Der gegenwärtige und der zukünftige Zeitlauf (4)
Belehrungen des Paulus über die Natur der Gemeinde

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© SoundWords, online seit: 18.08.2006, aktualisiert: 26.01.2018

Leitverse: Epheser 1,22.23; 2,16; 4,1-16; Kolosser 1,18.24; 1. Korinther 12,12-27

Eph 1,22.23: … und hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

Eph 2,16: … und die beiden in einem Leib mit Gott versöhnte durch das Kreuz, nachdem er durch dieses die Feindschaft getötet hatte.

Kol 1,18.24: Und er ist das Haupt des Leibes, der Versammlung, der der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem den Vorrang habe … Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch das, was noch fehlt an den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung.

4. Zusammenstellung der Belehrungen des Paulus über die besondere Natur der Versammlung

  1. Die wichtigste dieser Belehrungen, diejenige, welche gewissermaßen alle anderen einschließt und auf welche Paulus am meisten zurückkommt, ist die, dass die Versammlung „der Leib des Christus“ ist (Eph 1,22.23; 2,16; 3,6; 4,1-16; 5,23-32; Kol 1,18.24; 1Kor 12,12-27).

    Konnte nun dieser Leib existieren, ehe Jesus verworfen war? Nein, denn wir haben gesehen, dass Jesus gekommen war, um sich auf den Thron Davids, seines Vaters, zu setzen und um über das Haus Jakobs zu regieren und nicht, um einen Leib zu bilden und zwar aus den aus allen Nationen erkauften Sündern. Deshalb verbindet Er auch, wie wir gesehen haben, den Gedanken der Versammlung mit demjenigen seiner Verwerfung: Die Versammlung ist das im Geist auf den verworfenen Stein gebaute Haus. Paulus lehrt uns auch, dass die, welche fern waren, im Blut Christi nahe gebracht worden sind, um mit denen, welche nahe waren, nur einen neuen Menschen zu bilden; und dass beide vor Gott durch das Kreuz einen Leib ausmachen (Eph 2,13 usw.). Kaiphas, indem er durch den Geist weissagte, sagte selbst, dass Jesus „nicht nur für das Volk sterben sollte, sondern auch, damit er die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte“ (Joh 11,49-52). Dieses Versammeln der bis dahin zerstreuten Kinder Gottes in eins – mit anderen Worten: des Leibes Christi – ist also eine Frucht seines Todes.

    Aber die Versammlung ist nicht der Leib eines für immer gestorbenen Christus noch eines irdischen Christus, der noch sterben kann, sondern eines Christus, der tot war und auferstanden ist, der folglich nicht mehr sterben kann, sondern von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt (Mt 16,16-18; Röm 6,9; Off 1,17). Achten wir in der Tat darauf, dass der Christus, „welcher der Versammlung, seinem Leib, zum Haupt gegeben ist“, der Christus ist, „welcher von den Toten auferstanden und zur Rechten Gottes in den himmlischen Örtern gesetzt ist, über alle Fürstentümer und Gewalt und Macht und Herrschaft und jeglichen Namen, der genannt wird, nicht allein in diesem, sondern auch im zukünftigen Zeitalter“ (Eph 1,20-23). Dieser Leib konnte demgemäß nicht existieren, ehe Jesus auferweckt und verherrlicht war.

    Da endlich die Versammlung der Leib Christi ist, so muss der Geist Christi in ihr wohnen und sie beseelen, wie der Geist des Menschen im Menschen wohnt. Das ist uns auch in diesen Worten gelehrt: „Ihr seid der Tempel Gottes, und sein Geist wohnt in euch.“ Die „Versammlung ist das Haus Gottes im Geist“; „ein Leib und ein Geist“ (1Kor 3,16; 6,19; 2Kor 6,16; Eph 2,21.22; 4,4; 1Pet 2,4.5). Es war aber notwendig, dass unsere gerechtfertigte und verherrlichte menschliche Natur in der Person Christi in den Himmel eingegangen ist, damit der Heilige Geist von dorther herabkommen konnte, um in den von Natur armen Sündern als in seinem Tempel zu wohnen (Joh 7,37-39; 16,7). Dieser durch seinen Geist beseelte Leib konnte also nicht existieren, ehe der Geist von oben herabgesandt war. Gewiss waren alle Heiligen aller Zeiten durch den Geist Gottes gelehrt, erneuert und geheiligt – durch Ihn haben auch die Männer Gottes gesprochen –, aber es ist nie von einem unter ihnen noch von einer Versammlung unter ihnen gesagt, dass sie der Leib des Christus, seine Glieder, der Tempel seines Geistes seien.

  2. Paulus lehrt uns auch, dass die Versammlung „ein heiliger Tempel im Herrn ist, eine Behausung Gottes im Geist, auferbaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, wo Jesus Christus selbst Eckstein ist“ (Eph 2,20-22). Sind nun die Propheten, von welchen hier die Rede ist, die des Alten oder des Neuen Testamentes? (Apg 13,1; 1Kor 12; 14). Man wird sich überzeugen, dass es die Letzteren sind, wenn man darauf merkt, dass sie immer nach den Aposteln angeführt werden (Eph 2,20; 3,5; 4,11; 1Kor 12,28.29). In der letzteren Stelle ist sogar gesagt: „Gott hat in der Versammlung gesetzt: erstens Apostel, zweitens Propheten“, usw. Und in Epheser 4,11 ist es offenbar, dass diese Propheten eine Gabe des Geistes sind, welche infolge seiner Himmelfahrt gekommen sind. Es ist also in diesen Stellen von den Propheten des Neuen Testamentes die Rede. Wenn nun die Versammlung auf die Grundlage der Apostel und Propheten des Neuen Testamentes gebaut ist, so kann sie nicht die Gesamtheit aller Gläubigen von Anbeginn der Welt sein, da die meisten vor diesen Aposteln und Propheten gelebt haben und also nicht auf diese Grundlage haben gebaut sein können. Dieses bestätigt und entwickelt einigermaßen das, was wir in Bezug auf das Wort Jesu zu Petrus gesagt haben: „Auf diesen Felsen werde ich bauen, nicht habe ich gebaut meine Versammlung.“

  3. Nach den Worten des Apostels Paulus erhebt sich auch die Versammlung auf den Trümmern der Zwischenwand – die Gebote in Satzungen –, welche früher Juden und Nationen schied, als ein neuer Mensch (Eph 2,11.12). Konnte nun die Versammlung existieren, als diese Zwischenwand noch bestand? Mit anderen Worten, konnte die Versammlung, in welcher weder Jude noch Grieche ist, existieren, wenn im Gegenteil eine tiefe unüberschreitbare Kluft zwischen Juden und Nationen da war? Wird sie existieren können, wenn diese Scheidelinie, obwohl weniger bezeichnet, weniger tief, wieder bestehen wird, wie wir gesehen haben, dass es im zukünftigen Zeitlauf der Fall sein wird?

  4. Endlich sagt uns Paulus (Eph 4,11.12), dass „Christus die einen als Apostel, die anderen als Propheten, die anderen als Evangelisten, die anderen als Hirten und Lehrer zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes des Christus gegeben habe“. Wenn nun die Versammlung alle Heiligen von Anbeginn der Welt in sich schließt, woher kommt es, dass der Apostel, indem er von den Gaben spricht, welche Gott dieser Versammlung zu ihrer Auferbauung gegeben hat, nicht ein Wort von den Patriarchen, Königen und Propheten des Alten Bundes sagt? Haben diese Männer nicht zur Auferbauung der Heiligen ihrer Zeit gedient? Gewiss, aber für Paulus ist die Versammlung der Leib des Christus, der zu Pfingsten durch seinen Geist belebt wurde und der erst seit diesem Augenblick Leben hat. Deshalb spricht er nur von den Gaben und Diensten, welche seit Pfingsten durch diesen Geist mitgeteilt sind, wie der Zusammenhang es klar zeigt.

Ja, es gibt eine Versammlung, welche weder die Fortsetzung von Israel noch das wiederhergestellte Israel und die gesegneten Nationen des zukünftigen Zeitlaufs ist, sondern welche die Gesamtheit derjenigen ist, welche der Heilige Geist während der Zeit der Verwerfung Israels zu Jesus führt, um seine Braut, sein Leib, ein neuer Mensch zu sein, wo nicht ist Grieche und Jude, Beschneidung und Vorhaut, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles in allem – Christus (Gal 3,26-28; Kol 3,10.11). Weil Christus sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm und bis zum Tod am Kreuz gehorsam war, deswegen hat Ihn „Gott auch hoch erhoben, und ihm einen Namen gegeben, der über jedem. Namen ist, auf dass vor dem Namen Jesu sich jedes Knie der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen beuge, und auf dass jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes des Vaters“ (Phil 2,6-11; Eph 1,20-23).

Diese herrliche Stellung, welche sich Jesus durch seine Erniedrigung und seine Leiden zur Rechten Gottes in den himmlischen Örtern, über alle Fürstentümer und alle Macht erworben hat, ist auch die Stellung, welche seiner Versammlung, als seinem Leib, zugesichert ist. Deshalb ist gesagt: „Gepriesen sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns mit aller geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus gesegnet.“ – „Als wir in Vergehungen tot waren, hat er uns mit dem Christus lebendig gemacht – durch die Gnade seid ihr errettet – und hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christus Jesus“ (Eph 1,3; 2,5.6).

Weil wir der Leib, die Glieder dessen sind, der jetzt in den himmlischen Örtern sitzt, und weil sein Geist uns mit Ihm verbindet, so sind wir jetzt schon in gewisser Beziehung in den himmlischen Örtern. Dahin hat uns die Liebe des Vaters versetzt, als Er uns von Ewigkeit her erwählte – uns, die toten Glieder des Leibes Adams –, um uns Christus, dem Fürsten des Lebens, als seine Glieder einzuverleiben. Da ist unsere Gerechtigkeit, unser Friede, der Anker unserer Hoffnung, „unser Leben“, „mit Christus in Gott verborgen“ (Kol 3,3). Wer wird es uns rauben? (Röm 8,27-38; 10,6-8). Lasst uns mit diesen großartigen Wahrheiten uns nähren; denn nur in dem Maße, als wir dieses tun, werden wir ein Auferstehungserleben führen können als uns selbst, der Sünde und der Welt Gestorbene, als Gott Lebende, durch Jesus Christus.

Da wir der Leib des Christus sind, „seine Braut, Bein von seinem Bein, Fleisch von seinem Fleisch“, so sind wir seine Fülle, „die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“. Denn die Glieder bis zu den kleinsten hin sind die Fülle oder die Vervollständigung des Hauptes; und der Leib ist nur dann vollständig, wenn ihm keines seiner Glieder mangelt. Die Frau ist die Vervollständigung ihres Mannes, der nur mit seiner Frau vollständig ist; sie ist seine Ehre (1Kor 11,7). So ist es auch mit Christus. Er wird gewissermaßen erst der „vollkommene Mann“ sein und wird „das Maß des vollen Wuchses“ (Eph 4,14) erst dann erreicht haben, wenn sein Leib durch die Hinzufügung des letzten Gliedes vervollständigt sein wird (1Kor 12,12). Der ganze Leib wird in dieser Stelle „der Christus“ genannt. Denn wenn der zweite Adam „sich selbst seine Versammlung verherrlicht, ohne Flecken und Runzeln, dargestellt hat“, wird Er sich in ihr verherrlichen, wie geschrieben ist: „… um in seinen Heiligen verherrlicht zu werden, und bewundert in allen denen, die geglaubt haben“ (2Thes 1,10); und mit ihnen wird Er über sein Erbe, Israel und die Nationen, regieren.

Fragt man, warum der Herr die Versammlung wie auch jedes einzelne Glied zu so einer hohen Berufung, der derjenigen aller übrigen Klassen von Heiligen so weit übertrifft, berufen hat, so finden wir die Antwort allein in dem Wohlgefallen Gottes. Aus keinem anderen Grund haben wir, die wir glauben, die Liebe zur Wahrheit erhalten als aus dem, weil uns Gott „zuvor verordnet hat für sich selbst durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens“ (Eph 1,5). Wir würden umsonst einen anderen Grund der Berufung der Versammlung suchen. Man muss in einem wie im andern Fall dahin kommen zu sagen: „Ja, Vater, denn also war es wohlgefällig vor dir“ (Mt 11,26). Übrigens offenbart uns das Wort in Bezug auf den Zweck, den sich Gott hierin vorsetzte, Folgendes: „Damit er in den kommenden Zeitaltern den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte an uns in Christus Jesus erweise“ (Eph 2,7), und ferner: „… auf dass nun den Fürstentümern und Gewalten in den himmlischen Örtern durch die Versammlung die mannigfaltige Weisheit Gottes kundgemacht sei“ (Eph 3,10). Wie sehr erhebt dies noch den Gedanken, den wir uns von der Versammlung und ihrer Berufung machen können, ein Denkmal der Weisheit Gottes in den himmlischen Örtern und des überschwänglichen Reichtums seiner Gnade in den kommenden Zeitaltern zu sein!

Wenn es jemandem als Hochmut vorkommen sollte, an diese hohe Berufung zu glauben, so bedenke man, dass „die Wege Gottes nicht unsere Wege, und seine Gedanken nicht unsere Gedanken sind; sondern so viel die Himmel höher sind als die Erde, so sind auch seine Wege höher als unsere Wege und seine Ratschläge höher als unsere Ratschläge“ (Jes 55,8-9). Man bedenke vor allem, dass die wahre Demut nicht darin besteht, unter dem Vorwand der Unterwürfigkeit, die Gnade, die uns Gott darbietet, von uns zu stoßen (Joh 13,8). Denn wessen sind wir würdig? – Die Demut besteht vielmehr darin, mit Anbetung das anzunehmen, was Gott uns darreicht, indem wir es weit höher schätzen als unsere liebsten Gedanken, als die ältesten Überlieferungen und die ehrwürdigsten Belehrungen. Lasst uns in diesem Sinne die Belehrungen, welche uns das Wort über die Versammlung gibt, annehmen. Demütigen wir uns; denn was ist geeigneter, um uns zu demütigen als die Betrachtung der überschwänglichen Gnade Gottes gegenüber unserem Elend? Sollte man sich dann nicht sagen: „Was hast du, das du nicht empfangen hast, und wenn du es empfangen hast, warum rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?“ (1Kor 4,7). Lasst uns deshalb demütig, aber auch gläubig sein; lasst uns anbeten und danksagen und gestärkt sein, um würdig der Berufung, zu welcher wir berufen sind, zu wandeln, indem wir den unergründlichen Reichtum der Liebe Gottes betrachten.

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Originaltitel: „Der gegenwärtige und der zukünftige Zeitlauf“
aus Botschafter des Heils in Christo, 1857, S. 56–60
aus dem Französischen übersetzt
von der Redaktion sprachlich leicht angepasst

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