Der erste Petrusbrief (2)
Kapitel 2

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 11.10.2003, aktualisiert: 31.07.2018

Leitverse: 1 Petrus 2

Verse 1-3

1Pet 2,1-3: Legt nun ab alle Bosheit und allen Trug und Heuchelei und Neid und alles üble Nachreden, und wie neugeborene Kinder seid begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, damit ihr durch diese wachst zur Errettung, wenn ihr [wirklich] geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist.

Am Schluss des 1. Kapitels haben wir gesehen, wie die Gläubigen gereinigt und durch das Wort Gottes wiedergeboren worden waren. Jetzt werden diese Gläubigen ermahnt, jede Bosheit, jeden Trug und Heuchelei und Neid und alles üble Nachreden abzulegen. Sie sollten so begierig nach der vernünftigen Milch des Wortes Gottes sein wie neugeborene Kinder nach der Muttermilch, um dadurch zu wachsen. Das Wort Gottes ist nicht nur – wie uns Kapitel 1 gezeigt hat – der Same des Lebens, es ist auch die Milch des Kindes. Wir müssen das Wort Gottes aufnehmen wie kleine Kinder, d.h., wir müssen es in aller Einfalt aufnehmen. Das werden wir tun, wenn wir wirklich geschmeckt haben, dass der Herr gütig und voller Gnade ist.

Es ist jetzt nicht mehr wie am Berg Sinai. Dort hatte Gott der Herr sein Gesetz aus dem Feuer heraus verkündet. Das hatte zur Folge, dass die Hörer wünschten, die Stimme des Herrn nicht mehr zu hören. Doch ich bin nicht zum Sinai gekommen, und der Herr redet auch nicht mit mir vom Sinai. Wenn ich geschmeckt und verstanden habe, dass der Herr in Gnade handelt, dass Er Liebe gegen mich ist, dass sein Wort der Ausdruck dieser Gnade ist, und dass sein Wort auch das ist, was Leben gibt, dann werde ich wünschen, mich von dieser vernünftigen Milch zu nähren. Wir werden diese Milch nach dem Maß unserer Einfalt genießen. Ich werde mich gerne von diesem guten Wort nähren, das mir nichts als Gnade und den Gott verkündigt, den ich brauche. Denn es ist ein Gott, der nur Gnade ist, voll von Gnade und der in Gnade wirksam ist. Und das Wort offenbart mir Gott in diesem Charakter. Gott kann nicht anders, als sich mir in diesem Charakter zeigen. Darum macht Er mich zu einem Teilhaber seiner Heiligkeit. Ich kenne jetzt den Herrn selbst, das heißt, ich habe geschmeckt, was Er ist. Doch auch dies steht im Gegensatz zu der gesetzlichen Stellung der Juden, obwohl es die Erfüllung von dem ist, was die Psalmen und die Propheten gesagt haben. (Daher folgt in 1. Petrus 2,6 ein Zitat aus Psalm 118 und Jesaja 28.) Nur hat die Auferstehung außerdem noch eine himmlische Hoffnung klar enthüllt.

Verse 4.5

1Pet 2,4.5: Zu welchem kommend, als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, werdet auch ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, zu einer heiligen Priesterschaft, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlangenehm durch Jesus Christus.

Die Gläubigen selbst bildeten jetzt das geistliche Haus Gottes, das heilige Priestertum. Sie waren gekommen zu dem lebendigen Stein – Jesus Christus, der von Menschen zwar verworfen, von Gott aber auserwählt, kostbar war. Und sie waren als lebendige Steine auf Ihn aufgebaut. Der Apostel liebt dieses Wort „lebendig“. Ihm hatte der Vater offenbart, dass Jesus der Sohn des lebendigen Gottes war (Mt 16,16.17). Kein anderer als er, Petrus, hatte Ihn bis dahin so bekannt, und der Herr hatte ihm gesagt, dass Er auf diesen Felsen seine Versammlung bauen werde. Mit dem Felsen war das gemeint, was Petrus in seinem Bekenntnis über den Herrn ausgesagt hatte, d.h., es ging um die Person des Sohnes Gottes in der Kraft des Lebens, die sich in seiner Auferstehung bewies. Dadurch hat Er sich als der Sohn des lebendigen Gottes erwiesen (s. Röm 1,4).

Petrus (sein Name bedeutet Stein) nahm durch seinen Glauben teil an der Natur dieses lebendigen Felsens, und hier in Vers 5 dehnt er diesen Charakter auf alle Gläubigen aus. Sie alle sind solche lebendigen Steine. Er zeigt, wie das heilige Haus auf den lebendigen Stein, Christus, gebaut ist. Gott selbst hatte Ihn als den auserwählten und kostbaren Eckstein gelegt. Wer an Ihn glaubte, sollte nicht in Verlegenheit geraten!

Dies ist übrigens ist die einzige Stelle, wo Petrus die Lehre von der Gemeinde berührt. Er tut das unter dem Charakter eines Gebäudes, nicht eines Leibes oder einer Braut. Er spricht von dem, was Christus baut, nicht von dem, was mit Ihm vereinigt ist. In Epheser 2,20.21 stellt uns Paulus die Gemeinde ebenso dar. Wenn man die Gemeinde in dieser Weise sieht, dann ist sie das Werk Christi. Es ist ein Werk, das auf der Erde vor sich geht, ein Werk, das immer weiter fortdauert. Es wird hier auch kein menschliches Werkzeug erwähnt. „Ich will bauen“, sagt Christus. Der Bau „wächst“, sagt Paulus. Lebendigen Steine „kommen“, sagt Petrus. Dies darf nicht mit dem Bauwerk, an dem Menschen mit Holz, Heu und Stroh bauen können, durcheinandergebracht werden, als ob beides derselbe Bau wäre. Obwohl es natürlich so ist, dass das, was nach außen sichtbar wird, an diesem von Gott gut aufgebauten Bauwerk, von dem Menschen – wie alles andere auch – verdorben wurde, nachdem es seiner Verantwortlichkeit überlassen worden war. Einzelne Personen werden durch die Gnade aufgebaut, und das Haus wächst zu einem heiligen Tempel. Alles das steht in Beziehung zu Matthäus 16, wo der Herr davon spricht, dass Er seine Versammlung bauen will. Die Verantwortlichkeit des menschlichen Dienstes in dieser Hinsicht finden wir in 1. Korinther 3, und in Übereinstimmung damit wird die Gemeinde dort von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus betrachtet. Die Gemeinde als der Leib ist wieder eine ganz andere Sache, über die uns Epheser 1 und 4 sowie 1. Korinther 12 und andere Stellen Belehrung geben.

In den Versen 1. Petrus 2,5 und 9 wird die Priesterschaft des Gläubigen in zweierlei Hinsicht beschrieben. Es geht hierbei um zwei Seiten des christlichen Lebens, oder besser gesagt um zwei Seiten, wie dieses Leben geistliche Kraft offenbart. Diese Kraft zeigt sich in der doppelten Priesterschaft. Die heilige Priesterschaft in Vers 5 entspricht der gegenwärtigen Stellung Christi, so wie Er jetzt im Himmel erhoben ist. Die königliche Priesterschaft in Vers 9 entspricht dem, wie sich die Herrlichkeit Christi auf der Erde zeigen wird, wenn Er auf die Erde zurückgekommen ist und sich hier offenbart hat. Vers 5 entspricht der Priesterschaft Aarons. Vers 9 entspricht der Priesterschaft Melchisedeks. Christus befindet sich jetzt – um mit dem Bild von 3. Mose 16 zu sprechen – innerhalb des Vorhangs, wie damals Aaron hinter den Vorhang ging. Später wird Christus Priester auf seinem Thron sein und das wird die öffentliche Entfaltung seiner Herrlichkeit auf der Erde bilden. Melchisedek war in ähnlicher Weise Priester und König zugleich.

Auch die Gläubigen besitzen eine heilige Priesterschaft (1Pet 2,5), um geistliche Opfer des Lobes und der Danksagung darzubringen. Das ist ein großartiges Vorrecht, das die Christen besitzen! Der Gläubige ist so nahe wie möglich zu Gott gebracht. Er bringt Gott seine Opfer dar mit der Gewissheit, dass sie Ihm angenehm sind, da er sie durch Jesus Christus darbringt. Dieser Teil des christlichen Lebens ist der erste, der großartigste und wesentlichste. Er ist die Quelle des anderen Teils – der königlichen Priesterschaft, die der Ausdruck jenes Lebens auf der Erde ist. Er ist deshalb der großartigste Teil des christlichen Lebens, weil wir, wenn wir diese Priesterschaft ausüben, dabei in unmittelbarer Verbindung mit dem göttlichen Gegenstand unserer Zuneigungen stehen. Die geistlichen Opfer sind der Widerhall der Gnade, die wir genießen. Sie werden durch den Heiligen Geist hervorgebracht. Unser Herz ist bewegt durch die wunderbaren Gaben Gottes und durch die Liebe, die uns diese Gaben geschenkt hat, und gibt Ihm dafür diese geistlichen Opfer zurück. Das Herz strahlt alles, was ihm in Gnade offenbart worden ist, durch die Kraft des Heiligen Geistes wieder zurück. Das geschieht dadurch, dass wir den Urheber und Geber all dieser Gnade und all dieser Gaben anbeten. Wir tun das gemäß der Erkenntnis, die wir aufgrund dessen, was wir empfangen haben, von Gott selbst bekommen haben. Die Früchte des himmlischen Kanaans – die himmlischen Segnungen, ausgedrückt in der Sprache von 5. Mose 26 –, die wir genießen, werden als Opfer Gott dargebracht. Wir treten ein in die Gegenwart Gottes selbst, um Ihn zu loben und anzubeten. Das ist die heilige Priesterschaft, entsprechend dem Vorbild der Priesterschaft Aarons und des Tempels in Jerusalem, den Gott als sein Haus bewohnte.

Verse 6-8

1Pet 2,6-8: Denn es ist in der Schrift enthalten: „Siehe, ich lege in Zion einen Eckstein, einen auserwählten, kostbaren; und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“ Euch nun, den Glaubenden, ist die Kostbarkeit; den Ungläubigen aber: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden“, und „ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“ – die sich, da sie nicht gehorsam sind, an dem Wort stoßen, wozu sie auch gesetzt worden sind.

Der Stein ist in den Augen Gottes kostbar; aber nicht nur in seinen Augen, sondern in allen Augen des Glaubens. Der Gläubige sieht, so schwach er auch sein mag, wie Gott. Für die Ungläubigen dagegen ist dieser Stein ein Stein des Anstoßes und des Ärgernisses. Weil sie nicht gehorsam sind, stoßen sie sich an dem Wort. Dazu sind sie auch gesetzt worden. Der Apostel sagt nicht, dass sie zur Sünde oder zur Verdammnis gesetzt sind. Aber diese ungläubigen und ungehorsamen Sünder waren dazu bestimmt, an dem gnadenreichen Herrn selbst ihren Stein des Anstoßes zu finden und gerade über das zu straucheln und zu fallen, was für den Glauben der kostbare Stein des Heils ist. Zu diesem besonderen Sturz war ihr Unglaube bestimmt.

Im Besonderen geht es hier um das jüdische Volk, das sich seit langer Zeit widerspenstig verhalten und sich ständig gegen Gott erhoben hatte.

Die Gläubigen dagegen traten in den Genuss der Israel gegebenen Verheißungen ein, und zwar in der herrlichsten Weise. Die Gnade, ja gerade die Treue Gottes, hatte die Erfüllung der Verheißung in der Person Jesu herbeigeführt. Er war (nach Römer 15,8) der Diener der Beschneidung (d.h. derjenige, der sich um Israel kümmerte) um der Wahrheit Gottes willen, um die den Vätern (Abraham, Isaak, Jakob) gegebenen Verheißungen zu erfüllen. Und obwohl das Volk Israel Ihn verworfen hatte, wollte Gott dennoch den Christen aus diesem Volk die verheißene Segnung nicht entziehen. Hatten sie sich doch trotz dieser Schwierigkeit für den Glauben und das Herz dem Glaubensgehorsam unterworfen und dem angeschlossen, der „der vom Volk Verachtete“ (Ps 22,6) war. Sie konnten die Segnung Israels nicht mit mit ihrem Volk auf der Erde genießen, weil dieses den Herrn verworfen hatte. Trotzdem waren sie vollständig in die Beziehungen eines von Gott angenommenen Volkes eingeführt (1Pet 2,9.10). Diese Segnung hatte jetzt zwar einen himmlischen Charakter angenommen. Trotzdem war es eine Annahme als Volk Gottes entsprechend der Verheißung, auch wenn sie jetzt aus Gnade in den Genuss jener Segnung eintraten. Das Volk Israel als solches hatte diese Segnung verloren, sowohl durch seinen früheren Ungehorsam als auch jetzt durch die Verwerfung Christi, der in Gnade gekommen war, um für das Volk eigentlich gerade diese Verheißung zu erfüllen.

Vers 9

1Pet 2,9: Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;

Der Apostel wendet daher den Titel „heilige Nation“ auf den auserwählten Überrest an. Er gibt ihm die Titel, die Gott Israel in 2. Mose 19,5.6 unter der Bedingung des Gehorsams verliehen hatte. („Und nun, wenn ihr fleißig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mein Eigentum sein aus allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein; und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein.“) Hier vergibt er dieselben Titel, jedoch in Verbindung mit dem Messias. Der Genuss dieser Titel hängt jetzt nicht mehr von ihrem Gehorsam ab, sondern er ist auf seinen Gehorsam und auf die Rechte, die sie durch ihren Glauben an Ihn erlangt hatten, gegründet. Aus diesem Grund – dass nämlich die Vorrechte des gläubigen Überrestes auf den Messias gegründet sind – geht der Apostel noch weiter und wendet in Vers 10 auf diesen Überrest bestimmte Aussprüche des Propheten Hosea an, die sich auf Israel und Juda beziehen. Dabei geht es um Aussprüche, die davon sprechen, wenn Juda und Israel in der Fülle der Segnung in den letzten Tagen wiederhergestellt sind und die Beziehungen zu Gott genießen werden, in welche die Gnade sie dann einführen wird.

„Ihr seid“, sagt Petrus, „… eine königliche Priesterschaft.“ Diese zweite Priesterschaft, von der der Apostel hier redet, hat den Zweck, die Vortrefflichkeiten dessen zu verkündigen, der uns berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht. Die Beschreibung, die uns Petrus von demselben macht, ist, wie wir gesehen haben, dem 19. Kapitel des zweiten Buches Mose entnommen. Das Volk Gottes ist ein auserwähltes Geschlecht, eine heilige Nation, eine königliche Priesterschaft. Ich habe vorhin die Priesterschaft Melchisedeks erwähnt, um den Charakter einer königlichen Priesterschaft ans Licht zu stellen. Gott hatte das jüdische Volk für sich selbst gebildet, damit es alle seine Vortrefflichkeiten offenbare und Ihn loben würde. Genau das wird Christus in vollkommener Weise am Tag seiner Herrlichkeit – im Tausendjährigen Reich – tun. Der Christ ist dazu berufen, das jetzt schon in dieser Welt zu tun. Er soll Christus in dieser Welt darstellen. Das ist der zweite Teil des christlichen Lebens.

Das erste Kapitel unseres Briefes zeigt uns, wie der Christ durch die Hoffnung belebt wird, obwohl sein Glaube durch viele Versuchungen geprüft wird. Das zweite Kapitel zeigt uns die Vorrechte des Christen, wie er durch den Glauben ein heiliger und königlicher Priester ist.

Vers 10

1Pet 2,10: … die ihr einst „nicht ein Volk“ wart, jetzt aber ein Volk Gottes seid; die ihr „nicht Barmherzigkeit empfangen hattet“, jetzt aber Barmherzigkeit empfangen habt.

Dann fährt Petrus fort: „Die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber ein Volk Gottes seid; die ihr nicht Barmherzigkeit empfangen hattet, jetzt aber Barmherzigkeit empfangen habt.“ Das sind die Worte aus Hosea 2,25. Das Ganze zeigt uns in sehr interessanter Weise den Grundsatz, auf dem die Segnung beruht. Nach 2. Mose 19,5.6 sollte das Volk diese Segnung empfangen, wenn es der Stimme Gottes fleißig gehorchen würde. Aber Israel hat nicht gehorcht. Es ist widerspenstig und hartnäckig gewesen. Es ist fremden Göttern nachgegangen und hat das Zeugnis des Geistes verworfen. Doch nach seiner Untreue hat Gott selbst einen Stein in Zion gelegt, einen Eckstein, und wer an Ihn glaubte, sollte nicht zuschanden werden. Das ist Gnade. Als Israel in jeder Beziehung versagt und auf der Grundlage des Gehorsams alles verloren hatte, gab Gott ihm in Gnade durch Jesus das, was ihm am Anfang unter der Bedingung des Gehorsams verheißen worden war. Auf diese Weise war für das Volk alles sichergestellt.

Die Frage des Gehorsams wurde – auf den Ungehorsam Israels hin – durch Gnade und durch den Gehorsam Christi, der von Gott in Zion gelegten Grundlage, gelöst. Dieser Grundsatz von einer die Sünden überströmenden Gnade hat bewiesen, dass der Ungehorsam die Absichten Gottes nicht vereiteln kann. So kam auch die Gnade erst nach der Vollendung des Ungehorsams (bei der Kreuzigung des Messias). Und dieser herrliche und für den überführten Sünder so tröstliche Grundsatz wird in treffender Weise durch die Anführung aus dem Propheten Hosea bestätigt. In dieser Stelle wird Israel nicht nur als schuldig, sondern auch als schon unter dem Gericht stehend vorgestellt. Gott hatte große Geduld mit den zehn Stämmen gehabt. Doch jetzt erklärt Er, dass Er sich fortan nicht mehr erbarmen werde und dass Israel nicht mehr sein Volk sei. Das war eine Erklärung, die in seinem Gericht über das untreue Juda ihre Erfüllung fand. Nach der Ausführung des Gerichts aber kommt Gott auf seine unwiderruflichen Gnadenabsichten zurück. Er nimmt Israels wie eine verlassene Frau wieder an und gibt ihr das Tal Achor „zu einer Tür der Hoffnung“. In diesem Tal war mit der Steinigung Achans das erste Gericht über das untreue Israel nach seinem Eintritt in das Land Kanaan ausgeübt worden. Jetzt ist das Gericht in Gnade verwandelt, und Gott beginnt ganz von neuem auf einer neuen Grundlage. Es ist, als ob Israel noch einmal aus Ägypten zöge, aber auf einem ganz neuen Grundsatz– nicht mehr auf dem Grundsatz der Erfüllung des Gesetzes. Der Herr verlobt sich Israel auf ewig „in Gerechtigkeit und in Gericht und in Güte und in Barmherzigkeit“, und alles ist Segnung. Dann nennt Er es „Ruchama“, d.h. „die Begnadigte“, und „Ammi“, d.h. „mein Volk“. Dieser Ausdrücke bedient sich dann der Apostel und wendet sie auf den Überrest an, das heißt auf die, die jetzt aus dem Volk an Jesus glaubten. Sie glaubten an den, der der Stein des Anstoßes für Israel war, der aber gleichzeitig der Eckstein von Seiten Gottes für die Gläubigen war. Dadurch ist die Bedingung, erst gehorsam sein zu müssen, weg. Statt einer Bedingung finden wir jetzt Segnung nach dem Ungehorsam. Nach dem Gericht wird die volle Gnade Gottes zugesichert. Diese Gnade ist gegründet auf die Person, den Gehorsam und das Werk Christi. Sie findet ihre Anwendung natürlich nur auf die Gläubigen.

Es ist rührend, den Ausdruck dieser Gnade in dem Wort „Achor“ zu entdecken. Dieser Name erinnert, wie bereits bemerkt, an das erste Gericht über Israel im Land der Verheißung, als das Volk auch durch den Bann entweiht war (Jos 7). Doch gerade hier ist es, wo Hoffnung geschenkt wird: So völlig wahr ist es, dass die Gnade über die Gerechtigkeit triumphiert! Und dies ist in der herrlichsten Weise in Christus geschehen. Gerade das Gericht Gottes, das am Kreuz über Ihn gekommen ist, wird in Ihm zur Tür der Hoffnung, nachdem Schuld und Gericht für immer vorüber sind.

Vers 11

1Pet 2,11: Geliebte, ich ermahne euch als Fremdlinge und als solche, die ohne Bürgerrecht sind, euch der fleischlichen Begierden zu enthalten, die wider die Seele streiten, …

Mit dem 11. Vers des zweiten Kapitels beginnt der Apostel seine Ermahnungen. Die Vorrechte des Christen in seiner Position vor Gott sind sehr groß. Dennoch wird er immer als ein Pilger auf der Erde betrachtet, d.h. als jemand, der hier auf der Erde fremd ist und zu einer himmlischen Heimat unterwegs ist. Daher sind, wie wir schon gesehen haben, die unveränderlichen Prinzipien des Handelns Gottes mit den Menschen der Gegenstand, der vor dem Geist des Apostels steht. Zunächst jedoch warnt er die Gläubigen vor dem, was aus ihrem Inneren hervorkommt, vor den unreinen Quellen, aus denen das Verderben entspringt. Alles, was aus diesen unreinen Quellen nach außen kommt und hier auf der Erde, dem Schauplatz des Wirkens Gottes, sichtbar wird, verunehrt den Namen Gottes und führt sogar das Gericht herbei.

Vers 12

1Pet 2,12: … und dass ihr euren Wandel unter den Nationen ehrbar führt, damit sie, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, aus den guten Werken, die sie anschauen, Gott verherrlichen am Tag der Heimsuchung.

Der Wandel des Christen unter den Nationen sollte ehrbar sein. Sie trugen den Namen Gottes. Die Menschen sind diesem Namen gegenüber feindlich eingestellt. Daher suchen sie auf diesen Namen Schande zu bringen. Das taten sie, indem sie den Christen ein schlechtes Betragen vorwarfen, ein Betragen, das sie selbst ohne Gewissensbisse beobachteten. Gleichzeitig aber beklagten sie sich, dass die Christen nicht „mitliefen zu demselben Treiben der Ausschweifung“ (1Pet 4,4). Die Christen mussten nur den Weg der Treue gegen Gott einhalten. An dem Tag des Gerichtes Gottes über die Menschen werden diese Verleumder dazu gebracht werden, dass sie bekennen, dass Gott in den Christen gewirkt hat und in ihrer Mitte gewesen ist. Dann wird ihr Wille durch dieses Gericht gebrochen und ihr Stolz gedemütigt sein. Zu diesem Bekenntnis werden sie gebracht durch die guten Werke, die trotz ihrer Schmähungen immer ihr Gewissen erreicht hatten.

Verse 13-20

1Pet 2,13-20: Unterwerft euch jeder menschlichen Einrichtung um des Herrn willen: es sei dem König als Oberherrn oder den Statthaltern als denen, die von ihm gesandt werden zur Bestrafung der Übeltäter, aber zum Lob derer, die Gutes tun. Denn so ist es der Wille Gottes, dass ihr durch Gutestun die Unwissenheit der unverständigen Menschen zum Schweigen bringt: als Freie und nicht als solche, die Freiheit zum Deckmantel der Bosheit haben, sondern als Knechte Gottes. Erweist allen Ehre; liebt die Brüderschaft; fürchtet Gott; ehrt den König. Ihr Hausknechte, seid den Herren unterwürfig in aller Furcht, nicht allein den guten und milden, sondern auch den verkehrten. Denn dies ist wohlgefällig, wenn jemand um des Gewissens vor Gott willen Beschwerden erträgt, indem er zu Unrecht leidet. Denn was für ein Ruhm ist es, wenn ihr ausharrt, indem ihr sündigt und geschlagen werdet? Wenn ihr aber ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist wohlgefällig bei Gott.

Nach der kurzen, aber wichtigen, allgemeinen Ermahnung in 1. Petrus 2,11 und 12 an die Gläubigen beschäftigt sich der Apostel mit dem Verhalten des Christen den Weltmenschen gegenüber. Es ist so, dass Gott in der Welt einerseits über alles wacht, und es andererseits zulässt, dass die Seinen leiden. Wenn sie leiden, sollten sie allerdings niemals wegen Bösestun leiden. Ihr Leiden sollte entweder um der Gerechtigkeit willen sein oder um des Namens Christi willen. Der Weg des Christen ist also klar vorgezeichnet. Er unterwirft sich den menschlichen Ordnungen und Einrichtungen um des Herrn willen; er erweist allen Menschen Ehre, und zwar einem jeden in seiner besonderen Stellung. Er verhält sich so, dass ihm niemand etwas vorwerfen kann. Er ordnet sich seinen Herren unter, selbst wenn sie böse sind. Er erträgt das Unrecht, dass sie ihm zufügen. Wäre er nur den gütigen und milden Herren unterwürfig, so gäbe es zwischen ihm und einem weltlichen Diener keinen Unterschied. Aber wenn ein Christ Gutes tut und leidet und in diesem Leiden geduldig ausharrt, dann ist das angenehm vor Gott und es ist Gnade.

Verse 21-24

1Pet 2,21-24: Denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten, euch ein Beispiel hinterlassend, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt; der keine Sünde tat, noch wurde Trug in seinem Mund gefunden, der, gescholten, nicht wiederschalt, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet; der selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben, durch dessen Striemen ihr heil geworden seid.

So handelte Christus, und wir sind berufen, dasselbe zu tun. Christus litt in dieser Weise, aber niemals schalt und bedrohte Er diejenigen, die Ihn quälten, sondern Er übergab sich dem, der gerecht richtet. Ihm gehören wir an. Er hat für unsere Sünden gelitten, damit wir, von ihnen befreit, unser Leben für Gott einrichten.

Vers 25

1Pet 2,25: Denn ihr gingt in der Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen.

Jene Christen aus den Juden, an die Petrus schreibt, waren einst wie Schafe gewesen, die umherirren. Jetzt aber waren sie zu dem Hirten und Aufseher ihrer Seelen, zu Christus, zurückgekehrt. Wie deutlich zeigen diese Ermahnungen, dass der Christ nicht von dieser Welt ist. Der Christ muss seinen eigenen Weg durch die Welt gehen. Doch dieser Weg ist der Weg des Friedens in der Welt. Ich denke, dass der Apostel mit dem ersten Teil dieses Verses auf den letzten Vers des 119. Psalms anspielt („Ich bin umhergeirrt wie ein verlorenes Schaf; suche deinen Knecht, denn ich habe deine Gebote nicht vergessen!“). Immer wieder stellt der Apostel die christlichen Juden auf die Grundlage des gesegneten Überrestes. Allerdings geht es hier immer um eine Seelenerrettung.

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