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Leitverse: Offenbarung 22,16–17
Off 22,16–17: Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch diese Dinge zu
bezeugen in den Versammlungen. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der
glänzende Morgenstern. Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es
hört, spreche: Komm! Und wen da dürstet, der komme; wer da will, nehme das
Wasser des Lebens umsonst.
Inhalt
Einleitung Der Ruf an den Herrn gerichtet Der Ruf an die, welche Ihn lieben Der Ruf an die Welt
Hier haben wir die letzte Erwähnung des Heiligen Geistes in der Bibel, und
es ist eine Offenbarung für uns von seiner unermüdlichen Tätigkeit. Es zeigt
uns ferner, was „die Einheit des Geistes“ in praktischer Hinsicht ist, die
in dem dreifachen Ruf aus Herz und Mund derjenigen zum Ausdruck kommt, in denen
Er wohnt und die Er in Einklang mit sich bringt.
Der erste Ruf des Geistes ist an Jesus, unseren Herrn, gerichtet. Er scheint
in den Himmeln als der glänzende Morgenstern. Und zu Ihm, wenn seine
Herrlichkeit in der Seele aufgeht, „der Geist und die Braut sagen: Komm“.
Der zweite richtet sich an die, welche Jesus lieben und nach deren Liebe Er sich
sehnt, doch deren Herzen schläfrig geworden sind; ihnen ruft Er zu: „Wer es
hört, spreche: Komm.“ Der dritte ergeht an den großen äußeren Kreis einer
bedürftigen Welt. Ihr gegenüber ist das Herz Gottes voll von Mitleid, und dies
findet in dem letzten Evangeliumsruf der Bibel einen Ausdruck: „Wen da
dürstet, der komme, wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst.“
Der Geist der Wahrheit, der Tröster, ist gekommen, um uns die Dinge von
Jesus Christus zu zeigen und Ihn zu ehren. Er ist erfolgreich in seinem Werk,
und Christus ist verherrlicht, wenn die Herzen seines erlösten Volkes so von
Ihm hingenommen sind, dass andere Dinge mehr und mehr ihre Anziehungskraft
verlieren und sie nur Ihn selbst noch brauchen und in dem einen großen Wunsch
völlig einstimmen, dass Er bald kommen möge. Wenn die Herzen der Heiligen
Gottes in den Ruf „Komm“ einstimmen, dann besteht kein Missklang und kein
Widerspruch mehr zwischen dem Verlangen des Geistes und demjenigen derer, in
denen Er wohnt. Dies ist die Einheit des Geistes. Der Geist wünschte zu jeder
Zeit, dass Christus kommen möchte, und seit den Tagen der Pfingsten wirkte Er
unaufhörlich in dieser Hinsicht, aber Jahrhunderte sind dahingerollt und
Christus ist noch nicht gekommen. Die Menschen verspotten diese immer noch
gewaltige Hoffnung, doch der Geist ist nicht entmutigt, weil eine so lange Zeit
verstrichen ist, sondern Er setzt sein Werk fort und wird es tun, bis es mit
endgültigem und ewigem Erfolg gekrönt sein wird, und diese letzte Erwähnung seiner
Bemühungen in dem Wort Gottes bringt diesen Tag der Herrlichkeit klar vor uns.
Der Hauptgrund, weshalb Christus noch nicht gekommen, ist, weil Er zunächst
auf seine Braut Anspruch erhebt. Er wird zur rechten Zeit sein Reich, die
Herrlichkeit und die allgemeine Verehrung empfangen, aber vordem muss Er seine
Braut haben, eine vollkommene und und für Ihn passende Gemeinde. Dies war
bisher noch nicht möglich, denn die Kirche ist noch nicht vollendet, doch der
Geist wird in seiner Arbeit nicht aufhören, bis dies geschehen und sie bereit
ist, Christus vorgestellt zu werden „ohne Flecken oder Runzel oder etwas
dergleichen“. Dann wird keine Verzögerung eintreten. Der Herr wird mit einem
Ausbruch der Freude und des Triumphes dem Ruf des Geistes und der Braut
entsprechen, der die entschlafenen Heiligen auferwecken und die lebenden
verwandeln und beide versammeln wird in eine ganze, unteilbare Gemeinde, damit
sie Ihm als solche begegne in der Luft. Dass dieser Tag nahe gekommen ist, liegt
auf der Hand. Wir glauben, dass die Tatsache dafür spricht, dass der Wunsch
nach dem Kommen des Herrn sehr zugenommen hat und heute mehr Herzen denn je
sagen: „Komm, Herr Jesu.“ Der Geist vereinigt die Zuneigungen der Gemeinde
und macht, dass sie in dieser einen Einheit zusammenfließen, deren Urheber und
Erhalter Er ist. Und Er wird diese Arbeit fortsetzen, bis Er alle die zahllosen
Scharen durchdrungen hat, die das Lamm umgeben werden, gekrönt mit Freude und
unvergänglichem Licht, um Ihn, den großen „Ich bin“, zu begrüßen.
Es ist unmöglich, dass der Geist von seinem Wirken ruhen konnte, während so
viele, für die Christus starb und die Er mit einer Liebe liebt, die nie
aufhören kann, gleichgültig gegen Ihn und sein Kommen sind. Er muss wirken, um
die Herzen aus dieser Gleichgültigkeit aufzurütteln, damit sie in den Ruf des
Geistes einstimmen. Und solche, die in Übereinstimmung mit dem Geist Gottes
sind, werden sagen: Der Geist wirkt bis jetzt, und auch wir müssen wirken, wir
können uns nicht der Ruhe hingeben, bis alle, die ein Ohr haben zu hören, in
dieselbe Einheit der Herzen gebracht worden sind und mit derselben Stimme sagen:
Komm, Herr Jesu.
Wie fremdartig mutet uns doch jener Herzenszustand an, den wir manchmal
finden, der so gleichgültig ist hinsichtlich der Zuneigung unserer
Mitgläubigen gegen Christus. Wie völlig liegt dies außerhalb der praktischen
Einheit des Geistes und wie muss dies die Diener des Herrn entmutigen, die da
ausgehen nach Norden und Süden, nach Osten und Westen mit dem Ruf: „Siehe,
der Bräutigam. Gehet aus, ihm entgegen.“ Solche Gleichgültigkeit einer Sache
von größter Wichtigkeit gegenüber zeigt an, dass das Herz nicht in
Übereinstimmung mit dem Heiligen Geist ist und ein sehr geringes Verständnis
für das Verlangen des Herrn für die Heiligen hat. Möchte der Schreiber und
Leser durch das große Erbarmen Gottes vor einem solchen Zustand bewahrt
bleiben. Lasst uns die Wahrheit vernehmen und uns ihrer erfreuen: „Da ist ein
Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer
Berufung.“ Die Gemeinde Gottes ist eine Gemeinde, ein Geist wohnt in ihr, und
das Lamm, welches starb, sie zu erlösen, ist ihre eine großartige Hoffnung.
Möchte diese große Tatsache unsere Herzen ergreifen und ihren wahren Platz in
unserm Leben haben, dann werden wir für die Belebung des Rufes des Geistes in
den Herzen aller Heiligen wirksam sein.
Das im Einklang mit dem Geist stehende Herz wird nicht nur Christus treu sein
und auf sein Kommen warten, und Fürsorge für seine Mitgläubigen tragen, damit
sie nicht schlafen, wie so manche, sondern es wird sich auch um die Rettung von
Seelen bemühen, es wird der trost- und hoffnungslosen Welt eine ernste
Einladung geben. Es ist gesagt worden, dass ein treuer Kirchenmann auch ein
treuer Evangelist ist, und das ist wahr. Niemand trat mehr in die Einheit des
Geistes ein als der Apostel Paulus, keiner arbeitete und diente mit größerem
Eifer, damit die Heiligen in einen passenden Zustand für das Kommen des Herrn
gebracht würden. Denn aus was für einem warmen, vollen und doch besorgten
Herzen muss der Ruf gekommen sein: „Ich eifere um euch mit Gottes Eifer, denn
ich habe euch einem Manne verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau dem
Christus darzustellen. Ich fürchte aber, dass etwa, wie die Schlange Eva durch
ihre List verführte, auch euer Sinn verderbt und abgewandt werde von der
Einfalt gegen den Christus.“ Und doch war er der Mann, der von Stadt zu Stadt,
von Land zu Land unglaubliche Beschwernisse ertrug, um die gute Botschaft jedem
Geschöpf, das unter dem Himmel ist, zu predigen. Sein Heiland und Herr
verlangte danach, Seelen zu retten, als Er hier war, und bei Paulus war es
ebenso, denn das Leben des Herrn Jesus wurde offenbar an seinem sterblichen
Fleisch, und das Mitgefühl Gottes erfüllte seine Seele. Er war ein seinem
Herrn völlig überliefertes Gefäß, durch das der Geist sprechen und wirken
konnte, er war ein vom Heiligen Geist erfüllter Mensch.
Beinahe zweitausend Jahre sind dahingegangen, seit der Geist die Botschaft
der Gnade den Ohren einer hoffnungslosen Welt durch jenes Gefäß anvertraute,
und noch schaut Er nach Menschen aus, die in Übereinstimmung mit Ihm den Ruf
ertönen lassen: „Wen da dürstet, der komme wer da will, nehme das Wasser des
Lebens umsonst.“ Das Herz Gottes ist noch nicht befriedigt, die Quelle des
Wassers des Lebens sprudelt noch so frisch wie je. Bis der Herr dem Ruf des
Geistes und der Braut entspricht, steht dieser große Wirkungskreis für alle
die offen, die sich danach ausstrecken, die Einheit des Geistes zu bewahren. Es
gibt in der Tat diese zwei Sphären: die Gemeinde und die Welt, und gesegnet
wird der Diener sein, den sein Herr, wenn Er kommt, mit seinen Interessen für
diese beiden Kreise beschäftigt findet.
Dieser Artikel ist aus der Monatszeitschrift Der Dienst des
Wortes Jahrgang 1930
[Hinweis: Obiger Artikel wurde von der Redaktion
sprachlich leicht bearbeitet.]
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