Nehemia – ein treuer Dienstknecht Gottes (11)
Nehemia 11

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 19.07.2017, aktualisiert: 01.12.2017

Die Bewohner Jerusalems

Neh 11,1.2: Und die Obersten des Volkes wohnten in Jerusalem. Und das übrige Volk warf Lose, um je einen von zehn kommen zu lassen, damit er in Jerusalem, der heiligen Stadt, wohne, die neun anderen Teile aber in den Städten blieben. Und das Volk segnete alle Männer, die sich freiwillig erboten, in Jerusalem zu wohnen.

Das Kapitel 11 knüpft an Nehemia 7,4 unmittelbar an:

  • „Die Stadt aber war geräumig und groß, und das Volk darin spärlich, und keine Häuser waren gebaut“ (Neh 7,4).

Um die Sicherheit und das Leben in der „heiligen Stadt“ zu gewährleisten, war es nötig, dass die Stadt auch bevölkert wurde. Es war für einen Israeliten nicht unbedingt ein Vergnügen, unmittelbar in Jerusalem zu wohnen. Der Feind war ständig aktiv, und die Infrastruktur war schlecht. Vieles lag noch in Schutt und Asche, und so zogen es viele vor, außerhalb der Stadt zu wohnen. Jene, die sich freiwillig zur Verfügung stellten, aber auch jene, die durch Losentscheid gezogen wurden, mussten auf ihre Weinberge, Feigenbäume und Häuser verzichten.

Es kann Momente im Leben eines Christen geben, die höher wiegen als jeder irdische Segen. Zum ersten Mal lesen wir davon, dass Jerusalem die „heilige Stadt“ (Neh 11,1.18)  genannt wird. Im Neuen Testament wird sie sogar die „Stadt des großen Königs“ genannt (Mt 5,35). Diese Tatsache legt den Nachdruck darauf, wie wichtig diese Stadt in den Augen Gottes war. In der heutigen Zeit sollte die Versammlung Gottes höchste Priorität haben, denn sie ist das neue Jerusalem und die heilige (himmlische) Stadt  (Off 21).

Es mag sein, dass in der Versammlung Gottes manches zerstört ist und sich vieles im Niedergang befindet so wie damals in Jerusalem. Doch bleiben wir dabei nicht stehen, sondern sehen wir mal die Versammlung Gottes aus der ewigen Perspektive:

Der Herr Jesus verspricht:

  • „Die Pforten des Hades werden sie [die Versammlung] nicht überwältigen“ (Mt 16,18).

Er wird sich die Gemeinde einmal verherrlicht darstellen, und sie wird völlig rein und ohne Flecken und Runzel sein:

  • „… damit er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und untadelig sei“ (Eph 5,27).

Ob wir wohl auch bereit sind, für den Dienst an der Gemeinde auf irdische Vorrechte zu verzichten? Jeder, der sich freiwillig in den Dienst der Gemeinde stellt, kann unter normalen Umständen damit rechnen, vom übrigen Volk gesegnet zu werden (Neh 11,2).

Die Bewohner der Landschaften Israels

Ab Vers 20 lesen wir dann die Verteilung der übrigen des Volkes Gottes, die in „allen Städten Judas, jeder in seinem Erbteil“, wohnen sollten.

Neh 11,20-22: Und das übrige Israel, die Priester, die Leviten, waren in allen Städten Judas, jeder in seinem Erbteil. Und die Nethinim wohnten auf dem Ophel; und Zicha und Gischpa waren über die Nethinim. Und Aufseher der Leviten in Jerusalem war Ussi, der Sohn Banis, des Sohnes Haschabjas, des Sohnes Mattanjas, des Sohnes Michas, von den Söhnen Asaphs, den Sängern, bei der Arbeit im Haus Gottes.

Die Mauer hatte die Aufgabe, „zwischen dem Heiligen und Unheiligen zu scheiden“ (Hes 42,20). Das bedeutete jedoch nicht, dass alles außerhalb der Mauer automatisch böse sein würde. Nein, es bedeutete, das alles innerhalb der Mauer in besonderer Weise für Gott beiseitegestellt und geweiht war. Es war nie nach den Gedanken Gottes, das Volk zu spalten oder alle die auszuschließen, die außerhalb Jerusalems wohnten.

In späteren Zeiten erhob das Volk innerhalb der Mauern tatsächlich diesen exklusiven Anspruch. Die Folge war, dass die Herrlichkeit Gottes den Tempel verließ (vgl. Hes 11,15.23). Es ist immer Vorsicht geboten, wenn eine Gruppe von Christen den Anspruch erhebt, die Gegenwart Gottes allein zu besitzen. Der Ausleger Hamilton Smith schreibt:

So ist das richtige Erfassen dieses Teiles des Buches Nehemia von der größten Wichtigkeit für jene, die in unsern Tagen von den menschlichen Systemen befreit worden sind, um noch einmal zu versuchen, die Grundsätze des Hauses Gottes aufrechtzuerhalten. Wer die Lektionen der Geschichte dieses Überrests beachtet, wird vor mancher Falle bewahrt, in die man so leicht gerät. Wir sollten wirklich begreifen, dass es ohne Absonderung unmöglich ist, die Heiligkeit des Hauses Gottes aufrechtzuerhalten. Aber wir sollten auch die ernste Gefahr klar erkennen, die darin besteht, die unbestrittene Wahrheit der Absonderung zu missbrauchen, um eine auserlesene Gruppe zu bilden, die viele Angehörige des Volkes Gottes ausschließt, die Rechte des Herrn verleugnet und schlussendlich die eigentliche Wahrheit vom Hause Gottes verliert, die durch eine wahre Absonderung vom Bösen bewahrt würde (aus Lasst uns die Mauer Jerusalems aufbauen!, Beröa-Verlag, S. 78).

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