Fallen im Geist
Eine Bibelstudie

Karel van Berghem

© SoundWords, online seit: 15.03.2006, aktualisiert: 11.12.2018

Sagt die Bibel etwas über „Fallen oder Ruhen im Geist“? In einigen Fällen nennt die Bibel Menschen, die in Gottes Gegenwart fallen. Aber stimmt das mit dem überein, was man heutzutage unter „Fallen im Geist“ versteht?

Menschen, die in Gottes Gegenwart fallen

  1. Gott erscheint Abraham und dieser fällt auf sein Angesicht (1Mo 17,1-3). Gott ergreift die Initiative und schließt sogar einen Bund mit ihm.

  2. Mose bekommt eine Offenbarung des Herrn, als er hinging, um sich den brennenden Dornbusch anzusehen (2Mo 3,5). Gott offenbart sich als der ICH BIN. Hierin sehen wir eine Vorerscheinung des Herrn Jesus.

  3. Josua steht als Oberbefehlshaber vor den Toren Jerichos und wird von jemand angesprochen. Als er den Unbekannten fragt, wer er sei, bekommt er zu hören: ICH bin nun gekommen. – Es ist der Fürst vom Lager des Herrn, anders gesagt, der Herr Jesus selbst. Daraufhin wirft Josua sich mit seinem Angesicht auf die Erde. Dann wird ihm befohlen, dass er die Schuhe von seinen Füßen nehmen solle, weil er auf heiligem Boden stehe (Jos 5,14.15).

  4. Das Volk Israel erhält die Botschaft, dass der Herr ihm in seiner Herrlichkeit erscheinen werde. Das Feuer aus dem Himmel verzehrt das Opfer auf dem Altar. Das Volk jubelt, und alle werfen sich auf ihr Angesicht (3Mo 9,4.23.24).

  5. Auch der bekannte Bileam mit seinem sprechenden Esel erlebt so etwas. Der Esel, auf dem er sitzt, sieht den Engel des Herrn mit einem flammenden Schwert auf seinem Weg. Das Tier weicht aus. Bileam, der nichts sieht, schlägt auf den Esel ein, bis Gott ihm die Augen öffnet. Er beugt die Knie und wirft sich auf sein Angesicht (5Mo 22,31).

  6. Im Buch Richter lesen wir von Manoach, dem zukünftigen Schwiegersohn Simsons. Der Engel des Herrn erscheint seiner Frau auf Wunsch ein zweites Mal. Sie geht und ruft ihren Mann. Ihr wird bekannt gemacht, dass sie mit einem Sohn schwanger werden würde. Als sie aufsteht, um ein Opfer zu bringen, wird dies angenommen. Als dann der Engel in der Flamme auffährt, erkennt das Ehepaar das Wunder. Sie haben Gott gesehen und werfen sich auf ihr Angesicht zur Erde (Ri 13,20).

  7. Elia befindet sich auf dem Karmel, wo die Konfrontation zwischen dem Gott Israels und Baal stattfindet. Baal lässt nichts von sich hören, auch als sich Hunderte seiner Priester mit Messern ritzten, um ihn doch zum Eingreifen zu bewegen. Das Volk, das so lange in tiefem Abfall von Gott gelebt hat, steht unentschieden daneben. Als Elia schließlich Gott anruft, fällt das Feuer vom Himmel und verzehrt das Opfer auf dem Altar. Als das ganze Volk dies sieht, werfen sich alle auf ihr Angesicht und rufen: Der HERR, er ist Gott! (1Kön 18,21.39).

  8. Auch König David kann genannt werden. Er fällt mit den Ältesten seines Volkes auf sein Angesicht, als er den Engel des Herrn mit gezücktem Schwert im Licht stehen sieht, um das Urteil zu vollstrecken (1Chr 21,16).

  9. Bei der Einweihung des Tempels erscheint die Herrlichkeit des Herrn in einer Wolke, die das ganze Haus erfüllt. Die Priester konnten wegen der Wolke nicht stehen bleiben, um ihren Dienst zu verrichten. Das heißt nicht, dass sie umfielen. Sie konnten sich vielleicht zurückziehen. Das wird aus dem Text nicht deutlich (2Chr 5,14).

  10. Als der Prophet Hesekiel die Herrlichkeit Gottes sieht, fällt er bei drei aufeinanderfolgenden Gelegenheiten auf sein Angesicht (Hes 1,28; 3,23; 44,4.5). Die Herrlichkeit war sichtbar (Hes 11,22). Der Geist lässt nicht zu, dass er liegen bleibt, sondern lässt Hesekiel mit neuer Kraft aufstehen (Hes 2,1; 3,24).

  11. Daniel hat eine Begegnung mit dem Engel Gabriel. Er hat ein Gesicht, er hört und sieht bewusst. Er wird ohnmächtig und fällt auf sein Angesicht zur Erde (Dan 8,1). Als er nach Wochen der Trauer wieder ein Gesicht sieht, sieht allein er es. Daniel bleibt danach ohne Kraft und erbleicht. Er hört Worte und fällt ohnmächtig mit dem Gesicht zu Erde. Er wird angerührt und muss sogleich aufstehen, wozu ihm Kraft gegeben wird. Er steht auf, Hände und Knie zittern (Dan 10,2-10). Er erhält Prophezeiungen über die Geschehnisse in der Endzeit.

  12. Im Matthäusevangelium steht die Begebenheit von der Verklärung Jesu auf dem Berg. Als Gott spricht, werfen sich die Jünger auf ihr Angesicht und fürchten sich sehr (Mt 17,6).

  13. Im Markusevangelium werden Dämonen beschrieben, die sich vor Jesus niederwerfen und bekennen, dass Er der Sohn Gottes ist (Mk 3,11).

  14. Im Lukasevangelium finden wir den Bericht des Besessenen im Land der Gadarener. Er wurde durch böse Geister getrieben und fiel vor Jesu Füßen nieder. Die bösen Geister ließen ihn ausrufen: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus, Sohn Gottes, des Höchsten? (Lk 8,28).

  15. In der Apostelgeschichte wird berichtet, dass Paulus auf dem Weg nach Damaskus ein Licht aus dem Himmel zur Erde fallen sah. Er war drei Tage blind und aß und trank nicht (Apg 9,9; 22,6).

  16. Johannes auf Patmos fiel wie tot vor Jesu Füße, als er den verherrlichten Jesus sah (Off 1,17).

  17. Die vier lebendigen Wesen und die 24 Ältesten werfen sich vor dem Lamm nieder (Off 5,8). Sie werfen sich nieder und beten an (Off 5,14). Sie werfen sich auf ihr Angesicht (Off 7,11; 11,16; 19,4).

  18. Als Johannes in seinem Erstaunen einen Engel anbeten will, wird das sofort zurückgewiesen (Off 19,10). Er ist so überwältigt von dem, was er erlebt, dass er es noch einmal versucht. Auch dieses Mal wird es ihm verweigert (Off 22,8).

Reaktionen auf Gottes Erscheinung

Es zeigt sich, dass in der Bibel die Menschen – sowohl im Himmel als auch auf der Erde – auf Gottes Erscheinung und Herrlichkeit auf dieselbe Weise reagieren: Sie fallen in Anbetung vor Ihm nieder. Aus den Angaben in der Bibel geht hervor, dass die Betroffenen vom Zeitpunkt der außergewöhnlichen Begegnung an eine tiefe Gotteserkenntnis haben, so wie sie sie vorher nicht hatten. Es fällt eine große Stille auf diese Menschen. Sie bekommen eine Aufgabe, die sogar bis in die Einzelheiten beschrieben wird:

  1. Abraham muss sich und die Seinen als Zeichen des Bundes beschneiden lassen. Dieses Ereignis hat noch Nachwirkungen auf die Nachkommen Abrahams.

  2. Mose muss zum Pharao gehen, von dem er vielleicht noch wegen des Totschlags an dem Ägypter gesucht wird. Er wird mit der Botschaft gesandt, dass Gott sein Volk aus Ägypten herausführen möchte.

  3. Josua muss um die Stadt ziehen, bis die Mauern von Jericho fallen. Gott ist dabei, dem Volk das gelobte Land zu geben, wobei Jericho fallen muss.

  4. Bileam wird entgegen jeglicher Absicht Balaks von Gott gesandt, um Segen statt Fluch über Israel auszusprechen.

  5. Manoach und seine Frau bekommen zu hören, dass ihr Sohn Simson mit der Befreiung Israels von ihren Feinden beginnen wird.

  6. König David hat sich mit seiner Volkszählung das Urteil Gottes zugezogen. Der Engel kommt, um das Gericht auszuführen. David sieht den Engel und fleht, das Volk zu verschonen.

  7. Elia steht als Einziger auf dem Karmel, um der Abgötterei des Königs Ahab und der Königin Isebel ein Ende zu bereiten, die beide damit das Volk verführt haben. Nachdem Feuer vom Himmel gefallen ist, bekennt das Volk: Der Herr, Er ist Gott.

  8. Hesekiels Erfahrung ist so ergreifend, dass er sieben Tage lang entsetzt zurückbleibt (Hes 2,15). Er muss zum Volk sprechen. Bei einer anderen Gelegenheit beginnt er flehend und fürbittend lauthals zu rufen, als er sieht, dass Gott jemand im Gericht umbringt (Hes 11,15.13). Ganz Israel steht auf dem Spiel.

  9. Daniel bekommt die Botschaft für die Endzeit und ist krank von dem Geschehnis, als er es alles bewältigen muss. Er muss die Botschaft mehreren aufeinanderfolgenden Königen bringen. Gott offenbart ihm das große Schema der Weltereignisse bis hin zur Endzeit, wobei die gesamte Menschheit betroffen ist.

Im heutigen individualisierten Zusammenleben, wo jeder weitgehend auf sich selbst bezogen ist, muss man darauf hinweisen, dass es in all diesen Schriftstellen um das Kollektiv geht. Es geht nicht um Erfahrungen, die strikt individuell sind und sich auf denjenigen beschränken, der sie erlebt. Es geht um Geschehnisse, die eine Rückwirkung bekommen auf Gruppen, bisweilen auf ganze Nationen. Es geht dabei nicht immer um das Jetzt und Hier, sondern um weit entfernt liegende, eschatologische Ereignisse. Das sind Ereignisse, die mit der Zukunft zu tun haben.

Einige Schlussfolgerungen

Aus den oben besprochenen Beispielen aus der Bibel können wir einige Schlussfolgerungen ziehen:

  1. Alle erwähnten Personen fallen in der Gegenwart Gottes, des Engel des Herrn (eine Vorerscheinung des Herrn Jesus) oder eines Erzengels vornüber.

  2. In der Bibel – das ist ganz wichtig – fallen Menschen niemals durch die Vermittlung eines Menschen. Sie fallen in direkter Begegnung mit der Gottheit oder einem Engel; niemals kommt ein Dritter hinzu. Niemals fallen sie nieder durch Handauflegung oder dadurch, dass man mit dem Finger in die Richtung der Person zeigt, die fallen soll.

  3. Das Rückwärtsfallen findet statt, wenn die Widersacher Gottes ein Urteil empfangen oder beiseitegesetzt werden. In der Bibel kommt das Rückwärtsfallen infolge eines Gottesurteils viermal vor, und zwar wegen Unglauben oder Sünde:
    1. Mose 49,17: Der Reiter des Pferdes fällt rücklings nieder.
    1. Samuel 4,18: Der Hohepriester Eli fällt rücklings vom Stuhl und bricht sich das Genick.
    Jesaja 28,13: Die Leiter Jerusalems werden rücklings straucheln und zerschmettert werden.
    Johannes 18,6: Die Soldaten, die Jesus gefangennehmen wollen, fallen hintenüber.

  4. Die Initiative für solche Ereignisse geht immer von Gott aus. Niemals sehen wir in der Bibel einen Menschen sich nach dieser Erfahrung ausstrecken. Es überkommt die Menschen, sie suchen so eine Erfahrung nicht. In der Bibel wird weder dazu ermutigt, noch dazu aufgerufen oder herausgefordert. Die Betreffenden selbst hätten es am liebsten vermieden.

  5. Nirgendwo in der Bibel wird eine Versammlung einberufen, wo das „Fallen oder Ruhen im Geist“ organisiert stattfindet oder stattfinden müsste.

  6. Wann immer sich in der Bibel Menschen auf ihr Angesicht geworfen haben, wird ihnen nicht gestattet liegen zu bleiben. Sie müssen sogleich wieder aufstehen und bekommen dazu Kraft, nötigenfalls auch durch Wiederholung. Manche sind durch das Geschehen tagelang durcheinander und bestürzt.

  7. Wann immer Menschen in der Bibel „fallen“, geschieht dies nicht zur Befreiung oder damit ihr eigenes geistliches Leben besser funktioniert. Es ist nicht privat, es ist immer für das Kollektiv bestimmt. Die Praxis u.a. von John Wimber, wo Menschen stundenlang vorn- oder hintenüber liegen, sich dabei ruhig fühlen und ein erhabenes Gefühl von Gleichgültigkeit empfinden über die Umstände, muss von der Bibel her radikal abgelehnt werden. Dass es keine Nachwirkungen gibt, weder gute noch schlechte, ist nachdrücklich unwahr.

  8. In der Bibel ist die Rede von großer Furcht bei den Menschen, die dies mitmachen. Sie haben eine Begegnung mit der Gottheit oder mit einem Engel. Das ist so überwältigend, dass ein Mensch nicht auf den Beinen bleiben kann. Oft werden sie dann auch ohnmächtig und werfen sich in Anbetung vornüber auf ihr Angesicht. Sie werden in den meisten Fällen wieder aufgeweckt, damit sie nicht furchtsam sind.

  9. In mehreren Fällen wird Gottes Herrlichkeit sichtbar. Wenn andere dabei sind – so wie bei Daniel und auch bei Saulus van Tarsus –, sind sich die Umstehenden durchaus eines übernatürlichen Geschehens bewusst und fliehen niedergeschlagen.

  10. Die Begegnung, die Gott mit dem Menschen hat und zu der die Initiative stets von Ihm ausgeht, hat einen bestimmten Zweck. Jene, die durch ein solches Ereignis betroffen sind, bekommen eine Aufgabe und/oder ergeben sich in Gottes Herrlichkeit in Anbetung. Die Aufgabe auf Erden wird oft unter schwierigen Umständen und (manchmal) unter großem Leid durchgeführt. Was diese Gerufenen mit Gott in der direkten Begegnung erlebt haben, befähigt sie, die Aufgabe auszuführen. Sie werden mit Kraft ausgerüstet, um die Aufgabe zu bewältigen und, wenn es nötig sein sollte, auch das damit verbundene Leiden durchzustehen.

  11. Die Bibel zeigt einen Zusammenhang zwischen dem „Erfülltsein mit dem Heiligen Geist“ oder „Heilung, Genesung“ und dem „Niederfallen vor Gottes Angesicht“. Hier ist das biblische Niederfallen vor Gott gemeint. Das rückwärtige Fallen, das durch einen Menschen vermittelt wird durch Handauflegung, Berührung oder dergleichen, fehlt in der Bibel völlig.

Beurteilung

Die Erscheinung des „Fallens im Geist“, so wie sie in charismatischen Kreisen vorkommt, wird von der Bibel nicht unterstützt. Daher erhebt sich die Frage, wie man diese Erscheinung verstehen muss. Erklärt werden kann sie damit, dass Menschen sich leicht beeinflussen lassen. In einer Massenversammlung kann sie auf die ganze Menge überspringen.

Doch gibt es noch eine andere Erklärung, die viel besorgniserregender ist. Die Erscheinung des Umfallens ist im Hinduismus bekannt. Dort wird es als Shakti Pat bezeichnet. Der bekehrte ehemalige Hindu Rabi Maharaj beschreibt in seinem Buch[1] den Begriff folgendermaßen:

Shakti Pat, „ein Begriff, der gebraucht wird für die Berührung durch einen Guru– gewöhnlich mit seiner Hand – an der Stirn des Verehrers, was übernatürliche Wirkungen hervorbringt. Shakti bedeutet eigentlich „Macht, Kraft“, und im Zufügen von Shakti Pat wird der Guru zum Kanal von Urkraft, der kosmischen Kraft, die dem Universum zugrunde liegt und die von der Göttin Shakti – der Gemahlin des Shiva – verkörpert wird. Als übernatürliche Wirkung von Shakti durch die Berührung des Guru kann der Verehrer auf den Boden fallen oder er kann ein helles Licht sehen und eine Erfahrung innerer Erleuchtung oder eine andere mystische seelische Erfahrung haben.“ Hier hat man es mit einem Medium zu tun. Ein Medium ist jemand, der Kräfte von bösen Geistern weitergibt.

Maharaj berichtet im selben Buch, dass er mit erst dreizehn Jahren „Shakti Pat“ an Menschen weitergab. Er macht dabei deutlich, dass Shakti einer der Namen von Kali ist. Sie ist Shivas mörderische, bluttrinkende Gemahlin, die Muttergöttin der Mächte, die die Urkraft verleiht, die durch das Herz des Universums strömt. Damals war es für Maharaj ein erregender Gedanke, dass er der „Kanal“ ihrer Macht werden sollte.[2]

Das Fallen im Geist, so wie es in den charismatischen Zusammenkünften geschieht, entbehrt jeder biblischen Grundlage. Es ist dagegen im Hinduismus wohlbekannt. Die Mächte, die dort wirken, sind seelisch und sehr wahrscheinlich okkult.

 

Anmerkungen

[1] Rabi Maharaj, De Goeroe is dod [die deutsche Ausgabe trägt den Titel Tod eines Guru], Culemborg, Internationaler Bibelbund, 1981, S. 247.

[2] Rabi Maharaj, De Goeroe is dod, S. 86.


Originaltitel: „Vallen in de Geest“
Quelle: www.oudesporen.nl

Übersetzung: Gabriele Naujoks


Hinweis der Redaktion:

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