Wie kann ich die Führung des Herrn in meinem Leben erfahren?
Aus alten Briefen

James Butler Stoney

© SoundWords, online seit: 01.01.2007, aktualisiert: 09.12.2018

Die Nähe des Herrn suchen

Ich habe den Eindruck, dass bei den Dingen, für die du Leitung suchst, es nicht so sehr darauf ankommt, dass du dafür betest, in welche Richtung du gehen sollst. Vielmehr erscheint es mir wichtig, dass du in die Nähe des Herrn kommst. Und je näher du bei Ihm bist, desto klarer wird alles werden. Denn du wirst bemerken, dass das, was dich am meisten beschäftigt, auch das ist, was gerade am meisten der Prüfung unterworfen ist. Wenn eine Sache dich sehr stark in Beschlag nimmt, zeigt dies nur, dass du nicht frei bist und nicht unvoreingenommen darüber nachdenken kannst. Es kommt darauf an, dass du diese Sache nicht betrachten kannst wie jemand, der unter der Macht dieser Sache ist, sondern wie jemand, der mit dem Herrn so zufrieden ist, dass er fähig ist, Gottes Rat anzunehmen, wie dieser auch immer ausfällt. Wenn wir in einer Sache um Führung bitten, in der wir zu tief drinstecken oder die in irgendeiner Weise notwendig für uns ist, dann sind wir nicht frei genug, Gottes Gedanken wahrzunehmen. Das Herz ist dann wie ein Blatt Papier, das über und über mit unseren eigenen Wünschen beschrieben ist.

Nichts ist wirklich notwendig für uns als nur Christus allein. Und wenn wir einfach in Ihm glücklich sind, dann sind wir bereit für jeden Rat, den Er uns geben mag. Er kümmert sich um uns hier in der Wüste, weil sie eine Wüste ist und wir bestimmte Bedürfnisse darin haben. Aber wir verstehen seine Anordnungen dann am besten, wenn wir zuerst in seiner Fülle zufrieden sind. Wenn ich sehr glücklich in Ihm bin, außerhalb all dessen, was ich hier brauche, dann bin ich sicher, dass, so wie ich im Glauben meinen Weg gehe, ich vor dem bewahrt werde, was ein Hindernis für meine Gemeinschaft mit Ihm sein würde. Ich habe dann ein feines Empfinden dessen, was Er ist, und deswegen merke ich schnell, was nicht passend für Ihn ist.

Ich glaube, der einzige Weg, solche Dinge, die zu dem natürlichen Bereich gehören, richtig zu beurteilen, ist der, dass ich beurteile, ob es irgendeine Distanz zwischen dem Herrn und mir hervorruft. Und es ist natürlich klar, dass nur in dem Maß, wie ich die Nähe zu Ihm kenne und pflege, ich auch merken kann, wenn etwas dort stört. Eine Sache, die durch jemand gefühlt wird, der sehr nahe bei dem Herrn ist, wird derjenige überhaupt nicht empfinden, der diese Nähe nicht hat.

Das große Ziel und der Wert des Wartens auf den Herrn ist, dass ich mir sicher bin, was seine Gedanken über eine Angelegenheit sind, und, wenn ich sie kennengelernt habe, dann auch danach zu handeln. Wenn ich, nachdem ich seine Gedanken erforscht habe, nicht danach handle, verliere ich die Sicherheit, dass es sich um seine Gedanken handelt, und werde egozentrisch, anstatt auf dem Weg zu gehen, den Er für mich vorgesehen hat. Meine Erkenntnis wird dann zu einer theoretischen Angelegenheit und verliert den Praxisbezug. Dadurch leidet die Gesundheit meiner Seele.

Ein glückliches Zusammentreffen von Umständen gibt dem natürlichen Empfinden Auftrieb, aber wir müssen sorgfältig darauf achten, dass dies nicht an die Stelle des Glaubens tritt, obwohl solche Dinge manchmal den Glauben bestärken können. Der Herr segne dich und helfe dir zu lernen, wie man sowohl Überfluss hat als auch Mangel leidet. Dabei ist das Erstere schwerer als das Letztere.[1]

 

Seine Gedanken kennen und danach handeln

In Bezug auf Leitung ist der erste Punkt, den man klären muss, die Richtung oder das Thema, hinsichtlich dessen du geleitet werden möchtest. Geht es um Wohlergehen und Glücklichsein hier auf der Erde, oder geht es um Dinge, die auf dem Weg Christi liegen, wie groß auch immer das damit verbundene Leiden auch sein mag?

Im Allgemeinen wird Leitung zum eigenen Vorteil gesucht. Ich zweifle nicht, dass der Herr denjenigen hilft, die auf Ihn warten und sich nicht höher erheben können, aber das ist Leitung ganz einfach zum eigenen Nutzen. Leitung, die um des Herrn willen ist – darunter verstehe ich, wenn Er mich als seinen Diener führt, und das kann ich nur erreichen, indem ich so handle, wie Er handeln würde, wenn Er an meiner Stelle und in meinen Umständen wäre. Wenn ich wüsste, wie Er handeln würde, wenn Er an meiner Stelle wäre, dann wäre natürlich alles klar.

Die wahre Schwierigkeit ist also, herauszufinden, wie Er handeln würde, und das kann man nur erreichen, indem man die Gedanken des Herrn kennt. Das Wort informiert mich in einer ganz bestimmten Art und Weise über seine Gedanken. Es geht dabei weniger um irgendeinen speziellen Fall, sondern vielmehr darum, wie Er denkt, was seine Einstellung ist. Um einmal ein Beispiel zu nennen: Es geht nicht so sehr darum, zu wissen, was man mit einer Eiche machen kann, sondern vielmehr darum, welche Qualitäten eine Eiche hat, um welch ein Holz es sich handelt. Ich werde durch verständiges Studium des Wortes in seinen Sinn und seine Gedanken gestaltet. Aber hierbei geht es nicht einfach nur um Kenntnis einzelner Fakten, sondern um die Gedankenwelt des Herrn, die in der Bibel entfaltet wird.

Viele lesen die Bibel und sind über die Bedeutung verschiedener Texte gut informiert, aber sie haben die Gedanken des Herrn nicht begriffen – das heißt, sie wissen nicht, wie Er handeln oder fühlen würde, wenn es sich um eine spezielle Situation handelt. Wenn ich aber die Beziehung des Herrn, wie Er in Bezug auf alles hier auf der Erde denkt, nicht kenne, werde ich das Wort zwar studieren, aber es wird mir in Bezug auf Leitung nicht viel nützen. Ich studiere dann das Wort bezüglich einer Beziehung, die gegenwärtig nicht richtig ist.

Wenn ich für einen verworfenen König handeln müsste, dann ist klar, dass ich nicht auf dieselbe Art und Weise geleitet werden kann, wie wenn ich für Ihn handeln müsste, wenn Er regiert. Um es ganz deutlich zu sagen: Wenn du nicht die gegenwärtige Beziehung Christi zu diesem Schauplatz hier siehst und vielleicht davon ausgehst, dass die Beziehung dieselbe ist wie zu der Zeit, als Jesus auf der Erde war, dann kannst du in Bezug auf seine Gedanken heute keine Leitung haben. Viele Christen sehen Ihn in dieser Beziehung; sie sehen Ihn nur als das Lamm Gottes, von Gott auf diese Erde gesandt. Nur wenn jemand wirklich so handeln möchte, wie Er handeln würde, und die Beziehung, die Er heute zu den Dingen hier hat, nicht erkennt – nicht erkennt, dass diese Beziehung heute völlig anders ist als damals –, dann wird jeder Schritt, den er für den Herrn tut, selbst wenn er die Billigung durch sein Wort hat, offenbaren, dass hier ein großer Mangel besteht. Solch ein Mensch versucht, so zu handeln, wie Christus in einer Beziehung zu den gegenwärtigen Dingen gehandelt hätte, die einmal ganz passend war, die aber jetzt nicht mehr stimmt. Dann kann es sein, dass du das Schwert benutzt wie David oder großen irdischen Pomp wie Salomo.

[Anm. d. Red.: So hängt zum Beispiel unsere Auffassung bezüglich Wählen und politischer Mitarbeit viel mehr von unserer Erkenntnis über die Beziehung Christi zur Welt ab als von verschiedenen Bibelstellen. Unsere Auffassung über den Gebrauch von bestimmten Dingen – Musik, Architektur, Liturgie in der Gemeinde, die Frage von Ältesten, die Stellung von Wundern – hat u.E. auch weniger mit bestimmten Bibelstellen zu tun als mit dem Verständnis über die Verbindung, die Christus heute zur Gemeinde hat.]

Es gibt also drei Dinge, die für die Leitung notwendig sind:

  1. dass du gehorsam bist und im Herzen bereit, so zu handeln, wie Er handeln würde;
  2. dass du seine gegenwärtige Beziehung zu den Dingen hier auf der Erde verstehst;
  3. dass du dir seine Gedanken aus dem Wort als Ganzem erarbeitest. Denn es ist die Erkenntnis seiner Gedanken, die unseren Wegen die Farbe und Schönheit verleiht, die seiner Schönheit entspricht.[2]

 

In Abhängigkeit von Gott, nicht von den Umständen handeln

Wie kann ich wissen, dass ich von Gott bezüglich eines bestimmten Ortes geleitet wurde, um dort meinen Handel oder meinen Beruf auszuüben? Als Erstes muss ich mich vergewissern, dass ich wirklich frei bin, irgendwohin zu gehen, mit der Absicht, dort meinen Beruf auszuüben. Ich meine damit, dass ich nicht vorher schon als Diener Christi auf der Erde sozusagen in Dienst genommen bin. In solch einem Fall habe ich nicht die Freiheit, irgendeinen Ort zu wählen, außer für seinen Dienst. Ephesus war ein hervorragender Ort für das Gewerbe des Paulus. Thessalonich war im Gegensatz dazu ein sehr schlechter Platz, und doch durfte Paulus als Christi Diener nicht in Ephesus bleiben, sondern musste in Thessalonich bleiben.

Wenn dieser Punkt klar ist, dann ist der nächste Schritt, dass ich in Abhängigkeit von Gott losgehe und nicht in Abhängigkeit von dem, was Menschen mir versprechen mögen. Da gibt es die Bestätigung in meiner Seele, dass seine Hand mit mir ist. Ich suche dann nicht nach Hilfe oder Versprechen von Menschen, um mir Sicherheit zu verschaffen. Ich mag sie hinterher bekommen, damit sie mir bestätigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Aber das Erste und Einfachste ist die Zusicherung, dass mein Vater den Weg für mich kennzeichnet, damit ich hierhin statt dorthin gehe. Es kann sein, dass ich nichts sehe, was mich begünstigt und bestätigt, und viel, was mich entmutigt. Aber der Glaube wird durch eine Hungersnot nicht überrascht, das hießt, wenn er nichts Bestätigendes sieht. Er vertraut auf Gott, und Gott bringt seinen eigenen Willen am Ende in mir zur Ausführung. Es gibt gewisse Dinge, die, wenn ich das so sagen soll, zum Glauben gehören. Wenn ich einen Ort im Glauben wähle, dann tue ich das nicht über meine gegenwärtigen Verhältnisse. Denn wenn ich von Gott abhängig bin, dann stürze ich mich nicht in Schulden. Ich weiß, dass Er das Mehl im Topf davor bewahren kann auszugehen. Wenn ich im Glauben bin, werde ich nicht versuchen, „groß rauszukommen“. Ich bin wahrhaftig in allem, weil ich von Gott abhängig bin. Wie Ruth kann ich an einem heißen Sommertag auf dem Feld Ähren auflesen, weil ich weiß, an wen ich geglaubt habe und dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Noch einmal, ich versuche nicht, das zu tun, wozu ich nicht befähigt bin. Nicht nach dem Motto „Das Glück begünstigt den Tapferen“. Tapferkeit ist kein Glaube und doch ist der Glaube tapfer. Aber das führt jemand nicht dazu, anzunehmen, er solle das tun, wozu er nicht geeignet ist, es gut zu tun.

Wenn ich also im Glauben handle, bin ich bestimmt sorgfältig und fleißig und bereit zu lernen. Gerade meine Abhängigkeit von Gott spornt mich an, geduldig zu sein und fleißig in dem, worin ich glaube, dass Er es als meine Arbeit für mein tägliches Brot hier auf der Erde bestimmt hat. Je mehr Glauben ich habe, desto mehr werde ich ausharren können, wenn es schwierige Umstände gibt. Ich glaube auch, dass – wenn ich durch Christus in seiner Gnade berufen bin, um Ihm zu dienen – Gott mich dann hindern wird, wo immer ich auch hingehe, um meinen Beruf auszuüben, bis ich seinen Dienst über alles stelle. Wenn ich Gehalt bekomme, dann soll ich es nur verdienen, um es „in eine Tasche mit Löchern zu tun“. Wenn ich für mich selbst wähle und in die Welt gehe, um wohlhabend und reich zu werden, dann wird Er meinen Becher eines schönen Tages umstürzen und mein Herz belehren, dass Beerseba Rechobot vorzuziehen ist (s. 1Mo 26,22.32).[3]

 

Dem Herrn gefallen – nicht dem eigenen Willen folgen

Der große Trost im Leben eines Christen ist, dass er hauptsächlich mit der Gegenwart zu tun haben muss. Ein natürlicher Mensch arbeitet nach dem Maß seiner Fähigkeit und seines Ehrgeizes für eine Zukunft. Er hat nämlich sein Ziel noch nicht erreicht. Zwar hat der Christ sein Ziel auch noch nicht erreicht, aber es ist ihm sicher. „Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten, … und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seid.“

  • Unsere vergangene Geschichte können wir nicht mehr ändern.
  • Was unsere Sünden betrifft: Gott wird ihrer nicht mehr gedenken.
  • Was die Besonderheiten unserer Natur betrifft, wo der eine so und der andere so ist und wo es nicht um Sünde geht, sondern um persönliche Eigenschaften: Sie müssen durch den Geist Gottes geleitet werden und nicht durch unseren Eigenwillen, der böse ist.

Wenn ich keinen Willen habe und der Geist Gottes mich so leitet, dass mein Leib ein lebendiges Schlachtopfer ist, werde ich in jedem Moment das Richtige tun.

Gott hat den Menschen aufrichtig geschaffen. Was wir für einen richtigen Wandel brauchen, ist, vom Geist geleitet zu werden statt von unserem eigenen Willen. Die Leitung des Geistes ist nicht streng, obwohl sie von der Leitung durch unseren eigenen Willen sehr verschieden sein kann. Alles, was meinem Wohlsein als Geschöpf Gottes förderlich ist, wird der Geist empfehlen und stützen, wenn ich Ihm allein unterwürfig bin; wogegen es mit meinem eigenen Willen schon seltsam ist: Das eine Mal schlägt er die größte Rücksichtnahme auf mich selbst vor, und das andere Mal, um eine bestimmte Belohnung zu erreichen, empfiehlt er sogar das mutwillige Opfer der Gesundheit. Die Geschichte des Christen besteht aus Handlungen – den Taten, die im Leib getan werden; und alle diese Handlungen beeinflussen seine Stellung im Reich. Deswegen ist jede Handlung wichtig und jede Handlung ist gut oder schlecht je nach ihrem Urheber. Der Geist Gottes heißt vom Grundsatz her weder Entsagung noch Genusssucht gut.

Die Wege der Weisheit sind wirklich die Wege der Freundlichkeit und des Friedens. Wenn ich etwas brauche, kann der Geist demgegenüber nicht gleichgültig sein. Es kann sein, dass ich um des Dienstes des Herrn willen etwas Bestimmtes zu ertragen habe; zum Beispiel kann es sein, dass ich durchnässt werde, wenn ich einen Krankenbesuch mache; aber wenn meine Arbeit dann getan ist, wird der Geist mich leiten, Erholung zu suchen und zu genießen.

Krankheit ist normalerweise eine Zucht, sei es, um eine natürliche Fähigkeit zu unterdrücken, wo der Wille eine größere Zugangsmöglichkeit hat, oder um Geduld in mir hervorzubringen, die ein großes Kennzeichen der Kraft des Geistes in mir ist. So sind die täglichen Pflichten im Leben eines Christen sehr interessant; nicht, dass du ständig darüber nachdenken solltest, was du gerade tust, sondern vielmehr, ob du dir sicher bist, dass du es für den Herrn tust. Hier liegt nämlich der wahre Unterschied. Der (eigene) Wille denkt nur an seine sofortige Befriedigung; der Geist denkt daran, dem Herrn wohlzugefallen. Das Ergebnis ist sehr kennzeichnend. Wenn du den Herrn mit deinem Handeln erfreust, hast nicht nur du selber Gewinn gehabt, während du handelst, sondern du hast auch das Band zu Ihm verstärkt. Wenn du dagegen deinem eigenen Willen nachgehst, hört das Vergnügen bei dir selbst auf. Was das Letztere angeht, magst du das Gefühl haben, dass du dein Geld gewinnbringend eingesetzt hast; bei dem Ersteren hast du es auf die beste Art und Weise investiert.

Der einzige Weg, hierhin zu gelangen, ist der, den Herrn zu deinem einzigen Gegenstand zu machen, und das wirst du erst tun, wenn Er unerlässlich für dich ist. Ruth kann ohne Noomi nichts tun, und dann lebt sie für sie und geht auf das Feld, um Ähren aufzulesen – eine sehr mühevolle Arbeit und nur etwas für Arme oder Fremdlinge; aber sie erfreute den Gegenstand ihres Herzens ebenso wie sie für ihren eigenen Bedarf arbeitete.[4]

 

Christus – unser einziger Gegenstand!?

In Bezug auf Leitung glaube ich, dass wir sie in dem Maß haben, wie Christus allein unser Gegenstand ist. Sehr oft ist die Leitung selbst unser Gegenstand. Wir sind mehr darum besorgt, uns des besten Weges zu versichern, damit wir nicht unter den Folgen unserer Fehler leiden müssen, als darum, dass wir nichts anderes so sehr wünschen, als nah bei Christus zu sein und in Gemeinschaft mit Ihm als unserem einzigen Gegenstand. Wir wissen ganz genau, dass, wenn wir irgendeinen bestimmten Gegenstand in den natürlichen Dingen haben, wir dann keine Leitung auf diesen Gegenstand hin benötigen. Wir haben ihn nämlich.

Eine Mutter weiß, dass ihr Kind ihr Gegenstand ist. Sie verlangt nicht nach Leitung bezüglich dieses Gegenstandes. Sie mag sich Leitung wünschen hinsichtlich der besten Art und Weise, wie sie für ihr Kind sorgen kann; aber weil der Gegenstand ihrer Zuneigung so klar ist, nimmt sie schnell das an, was immer ihr verheißt, das Beste für das Kind zu sein. Sie hat keine Schwierigkeiten damit, was ihr Gegenstand ist, sie weiß nur nicht genau, was diesem Gegenstand am besten dient. Und was auch immer sie tut, dass tut sie mit unmissverständlichem Bezug auf ihren Gegenstand. Das heißt also, wenn sie weiß, was diesem Gegenstand dient, dann braucht sie keine Leitung. Wenn in diesem Maße Christus so klar und unmissverständlich mein Gegenstand ist, dass Er immer ganz klar vor mir ist, dann brauche ich keine Leitung, um Ihn zu finden oder mich Seiner zu vergewissern. Mein einziges Bestreben ist, das zu tun, was Ihm gefällt. Wenn ich das weiß, ist alles einfach und glücklich. Und eines ist sicher: Wenn Er unser alleiniger Gegenstand ist, gibt es keine große Schwierigkeit, mit dem Wort Gottes in unseren Händen und dem Geist Gottes in uns das zu erkennen, was Ihm gefällt.

Nehmen wir für einen Moment an, dass wir einen falschen Weg eingeschlagen haben – und doch haben wir ihn eingeschlagen, weil wir glaubten, dass er Ihm gefallen würde, nicht weil wir ihn für einen weisen Weg hielten. In diesem Fall wäre unser eigenes Verhalten unser Gegenstand. Aber nehmen wir einmal an, wir hätten den Weg nur deswegen eingeschlagen, weil wir ihn so eingeschätzt hatten, dass er Ihm am besten gefallen würde – was ist dann die Konsequenz dessen, wenn wir uns so vertan haben? Es ist diese: Wir werden bald herausfinden, dass wir einen Fehler gemacht haben, und sehen, dass es eine Sache ist, die unpassend für Ihn ist. Der Fehler in solch einem Fall ist nicht, dass wir einem anderen Gegenstand erlaubt haben, uns zu beherrschen, sondern dass der Weg, den wir gegangen sind, sich in der Praxis als unpassend für Christus erweist. In solch einem Fall haben wir mehr auf unsere eigenen Gedanken geachtet, als seine Gedanken zu erforschen.

Einige treue Geschwister versagen gerade hierin besonders. Über ihre persönliche Hingabe gibt es keinen Zweifel. Aber sie urteilen nach ihren eigenen Gedanken und überlegen darin, wie sie Christus gefallen können. Dies ist das, was Martha tat, anstatt seine Gedanken zu erforschen, um darin zu finden, was Ihm gefällt. Manchmal ist vielleicht meine Liebe zu Ihm mein Gegenstand, aber je deutlicher Er mein Gegenstand ist, desto beständiger und näher werde ich bei Ihm gefunden, indem ich seine Gedanken verinnerliche, so wie Er sie offenbart hat. Und aus dieser Gemeinschaft mit Ihm und der Fülle seiner Mitteilungen heraus bin ich überzeugt, dass ich niemals auf eine andere Art und Weise entdecken kann, was Ihm gefällt.

Wenn Christus unser einziger bestimmender Gegenstand wäre, wie würden Schwierigkeiten und Fragen dann gelöst werden! Und wenn wir, wie die Braut im Hohelied, Ihn für einen einzigen Moment aus dem Auge verlören, dann würde es uns auch so ergehen wie ihr, dass, wenn wir Ihn wieder zu unserem Gegenstand machen, der richtige Weg sich auch wieder zeigen würde. Dann würden wir wieder jede Leitung haben, die wir wünschen; wir würden Ihm wohlgefällig und in Gemeinschaft mit Ihm sein.[5]

 

Anmerkungen

[1] „Guidance I aus Ministry of J.B. Stoney, Bd. 12, S. 226.

[2] „Guidance II“ aus Ministry of J.B. Stoney, Bd. 12, S. 227.

[3]Guidance as to a secular Business aus Ministry of J.B. Stoney, Bd. 12, S. 63ff.

[4] „The Rule of the Spirit“ aus Ministry of J.B. Stoney, Bd. 12, S. 397ff.

[5] We need Guidance to suit our Object, not to find one“, aus Ministry of J.B. Stoney, Bd. 12, S. 61–62.


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...