Das vollendete Werk Christi
1. Johannes 5,10; Epheser 1,7; 2. Korinther 5,18

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 06.09.2009, aktualisiert: 10.09.2018

Leitverse: 1. Johannes 5,10; Epheser 1,7; 2. Korinther 5,18

1Joh 4,10: … He loved us and sent His Son to be the propitiation for our sins (… dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnung für unsere Sünden).

Eph 1,7: In Him we have redemption through His blood (… in dem wir die Erlösung haben durch sein Blut).

2Kor 5,18: Now all these things are from God, who reconciled us to Himself through Christ (Alles aber von dem Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus).

Einleitung

Viele Christen scheuen sich davor, sich mit systematischer biblischer Lehre auseinanderzusetzen. Es reicht im Grunde, Wörter wie Theologie, Christologie, Pneumatologie, Anthropologie, Ekklesiologie, Eschatologie und andere Zungenbrecher nur zu erwähnen, um jemanden zu verschrecken. Und selbstverständlich ist ja ein „Welch-ein-Freund-ist-unser-Jesus“-Glaube all das, was man als Gläubiger braucht. Warum sollte man sich auch von all dieser schweren Kost Kopfschmerzen bereiten lassen?

Aus einem guten Grund! Lehre ist laut Definition das, was die Bibel lehrt, und zu wissen, was die Bibel nun lehrt, ist extrem wichtig für einen wachsenden Christen. Den Herrn Jesus als unseren Retter und Freund zu kennen, ist wunderbar, aber es gibt viel mehr über das neue Leben in Christus zu lernen. Gott möchte, dass wir wissen, was Er uns in seinem Wort geoffenbart hat über die Gemeinde, die Engel, über Himmel und Hölle, über zukünftige Dinge, über Ehe und Familie und viele weitere Dinge. Darum hat Er uns die Bibel gegeben, die viel umfassender ist als ein Pamphlet! Lass dich nicht von großen Wörtern erschrecken! Diese sind nur eine formale Art, zu kategorisieren, was die Bibel lehrt über Gott (Theologie), Christus (Christologie), den Heiligen Geist (Pneumatologie), den Menschen (Anthropologie), das Heil (Soteriologie), die Gemeinde (Ekklesiologie), die Zukunft (Eschatologie) usw.

Nun ist es wahr, dass das Studium der Lehre manchmal schleppend vorangeht, da es sehr schwierig wird an manchen Stellen. Aber bleib dabei, denn wenn man dazu kommt, mehr und mehr davon zu verstehen, was Gott in der Heiligen Schrift geoffenbart hat, heißt das, Gott selbst mehr kennenzulernen.

Das vollendete Werk Christi ist ein Bereich der Lehre, der von vielen Christen oft missverstanden oder nur teilweise verstanden wird. Formal kommt man bei diesem Thema in das Teilgebiet der Soteriologie, also das, was die Schrift über das Heil sagt. Die Bibel lehrt, dass die Errettung der Menschheit von den Konsequenzen der Sünde gleichermaßen umsonst und teuer ist. Auf der einen Seite ist die Errettung ein Geschenk für jeden, der sich durch den Glauben dem Herrn Jesus Christus als seinen Erretter anvertraut. Aber auf der anderen Seite ist die Errettung eine sehr teure Sache, denn sie erforderte den Opfertod des Sohnes Gottes. Dieser Aspekt der Errettung bezieht sich auf das vollendete Werk Christi (siehe Joh 19,30). Es ist nicht die wunderbare Geburt Christi und auch nicht das vollkommene Leben Christi, das darin hauptsächlich gesehen wird. Das vollendete Werk Christi bezieht sich in erster Linie auf seinen Tod am Kreuz. Das ist der Ort, wo das Gericht Gottes über unsere Sünde von Christus ertragen wurde, der unserer Stellvertreter wurde, um unser Erretter zu werden. Jesus war nicht unser Erretter, bis Er für unsere Sünden am Kreuz gelitten hatte und für sie gestorben war.

Das Neue Testament benutzt drei Schlüsselwörter, um das vollendete Werk Christi zu beschreiben: Sühnung, Erlösung und Versöhnung. Versuch dich doch einmal an einer Definition dieser Wörter, um zu sehen ob du durch und durch verstanden hast, was die Bibel über das vollendete Werk Christi lehrt. Das ist nicht einfach, nicht wahr?

Sühnung

Nun, dann lasst uns einmal mit der Sühnung beginnen. Hier sind einige Stellen im Neuen Testament, wo das Wort gebraucht wird: Römer 3,25; Hebräer 2,17; 1. Johannes 2,2; 4.19.

Das Wort „Sühnung“ kommt aus dem Griechischen (die Sprache, in der das Neue Testament verfasst wurde) und meint im Grunde: „Zorn durch ein Opfer befriedigen“. Die alten heidnischen Griechen benutzten dieses Wort, wenn sie davon sprachen, ihre Götter zu besänftigen oder etwas zu tun, um die Gunst der Götter zu erlangen. Diese Ideen finden sich natürlich nicht in der Bibel. Gott ist kein blutdürstiger Gott, der Besänftigung nötig hat! Die Vorstellung, einen rachsüchtigen Gott zu beschwichtigen, ist der Schrift völlig fremd.

Die Bibel lehrt, dass Gott Liebe ist und Ihn nach Gemeinschaft mit dem Menschen verlangt. Aber Gott ist auch heilig und gerecht. Darum kann Er nicht einfach die Sünde lächelnd unter den Teppich kehren und sagen: „Jungs sind nun mal Jungs.“ Tatsächlich lehrt die Bibel nämlich, dass Gott zornig ist und dass dieser Zorn sich direkt gegen die Sünde richtet (siehe Röm 1,18). Und das gerechte Gesetz Gottes in diesem moralischen Universum, das Er erschaffen hat, verlangt, dass der Lohn der Sünde der Tod ist (Röm 6,23). Bevor Gottes Gnade sich bis zu den Menschen ausstrecken kann, musste etwas getan werden, um die Blockade der Sünde aus dem Weg zu schaffen und zudem den gerechten Forderungen Gottes gegenüber der Sünde Genüge zu tun.

Der Mensch ist hier ohne Frage hilflos. Das Problem kann nicht zur Lösung werden! Und da ist gar nichts, was der Mensch von sich aus tun kann, damit Gott an ihm Gefallen findet. Auch hier wird die heidnische Vorstellung, dass man etwas Religiöses tut, um die Gunst der Götter zu erlangen, nicht einmal angedeutet im Neuen Testament. Gott begünstigt den Menschen schon, wie Johannes 3,16 klar sagt. Aber zuerst muss die Frage in Bezug auf den Zorn Gottes und das Gericht über Sünde geklärt werden, und die Barriere der Sünde des Menschen muss hinweggenommen werden, bevor dem Menschen die Errettung angeboten werden kann. Das geschieht, wo Christus die Sühnung für unsere Sünden ist. Weil Er aufopferungsvoll erduldete und das gerechte Gericht Gott über Sünde erlitt, starb Christus nicht nur, um die Sünde des Menschen wegzunehmen, sondern Er befriedigte oder sühnte Gottes Zorn gegen die Sünde.

Erlösung

Erlösung ist ein weiter Aspekt des vollendeten Werkes Christi. Lies dazu die folgenden Bibelstellen aus dem Neuen Testament, die mit Erlösung zu tun haben: Galater 3,13; 4,5; Epheser 1,7; Titus 2,14; 1. Petrus 1,18.19 und 2. Petrus 2,1. Dort stehen verschiedene griechische Wörter, die mit „erlösen“ übersetzt werden. Zur Zeit des Neuen Testaments wurden diese Wörter vor allem im Zusammenhang mit der Sklaverei gebraucht. Zusammen ergeben diese Wörter das Konzept der Erlösung. Erlösen bedeutet „loskaufen von“ und „vom Markt losmachen, damit man in Freiheit versetzt wird“. Im Zusammenhang der Errettung bezieht sich die Erlösung auf das Werk Christi, das uns frei macht von dem Joch der Sklaverei der Sünde mit all den furchtbaren Dingen, die damit zusammenhängen, und all den Konsequenzen. Mit der Erlösung wurden wir nicht nur zurückgekauft und befreit vom Sklavenmarkt der Sünde, sondern wir wurden als Söhne in die Familie Gottes versetzt. Das geht gewiss einen Schritt weiter als die Freilassung.

Übrigens bezieht sich das Wort „Adoption“, das in Galater 4,5 vorkommt, nicht auf Adoption, wie wir sie heutzutage kennen, sondern eher auf die römische Adoptionszeremonie der damaligen Tage. In diesem offiziellem familiärem Vorgang wurde ein wahrer Sohn als solcher erkannt, der all die Rechte und die Privilegien und die Würde eines Sohnes hatte, der mündig geworden war. Als erlöste Sünder ist unser Geschenk die Stellung in der Familie Gottes. Welche eine Gnade! Auch wenn wir nicht Silber oder Gold bezahlt haben (1Pet 1,18), müssen wir uns daran erinnern, dass der Preis für unsere Erlösung hoch war. Der Preis für das Lösegeld war das kostbare Blut Christi. Es gibt in der Schrift keine Lehre, die besagt, dass das Lösegeld an Satan bezahlt wurde, wie einige vorgeschlagen haben. Diese Vorstellung dehnt den Hintergrund vom Sklavenmarkt zu sehr aus. Der Preis des Lösegeldes war einfach das, was die gerechte Regierung Gottes verlangte, um uns von den Auswirkungen der Sünde zu befreien (Heb 9,22). Hast du dem Herrn jemals für den Preis des Lösegeldes gedankt, den Er bereit war, für dich zu bezahlen?

Versöhnung

Die Versöhnung vervollständigt diesen dreifachen Blick auf das vollendete Werk Christi. Sühnung, die mit dem Zorn Gottes zu tun hat, ist die „gottbezogene“ Seite von diesem Werk. Erlösung beschäftigt sich mit unserer Sklaverei und Eingeschlossenheit in der Sünde, und dies ist die „sündenbezogene“ Seite des Werkes Christi. Die Versöhnung ist nun der„menschenbezogene“ Aspekt des vollendeten Werkes Christi, da sie sich direkt auf die Gemeinschaft mit Gott bezieht. Das Wort Versöhnung wird in Römer 5,10; 2. Korinther 5,18-20 und Kolosser 1,20-22 gebraucht. Die Grundbedeutung des Wortes „versöhnen“, aus dem Griechischen, ist „vollkommen verändern“. In Bezugnahme zur Errettung ist die Versöhnung der Akt, durch den Gott den Menschen in ein völlig verändertes Verhältnis mit sich selbst bringt – von Feindschaft, Feindseligkeit und Entfremdung zu Freundschaft, Harmonie und Gemeinschaft. Beachte, dass Versöhnung ein einseitiger Akt Gottes gegenüber dem Menschen ist und nicht ein gegenseitiges Entgegenkommen von Gott und Mensch einschließt.

Es ist nicht so, dass Er ein wenig gibt und wir ein wenig geben, wie etwa bei einer Aussöhnung in einer Ehe. Man muss sich daran erinnern, dass Gott nicht seine Einstellung gegenüber uns ändern muss oder uns auf dem halben Weg entgegenkommt. Wir sind die schuldige Partei – lieblos, eigenwillig und feindlich (siehe Kol 1,21). Wir müssen vollkommen verändert werden, nicht Gott.

Eine wunderbare Illustration von dem, was Versöhnung ist, kann man in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn sehen, das unser Herr in Lukas 15,11-32 erzählt. Wenn der Sohn Buße tut und seine Schuld vor dem Vater anerkennt, dann wird er zurückgebracht in eine fröhliche und harmonische Stellung der Gemeinschaft mit dem Vater. Ihm wurde nicht einfach nur vergeben und erlaubt, zurück auf das Anwesen zu kommen – er wird willkommen geheißen in der Familie und mit offenen Armen empfangen und mit einem Fest! Gott sei Dank für seine gelben Schleifen! [In den USA sind die gelben Schleifen (yellow ribbons) das Symbol der Verbundenheit mit vermissten Personen. Sie sollen zeigen, dass Menschen, die lange Zeit unter schwierigen Umständen fort waren, willkommen sind. Anm. d. Red.]

Das vollendete Werk Christi ist universell in seinem Geltungsbereich. Wenn man sich Stellen wie 1. Johannes 2,2; 2. Petrus 2,1 und 2. Korinther 5,19 genau anschaut, wird man sehen, dass Christi Tod ausreichend war, um Sorge zu tragen für die Sünden der ganzen Welt – im Umfang und der Bereitstellung unbegrenzt. Aber das heißt nicht, dass jeder Mensch errettet ist. Das vollendete Werk Christi ist nur wirksam für solche, die glauben. Als Illustration eignet sich die G.I. Bill of Rights: „Unbegrenzte“ Geldmittel der Regierung waren verfügbar, so dass alle Personen, für die dieses Gesetz galt, einen Universitätszugang auf Staatskosten bekommen konnten. Aber diese Zahlungen waren nur effektiv für die, die sich anmeldeten und zur Universität gingen. Ausreichend und bereitgestellt für alle, aber effektiv nur für einige. Eine größere Dankbarkeit für das vollendete Werk Christi wird daher kommen, wenn wir mehr verstanden haben, was Sühnung, Erlösung und Versöhnung bedeuten. Welch eine Segnung für einen wachsenden Christen, erst zu verstehen, was das vollendete Werk Christi ist, und dann darin zu ruhen!


Originaltitel: „The Finished Work of Christ“
Quelle: www.growingchristians.org

Übersetzung: David Betthaus

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