Was ist wahre Gemeinschaft mit Christus? (3)
Johannes 13,1-8

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 03.10.2008, aktualisiert: 11.11.2018

Leitverse: Johannes 13,1-8

Joh 13,1-8: 1 Vor dem Fest des Passah aber, als Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt zu dem Vater hingehen sollte – da er die Seinen , die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende. 2 Und während des Abendessens, als der Teufel schon dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu überliefern, 3 steht [Jesus], wissend, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben hatte und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe, 4 von dem Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich. 5 Dann gießt er Wasser in das Waschbecken und fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem leinenen Tuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. 6 Er kommt nun zu Simon Petrus, [und] der spricht zu ihm: Herr, du wäschst mir die Füße? 7 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber nachher verstehen. 8 Petrus spricht zu ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du kein Teil mit mir.

Aber vielleicht ist diese erste Seite des Lebens uns doch noch nicht so ungeläufig. Ich glaube, dass unsere Not ist, dass wir das Zweite so wenig verstehen. Und das Zweite ist, dass der Herr Jesus sagt: Komm du mal und habe das Abendbrot mit mir. – Kennst du das, lieber Bruder, liebe Schwester? Das Abendbrot bei dem Herrn Jesus? So wie Er seine Jünger eingeladen hatte in seinen Obersaal? Es ist merkwürdig, aber im Johannesevangelium lesen wir nichts über den Tisch des Herrn oder über das Abendmahl. Das ist auch ganz wichtig. Es ist nicht dasselbe wie in Matthäus, Markus und Lukas. Das Abendmahl feiern wir nämlich hier auf der Erde – natürlich buchstäblich, aber auch sinnbildlich. Das Abendmahl feiern wir hier in der Wüste als ein Zeugnis, solange wir hier sind. Es stimmt ja nach 1. Korinther 10 überein mit dem Brandopferaltar aus dem Alten Testament. Das war ein Punkt der Begegnung, wo das Volk Gottes und Gott einander begegneten, dort am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft zusammenkamen. Da kamen sie und hatten Gemeinschaft miteinander. Aber das ist hier auf der Erde. Doch ich glaube, in Johannes 13 geht es weiter. Da handelt es sich sinnbildlich um einen anderen Saal und es geht um einen anderen Tisch – auch sinnbildlich. Da geht es um einen himmlischen Saal. Das wissen wir doch! Sieh doch mal, welche Gespräche da sind. Sieh doch mal in Johannes 14, 15, 16, was da alles in diesem (himmlischen) „Obersaal“ gesprochen wird. Das ist weit über unsere Nöte, über unsere täglichen Sorgen erhaben.

Lasst uns mal kurz Johannes 13 aufschlagen und einige Grundsätze sehen, damit wir verstehen, was es heißt, bei dem Herrn Jesus zu sein und in seinem Obersaal Gemeinschaft mit Ihm zu haben.

  1. Den ersten Grundsatz, um den Obersaal verstehen zu können, finden wir in Vers 1: „Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt zu dem Vater hingehen sollte.“
    Eigentlich können wir diesen Obersaal nur verstehen, wenn wir auch wissen, dass der Herr Jesus jetzt tatsächlich bei seinem Vater ist. Er sagt auch zu Petrus: „Du kannst das alles jetzt noch nicht verstehen, du wirst es aber nachher verstehen.“ Diese Dinge können den Jüngern noch nicht klar gewesen sein. Wir, du und ich, können das jetzt durch den Heiligen Geist verstehen. Wir wissen, was hier geschieht. Hier ist der Herr Jesus zu seinem Vater zurückgekehrt. Er ist bei seinem Vater im Vaterhaus. Das gibt diesem Obersaal einen ganz besonderen Charakter. Wir sind noch nicht im Vaterhaus. Aber durch die Kraft des Heiligen Geistes können wir geistlich auf diese Ebene gebracht werden und Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus haben in diesen Dingen.

  2. Er ist jetzt bei dem Vater und nicht nur das, in Vers 3 steht – das ist der zweite Grundsatz, den wir kennen müssen, um dieses Kapitel zu verstehen: „… wissend, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben hatte …“
    Das ist das Zweite. Du musst wissen, dass der Herr Jesus als Mensch dort im Himmel jetzt alles besitzt, was Gott in seinem Haus besitzt. Gott hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern – warum? Wie ist das möglich? Indem der Herr Jesus das wunderbare Werk vollbracht hat, wodurch Er jetzt alle diese Segnungen als den Lohn für sein Werk empfangen hat. Und nun teilt Er seinen Lohn mit dir und mit mir. Und Er sagt zu uns: Komm mal herauf, schau mal, was ich empfangen habe. Komm doch mal zu mir zu Besuch, habe mal das Abendbrot mit mir! – „Teil mit mir“, das ist hier der entscheidende Ausdruck in Vers 8, wo Er zu Petrus sagt: „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil mit mir.“ Wir wissen es, der Herr Jesus sagt nicht „Teil an mir“, denn jeder Gläubige hat Teil an dem Herrn Jesus. Wenn er auch praktisch kein Licht hat, indem er das Wort Gottes nicht kennt, er hat Teil an dem Herrn Jesus und wird in Ewigkeit errettet sein. Aber Teil mit Ihm, das ist etwas ganz anderes. Teil mit Ihm ist, praktische Gemeinschaft haben mit Ihm. Nicht in unseren Dingen, sondern in den Dingen des Herrn Jesus, die Er jetzt im Himmel besitzt und genießt. Möchtest du das erleben, sein Abendbrot zu essen? Das heißt bei Ihm, in seinem Obersaal zu genießen, zu essen, was Er da isst. Er möchte uns bei sich haben.

  3. Aber da musst du noch einen dritten Grundsatz lernen, um das zu verstehen. Das finden wir in Vers 3b: „Er war von Gott ausgegangen und ging zu Gott hin.“
    Das ist nicht der Vater, das ist hier Gott. Und wenn wir über Gott lesen im Johannesevangelium, dann geht es um unsere Verantwortung. Da musst du lernen, dass wir es auch mit einem heiligen und gerechten Gott zutun haben. Liebe Geschwister, wir können in dem Obersaal nicht verkehren, wenn unser Gewissen nicht rein ist, wenn unsere Füße schmutzig geworden sind in den Dingen dieser Erde oder sogar durch die Dinge dieser Welt. Da brauchen wir erst eine Reinigung. Der Herr Jesus tut das hier auch. Er ist der Sachwalter bei dem Vater, dem Vater gegenüber. Aber Er tut es für uns. Er wäscht uns die Füße. Das heißt, Er wendet das Wort Gottes auf uns an. Und Er zeigt uns das Wort Gottes wie einen Spiegel – du weißt ja, dass das Waschbecken in der Stiftshütte aus den Spiegeln der Frauen gemacht worden war –, und der Herr zeigt uns einen Spiegel im Wort, dass wir uns selbst sehen im Licht Gottes. Wenn wir im Dunkeln bleiben, kann es uns gehen wie den Pharisäern, dass wir nicht unterscheiden, was bei uns falsch sein kann. Der Psalmist betet im Psalm 139: Oh Gott, zeige mir doch in deinem Spiegel … – ich sage es jetzt mal mit meinen Worten –, … was falsch sein könnte bei mir, zeige mir doch, ob ein falscher Weg vorhanden ist, zeige mir doch Deinen Weg! – Das ist ein Grundsatz, sonst kannst du nicht zu dem Herrn Jesus kommen und sein Abendbrot essen. Warum ist es so, dass so viele Gläubige so wenig wissen von diesem Abendbrot bei dem Herrn Jesus in seinem Obersaal? Schmutzige Füße, das ist die Ursache! Die Ursache ist: Verunreinigung mit den Dingen dieser Erde. Ich sage noch nicht „mit dieser Welt“, das würde noch schrecklicher sein. Darüber sprechen wir nicht, wir wollen es als selbstverständlich annehmen, dass wir mit den Dingen dieser Welt nichts zu tun haben, die Welt gesehen als ein böses System, dessen Fürst der Teufel ist. Aber auch die Dinge dieser Erde, Dinge, die an sich schön und gut sind, aber die ein Hindernis sein können, unsere Füße verunreinigen können, wenn es darum geht, Gemeinschaft mit dem Herrn haben zu können in seinem Obersaal.

Ich weiß persönlich, dass auch die guten Dinge dieser Erde oft ein Hindernis sein können, indem wir sie nicht im Gleichgewicht halten. Indem sie einen zu großen Platz in unserem Leben einnehmen. Dinge, die an sich nicht verkehrt sind, aber nicht den richtigen Platz einnehmen in unserem Leben. Es sind solche Dinge, über die wir nur Verwalter sind nach Lukas 16. Aber sie sind nicht das Unsrige, sie sind nicht unser Eigentum. Der Herr Jesus sagt: Wenn du nicht imstande bist, dein Geld, deine Güter, deine Zeit, deine irdischen Segnungen gut zu verwalten, was denkst du, wer wird euch dann das Eurige geben, das Wahrhaftige? (Lk 16).

Zwei Ausdrücke: das Wahrhaftige und das Eurige. Die irdischen Dinge sind nicht das Unsrige. Wir sind nur darüber Verwalter, und wir sollten grundsätzlich alles, was der Herr uns anvertraut hat, Ihm zur Verfügung stellen. Das geht ganz weit, liebe Geschwister. Wir haben nicht die Frage, ob wir nun zehn Prozent unserer Güter geben sollten, wie im Alten Testament. Manche sagen, wir sind nicht unter dem Gesetz, wir können weniger geben als zehn Prozent. Andere sagen, wir sind nicht unter Gesetz, wir dürfen also mehr geben als zehn Prozent. Es ist beides falsch! Der Gläubige ist in einer ganz anderen Stellung als der Israelit. Da geht es nicht um zehn oder zwanzig Prozent, sondern um hundert Prozent. Wir besitzen nichts von den irdischen Dingen, wir sind nur Verwalter. Du kannst nicht sagen, zehn Prozent oder fünfzehn Prozent meiner Zeit ist für den Herrn – nein, hundert Prozent! Das heißt, wir sollen ein Zeugnis sein in unserer Arbeit, dort, wo der Herr uns hingestellt hat, und unsere Freizeit ist grundsätzlich für Ihn. Wie der Herr das benutzen will, das macht Er deutlich. Aber grundsätzlich gehört alles, was wir besitzen, Ihm! Es ist seine Zeit, sein Geld, seine Güter.

Leben wir so mit den irdischen Segnungen, die Gott uns geschenkt hat? Weißt du, was der Herr sagt? Wenn wir keine guten Verwalter über diese Dinge sind, „wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen“? Warum wissen wir als Gläubige so wenig von den wahrhaftigen Dingen? Ich sage das zu Jung und Alt, ich sage das als Erstes zu mir selbst. Warum wissen wir so wenig von den wahrhaftigen Dingen? Wirklich, ich frage das ganz ernst. Warum wissen wir so wenig von den „unsrigen Dingen“, das heißt von den Dingen, die wirklich mir gehören? Was gehört denn wirklich uns? Was besitzen wir denn wirklich?

Wir haben es doch gesehen in Epheser 1. Jede geistliche Segnung hat der Herr uns geschenkt! Darüber sind wir Besitzer, darüber sind wir keine Verwalter, das sind unsere wirklichen Besitztümer. Die gehören uns jetzt und in der Ewigkeit. Grundsätzlich! Aber wenn der HERR sagt, Er wird uns das Unsrige geben, dann meint Er das ganz praktisch. Wir sind reiche Besitzer. Wir wissen aber oft nicht, wie reich wir sind. Wir wissen kaum etwas davon. Diese Reichtümer liegen da alle auf diesem Tisch im Obersaal. Aber wir gehen nicht hinein. Da stehen wir selbst außerhalb der Tür und der HERR klopft sozusagen von innen und sagt: Komm doch hinein in meinen Obersaal! – Aber da müssen wir scheinbar so viel zurücklassen. Da müssen die Füße gereinigt werden. Um das Wahrhaftige da drinnen genießen zu können, muss das Nicht-Wahrhaftige, das Zeitliche, das Irdische draußen bleiben. Und das ist so schwierig! Wie oft fragen junge Leute: Ja, das oder jenes ist doch nicht falsch! Ich kann das oder jenes doch ruhig tun, das ist an sich doch nicht verkehrt! – Du hast recht! Es ist nicht falsch in sich, es ist auch nicht verkehrt. Es ist aber nicht das Wahrhaftige.

Ich denke, ein Geheimnis für uns ist, unseren jungen Leuten nicht zu sagen, was alles verkehrt ist, sondern ihnen zu zeigen, was das Wahrhaftige ist, das Positive. Das macht das Herz warm. Wenn jemand sich an den irdischen Dingen festhält, dann wird er das tun, auch wenn wir ihm sagen, dass das nicht gut ist. Er weiß doch nichts von besseren Dingen. Aber zeige ihm die besseren Dinge, zeige ihm, was da auf dem Tisch im Obersaal liegt, was es da zu genießen gibt, zeig ihm das Abendbrot, das wir mit dem Herrn Jesus im seinem Obersaal genießen dürfen, dann wird das andere verschwinden, dann ist es nicht mehr schwierig, die irdischen Dinge loszulassen. Meinst du nicht, dass Paulus sich festgehalten hat an all dem, was Gott ihm vor seiner Bekehrung anvertraut hat? Gott hatte es ihm gegeben. Nichts Falsches war darin. Und hätte jemand zu Paulus gesagt, dass er das alles einmal aufgeben würde, dann hätte er gelacht und gesagt, das wäre unmöglich. Aber auf einmal, er war auf dem Weg nach Damaskus, da ging der Himmel auf. Da konnte Paulus sozusagen in den Obersaal schauen. Da sah er, was da auf dem Tisch lag, da sah er den Herrn selbst und alles andere verschwand. Verstehst du das Bild? Es war nicht mehr schwierig, es war kein Opfer mehr, es war nur Dreck. Es ist kein Opfer, Dreck zu opfern. Das ist doch unmöglich. Wenn man die Dinge in dem betrachtet, was sie wirklich in sich selbst sind, dann gibt’s nichts mehr zu opfern. Dreck kann man nicht opfern. Er fiel von selbst weg und Paulus sagte: Ich möchte Ihn kennen, ich möchte oft da im Obersaal gefunden werden. 

Denn so lernen wir den Herrn Jesus jeden Tag besser kennen. Ich möchte bei Ihm sein, da wo Er ist, auf dass ich Ihn kenne, auf dass ich Ihn gewinne. Das ist mein Preis. Alles was Gewinn für mich war, das habe ich aufgegeben, denn Er ist mein Gewinn. So möchte der Herr Jesus das auch bei uns sehen. Er sagt: Komm doch herein in meinen Obersaal. – Doch dann sagt er zu Petrus: Petrus, wenn ich dir die Füße nicht wasche, wenn du die Hindernisse nicht aufgibst, kannst du kein Teil mit mir haben! – Wir müssen das unseren jungen Menschen sagen. Zeige ihnen mal, was sie vermissen. Zeige es ihnen nicht gesetzlich, was sie falsch machen. Zeige ihnen, was sie verpassen, wenn sie sich die Füße nicht waschen lassen, damit sie im Obersaal bei dem Herrn diese Dinge genießen können.

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