Ein Wunsch frei! Was würdest du dir wünschen?
Elia und Elisa

Walter Thomas Turpin

© SoundWords, online seit: 17.07.2002, aktualisiert: 11.01.2018

Leitverse: 2. Könige 2,9-14

2Kön 2,9-14: 9 Und es geschah, als sie hinübergegangen waren, da sprach Elia zu Elisa: Erbitte, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde. Und Elisa sprach: So möge mir doch ein zweifaches Teil von deinem Geist werden! 10 Und er sprach: Du hast Schweres erbeten! Wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir genommen werde, so soll dir so geschehen; wenn aber nicht, so wird es nicht geschehen. 11 Und es geschah, während sie gingen und im Gehen redeten, siehe, ein Wagen von Feuer und Pferde von Feuer, die sie beide voneinander trennten; und Elia fuhr im Sturmwind auf zum Himmel. 12 Und Elisa sah es und schrie: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und seine Reiter! Und er sah ihn nicht mehr. Da fasste er seine Kleider und zerriss sie in zwei Stücke. 13 Und er hob den Mantel Elias auf, der von ihm herabgefallen war, und kehrte um und trat an das Ufer des Jordan. 14 Und er nahm den Mantel Elias, der von ihm herabgefallen war, und schlug auf das Wasser und sprach: Wo ist der HERR, der Gott Elias? – Auch er schlug auf das Wasser, und es zerteilte sich hierhin und dorthin; und Elisa ging hinüber.

Einleitung

Ich möchte dir gern eine Frage stellen: Angenommen, der Herr Jesus wäre noch nicht in den Himmel aufgefahren und wir wären seine Gefährten, wie seine Jünger es auf seinem gesegneten Weg auf dieser Erde waren. Wenn nun der Herr Jesus heute Abend, am Vorabend also, bevor Er die Welt verließ, uns sagen würde: Bitte, was ich für dich tun soll, bevor ich von dir weggenommen werde – welche Antwort würdest du Ihm geben? Ich habe den aufrichtigen Wunsch, diesbezüglich jedes Herz hier in Übung zu bringen. Denn bedenkt gut: Egal, was eure Bitte wäre, welcher Art auch immer euer Wunsch wäre – eure Bitte würde deutlich zeigen, worauf euer Herz gerichtet ist; eure Bitte würde ausdrücken, was in eurem Herzen ist. Und daher lassen unsere Gebete mehr als alles andere unseren wahren Seelenzustand erkennen, sogar mehr als unsere Gespräche. Was wirklich in unseren Herzen ist, was immer die antreibende Kraft, das, worauf unsere Zuneigung gerichtet ist, zeigt sich im Gebet mehr, als wir ahnen.

Was wäre deine Bitte gewesen?

Wenn ihr euch nun einen Moment in die Situation versetzen könnt und der Herr Jesus würde euch jetzt diese Frage stellen: Bitte, was ich für dich tun soll, bevor ich von dir genommen werde – worum würdet ihr bitten? Ihr könnt erkennen, dass dies eine feierliche Frage ist. Ich frage euch: Was ist das Liebste und das, was euch am meisten am Herzen liegt? – Der Abschnitt, den ich gelesen habe, wird die Frage beantworten, worum wir bitten sollten, wenn Christus alles für uns wäre: Ich möchte dich auf der Erde vertreten. – Dies stand hinter Elisas Bitte, und dies würde hinter der Bitte jedes Herzens hier sein, das wirklich Christus gehört, wenn du wirklich aufrichtig und ergeben wärst. Wenn du wirklich den Herrn Jesus lieben würdest – ich meine nicht mit natürlicher Zuneigung; das wäre nichts wert –, wenn du Ihn göttlich lieben würdest, wenn du eine himmlische Zuneigung für Christus hättest, dann wäre das einzige regierende Verlangen deines Herzens: Herr Jesus, ich habe den Wunsch, Dich zu repräsentieren, während Du nicht auf dieser Welt bist. Das war Elisas Wunsch hinsichtlich Elia, wie man in dem vorliegenden Kapitel sehen kann.

Ich will dich vertreten

Wie ihr wisst, war Elia nahe daran, hinweggenommen zu werden und Elisa allein zurückzulassen. Elisa hing an Elia, er wollte ihn nicht verlassen. Er sagte tatsächlich: Ich werde dich nicht verlassen. Solange du hier bist, bleibe ich bei dir. – Nun ja, sagt Elia, ich werde bald von dir weggenommen werden, was dann? – Dann, erwiderte Elisa, wenn ich dich nicht haben kann, dann lass mich dich vertreten. – Es ist wunderbar, darüber nachzudenken: „Lass einen zweifachen Anteil deines Geistes auf mir sein“, was nicht nur doppelt in der üblichen Bedeutung als Menge meint, sondern als ob er gesagt hätte: Mein Herzenswunsch ist, dass, wenn du weggenommen bist, du immer noch hier wärest in mir. – Ich glaube, das ist der Gedanke, geliebte Freunde: Dass ich dich so deutlich vertreten kann, als wäre es auf dieser Erde eine Kopie des Abwesenden. Das ist mein Wunsch, der eine Gedanke und das Verlangen meines Herzens.

Kraft ist vorhanden

Nun erfordert dies Kraft; und darüber bin ich bemüht, jetzt zu sprechen. Am vergangenen Abend sprach ich über unsere Stellung sowohl im Himmel als auch auf der Erde, und heute Abend möchte ich das betrachten, was daraus meines Erachtens folgt: Kraft. Ich brauche keine Kraft, um meine Stellung im Himmel beizubehalten. Aber wir sind eben in der Welt, um Christus darzustellen (und mögen wir alle es mehr fühlen und uns dessen in unseren Herzen mehr bewusst sein), wo wir völlig hilflos sind, was den Ort als solchen betrifft. Wir sollten nichts anderes erwarten als Ablehnung von dieser Welt; überall nichts als Erprobungen, Schwierigkeiten und Hindernisse; und das nicht nur von schlechten Dingen, sondern auch von guten. Die Tendenz von allem, sogar dem Besten auf dieser Erde, geht dahin, uns vergessen zu lassen, dass wir nicht zu ihr gehören. Ihr denkt vielleicht, das sei sehr verallgemeinernd formuliert, aber ich wiederhole: Egal, was es ist – sogar das Beste, was zu dieser Welt gehört –, ist bestrebt, uns vergessen zu lassen, dass wir nicht zu ihr gehören. Daher wird alles eine Erprobung für uns: Gnadenerweisungen stellen uns auf die Probe, begünstigende Umstände erproben uns; und wir erkennen, dass wir uns nicht einen Moment lang auf uns selbst verlassen können.

Wer Gott dient, muss mit Widerstand rechnen

Zwei Dinge sind es, die unser Leben hier ausmachen, wie es auch beim Volk Israel in der Wüste der Fall war: Unterstützung und Widerstand. Die Unterstützung ist notwendig, damit wir effektiver widerstehen können; nicht um uns auszuruhen und zu sagen: „Der Widerstand ist vorbei“, sondern um mehr widerstehen zu können. Je mehr wir unterstützt werden, desto mehr können wir widerstehen, und je mehr wir widerstehen, desto mehr werden wir unterstützt. Es mag sich seltsam anhören, aber die Wirkung ist wechselseitig. Es ist nicht so, wie viele Leute denken, dass, wenn du zu einem bestimmten Punkt in deinem Leben gelangt bist, du die Hände in den Schoß legen und dich ruhig niederlassen kannst. Ich denke, es ist Widerstand bis zum Ende der Reise, und ich bin überzeugt: Je mehr du mit Gott gehst, desto mehr musst damit rechnen, dass der Widerstand wächst, anstatt abzunehmen.

Elia bringt Elisa über den Jordan

Den ersten Punkt, den ich in dem gelesenen Abschnitt ansprechen will und worauf ihr besonders achten sollt, ist: Elia trägt zuerst in der ihm eigenen Kraft Elisa mit über den Jordan. Er nimmt seinen Mantel und schlägt auf das Wasser, und er bringt Elisa mit sich herüber. Nun ist jedes Gotteskind in dem Tod unseres Herrn Jesus und durch seine Kraft über den Jordan gebracht worden, der Stellung gemäß, meine ich natürlich. Wenn du ein Christ bist, dann bist du auf der anderen Seite des Jordans. Er hat dich herübergebracht. Beachte, dass ein Gespräch zwischen Elia und Elisa erst stattfindet, als sie den Fluss überquert haben. Als sie über den Jordan gegangen sind, sagt Elia sozusagen: Du wirst bald ohne mich zurückgelassen. Du wirst in dieser Welt allein sein müssen; du kannst mich nicht mehr bei dir haben oder mit meinem Schutz rechnen. Du hast bis hierher meine Unterstützung, meinen Beistand persönlich mit dir gehabt, aber jetzt geht das nicht mehr; und bevor ich weggehe, „bitte, was ich für dich tun soll“. Elisas Antwort lautet: „Dass mir doch ein zweifacher Anteil von deinem Geist gegeben werde.“ Und Elia sagt: „Du hast Schweres erbeten! Wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir weggenommen werde, dann wird dir das gegeben werden.“ Hier haben wir also, worüber ich sprechen möchte, nämlich: Kraft. Was Elisa wollte und wonach er fragte, war Kraft, damit er ein echter Vertreter des Abwesenden sein könnte. Und das ist es, was der wahre Heilige Gottes wünscht; es ist das Bestreben aller, die Christus hingegeben sind.

Er sagt nicht: Ich möchte alle möglichen Segnungen haben – den Himmel gesichert und alles ist gut in Zukunft, aber mit keinem Gedanken an die Gegenwart denkend. Das ist keine Ergebenheit Christus gegenüber, es ist keine Treue und Zuneigung zu Ihm. Jemand, der quasi sagt: Ich bin sehr froh, alle die Segnungen in Anspruch nehmen zu können, all das Gute aus dem Tod Christi, alle Vorteile, die mir zufließen durch das, was Er getan hat: Ich werde mit Christus im Himmel sein, mit Ihm in Herrlichkeit; aber was diese Welt angeht, erwartet Er nichts anderes von mir, als nur mein Bestes zu geben – so jemand hat keine Loyalität, Ergebenheit oder Treue zu seinem verworfenen Herrn.

Echte Treue sagt stattdessen: Ich freue mich, dass Er mich in alle die Segnungen hineingestellt hat; aber zur gleichen Zeit verlangt mein Herz danach, für Ihn hier zu sein. Und dies umso mehr, weil für Ihn hier nichts als Verwerfung da war. – Ist es nicht etwas Wunderbares, zu denken, dass, bevor der gepriesene Herr seinen Thron in dieser Welt einnimmt – jetzt hat Er in ihr noch keinen Thron, Er wird ihn aber haben –, Er sich herabneigt und einen Thron in unseren armen Herzen einnimmt? Und jemand, der Ihm wirklich treu ist, freut sich zu sagen: Bevor Er hier seinen Thron hat (das wird im Tausendjährigen Reich sein), gebe ich Ihm den Thron meines Herzens. Ich freue mich, gedanklich den Tag vorzudatieren, an dem Er jene Herrschaft auf das ganze Universum ausdehnen wird. Ich wünschte mir, Er würde es jetzt in meinem Herzen tun – Christus soll der Herr jeder Regung dort sein, der Befehlshaber meines Herzens; es soll dort keine einzige Regung sein, deren Er nicht die Triebfeder und Quelle und Befriedigung ist.

Der einzige Wunsch: Christus vertreten …

Daher sehnt sich das Herz, Ihn hier zu repräsentieren. Es weiß, dass Er uns hierher gesandt hat, um für Ihn zu sein, und es möchte demgemäß in seinem Sinn handeln; es möchte deshalb in praktischer Weise der Freund Christi sein. Das ist wahre Treue zu dem Herrn Jesus. Natürlich zeigt sich diese Treue bestenfalls in armer, schwacher Weise; aber egal, wie schwach sie ist, Er sieht das Herz an. Denk daran, dass es eine Menge von Show und Beteuerungen geben mag, die nicht echt sind; aber wenn Er sieht, dass wir alles dafür geben, koste es, was es wolle, um Ihn in dieser Welt wirklich darzustellen, dann erfreut es sein Herz.

Das war, was Elisa brauchte und erbat. Er bat um nichts anderes – nicht dass er nützlich sein möge, nicht dass er der große Wohltäter seines Zeitalters sei oder irgendeine wunderbare Person, zu der alle aufblicken und sie als Segensspender für Hunderte und Tausende seiner Mitgeschöpfe ansehen würden. Kein Wort davon; es war etwas, was unendlich weit darüber hinausgeht, und es wurde lediglich in diesen einfachen Worten ausgedrückt: „Dass mir doch ein zweifacher Anteil von deinem Geist gegeben werde.“ Die Antwort ist genauso einfach, nämlich: „Du hast Schweres erbeten! Wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir weggenommen werde, dann wird dir das gegeben werden; wenn aber nicht, dann wird es dir nicht gegeben werden.“ Was wir dafür genau brauchen, ist Kraft, wie ich bereits erwähnt habe. Daher finden wir, wenn wir zu der Lehre im Neuen Testament kommen, dass der Heilige Geist herabkam, als der Herr Jesus Christus von dieser Welt wegging. Es ist äußerst interessant und zugleich wichtig für uns, diese Reihenfolge in Apostelgeschichte 1 zu betrachten. Dort finden wir, dass das Wort „weggenommen“, das hier in 2. Könige verwendet wird („wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir weggenommen werde“), nicht weniger als viermal auftaucht. Das geschieht im Zusammenhang mit der Himmelfahrt des Herrn Jesus. „Er wurde hinweggenommen“ – dieser Gedanke zieht sich durch jenes ganze Kapitel. Danach kam der Heilige Geist herab. So kam, als Elia weggenommen wurde, sein Mantel auf Elisa herab.

„Ich kann nicht“ gibt es nicht!

Wenn du Christ bist, wohnt der Heilige Geist in dir, daher sollte sich niemand abwenden und sagen: Ich kann Christus nicht repräsentieren. Das Wort „Ich kann nicht“ sollte nicht in unserem Wortschatz enthalten sein. Denk daran, dass dein Leib ein „Tempel des Heiligen Geistes“ ist! Kannst du dir irgendetwas so Tiefgreifendes oder so Feierliches vorstellen wie dieses, dass unsere armen, schwachen Körper der Wohnort des Heiligen Geistes sein sollen? Stellt sich da noch die Frage nach Kraft, wo doch die Kraft Gottes in meinem Leib wohnt? Die wirkliche Frage lautet: Wie gebrauche ich sie? Ich brauche Gott nicht um Kraft bitten, weil die Kraft schon herabgekommen ist; die Schwierigkeit und Verwirrung, in der manche Christen sich befinden, rührt daher: Sie bitten Gott um Kraft und verleugnen damit die vorhandene Kraft, die bereit ist zu wirken. Ich fürchte, der gewöhnliche Kummer liegt daran, dass das Kreuz Christ praktisch beiseitegestellt ist, die Welt gepflegt wird, die Weise der Welt übernommen wird, und dann bitten die Heiligen Gott um Kraft. Ach, wenn wir so handeln, dann betrüben wir Gott den Heiligen Geist, der in uns wohnt und der die Kraft ist. Ich sage, Kraft ist herabgekommen, und dies in keiner geringeren Weise als in der Person Gottes des Heiligen Geistes, der in unseren Leibern wohnt. Daher können wir sagen, dass für einen Christen jegliche Menge an Kraft verfügbar ist.

Kraft durch Widerstehen

Lasst mich jetzt zwei oder drei Dinge über diese Kraft herausstellen, die es einfacher machen werden. Diese Kraft wirkt in zwei Arten und in zwei Kreisen, und wir haben eine Illustration dessen in unserem vorliegenden Kapitel. Die erste Art ist durch Widerstehen. Dies ist etwas sehr Stilles; es ist keine große Darstellung oder eine wundervolle Errungenschaft, die eine ganze Stadt aufrüttelt. Kraft an sich ist höchst geräuschlos. Wenn du die Elemente mit Elektrizität geladen siehst und den mächtigen Donnerschlag über deinem Kopf hörst, könnte man meinen, wie groß die dort dargestellte Kraft ist. Aber es ist nicht so. Die Kraft ist davor, die Kraft ist dann vorüber, sie ist nicht in dem Lärm. Die Kraft ist im Blitz, nicht im Donner. Sie ist geräuschlos, aber unwiderstehlich. Nun, wie schon gesagt, diese geistliche Kraft widersteht. Lasst mich das illustrieren: Beim Schwimmen gibt es zwei ziemlich verschiedene Aktionen. Die erste Aktion ist ein Widerstand gegenüber dem Element, in dem der Schwimmer sich befindet. Wenn er nicht widersteht, wird er untergehen. Denn er befindet sich in einem feindlichen Element, das ihn ansonsten verschlingen wird. Das ist die erste Aktion. Aber jetzt schau dir die andere an: Er muss nämlich auch noch eine neue Bewegung in dieses Element bringen. Er bringt ein neues Prinzip ein, das wirklich ein neuer Aspekt von Kraft ist. Er widersteht dem Element, in dem er ist, aber mittels einer völlig neuen Kraft.

Dies sind also die zwei Dinge, die mit Kraft verbunden sind: zuerst einmal Widerstand und dann den Widerstand beibehalten. Es gibt den Widerstand des Elements, das sich dort befindet und die Einführung einer neuen Bewegung, die völlig fremd zu dem dort Vorhandenen ist. Daher, wenn du einen Menschen in der Kraft des Geistes Gottes auf dieser Erde wandeln siehst, wirst du diese beiden Dinge finden: nicht nur den Widerstand gegenüber den ihn umgebenden Einflüssen, sondern gleichzeitig auch das Einführen eines neuen Prinzips von Handeln.

Nun, liebe Freunde, stellen wir diese Kraft nach außen dar? Das ist die Frage. Es sei mir gestattet, die jüngeren Brüder und Schwestern, die an diesem Abend hier sind, zu fragen, wie viele von ihnen sich Sorgen machen über die Einflüsse, die sie in dieser Welt umgeben. Das oberste Prinzip von Sicherheit ist, die Feindschaft des uns umgebenden Elements zu fürchten. Es erfreut einen immer, wenn man göttliche, heilige, kindliche Furcht und Zittern sieht; und man fühlt immer zweifelndes Unbehagen, wenn man andererseits übermäßiges Vertrauen sieht. Ich behaupte, dass ein Christ, der die ihn umgebenden Einflüsse fürchtet, wachsam ist gegenüber den Gefahren, durch die er geht. Dagegen ist einer, der sich nicht darum sorgt, in der großen Gefahr, in der Flut dieses Zeitalters nach unten gerissen zu werden.

Der schwerste Schritt abwärts ist der erste Schritt

Wenn du dich fürchtest, wirst du widerstehen. „Glücklich der Mann, der den HERRN fürchtet“ (Ps 112,1). Ich habe gehört, dass der Unterschied zwischen einem toten und einem lebenden Fisch darin besteht, dass der lebende Fisch gegen den Strom und der tote Fisch mit dem Strom schwimmt. Genauso verhält es sich mit den Christen. Und daher rührt die Kraft dieses Wortes: „Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten! Und der Christus wird dir aufleuchten“ (Eph 5,14)! Der Herr gebe einem jeden hier diese heilige, wachsame Furcht alles dessen, was uns umgibt; denn wir sind in einem furchtbaren Element, voll von jeder Art von Fallstricken und Gefahren, voller Dinge, die dazu dienen, den Sorglosen und Unvorsichtigen abseits zu führen. Daher sagt auch der Heilige Geist: „Bewirkt eure Rettung mit Furcht und Zittern“ (Phil 2,12). Warum? Weil wir im Feindesland sind, feindlich auf Schritt und Tritt. Und darum wiederhole und betone ich es eindringlich: Das Erste, was deine Seele lernen muss, wenn du hier in Kraft für Christus wirken möchtest, ist zu widerstehen. Sei gewiss, dass, wenn du im Geringsten nachgibst, du bald in anderen wichtigeren Dingen nachgeben wirst! Der schwerste Schritt abwärts ist der erste Schritt, die anderen folgen wunderbar leicht danach. Was für ein schrecklicher Gedanke! Möge der Herr dein Herz darauf richten, dass du widerstehen musst, um für Christus in Kraft auf der Erde zu leben.

Lege ab, was dir am wichtigsten erscheint

Und dann finden wir einen Ausdruck dieser neuen und wunderbaren Energie in der Geschichte Elisas. Was tat er zuerst, als der Mantel des auffahrenden Elias auf ihn herabgefallen war? Wie zeigte er, dass ein zweifacher Anteil seines Geistes auf ihn gekommen war, der ihn befähigte, ein würdiger Vertreter des aufgefahrenen Elias zu sein? Was war der erste Beweis? „Er fasste seine Kleider und zerriss sie in zwei Stücke.“ Und hier finde ich meinen sogenannten ersten Kreis. Und ich sage es mit Nachdruck: Wenn du nicht im inneren Kreis widerstehst, wirst du es nie im äußeren Kreis tun. Viele Leute sagen: Du kennst nicht meine schlimme Lage; du weißt nicht, wie es mir geht in meinem familiären Umfeld, in meinem Bekanntenkreis, auf der Arbeit usw. Wie schwerwiegend das auch alles sein mag und wie sehr ihr euch in schwierigen Umständen befindet, lasst mich dies sagen, liebe Freunde: Trotz allem, wenn ihr in eurer Seele gelernt habt, zuerst dem zu widerstehen, was von innen kommt, dann erkennt ihr, wie kraftvoll und entschieden ihr sein könnt, dem Äußeren zu widerstehen. Darum meine ich, der erste Kreis ist der schwierigere. Im Bild gesprochen legt Elisa zuerst das ab, was ihm am nächsten war – was ihn sozusagen selbst am meisten ausmachte, nämlich seinen eigenen Mantel.

Wenn wir uns zum Neuen Testament wenden, finden wir in Lukas 9 eine Antwort hierauf: „Wenn jemand mir nachkommen will, … so nehme er sein Kreuz auf und folge mir nach.“ Heißt es so? Nicht direkt, denn das wäre das Äußere; aber es heißt: „Der verleugne sich selbst“, das ist der innere Kreis. Danach kommt erst: „So nehme er sein Kreuz auf täglich und folge mir.“ In dieser Hinsicht habt ihr beide Seiten: innen und außen. Und wo es ein echtes Verlangen gibt, Christus zu repräsentieren in der Kraft, die Er uns gegeben hat, da muss ich zuerst meinen eigenen Mantel zerreißen, ich muss mich selbst ablegen. Das ist meines Erachtens die Bedeutung von „sich selbst verleugnen“. Nicht bloß uns von gewissen Dingen zu enthalten, sondern das eigene Ich abzulegen. Wunderbare Freiheit! Ich weiß nichts Schöneres als dieses: Ich lege mein eigenes Ich insgesamt ab, vollständig. Ich bekomme neue Motive, Schwung, Gedanken, Ziele von jemand anderem, und daher kann ich mich selbst verleugnen, mein Kreuz auf mich nehmen und Jesus folgen.

Ihr bekommt diese Dinge hier in einem eindrucksvollen Bild dargestellt: Elisa ergriff seine eigenen Kleider und zerriss sie in zwei Stücke. Dann hebt er den Mantel Elias auf und sagt quasi: Ich schrecke jetzt nicht zurück vor dem Jordan. Ich kann jetzt dem Tod begegnen. Es erstaunt mich nicht, von Schmerz, Leiden und Schande umgeben zu sein in dieser Welt. Und ich kann dem dafür danken, der es mir schenkt, dies alles zu akzeptieren, weil mein Herzenswunsch ist: Ich möchte den repräsentieren, der nicht hier ist.

Es kommt darauf an, was wir sehen

Aber lasst mich einen weiteren sehr wichtigen Punkt aufgreifen. Jemand könnte mich fragen: Wie bekomme ich diese Kraft? Auf der einen Seite besitzen wir, wie schon erwähnt, alle diese Kraft. Der Heilige Geist ist durch Gottes wunderbare Gnade und höchste Güte herabgekommen, um in uns zu wohnen. Aber wie wird diese Kraft des Heiligen Geistes praktisch in uns und durch uns wahrgenommen? Gott sei Dank lebt Gottes Geist in unseren Leibern. Aber wie wird die Kraft ausgeübt, und was ist das Prinzip dabei? Es ist sehr schön, hier die Illustration zu sehen. Nichts einfacher als das; die Antwort lautet: „Wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir weggenommen werde.“ Ich bin mir bewusst, dass die Schlichtheit dieser Aussage für einige ein Stolperstein ist. „Wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir weggenommen werde.“ Wir lesen nicht, dass er ihn je ein anderes Mal gesehen hat, im Gegenteil: „Er sah ihn nicht mehr.“ Aber er sah, wie Elia weggenommen wurde, und darauf kommt es an. Jetzt frage ich euch: Könnt ihr euch etwas Wundervolleres vorstellen als das? Zeigt mir den Herrscher, den Machthaber dieser Welt, der jemals zu seinem Untergebenen sagen könnte: Wenn du mich in einer gewissen Position siehst, will ich dir etwas von mir selbst verleihen. Genau das finden wir hier: „Wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir weggenommen werde, dann wird dir das gegeben werden.“

Die einzige Frage war: Würde er sein Auge auf ihn richten? Würde er die große Herausforderung des auffahrenden Elias annehmen und einfach unverwandt sein Auge auf ihn gerichtet halten, wenn er ginge? Das ist die Frage. Ich will euch anhand der Schrift zeigen, wie dieses Prinzip durch die ganze Bibel läuft. Es ist die gesegnete Wirklichkeit, von sich und allem anderen weg- und hinzusehen auf Christus. Wenn das Auge sich von allem anderen weg- und sich Ihm zuwendet, dann finden wir die Kraft des Heiligen Geistes in Aktion. Wie wunderbar einfach ist das.

Petrus sieht auf Jesus

Ich möchte euch noch andere Beispiele ähnlicher Art geben:

Wenden wir uns zu der Begebenheit in Matthäus 14 und schauen uns Petrus an. Was sagt er? „Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen.“ Der Herr Jesus fordert ihn auf: „Komm!“ Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser, um zu Jesus zu gelangen. Und es ist wunderbar, darüber nachzudenken: Solange sein Blick einfach auf dem gesegneten Herrn ruhte, ging er genauso mühelos auf dem Wasser wie Christus selbst. Es gab keine Frage, ob Kraft vorhanden war; das war ja offensichtlich. Wie könnte ein Mensch auf Wasser gehen wenn nicht durch übernatürliche Kraft? Genau von dieser Kraft rede ich – übernatürliche Kraft; nicht unnatürlich, sondern übernatürlich, eine Kraft außerhalb der gesamten Natur. Aber schaut, liebe Freunde: Jetzt werden Wind und Wellen stürmisch, und Petrus beginnt zu sinken, als er auf den Wind sieht. Solange nur der Herr Jesus seinen Blick ausfüllte, ging er über das tosende Wasser unter dem Schutz des Herrn selbst. Es war eine mühelose Reise; und ich behaupte, es kommt nicht auf die Schwierigkeiten an, sie müssen nur die Beschäftigung mit dem Herrn hervorrufen. Wenn wir unser Auge auf Ihn gerichtet haben, werden uns die Schwierigkeiten nicht unterkriegen. Leute sagen mir oft: Wenn ich diesen oder jenen Weg nehme, werde ich alles verlieren. – Gut und schön, antworte ich, angenommen, es wäre so. Ist Christus nicht alles wert? Ihr werdet außerdem nie eine andere Gelegenheit haben, sowohl zu beweisen wie auch darzustellen, dass Christus allein ausreicht.

Und es gibt noch etwas anderes: In dem Verhältnis, wie ihr etwas um Christi willen verliert, werdet ihr die wundervollste und gesegnete Freude darüber erleben, die der Herr selbst euch schenkt. Ihr werdet es tausendfach in einer anderen Art erstattet bekommen. Es übersteigt alle menschlichen Vorstellungen, dass ich in dem Moment, wo mein Auge auf Christus in seiner jetzigen Herrlichkeit ruht, alles hier akzeptieren kann: die Schande, die Schmach, den Hass, die Verwerfung. Warum? Weil die Kraft Christi mir zur Seite steht. Ich kann seinen Platz auf der Erde akzeptieren – und warum? Weil ich Ihn in Herrlichkeit sehe und mit Ihm dort bin.

Stephanus sieht auf Jesus

Nehmen wir jetzt ein anderes Beispiel: das von Stephanus in Apostelgeschichte 7. Seitdem hat sich niemand in genau den gleichen Umständen befunden wie er. Schauen wir uns ihn einen Moment an. Dort steht er inmitten einer rasenden Menge, die blutrünstig auf ihn einstürmt und mit den Zähnen gegen ihn knirscht. Er sieht fest auf zum Himmel und sieht die Herrlichkeit Gottes und Jesus. Nichts bringt ihn davon ab. Er kniet nieder und betet für seine Mörder und befiehlt seinen Geist in die Hände des Herrn Jesus. Woher bekam er dazu die Kraft? Voll Heiligen Geistes schaute er unverwandt auf den Einen, der hinweggenommen wurde. Geradeso wie Elisa sah, wie Elia genommen wurde und er seinen Mantel empfing, so konnte Stephanus, als er zu seinem Meister aufschaute, sein Leben hier niederlegen. Er konnte all den schrecklichen Hass, die Steine, die mörderischen Angriffe seiner Feinde ertragen und niederfallen und für die Männer beten, die ihn töteten.

Mose sieht in gewisser Weise auf Jesus

Es gibt eine Sache in diesem Zusammenhang, die für unsere Herzen sehr wichtig ist, nämlich wie sich diese Kraft entfaltet. Angenommen, die Kraft ist da, wie äußert sie sich typischerweise? Hebräer 11,27 macht dies meines Erachtens deutlich. Als der Heilige Geist über die Geschichte Moses spricht, sagt Er: „Er [Mose] hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren.“ Das entscheidende Wort hier, das speziell und deutlich die Ausübung dieser Kraft beschreibt, ist „aushalten“. Wie schafft man das? Das kann man in der Geschichte Moses verfolgen. Was tat er als Erstes? Er verweigerte etwas. Genau davon habe ich gesprochen: Er widerstand seinen Umständen. Ich weiß, dass Leute ständig im Blick auf ihre Umstände sagen: Gott hat mich eben dorthin gestellt. Du weißt, dass Fügung mich in diese außergewöhnliche Stellung versetzt hat, und warum meinst du jetzt, dass ich dem den Rücken zuwenden muss? Gottes Fügung hat mich doch an diesen Platz gestellt. – Ich kenne keine lebende Person, die mir eine so deutliche und markante Fügung zeigen könnte wie Mose. Es war Gottes Fügung, die ihn aus dem Wassergrab in einem Weidenkästchen rettete, die die Tochter des Monarchen zum Flussufer schickte, ihr Herz öffnete und ihr Mitleid für das arme Baby weckte. Es war Gottes Führung, die Mose in die Position eines adoptierten Kindes der Monarchentochter versetzte. Es war alles Fügung vom Ersten bis zum Letzten.

Aber, liebe Freunde, es gab einen Tag, als der Glaube begann; und das vergisst man schnell. Sobald der Glaube in Moses Herz zu wirken begann, lehnte er die beste Position ab, die ein Mensch haben könnte. Er lehnte genau den Posten ab, den natürlicherweise jeder im Interesse seines Volkes begierig ergriffen hätte. Man hätte sagen können und vielleicht wurde gesagt: Er ist genau der Richtige, um Israel zu befreien. Schaut euch seine Stellung an: Er ist der angesehene Sohn der Königstocher, der größte Mann in Ägypten neben dem König selbst. Er wird uns eine wunderbare Befreiung bringen. – Aber bedenkt dieses: Er gibt alles auf: „Er weigerte sich, ein Sohn der Tochter Pharaos zu heißen.“ Er ist wie der Schwimmer im feindlichen Element, und er widersteht ihm. In seinem Fall schienen die Umstände freundlich zu sein, obwohl sie in Wirklichkeit feindlich waren. Das ist das Schlimme. Sie schienen günstig, waren aber in Wirklichkeit widrig. Was tut er danach? Er wählt Leiden. Er gibt Bequemlichkeit auf und wählt Ungemach. Er gibt Luxus auf und wählt Erniedrigung. Er gibt genau das auf, woran sich das Herz erfreuen würde, und wählt genau das, wovor das Fleisch und unsere Natur zurückschrecken würden. Er widersteht der Bequemlichkeit von Pharaos Hof, er lehnt die Würde eines Sohnes der Königstochter ab und wählt Leiden und Kummer mit den am meisten geschundenen Leuten, die es je gegeben hat. Und genau von diesem Volk hatte er selbst während seines gesamten Lebens zu leiden. Und was ist der Kommentar des Heiligen Geistes zu seiner Handlung? Was war sie in Gottes Sicht wert? Wie bewertet sie Gott? Das finden wir in Hebräer 11,26. Es war die „Schmach des Christus“, die Mose für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens. Wie wunderbar, dass der Heilige Geist solch ein Zeugnis zu Moses Tat ausstellen kann!

Und dann gab es noch etwas: Mose verließ Ägypten. Zuerst gibt er den dortigen Luxus auf und wählt Kummer mit dem Volk Gottes; und jetzt kehrt er der ganzen Sache den Rücken zu. Was war die Kraft, die ihn dies aushalten ließ? Er sah den Einen, der hinweggenommen wurde: den unsichtbaren Gott: „Er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren.“ So ist es auch mit uns; die unsichtbare Kraft wirkt in uns, wo wir den unsichtbaren Christus mit unseren Glaubensaugen sehen. Wie unser Auge Christus im Himmel anschaut, der für jeden außer dem Mann des Glaubens unsichtbar ist, so wirkt die unsichtbare Kraft in uns.

Wir müssen auf Jesus sehen

Aber ich möchte eure Aufmerksamkeit hauptsächlich auf dieses Beispiel von Mose lenken, weil ich weiß, dass es warnt vor den Fallstricken und Gefahren für Gottes Volk heutzutage, besonders für die Jüngeren. Und beachtet, dass momentan nicht so sehr die schlechten Dinge dieser Welt einen Fallstrick darstellen – ich muss zugestehen, dass Gott sei Dank viele ein Gewissen haben, das sie daran hindert, Böses tun zu wollen. Aber es sind die guten Dinge dieser Welt, denen so viele Heilige Gottes nachjagen. Ich behaupte ernsthaft, dass auf solche Weisen Christi Weg des Leidens und der Verwerfung völlig verleugnet wird. Wie anders wäre es alles, wenn du dem Herrn Jesus aufrichtig sagen könntest (damit habe ich ja heute Abend begonnen): Ich möchte Dich auf dieser Erde repräsentieren. Es ist mein Herzenswunsch, Dich abzubilden. Ich sehne mich daher nach einem zweifachen Anteil von Deinem Geist, wo Du jetzt diesen Schauplatz verlassen hast, damit ich hier der treue Ausdruck, Darsteller und Kundgeber Deiner selbst sein kann, und zwar in genau der Welt, die Dich verworfen hat!

Lasst mich ein Wort der Ermunterung sagen, das unsere Herzen erfreut. Es ist ein guter Trost, zu wissen, dass man die Kraft so einfach empfängt: „Wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir weggenommen werde.“ Hast du jemals im Glauben Ihn in seiner Herrlichkeit angeschaut? Du erwiderst: Du kennst nicht meine Schwierigkeiten und was mich zu Fall bringen will. – Aber hast du die Kraft erprobt? Das ist die Frage. Hast du jemals dein Auge von allem abgewendet und es einfach auf Christus im Himmel gerichtet? Und könntest du mir heute Abend erzählen, dass du dies wirklich und wahrhaftig getan hast und dir die Kraft fehlte? Lieber Freund, ich bin sicher, das könntest du nicht. Das eine folgt unvermeidlich auf das andere.

Möge Gott euch ein Herz schenken, das auf dieser Erde für Christus schlägt. Die Gelegenheit dazu wird es im Himmel nie geben. Dort gibt es Herrlichkeit und Segnungen, aber dieser Augenblick kommt nie mehr wieder. Ich habe nur dieses eine Leben, und wozu? Für diesen kleinen Moment bin ich in diese unversöhnte, feindliche Welt gestellt worden, damit ich den Weg jenes einen Gesegneten auf diesem Schauplatz gehen möge, um Ihn gerade in der Welt zu repräsentieren, die Ihn nicht haben wollte. Gerade da wurde Er gehasst, verachtet und gekreuzigt. Das ist wirklich ein Augenblick von überaus großer Bedeutung. Ich zweifle nicht im Mindesten daran, dass wir Verlust erleiden werden; aber wenn es um Christi willen wäre? Ein Verlust in der Welt Christus zuliebe! Es gibt niemand, der Liebe oder etwas Zuneigung zu Ihm empfindet, der sich nicht freuen würde, wenn Gott ihn wert achtete, für seinen Namen zu leiden. Würdest du nicht für jemand leiden, den du auf der Erde liebst? Was ist das also für eine Zuneigung für Christus, wenn du nicht für Ihn leiden könntest?

Der Herr gebe durch seinen Geist unseren Herzen das Empfinden, was es bedeutet, hier zu sein als Gefäße von Gottes Kraft! Wenn ich den Herrn Jesus Christus anschaue, wenn der Blick im Glauben einfach auf Ihm ruht und ich nicht an mich denke, dann kommt die Kraft, die mich befähigt, Ihn zu repräsentieren. Es ist nicht eine Frage meiner Fähigkeiten oder wie ich durch Schwierigkeiten hindurchgelangen kann. Mich darauf zu stützen, wird nie nützen. Du gelangst nicht an das Ziel, wenn du daran denkst, an das Ziel zu gelangen. Aber wenn dein Auge nur auf Christus blickt, wird dir das Kreuz zur liebsten Sache (was ist schöner, als dass ich den Weg des Herrn Jesus durch diese Welt beschreiten darf?). Und das Leiden wird süß und die Schande nichtig wegen der Freude darüber, mit Ihm über all diesem erhaben zu sein, dort, wo Er ist. So nimmt die Seele mehr und mehr die gesegnete Fülle und unendliche Herrlichkeit jenes Ortes in Besitz. So war es mit Abraham und Lot. Lot – der Typus eines weltlichen Christen – bekam die Städte der Ebene. Als er dorthin gelangte und dann das hatte, worauf seine Augen schauten und was sein Herz begehrte, bescherte ihm das Probleme von Anfang bis zum Ende. Aber zu Abraham sagt Gott: „Hebe deine Augen auf.“ Und er hebt sie auf zu Gott und erhält alle diese göttlichen Unterredungen und auch göttlichen Beistand. Er wird Gottes Freund und darf die innigste Gemeinschaft mit dem gepriesenen Gott selbst erleben.

Der Herr ermuntere so durch seinen Geist jedes einzelne Herz und mache Christus so sehr zum Mittelpunkt unserer Seelen, dass jeder sagen könnte: Mein größter Wunsch ist, den Herrn Jesus in dieser bösen Welt zu repräsentieren. – Und mögen wir persönlich diese wunderbare Kraft kennen. Der Herr befestige den Bund jedes Herzens mit Ihm, damit wir es nicht nur als unseren Auftrag ansehen, sondern als eines der größten Vorrechte, die uns verliehen werden konnten: dorthin gesandt zu sein, wo Christus verworfen wurde und für Ihn einzustehen in einer bösen Zeit.

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Zweiter Vortrag aus der Vortragsreihe „The Christian: What is He? Heavenly or Earthly?“ aus dem Jahr 1880


Hinweis der Redaktion:

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