Nehemia – ein treuer Dienstknecht Gottes (1)
Nehemia 1

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 15.04.2014, aktualisiert: 08.02.2019

Leitverse: Nehemia 1

Einleitung

Nehemia schreibt in diesem Buch seine eigene Geschichte auf. Er war nicht aus königlichem Haus wie Serubbabel und er war auch kein Priester wie Jeschua oder ein Schriftgelehrter wie Esra. Nehemia ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „Normalo“, einer wie du und ich. So liegt seine Hauptaufgabe auch nicht im Bereich des Altars oder des Tempels, sondern im Bereich des alltäglichen und bürgerlichen Lebens in Jerusalem. Und weil Nehemia so ein ganz normaler Typ war, wird es uns leichter fallen, seine Geschichte auf unser Leben zu übertragen. Nehemia hatte eine schöne Stellung am königlichen Hof: Er war Mundschenk bei König Artasasta (Neh 1,11b). Ein Mundschenk ist ein Vertrauter des Königs, der die Aufgabe des Verkosters hatte und sich um die Belange des Königs kümmerte; später machte der König Nehemia zum Statthalter von Juda (Neh 5,14).

Nehemias Eigenschaften 

Das ist übrigens immer die Weise Gottes, dass man sich in dem, worin man ist, bewährt. Der Herr Jesus sagt in einem Gleichnis:

  • Mt 25,21: Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen.

  • Lk 16,10: Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu.

Nehemia hatte jedoch noch andere wertvolle Eigenschaften, die uns zum Vorbild dienen können:

Sich interessieren

Wenn du ein treuer Mitarbeiter Gottes werden willst, dann interessiere dich für deinen Nächsten und die Gemeinde. Von Nehemia heißt es:

Neh 1,2: Und ich fragte sie nach den Juden, den Entronnenen, die von der Gefangenschaft übrig geblieben waren, und nach Jerusalem.

Nehemia fragte nach, er interessierte sich für den Nächsten (die Juden) und für die Sache Gottes: seine heilige Stadt Jerusalem, die Stadt des großen Königs. Womit beschäftigen wir uns in der Freizeit? Haben wir noch unsere Mitgläubigen im Auge? Interessieren wir uns noch für die Sache Gottes? Was bedeutet dir das neue Jerusalem (so wird die Versammlung im ewigen Zustand genannt [vgl. Off 21]), die Versammlung oder Kirche Gottes auf der Erde? Fragen wir noch nach dem Ort, wo der Herr seinen Namen wohnen lassen wollte? Hast du den Geist Nehemias?

Leid tragen

Als Nehemia von dem erbärmlichen Zustand Jerusalems hört, trifft ihn das ins Herz:

Neh 1,3.4: Und sie sprachen zu mir: Die Übriggebliebenen, die von der Gefangenschaft dort in der Landschaft übrig geblieben sind, sind in großem Unglück und in Schmach; und die Mauer Jerusalems ist niedergerissen, und seine Tore sind mit Feuer verbrannt. Und es geschah, als ich diese Worte hörte, setzte ich mich hin und weinte und trug Leid tagelang …

Nehemia hatte den Geist Christi. Wie oft war der Herr Jesus „innerlich bewegt“, wenn Er sah, was für einen Schaden die Sünde im Menschen angerichtet hatte (vgl. Mk 1,41). Nehemia schmerzte es so tief, das er sich hinsetzte und weinte und über den Zustand Jerusalems „Leid trug tagelang“ (Neh 1,4).

Wenn wir wirklich ein offenes Auge für Gottes Sache haben, dann hecheln wir nicht von einer Evangelisationsveranstaltung zur nächsten, sondern dann setzen wir uns mal hin und trauern darüber, dass die Christenheit (und damit auch jeder von uns) so sehr versagt hat. Alle Evangelisationsverkündigungen werden nichts ausrichten, wenn wir nicht mehr nach den Interessen Gottes fragen und danach, was Ihm wirklich wichtig ist. Viele sind so sehr davon überzeugt, dass Evangelisation das Einzige ist, woran Gott in dieser Zeit Interesse hat, dass sie nicht einmal bereit sind, auf ihre Knie zu gehen, das Wort Gottes zu lesen und den Herrn wirklich aufrichtig zu fragen: „Herr, zeige mir aus deinem Wort, was dir wirklich wichtig ist.“

Wenn wir die Sache Gottes auf dem Herzen haben, dann werden wir natürlich auch evangelisieren, aber zuerst geht es um den Wohnplatz Gottes und darum, wie wir Ihm Lob, Preis und Anbetung bringen können. Die Verherrlichung Gottes muss immer und zu jeder Zeit höchste Priorität haben, sonst verkommt unser Dienst für Gott zu reinem Humanismus. Und aus dieser Gemeinschaft mit Gott heraus laden wir die Menschen ein, sich diesem großen Gott zu ergeben, sich vor Ihm freiwillig zu beugen, bevor sie es einmal gezwungenermaßen tun müssen (vgl. Phil 2).

Es geht hier im Übrigen nicht darum, dass wir in einer Sonntagsmorgenstunde oder während eines Vortrages oder eines Jugendtages einen emotionalen Gefühlsausbruch erleben. Nehemia trauerte und weinte tagelang. Vielleicht haben wir mal tagelang geweint, als wir eine schlimme Nachricht bekamen, dass ein geliebter Mensch von uns gegangen ist, oder als wir die Nachricht über eine unheilbare Krankheit bekamen. Viele von uns werden es vielleicht noch nie erlebt haben, was es bedeutet, über Tage hinweg zu weinen. Und wir können annehmen, dass die Trauer Nehemias fast vier Monate andauerte (vgl. Neh 1,1; 2,1; das ist die Zeit zwischen dem Monat Kislew und Nisan). Nehemia weinte jedenfalls nicht, weil er einen persönlichen Rückschlag verkraften musste, sondern weil Jerusalem, die heilige Stadt, in Schutt und Asche lag!

Beten und Fasten

Neh 1,4: Und ich fastete und betete vor dem Gott des Himmels.

Nehemia ist ein Mann des Gebetes, das finden wir im gesamten Buch immer wieder bestätigt. Es sind echte Perlen, die wir im Buch Nehemia immer wieder finden können, wenn wir sehen, wie dieser Mann mit Gott lebte (vgl. Neh 2,4.8.12.18.20; 3,36; 4,3.14; 5,9.15; 6,9.12; 13,11.14). Wenn wir uns auf der horizontalen Ebene mit den Problemen der Menschen beschäftigen wollen, dann muss zuerst unsere vertikale Beziehung zu Gott stimmen.

Zudem lesen wir in Vers 4, dass Nehemia fastete. Treue Dienstknechte Gottes haben gelernt zu verzichten. Enthaltsamkeit ist eine Frucht des Geistes (Gal 5,22.23), etwas, was der Geist Gottes in uns bewirken kann. Dann verzichten wir nicht auf weltliche oder gar böse Dinge – das sollte für einen Christen sowieso klar sein –, sondern dann verzichten wir auf Dinge, die Gott an sich vielleicht sogar als Segen für den Menschen geschenkt hat. Bei Paulus ging es so weit, dass er auf die Ehe verzichtete, obwohl sie von Gott zum Segen eingerichtet wurde.

Ehrfurcht und Schuldbewusstsein

Neh 1,5: Ach, HERR, Gott des Himmels, du großer und furchtbarer Gott …

In Vers 5 lesen wir dann, dass ein treuer Mitarbeiter Gottes jemand ist, der in ehrfurchtsvoller Weise Gott lobt, der aber auch gelernt hat, seine eigene Schuld zu bekennen und sich mit der Schuld anderer einszumachen: „Auch … ich … habe gesündigt … Wir haben sehr böse … gehandelt“ (Neh 1,6.7). Wie sieht es bei uns aus? Wenn wir von der Sünde eines Mitbruders hören, stellen wir uns dann darüber? Denken wir dann heimlich: „Das hätte mir nicht passieren können!“?

Kenntnis des Wortes Gottes

Ein letzter Charakterzug Nehemias in diesem Kapitel ist, dass er auch das Wort Gottes gut kannte. Sein Gebet ist deshalb sehr einsichtsvoll, weil er Gott an das erinnert, was Er selbst verheißen hatte (Neh 1,8-10). Er erinnert Gott an die Worte, die durch Mose aufgeschrieben wurden:

Neh 1,8: Gedenke doch des Wortes, das du deinem Knecht Mose geboten hast.

Willst du ein brauchbarer Dienstknecht Gottes sein? Dann musst du das Wort Gottes kennen. Psalm 1 drückt es so aus:

„Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen und nicht steht auf dem Weg der Sünder und nicht sitzt auf dem Sitz der Spötter, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht!“ (Ps 1,1.2).

Gottesfurcht

Neh 1,11: Ach, Herr, lass doch dein Ohr aufmerksam sein auf das Gebet deines Knechtes und auf das Gebet deiner Knechte, die Gefallen daran finden, deinen Namen zu fürchten; und lass es doch deinem Knecht heute gelingen und gewähre ihm Barmherzigkeit vor diesem Mann! – Ich war nämlich Mundschenk des Königs.

„Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang“, so heißt es in Sprüche 9,10. Nehemia dachte nicht groß von sich selbst, sondern überaus groß von Gott. Er betete in Vers 4 „du großer und furchtbarer Gott“. Marco Leßmann definiert Gottesfurcht wie folgt: 

Gottesfurcht ist die Hochachtung vor der Größe und Autorität Gottes und das tiefe Bewusstsein seiner Heiligkeit verbunden mit dem Wunsch, ein Leben zu führen, das die völlige Zustimmung Gottes findet und seinen Willen und seine Ehre über alles stellt.[1]

Obwohl Nehemia kein Schriftgelehrter war, hatte er eine tiefe Kenntnis und Ehrfurcht vor Gottes Wort. Er wurde sehr wahrscheinlich in der Gefangenschaft, weit weg von der Stadt Jerusalem, geboren. Seine Eltern mussten ihm eine liebe zu Gottes Wort und zu „der Stadt des großen Königs“ ins Herz gelegt haben. Gottesfurcht zeigt sich dadurch, dass wir Gottes Wort ernst nehmen, dass wir zittern vor seinem Wort (Jes 66,2). Sie zeigt sich aber auch in einer konsequenten Haltung dem Bösen gegenüber (Spr 8,13; 16,6; 2Kor 7,1), die wir im weiteren Verlauf auch bei Nehemia finden. Gottesfurcht ist das tiefe Bewusstsein seiner Heiligkeit.

 

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Anmerkungen

[1] Quelle: https://www.bibelstudium.de/articles/3022/gottesfurcht.html

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