Frage:
(bzw. Anmerkung zum Artikel „Der Vater liebt den
Sohn“)
Ich glaube nicht, dass Gott und sein Sohn vernichtende Selbstkritik im Sinne von
„An uns war nichts gefällig“
gutheißen. Wer so spricht, lästert m.E. in gewisser Weise Gott, da der Mensch als Gottes Geschöpf trotz Sündenfall nicht völlig schlecht sein kann!! Trotzdem sind für den Menschen Bescheidenheit und das stetige Bemühen um Glauben und Christusnachfolge natürlich wichtig.
U.S. aus Münster
Antwort:
Lieber …,
Ihrer Behauptung, es komme in die Nähe der Gotteslästerung, zu sagen, „dass an uns nichts Gefälliges war“, möchten wir entgegenstellen,
dass es sich bei dieser Aussage ganz im Gegenteil sogar um eine fundamentale Grundlage des Evangeliums handelt, die wir in jeder Hinsicht hochhalten müssen. Das möchten wir im
Folgenden begründen.
Nachdem Gott den gefallenen Menschen aus dem Paradies vertrieben hatte, endete die ganze damalige Welt in dem Gericht der
Sintflut: „Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen groß war auf der
Erde, und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen
Tag“ (1Mo 6,5).
Dann prüfte Gott den Menschen mit dem Gesetz, ob er wohl seinen Minimalansprüchen
— mehr war das Gesetz nicht — entsprechen würde. Und das Ergebnis war der Beweis, dass aus Gesetzeswerken kein Mensch gerechtfertigt werden
konnte (Gal 2,16). Auch diese Erprobung offenbarte nur, dass der Mensch nicht fähig ist, das Gute zu tun
— in diesem Fall, das Gesetz zu halten.
Die Anwesenheit Christi auf der Erde war dann die letzte und größte Erprobung des Menschen. Er wohnte unter den Menschen voller Gnade und Wahrheit und ging umher, Gutes tuend. Er offenbarte in jeder Hinsicht eine Kraft, die den Menschen von jedem nur denkbaren Übel zu befreien vermochte
— sei es Sünde, Krankheit, Tod oder der Teufel. Außerdem zeigte Er mit seinem Herzen voller Mitgefühl eine Gnade, die ihre Kraft zum Wohl sündiger Menschen verwendete. Was war das Resultat dieser Offenbarung der göttlichen Güte? Der absolute
Hass des Menschen gegen die vollkommene Güte Gottes kommt ans Licht. Es war die endgültige Darstellung des völligen Ruins des Menschen, sei er Jude oder Heide. Die Juden (als solche, die unter Gesetz erprobt wurden) besiegelten ihr Schicksal, als sie den
lang verheißenen Messias verwarfen und sprachen: „Wir haben keinen König als nur den
Kaiser.“ Das war Abfall. Die übrigen Nationen (als solche, die ohne Gesetz erprobt wurden) bewiesen ihr völliges Verderben, indem sie die ihnen von Gott seit Nebukadnezar übertragene Regierungsgewalt dazu benutzten, den Sohn Gottes zu verurteilen, nachdem sie
Ihn zuvor für unschuldig [Anm. d. Red.: durch Pilatus und Herodes, siehe Lk
23,4.14-15] erklärt hatten. Das Kreuz war die Antwort des Menschen auf die Liebe Gottes
— der endgültige Beweis, dass der Mensch nicht nur ein Sünder, sondern ein ruinierter Sünder ist, für den es keine Hoffnung auf Besserung aus sich selbst heraus gibt.
Alle Mittel, die Gott sich überhaupt ausdenken konnte, um das Herz des Menschen zu gewinnen, sind nun erschöpft. Die Unmöglichkeit, irgendetwas mit dem natürlichen Menschen anzufangen, hat sich klar herausgestellt. Was geschieht nun? Der von der Welt verworfene Christus steigt in die Herrlichkeit
hinauf und die Welt kommt unter das Gericht. Das Licht der Welt wird weggenommen und die Welt wird in Finsternis zurückgelassen. Der Fürst des Lebens wird
ermordet und die Welt wird im Tode zurückgelassen. Tod und Finsternis füllen den ganzen Schauplatz aus, Juden wie alle anderen Nationen sind tot für Gott, tot in Sünden und Übertretungen.
Gibt es nun für eine ruinierte Welt keine Hoffnung mehr? Muss die Welt mit ihrer riesigen Fracht verlorener Seelen dem Gericht entgegenfahren? Haben Sünde und Tod die Menschheit überwältigt? Hat der Teufel die Ratschlüsse Gottes vereitelt, die Menschheit in hoffnungsloses Verderben eingeschlossen und über alles triumphiert? Soweit es den Menschen betrifft, ist die Antwort eindeutig: Alles ist verloren
— unwiederbringlich verdorben. Das Kreuz beweist,
dass es sich nicht um eine sterbende, sondern um eine tote Welt handelt: „Indem wir also geurteilt haben,
dass einer für alle gestorben ist und somit alle im Tode lagen“ (2Kor 5,14).
Aber in dieser äußersten Krise, wo die Welt praktisch am Ende ist und ihre schreckliche Geschichte der Sünde im Tod endet, da greift Gott auf
seine ewigen Ratschlüsse zurück, handelt zu seiner eigenen Freude und enthüllt zur rechten Zeit die Geheimnisse
seines Herzens. Wenn die Welt auch tot ist
— Gott lebt; und der lebendige Gott handelt nach seinen Ratschlüssen. Die Welt hatte den Christus Gottes an ein schmachvolles Kreuz
gebracht; Gott weckt Ihn aus den Toten auf und setzt Ihn auf einen Thron der Herrlichkeit. Zur rechten Zeit, an dem großen Tag der Pfingsten, kommt der Geist Gottes von einem erhöhten und verherrlichten Christus in die Welt herab. Es war bestimmt ein besonderer Augenblick, als die Erde wüst und leer
da lag und Finsternis über die Tiefe gebreitet war und der Geist Gottes über den Wassern schwebte; doch weitaus grandioser war der Tag, als der Geist Gottes in eine Welt herabkam, die sich selbst verderbt hatte, indem sie das Licht der Welt verworfen und den Fürst des Lebens zu Tode gebracht hatte. Können wir nicht sagen,
dass noch einmal „Finsternis über der Tiefe war“ und dass der Geist Gottes wieder
„über der Fläche der Wasser schwebte“? Gott beginnt eine neue Schöpfung, die nicht auf einen sterbenden Menschen gegründet ist, sondern auf
„Christus, den Sohn des lebendigen Gottes“
— den Anfang der Schöpfung Gottes“ (Mt 16,16; Off 3,14).
Solche, die mit Christus (der Sünde) gestorben sind (Röm
6,2.8.10), sind auch mit Ihm begraben worden (Röm 6,4), gehen jetzt in Neuheit (nicht Verbesserung) des Lebens ihren Weg. In
Römer 6,6 heißt es, dass „unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei“. Wenn in
dem alten Menschen auch nur etwas Gutes gewesen wäre, dann hätte er nicht mitgekreuzigt
und der Leib der Sünde nicht abgetan werden müssen. Wenn in dem natürlichen Menschen auch nur irgendetwas Gutes wäre, wäre die Gnade höchstens als kleine Beihilfe nötig
gewesen und wir brauchten keine neue Geburt (Joh 3,3) und kein neues Leben (Röm 6,4) von oben, sondern nur eine Verbesserung des alten. Das Fleisch (die alte Natur) ist jedoch nicht nur sündig, sondern es heißt sogar in
Römer 7,18: „Ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt.“ Es ist also nicht nur
viel Böses vorhanden, sondern sogar gar nichts Gutes. All die nach menschlichen Maßstäben guten Werke, die jemand tun mag, der nicht Christus angehört, sind vor Gott völlig wertlos, weil sie in Unabhängigkeit von
Ihm getan worden sind, „weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft ist gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch
nicht“ (Röm 8,7). Daher heißt es auch: „Die aber, die im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen“
(Röm 8,8) = „Nichts Gefälliges ist zu finden.“
In Galatien gab es damals solche, die eine Verbesserung des alten Menschen für möglich hielten. Sie predigten unter anderem die Beschneidung. Der Apostel
musste deshalb mit heiliger Entrüstung, weil er das Evangelium in Gefahr sieht, die Galater warnen:
„Dann ist ja das Ärgernis des Kreuzes weggetan. Ich wollte, dass sie sich auch abschnitten, die euch
aufwiegeln“ (Gal 5,11-12).
Dem jungen Mann, der in Markus 10 zu dem Herrn Jesus kommt und
manchen liebenswürdigen Charakterzug aufweist, sodass wir sogar in Vers 21 lesen:
„Jesus aber blickte ihn an, liebte ihn …“, sagt der Herr Jesus selbst: „Niemand ist gut, als nur
einer, Gott“ (V. 18). Es gibt keinen guten Menschen auf der Welt. Er sagt
(um es mit unseren Worten auszudrücken): Wenn du nur einen Menschen in mir siehst, dann kannst du noch nicht einmal mich gut
nennen. — Und das sagt der Herr Jesus, obwohl
Er der vollkommen Gehorsame und Sündlose war. Und was stellt sich heraus, als der Herr sein Herz auf die Probe
stellt? Da verschwindet das Liebenswürdige und sein Herz offenbart sich, dass nichts für Gott, der als Mensch gekommen war, darin zu finden war. Er ging traurig
weg (V. 22).
Aber heißt es denn nicht, nachdem Gott den Menschen geschaffen hatte: „Und siehe, es war sehr gut“
(1Mo 1,31)? Jawohl! Gott hatte den Menschen in seinem Bild geschaffen. Aber durch sein Sündigen
(1Mo 3) hat er sich selbst unter eine Last der Schuld gebracht und sich selbst dem Gericht Gottes ausgesetzt. Schon der König Salomo
musste erkennen, „dass Gott den Menschen aufrichtig geschaffen hat, sie aber
haben viele Ränke
gesucht“ (Pred 7,29). Darüber hinaus hat er eine gefallene Natur bekommen, die unverbesserlich schlecht ist, mit einem Herzen, von dem es in
Jeremia 17,9 heißt: „Arglistig ist das Herz, mehr als alles, und verdorben ist es.“ Aber selbst das ist noch nicht
alles: Das Gift der Sünde hat so seinen Verstand, seinen Willen und seine Urteilsfähigkeit verdorben,
dass „da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes
tut, da ist auch nicht
einer“ (Röm 3,10-12). Und das hat sich nicht nur in Gegenwart des Sohnes Gottes auf der Erde und dort besonders am Kreuz gezeigt, wie wir oben beschrieben haben, sondern zeigt sich auch heute noch jeden Tag, an dem den Menschen die gute Botschaft Gottes von der Rettung in Jesus Christus verkündigt
wird und sie trotzdem diese herrliche Gnadenbotschaft zurückweisen und sich mit den hohlen Vergnügungsangeboten der Welt zufriedengeben und damit kopflos in ihr Verderben laufen.
Welch ein Glück, dass es möglich ist, mit dem zweiten Menschen, dem Menschen vom Himmel verbunden zu sein
(1Kor 15,47-49). Er hat als der letzte Adam (1Kor 15,45) ein ganz neues Menschengeschlecht hervorgebracht. Römer 5,12-21 zeigt uns, wie der Wechsel von dem ersten Adam (dem von 1. Mose) zu dem letzten Adam (Christus) stattfindet. Durch Adams
eine Handlung der Sünde ist der Tod in die Welt gekommen, und da er das Haupt einer menschlichen Familie war, fällt seine ganze Nachkommenschaft unter die Konsequenzen seines Ungehorsams. Der Tod ist das von Gott dem Menschen (Adam) angekündigte Gerichtsurteil. Und der Mensch, der unter Gericht steht,
muss auch ins Gericht gehen. Christus dagegen war gehorsam bis zum Tod. Seine Handlung der Gerechtigkeit
(Röm 5,18) gab Gott seinen gerechten Platz, und solche, die an Ihn glauben, sind mit Ihm verbunden statt mit Adam. Die Belehrung schließt in Vers 21 mit dem Ausspruch:
„… damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch
Jesus Christus, unseren Herrn.“
Der Tod ist die Konsequenz dessen, dass wir „in Adam“ sind, ewiges Leben dagegen die Folge
dessen, dass wir „in Christus“ sind. Das ist Gnade im Überfluss und macht auch deutlich, warum der Gläubige so gesehen wird,
dass er den alten Menschen abgelegt hat (Eph 4,22) — das ist jetzt unsere praktische Verwirklichung der Wahrheit,
dass der „alte Mensch mitgekreuzigt ist“ — und „Christus angezogen“ hat
(Gal 3,27). Wie glücklich macht uns
das, zu wissen, dass wir in Gottes Augen nicht mehr mit dem Menschen verbunden sind,
der unter Gericht steht, sondern mit dem Menschen, der das Gericht trug und der auferweckt worden ist aus den Toten durch die Herrlichkeit des
Vaters (Röm 6,4). Deswegen dürfen wir auch ausrufen mit dem Apostel Paulus: „Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus (!) hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“
(Röm 8,2), das in solchen wirkt, die sich nur „in Adam“ (dem ersten Adam) befinden. Wir haben unsere Position von Adam nach Christus, dem zweiten
Menschen bzw. letzten Adam
verändert; ein Wechsel, wie er nicht größer sein kann: „Wenn jemand in
Christus ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist
geworden“ (2Kor 5,17). Eine Verbesserung reichte hier nicht aus, eine ganz neue Schöpfung
musste her.
Gott hatte natürlich schon immer diesen zweiten Menschen im Sinn, deswegen hat
Er uns auch gleich gar nicht erst in Adam, sondern in Christus auserwählt, und das schon vor Grundlegung der Welt
— also erst recht lange vor der Erschaffung Adams. Als dann am Kreuz die ganze Verdorbenheit des ersten Menschen ans Licht kam, wie wir oben beschrieben haben, wurde zum genau gleichen Zeitpunkt die Vollkommenheit und Schönheit des zweiten Menschen völlig offenbart, und dieser zweite Mensch wurde daher gerade in diesem Augenblick verherrlicht
(Joh 13,31).
Unsere totale Verdorbenheit bringt die Herrlichkeit seiner Person umso mehr ans Licht. Darüber wollen wir uns von Herzen freuen.
Herzliche Grüße
die SoundWords-Redaktion
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