Gottes Willen im Alltag erkennen und tun
Am Beispiel von David

Christoph J. Berger

© C.J. Berger, online seit: 10.05.2021

Einleitung

Wer sich mit dem Thema Führung beschäftigt, zeigt damit, dass er sich wünscht, den Willen Gottes zu tun. Es ist im Normalfall die Liebe Christi in uns, die dies bewirkt, verbunden mit dem Wissen, dass wir aus uns selbst den vorzüglicheren Weg nicht finden können (vgl. Eph 3,14-19). Wir alle wissen, dass uns Gott einen „Brief vom Himmel“ gesandt hat, die Bibel, und ebenso den Heiligen Geist, der uns in die ganze Wahrheit leiten will (vgl. Joh 16,13). Gläubige werden dadurch geleitet (vgl. Röm 8,14).

Verschiedene Arten, wie Gott führt

Doch wie sieht dies im Alltag aus? Die Bibel gibt uns einige Lektionen, wie wir Gottes Willen erkennen können:

  • Als Paulus und Silas im Gefängnis waren, wurden sie durch eine offene Tür im Haus des Kerkermeisters geführt (Apg 16,27-34).
  • Ein andermal wurde Paulus durch traurige Umstände bzw. Unruhe im Geist geführt weiterzuziehen (vgl. Apg 20,3; 2Kor 2,12.13). Wiederum hielt er es für richtig, trotz der kommenden Schwierigkeiten nach Jerusalem zu ziehen (Apg 20,21.22).
  • Rebekka, Ruth sowie auch Jonathans Waffenträger (1Sam 14,1.7.13.14) hingegen wurden durch Gehorsam und Hingabe anderen gegenüber geführt, die dem Herrn treu dienten.
  • Barsabbas und Silas wurden ganz ähnlich geführt, nämlich durch eine Aufgabe, die ihnen übertragen wurde (Apg 15,22); David und die anderen Könige, weil sie eine Aufgabe hatten.
  • Auch keinen Impuls zu haben, kann eine praktische Hilfe Gottes sein, so wie Samuel dies bei den Brüdern Davids gemerkt hatte. Nur dadurch, dass er mit dem Herrn verbunden war, merkte er nämlich, dass noch jemand in dieser Familie fehlte, und salbte so den Richtigen zum König (1Sam 16).
  • Neben den alltäglichen Tätigkeiten eines Königs erkannte Josia eine spezielle Führung Gottes, die vielen zum Segen wurde, dadurch, dass er die Bibel las und danach handelte (vgl. 2Kön 22).
  • Und Mose konnte einen segensreichen Dienst tun, weil er die Worte Gottes einfach originalgetreu weitergab. Letzteres, das Wort Gottes, sollte ein Prüfstein für alle unsere Führungen sein, denn Gott führt uns nie gegen sich selber (vgl. 2Tim 2,13).

Schön und gut, mögen wir denken. Doch was ist, wenn wir keine solchen Hinweise haben oder sie uns gegensätzlich erscheinen und wir dennoch eine Entscheidung treffen müssen?

Die Beweggründe

Der HERR ist mit dir!“

2Sam 7,2.3: Und es geschah, als der König in seinem Haus wohnte und der HERR ihm ringsumher Ruhe verschafft hatte vor allen seinen Feinden, da sprach der König zu Nathan, dem Propheten: Sieh doch, ich wohne in einem Haus aus Zedern, und die Lade Gottes wohnt unter Teppichen. Und Nathan sprach zum König: Geh hin, tu alles, was du im Herzen hast, denn der HERR ist mit dir.

Eine ähnliche Situation erlebte auch der König David, und wir staunen alle über die Antwort, die der Prophet Nathan David gab. Er sagte: „Geh hin, tu alles, was du im Herzen hast, denn der HERR ist mit dir.“ Können wir es uns wirklich so einfach machen? Dass der Prophet Nathan dem König David eine solch freimütige Antwort geben konnte, liegt sicher auch daran, dass David keineswegs etwas wünschte, was dem Willen Gottes oder dessen Geist widersprach. Er hatte den einfachen Wunsch, Gott Ehre zu bringen, und es kam aus einer Dankbarkeit dem gegenüber, der ihm Ruhe und Wohlergehen geschaffen hatte.

Auch im Gleichnis mit den anvertrauten Talenten finden wir nicht, dass der „Arbeitgeber“ wissen wollte, wie seine Knechte die zusätzlichen Talente erworben hatten. Nur derjenige erhielt Tadel und Strafe, der seinen Herrn als einen harten Mann beschrieben hatte und deshalb nichts unternommen hatte (Mt 25,14-30). Manche Dinge, wie z.B. der Bau der Stiftshütte, wurden von Gott klar definiert und wir müssen sie nur noch ausführen. Doch auch in solchen Aufgaben gibt es in der Praxis Arbeiten, die von neuem die Weisheit Gottes erfordern und wofür Er uns seine Weisheit gegeben hat, so wie der Geist Gottes auf den Handwerkern der Stiftshütte war (vgl. 2Mo 31,2-6). In anderen Situationen beschränkt sich Gottes Wort bewusst darauf, ein Ziel bzw. Hilfestellungen zu formulieren und den genauen Weg jedem Einzelnen zu überlassen. In 2. Korinther 3,17 wird bezeugt, dass Freiheit dort herrscht, wo der Geist Gottes ist.

Davids Bewegründe waren also lauter und nicht selbstsüchtig. Sie dienten nicht dazu, seinen Reichtum oder Ruhm zu vergrößern. Ist dies bei uns auch so? Auch das ist wichtig, wenn wir in den Führungen des Herrn wandeln wollen.

„Was du in deinem Herzen hast“

Apg 13,22: Und nachdem er ihn weggetan hatte, erweckte er ihnen David zum König, dem er auch Zeugnis gab und sprach: „Ich habe David gefunden, den Sohn Isais, einen Mann nach meinem Herzen, der meinen ganzen Willen tun wird.“

Ein noch weit wichtiger Beweggrund ist unser Herz, unsere Gesinnung. Was wollen wir wirklich? Hosea musste mit seiner Frau einen Vertrag machen, weil ihr Herz untreu war (Hos 3,2.3). Gesetz war anstelle der ersten Liebe getreten. Bei Ananias und Sapphira hatte der Satan ihr Herz erfüllt (Apg 5,3), und selbst Petrus musste merken, dass sein menschliches Denken dem Satan in die Hände spielte (Mt 16,23).

Bei David war dies in dieser Situation nicht so; er wollte Gott dienen, auch wenn er so manchen Fehler hatte. Niemand zwang ihn dazu, doch er wollte alle Gebote des Herrn halten (vgl. 1Kön 11,38) und noch mehr: Er wollte Ihm ein Haus bauen, weil Gott ihm Ruhe verschafft hatte. Und dies wusste Nathan und bewog ihn dazu, dieses Wort (2Sam 7,3) zu David zu sprechen.

Auch Paulus beschreibt das Denken des geistlichen Menschen mit den Worten, dass wir Christi Sinn (d.h. Denken) in uns haben (vgl. 1Kor 2,14-16). Und je mehr wir uns mit Ihm und seinem Wort beschäftigen, desto mehr darf unser Denken nachhaltig von Ihm verändert werden (vgl. 2Kor 3,18; Röm 12,1.2; Eph 4,22-24; Kol 3,9.10; Tit 2,11.12; 3,4-7; Heb 13,21). Wenn wir aber Auflehnung und Unglaube in unserem Herzen haben, sollten wir dieses Wort nicht so leicht auf uns anwenden. Es wird nicht zur Ehre Gottes gereichen: „Der Tor spricht in seinem Herzen: Es ist kein Gott! Sie haben Böses getan, sie haben abscheuliche Taten verübt; da ist keiner, der Gutes tut“ (Ps 14,1).

„Tu alles“

„So viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wiederum zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,14.15). Wenn wir in dieser Haltung leben, so spricht Gottes Wort tatsächlich zu uns: „Geh hin, tu alles, was du im Herzen hast, denn der HERR ist mit dir.“ Gott handelt mit uns als Söhnen, die tun dürfen, was sie wollen, und nicht wie Kinder gehorchen müssen. Söhne sind naturgemäß reifer als Kinder und wissen, dass sie einen weisen Vater im Himmel haben, der nur gut ist (1Joh 2,3). Im Gegenzug lässt ein Vater einem Sohn viel mehr Freiheit, weil er weiß, dass der Sohn Entscheidungen selber treffen kann. Der Geist Gottes selbst wohnt in uns, will uns segnen und führen. Er will uns in den kleineren und großen Entscheidungen helfen, ohne dass wir uns ständig Sorgen machen müssen, dass wir einen Fehltritt machen könnten. Weil unsere Herzen in Jesus Christus verharren, d.h., weil wir im Geist wandeln, werden wir nicht das Böse vollbringen (vgl. Gal 5,16-25). Wir haben keinen Geist der Knechtschaft empfangen, sondern der Sohnschaft.

Wir sollen uns deshalb gegenseitig ermutigen, uns nicht in falscher Zurückhaltung und Demut zu gefallen: „Aus diesem Grund erinnere ich dich daran, die Gnadengabe Gottes anzufachen, die in dir ist durch das Auflegen meiner Hände. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium, nach der Kraft Gottes“ (2Tim 1,7.8). Gott sucht Arbeiter in seinem Werk und es gibt für alle genug zu tun. Er will uns seine Wunder schauen lassen, uns seine Kraft, gerade in schwierigen Situationen, erleben lassen. Wie viel wertvolle Dinge bleiben liegen, weil wir aus lauter Unentschlossenheit nur unsere eigenen Häuser bauen und das Werk Gottes brachliegen lassen (vgl. Hag 1,3-9; Hos 2,15-19)? Wie viel Segen könnten wir verbreiten, wenn wir uns freimütig in seinem Werk beteiligen?

Schritt für Schritt zum Ziel

„Auch Unkenntnis der Seele ist nicht gut; und wer mit den Füßen hastig ist, tritt fehl“ (Spr 19,2). Wenn wir mit einer Leuchte in unserer Hand durch die Nacht gehen, dann können wir oft nur den nächsten Schritt sehen. Wir müssen nicht meinen, nach einem ersten Schritt schon den ganzen Weg zu kennen. Mackintosh schrieb dazu: „Wir sollen nicht die Dinge mit erhobener Hand und starkem Willen durchsetzen wollen – mag auch unser Glaube noch so stark sein –, sondern wir sollen immer bereit sein, uns der korrigierenden Macht der ganzen Wahrheit Gottes zu überlassen.“[1]

2Sam 7,4-7: Und es geschah in jener Nacht, da erging das Wort des HERRN an Nathan, indem er sprach: Geh hin und sprich zu meinem Knecht, zu David: So spricht der HERR: Solltest du mir ein Haus als meine Wohnung bauen? Denn ich habe nicht in einem Haus gewohnt von dem Tag an, als ich die Kinder Israel aus Ägypten heraufgeführt habe, bis auf diesen Tag; sondern ich wanderte umher in einem Zelt und in einer Wohnung. Wo immer ich wanderte unter allen Kindern Israel, habe ich je zu einem der Stämme Israels, dem ich gebot, mein Volk Israel zu weiden, ein Wort geredet und gesagt: Warum habt ihr mir nicht ein Haus aus Zedern gebaut?

Nun tritt eine überraschende Wende ein. Gott selber wendet sich durch ein Wort an den Propheten Nathan. War der Wunsch, dem Herrn ein Haus zu bauen, falsch? Nein, es war nicht falsch, doch Gott hatte viel weitergehende Pläne in dieser Sache. Er denkt in viel größeren Maßstäben (vgl. Jer 29,11).

1Kön 8,18.19: Und der HERR sprach zu meinem Vater David: Weil es in deinem Herzen gewesen ist, meinem Namen ein Haus zu bauen, so hast du gut daran getan, das es in deinem Herzen gewesen ist. Nur sollst nicht du das Haus bauen; sondern dein Sohn, der aus deinen Lenden hervorkommen wird, er soll meinem Namen das Haus bauen.

2Sam 7,12-16: Wenn deine Tage erfüllt sein werden und du bei deinen Vätern liegen wirst, so werde ich deinen Nachkommen nach dir erwecken, der aus deinem Leib kommen soll, und werde sein Königtum befestigen. Der wird meinem Namen ein Haus bauen; und ich werde den Thron seines Königtums befestigen in Ewigkeit. Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein, so dass, wenn er verkehrt handelt, ich ihn züchtigen werde mit einer Menschenrute und mit Schlägen der Menschenkinder; aber meine Güte soll nicht von ihm weichen, wie ich sie von Saul weichen ließ, den ich vor dir weggetan habe. Und dein Haus und dein Königtum sollen vor dir beständig sein in Ewigkeit, dein Thron soll fest sein in Ewigkeit.

Nebst der rein zeitlichen und materiellen Dimension wollte Gott, dass wir die Bibel in prophetischer Weise verstehen können. Es würde nicht dazu passen, wenn nun David das Haus Gottes gebaut hätte, sondern es war viel passender, wenn Salomo dies täte. Zudem versprach Gott David unter anderem, sein Königtum zu befestigen und dass seine Gnade an seinem Sohn nicht enden würde.

David reagierte gemäß seinem Herzen, in dem der Herr wohnte. Er freute sich über all das Gute, was der Herr ihm geschenkt hatte, und war damit zufrieden, sich „nur“ mit den Vorbereitungen für dieses Haus zu befassen. Hatte es doch sein Meister und Gott so gut mit ihm gemeint.

Lasst uns auch hierin von David lernen! Mag sein, dass nicht alles so kommt, wie wir es uns vorgestellt hatten. Mag sein, dass wir unser trügerisches Herz noch besser kennenlernen müssen und wir in Wahrheit um einen Stein statt um ein Brot gebeten haben und Er es uns deswegen verwehrt hat. Doch in allem dürfen wir lernen, dass wir nicht ängstlich eilen müssen. Er will unser Vater sein, der uns aufrichtet und hilft. Er wartete keine 24 Stunden, um David auf seinen Plan hinzuweisen und zu verhindern, dass dieser in seinem Eifer Gottes Pläne durchkreuzt hätte. Kein Kind hat je laufen gelernt, ohne jemals hinzufallen, um danach die Hand des Vaters umso fester zu ergreifen.

Doch vielleicht hat der Herr gerade begonnen, sein Werk auszuführen, ohne dass Er uns wie Jona mit „Zaum und Zügel“ leiten musste (vgl. Ps 32,8-10)! Lasst uns deshalb die Sache des Herrn in Abhängigkeit von Ihm ohne Angst und Knechtschaft, aber mit einem bereitwilligen und offenen Herzen vorantreiben. Lasst es uns aus seiner Hand nehmen und wieder in seine Hand zurücklegen. Niemand von uns sollte dem Knecht aus dem Gleichnis gleichen, der deshalb nichts tat, weil er meinte, dass unser Herr ein „harter Mann“ sei (Mt 25,24). Nein, dies ist Er definitiv nicht und Er hat uns auch viel mehr gegeben, als wir je „zurückgeben“ könnten (vgl. 1Kor 4,6.7). So wird der Herr auch unser Handeln segnen!

„Vertraue auf den HERRN mit deinem ganzen Herzen, und stütze dich nicht auf deinen Verstand. Erkenne ihn auf allen deinen Wegen, und er wird gerade machen deine Pfade.“ (Spr 3,5.6)

 

Anmerkungen

[1] C.H. Mackintosh, Die fünf Bücher Mose, Hückeswagen (CSV) 22011, S. 887.


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...

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