Warum wir unsern Erlöser „Herr“ nennen
und nicht einfach nur „Jesus“ sagen

Arthur Walkington Pink

© Soundwords, online seit: 27.11.2016, aktualisiert: 03.12.2016

Leitvers: Johannes 13,13

Joh 13,13: Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt es zu Recht, denn ich bin es. 

Dieser Vers betont auf wunderbare Weise die Tatsache, dass der Herr Jesus „voller Gnade und Wahrheit“ (Joh 1,14) ist. Der Herr hatte für seine Jünger gerade den niedrigsten Dienst eines Sklaven getan. Dabei hatte Er jedoch seine Stellung der Autorität und des Vorrangs keineswegs verlassen. Er erinnert die Jünger, dass Er immer noch ihr „Lehrer und Herr“ ist und dass dies auch ihrem eigenen Bekenntnis entspricht. Das Wort „nennen“ bedeutet in diesem Zusammenhang nämlich „ihm den Titel geben“. Man könnte also auch sagen: „Ihr sprecht mich mit Lehrer und Herr an.“ Weil sie damit den im Fleisch geborenen Sohn Gottes anerkannten, „taten sie Recht“. 

Heute dagegen behandeln Ihn viele derer, die bekennen, seine Nachfolger zu sein, mit viel weniger Respekt, als Er es bei seinen Zwölfen lobt. Leider reden viele, die diesem Unvergleichlichen für Zeit und Ewigkeit alles verdanken, von Ihm einfach nur als von „Jesus“. Dabei ist Er doch „Gott offenbart im Fleisch“ (1Tim 3,16). Jesus ist der Herr der Herrlichkeit, und es steht der Würde und Erhabenheit seiner Person doch zu, dass wir dies erkennen und auch anerkennen – und das gerade dann, wenn wir von Ihm sprechen. Wir erwarten nicht, dass die, die Ihn verachten und ablehnen, mit erhabeneren Ausdrücken von Ihm sprechen als „der Nazarener“ oder „Jesus“. Doch die, denen Gott durch wunderbare Gnade „Verständnis gegeben hat, damit sie den Wahrhaftigen kennen“ (1Joh 5,20), sollten Ihn froh als den „Herrn Jesus Christus“ bekennen! 

„Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt es zu Recht, denn ich bin es.“ Dieser Satz ist sicherlich für jeden demütig gesinnten Christen ausreichend. Wenn unser Erlöser selbst sagt, dass wir „recht tun“, wenn wir Ihn mit „Lehrer und Herr“ anreden, wie können wir es dann wagen, den Herrn mit Begriffen anzureden, die nicht den Stempel seiner Bestätigung tragen? Nicht ein einziges Mal finden wir, dass die Apostel Ihn als „Jesus“ anreden, während Er bei ihnen auf der Erde war. Als Er sie ermahnte, den Herrn der Ernte für mehr Arbeiter zu bitten, gebot Er ihnen: „Bittet nun den Herrn der Ernte“ (Mt 9,38). Als Er die Jünger sandte, um den Esel zu holen, auf dem Er nach Jerusalem reiten wollte, wies Er sie an zu sagen: „Der Herr braucht ihn“ (Lk 19,31). Als Er den Obersaal benötigte, sagte Er zu ihnen: „Der Lehrer sagt: Meine Zeit ist nahe; bei dir halte ich mein Passah“ (Mt 26,18). 

Oben haben wir gesagt, dass die Apostel unseren Herrn nicht ein einziges Mal einfach als „Jesus“ ansprachen. Beachten wir nun, wie sie sich an Ihn wandten: „Petrus aber antwortete ihm und sprach: HERR, wenn du es bist, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf den Wassern“ (Mt 14,28). „Als aber die Jünger Jakobus und Johannes es sahen, sprachen sie: Herr, willst du, dass wir sagen, Feuer solle vom Himmel herabfallen und sie verzehren?“ (Lk 9,54). „Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, ein jeder zu ihm zu sagen: Ich bin es doch nicht, Herr?“ (Mt 26,22). „Und sie standen zu derselben Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Und sie fanden die Elf und die, die mit ihnen waren, versammelt, welche sagten: Der Herr ist wirklich auferweckt worden“ (Lk 24,33.34). „Thomas spricht zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst“ (Joh 14,5). „Da sagte jener Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr“ (Joh 21,7). 

Es mag eingewendet werden, dass die Berichte in den Evangelien von dem Herrn für gewöhnlich als von „Jesus“ sprechen. Es war Jesus, der vom Geist in die Wüste geleitet wurde, um dort vom Satan versucht zu werden. Es war Jesus, der innerlich bewegt wurde, als Er die Leiden und Nöte der Menschen sah. Es war Jesus, der das Volk lehrte, usw. Das ist wahr, aber nach einer Erklärung muss nicht lange gesucht werden: Es war der Heilige Geist, der – durch den Stift der Evangelisten – auf diese Weise von Ihm sprach. Das ist der entscheidende Unterschied. 

Was würde man wohl von einem Untertan von König George denken, der über den regierenden König Englands sagt: „Ich sah heute Morgen George vorbeikommen“? Wenn es also für einen seiner Untertanen vollkommen unpassend ist, so vom König Englands zu reden, wie viel unpassender ist es dann, von dem König der Könige einfach mit „Jesus“ zu reden. Wenn nun die Frau des Königs über ihren Gatten spricht und ihn „George“ nennt, dann ist das völlig angemessen. Ebenso angemessen ist es, wenn der Heilige Geist in den Berichten der Evangelien unseren Herrn mit dem Vornamen nennt. 

Für die Unehre, die nun über den „guten Namen“ (Jak 2,7; Anm. d. Red.: In der englischen King-James-Übersetzung steht hier worthy = „würdig, wert“) gebracht wird, sind größtenteils unsere modernen Lieder verantwortlich. Wir können nicht anders, als in empörtem Protest unsere Stimmen zu erheben gegen den vielen Müll (denn das ist es), der sich hinter dem Namen „Lobgesang“ oder „religiöses Lied“ verbirgt. Es ist traurig und erschütternd, Christen singen zu hören „Es gibt keinen Freund wie den niedrigen Jesus“. Es gibt heute keinen „niedrigen Jesus“! Der Eine, der einst in unvergleichlicher Erniedrigung über die Erde ging, wurde „sowohl zum Herrn als auch zum Christus“ (Apg 2,36) gemacht und sitzt nun zur Rechten der Majestät in der Höhe. Wer die vier Evangelien ernsthaft studiert und feststellt, wie verschieden die Menschen den Sohn Gottes anredeten, wird guten Lohn für seine Mühe haben. Die Feinde Christi nennen Ihn fortwährend „Jesus“ (Mt 26,71, etc.), ebenso die Dämonen (Mk 1,23.24). 

Lasst uns zu Gott beten, dass Er uns davon befreit, auf diese oberflächliche, gleichgültige und unehrerbietige Weise von seinem Sohn zu reden. Lasst uns unseren Retter während der Zeit seiner Verwerfung durch die Welt freudig als unseren „Herrn“ anerkennen. Wir wollen uns an das erinnern, was Er selbst gesagt hat: „… damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat“ (Joh 5,23). Das ist keine Bagatelle oder unbedeutende Sache, denn es steht geschrieben: „Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden und aus deinen Worten wirst du verurteilt werden“ (Mt 12,37).


Aus Kapitel 46 „Christ′s Example For Us. John 13:12-20“
aus Exposition of the Gospel of John

Übersetzung: Philipp-Richard Schulz


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