Was bedeutet „Gemeinschaft mit dem Vater“?
1. Johannes 1,3; Johannes 8,29

John Thomas Mawson

© SoundWords, online seit: 30.10.2003, aktualisiert: 16.07.2016

Leitverse: 1. Johannes 1,3; Johannes 8,29

1Joh 1,3: … und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater …

Joh 8,29: Und der mich gesandt hat, ist mit mir …

Wir mögen wohl den Namen Gottes preisen, dass Er uns den Wert seines geliebten Sohnes offenbart hat; denn das ist, seitdem sein geliebter Sohn unter uns gewesen ist, eine Tatsache geworden. Welche Freude fand der Vater an Ihm, als Er sein Leben hier auf der Erde verbrachte! Wir sind froh und freuen uns, dass es so war, dass der Vater in der Welt, die von dem Teufel, ihrem Fürsten, beherrscht wird, in Jesus den Einen fand, der mit jedem Gedanken, mit jedem Wort und jeder Tat völlig seiner Gesinnung entsprach. Wir haben keine größere Freude, als seine Fußstapfen durch die Welt in Gedanken zu verfolgen, indem Er immer die Worte des Vater sprach und die Werke des Vaters tat. Niemals geschah es, dass Er sich selbst wohlgefiel, obgleich Er in der Tat allein von allen Menschen, die gelebt haben, das Recht dazu hatte. Und wenn Er es getan hätte, würde Er alles in der richtigen Weise getan haben. Aber Er war dem Vater wohlgefällig: „Ich tue allezeit das ihm Wohlgefällige.“ Sein Vater war der einzige Gegenstand seines Lebens. Er hatte keinen anderen Beweggrund als die Herrlichkeit des Vaters.

Er war hier, um die Angelegenheiten seines Vaters zu erledigen, und Er verwunderte sich und es muss seine heilige und fein fühlende Seele geschmerzt haben, dass seine Mutter und Joseph es nicht verstanden, als sie Ihn mit zwölf Jahren im Tempel fanden. Wir verstehen das heute durch Gnade und erkennen an, dass es völlig richtig war.

Wir lesen das Zeugnis von dem Wohlgefallen des Vaters an Ihm in den Worten ausgedrückt, die nie vergessen werden sollten: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“, und unsere Herzen sind zum Loben bewegt und wir können nicht ablassen zu sagen: Er ist würdig. – Unendliche Vollkommenheit verlangt göttlichen Beifall. Die Himmel konnten nicht schweigen, die überschwängliche Herrlichkeit musste sprechen, der Vater selbst musste sein Wohlgefallen an dem demütigen Mann der Schmerzen kundtun, und wir erwidern die Freude des Himmels an Ihm. Solche Worte des Vaters, die die Herzen der Jünger durchdrangen, rufen einen Akkord in unseren Herzen wach und unsere Freude und der Gesang, den wir erheben, ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater – die Einheit unserer Gedanken mit Ihm, durch die Erleuchtung und Kraft des Heiligen Geistes.

Würde es richtig sein, zu sagen, dass das Wohlgefallen des Vaters an Ihm jeden Tag, den Er auf Erden lebte, zunahm? Für uns scheint es so; denn die größeren Tiefen seiner Ergebenheit unter den Willen des Vaters wurden mehr und mehr offenbar, als der Widerspruch der Sünder und der Hass der Menschen gegen Ihn zunahm und als das Kreuz in den Gesichtskreis rückte. Hart muss das Herz sein, dass an einem solchen Ausspruch gleichgültig vorübergehen kann, wie der, der aus dem Mund Jesu in Johannes 10,17 hervorkam, als das Kreuz nicht mehr weit entfernt war: „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich es wieder nehme“, und wenn wir daneben jenen anderen Ausspruch lesen: „… dass die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe und also tue, wie mir der Vater geboten hat. – Steht auf, lasst uns von hinnen gehen“ (Joh 14,31), dann haben wir die völlige und ununterbrochene Liebe vor uns, die zwischen dem Vater und dem Sohn pulsierte, und wir stehen davor und jubeln mit tiefer überwältigender Freude, dass uns diese Glückseligkeit geoffenbart werden sollte und dass wir daran teilhaben sollten. Denn wenn der Vater Ihn liebte, weil Er sein Leben niederlegte, dann wissen wir, dass Er es für uns niederlegte und darum lieben wir Ihn. Seine Liebe zu dem Vater und seine Liebe zu uns glüht in einer großen Flamme, die große Wasser nicht auslöschen können und wir lieben Ihn, den der Vater liebt, und das ist die Grundlage und die Quelle unserer Gemeinschaft mit dem Vater.

Betrachten wir jene Worte des Herrn: „Lasst uns von hinnen gehen.“ Dieses „von hinnen“ bedeutete für ihn Gethsemane, Gabbatha und Golgatha, ringender Kampf, Angriffe der Macht der Finsternis, Schande und Beschimpfung, Ungerechtigkeiten der Menschen und jene Tiefen und geheimnisvollen Leiden unter dem gerechten und heiligen Gericht Gottes. Niemals werden wir die völlige Bedeutung dieses Schreis verstehen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast mich verlassen?“ Es muss für immer hinter dem Begriffsvermögen der Natur bleiben; aber wir wissen, und göttlich belehrt können wir die Worte verstehen: „… gleichwie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch“ (Eph 5,2). Wir sind gewiss, dass Er in solchen Stunden der Dunkelheit, als die Leiden, die Er für uns zur Sünde gemacht, ertrug, die Ihn uns auf ewig Wert und teuer gemacht haben, für den Vater unaussprechlich kostbar gewesen sein muss, „eine Darbringung und ein Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch“. Wenn das Schlachtopfer für Gott war, war es auch für uns, und wenn es für Gott kostbar war, ist es auch uns kostbar und wir sind wahrhaft mit dem Vater zur Einheit der Gedanken über Ihn gebracht worden.

Die Herrlichkeit des Vaters besuchte den Garten, noch ehe Maria Magdalene ihn erreicht hatte und noch ehe das leere Grab, in das sie mit Tränen erfüllten Augen spähte, die Tatsache kündigte, dass Gott Ihn aus den Toten auferweckt hatte. Jetzt wissen wir, dass Er zur Rechten des Vaters im Himmel sitzt und dort mit Herrlichkeiten ausgestattet worden ist, die alle anderen Herrlichkeiten übertreffen. Ein Name ist Ihm gegeben worden, der über jeden Namen ist, und in seinem Namen muss jedes Geschöpf die Knie beugen. Wir verfolgen seine Erhöhung auf den höchsten Platz im Himmel in völligem Beifall, da wir seine Erniedrigung mit Bewunderung verfolgt haben. Die Ersten und die, welche am ehesten von allen bereit sind, seine Würdigkeit anzuerkennen, sind gewiss die erlösten Heiligen, die seine Kirche bilden. Wir gehören zu jener begünstigten Gemeinschaft und preisen den Namen des Vaters, der Ihn, der uns so kostbar geworden ist, erhöht hat. Wir warten auf sein Wiederkommen; denn die Kronen und Königreiche sind sein und seine Kirche wird seine Herrlichkeit teilen. Denn so hat es Gott beschlossen. Aber wenn der Glanz und die Siegesfreuden seines Königreiches ihr Ende erreicht haben werden und die Zeit aufgehört haben wird zu sein, dann wird das Vaterhaus bleiben und wir werden dort sein, „dem Bild seines Sohnes gleichförmig, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern“ (Röm 8,29). Auf immerdar wird Er den Vorrang haben, der ewige Gegenstand der Liebe seines Vaters und der Liebe all seiner Heiligen, und daher werden wir auf immerdar gemeinsame Gedanken mit dem Vater über Ihn haben. Und wir werden an der Liebe teilhaben, die auf Ihm ruht; denn uns hat Er den Namen des Vaters kundgemacht, damit die Liebe, womit sein Vater Ihn liebt, in uns sei; nicht bloß auf uns, sondern in uns, das Teil, woran sich Herzen erfreuen, die Ihm völlig ergeben sind. Daher wird unsere ewige Freude die Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinen Sohn Jesus Christus sein.


Originaltitel: „Gemeinschaft“
aus Der Dienst des Wortes, Jg. 13, 1935, S. 90–94
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