Das Johannesevangelium (13)
Johannes 13

William Kelly

© SoundWords, online seit: 14.09.2002, aktualisiert: 11.11.2018

Leitverse Johannes 13

Wir treten jetzt in einen neuen Abschnitt unseres Evangeliums ein: die letzten Mitteilungen des Herrn an seine Jünger, die damit abschließen, dass Er sein Herz vor dem Vater in seinem Anliegen für sie öffnet. Der ganze Trend in allen Punkten und Wegen geht dahin, die Seinen in ein wirklich geistliches Verständnis ihrer eigenen Stellung vor Gott dem Vater zu führen mit dem sich daraus ergebenden Gegensatz zu der Stellung Israels in der Welt. Das geschieht nicht als die Versammlung, sondern es ist im höchsten Maße und sehr deutlich die christliche Stellung kraft Christi, der Israel in jeder Beziehung beiseitegerückt hat. Er war im Begriff, zu seinem Vater in den Himmel zurückzukehren, und hier offenbart Er, was Er in jener Herrlichkeit für sie tun würde, während sie hier unten sind. Seine Liebe muss ein neues Gewand annehmen; aber sie ist treu, unwandelbar und vollkommen.

Vers 1

Joh 13,1: Vor dem Feste des Passah aber, als Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt zu dem Vater hingehen sollte, da er die Seinigen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende.

Er war der einzige Mensch, den kein Ereignis überraschen konnte. Alles las Er und erkannte und fühlte Er in der Gegenwart von Gott, seinem Vater. Nicht nur dass Er sich vollkommen dessen bewusst war, dass Er sterben sollte, und auch die Art, den Charakter und das Ziel dieses Sterbens im Plane Gottes und die Bosheit des Menschen und Satans kannte, sondern wir sehen hier, dass Er die unmittelbare Nähe seines Sterbens mit all den unendlichen Konsequenzen vor Augen hatte. Doch liegt bei Johannes nicht die Betonung darauf, dass der Mensch und dass Gott Ihn in jener bitteren Krise verließ; sondern die Stunde kam für sein Scheiden aus dieser Welt zu dem Vater hin, anstatt dass Er hierblieb, wie die Juden es entsprechend dem Alten Testament für ihren Messias erwarteten. Wie die anderen Evangelien die Offenkundigkeit seiner Verwerfung durch das Volk herausstellen, so sieht unser Evangelist Ihn von Anfang an verworfen und dass Er am Ende die Jünger auf den unerwarteten, nahenden Wechsel vorbereitete, wo Christus im Himmel sein würde und der Heilige Geist herabkommen würde, um in und mit den Seinen auf Erden zu sein, und wo auch Gott nicht nur für Ihn, sondern zur gegebenen Zeit und auf gegebene Art und Weise auch für sie der Vater sein würde.

Er wollte noch seine Liebe in neuer und passender Form zeigen. „Da er die Seinigen, die in der Welt waren geliebt hatte“, liebte Er sie nicht bloß bis ans Ende als eine Frage der Zeit, so wahr dies auch sein mag, sondern Er liebte sie so, dass Er jede Not auf sich nahm und alles für sie trug, wie auch immer es gedacht war, unablässig und ohne zu schwanken. Das ist die Liebe Jesu den Seinen in der Welt gegenüber, wo ständig nach ihr verlangt wird. Wir wissen, was für eine Liebe Er ihnen gegenüber bei jenem letzten Mahl zum Ausdruck brachte (Lk 22,15) und wie unendlich sie bewiesen wurde in seinem Blut und Sterben für sie als ein Lamm ohne Flecken und ohne Makel, das vor Grundlegung der Welt vorherbestimmt war, aber jetzt am Ende der Zeiten um ihretwillen, die glaubten, offenbart worden war. Aber jetzt wollte Er ihnen eine Liebe zeigen, die für sie Tag für Tag, wenn Er zu seinem Vater zurückkehren würde, ebenso stark tätig sein würde wie in dem Augenblick, wenn Er das Passah erfüllen würde, indem Er für sie starb.

Verse 2-4

Joh 13,2-4: Und während des Abendessens, als der Teufel schon dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, es ins Herz gegeben hatte, dass er ihn überliefere, steht [Jesus], wissend, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben, und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe, von dem Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich.

Die Authorized Version betrachtet den Ausdruck deipnouginomevnou als Bezeichnung für das Ende der Mahlzeit; aber ich stimme mit denen überein, die annehmen, dass es das Herannahen der Zeit für das Mahl bedeutet, was durch die wunderbare Handlung, die wir im Begriff sind zu hören, bestätigt wird. Es kann nicht bezweifelt werden, dass es gewöhnlich so war, dass man die Füße vor dem Mahl wusch und nicht nachher.

Aber wenn Jesus Wege unendlicher Liebe vor seinem Herzen hatte, so hatte der Teufel schon in das Herz des Judas Iskariot den schrecklichen Verrat seinem göttlichen Meister gegenüber, den keine kommenden und gehenden Jahrhunderte auslöschen können, gepflanzt. So war es bei Jesus: Der Hass des Feindes kam am meisten zutage, als die Liebe Gottes sich in und durch Ihn offenbarte; aber wie vernichtend war es für die menschliche Anmaßung, dass der Teufel durch einen Menschen und einen Jünger speziell wirkte: durch den engen, persönlich geehrten Nachfolger des Herrn Jesus! „Du warst es, ein Mensch mir gleich, mein Führer und mein Bekannter.“ In jener heiligen Gemeinschaft hätte er mit der Sünde und mit seiner besessenen Gier gespielt; und jetzt spornte der Teufel ihn zur Befriedigung derselben an, indem er den Sohn Gottes verraten sollte. Der Herr empfand dies zutiefst, wie wir später sehen werden. Aber hier verfolgt Er die Absicht der Liebe mit dem Bewusstsein von den Ratschlüssen und Plänen des Vaters und auch mit dem Bewusstsein, dass Er zu Gott mit der gleichen absoluten Reinheit zurückkehrte, mit der Er von dem Vater ausgegangen war. Es war nicht bloß messianische Sphäre und nicht einmal nur die Sphäre des Sohnes des Menschen. Der Vater hatte alle Dinge in die Hände seines Sohnes gegeben, und Er war im Begriff, als ein Mensch mit nicht einem einzigen Schatten über jener durchdringenden Heiligkeit zurückzukehren, die sein Kommen vom Vater, um Mensch zu werden, kennzeichnet. Er blieb immer der Heilige Gottes, und doch steht Er auf vom Abendmahl, legt seine Kleider ab, nimmt ein leinenes Tuch und umgürtet sich.

Jesus beschäftigt sich mit einem neuen Dienst, den ihre Nähe zu Gott als seine Kinder erforderte, die Entfernung der Beschmutzungen der seinen bei ihrem Wandel als Heilige durch die Welt. Dies ist die Bedeutung des Folgenden:

Verse 5

Joh 13,5: Dann gießt er Wasser in das Waschbecken und fing an, die Füße der Jünger zu waschen und mit dem leinenen Tuch abzutrocknen, mit welchem er umgürtet war.

Man beachte sorgfältig, dass es hier um Wasser geht und nicht um Blut. Der Leser des Evangeliums des Johannes wird nicht übersehen haben, dass er viel vom Wasser und auch vom Blut spricht. So tat es der Herr, als Er den Seinen die Wahrheit darstellte, und keiner zeigt dies mehr als Johannes. Sein erster Brief charakterisiert den Herrn auch als den, „der kam durch Wasser und Blut; nicht durch das Wasser allein, sondern durch das Wasser und das Blut“. Er reinigt, und Er versühnt. Er gebraucht das Wort, um die zu reinigen, die von ihren Sünden in seinem Blut gewaschen sind. Die Apostel Paulus, Petrus und Jakobus bestehen ebenso auf dieser Wirkung des Wortes, wie Johannes es tut. Es ist unheilvoll und im höchsten Grade gefährlich, die Reinigung durch das Waschen mit Wasser durch das Wort zu übersehen. Wenn „das Blut“ die göttliche Seite ist, wenn es auch für uns ist, so richtet sich „das Wasser“ auf die Heiligen, um die Unreinheit in der Praxis zu entfernen und um eine neue Natur zu geben, die das Böse entsprechend Gott und seinem Wort richtet, wovon es das Zeichen ist, wobei sich der Blick auf den Tod Christi richtet, der dem Wasser das Maß und die Kraft verleiht. Aus seiner durchbohrten Seite kam Blut und Wasser (Joh 19).

Was diese ernste und gesegnete Wahrheit betrifft, so bleibt die Christenheit ebenso unverständig wie Petrus, als er die gnädige Handlung von dem Herrn ablehnte. Auch erkannte Petrus nicht die Wahrheit, die seine so sehr bedeutsame Tat mitteilte, bis zu dem Augenblick, wo der Heilige Geist kam, um ihnen die Dinge Christi zu zeigen. Bei der Begebenheit selbst irrte er vollständig. Und so irren die Menschen auch heute leicht, wo doch das göttliche Licht voll gegeben ist. Sie beschränken verkehrterweise sein Ausmaß auf die Lehre von der Demut. Dies sah Petrus nur, und von daher sein Fehler; denn er hielt es für eine ungeheure Erniedrigung, dass der Herr seine Füße waschen sollte; und als er von der Warnung des Herrn getroffen wurde, fiel er in das andere Extrem. Wir sind nur sicher, wenn wir seinem Wort unterworfen sind und uns selbst misstrauen.

Tatsache ist, dass seit apostolischen Zeiten (mit Ausnahme der Gründungszeit vielleicht) die Wahrheit immer entweder missverstanden oder oft zu toten Verordnungen verdreht worden ist. Protestanten ignorieren sie im Allgemeinen oder lassen sie in dem Blut Christi untergehen. Katholiken (griech., orientalische, röm. oder anglikanische) beziehen sie falscherweise auf die Taufe. Deshalb verpassen sie nicht nur einfach die besondere Lektion des Herrn über das Waschen im Wasser, sondern sie schwächen auch das Versöhnungswerk ab. Folglich ist das Nichtanrechnen der Sünde von den frühesten Vätern an bis heute nur allzu unbekannt. Die Reformatoren erwirkten in dieser Hinsicht keine Befreiung; und die Puritaner vergrößerten die Verwirrung und Finsternis, indem sie nicht Verordnungen, sondern das Gesetz als die Lebensregel auferlegten, anstatt durch den Geist des Herrn zu Christus als dem Zielpunkt Zuflucht zu nehmen, zu dem der Christ hier unten verwandelt werden soll. Der Herr litt einmal für die Sünden, der Gerechte für die Ungerechten. Die Wirksamkeit ist so vollkommen für den Gläubigen, wie es seine Person ist; und die Einheit seines Opfers ist deshalb der große Lehrsatz von Hebräer 9 und 10 als Gegensatz zu der Wiederholung der jüdischen Opfer. Durch sein einmaliges Opfer sind wir nicht nur geheiligt, sondern wir sind auf immerdar vollkommen gemacht. Gibt es späterhin bei den Heiligen kein Versagen? Doch, er mag nur allzu oft versagen. Was ist dann für solche vorgesehen? Es ist die Waschung mit Wasser durch das Wort, die der Geist als Antwort auf die Vermittlung des Sohnes bei dem Vater anwendet. Dafür gab Christus hier das Zeichen.

Der Herr fährt mit dem Werk fort, das Er vorhat:

Verse 6-11

Joh 13,6-11: Er kommt nun zu Simon Petrus, und der spricht zu ihm: Herr, du wäschst meine Füße? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber hernach verstehen. Petrus spricht zu ihm: Du sollst nimmermehr meine Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil mit mir. Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, nicht meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus spricht zu ihm: Wer gebadet ist, hat nicht nötig sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein; und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er kannte den, der ihn überlieferte; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.

In göttlichen Dingen ist die Weisheit des Gläubigen die Unterwerfung Christus gegenüber und das Vertrauen zu Ihm. Wir sind aufgerufen, das mit Dankbarkeit des Herzens anzunehmen, was Er tut, so wie Maria zu den Dienern bei dem Hochzeitsfest sagte: „Was er euch sagt, das tut.“ Das tat Simon Petrus nicht. Denn als der Herr sich Ihm näherte „in Gestalt eines Dieners“ oder als Sklave, machte er Einwände. War da nicht Glauben im Herzen des Petrus und Handeln aus Liebe? Beides ohne Zweifel, doch damals nicht in Aktion, sondern unter einem überreichlichen Gefühl menschlicher Art begraben, sonst hätte er es sich nicht gestattet, das anzuzweifeln, was der Herr für richtig ansah. Er hätte sich vielmehr der Liebe Christi gebeugt und hätte versucht zu lernen, wie Er es lehren könnte, welche tiefe Not bei ihm und seinen Mitgenossen vorliegen musste, um seinen Meister zu solch einem niedrigen und doch erforderlichen Dienst zu veranlassen. Er wusste noch nicht, dass Jesus sich noch weiter erniedrigen musste als bis zum Waschen der Füße der Jünger, ja bis zum Tode am Kreuz, wenn Gott verherrlicht werden sollte und wenn der sündige Mensch gerecht fertigt werden und mit unbestreitbarem Anspruch erlöst werden sollte.

Aber die Gnade, die jenes unendliche Werk der Versöhnung unternahm (die Grundlage, um jeder Anforderung göttlicher Art und Majestät und Gerechtigkeit im Hinblick auf unsere Schuld und zur Ehre Gottes zu begegnen), wollte für jeden Schritt auf dem Weg vorsorgen, wo es reichlich Beschmutzung gibt. So könnten wir uns der Gemeinschaft erfreuen trotz der Macht und Tücken Satans und trotz unserer eigenen Schwäche, ja trotz unseres Versagens könnte die Gemeinschaft mit Ihm im Licht und in der Herrlichkeit Gottes wiederhergestellt werden, zu dem Er zurückkehrte und wohin Ihm zur entsprechenden Zeit folgen sollen.

Petrus glaubte, aber er glaubte nicht „alles, was die Propheten geredet haben“ (Lk 24,25). Er drang nur schwach in das ein, was er später „die Leiden, die auf Christus kommen sollten, und die Herrlichkeiten danach“ nannte. Er betrachtete den Herrn weiterhin zu ausschließlich als Messias, und bis später schätzte er die Tiefen wenig, die in der Tatsache verborgen lagen, dass Er der Sohn des lebendigen Gottes war, wenn auch seine eigenen Lippen seine Herrlichkeit vorher so bekannten. Die Natur wurde zu wenig in Petrus gerichtet, so dass er jetzt noch nicht die Bedeutung und Anwendung und die Folgen hiervon schätzte, wie er es später unter der göttlichen Lehre tat, als das Kreuz den Wert oder vielmehr den Unwert der menschlichen Natur vor Gott und den Menschen bloßstellte. Er war zu selbstvertrauend, und auch kannte er wirklich nicht nur sich selbst nicht und die beschmutzende Umgebung, sondern er kannte auch nicht die Tiefen und die Beständigkeit der Liebe Christi. Deshalb sagte er zu Ihm: „Herr, du wäschst meine Füße?“ Wir geben zu, dass er noch nicht wissen konnte, was noch nicht offenbart war; aber ziemte es sich für ihn, war es ehrfürchtig, das in Frage zu stellen, was der Herr tat? Wir mögen es für Demut bei ihm gehalten haben und für Ehrerbietung gegenüber dem Herrn, dass er einen so niedrigen Dienst von seinen Händen ablehnte. Aber Petrus sollte nie vergessen haben, dass so wie Jesus niemals etwas sagte, was nicht Gottes würdig war und den Vater offenbarte, Er auch niemals etwas tat, was diesem nicht entsprach; und jetzt, wo die menschliche Bosheit, die Satan angestiftet hatte, nicht nur bei den Menschen draußen, sondern auch bei den Menschen des innersten Kreises der Seinen nach vermehrter Deutlichkeit und Nachdruck im Hinblick auf sein Fortgehen verlangte, waren seine Worte und Wege mehr als je eine Offenbarung göttlicher Gnade.

Die Wahrheit ist, dass wir von Gott lernen müssen, wie wir Ihn zu ehren haben, und dass wir lernen müssen, nach seinem Geist zu leben. Und wenn jemand denkt, dass er was wisse, so weiß er nichts, wie er es wissen sollte. Das war auch der Fehler des Petrus. Er hätte seine Gedanken beargwöhnen sollen, und er hätte in aller Ergebenheit auf Ihn warten sollen, der, wie viele bekannten, die weniger als Petrus wussten, „alles wohl gemacht hatte“ und der absolut das war, was Er redete: die Wahrheit und die Liebe in derselben gesegneten Person. Die Gedanken des natürlichen Menschen sind nie wie unsere; und Heilige schlüpfen in die Gedanken des Menschen hinein, wenn sie nicht von Gott im Glauben im Einzelnen wie auch im Ganzen gelehrt sind; denn wir können nicht in irgendeiner Hinsicht auf uns selbst vertrauen, und wir sollten es auch nicht. Gott der Vater möchte, dass der Sohn geehrt wird; und Er wird am meisten geehrt, wenn man Ihm glaubt und wenn man seiner Demut folgt. Petrus lag deshalb hier, wo er fragt: „Du wäschst meine Füße?“, ebenso falsch wie wo er es einmal wagte, den Herrn dafür zu tadeln, dass Er von seinem Leiden und Sterben sprach.

Aber der sanfte Herr antwortete in einer Fülle von Gnade und sagte zu ihm: „Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber hernach verstehen.“ War dies nicht ein ernstes, aber auch mitfühlendes Wort an Petrus, wenn er nur in der Lage gewesen wäre zu lernen? Er hätte von den Worten des Herrn entnehmen sollen, wenn er sich nicht schon sofort seiner Handlung beugte, dass es eine Bedeutung gab, die dessen würdig war, der es für von dem Vater gewollt hielt, wenn Er in treuester, demütigster Liebe den Kindern ihre Füße wusch. Er hätte noch mehr daraus entnehmen sollen, dass er das, was er jetzt noch nicht selbst wusste, hernach verstehen sollte; ich nehme an, nachdem die Dinge wirklich geschehen wären, seine Verwerfung und sein Sterben, seine Auferstehung und Himmelfahrt, wenn der Heilige Geist sie in jede Wahrheit leiten sollte.

Aber Petrus gehörte noch nicht zu denen, die von den Augen des Herrn geleitet sind, er empfand nicht die Notwendigkeit, belehrt zu werden und den Weg, auf dem er gehen sollte, unterwiesen zu bekommen. Es steckte zu viel von dem Pferd oder dem Maulesel in ihm, zu viel Notwendigkeit, mit Zaumzeug gehalten zu werden. Er vermochte es nicht von dem Herrn anzunehmen, dass er sich jetzt unterwerfen und später lernen sollte, und so verrennt er sich weiter und noch kühner in seinem Irrtum: „Du sollst nimmermehr meine Füße waschen!“ Das ist die stärkste Ablehnung, und nicht nur für dieses Leben, sondern auch für das zukünftige – für immer.

Es war ohne Zweifel Gefühl, es war Unwissenheit; aber sollte er es sich zugetraut haben, solche starken Worte zu äußern hinsichtlich der gnädigen Art und Handlung seines Meisters? Wie segensvoll, dass er mit Einem zu tun hatte und dass wir mit Einem zu tun haben, der seinen Frieden nicht so hält, dass Er die Seele mit einem Band festbindet, der weiß, wann und wie Er das törichte und sogar Gott entehrende Wort vertreiben soll, so dass es nicht da steht und dass es der Seele vergeben wird! Siehe 4. Mose 30. Der Herr machte die Worte des Petrus in dem Augenblick, wo Er sie hörte, in der Gnade, die jeden Fehler verbessert und die alle unsere Ungerechtigkeit trug, vollkommen ungültig.

„Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil mit mir.“ Eine ernste Aussage, nicht nur für Petrus allein, sondern für alle, die dieselbe gnädige Vorkehrung von seiner Seite vernachlässigen, die vergessen oder nie eingesehen haben, dass sie das nötig haben. Es geht nicht so sehr um das Leben als um die Gemeinschaft, um ein Teil mit Christus eher als um ein Teil in Ihm, wenn dies auch nicht wirklich voneinander zu trennen ist. Christus war im Begriff, in den Himmel zu Gott zu gehen. Petrus und die Übrigen würden noch auf der Erde sein und von Beschmutzungen auf dem Weg umgeben sein. Christus wollte in seiner Liebe den Seinen gegenüber nie nachlassen, aber Er wollte auch nicht aus ihrem Versagen Licht machen. Von daher die Notwendigkeit, die Füße der Jünger zu waschen, die so sehr dazu neigen, beim Wandeln durch die Welt beschmutzt zu werden. Und dies wird durch das Wort, das durch den Geist auf das Gewissen angewandt wird, fortgeführt. Der Gläubige beugt sich, er richtet sich selbst, und er wird praktisch gereinigt. Seine Gemeinschaft wird wiederhergestellt, und er kann sich Christi erfreuen. Er hat Teil mit Ihm.

Durch die Warnung des Herrn beunruhigt, verfällt sein Diener spontan in das andere Extrem: „Herr, nicht meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt.“ Jetzt kann Petrus nicht zu viel davon bekommen. Er sucht, ganz gebadet zu werden, als wenn der Wert all seines vorherigen Waschens verschwinden könnte und er es erneuern müsste, wie wenn es nie geschehen wäre. Aber das ist nicht der Fall. Um das Reich Gottes zu sehen und hineinzukommen, muss man wiedergeboren werden, geboren aus Wasser und Geist. Aber dies wird niemals wiederholt. Die Wiedergeburt erlaubt keine solche Wiederholung. Es war falsch, anzunehmen, dass, wenn man von Gott geboren ist, nichts sonst braucht, dass Beschmutzungen weder einen Gläubigen befallen können noch dass sie, wenn sie es tun, irgendwelche Folgen haben.

Was Simon so in seiner Unwissenheit dachte und sagte, hat eine gewisse religiöse Schule in ihrer Anmaßung zur Lehre gemacht. Aber dies ist nicht wahre Erkenntnis Gottes. Wenn das Gesetz die Überschreitung bestraft, so verdammt die Gnade die Sünde noch viel tiefergehender. Es ist unmöglich, dass irgendein System religiösen Dogmas von Gott sein könnte, das so das Böse ignoriert und darüber hinweggeht. Aber Simon Petrus, der von einer Gefahr auf dieser Seite überführt ist, fällt in eine andere Gefahr auf der anderen Seite. Und als er dazu gebracht ist anzuerkennen, dass die Waschung notwendig ist, um mit Christus Teil zu haben, fordert er sie sogar für den Gläubigen wie für den natürlichen Menschen. Und hier stellt eine andere Schule ihr entsprechendes Dogma auf, die dem Gläubigen die Tatsache des Gläubigseins abspricht, wenn er unglücklicherweise beschmutzt werden sollte, und die darauf besteht, dass er wieder von neuem anfangen muss, vielleicht viele Male in seinem Leben. So wird das ewige Leben als ein gegenwärtiger Besitz in Christus hinweggetan, ebenso wie die ständige Verantwortung, die aus der ständigen Gemeinschaft eines Kindes Gottes sich ergibt. Demnach könnte man oft verloren sein und oft geistlich gerettet werden!

Der Herr korrigiert im Voraus beide Schulen, indem Er Petrus verbessert: „Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern er ist ganz rein; und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er kannte den, der ihn überlieferte; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.“ So rückt Er einfach, aber in vollkommener Weise jede Wahrheit auf ihren entsprechenden Platz und in ihre entsprechende Beziehung zu allem Übrigen. Die Gnade wird aufrechterhalten, aber ebenso auch die Gerechtigkeit. Über keine einzige Sünde wird leichtfertig hinweggegangen. Kein einziger Gläubiger hat Grund zur Entmutigung; bei jedem Zukurzkommen setzt sich der Herr neu ein, ein neuer Beweis der Liebe, die ihn niemals loslässt, sondern ihn segnet trotz der Vernachlässigung, mit der er den Herrn loslässt. Aber Er wird ihn niemals loslassen; Er wäscht die Füße dessen, der schon ganz gebadet ist, damit er ganz rein sein kann. So bleibt die Wiedergeburt bestehen und wird niemals erneuert, denn sie bleibt wahr und gut; während der Fehler dessen, der wiedergeboren ist, unter Christi aktive Liebe und Fürsprache kommt und die Seele dahin gebracht wird, sich selbst zu richten, um die Gemeinschaft wiederherzustellen. Wiederum ist es bei Judas nicht so, dass das ein Fall ist, wo jemand das Leben verliert, sondern hier wird offenbar, dass er niemals von Gott geboren war, wie es auch wirklich keine Schriftstelle jemals behauptet. Es war nicht ein Schaf Christi, das unrein wurde, sondern ein Hund, der zu seinem Gespei zurückkehrt, ja weit mehr, wegen solcher Nähe Ihm gegenüber, dessen innige Gemeinschaft er aus Gewinnsucht missbrauchte, um Ihn seinen Feinden zu verraten.

Es ist von sehr großer Bedeutung, zusammen mit der Versöhnung das Waschen mit Wasser durch das Wort festzuhalten. Sonst wird das Blut Christi von seinem wirklichen Ziel und seiner Wirkung vor Gott abgelenkt und praktisch ein Hilfsmittel im Falle des Versagens.

Lasst uns Calvin hören als einen einflussreichen Zeugen des Irrtums, der darin liegt, wo er von dem Wort der Versöhnung in 2. Korinther 5,20 („Lasst euch versöhnen mit Gott!“) ausgehend lehrt, dass Paulus sich hier an Gläubige wendet, anstatt dass er die Botschaft der Gnade der Welt offenbart. So schreibt Calvin:

Er prägt ihnen jeden Tag diese Botschaft ein. Christus litt deshalb nicht bloß, um einmal unsere Sünden zu sühnen. Und das Evangelium wurde nicht bloß im Hinblick auf die Vergebung der Sünden verkündigt, die wir vor der Taufe begingen, sondern damit wir, wie wir täglich sündigen, so auch durch eine tägliche Vergebung von Gott in seine Gunst aufgenommen werden können. Denn dies ist eine fortdauernde Botschaft, die bis ans Ende der Welt ständig in der Kirche erklingen muss; und das Evangelium kann nicht gepredigt werden, wenn nicht die Vergebung der Sünden verheißen wird. Wir haben hier eine ausdrückliche und passende Erklärung, um das unfromme Vertrauen der Papisten zu widerlegen, die uns auffordern, die Vergebung der Sünden nach der Taufe von irgendeiner anderen Quelle zu suchen als von der Versöhnung, die durch den Tod Christi bewirkt wurde. Nun wird diese Lehre in allen Schulen des Papsttums gelehrt – dass wir nach der Taufe die Vergebung der Sünden durch Buße erlangen mit Hilfe der Schlüssel (Mt 16,19) –, als wenn die Taufe selbst die Vergebung ohne Buße verleihen könnte. Mit dem Ausdruck Buße meinen sie jedoch Rechtfertigung. Aber was sagt Paulus hier? Er fordert uns auf, nach der Taufe ebenso wie vor der Taufe zu der einen Versöhnung zu nahen, die durch Christus geschehen ist, damit wir wissen dürfen, dass wir sie immer frei erhalten. Weiterhin ist all ihr Reden von der Verwaltung der Schlüssel sinnlos, da sie Schlüssel ersinnen, die mit dem Evangelium nichts zu tun haben, während sie nichts anderes sind als das Zeugnis einer freiwilligen Versöhnung, die wir in dem Evangelium erhalten haben. (Comm. Epp. an die Kor., Calvin Soc. 2, 240, 241).

Es ist klar, dass diese Lehre falsch ist. Sie wendet nicht nur den Dienst am Evangelium gegenüber Sündern auf Heilige an, sondern sie rückt als Folge davon ihre Versöhnung auch als eine große vollendete Tatsache beiseite. Es ist nicht wahr, dass der Apostel diese Botschaft jeden Tag an Gläubige richtet. Er erklärt im Gegenteil, dass das Werk vollbracht ist und dass die Anbetenden, die einmal gereinigt sind, kein Bewusstsein mehr von Sünden haben. Es geht nicht darum, Sünden oder Fehler anzurechnen, auch geht es nicht um Gottes Gericht später über sie. Das Versagen untergräbt die ständige Gemeinschaft des Christen auf der Grundlage des Friedens, der durch das Blut am Kreuze Christi gemacht ist, und die ständige und bleibende Würdigkeit, das Erbteil der Heiligen in dem Lichte zu teilen, und schließt dies aus (Kol 1,5).

Das eine Opfer Christi versöhnt nicht bloß einmal unsere Sünden, sondern hat den Geheiligten auf ewig vollkommen gemacht. Der Katholik begegnet der Not, die sich durch das Versagen nach der Taufe ergibt, mit der Buße mit Hilfe der Schlüssel; der Protestant mit einem neuen Nahen zu dem Opfer Christi. Dabei sind die einen ebenso unwissend wie die anderen hinsichtlich des Waschens der beschmutzten Füße durch das Wort als Antwort auf die Fürsprache Christi bei dem Vater. Die ständige Botschaft erfolgt durch die Diener des Herrn, um das Evangelium der Welt zu verkündigen. Es gibt nicht so etwas, dass Gott den Gläubigen durch eine tägliche Vergebung in seine Gunst aufnimmt. Es mag die Notwendigkeit geben, die Unreinheit des Fleisches oder Geistes zu entfernen, die die Gemeinschaft hindert; aber das setzt die Grundlage einer ungestörten Versöhnung und der Gunst in der wir stehen, voraus. Dass der Christ es nötig hat, wieder versöhnt zu werden, dass der Ruf „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ an sündigende Gläubige ergeht, beweist, dass Calvin, so fähig er auch war und wenn er auch selbst ein Heiliger war, nicht einmal die elementare und bestimmte Wahrheit des Evangeliums kannte. Dies machte für den entgegengesetzten Irrtum des Arminianismus die Bahn frei, der sich etwas folgerichtiger auf denselben Irrtum gründet, dass der versagende Gläubige neu anzufangen hat, als wenn das ewige Leben keine Bedeutung hätte und das Blut Christi keine ewige Wirksamkeit. Beide Systeme sind falsch.

Die Wahrheit rückt alles auf den richtigen Platz. Das Blut Christi behält seinen unwandelbaren Wert vor Gott in opfermäßiger und gerichtlicher Hinsicht. Aber der versagende Gläubige ist nicht zu entschuldigen und hat es nötig, seine Füße zu waschen. Das Wort muss moralisch an ihm wirken, muss Selbstgericht und Bekenntnis hervorbringen; und der Herr schaut darauf in seiner alles beobachtenden Gnade und greift seinen Fall in lebendiger Liebe bei dem Vater auf. Auch der Geist hat seine eigene besondere Funktion, indem Er hier nicht Freude an der Gemeinschaft mit Christus in den Dingen Christi hervorruft, sondern Trauer und Schmach, Schmerz und Erniedrigung, indem Er dem Menschen seine eigenen Wege ins Gedächtnis ruft: Heftigkeit, Leichtsinn, Stolz, Eitelkeit und vielleicht Korruption oder Beleidigung. Denn wessen ist das nicht gerichtete Fleisch nicht fähig? Durch jenes Wort der Wahrheit wurde er von Gott geboren, wurde er zum Selbstgericht in seinem Licht erweckt; durch dasselbe Wort wird jede Beschmutzung Tag für Tag gerichtet, und das wird umso schmerzlicher, als der Geist die Seele daran erinnert, was Christus für die Sünden litt, die das Fleisch so leicht nimmt.

Aber weit davon entfernt die Gemeinschaft zu lösen, ist das Gefühl der Nichtübereinstimmung mit ihr und mit der Gnade, die sie uns so teuer und mit souveräner Liebe erkauft hat, das, was am allermeisten die irrende Seele versucht und demütigt. Das Fleisch möchte am allerliebsten seinen Weg gehen und seinen Vergnügungen huldigen, und die Seele möchte wieder anfangen; aber Gott hält den Gläubigen an einer Gemeinschaft fest, die, wenn sie echt ist, ewig ist und die deshalb jedes Vergehen zu einer noch schlimmeren Sünde macht, weil es sich nicht gegen das Gewissen und gegen die Gerechtigkeit allein richtet, sondern auch gegen die reiche Gnade, die Gott in Christus zeigen konnte. Wir wurden durch den Tod seines Sohnes zu Gott versöhnt. Es gibt keine Wiederholung der Versöhnung und auch keine Wiederholung der Wiedergeburt. Die Vergebung der Sünden durch sein Blut ist vollkommen, und deshalb gibt es kein Opfer mehr für die Sünde. Das eine und einzige Opfer, das helfen konnte, ist gebracht und angenommen. Aber es gibt, wann immer es nötig ist, eine neue Anwendung von „Wasser durch das Wort“. Und dies wirkt immer an der Seele. Das Wort deckt auf, während es die Beschmutzung entfernt, und wendet so den Tod Christi auf den Menschen an, wie das Blut mit den Sünden vor Gott tat. So wird das Werk heilig durchgeführt, ohne dass die einzige Grundlage für den Frieden eines sündigen Menschen und für die göttliche Ehre abgeschwächt wird.

Verse 12-17

Joh 13,12-17: Als er nun ihre Füße gewaschen und seine Oberkleider genommen hatte, legte er sich wiederum zu Tische und sprach zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch getan habe? Ihr heißet mich Lehrer und Herr, und ihr saget recht, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, eure Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, auf dass, gleichwie ich euch getan habe, auch ihr tuet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch ein Gesandter größer, als der ihn gesandt hat. Wenn ihr dies wisset, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut.

Zweifellos war die Demut des Herrn bei dem Waschen der Füße seiner Jünger ohne Frage, und dass Er wollte, dass sie es so pflegten, hatte Er ihnen ernst und in den klarsten Ausdrücken, wie wir es in allen synoptischen Evangelien sehen, aufgetragen. Aber dann ist da eine andere und tiefere Belehrung. Die Erneuerung ihrer Beschmutzungen beim Wandeln durch die Welt steht vor seinem Geist, jetzt wo Er im Begriff ist, sie zu verlassen; und dahin gehend wollte Er ihre Herzen durch die Frage prüfen: „Wisset ihr, was ich euch getan habe?“ Es ist in der Tat seine Art, uns nachher das Gute zu lehren, das Er uns schon getan hat; und wenn wir zu Ihm hin in der Wahrheit wachsen, schätzen wir besser, was wir am Anfang nur flüchtig verstanden. Die Gnade lehrt uns, ebenso wie sie zu unseren Gunsten wirkt; und es ist demütigend, herauszufinden, wie wenig wir verstanden haben, während ihre Bemühung niemals aufgehört hat. Aber wie gut und stärkend ist es, ihre Wege und ihre Lektionen zu lernen!

Der Herr verstärkt als Nächstes das, was Er getan hatte, indem Er auf die Namen eingeht, die sie Ihm gewöhnlich gaben. „Ihr heißet mich Lehrer und Herr, und ihr saget recht, denn ich bin es“: Einer, dem man gehorcht und der lehrt, wie es nur dort sein konnte, wo seine persönliche Herrlichkeit bekannt ist. Wenn Er sich dann in Liebe herabließ, ihre Füße zu waschen, was schuldeten sie dann nicht einander? Es ist nicht nur so, dass wir dem Herrn im Evangelium dienen sollen. Daran werden alle erkennen, sagt Er später in dem gleichen Kapitel, dass ihr Meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. Hier, wo wir am meisten dazu neigen, zu versagen, ist es jedoch ein bestimmter Aufruf, seine Gnade zu teilen, indem wir die Wiederherstellung voneinander suchen, wo das Versagen eingetreten ist. Auf der einen Seite ist Glaube und Selbstverleugnung und göttliche Liebe nötig. Gleichgültigkeit in dieser Hinsicht offenbart unser eigenes Versagen. Aber auf der anderen Seite ist die Gerechtigkeit, die den anderen richtet, so weit wie möglich davon entfernt, die Füße zu waschen. Sie ähnelt eher der Peitsche als dem Dienst von Tuch und Waschbecken. Und sicherlich, wenn Gnade nötig ist, um das Waschen zu ertragen, so muss noch ein weitaus größeres Maß davon vorhanden sein, um selbst die Füße zu waschen. Deshalb sagt der Apostel: „Brüder! Wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt wird, so bringet ihr, die Geistlichen, einen solchen wieder zurecht im Geiste der Sanftmut.“ Wo das Fleisch gerichtet wurde, konnte die Liebe noch mächtiger handeln und mit noch tieferem Empfinden dafür, dass alles Gnade ist. Das eigene Ich ist das größte Hindernis, um mit den Fehltritten eines anderen fertig zu werden.

Der Dienst der Liebe in jeder Form war die Absicht, die in Christus war. Deshalb fordert Er sie auch hier auf zu überdenken, was sie zuerst gesehen hatten: „Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, auf dass, gleichwie ich euch getan habe, auch ihr tuet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch ein Gesandter größer, als der ihn gesandt hat. Wenn ihr dies wisset, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut.“ Der Herr kannte von Anfang an das Ende, und Er wusste, wie bald sein Dienst in eine weltliche Institution herabsinken würde und ein Titel des Stolzes werden würde, anstatt ein Werk des Glaubens und eine Arbeit der Liebe zu sein. Deshalb war seine ernste Betonung nötig als ein bleibendes Zeugnis für all die Seinen, die sich so stolz in einer Welt eitler Schau und Selbstsucht bewegen, dass sie sein Wort vergessen und von seinem Weg abweichen. Aber seine Warnung bleibt; seinen Dienst abzulehnen, dass Er die Füße der Seinen wäscht, bedeutet, sich über den Herrn zu stellen und einen größeren Platz zu beanspruchen als den Platz dessen, der sogar einen Apostel sendet. Oh, wie segensvoll ist es doch, diese Dinge zu tun und zu wissen! Es ist die Gemeinschaft seiner Liebe in einer ihrer innigsten Formen; und die Liebe ist von Gott, und jeder, der Gott liebt, ist von Gott geboren und kennt Gott.

Der Hinweis, der Vers 10 abschloss, weitet sich zu den mehr und mehr ernsten Mitteilungen in Wort und Tat, die folgen, aus. Es ist nicht mehr Christi Liebe, die sich um die Seinen kümmert, entweder ein für alle Mal im versöhnenden Selbstopfer an Gott für sie, das in seiner Wirksamkeit ewig ist, oder in dem ununterbrochenen Reinigen durch sein Wort, denn für sie starb Er auf Erden und Er lebt für sie im Himmel, damit sie praktisch mit der Gemeinschaft der Gnade vereint sein könnten, in die sie gebracht worden waren trotz der Beschmutzungen auf dem Weg. Hier ist es die ungläubige Gleichgültigkeit der Natur mit einem Gewissen, das im steigenden Maß durch die Nachsicht gegenüber einer Gewohnheitssünde verseucht ist, die Satan im Begriff war, zum Hochverrat gegen Christus anzulocken und zu verblenden, wobei sie sich der innigsten Gemeinschaft bediente, um den Herrn und Meister, den Sohn Gottes, zum erbärmlichsten Preis eines Sklaven zu verkaufen – Ihn in die Hände der Feinde zu verkaufen, die nach seinem Blut dürsteten. Es mag nicht der Hass dieser Menschen sein; es ist äußerste Lieblosigkeit, dass man Ihn verrät, der zu dieser Zeit mehr als je zuvor seine Liebe zeigte und bewies, nicht nur bis zum Tod und im Tod, sondern im darüber hinaus ewig bleibenden Leben. Jetzt stürzt der Unglaube, der zwar Augen und Herz hat, aber doch solche Liebe nicht sieht und nicht fühlt, kopfüber in Satans Betrug und Macht hinein. Dies sehen wir in trauriger Weise bei Judas; und keiner empfand den Schmerz so wie der Herr.

Verse 18-22

Joh 13,18-22: Ich rede nicht von euch allen, ich weiß, welche ich auserwählt habe; aber auf dass die Schrift erfüllt würde: „Der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse wider mich aufgehoben.“ Von jetzt an sage ich es euch, ehe es geschieht, auf dass ihr, wenn es geschieht, glaubet, dass ich es bin. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, wen irgend ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Als Jesus dies gesagt hatte, ward er im Geiste erschüttert und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern. Da blickten die Jünger einander an, zweifelnd, von wem er rede.

Der Herr wartete damals und wartet heute auf aktive Liebe unter den Seinen. Wenn sie Gegenstände einer Liebe waren, die niemals täuschen konnte, so wollte Er sie als Instrumente oder Kanäle derselben untereinander haben, und dies im Hinblick auf das Böse, um es zu entfernen, wo die Gesetzmäßigkeit nur verdammen konnte. Er selbst war der Sohn und doch der Knecht in Liebe, und Er wollte sie in dem Dienst der Liebe üben, wo die Beschmutzung sie sonst zurücktreiben würde.

Aber so wie Er kam, um für unsere Sünden zu leiden, so ging Er auch hinweg, um uns, während wir auf Erden sind, in seinen eigenen Geist und seine eigenen Empfindungen durch die Gnade zu formen und um uns dabei von jedem Weg zu reinigen, der den Heiligen Geist betrüben könnte, mit dem wir versiegelt sind bis zum Tag der Erlösung. Denn es geht nicht allein um das Entfernen der Schuld bei einem Gläubigen, sondern um die Wiederherstellung der Gemeinschaft eines Gläubigen, wann immer sie durch eingelassene Sünde unterbrochen wurde. Und bei diesem letzteren Handeln der Liebe wollte Er, dass sich die Seinen umeinander kümmerten. Aber Er sprach nicht von allen Jüngern, die damals anwesend waren: eine traurige Voraussage von dem, was in späteren Zeiten noch viel mehr vorkommen würde! Er wusste, wen Er auswählte: Judas war nicht unter solchen, wenn er auch berufen war, ein Apostel zu sein. Er hatte den Herrn niemals erkannt und wusste wirklich nichts von seiner Gnade oder seinem Geist und war nicht von Gott geboren. Warum dann war er zu jenem Platz der Ehre, zum Aposteltum mit der unmittelbaren und ständigen Gemeinschaft mit dem Herrn hier unten auserwählt worden?

Es war nicht so, dass sich der Herr über seinen Charakter, seinen Lebenswandel oder die kommende Katastrophe nicht im Klaren war, sondern auf dass die Schrift erfüllt würde, „der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse wider mich aufgehoben“. Jeshurun wurde zu alten Zeiten fett und schlug aus; er vergaß Gott, seinen Schöpfer und schätzte den Felsen seines Heils wenig. Judas ging in seiner schuldigen Gleichgültigkeit gegenüber dem Sohn Gottes, der in Liebe und Demut herabgekommen war, und in seiner Sucht, sich selbst um jeden Preis zu dienen, noch unvergleichlich weiter, und er verriet seinen gnädigen Meister für einen Spottpreis. Niemals gab es solch eine Liebe, niemals gab es solch eine Nachlässigkeit und solch ein Missbrauch derselben, und dies bei einem derjenigen, die besonders dafür verantwortlich waren, treu zu sein. Ohne Zweifel würde dies durch die Macht Satans geschehen; aber das Fleisch setzt sich diesem aus, und das umso mehr wegen der äußeren Nähe gegenüber dem Herrn, dem man nicht glaubt zur Errettung. Hierbei kommt höchst fühlbar und verhängnisvoll die harte Niederträchtigkeit des unerneuerten Herzens zutage, und zwar gegen die Gnade des Herrn über alles. Wenn also die Jünger in Gefahr waren, durch den Abfall solch eines Menschen verwirrt zu werden, so hatte die offenbare Erfüllung der Schrift die Absicht, ihren Glauben an jedes geschriebene Wort Gottes zu stärken. Dadurch lebt der Mensch gottgemäß: Brot, Geld und irgendetwas hier unten mag der Anlass seines Verderbens sein. Wie wunderbar ist die Geduld, die zwar alle von Anfang an kannte, aber doch alle bis zum Ende trug, ohne gegen den Verräter die Stirn zu runzeln oder vor ihm zurückzuschrecken! Aber umso vernichtender muss das Gerichtsurteil sein, wenn es von seinen Lippen kommt, von den Lippen des Herrn der Herrlichkeit, des gehassten und verachteten Sohnes des Menschen.

Der Herr grenzt alte Weissagungen ab, die bis dahin nur auf andere angewandt worden waren, wie hier auf David in Bezug auf Ahithophel. Aber der Heilige Geist schrieb vornehmlich von Ihm; und Er zitiert auch vor dem Ereignis das Wort, das sich bei dem Verrat Ihm gegenüber bewahrheiten sollte. So bewies der Herr zugleich seine vollkommene und göttliche Kenntnis dessen, was in der Zukunft lag, während Er den unschätzbaren Wert der Schrift und nicht am wenigsten auch den Wert der noch nicht erfüllten Weissagung lehrte, was in jeder Form den Unglauben von Gläubigen wie auch von Ungläubigen traf. Denn wer kennt nicht die angenommenen Grundsätze, die den finsteren und zweifelhaften Charakter unerfüllter Weissagung annehmen, die die Weissagung sogar bei den Propheten und noch mehr bei den Psalmen und dem Gesetz ablehnt? Die Menschen sollten sich wenigstens scheuen, Ihm, der sich selbst für die Wahrheit erklärt und der redete, wie niemals ein Mensch tat, die Lüge in den Mund zu legen. Sie hatten Grund, sich zu fürchten, wenn sie sich von Ihm zu lügnerischen Nichtigkeiten abwenden, die weit davon entfernt sind, ihre Huldiger am Tag der Not zu retten, und die sich sicherlich als Spreu erweisen werden und selbst verbrennen werden und alle mit ihnen, die ihnen vertrauen. Jesus ist im Gegenteil niemals so klar der Messias, als wenn Er im Voraus auf das Wort der Schrift weist, das sich in seiner eigenen Verwerfung und seinem Sterben am Kreuz erfüllen soll, und wenn Er darin einen sichereren Grund des Segens für den Ärmsten der Sünder bietet als in all den Herrlichkelten seines Königreiches, die sich zur entsprechenden Zeit erfüllen werden.

Dann gebraucht der Herr seine übliche Redewendung größter Feierlichkeit und verknüpft die Aufnahme der von Ihm Gesandten mit sich selbst und mit seinem Vater. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, wen irgend ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ Es war umso wichtiger, dass dies hier hinzugefügt wurde, als einige ihren Stand vor Gott wegen des schrecklichen Unterganges von Judas, als und wo sie davon erfuhren, in Frage stellen könnten. Der Herr tröstet solche und wendet sich von der Beschäftigung mit dem gefallenen Knecht zu dem Meister, der in Ewigkeit derselbe bleibt, wie es auch der Vater tut. Verriet Judas den Herrn? Das besiegelte sein eigenes Verderben, aber es berührte nicht die Autorität und auch nicht die Gnade Christi und Gottes selbst. Wenn sie einen aufnahmen, den Christus sandte, wie auch immer sein Ende sein mochte, so nahmen sie den Sohn und den Vater auf, anstatt an der Schuld oder Gefahr der Bestrafung des Knechtes teilzuhaben, der seinen Meister zu seinem Verderben entehrt.

Daraufhin zeigte der Herr seine tiefste Empfindung und fuhr fort, die Sünde einzuengen, indem Er ihre schlimmste Form auf nur einen der Jünger beschränkte. „Als Jesus dies gesagt hatte, ward er im Geist erschüttert und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern.“ Es war Heiligkeit, es war Liebe, die sich so das drohende Unheil über Judas zu Herzen nahm. Der Herr empfand es in jedem Gesichtspunkt – in sich selbst, in seinem Widerstand gegen Gott, in seiner Bedeutung für andere wie auch für Ihn selbst und in seiner Schrecklichkeit für den elenden Schuldigen. Es ist nicht Eigensucht, sondern Liebe, die sich mit der echtesten Empfindung verband; und der Herr drückte es auch als ein Zeugnis aus: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern.“ Sie waren alle sündig; aber einer, und nur einer allein, war so dabei, eine Beute Satans und das Werkzeug seiner Bosheit gegen den Herrn zu werden. Ihre Zweifel waren so ehrenwert wie sein Platz in ihrer Mitte jetzt eine Lüge gegen die Wahrheit war. Wenn er sich jetzt mit den anderen zusammentat, um sich einander anzuschauen, so war das Heuchelei; denn er konnte nicht wirklich bezweifeln, von wem Jesus redete. Doch kein Erröten und kein Erblassen verriet Judas. Die Jünger mussten zu anderen Mitteln greifen, um die traurige Wahrheit zu erfahren.

Die Ankündigung eines Verräters unter den Zwölfen verwirrte die Jünger und führte zu ängstlichem Denken, indem sie einer auf den anderen schauten. Was für ein Zeugnis für seine vollkommene Gnade, der Er das die ganze Zeit gewusst hatte und kein Zeichen des Misstrauens oder der Abscheu gegeben hatte! Wie ernst ist das für die Helligen, die es mit demselben unwandelbaren Christus Tag für Tag zu tun haben! Nichts stürzt mehr in die Hände des Feindes als missbrauchte Gnade und nachlässig geduldete Sünde, während man äußerlich in der Gegenwart des Einzigen ist, dessen Leben das absolut tadelt. Lasst uns ein wenig die Szene betrachten.

Verse 23-30

Joh 13,23-30: Einer aber von seinen Jüngern, den Jesus liebte, lag zu Tische in dem Schoße Jesu. Diesem nun winkt Simon Petrus, damit er forschen möchte, wer es wohl wäre, von welchem er rede. Jener aber, sich an die Brust Jesu lehnend, spricht zu ihm: Herr, wer ist es? Jesus antwortete: Jener ist es, welchem ich den Bissen, wenn ich ihn eingetaucht habe, geben werde. Und als er den Bissen eingetaucht hatte, gibt er ihn dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr alsdann der Satan in ihn. Jesus spricht nun zu ihm: Was du tust, tue schnell. Keiner aber von den zu Tische Liegenden verstand, wozu er ihm dies sagte. Denn etliche meinten, weil Judas die Kasse hatte, dass Jesus zu ihm sage: Kaufe, was wir für das Fest bedürfen, oder dass er den Armen etwas geben solle. Als nun jener den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Es war aber Nacht.

Man sieht Petrus und Johannes oft zusammen. So beugt sich hier in ihrer Verwirrung Simon Petrus zu Johannes hinüber, der bei Tisch in dem Schoße Jesu lag; denn jener Johannes und kein anderer war jener bevorzugte Jünger, was man ohne Zweifel aus Johannes 19,26; 20,2; 21,7.20.24 entnehmen kann. Und wie wahr ist es von dem Geist, dass einer, der sich solcher Gunst erfreut, sich selbst nicht als solchen Menschen beschreibt, der Jesus liebt, wenn er dieses auch wirklich tat, sondern als einen von Ihm geliebten Menschen, und dies auch als der Jünger, den Jesus liebte. Er lässt hier wie anderswo seinen Namen als von geringer Bedeutung aus, wenn er auch am Ende, wo es nötig ist, klar beschrieben wird und dort genannt wird, wo die Menschen die Urheberschaft ableugnen könnten, wie sie es getan haben! Es ist die innige Gemeinschaft mit Jesus, die Geheimnisse sammelt, sie aber zum Wohle anderer weitergibt. Johannes lehnte sich zurück an die Brust Jesu und fragt, wer es ist; und der Herr antwortet, nicht im Wort allein, sondern mit einem Zeichen, das auffallend Psalm 41,9 entspricht, wenn hier auch die Innigkeit noch größer ist.

Im Falle des Judas verhärtete jenes Zeichen der Liebe das Gewissen nur noch mehr, das so lange durch geheime Sünde eingeschläfert worden war, die aus dem Herzen jegliches Gefühl der Liebe ausgeschlossen hatte. Gerade dass er damit vertraut war, wie Christus durch die Fallen und Gefahren einer feindlichen Welt hindurchging, mögen ihm die Vorstellung gegeben haben, dass es jetzt bei seinem Meister auch so sein würde, während er selbst die Belohnung seines Verrates ernten könnte; und die Kenntnis von seiner Gnade mögen ihn, ohne dass er selbst ein Herz dafür hatte, dazu verleitet haben, auf Gnade zu hoffen, die, wie er wusste, niemals auch dem Schuldigsten versagt worden war. Der Augenblick kommt, wo heilige Liebe für ihn unerträglich wird, der niemals etwas darum gegeben hat; und die Sünde, die er vorzog, verblendete seinen Geist und verhärtete sein Herz für das, was sonst sogar den stursten Menschen berührt hatte. „Und nach dem Bissen fuhr alsdann der Satan in ihn.“ Der Teufel hatte es ihm schon ins Herz hineingelegt, den Herrn zu überliefern; jetzt, nachdem er ohne Abscheu oder Selbstgericht das letzte Zeichen der Liebe seines Meisters empfangen hatte, fuhr der Feind in ihn. So offen bezeichnet zu werden, mag in ihm Zorn geweckt haben, der schon in normalen Fällen die Bahn für den Teufel freimacht; vielmehr aber in seinem Fall, der er unfehlbare Gnade mit Füßen getreten hatte und so seine Herrlichkeit ganz vergaß, da er immer für Gottes Natur und seine eigene Sünde unempfänglich gewesen war. „Jesus spricht nun zu ihm: Was du tust, tue schnell“, d.h. schneller, als es seine Heuchelei, in die Zweifel der Jünger einzufallen oder sich mit dem zu vereinen, was vor ihren Herzen war, verlangte.

Niemals überlässt Gott Satan so einen armen Menschen, so elend und sündig dieser auch ist, bis dieser seine Liebe und Heiligkeit und Wahrheit ablehnt, die sich über alles in dem Herrn Jesus und in diesem Evangelium zeigt. Hier kann Er gerichtlich verhärten, und Er tut es, und zwar zu nicht wiedergutzumachendem Verderben, aber erst nachdem das Herz sich für die Appelle seiner so sehr gnädigen Güte verhärtet hat. Doch ist gerichtliche Verhärtung aufseiten Gottes eine Wirklichkeit, was auch immer diejenigen sagen mögen, die nicht gerne frei und voll die Tätigkeit Gottes auf der einen Seite und die Satans auf der anderen Seite zugeben mögen. Um nichts besser ist die entgegengesetzte Schule, die die ernste Tatsache der Verantwortlichkeit aus dem Gewissen zu verbannen scheint, sei es bei einem normalen Menschen oder bei einem Christen oder, wie hier, bei einem, der zwar in unentfernter menschlicher Finsternis steckte, aber doch sich so dem Sohn Gottes, dem persönlichen Ausdruck von allem Licht und aller Liebe Gottes im Menschen, näherte.

Wir haben schon gehört, wie tief unser Herr die Sünde des Judas empfand, als der Augenblick herannahte und der Plan in seinem Herzen entstand. Jetzt nimmt das Urteil seinen Verlauf, das die Tür des Lebens auf Erden für den Heiland schloss und das ewigen Zorn über Judas heraufbeschwor. Doch die Jünger warteten und horchten, ohne das Schreckliche der Dinge, die in der Schwebe hingen, zu kennen. Nicht einmal Johannes drang in die Bedeutung der Worte ein, die so bald allen klarwerden sollten. Es ging nicht darum, Dinge zu kaufen, die notwendig waren, sondern darum, ihren Herrn und Meister zu verkaufen; es war keine Vorbereitung für das Fest, sondern das, worauf das Fest, und nicht sie, immer hingewiesen hatte, die Erfüllung der Absicht und des Planes Gottes, die darin lag, wenn es auch die Juden waren, die ihren eigenen Messias kreuzigten durch die Hand gesetzloser Menschen; es ging nicht darum, dass Judas etwas den Armen geben sollte – das war das Letzte, was seinen Geist beschäftigen würde –, sondern es war so, dass Er, der reich war, jetzt doch um unseretwillen arm werden sollte, damit wir durch seine Armut reich würden. Es war die schlimmste Sünde eines Menschen, die schlimmste Sünde eines Jüngers; es war Gottes unendliche Liebe. Beides traf beim Sterben des Herrn am Kreuz zusammen; aber wo die Sünde überströmend geworden ist, ist die Gnade noch überschwänglicher geworden.

Judas, „als er den Bissen genommen hatte, ging alsbald hinaus“. Was für eine Finsternis lastete von da an auf seiner Seele! „Es war Nacht“, sagt unser Evangelist. Und jene Nacht senkte sich mit ihren Schrecken immer mehr auf den treulosen Menschen, der erst dann sein nicht wiedergutzumachendes Unrecht erkannte, als es geschehen war, bis diese Nacht damit endete, dass er sich selbst richtete.

Der Herr empfand den Ernst des Augenblicks und sah von Anfang an den Weg und das Ende. All die wunderbaren, ewigen Folgen seines Todes lagen vor Ihm ausgebreitet; und jetzt, wo Judas fort ist, bringt Er die Wahrheit in göttlichen vollkommenen Worten frei zum Ausdruck.

Vers 31

Joh 13,31: Als er nun hinausgegangen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm.

Sein eigenes Kreuz steht voll im Blickfeld, und dort wurde die Grundlage für jede wahrhaft bleibende Herrlichkeit gelegt, nicht allein für Gott (wenn auch sicherlich für Gott, denn es kann keine wirkliche Herrlichkeit geben, wo Er nicht im Mittelpunkt steht), sondern auch für den Menschen in der Person des Herrn, des Sohnes des Menschen, der allein gezeigt hatte, was der Mensch für Gott sein sollte, wie Er auch gezeigt hatte, was Gott ist, ja was der Vater ist in Ihm, dem Sohn. Es ist wirklich ein Thema von unvergleichlicher Tiefe, dass der Sohn des Menschen verherrlicht ist und dass Gott in Ihm verherrlicht ist; und keine Aussage anderswo, wenn auch von denselben Lippen, sollte dies zeigen und ergründen, wenn auch jede Aussage für ihr eigenes Ziel vollkommen war, wie diese hier vor uns. 

Als in Johannes 12 einige Griechen zu dem Apostel Philippus kamen, die den Wunsch hatten, Jesus zu sehen, und Andreas und Philippus es Jesus sagten, antwortete Er ihnen, indem Er sagte: „Die Stunde ist gekommen, dass der Sohn des Menschen verherrlicht werde.“ Und sogleich spricht Er mit der ernstesten Betonung über seinen Tod als die Bedingung des Lebens für andere. So allein sollte Er viel Frucht bringen. Andernfalls blieb das Weizenkorn allein. Ein lebendiger Messias ist die Krone der Herrlichkeit für Israel; ein verworfener Messias, der Sohn des Menschen, öffnete durch seinen Tod sogar für die Heiden die Tür in die himmlische Herrlichkeit und ist fortan das Vorbild. So wahr es ist, dass das Leben in dieser Welt zu lieben, bedeutet, es zu verlieren, so heißt es, das Leben hier zu hassen, es zum ewigen Leben zu bewahren. 

Ihm, der starb, nachzufolgen, ist deshalb der Weg, Ihm zu dienen, die Ehre des Herrn zu sichern und mit dem himmlischen Meister und Herrn zu sein. Durch den Tod nimmt Er den Platz ein, nicht den Platz des Sohnes Davids entsprechend der Verheißung (wenn Er dies auch nach dem Evangelium des Paulus in Gnaden tut), sondern den Platz des Sohnes des Menschen, und so ist alles und sind alle, Griechen nicht weniger als Juden, den Ratschlüssen Gottes gemäß Erben Gottes und Miterben Christi. Es gab keinen anderen Weg, dass die Schuld ausgelöscht und der Himmel geöffnet würde und dass sich die daran freuen könnten, die einst verlorene Sünder waren. So folgt die himmlische Herrlichkeit der moralischen Herrlichkeit; und jede Hoffnung – das wird bei den Heiden besonders deutlich – hängt ab von Christi Gehorsam bis zum Tod, wo Satans Macht vollkommen zerbrochen und das Gericht Gottes vollkommen befriedigt wurde. Denn wenn die Welt darin gerichtet und der Fürst dieser Welt ausgestoßen wurde, so wird der am Kreuz erhöhte Christus der Anziehungspunkt der Gnade für alle trotz ihres Abfalls, ihrer Finsternis und ihres Todes.

In Johannes 17 schaut der Sohn auf den Vater, den Er verherrlicht hatte, damit der Vater Ihn im Himmel verherrlichen könnte. Er war Sohn, bevor die Zeit begann; Er hatte deshalb natürlich Herrlichkeit bei dem Vater, bevor die Welt war. Aber Er hatte den Platz eines Knechtes in Menschengestalt auf Erden angenommen und bittet jetzt, dass der Vater Ihn bei sich selbst verherrlichen möge mit der Herrlichkeit, die Er bei Ihm in Ewigkeit hatte. Als ein Mensch für alle Ewigkeit würde Er alles vom Vater empfangen, obgleich Er Sohn von Ewigkeit war; und wenn Er verherrlicht wird, so geschieht das, damit Er den Vater verherrlichen kann. Das ist vollkommene Liebe und vollkommene Ergebenheit.

Deshalb spricht Er in Johannes 13 von dem Sohn des Menschen, der verherrlicht ist, und von Gott, der in Ihm verherrlicht ist. Das hat seine ganz besondere Ausdruckskraft. Der erste Mensch war durch die Sünde ein Objekt der Scham und des Gerichtes; der zweite Mensch, Jesus Christus, der Gerechte, wurde verherrlicht, und Gott wurde in Ihm verherrlicht. Er sieht das alles am Kreuz zusammengefasst, und so spricht Er zu den Jüngern, jetzt, wo das Fortgehen des Verräters sein Herz freimachte, um alles mitzuteilen, was es erfüllte. Es war nicht der Vater als solcher, der glühend von seinem Sohn verherrlicht wurde in einem Gehorsam, der keine Grenze kannte außer dem Willen seines Vaters, sondern ein Mensch, der verworfene Messias, der Sohn des Menschen, der sich um jeden Preis der Herrlichkeit Gottes unterwarf. Das war wirklich die Herrlichkeit des Sohnes des Menschen, dass Gott, wie Er war, in Ihm verherrlicht werden sollte. Gelobter Erlöser! Was für ein Gedanke und jetzt was für eine Tatsache und Wahrheit, die Wahrheit, die uns kundgemacht ist, damit wir nicht bloß wüssten, dass Gott zu uns gekommen ist, sondern dass wir selbst zu Gott gebracht sind, und zwar in Frieden und Freude, weil der Mensch in der Person Christi verherrlicht ist und Gott in Ihm verherrlicht ist als Mensch, der Mensch Christus Jesus.

Denn in der Tat und in der Wahrheit ist Gott am Kreuz verherrlicht, wie sonst nirgendwo - seine Liebe, seine Wahrheit, seine Majestät, seine Gerechtigkeit. Hierin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, auf dass wir durch Ihn leben möchten. Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass Er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden (1Joh 4). Und seine Wahrheit, seine Majestät und Gerechtigkeit sind nicht weniger als seine Liebe aufrechterhalten worden; denn wenn Gott den schuldigen Menschen mit Tod und Gericht bedrohte, so trug Jesus alles, wie ein Mensch es niemals konnte, auf dass sein Wort voll gerechtfertigt würde. Niemals bewies der Mensch seine Feindschaft Gott gegenüber so, niemals bewies Satan seine Macht über den Menschen so, wie an dem Kreuz, wo der Sohn des Menschen sich in höchster Ergebenheit und selbstaufopfernder Liebe zur Ehre Gottes dahingab. Nirgendwo zeigte sich die Helligkeit Gottes und die Unmöglichkeit für Ihn, Sünde zu ertragen, in diesem Maße. Nirgendwo zeigte sich solche Liebe zu Gott und solche Liebe zu dem Sünder. Der Sohn des Menschen wurde verherrlicht, und Gott wurde verherrlicht in Ihm.

Wann oder wo wurde Jesus so verherrlicht wie da, wo Er sich zum Äußersten herabneigte, als Gott Ihn zur Sünde machte, der keine Sünde kannte, damit wir die Gerechtigkeit Gottes in Ihm werden könnten? Wo neigte Jesus, der die Wahrheit des Todes und das Gericht empfand, wie keiner sonst jemals es vermochte, sein Haupt nicht bloß unter dem verachtenden Hass des Menschen und Satans Tücke, sondern auch unter Gottes Zorn gegenüber der Sünde – verachtet von den Menschen, verabscheut von dem Volk, verlassen von den Jüngern, verlassen von Gott, als Er am allermeisten Trost bedurfte, als Er seinen Willen vollkommen tat und erlitt in dieser einzigen unbesiegten Festung der Macht des Feindes – zur Ehre Gottes und in seiner Gnade? Nein, es gibt nichts, was diesem gleichkommt, alles war vollkommen in dem Leben Christi. Das bedeutete, den Vater zu verherrlichen im Hinblick auf das Gute, in einer Ergebenheit und Abhängigkeit, mit der keiner sich vergleichen kann; das war ein Verherrlichen Gottes im Hinblick auf das Böse durch das Erdulden alles dessen, was der Heilige Gottes an alledem erleiden konnte, was Gott in schonungslosen Gericht auferlegen konnte und musste – und beides, das eine wie das andere, geschah in absolutem Gehorsam und Liebe und Selbstverleugnung zu seiner Ehre. Und all dies und mehr als das – gelobt sei Gott! – sehen wir in dem Menschen, dem Sohn des Menschen, damit in Ihm, in jener Natur, die von Anfang bis Ende schlimme Entehrung und Rebellion hervorgebracht hatte gegenüber Gott, Gott verherrlicht werden könnte: „Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm.“

In jener Person und durch jenes Werk wurde alles umgewälzt. Die Grundlage wurde gelegt, der Same wurde ausgesät für eine vollkommen neue Weltordnung. Vorher übte Gott nicht nur mit den Menschen, sondern auch mit den Heiligen Nachsicht, indem Er auf Ihn schaute, der kommen sollte; und die Sünden wurden nicht eigentlich vergeben, sondern aufgeschoben (Röm 3,25), wenn wir mit dogmatischer Richtigkeit sprechen möchten. Der Mensch war ganz schlicht und simpel ein Schuldner der Gnade Gottes. Auch möchten wir nicht für einen Augenblick abschwächen, dass der Mensch auch heute noch ein Schuldner seiner Gnade ist und es immer sein muss. Aber es gibt heute in der Kraft des Todes Christi eine Offenbarung, eine neue und andere unendliche Wahrheit, dass Gott ein Schuldner des Sohnes des Menschen ist, da Er Ihn verherrlicht hat hinsichtlich des Bösen wie auch des Guten; da Er nicht nur jede Gerechtigkeit erfüllt hat, sondern auch für alle Ungerechtigkeit gelitten hat. Diese Offenbarung geschieht allein an dem Kreuz, das ihre besondere Herrlichkeit darstellt, die immer vor den Augen des schwachen Menschen dahinschwindet, bis alles vom Licht Christi in Herrlichkeit erfüllt ist, und Gott der Vater antwortete auf den Ruf „Verherrliche deinen Namen!“: „Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn auch wiederum verherrlichen.“ Und so tut Er es, und Er wird es immer tun, wenn es auch für eine kleine Weile oft anders aussehen mag.

Seine Gerechtigkeit, ein einst so gefürchtetes Wort, das (wie es ohne Christus nicht anders sein konnte) gegen uns stand, ist jetzt durch seinen Tod genauso eindeutig für uns wie auch ihre Quelle, die Gnade, die durch sie zum ewigen Leben herrscht. Und wir rühmen uns in der Hoffnung auf seine Herrlichkeit, die ohne den Tod Christi sofortige und ewige Vernichtung für uns gewesen wäre; ebenso sicher, wie wir durch den Glauben Zugang haben zu seiner Gnade, in der wir als etwas Gegenwärtiges stehen. O, was hat nicht der Tod Christi für Gott und für uns vollbracht?

Deshalb fügt der Herr hinzu: 

Vers 32

Joh 13,32: Wenn Gott verherrlicht ist in ihm, so wird auch Gott ihn verherrlichen in sich selbst, und alsbald wird er ihn verherrlichen.

Wenn wir es in Ehrfurcht so ausdrücken dürfen, so ist es Gott jetzt, der für die Rechtfertigung seiner Herrlichkeit und Ehre Schuldner des Menschen geworden ist, der am Kreuze litt. War Er nicht von Ewigkeit zu Ewigkeit Gott, nicht weniger als der Vater? Und doch wurde Er ganz echt und wahr Mensch, und als Mensch, als Sohn des Menschen – was Adam nicht war –, brachte Er Gott sogar im Hinblick auf die Sünde Ehre dar. Deshalb ist es so, dass Gott, nachdem Er in Ihm verherrlicht war, nichts anderes tun konnte, als Ihn in sich zu verherrlichen. Dies hat Er getan, indem Er Ihn (nicht auf Davids Thron, sondern) auf seinen eigenen Thron im Himmel setzte, was die einzig angemessene Antwort auf das Kreuz war. Dort hat Er sich allein auf Gottes Thron gesetzt, der Sohn, aber ein Mensch; und dies „alsbald“. Gott konnte und wollte nicht warten und wartete auch wirklich nicht auf das Reich, das sicherlich kommen wird und Christus in ihm, wenn die entsprechende Zeit kommt. Aber das Werk Christi war zu kostbar, um eine Verzögerung zuzulassen, und Gott hatte lange verborgene Ratschlüsse, die in der Zwischenzeit ans Tageslicht kommen sollten. Deshalb sollte Er Christus alsbald verherrlichen; und so ist es, wie wir alle jetzt wissen, so seltsam es auch für die jüdische Erwartung damals scheinen mochte.

Nicht nur sein Tod stand vor den Augen des Herrn, sondern auch sein Fortgehen aus der Welt – ein Begriff, der dem jüdischen Geist in Verbindung mit dem Messias vollkommen neu war. Je mehr solch eine Seele an Ihn glaubte, dass Er der Verheißene wäre, desto weniger konnte man begreifen, dass Er den Ort verlassen sollte, den zu segnen Er gekommen war. „Wir haben aus dem Gesetz gehört“ , antwortete das Volk kurz vorher, „dass der Christus bleibe in Ewigkeit, und wie sagst du, dass der Sohn des Menschen erhöht werden müsse?“ Dort hatte Er den Juden nicht allein seinen Tod mitgeteilt, sondern auch, was für ein Tod es sein sollte und dass Er sich aus ihrer Mitte zurückziehen würde. Eine neue Schöpfung und eine himmlische Herrlichkeit gingen über ihren Gesichtskreis hinaus. Aber hier bereitet der Herr seine Jünger voller auf das vor, was dann kommen würde und was jetzt gekommen ist: Tatsachen, die für uns einfach genug sind, die wir damit jeden Tag zu tun haben, aber die in Israel ganz und gar unerwartet waren, denn Israel rechnete damit, dass das Reich sofort erscheinen würde, und es rechnete nicht mit unsichtbaren und ewigen Dingen, mit denen umzugehen unser Glaube berufen ist.

Vers 33

Joh 13,33: Kinder, noch eine kleine Weile bin ich bei euch; ihr werdet mich suchen, und wie ich den Juden sagte: Wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen, so sage ich jetzt auch euch.

Niemand war bis dahin diesen Weg gegangen. Es musste ein neuer, lebendiger Weg sein, und nur sein Tod konnte ihn möglich machen, in Übereinstimmung mit Gott oder mit den Menschen. Aber die Seinen haben einen Anspruch auf Liebe; und wenn Er nur noch eine kleine Weile bei ihnen sein sollte, so würden sie Ihn suchen. Der Himmel war jedoch in keiner Weise dem Menschen zugänglich wie die Erde, aus deren Staub sein Leib gemacht war. Christus war von Gott gekommen, und Er ging zu Gott, wie Er später wiederkommen wird, um uns zu sich zu holen, damit wir auch dort seien, wo Er ist. Aber der Christ ist nicht mehr fähig, dorthin zu gehen, wie irgendein anderer Mensch; Christus allein kann irgendjemand dorthin bringen, wie Er es auch sicherlich mit den Seinen bei seiner Wiederkunft machen wird.

Aber in der Zwischenzeit legt Er ihnen ein charakteristisches Gebot hier unten auf: 

Verse 34.35

Joh 13,34.35: Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebet, auf dass, gleichwie ich euch geliebt habe, auch Ihr einander liebet. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Die Nation verschwindet. Es geht nicht mehr darum, den Nachbarn zu lieben, sondern es geht um Christi Jünger und deren gegenseitige Liebe entsprechend seiner Liebe. Neue Beziehungen würden mit wachsender Klarheit hervortreten, wenn Er von den Toten auferstand und den Heiligen Geist herabsenden würde. Und diese neue Pflicht, einander zu lieben, würde sich aus der neuen Beziehung ergeben: ein überzeugender Beweis für alle Menschen, wem sie gehörten, denn Er allein hatte dies während seines Lebens und Sterbens und auch, als Er auferweckt war, gezeigt: niemals versagende Liebe. Wie weit waren die Juden von solcher Liebe entfernt? Und die Heiden hatten noch nicht einmal eine Ahnung davon. Und das ist kein Wunder. Liebe ist von Gott und nicht von den Menschen, was die Lücke erklärt, bis Er kam, der durch Gott die Liebe in Menschen und zum Menschen offenbarte und der so durch seinen Tod und seine Auferstehung viel Frucht bringen sollte. Ihre Liebe sollte, wenn wir es so sagen dürfen, aus seinem eigenen Stoff und Wesen sein – sie sollte bleiben, wenn Er fortging, wenn sie nicht dort erst anfing. Denn wie es in 1. Johannes 2,8 geschrieben steht, ist das neue Gebot jetzt „wahr in ihm und in euch; weil die Finsternis vergeht und das wahrhaftige Licht schon leuchtet“. Während Er hier war, war sie auch wirklich vollkommen, aber nur bei Ihm; als Er ihnen in sich die Erlösung gab durch seinen Tod und seine Auferstehung, wurde sie auch in ihnen wahr. Die Finsternis verging („ist vergangen“ ist zu stark), und das wahrhaftige Licht leuchtet schon. Hier ist nicht eifrige Tätigkeit auf der Suche nach Sündern gemeint, so kostbar dies auch ist, sondern das selbstlose Suchen des Guten bei den Heiligen als solchen in Demut des Geistes und in Christi Liebe.

Ein unbezähmbarer Jünger wendet sich mit einer Neugierde, die ihm eigen ist, von dem, was der Herr ihnen jetzt mitteilte, zu den Worten vorher:

Verse 36-38

Joh 13,36-38: Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, wo gehst du hin? Jesus antwortete ihm: Wo ich hingehe, kannst du mir jetzt nicht folgen; du wirst mir aber später folgen. Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich lassen. Jesus antwortet: Dein Leben willst du für mich lassen? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast.

Petrus kannte den Herrn und liebte Ihn wirklich, aber wie wenig kannte er sich bis dahin selbst! Es war richtig, die Abwesenheit des Herrn zu empfinden; aber er hätte besser daran getan, die milde und doch ernste Ermahnung zu beachten, dass er nicht in der Lage wäre, Christus jetzt dorthin zu folgen, wo Er hinging; er sollte die tröstende Versicherung, dass er Ihm später folgen würde, geschätzt haben. Ach, wie viel verlieren wir sofort, wie viel leiden wir später, und zwar dadurch, dass wir uns die tiefe Wahrheit der Worte Christi nicht zu Herzen nehmen! Wir sehen bald die bitteren Folgen in der Geschichte des Petrus; aber wir wissen von den weiteren Worten unseren Herrn am Ende des Evangeliums, wie die Gnade am Ende die Hingabe sichern würde, die so durch jenes Selbstvertrauen am Anfang bloßgestellt worden war, wovor er hier gewarnt wird.

Aber wir neigen dazu, von uns selbst sehr hoch zu denken und von unserer Liebe, Weisheit, Macht, moralischem Mut und von jeder anderen guten Eigenschaft, während wir uns selbst in Gottes Gegenwart am wenigsten kennen und richten; so sehen wir es hier bei Petrus, der, gereizt durch den schon gegebenen Hinweis, in die selbstvertrauende Antwort ausbricht: „Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich lassen!“ Petrus musste deshalb wie auch wir durch bittere Erfahrung lernen, was er im Glauben durch die Unterwerfung seines Herzens gegenüber den Worten des Herrn sogar noch besser verstanden haben könnte. Wo Er warnt, ist es voreilig und schlecht von uns, Fragen zu stellen; und Voreiligkeit des Geistes ist nur der Vorläufer eines Falles in Wirklichkeit, wodurch wir dann gelehrt werden müssen, wenn wir keine andere Belehrung annehmen. Der Mann, der die Warnung beiseiteschob, als Christus mit ihm redete, log aus Furcht vor einer Magd. Wahrer christlicher Mut ist niemals anmaßend, aber verträgt sich gut mit Furcht und Zittern; denn seine Zuversicht besteht nicht in den eigenen Hilfsquellen oder in den Umständen anderer, sondern in Gott mit einem entsprechenden Gefühl für die Macht Satans und für unsere eigene Schwachheit.

Wenn Unwissenheit, wie es oft geschieht, in Anmaßung übergleitet, spart der Herr nicht mit Tadel. „Dein Leben willst du für mich lassen?“ War das der Entschluss des Petrus? Bald würde jenes starke Herz bei dem Schatten des Todes zittern. Doch was war der Tod für irgendeinen Heiligen verglichen mit dem Tod Christi, der die Verwerfung spürte wie keiner jemals und der unsere Sünden an seinem eigenen Leib an das Fluchholz trug, denn es war seine Aufgabe allein, von Gott her für sie zu leiden! Es war Gericht und Tod zugleich, aber es wurde erduldet, wie nur Er allein es vermochte.

Aber die Unwissenheit wirkt oft in anderer Weise. Sie wollen ihre eigene außerordentliche Schwäche trotz der klaren Warnung Christi nicht glauben. Und es mangelt ihnen an Licht, um seine Wahrheit und ihre Torheit zu beweisen. Und das ist noch nicht alles. Sie behaupten, dass, wenn ein Gläubiger einmal fehlt, er sofort Buße tun muss in Staub und Asche. Wie wenig kennen sie sich selbst oder haben sie aus der Schrift Nutzen gezogen! „Wahrlich, wahrlich“, sagte der immer geduldige Meister, „der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast.“ Wir erinnern uns an die wiederholte Verleugnung seines Herrn von Seiten des Petrus und auch an seine Schwüre unter den ernsten Umständen. Und wir wollen ihn nicht dadurch herabsetzen, sondern es soll zum Nutzen unserer eigenen Seele sein und damit Er, der allein würdig ist, erhöht wird. Wie unendlich ist die Gnade, die das Maß seiner Sünde zum Zeichen und Mittel für seine Buße macht unter dem Gebrauch des Herrn von seinem eigenen Wort und in seiner wunderwirkenden Gnade! Und was Er für Petrus war, das ist Er für uns und nichts weniger.

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