Das Gebet des Glaubens
Jakobus 5,14-16

M.J. Arentsen

© EPV, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 11.01.2018

Leitverse: Jakobus 5,14-16

Jak 5,14-16: Ist jemand krank unter euch? Er rufe die Ältesten der Versammlung zu sich, und sie mögen über ihn beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken heilen, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden. Bekennet denn einander die Vergehungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet; das inbrünstige Gebet eines Gerechten vermag viel.

Einleitung

Die drei Lebensumstände, die Jakobus im vorhergehenden Vers und hier in Vers 14 nennt (Leiden, Freude und Krankheit) umfassen natürlich nicht das ganze Leben. Es gibt viele Lebenslagen, die er nicht erwähnt. Das deutet schon darauf hin, dass Jakobus die Dinge, über die er schreibt, nicht erschöpfend behandeln will. Deshalb denke ich, dass das, was Jakobus hier im Fall von Krankheit schreibt, auch nicht die absolut einzige Lösung und das Rezept für jede Krankheit ist. Das geht auch daraus hervor, dass wir in späteren Briefen von Gläubigen lesen, die die Gabe haben, Heilungen zu vermitteln, ohne dass die Ältesten der Versammlung dabei auftreten. Wir dürfen also aus diesem Vers kein Gesetz machen, das in jedem Fall zu befolgen ist. Das merkt man auch an Vers 16, der etwas allgemeiner gefasst ist. Nur wenn jemand im Glauben die Ältesten rufen möchte, kann von dem in Vers 14 und 15 beschriebenen Weg in der Praxis Gebrauch gemacht werden. Darüber aber später mehr. Manchmal wird es dem Kranken klar, dass Gott ihn beiseitenehmen will, damit er für eine gewisse Zeit in der Gemeinschaft mit Gott ausruhen kann. Dann wird er keine Ältesten rufen, sondern geduldig Gottes Zeit abwarten oder aber sich danach sehnen, heimzugehen, um bei Christus zu sein, denn das ist bei weitem das Beste. Spätere Briefe, die die Wahrheit bezüglich der Versammlung und unser persönliches Leben als Himmelsbürger beschreiben, lassen uns sehen, dass das Leben auf der Erde letztlich nicht das Ziel und die Bestimmung eines Christen ist. Gottes Absicht mit uns ist, dass wir bei Christus sein sollen, da, wo Er jetzt ist.

Warum die Ältesten geholt werden sollen?

Aber nun zurück zu Jakobus. Er beginnt mit einer Frage: „Ist jemand krank unter euch?“ Die Worte „unter euch“ bringen es mit sich, dass wir darüber nachdenken, an wen dieser Brief geschrieben ist und an wen Jakobus sich hier im Besonderen richtet:

  1. Das Erste ist klar: Jakobus schreibt an die zwölf Stämme Israels in der Zerstreuung. Darin liegt wieder ein Hinweis, dass wir das, was an Israeliten (und dazu gehören auch Ungläubige) geschrieben wurde, nicht ohne weiteres auf uns übertragen dürfen. Da gilt es, genau zu erwägen, ob das, was Jakobus hier schreibt, auch auf Christen aus den Nationen und aus unserer Zeit bezogen werden kann. Das, was Jakobus hier sagt, werden gläubige Israeliten möglicherweise schon bald wieder tun, nämlich in der großen Drangsal, zumal es dann für Gläubige unmöglich ist, einen Arzt zu rufen, weil jeder, der das Zeichen des Tieres nicht trägt, nicht kaufen oder verkaufen kann, also schon gar nicht einen Arzt in Anspruch nehmen kann.

  2. Mit dem Wort „Gläubige“ sind wir bei unserem zweiten Punkt: Jakobus wendet sich hier im Besonderen an Gläubige unter den zwölf Stämmen. Das wird aus dem Zusammenhang deutlich. Ab Vers 7 spricht er zu den Brüdern, und das waren Gläubige. Wir finden dieses Wort weiter in Jakobus 5,9.10.12.19. „Unter euch“ bedeutet also: unter den Gläubigen aus den zwölf Stämmen außerhalb des verheißenen Landes.

Wahres Gottvertrauen ist nötig, um den hier angewiesenen Weg zu gehen und die Ältesten der Versammlung zu sich zu rufen. Schon in Apostelgeschichte 5,11 lesen wir von der Versammlung. Bis dahin waren nur Juden zur Bekehrung gekommen, und doch wird das Wort „Versammlung“ schon gebraucht, obwohl die Wahrheit, dass Juden und Nationen zu einem Leib vereinigt werden, damals noch völlig unbekannt war. Das Wort „Versammlung“ deutet also auf die Gläubigen aus den Juden hin, die ihr Vertrauen auf Jesus Christus, den Messias, gesetzt hatten. Dadurch, dass viele bekehrte Juden aus allerlei Ländern nach dem Pfingstfest wieder an ihren Wohnsitz zurückkehrten und dort ihren Volksgenossen von Christus berichteten, entstanden auch dort Versammlungen, zu denen im Anfang nur Juden gehörten. An sie wendet sich Jakobus. Zu Beginn seines Briefes begegnet uns das Wort „Synagoge“, hier das Wort „Versammlung“. Mit „Versammlung“ sind die Gläubigen gemeint, mit „Synagoge“ das Gebäude, in dem sie zusammenkamen.

Unter den Juden im Alten Testament und zur Zeit des Herrn war es üblich, dass Männer mit Weisheit und einem gewissen Lebensalter einen besonderen Platz einnahmen. Sie wurden Älteste genannt, erfüllten gewisse Aufsichts- und Führungsfunktionen und wurden bei schwierigen Fragen zu Rate gezogen. Sie wurden nicht als Älteste angestellt, sondern nahmen diesen Platz aufgrund ihres Alters und ihrer Besonnenheit ein. Auch unter den Judenchristen gab es Älteste, und zwar wie auch sonst, ohne offizielle Anstellung. Der Heilige Geist akzeptiert das und ermahnt die Ältesten durch Petrus, die Herde Gottes freiwillig zu hüten und die Aufsicht ohne Zwang und Nebenabsichten zu führen, als Vorbilder für die Herde. Die Jüngeren werden ermahnt, den Ältesten (oder: Älteren) untertan zu sein (1Pet 5,2-5). Ein Kranker konnte diese Ältesten, die Vorbilder für die Herde waren, zu sich rufen. Dazu war Glaube nötig und das Bewusstsein, dass Gott voll Gnade und Liebe ist. Dann sollten sie den Kranken im Namen des Herrn mit Öl salben und speziell für ihn beten. Das Gebet des Glaubens sollte dann den Kranken heilen (retten).

Beten ist äußerst wichtig. Welche Kraft geht davon aus, besonders wenn ein tiefes Gottvertrauen vorhanden ist! Nicht die Tatsache, dass die Ältesten eine spezielle Stellung einnehmen, ist der Grund dafür, dass Gott hört, sondern ihr gläubiges Vertrauen. Älteste müssen vertrauenswürdige Brüder sein, die wahre Vorbilder sind im Wort und im Wandel. Dann kann Gott hören und erhören. Aber nicht aufgrund ihrer Bedeutung oder Würde, sondern aufgrund ihres Lebens mit Gott. Sie sollen „über“ den Kranken beten, d.h., sie sollen den Kranken zum speziellen Gegenstand ihres Gebetes machen. Und der Zusammenhang zeigt m.E., dass dieses gemeinsame Gebet in der Gegenwart des Kranken ausgesprochen wird. Er hat sie zu sich gerufen, und sie haben den Namen des Herrn über ihm angerufen, als sie ihn salbten. Es fällt noch auf, dass von dem Gebet des Glaubens gesprochen wird, nicht von den Gebeten des Glaubens. Obwohl vielleicht jeder der Ältesten gebetet hat, wird es doch als ein Gebet gesehen. Es kann auch sein, dass einer der Ältesten im Namen aller gebetet hat. In jedem Fall wird der Kranke durch das Gebet des Glaubens geheilt, wobei der Nachdruck auf dem Glauben liegt.

Was bedeutet das Öl?

Nun bleiben noch einige Fragen offen:

  1. Was bedeutet die Salbung mit Öl in diesem Zusammenhang?
  2. Müssen wir das, was Jakobus hier schreibt, einer Übergangsphase zurechnen, weil die Juden immer noch erwarteten, dass das Reich Gottes, das Tausendjährige Friedensreich, ganz bald anbrechen werde?
  3. Wirkt Gott auch in Zeiten des Verfalls gemäß diesen Anordnungen?
  4. Ist auch noch auf einem anderen als dem hier angegebenen Weg Heilung durch Gebet möglich?

1. Was bedeutet die Salbung mit Öl in diesem Zusammenhang?

Schon die erste Frage ist nicht leicht zu beantworten. In Markus 6,13 wurden durch die Jünger viele Kranke mit Öl gesalbt und dann geheilt, ohne dass wir von einem ausdrücklichen Auftrag des Herrn hören, mit Öl zu salben. Vollständigkeitshalber müssen wir auch sagen, dass in Markus von einem Auftrag, Kranke zu heilen, nicht die Rede ist, obwohl das gewiss in der Aussendung der Jünger eingeschlossen war. Matthäus 10,1.8, wo von derselben Aussendung die Rede ist, erwähnt wohl, dass der Herr ihnen Macht gab, jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen, ohne dass dabei der Gebrauch von Öl genannt wird. Öl ist in der Schrift ein Bild vom Heiligen Geist als Salbung, aber daran sollten wir hier nicht denken. Es ist ein wörtliches Salben mit Öl gemeint. Man wusste, dass Öl auf Wunden schmerzlindernd wirkt (Jes 1,6 und Lk 10,34, wo der Wein als Desinfektionsmittel erwähnt wird), und vielfach dachte man, dass Öl imstande sei, körperliche Krankheiten zu heilen. Deshalb wurde es bei den Juden zur Gewohnheit, mit Öl zu salben. Aber nicht Gewohnheiten heilen eine Krankheit, sondern das Gebet des Glaubens. Hier aber wird nicht nur mit Öl gesalbt; es wird mit Öl gesalbt im Namen des Herrn. Der heilige Name Gottes als Herr wird über dem Kranken ausgerufen. So wird der Kranke sich noch tiefer bewusst, dass Gott, der Herr, ihn sieht und kennt und dass Er allein Heilung schenken kann. M.E. ist die Salbung mit Öl hier keine bedeutungslose Sache, die man damals ebenso gut weglassen konnte, weil nämlich der Name des Herrn dabei aus- bzw. angerufen wird. Gott knüpft häufig an Gewohnheiten an und gibt ihnen dann eine tiefere Bedeutung, wobei Er hier selbst das Öl als Heilmittel benutzen kann.

2. Müssen wir das, was Jakobus hier schreibt, einer Übergangsphase zurechnen, weil die Juden immer noch erwarteten, dass das Reich Gottes, das tausendjährige Friedensreich, ganz bald anbrechen werde?

Die zweite Frage – ob es hier um eine Übergangsphase geht – ist ebenfalls nicht leicht zu beantworten. Es ist sehr gut möglich, dass Gott tatsächlich jüdische Vorschriften gegeben hat, die bis zu dem Zeitpunkt gültig waren, wo jeder irdischen, jüdischen Erwartung durch die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n.Chr. der Boden entzogen wurde. Jakobus hat seinen Brief ja wahrscheinlich vor allen anderen Briefen des Neuen Testamentes geschrieben, jedenfalls lange vor dem Hebräerbrief, der kurz vor der Zerstörung Jerusalems entstand und in dem die gläubigen Hebräer ermahnt werden, von dem irdischen Jerusalem und dem äußerlichen jüdischen Gottesdienst und den jüdischen Gewohnheiten abzublicken und auf die Dinge zu sehen, die mit dem Himmel in Verbindung stehen. In der Anfangszeit lebten die Juden in der Erwartung der baldigen Rückkehr Jesu und der Aufrichtung des Friedensreiches. Den Anbruch dieses Reiches wollten sie gern miterleben. Daher ihr Wunsch, wieder gesund zu werden und von der Erde aus den Messias zu erwarten. Das gleiche Verlangen werden die Juden zur Zeit der großen Drangsal haben. Auch dann hoffen die gläubigen Israeliten, lebend in das Friedensreich einzugehen: „Glückselig der, welcher harrt und tausend dreihundertfünfunddreißig Tage erreicht!“ (Dan 12,12). Die leidenden und sterbenden Gläubigen muss Gott in Offenbarung 14,13 ermutigen, indem Er ihnen sagt, dass auch sie, ja gerade sie, gesegnet sein werden: „Glückselig die Toten, die im Herrn sterben, von nun an. Ja, spricht der Geist, auf dass sie ruhen von ihren Arbeiten, denn ihre Werke folgen ihnen nach.“ Gläubige Juden, die in der großen Drangsal keinen Arzt an ihr Krankenbett rufen können, mögen diesen Weg zur Heilung in Anspruch nehmen, um dann dabei zu sein, wenn der Messias kommt.

Wir können diese Verse also in gewissem Sinne als eine Übergangsmöglichkeit für Heilungen auffassen; ob wir uns aber in unserer Zeit an genau dieselben Richtlinien halten müssen, ist noch die Frage. Der Brief war an alle zwölf Stämme in der Zerstreuung geschrieben, also an Israeliten, und zwar noch nicht einmal ausschließlich an Gläubige, und schon gar nicht an Gläubige aus den Nationen. Mit dieser Bemerkung sind wir bei unserer dritten Frage angelangt:

3. Wirkt Gott auch in Zeiten des Verfalls gemäß diesen Anordnungen?

Lasst uns dabei betonen: Gott ist der Unveränderliche, Er kann allen Heilung schenken. Wenn wir zum Arzt gehen (und diese indirekt durch Gott gegebenen Möglichkeiten sollten wir nie verachten), bleibt Er doch unser großer Gott, der allein Heilung schenken kann. Wir mögen die Mittel und Möglichkeiten, die unsere Zeit bietet, benutzen, aber es ist doch immer Abhängigkeit von Gott und Vertrauen auf Ihn nötig. In einigen Fällen kann ein Kranker das Bedürfnis haben, ältere, vertrauenswürdige Brüder zu sich zu rufen, damit sie für ihn bzw. sie beten. Warum nicht? Und sollte Gott dann nicht erhören wollen? Er bleibt derselbe.

Die Frage ist aber nun doch, ob wir in unserer Zeit streng an dem Wortlaut hier festhalten müssen, also z.B. auch an der Salbung mit Öl. Wenn wir vor allem in unserer Zeit die Sache wörtlich nehmen wollen, so ist diese Art der Heilung unmöglich, denn die Ältesten der Versammlung an einem bestimmten Platz sind nicht die Ältesten einer Kirche oder einer Gruppe oder von denen, die an dem betreffenden Platz zum Namen des Herrn Jesus zusammenkommen. Wörtlich betrachtet, erscheint es mir heute unmöglich, die Vorschriften des Jakobus zu befolgen, aber ihrem Geist und Sinn gemäß bleiben sie auch in unserer Zeit gültig. Wenn ein Kranker weiß, dass seine Krankheit eine Folge der Zucht Gottes ist und wenn er das Vertrauen hat, dass Gott in seinem Fall Heilung schenken will, dann mag er ältere Brüder zu sich rufen, die allgemein Vertrauen genießen, damit sie über ihn beten. Und wenn der Kranke Wert darauf legt, mit Öl gesalbt zu werden, weil er das so im Wort gesehen hat, weshalb sollten die Brüder das dann nicht tun? Gott ist jedoch nicht an Regeln gebunden, und für unsere Zeit ist unsere Stelle keine zwingende Heilungsvorschrift. Die Schrift kennt nämlich noch andere Möglichkeiten, Heilung zu empfangen. Auf diese vierte Frage wollen wir bei der Betrachtung von Vers 16 eingehen.

Das Resultat von Vers 14 ist, dass das Gebet des Glaubens den Kranken heilt und dass der Herr ihn aufrichtet. Das Gebet bringt den mächtigen Arm Gottes, unseres Herrn, in Bewegung. Wie ist Er doch voll Gnade, dass Er sich mit solchen Dingen wie Krankheit, Gebet und Heilung beschäftigt. Das Wort „Kranker“ in Vers 15 hat eine etwas andere Bedeutung als das Wort „krank“ in Vers 14. Da bedeutet es, krank sein an einer bestimmten Krankheit, während es sich hier (V. 15) mehr auf die Folgen bezieht: „depressiv sein, müde und matt werden“ und dergleichen. Dasselbe Wort wird in Hebräer 12,3 und Offenbarung 2,3 mit „ermüden“ bzw. „müde werden“ übersetzt.

Ja, Gottes Hand kann schwer auf jemand lasten, so dass nicht die eigentliche Krankheit am schwersten zu ertragen ist, sondern die geistliche Ermüdung und der innere Kampf, weil der Herr mir durch diese Krankheit etwas zu sagen hat. Wie kann es dann unseren Herzen Erleichterung verschaffen, wenn wir vertrauten Brüdern unsere Probleme anvertrauen und sie für uns beten lassen! Welch eine Ruhe schenkt es uns, dass sie alles der Hand des Herrn übergeben! Der Kranke wird im Blick auf sich selbst nicht denken, gerecht zu sein, von der Gerechtigkeit der Ältesten aber wird er überzeugt sein. Und das Gebet des Gerechten vermag viel. Gott sieht das Gebet des Glaubens bei den Ältesten. Sie haben den Glauben, dass es mit dem Kranken besser wird. Dann wird die geistliche Heilung durch dieses Gebet des Glaubens eintreten, während die körperliche Heilung durch den Herrn damit verbunden ist. Es ist hier ja von zwei Dingen die Rede: der Kranke wird gesund (Joh 11,12), und der Herr richtet ihn auf. Ich denke, das bedeutet, dass er das Krankenbett wieder verlassen kann. Die Krankheit war offensichtlich nicht nur eine kleine Grippe oder etwas Kopfschmerzen, sondern sie führte zu einer starken körperlichen Ermattung und einer seelischen Niedergeschlagenheit, besonders weil der Kranke darin die Zucht Gottes erkannte.

Ein schönes Bild von Brüdern, die mit dem Herrn über einen Kranken sprechen, finden wir in Markus 1,30.31. Die Jünger des Herrn sprachen mit Ihm über die Schwiegermutter des Petrus, die an Fieber zu Bett lag. Der Herr ging zu ihr, ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf, genau wie es im Jakobusbrief steht. Und die Heilung war so vollkommen, dass sie ihnen unmittelbar danach diente.

Ein anderes Beispiel haben wir in Lukas 5,17-26, wo ein Gelähmter durch den Herrn geheilt wird. Seine Freunde, mit denen er zweifellos über sein Leiden und seinen Wunsch, geheilt zu werden, gesprochen hatte, brachten ihn zu dem Herrn. Ihre Liebe zu dem Gelähmten war so groß, dass sie keine Mühe scheuten, wie man das von Ältesten erwarten darf. Und der Herr, der die Herzen kennt, schenkte dem Gelähmten zuallererst die Vergebung seiner Sünden, die Ruhe für sein Herz. Und das wohl, weil Er ihren Glauben (den der Freunde) sah. Anschließend kam dann auch die Heilung des Leibes, als Beweis seiner Macht, auf der Erde Sünden zu vergeben. Welch ein Herr!

Nun zurück zum Jakobusbrief. Das Krankenlager kann noch eine besondere Ursache gehabt haben, nämlich bestimmte Sünden. Gott kann eine Krankheit auf einen Gläubigen legen als Zuchtmittel, um ihn vor bestimmten Gefahren zu bewahren oder um ihn in gewissen Punkten zu belehren, wie es bei Hiob der Fall war, aber es kann eben auch sein, dass bestimmte Sünden die Ursache sind. In dem Fall weiß der Kranke, welcher Sünden wegen Gott ihn krank werden ließ. Diese Sünden wird er auch den vertrauenswürdigen Ältesten bekennen. Richtet der Herr ihn wieder auf, dann weiß er, dass Gott in seiner Regierung auch seine Sünden vergeben hat und ihrer nie mehr gedenken wird. Auch die Ältesten sollen nie mehr darüber sprechen oder darauf anspielen, denn wenn der Herr durch die Heilung beweist, dass Er Vergebung schenkt, muss das den Ältesten genügen. Überdies können wir auch unsere Hand auf diesen Vers legen, der uns ganz positiv mitteilt, dass die begangenen Sünden völlig vergeben werden. So war es auch bei dem Kranken, der 38 Jahre lang am Teich Bethesda gelegen hatte. Der Herr sagt ihm, er solle nicht mehr sündigen, damit ihm nichts Ärgeres widerfahre.

Vor einer Sache müssen wir noch warnen. Aus diesem Vers darf nämlich nicht der Schluss gezogen werden, dass die Ältesten die Sünden des Kranken vergeben, so dass er in den Himmel kommt. Die Ältesten geben keine Absolution. Das können und dürfen Menschen nicht tun. Gott heilt, und Er beweist damit Menschen, dass Er auch die Sünden, die den Kranken niederdrückten, vergeben hat. Die Ältesten werden das akzeptieren und anerkennen. Der Geheilte wird dann wieder in die Mitte der Gläubigen aufgenommen. Es geht hier um Vergebung der Sünden für diese Erde. Unsere Übersetzung deutet das in feiner Weise an: „Es wird ihm vergeben werden.“

Was haben wir doch für einen mächtigen Gott, der so in Gnade auf all die Seinen herabsieht und unsere Gebete hört und erhört!


Originaltitel: „Das Gebet des Glaubens“
aus Hilfe und Nahrung, Ernst-Paulus-Verlag, 1978, S. 201–209
von SoundWords gekürzte Fassung


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