Ein beeindruckender Kontrast in Gottes Wesen und seinem Handeln
Wie Gott sich in Jesaja 40–48 vorstellt

Gerd Pohl

© G. Pohl, online seit: 28.06.2020, aktualisiert: 29.06.2020

Historischer Hintergrund (Jes 36–39)

Jesaja lebte zur Zeit Hiskias, einem der wenigen gottesfürchtigen Könige in Juda. Er musste miterleben, wie das Nordreich Israel aufhörte zu existieren. Die assyrische Armee von Sanherib nahm Israel, das Nordreich, samt der Hauptstadt Samaria ein und deportierte die Bewohner. Danach erlebte Hiskia aber auch, wie Jerusalem, die Hauptstadt des Südreiches Juda, bei der Belagerung durch die Assyrer vor der Eroberung verschont blieb. Durch Hiskias Gebet und sein Vertrauen auf Gott unter dem Mitwirken des Propheten Jesaja griff Gott ein. Das Heer der Assyrer wurde vernichtet (Jes 36–37).

Einige Zeit später präsentierte Hiskia Besuchern aus Babylon seine ganzen Schätze. Durch Jesaja wird ihm im Auftrag Gottes mitgeteilt, dass eines Tages alles nach Babylon weggebracht wird (Jes 39). Nur etwa 90 Jahre danach kam Nebukadnezar, der König von Babel, nahm schließlich Jerusalem ein, führte die Bewohner als Gefangene in sein Land und zerstörte zuletzt den Tempel.

Wahrscheinlich auch aus diesem Grund sind die anschließenden neun Kapitel (Jes 40–48)[1] des Propheten Jesaja einer Prophezeiung über das Ende der babylonischen Gefangenschaft gewidmet. Sie verkündigen etwa 160 Jahre im Voraus die frohe Botschaft (Jes 40,9), dass Gott den bereits mit Namen genannten Perserkönig Kyrus (Kores), erwecken wird, der das Ende der siebzigjährigen Gefangenschaft einläutet und die Rückkehr ins Land ermöglicht (Jes 43,14; 44,26–45,1; 48,20). Zu jener Zeit deutete nicht das Geringste darauf hin, doch auch Juda würde sein Land verlieren und in Gefangenschaft geraten wegen der Treulosigkeit (Jes 48,8-11) und des Götzendienstes (Jes 48,5). Trotzdem sorgt Gott schon mit seinen Verheißungen vor, schickt sozusagen seinen Trost (Jes 40,1) für diese Zeit voraus. So beginnen jedenfalls diese Kapitel.

Tut Gott so etwas nicht auch oft in deinem und meinem Leben? Hören wir darauf, was Gott uns persönlich und als Volk Gottes zu sagen hat? Kennen wir unseren Gott und seine Verheißungen und sind wir auch für Zeiten gerüstet, in denen wir, manchmal sogar durch eigene Schuld, in schwierige Lebenssituationen geraten?

1. Gottes Souveränität und Unbegreiflichkeit

Wie stellst du dir eigentlich Gott vor? Was hast du für ein Bild von Ihm? Was meinst du, wie Gott mit uns Menschen ganz allgemein umgeht? Wie handelt Gott, wenn es um sein Volk geht oder wenn es dich ganz persönlich betrifft?

1.1 Gottes exklusiver Absolutheitsanspruch

Gott stellt sich in diesen Kapiteln auffallend oft als alleiniger, unumschränkter, allmächtiger Herrscher vor. Das zeigt Gottes Größe, Erhabenheit und die unendlich große Distanz zu uns Menschen auf. So sagt Gott sehr deutlich und klar über sich selbst:

  • Gott ist ewig (Jes 40,28; 1Joh 5,20).
  • Gott ist heilig (Jes 40,25; 41,14.16.20; 43,3.14.15; 45,11; 47,4; 48,17; Off 3,7)
  • Gott ist der einzige Gott (Jes 43,10.11; 44,6.8; 45,5.6.18.21.22; 46,9; Apg 4,12). Es gibt niemand anderen und Er duldet keinen anderen neben Ihm.
  • Gott ist unvergleichlich (Jes 40,18.25; 46,5). Er kann mit niemandem, auch keinem anderen Gott (Götzen), verglichen werden.
  • Gott ist unveränderlich (Jes 41,4; 43,10.13; 46,4; 48,12; Heb 13,8). Er ist derselbe, der unerschütterlich gleichbleibend in sich selbst besteht.
  • Gott ist der Erste und der Letzte (Jes 41,4; 44,6; 48,12; Off 1,17).
  • Gott ist eifersüchtig (Jes 42,8; 48,11; Joh 5,23). Er wacht über seine Ehre und gibt sie niemand anderem.

Das NT offenbart uns, dass dies in gleicher Weise auf den Herrn Jesus zutrifft, denn Er ist Gott.[2]

Die Aussagen, die Gott hier über sich selbst macht, sind zuerst einmal eine deutliche Ansage an die vielen vermeintlichen Götter und Götzen, die sich die Menschen ausgedacht haben und von denen sie sich Hilfe erhoffen. Die toten Götter können aber nicht helfen. In Wirklichkeit macht man sich sogar von ihrer Willkür abhängig, die dann das Leben nach Lust und Laune beherrscht. Deshalb müssen solche Götter sogar mit allem Möglichen zufriedengestellt werden. Die meisten Religionen stellen sich so ihre Götter vor (Jes 42,17; 44,9-20; 45,20.21; 48,5).

Zum anderen ist es eine Warnung an sein Volk. Es soll ihnen unmissverständlich klarwerden, dass sie einen Gott haben, dem niemand Vorschriften machen kann. Auch wir sind aufgerufen, uns zu fragen, wovon wir uns abhängig machen sowie Unterstützung und Beistand in unserem Leben erhoffen. Vertrauen wir auf alle möglichen materiellen Dinge, Besitz, Kapital, Weltanschauungen, Denkweisen und auf uns selbst oder auf einen allmächtigen Gott?

1.2 Gottes souveräne uneingeschränkte Aktivität

Etliche glauben zwar an so einen allmächtigen Gott, meinen aber, dass Er nicht (mehr) ins Weltgeschehen eingreift, also passiv ist. In diesen Kapiteln stehen außergewöhnlich oft die Aussagen, das Gott ganz klar ein aktiv handelnder Gott ist. So wird konkret über Ihn gesagt:

  • Gott verkündet (Jes 40,9.21; 41,22.23.26; 42,9.12; 43,9.12; 44,7.8; 45,19.21; 46,10; 48,3.5.14.20), und das im Voraus. Das kann kein anderer Gott. Er hat Botschaften für uns.
  • Gott schafft (Jes 40,26.28; 41,20; 42,5; 43,1.15; 45,7.8.18; 48,7). Er ist der kreative, ideenreiche und weise Schöpfer in Vergangenheit; Gegenwart und Zukunft. Er hat im Anfang die Schöpfung erschaffen und Er ersinnt immer noch überraschendes Neues (Jes 43,19; 48,6).
  • Gott wirkt, macht, tut, führt aus (Jes 41,4.20; 42,16; 43,7.13.19; 44,2.23.24; 45,7.12.18; 46,4.10.11; 48,3.11.14). Gottes Werk geschieht in jeder Beziehung souverän und niemand kann es hindern.

Wenn das Volk in die Gefangenschaft kommt und nach 70 Jahren aus ihr befreit wird, soll eindeutig klarwerden, dass nur dieser eine Gott am Werk ist. Dies gilt ausnahmslos auch für das ganze Weltgeschehen, aber auch für dein und mein persönliches Leben. Ist dir immer bewusst, dass Gott auch solch ein absoluter, souveräner Herr über dein Leben ist?

2. Gottes Nähe zu uns Menschen

2.1 Gott ist der Erlöser und Retter

Vielleicht macht es dir jetzt Angst, einem solchen Gott überhaupt näherzukommen, da man doch vor einem solchen Gott gar nicht bestehen kann. Deshalb finden wir als Kontrast zu dem ersten Gesichtspunkt in diesen Kapiteln ebenso viele Verse, die eine ganz andere Seite unseres Gottes offenbaren. So wird sehr häufig Gottes Sehnsucht und Suche nach uns Menschen deutlich. Dies zeigt sich zuerst darin, dass Er trotz des zahlreichen Versagens der Erlöser und Retter für sein Volk sein möchte. Diese Aussage über Gott und sein gnädiges Handeln gegen uns Menschen steht in keinem anderen Bibelbuch so oft wie in diesen Kapiteln und im gesamten Buch Jesaja.

  • Gott ist der Erlöser (Jes 41,14; 43,1.3.14; 44,6.22-24; 47,4; 48,17.20), Er will bezahlen und befreien.
  • Gott ist der Retter (Jes 42,22; 43,3.11-13; 44,17.20; 45,8.15.17.20-22; 46,2.4.7.13; 47,13.14), Er möchte helfen, schützen und heilen.

2.2 Gott ist ein ganz persönlicher Gott

Der Höhepunkt in diesen Kapiteln ist aber ohne Frage, dass Gott seinem Volk und jedem einzelnen Menschen ganz persönlich nah sein will. Und dass, obwohl sie Ihm mit ihren Sünden sehr zu schaffen gemacht haben (Jes 43,24). So sagt Gott in seiner Güte und Gnade damals zu seinem Volk und heute zu dir und mir:

  • Ich bin dein Gott (Jes 41,10; 43,3; 48,17).
  • Ich habe dich erwählt (Jes 41,9; 44,2).
  • Ich stärke dich (Jes 41,10).
  • Ich helfe dir (Jes 41,10.13.14).
  • Ich stütze dich (Jes 41,10).
  • Ich ergreife deine Hand (Jes 41,13; 42,6; 45,1).
  • Ich behüte dich (Jes 42,6).
  • Ich habe dich erlöst (Jes 43,1; 44,22).
  • Ich rufe dich bei deinem Namen (Jes 43,1; 45,3.4).
  • Ich bin bei dir (Jes 43,2).
  • Ich bin mit dir (Jes 41,10.13; 43,5).
  • Ich habe dich lieb (Jes 43,4).
  • Ich vergesse dich nicht (Jes 44,21; 49,15).
  • Ich trage dich bis zum Greisenalter (Jes 46,3.4).
  • Ich lehre dich zu deinem Nutzen (Jes 48,17).
  • Ich leite dich auf deinem Weg (Jes 48,17).
  • Fürchte dich nicht (Jes 40,9; 41,10.13.14; 43,1.5; 44,2).

Es gibt wahrscheinlich noch viel mehr in diesen Kapiteln zu entdecken. Die aufgezählten Verse sind schon eine gewaltige Menge und sprechen absolut einzigartig für sich. Es brauchen eigentlich keine Worte hinzugefügt zu werden. In welcher Liebe und Barmherzigkeit spricht Gott hier zu seinem Volk und damit auch zu uns. In diesen Aussagen haben schon unzählige Christen Trost und Ermutigung gefunden, was ich persönlich nur bestätigen kann. Insbesondere Jesaja 43,1 („Ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“) ist einer der bekanntesten, besonders mutmachenden und Zuversicht ausstrahlenden Verse in der Bibel. Nicht umsonst werden diese Kapitel bzw. der ganze dritte Teil von Jesaja (Jes 40–66) auch schon mal als das Trostbuch der Bibel bezeichnet. Es ist überwältigend, welche Mühe sich Gott damals mit seinem Volk gab, obwohl Er auch wusste, dass letztlich nur ein recht kleiner Teil seines Volkes tatsächlich bereit war, in das Land zurückzukehren (Esra 1–2). Gott ist ein ganz persönlicher Gott, dein eigener ganz privater Gott. Kennst und erlebst du so deinen Herrn?

Gottes Allmacht kontra Gottes Erbarmen? – Distanz zu Gott kontra Gottes Nähe?

Sehen wir diese beiden Seiten nicht irgendwie in einem großen Kontrast oder vielleicht sogar im Widerspruch zueinander? Können diese zwei vorgestellten Seiten überhaupt zusammengehen? Auf der einen Seite wird uns die extreme Distanz zu Gott deutlich, auf der anderen eine nicht zu beschreibende persönliche Nähe. Wie kann das gleichzeitig sein? Wir selbst neigen oft dazu, ein einseitiges Gottesbild zu haben, je nachdem, was besser in eine bestimmte Situation passt.

Für viele Menschen ist das sogar ein ganz großes Problem. Einer der häufigsten Einwände, an Gott zu glauben, ist für manche Menschen die Frage, wie es denn sein kann, dass ein allmächtiger und gleichzeitig liebender Gott (unverschuldetes) persönliches Leid zulässt und nicht verhindert. Manche haben durch Schicksalsschläge im Leben ihren Glauben an Gott komplett verloren. Aber Gott ist kein Wunschautomat, bei dem wir auf Knopfdruck bekommen, was uns gerade gefällt und angenehm ist. Das Gute oder die Hilfe in Schwierigkeiten und Problemen, nehmen wir ja gern an, aber Unangenehmes, Widriges oder sogar Leid auf keinen Fall. Deshalb muss Gott es von uns unbedingt fernhalten. Wenn es uns dann doch trifft, ist natürlich Gott daran schuld und darf von uns dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Gott auf der Anklagebank? Im Grunde unvorstellbar.

Glauben wir nicht der Lüge, dass es uns Christen, wenn man denn nur genug Glauben hat, im Leben immer nur gut gehen müsse oder man immer Erfolg hätte. In Jesaja 45,7 sagt Gott ausdrücklich: „Der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe, den Frieden mache und das Unglück schaffe – ich, der HERR, bin es, der dies alles wirkt.“ Hiob ist ein treffendes Beispiel dafür, dass Gottes Pläne auf sehr persönliche und individuelle Weise in Erfüllung gehen. Oft sind es gerade die Menschen, die durch Prüfungen erprobt wurden und sich bewährt haben, die dann gerade anderen zum Guten dienten (Jak 1,2-4.12). Gott lässt nicht nur etwas zu (diese Formulierung gibt es so in der Bibel gar nicht), sondern Er bewirkt alles aktiv, auch wenn es manchmal Menschen oder Satan tun. Es ist dabei aber absolut ausgeschlossen, dass Sünde von Gott kommt. Mit Sünde hat Gott niemals etwas zu tun. Wenn, dann bewirkt Gott nur Böses im Sinn von Unglück oder Leid (Hiob 2,10; Pred 7,14; Jes 45,7; Klgl 3,38; Amos 3,6).

Damals bestimmte Gott die Gefangenschaft für sein Volk, spendete aber gleichzeitig Trost und verkündete das Ende davon. Der gleiche Gott, der souverän regiert, sich von niemanden beeinflussen lässt und keinen Mitberater braucht (Röm 11,34), ist der gleiche Gott, der immer ganz nah bei dir und mir sein will (Mt 28,20). Gott verheißt uns als Christen nirgends ein leichtes Leben, dafür aber seine vertraute persönliche Nähe. Er verhindert nicht das Schwierige in unserem Leben, sondern Er geht mit uns „durchs Wasser und durchs Feuer“ (Jes 43,2). Er erspart uns keine Konflikte und Prüfungen, aber Er lässt uns darin Lebenserfahrungen mit Ihm selbst machen, in denen wir uns bewähren und wachsen können.

Unser Gott ist so allmächtig, dass Er alles – die Schöpfung, das Weltgeschehen, die Völker, aber auch dein und mein persönliches Leben – in seiner Hand hat. Aber das bedeutet eben gleichzeitig Liebe, Gnade, Erbarmen und unbeschreibliche Nähe, niemals willkürliches, blindes Schicksal. Es kann uns im Leben etwas begegnen, was Gott in seiner Souveränität wirkt, und wir verstehen es nicht, sehen keinen Sinn darin. Vielleicht erleben wir den plötzlichen Verlust des Arbeitsplatzes, der Gesundheit oder eines lieben Menschen, aber es darf uns gleichzeitig bewusstwerden und wir können es erleben, dass Gott uns dann besonders nah ist. Das Beispiel Hiobs zeigt uns, wie unser Gott wirklich ist: „voll innigen Mitgefühls und barmherzig“ (Jak 5,11).

Aber Gott muss sich nicht erklären, und es wäre mit unserer Begrenztheit auch nicht möglich, alles zu begreifen. Gottes Antwort an den leidgeprüften Hiob ist nicht etwa eine genaue Aufklärung, sondern die Offenbarung von Gottes Größe mit dem Ziel, auf dieser Basis eine echte Beziehung zu uns Menschen haben zu können. Gott ist unendlich groß und wir ganz klein; Gott ist gerecht und wir sündig und erlösungsbedürftig. In diesem Bewusstsein können wir von Gottes Unterweisungen in unserem Leben echt profitieren. Aber manchmal möchten wir sogar Gott spielen und meinen zu wissen, warum diese oder jene Dinge in dieser Welt oder im Leben eines Menschen geschehen, und sehen nicht, dass Gott viel höhere Gedanken und Pläne hat, als wir es jemals denken oder erahnen können (Jes 55,8.9). Gleichzeitig sind aber Gottes Gedanken mit seinem Volk und uns persönlich stets zum Frieden und zum Glück und reichen bis in die Zukunft (Jer 29,11).

Aus neutestamentlicher Sicht trifft alles bisherige Gesagte genauso auf unseren Herrn Jesus zu. Der angesprochene Gegensatz ist nur in unserem Denken und unserer Begrenztheit vorhanden, aber nicht bei Gott. Der Schlüssel und die Antwort ist nämlich diese eine Person, unser Herr Jesus, „denn Christus ist, da wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben“ (Röm 5,6). „Wir haben Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Röm 5,1). Solltest du je an Gott zweifeln bezüglich seiner Wege mit dir, darfst du auf die Tatsache sehen, dass Gott seinen eigenen Sohn in das für unseren Herrn so schreckliche Gericht über die Sünde gegeben hat (Röm 8,3). Ein souveräner Gott opfert seinen eigenen geliebten Sohn, um uns statt des verdienten Gerichtes seine ganze Gnade und Barmherzigkeit zuwenden zu können (Röm 5,10). Ist das nicht eine beeindruckende Antwort? Jetzt ist dieser Widerspruch komplett aufgelöst. Nicht umsonst wird in den nächsten Kapiteln von Jesaja von dem kommenden Gottesknecht gesprochen, der für sein Volk leiden musste (Jes 53).

Wenn es in unserem Leben mal nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben, dann dürfen wir wissen, „dass die Trübsal Ausharren bewirkt, das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung“ (Röm 5,4). Hast du auch schon mal in bestimmten Situationen gedacht, dass Gott gegen dich ist? Hast du auch schon vermutet, dass Gott dich in machen Umständen scheinbar für begangene Sünden bestraft, wie es die Freunde Hiobs über Hiob dachten, oder dass Gott, wenn Er Schweres auflegt, ungerecht ist, wie es Hiob selbst dachte? Gott bestraft aber nie zweimal. Gottes Gerechtigkeit hat bereits bestraft, nämlich seinen eigenen Sohn: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist“ (Röm 5,8).

Wir sollten Gott niemals einseitig sehen. Manchmal denken wir bei Gott nur an den heiligen und gerechten Gott, der Gericht bringen muss. Das ist wahr, trifft aber in der Endkonsequenz immer nur auf Menschen zu, die Gott bewusst ablehnen. Sowohl für das irdische Volk Gottes als auch für uns Christen bedeutet es, dass Gott in seinen Regierungswegen uns belehrt, erzieht und zum Guten verändert, also mit dir und mir zu seinem Ziel kommt. Andererseits können wir diese Seite auch übersehen und nur an einen Gott der Liebe denken, der uns jederzeit gnädig ist. Auch das ist hundertprozentig wahr. Gott ist unendlich gütig und voll Erbarmen mit uns (Mich 7,18.19; Ps 103,8-13). Sonst wären wir schon längst erledigt. Aber wir vergessen dabei, dass Gott Sünde in unserem Leben nicht dulden kann. Gott kann nicht einfach ein Auge zudrücken. Beide Seiten kommen besonders deutlich am Kreuz unseres Herrn Jesus Christus zum Ausdruck. Dort wurden unsere Sünden auf unseren Herrn gelegt und gerichtet, und nun kann Gott uns uneingeschränkt vergeben. Der Herr Jesus hat die Gottesferne, die unsere Sünden verursacht haben, auf sich genommen und dadurch überwunden. Jetzt trennt uns keine Sünde, kein Versagen mehr von dem heiligen Gott.

Das Ziel bei Gottes Handeln ist, dass die Stellung, die uns durch den Herrn Jesus geschenkt ist, auch in der Praxis in unserem Leben zum Vorschein kommt. Gottes Absicht mit seinem Volk und mit uns ist: „So spricht der HERR, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich lehrt zu tun, was dir nützt, der dich leitet auf dem Weg, den du gehen sollst“ (Jes 48,17). Gottes Souveränität und Gottes Nähe in Kombination garantieren also für uns ein gut ausgedachtes, weitsichtiges, einsichtsvolles, nützliches und weises Handeln auf der einen Seite und ein liebevolles, gütiges, fürsorgliches, barmherziges Handeln unseres Herrn mit uns auf der anderen Seite. Er möchte uns positiv verändern. „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind. Denn welche er zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein“ (Röm 8,28.29).

Bei unserem Gott gibt es keinen widersprüchlichen Kontrast, sondern beide Seiten sind in vollkommener Harmonie auch in seinem Handeln uns gegenüber. Wenn wir das bedenken, können wir als Christen nur mit Paulus einstimmen: „Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns? Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt; wer ist es, der verdamme? Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der [auch] auferweckt worden, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet. Wer wird uns scheiden von der Liebe des Christus? … Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Röm 8,31-39).

„O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unergründlich seine Wege! … Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen“ (Röm 11,33-36).

Ist das nicht echter Trost? Sind das nicht unbegreifliche Versprechen und Verheißungen für dein und mein Leben? Ermutigt uns das nicht, hundertprozentig solch einem einzigartigen Gott unser Leben anzuvertrauen und seiner Führung im Leben zu vertrauen? Da brauchen wir keine Spur von Angst vor Gott oder Zweifel mehr zu haben. Gott treibt uns nicht etwa wie andere Götter durch die Androhung von Gericht mit Angst vor Strafe an. Gott motiviert uns durch sein Versprechen, ganz nah bei uns zu sein, mit der Folge, dass wir zwar mit Respekt, aber trotzdem gern in Gottes Nähe sein möchten. Er wünscht eine echte, tiefgehende Beziehung und Gemeinschaft mit uns. Neutestamentlich geht das ja noch viel weiter. Gott der Vater, der Herr Jesus und der Heilige Geist wohnen in uns (Joh 14,23; 1Kor 3,16; 2Tim 1,14). Gott ist jetzt ein liebender Vater für uns (Joh 16,27), der nur das allerbeste für uns will, selbst dann, wenn Er uns mitunter schmerzhaft erzieht (Heb 12,7). Wir dürfen noch viel vertrauter, als im AT offenbart, zu unserem Gott Vater sagen (Röm 8,15; Gal 4,6). Wir dürfen die gleiche Nähe zum Vater haben wie der Sohn (Joh 17,21). Noch näher und vertrauter geht es nicht.

So wünsche ich dir und mir in allen Umständen des Lebens, nicht nur in den schwierigen, einen solch ausgewogenen Blick auf Gott, unseren Vater, und auf unseren Herrn Jesus zu haben und alles von Ihm zu erwarten. Er enttäuscht uns nie, selbst wenn wir versagen. Er kommt auch in deinem und meinem Leben immer zu seinem guten Ziel. Unser treuer Gott steht zu seinem Wort und lässt dich und mich erleben, dass Er seine guten Verheißungen erfüllt.

Gottes Souveränität und Allmacht auf der einen und Gottes persönliche Nähe auf der anderen Seite aber zusammen in einer auf dich und mich optimal abgestimmten persönlichen Lebensführung können uns als Fazit einfach nur gewaltig beeindrucken, führen uns zum Staunen und zu Lob und Dank unserem Gott. Möchtest nicht auch du solch einem großartigen Gott vorbehaltlos und uneingeschränkt dein Leben anvertrauen?

 

Anmerkungen

[1] Jesaja besteht aus drei Hauptteilen. Der erste Teil (Jes 1–35) spricht vorwiegend das Gericht über Israel, Juda sowie viele angrenzende Völker aus, hat aber auch herrliche Voraussagen über den kommenden Messias und die Zukunft. Der zweite Teil (Jes 36–39) ist ein geschichtlicher Ausschnitt aus dem Leben Hiskias. Der dritteTeil (Jes 40–66) besteht aus drei mal neun Kapiteln. Die Kapitel 40–48 prophezeien die Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft. Die Kapitel 49–57 reden besonders über den kommenden Gottesknecht, den Messias. Kapitel 53, das den leidenden Gottesknecht beschreibt, bildet genau die Mitte davon. Die Kapitel 58–66 sprechen dann zusammenfassend von der herrlichen Zukunft im Friedensreich, wenn das Volk Israel zu seinem Gott umgekehrt ist.

[2] Bibelstellen in Kursiv.


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...