht. Aber es deutet alles hin auf diesen wunderbaren Zustand, den ewigen Zustand, wo alles unveränderlich sein wird und alle Gnadengaben Gottes niemals mehr ein Ende finden werden, sondern unendlich bleiben werden, sicher bleiben werden bis in alle Ewigkeit, weil sie auf diesen wunderbaren Geruch gegründet sind, auf das Opfer, das hier gebracht wird, das Opfer, das nicht nur in sich selbst kostbar ist, sondern das so überaus groß ist durch die Person, die das Opfer war.

Die Vortrefflichkeit der Person, die das Opfer stellte

Nicht nur das Werk, das Er vollbracht hat, dass Er gestorben ist, ist großartig, sondern die Person, die dieses tat, der Herr Jesus, der starb, damit Gott befriedigt wurde und Ruhe fand und damit der Mensch durch Ihn zu Gott nahen konnte.

Das wollen wir noch ein wenig näher betrachten: Wenn wir den Herrn Jesus in seinem Werk am Kreuz sehen, dann begreifen wir, dass das Werk darum besonders herrlich war, weil gerade diese seine Person es tat. Es macht einen Unterschied, wer etwas tut. Das Werk am Kreuz war in der Tat wunderbar. Aber warum war es so über alle Maßen wunderbar? Weil der geliebte Sohn Gottes es tat! Weil Er, der dort das Gericht Gottes über meine Sünde trug, selbst der Heilige, der Wahrhaftige war, der Sünde nicht kannte. Er war der, von dem Gott selbst sagte: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,17; s.a. Mk 1,11; Lk 3,22), und der selbst von sich sagen konnte, dass Er stets das tue, was Gott wohlgefalle. O ja, das Werk war in sich selbst herrlich! Aber für Gott war es ganz besonders herrlich, weil diese eine Person es tat; weil der es tat, der keine Sünde kannte und der als Mensch auf der Erde Ihn immer nur verherrlicht hatte. Er ging in das Gericht Gottes, und Er tat es aus Gehorsam. Er wurde gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz (Phil 2,8).

Der Segen Gottes größer als bei Adam

  • Adam hatte im Paradies keine Verheißung der Beständigkeit der Ernte bekommen. Und mindestens während der Zeit der Sintflut war es anders gewesen; da waren nicht Saat und Ernte, Frost und Hitze einander gefolgt. Aber von diesem Zeitpunkt an war es wirklich so auf dieser Erde. Im Bilde wird uns damit gezeigt, dass ein beständiger Segen das Ergebnis sein würde, wenn ein solches Brandopfer einmal gebracht werden würde, durch das Gott Ruhe findet und das ein lieblicher Geruch für Ihn ist. Noah bekommt sie aufgrund des Brandopfers wohl.

  • Adam hatte in Eden (und auch nachher) kein Fleisch zur Nahrung bekommen. In Eden hatte Gott Adam als Nahrung gegeben: „Alles samenbringende Kraut, das auf der ganzen Erde ist, und jeden Baum, an welchem samenbringende Baumfrucht ist“ (1Mo 1,29). Nachdem Adam gesündigt hatte, indem er von der Frucht eines Baumes aß, lesen wir nicht einmal mehr, dass er diese noch zur Speise hatte. Es wird nur noch das Kraut des Feldes, das samenbringende Kraut, als Nahrung (1Mo 3,18) erwähnt. Hier aber gibt Gott dem Menschen weitaus mehr, als er selbst im Garten Eden gehabt hatte. Er darf nicht nur von den samenbringenden Kräutern essen, sondern von allem, was auf Erden ist, selbst von den Vögeln, den Landtieren und den Fischen. Das war bis dahin nicht erlaubt gewesen: „Wie das grüne Kraut gebe ich es euch alles“ (1Mo 9,3).

  • Adam im Paradies wurde der Tod als das Gericht Gottes vorgestellt. Was für ein Wechsel hat nun stattgefunden: Jetzt hat der Mensch das Vorrecht, sich von dem zu nähren, was das Ergebnis des Todes ist. Der Tod soll Speise für den Menschen sein. Der Mensch baut sich aus dem auf, wovon er sich ernährt; und Gottes Gedanke ist, eine Welt zu haben, in der jeder dadurch gebildet und auferbaut wird, dass er sich von dem nährt, was das Ergebnis des Todes ist. Das wird uns in Johannes 6 völlig entfaltet. Jeder sollte sich vom Tode Christi nähren. Das ist die Folge davon, dass die Sünde in die Welt gekommen ist. Wenn einmal im Tausendjährigen Reich eine Welt auf der Grundlage des Brandopfers errichtet werden soll, so müssen die, die diese Welt füllen, dadurch ernährt und gestaltet werden, dass sie sich von Christus als einem Gestorbenen nähren. Und wir gehören heute schon zu einer neuen Schöpfung Gottes, auf der Grundlage des Opfers Christi (2Kor 5). Er hat im Tode den Willen Gottes und die Liebe Gottes zum Ausdruck gebracht. Das war der einzige Platz, wo sie Speise für uns werden konnte. Anders hätte die Liebe Gottes sich uns niemals zeigen können, da sonst der Gerechtigkeit Gottes Abbruch getan worden wäre. Bei jedem Stück Fleisch, das wir essen, werden wir daran erinnert, dass ein anderes Leben sterben musste, damit wir leben können, und das erinnert uns wieder an das geistliche Gegenbild: dass wir nur ewiges Leben bekommen konnten, weil Christus für uns gestorben ist. Wenn man das einmal verstanden hat, wird man es niemals als Grundsatz hinstellen, dass man Vegetarier sein sollte.

  • Adam war im Bild Gottes geschaffen worden. Gott zeigt uns jetzt, wie Er dafür sorgt, dass im Menschen das Bild Gottes bewahrt und geehrt werden soll. Es geht um die Stellung und Würde des Menschen, die ihm zukommt. Die Herrschaft wahrt die Rechte Gottes und die Würde des Menschen, seines Geschöpfes. In der zukünftigen Welt des Tausendjährigen Reiches wird nichts gestattet werden, was nicht damit im Einklang steht. Der Grund, weshalb eine Herrschaft eingesetzt wird und weshalb gesagt wird: „Wer Menschenblut vergießt, durch den Menschen soll sein Blut vergossen werden“, ist der, dass der Mensch im Bilde Gottes gemacht ist, „denn im Bilde Gottes hat er den Menschen gemacht“ (1Mo 9,6). Diese Grundsätze werden in der zukünftigen Welt durchgeführt werden. Das Bild Gottes wird dann im Menschen bewahrt werden; kein tödlicher Einfluss des Bösen wird zugelassen werden, den Menschen zu töten, der im Bilde Gottes ist. Wir verlieren sehr viel, wenn wir nicht sehen, dass dies im Blick auf die zukünftige Welt gesagt ist, im Blick auf die Ordnung, die kommt, nachdem die Weltgerichte vorüber sind. Jetzt wird die Einsetzung von Herrschaft noch schrecklich missbraucht. Millionen von Menschen sind schon Opfer von Willkürherrschaft und Diktatur geworden. Aber in der zukünftigen Welt wird das funktionieren; der Mensch – der zweite Mensch, Christus – wird dann den Ihm gebührenden Platz in der Ausübung der Herrschaft haben, und alles wird diesen seinen Platz anerkennen. Wenn in Kapitel 9,2 auch von „Furcht und Schrecken vor euch“ gesprochen wird, so muss das nicht notwendig Leiden bedeuten. Wir sehen darin vielmehr, welchen Platz der Mensch hat, nachdem die Sünde in die Welt gekommen und die Beziehung zwischen Mensch und Tier gestört worden war. Die Tatsache, dass der Mensch im Bilde Gottes gemacht wurde, setzt auch seine Stellung gegenüber der Tierwelt fest und bildet, wie wir gesehen haben, den Grund, auf dem sich die Herrschaft des Menschen aufbaut. Im Friedensreich wird diese Beziehung so weit wiederhergestellt sein, dass ein Säugling am Loch der Natter spielen wird.

  • Adam musste im Garten Eden erleben, dass Gott wegen seiner Sünde den Erdboden verfluchte. Noah durfte hören, dass das Brandopfer der Grund ist, auf dem Gott seine Vorsätze der Liebe ausführen und einen Bund errichten kann. Der Bund steht im vollkommenen Gegensatze zum Fluch. Gott verwirft, was Er verflucht. Wenn Er jedoch einen Bund eingeht, bindet Er sich den Personen oder Dingen gegenüber, zu deren Gunsten Er ihn gemacht hat. Der Bund redet von bestimmten und dauernden Beziehungen zwischen Gott und dem Menschen. Gott setzt dessen Bestimmungen und Forderungen fest und führt sie durch, und der Mensch kann in deren Segen eingehen. Er ist hier sogar so dauerhaft, dass er ein „ewiger Bund“ (1Mo 9,16) „auf ewige Geschlechter hin“ (1Mo 9,12) genannt wird.

Der Bogen in den Wolken

Der Bogen in der Wolke war das Zeichen des Bundes Gottes. Auch hier könnte der Gegensatz nicht größer sein. Die Wolken bedeuteten zur Zeit der Flut das Gericht, aber nun hat sich das Wesen der Wolke geändert. Wenn Gott eine Wolke über die Erde führt, so geschieht es, um Segen über sie zu ergießen; und dieser Gedanke wird mit dem Begriff des Bundes verbunden. Wenn Gott also einen Bund eingeht, so will Er Segen auf uns herabregnen lassen.

Alles aufgrund des Brandopfers

Wenn Gott aufgrund eines Opfers, das so lieblich ist, dass es Ihm Ruhe gibt, wenn Gott aufgrund eines solchen Opfers einen Weg findet, auf dem Er mit Sündern, die Ihn entehrt haben, in Verbindung kommen kann, dann kann Er mehr Segen geben, als selbst Adam im Garten Eden hatte. Gott ist nicht so, wie die Schlange Ihn den Menschen vorstellte; es stimmt nicht, dass Er dem Menschen nicht geben will, worauf er angeblich ein Anrecht hat; es stimmt nicht, dass Er ihn niedrig halten will. Gottes Liebe möchte dem Menschen, dem verlorenen Menschen – von dem Römer 5 sagt, dass er ein Sünder, gottlos, kraftlos und ein Feind Gottes ist – alles geben, was ein allmächtiger Gott geben kann; und das ist weit mehr, als Adam hatte, bevor er sündigte, als er im Garten Eden wohnte! Und das kann Gott tun, weil Er in dem Opfer Christi weit mehr gefunden hat als nur ein Wegtun unserer Sünden und unseres sündigen Zustands. (Siehe hierzu auch unseren Artikel über das Brandopfer.) Wir haben gesehen, was für gewaltige Veränderung in Gottes Haltung durch das Opfer Noahs hervorgebracht wurden.

Was für ein Wert muss das Opfer Christi für Gott haben, wenn schon die Vorschattung in dem Brandopfer Noahs eine solch gewaltige Veränderung bewirken konnte!

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Diese Gedanken gehen zurück auf Schriften vergangener Jahrhunderte und besonders auf einen Vortrag von Bruder H.L. Heijkoop.

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Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...