Große Gegensätze in der Offenbarung (1)
Das geschlachtete Lamm und die vier Pferde

John Thomas Mawson

© SoundWords, online seit: 12.03.2006, aktualisiert: 03.01.2019

Leitverse: Offenbarung 5,9.13; 6,15

Nur eine inspirierte Feder konnte die Szenen schildern, die uns im fünften und sechsten Kapitel der Offenbarung enthüllt werden. Wie gewaltig sind die Gegensätze! In dem ersteren eine große Freude und der Donner eines Gesangs, der triumphierend zu den äußersten Enden des Weltalls rollt; in dem letzteren die Wehklage einer quälenden Furcht und die ungelinderte Verzweiflung von Menschen, denen jede Hoffnung entschwunden ist. Wir müssen diese großen Szenen betrachten, die eine mit Entzücken, die andere mit Furcht, und dabei die Wahrheit hören und erfassen, die sie uns lehren, denn sie sind uns zu unserer Unterweisung und zur Sicherheit unserer Seelen von Gott offenbart.

Off 5,9.13: Und sie singen ein neues Lied: Du bist würdig das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft, durch dein Blut, aus jedem Stamm und Sprache und Volk und Nation, und hast sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen … Und jedes Geschöpf, das in dem Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meere ist, und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme die Segnung und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Off 6,15: Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Starken und jeder Knecht und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallet auf uns und verberget uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Throne sitzt, und vor dem Zorne des Lammes; denn gekommen ist der große Tag seines Zornes, und wer vermag zu bestehen?

Die Freude in Offenbarung 5 ist das Ergebnis des Werkes des Lammes, das geschlachtet worden ist, und das Wehe in Offenbarung 6 ist das Ergebnis der Anstrengungen der Menschen für ihre eigene Sicherheit und Verherrlichung. Lasst uns im Geist in diese Szenen eintreten. Offenbarung 4 beginnt mit „Nach diesem sah ich“ diesen Teil des Buches (s. Off 1,19). Die wahre, durch Blut erkaufte und mit dem Heiligen Geist versiegelte Gemeinde ist in den Himmel hinaufgenommen. Der Tag des Heils für die Christenheit ist zu Ende und die Stunde des Gerichts hat geschlagen. Beachte die Beschreibung des Lobpreises, der im Himmel von den sich vor dem Thron niederwerfenden Anbetern dargebracht wird. „Du bist würdig, o unser Herr und unser Gott, zu nehmen die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht, denn du hast alle Dinge erschaffen und deines Willens wegen waren sie und sind sie erschaffen worden“ (Off 4,11). Das ist der Schlüssel zu genau diesem ganzen Abschnitt, und wenn wir dessen Bedeutung nicht erfassen, werden wir auch das Folgende nicht verstehen. Die Macht und die Rechte Gottes werden im Himmel anerkannt, aber nicht auf der Erde. Weil nun die Menschen sich geweigert haben, dies zu tun, und zu ihrer eigenen Befriedigung und nicht zum Wohlgefallen Gottes gelebt haben, so ergießen sich seine Gerichte von selbst über sie.

Beinahe zwei Jahrtausende ist ein Gebet zum Himmel aufgestiegen: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.“ Dieses Gebet wird erhört werden und die Zeit dazu ist nahe gekommen. Doch zunächst muss die bestimmte Gegnerschaft der Menschen dem Willen Gottes gegenüber voll zum Ausdruck kommen; sie muss ihren Höhepunkt erreichen. Und das wird eilends geschehen, wie wir hier sehen. Der Wille Gottes kann sich auf Erden nur durch Gerichte Geltung verschaffen. Unendliche Liebe, die in Jesus offenbart wurde, hat nicht die verhärteten Herzen der Menschen zu schmelzen vermocht. Ihr Hass nahm zu und sie töteten Ihn wegen seiner Güte. Die unglaublichste Gnade vom Himmel her hat die Welt nicht verändert, obwohl die Gnade nicht aufgehört hat, von dem Tag an, da Jesus erhöht wurde, und währen wird, bis die Kirche Ihm folgt. Das Jahr der Annahme ist in diesem Kapitel zu Ende, und die düstere Dämmerung des Tages des Gerichtes rötet die Säume des Himmels. Doch die Menschen sind in ihrer Feindschaft gegen Gott unverändert. Welch ein törichter Traum ist es, dem man so ganz allgemein nachhängt, dass die Welt durch das Evangelium bekehrt werden würde. Das Ende des sechsten Kapitels beweist klar seine Unrichtigkeit. Würde das Lamm über eine bekehrte Welt zornig sein? Und würde eine bekehrte Welt sich in kriechendem Entsetzen in Höhlen und Felsen der Berge vor seinem Angesicht niederkauern?

Doch wir müssen Offenbarung 6 betrachten. Es macht uns mit der ersten Reihe der Gerichte bekannt, wenn das Öffnen der Siegel Gerichte genannt werden kann. Es scheint mir, dass wir in diesen Siegeln sehen, wie die Menschen das ohne Gott tun, was nach ihrer Einbildung das Beste für sie ist, sowie die Ergebnisse davon. Die Gemeinde ist von dieser Erde gegangen, der zurückhaltende Einfluss ist entfernt und Gott hat die Zügel auf den Nacken der flinken Rosse menschlicher Wünsche geworfen. Er überlässt die Menschen eine Zeit lang ihren eigenen Plänen, damit die Welt sehen und erkennen möchte, dass seine Gerichte über die Erde gerecht sind.

„Selbsterhaltung ist das erste Gesetz der Natur“ ist ein alter Ausspruch, und „Sicherheit zuerst“ ist modernes Schlagwort. Doch die Menschen können sich nicht selbst in Sicherheit bringen, sich nicht selbst retten. Gott ist der einzige Retter. Er ist der Heiland-Gott. Wer Ihn verwirft, ist verloren. Getrennt von Ihm können die Menschen nur eins: sich selbst zugrunde richten; sie sind die Opfer der Bosheit des Teufels. Die vier Pferde des 6. Kapitels geben uns diese große Lehre, wenn wir sie noch nicht kennen sollten.

Ein weißes Pferd und sein Reiter erscheinen, als das erste Siegel geöffnet ist. Es bedeutet ein angemaßtes System von Friede und Gedeihen, etwas Vielversprechendes. Was dieses System sein wird, können wir natürlich nicht bestimmt sagen. Es kann die in einem Völkerbund zusammengefasste Macht sein, die die Welt in Ordnung hält. Was immer es aber auch sein mag, es wird die Anstrengung des Menschen darstellen, unter Ausschluss Gottes für sich zu sorgen. Groß werden die Hoffnungen sein. Die Menschen werden sich einbilden, endlich das Unmögliche erreicht zu haben. „Friede und Sicherheit“ werden sie sagen, und der Lärm ihrer Freudenfeste wird ihre Ohren taub machen für die plötzliche Zerstörung, die donnernd an ihre Tür pocht. Wie schnell wird das weiße Pferd vorübereilen und dem roten Pferd und seinem Reiter Platz machen. Dann ist der Friede von der Erde genommen. In der Hand dieses Reiters ist ein großes Schwert. Menschen leben sind in jenen Tagen nicht mehr heilig. Es schlachtet einer den anderen. Blutgier entflammt gleich einem brennenden Ofen. – Eine wahnsinnige französische Revolution zerstörte im Blick auf Europa alle Hoffnung eines Weltfriedens, und gute Absichten verwandelten sich in Galle und Bitterkeit, denn wie können Menschen, die Gott hassen, einander lieben?

Der Anfang jener Zeit, wo sie ihre Pflugschare zu Schwertern schmieden, ist dann gekommen und die Bestellung der Felder hat dem Krieg Platz gemacht. Die vernachlässigten Felder bringen Dornen und Disteln anstatt Weizen hervor, und das schwarze Pferd der Hungersnot mit seinem Reiter folgt schnell dem roten Pferd des Krieges. Wehe dann den armen Menschen auf der Erde. Sind sie dem Schwert entronnen, werden sie vor Hunger umkommen. Das zum Leben Notwendige, der Weizen und die Gerste, werden genau rationiert, während die Dinge des Wohllebens nicht davon betroffen werden. Und so sonderbar dies scheinen mag, es ist des Menschen Weg. Oh, dass die verblendeten Menschen unserer Tage hören und verstehen und sich von ihren erkorenen Führern zu Gott wenden möchten. Er ist der Freund der Armen, der Gott der Vaterlosen und Witwen, wie wir das aus dem Leben Jesu auf Erden lernen. Die Menschen sind selbstsüchtig und habgierig, und getrennt von dem Einfluss des Evangeliums stehen sie den Leiden ihrer Mitmenschen gleichgültig gegenüber; solange sie können, sichern sie das Gute für sich. In jenen schrecklichen Tagen wird das Evangelium keinen Einfluss mehr ausüben, und das schwarze Pferd der Hungersnot wird noch eine schlimmere Bedrängnis als das rote Pferd des Krieges sein. Dann erscheint das fahle Pferd in schnellem Zug. Der Name seines Reiters ist Tod, und der Hades folgt ihm. Das Schwert und der Hunger und der Tod und die wilden Tiere der Erde tun ihr grausames Werk an den Leibern der Menschen, und der Hades fordert ihre Seelen. Welch ein Abstieg von dem weißen Pferd und seinem Reiter zu den Tiefen der Verdammnis!

Denke niemand, dass ich die Farben mit zu verschwenderischer Fülle auftrage. Menschliche Worte sind zu schwach und kraftlos, diese Szenen zu schildern. Es mag keiner denken, dass die in diesem Kapitel beschriebenen Zustände eine erst kürzlich gemachte Entdeckung sind, oder ein Zustand, zu welchem die Menschen plötzlich gelangen und nur in der Zeit, zu der diese Ereignisse eintreten. Es würde von Anfang an so gewesen sein, wenn nicht das Erbarmen Gottes es verhindert hätte. Denke an Adam in dem Garten. Er war in dem Bilde und Gleichnis Gottes geschaffen und als Herrscher über diese niedere Schöpfung eingesetzt: sie zu bewahren und zu bebauen. Kein edleres Geschöpf kam aus der Hand des Schöpfers. In Adam sehen wir das weiße Pferd und seinen Reiter, voll von Verheißung des Friedens und der Vollkommenheit. Doch nicht lange ritt er gedeihlich. Bald wurde er durch seinen Ehrgeiz und sein Misstrauen gegen Gott getäuscht unter dem Einfluss jener alten Schlange, welche der Teufel ist. Die wundervolle Verheißung ging verloren und wich einer krankhaften Furcht. Das weiße Pferd machte dem roten Pferd Platz, denn nicht viele Jahre vergingen, als die erschreckte Erde zum ersten Mal das Blut eines Menschen trank. Und jener Mensch war nicht durch ein wildes Tier oder durch einen Dämon der Unterwelt umgebracht, sondern durch den Sohn seiner eigenen Mutter, seinen älteren Bruder, der sein Bewahrer und Beschützer hätte sein sollen.

Oftmals würde das Menschengeschlecht sich seit jenem ersten Mord selbst zerstört haben, doch Gott hat in seinem Erbarmen die Menschen davon zurückgehalten. Aber sie sind in ihrem Charakter unverändert geblieben, ihre Neigung ist es stets, sich von Gott zu entfernen, und deshalb geht ihr Weg folgerichtig abwärts. Der Gedanke, dass das Menschengeschlecht Fortschritte macht und aufwärts steigt auf einem Weg des Rechts zur schließlichen Gerechtigkeit, ist ein Trug. Das Wort Gottes und die Geschichte der Welt widerlegen den Gedanken des Fortschritts und der Entwicklung zum Besseren völlig und wird bei allen diese Täuschung zerstreuen, welche Augen haben zu sehen, und Ohren zu hören.

Doch in den Tagen der vier Pferde gibt es eine schreckliche Sache, welche die Wurzel bloßlegt, die Ursache der Unmenschlichkeit des Menschen gegen seinesgleichen, seine Willfährigkeit dem Teufel gegenüber und seine blinde Selbstzerstörung. „Und als es das fünfte Siegel öffnete“, sagt Johannes, „sah ich unter dem Altar die Seelen derer, welche geschlachtet worden waren, um des Wortes Gottes willen.“ In ihren Plänen, die Welt so zu gestalten, wie sie sie haben möchten, zerstören die Menschen alles, was für Gott von Bedeutung ist. Wenn ein Mensch für Gott eintritt, wird sein Leben der Preis für seinen Mut sein. Das Wort Gottes wird nicht mehr geduldet werden, und jene, die es lieben, müssen sterben. Das Ergebnis davon ist der Schrecken und die Verzweiflung, wie sie die Schlussverse dieses Kapitels schildern.

Warum nun werden uns diese Dinge in dem Wort Gottes enthüllt? Es sind Warnungen der Liebe an die Welt. Doch in der Hauptsache sind sie für die Diener des Herrn geschrieben, damit diese – wissend, was die Verwirklichung der Pläne des Menschen bedeuten – diese jetzt davor warnen, sich nicht durch das täuschen zu lassen, was so anmaßend, glaubwürdig und vielversprechend ist. Verflucht ist, wer auf den Menschen vertraut und sich auf den Arm des Fleisches stützt. Wir werden durch diese Warnungen belehrt, dass des Menschen Anstrengungen, die Welt zu verbessern, fehlgehen müssen, denn Gott und Christus haben keinen Platz in ihnen. Wenn wir dies gelernt haben, dann stehen wir getrennt von diesen Plänen und Anstrengungen und widmen unsere Zeit und Tatkraft dem, was die Oberhand gewinnen wird. Der große Gegensatz wird uns in Kapitel 5 gezeigt.

Der Wille Gottes muss auf Erden geschehen wie im Himmel. Die Schöpfung muss zu Gottes Verherrlichung und Wohlgefallen sein. Wenn sie aber diesen ihren Zweck verfehlte, würde der Teufel triumphieren und Gott würde besiegt sein. Sie kann nicht zur Ruhe kommen, bis Gott seinen rechtmäßigen Platz in ihr als Gott hat.

Doch wer kann diese große Sache zuwege bringen? Wer ist imstande und würdig, das Buch des Willens Gottes zu öffnen und die Absichten Gottes auf dieser Erde zu verwirklichen? Ein starker Engel erlässt mit lauter Stimme die Aufforderung, und die Urkunde wird besichtigt. Große und mächtige Männer hat es seit den Tagen Adams gegeben. Sie lebten und wirkten ihre erstaunlichen Taten und beherrschten ihre Anhänger mit gebieterischem Willen, unbekümmert um die Rechte Gottes. Aber sie sind dahingegangen und haben nichts als leere Namen und zerfallene Denkmäler zurückgelassen. Der Tod herrscht über sie alle. Sie waren nicht fähig, sie waren nicht würdig. Auch der Himmel wird vergeblich durchsucht. Henoch, Joseph, Mose, David, Daniel sind da – doch auch unter ihnen ist nicht einer fähig und würdig. Sie sind nicht im Himmel wegen ihrer Würdigkeit, sondern aufgrund der reichen Verdienste des erlösenden Blutes. Sie alle fehlten am Tag des Zeugnisses. Der, welcher den Willen Gottes auf Erden aufrichten will, muss ohne Fehl sein. Er muss in völligem Gehorsam gegen diesen Willen gelebt haben.

Johannes weinte, ja, er weinte sehr, und es ist kein Wunder. Geschichte zu lesen ist eine traurige Sache, wenn man sie richtig liest. Der Bericht über das Fehlgehen des Geschlechts Adams in dem Bemühen, sich selbst von Sünde und Tod zu befreien und Gott zu verherrlichen, gibt uns keinen Anlass zum Frohlocken, aber viel Ursache zum Seufzen. Auch wir möchten unsere Tränen in die des Johannes mischen, wenn wir nicht wüssten, was ihm hier offenbart wurde. Gott sei Dank, dass wir es wissen und so weinen wir nicht. „Weine nicht!“, sagt einer der Ältesten, „siehe, es hat überwunden der Löwe, der aus dem Stamme Juda ist, die Wurze Davids, das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel.“

„Der Löwe des Stammes Juda“ ist ein glorreicher Titel. Er bedeutet unbefleckte menschliche Majestät und ein Königtum, das wirklich königlich ist. In ihm ist die Weisheit, die sich erniedrigte, um zu überwinden, und die Macht, die alle Feinde überwältigt und jene aus aller Unterdrückung und Erniedrigung erhöht, die Gerechtigkeit lieben. Die alttestamentlichen Schriften sind voll von Herrlichkeiten, die in diesem Titel eingeschlossen sind, und die Schöpfung wartet mit Seufzen auf das Kommen dessen, der ihn tragen wird. Doch der, dem er gebührt, ist die Wurzel Davids. Kein unbeständiger Mensch könnte auf seinen Schultern das Gewicht der Herrlichkeit tragen, das dieser Titel in sich hat, denn das Zepter dieses Königtums muss ein gerechtes Zepter sein, geführt in einer Hand standhafter Lauterkeit. „Ein Herrscher unter den Menschen, gerecht, ein Herrscher in Gottesfurcht; und er wird sein wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken.“ Nur die Wurzel Davids kann diese großen Dinge tun. Der, von dem alle die dem David gegebenen Verheißungen kamen, kann allein die Nacht der Furcht und des Fehlens verbannen, die Wolken des Misstrauens und Zweifelns zerstreuen und den wolkenlosen Tag einführen, an dem der Wille Gottes auf Erden getan wird. Er ist der große „Ich bin“.

Unsere Herzen erbeben bei der Erwähnung dieser Titel, wie das des Johannes gebebt haben mag, und unsere Augen blicken mit Eifer, wie die des Johannes geblickt haben mögen, um den zu sehen, der sie trägt und der mächtig genug ist, dieses große Buch zu öffnen und zu erfüllen, was darin geschrieben steht. Und siehe, inmitten des Thrones und all der herrlichen Wesen, die ihn umgeben, stand ein Lamm wie geschlachtet. „Und es kam und nahm das Buch aus der Rechten dessen, der auf dem Throne saß.“ Es ist Jesus … Und hier muss der Schreiber seine Feder niederlegen und der Leser wegblicken von der gedruckten Seite und vor Ihm niederfallen und im Einklang mit den himmlischen Heerscharen Ihn anbeten. Seine Herrlichkeiten können nicht beschrieben werden, doch was wir davon kennen, mögen wir besingen und was wir singen, ist himmlischer Gesang, der auf der Erde angefangen ist. Es ist ein neues Lied, weil es nicht alt werden wird und die Sänger nie müde werden, es zu singen. „Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft, durch dein Blut, aus jedem Stamm und Volk und Sprache und Nation, und hast sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen!“

Nun wollen wir den Gegensatz zwischen dem Lamm, das geschlachtet war, und dem, was wir in Offenbarung 6 betrachtet haben, auf uns einwirken lassen. Dort sehen wir Menschen, die, geblendet in ihren wahnsinnigen Bemühungen der Selbstverherrlichung, in ungestümem Galopp in Verderben und Untergang rennen. Hier dagegen sehen wir einen, der nichts aus sich machte, auf den höchsten Platz erhöht. Wie gesegnet ist es, sich von jenen zu diesem zu wenden, abzulassen von den Menschen und Ihn zu betrachten, der gehorsam war bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz. Er ist das Lamm – das kleine, winzige Lamm. Obwohl Er die Freude des Himmels und das Ergötzen des Vaters war, hatte Er keine Bedeutung in den Augen der Menschen und wurde von ihnen verspottet, gehasst und verabscheut. „Die im Tore sitzen, reden über mich, und ich bin das Saitenspiel der Zecher“ (Ps 69,12). Die höchsten Gesellschaftsklassen bis zu ihrem Auswurf verurteilten, verachteten und verwarfen Ihn. Was konnte Er für andere tun, der sich nicht einmal selbst retten konnte? So verhöhnten sie Ihn und seine scheinbare Schwachheit wurde die Zielscheibe des Spottes der Bewohner von Jerusalem. „Sich selbst kann er nicht retten!“ Doch jener demütige, einsame Mensch, in Schwachheit gekreuzigt, das geschlachtete Lamm, ist der Arm Jahwes, der Erlösung von der Knechtschaft geschaffen, der Gerechtigkeit auf Erden aufgerichtet und den Namen Gottes verherrlicht hat.

Nächster Teil


Originaltitel: „Great Contrasts in the Revelation. No. 1: The Lamb Slain and the four Horses of Chapter 6“
aus Scripture Truth, Bd. 24, S. 25–29

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