Die totale Verdorbenheit des Menschen
Hat der Mensch einen freien Willen?

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 02.08.2020

Behauptung: „Alle Menschen werden mit einem freien Willen geboren, und sie können sich entscheiden, ob sie an das Evangelium glauben oder es ablehnen.“

Diese Aussage über den angeblich freien Willen des Menschen spiegelt ein Missverständnis wider über den tatsächlichen Zustand des gefallenen Menschen. Sie geht davon aus, dass der Mensch in seinem verlorenen Zustand Kraft für das Gute in sich trägt, die ihn befähigt, sich an Gott zu wenden, um erlöst zu werden – wann immer er dies wünscht.

Der Irrtum der Lehre vom freien Willen besteht darin, dass sie die totale Verdorbenheit des Menschen leugnet, von der die Heilige Schrift klar spricht. Die Bibel lehrt, was der Mensch in seinem ungläubigen Zustand ist:

  • Er ist „kraftlos“ und deshalb unfähig, irgendetwas zu tun, um sich selbst zu helfen (Röm 5,6).
  • Er „kann das Reich Gottes nicht sehen“ (Joh 3,3).
  • Er „kann nicht in das Reich Gottes eingehen“ (Joh 3,5).
  • Er „kann nichts [keine geistlichen Dinge von Gott] empfangen“ (Joh 3,27.32).
  • Er „kann nicht zu Christus kommen“, um errettet zu werden (Joh 6,44.65).
  • Er „weiß nichts“, das heißt, er erkennt die Wahrheit nicht, wenn sie ihm vorgelegt wird (Joh 8,14).
  • Er „kann das Wort Gottes nicht hören“, wenn es gepredigt wird (Joh 8,43.47).
  • Er „kann Gott nicht gefallen“ in seinem gefallenen Zustand (Röm 8,8).

Verlorene Menschen sind also geistlich „tot“ in ihren Sünden, ohne eine Regung des Lebens in Richtung auf Gott (Eph 2,1.5; Kol 2,13). Wie kann dann jemand in einem derart kraftlosen Zustand fähig sein, sich für Christus zu entscheiden und an das Evangelium zu glauben, wenn in ihm keine geistlichen Fähigkeiten tätig sind, die ihn befähigen, auf den Ruf Gottes zu antworten?

J.N. Darby sagte:

Der Mensch wird betrachtet, wie er ist, ohne eine Regung des Lebens in Beziehung zu Gott; er ist tot in Vergehungen und Sünden.[1]

P. Wilson sagte:

Gott hat uns zuverlässig mitgeteilt, dass wir nicht nur verloren sind und keine Kraft haben, etwas dagegen zu tun, sondern dass wir Gott gegenüber moralisch tot sind – dass es nicht eine einzige Regung unserer Herzen zu Ihm hin gibt.[2]

H. Smith sagte:

Wenn wir tot sind, kann es von unserer Seite keine Regung zu Gott hin geben. Die erste Regung muss von Gott kommen.[3]

A.P. Cecil sagte:

Bevor ein Mensch wiedergeboren wird, sieht Gott ihn als tot in Vergehungen und Sünden an. Er kann sich auf Gott nicht mehr zubewegen, als ein Leichnam es kann. Man kann mit ihm über Gott sprechen, aber weder hört noch antwortet noch sieht er. Er hat weder Glauben noch Buße noch sonst etwas, bis der Geist wirkt, wenn er belebt wird.[4]

A.H. Rule sagte:

Der Mensch befindet sich in einem Zustand des Todes, und wenn er Leben haben soll, muss Gott souverän handeln. Gott beginnt. Der Mensch selbst ist kraftlos wie der tote Lazarus, bis das lebensspendende Wort gesprochen wird. … Menschlich gesprochen, kann ein Toter weder hören noch glauben; noch kann ein Mensch oder Engel ihn dazu bringen, zu hören oder zu glauben. Aber Gott bewegt sich zum Schauplatz des Todes, und alles wird verändert.[5]

Die meisten Christen werden zustimmen, dass der Mensch in seinen Sünden völlig verdorben und verloren ist. Wenn man jedoch ihre Lehre darüber untersucht, wie ein Mensch zu Christus kommt und gerettet wird, wird man feststellen: In Wirklichkeit glauben sie, dass im gefallenen Menschen doch noch etwas Gutes steckt – selbst wenn es nur ein kleiner Funke ist. Daher sagen sie, er sei in der Lage, auf das Evangelium zu antworten, wenn er sich dafür entscheidet. Vielleicht erkennen sie es nicht, aber was sie in Wirklichkeit sagen, ist: Der Mensch ist zwar schlecht, aber nicht so schlecht, dass er nicht irgendetwas tun kann, um seinen eigenen Segen zu erlangen. Die Wahrheit ist: Bevor Gott dem Menschen neues Leben schenkt, hat dieser nur eine gefallene Sündennatur (das Fleisch) in sich. Wenn der Mensch in seinem gefallenen Zustand wählt oder sich entscheidet, zu Christus zu kommen, dann ist es das Fleisch, das die Wahl getroffen hat. Aber das kann niemals so sein, denn „die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht“ (Röm 8,7). Daher ist das Fleisch nicht fähig, Gott untertan zu sein; es wird nie auf das Evangelium antworten.

Der Irrtum in der Lehre vom freien Willen besteht darin, dass sie die Erlösung zur Frucht des eigenen Willens macht. Sie ist eine Lehre, die gleichbedeutend mit dem Arminianismus geworden ist. Jakobus Arminius (1560–1609) lehrte, dass alle Menschen verderbte Sünder sind, aber er sah nicht ein, dass ihre Verdorbenheit derart ist, dass sie sich nicht dafür entscheiden können, an das Evangelium zu glauben. Er lehrte, dass die Menschen, obwohl sie gefallene Geschöpfe sind, immer noch freie moralische Wesen sind und es daher in ihrer Macht liegt, an das Evangelium zu glauben, wenn sie sich dafür entscheiden.

J.N. Darby sagte:

Der Arminianismus, oder besser gesagt der Pelagianismus, gibt vor, dass der Mensch wählen kann und dass der alte Mensch folglich durch das, was er [der Arminianismus] für richtig hält, verbessert wird. Der erste Schritt wird ohne Gnade getan, und es ist der erste Schritt, der in diesem Fall wirklich etwas bedeutet. Ich glaube, dass wir uns an das Wort halten sollten, aber philosophisch und moralisch gesehen ist der freie Wille eine falsche und abwegige Theorie.[6]

 

Anmerkungen

[1] J.N. Darby, Synopsis—on Colossians, S. 48, Loizeaux Bros. Edition.

[2] P. Wilson, „God’s Sovereignty—Man’s Responsibility“ in Christian Truth for the Household of Faith, Jg. 12, 1959, S. 250.

[3] H. Smith, The Epistle to the Ephesians, S. 17.

[4] A.P. Cecil, „New Birth, Salvation, Sealing“ in Helps by the Way, Jg. 3, NS, 1880, S. 175.

[5] A.H. Rule, „Eternal Life and the Person of Christ“ in Selected Ministry of A.H. Rule, Bd. 2, S. 210.

[6] J.N. Darby, Brief vom 23. Oktober 1861, Letters of J.N. Darby, Bd. 1, S. 315.


Übersetzt aus: Unsound Doctrinal Statements & Clichés, S. 25


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