Trotz Leid nicht verzweifeln
Hiob 42; Jakobus 5,7-11

Frank Binford Hole

© SoundWords, online seit: 17.06.2003, aktualisiert: 27.01.2018

Leitverse: Hiob 42; Jakobus 5

Einleitung

Alle Handlungen Gottes mit seinem Volk haben einen bestimmten Zweck im Auge. Wenn wir an erster Stelle annehmen, dass dies eine Tatsache ist, und wenn wir zweitens etwas Verständnis dafür gewinnen, welcher Art das Ende sein wird, werden wir in unseren Herzen befestigt und beruhigt sowie geduldig und ausdauernd hinsichtlich der Ankunft des Herrn.

Wenn wir Jakobus 5 lesen, dann finden wir, dass er in den ersten sechs Versen die der damaligen Zeit angehörigen Christen als von den Gottlosen betrogen, ja sogar getötet betrachtet (Jak 5,1-6). Dann ermahnt er sie in den Versen 7 und 8 zur Geduld: Sie hatten bis zur Ankunft des Herrn auszuharren, wo dann jede Sache richtiggestellt, wo das Ende, das Gott in all seinem Handeln mit ihnen vor sich hat, erreicht und wo die Rätsel, die seine Wege für uns waren, völlig gelöst sein werden (Jak 5,7.8). In Vers 11 weist er darauf hin, dass sie, während sie auf die Ankunft des Herrn warten, den Trost der Schriften, besonders des Buches Hiob, haben (Jak 5,11). Die Geschichte dieses Patriarchen ist berichtet worden, damit die kommenden Geschlechter Verständnis für das Ende haben möchten, das Gott vor sich hat, wenn Er die schlimmsten Trübsale über sein Volk kommen lässt.

Wir zweifeln, dass heutzutage ein Christ auf der Erde lebt, der nicht mehr oder weniger durch die Umstände versucht ist. Noch mehr, in der großen Mehrzahl der Fälle sind sie nicht nur versucht, sondern aufs Höchste verwirrt und oft in Gefahr, mit Gottes Erziehungsmaßnahmen zu hadern und Fehler an seinen Wegen zu finden. Wir sind alle geneigt, über solche Dinge zu urteilen, wie es Asaph tat, ehe er in das Heiligtum hineinging. Er berichtet uns darüber in Psalm 73. Er erzählt uns, dass er Verständnis über das Ende der Gottlosen erlangte, als er in das Heiligtum Gottes hineinging und dann imstande war, die Rätsel der vorhergehenden Handlung Gottes mit ihnen zu lösen. Es war ihr Ende, dass Asaph entdeckte. Das Ende Gottes, das Ziel, das Er in all seinem Handeln mit seinem Volk vor sich hat, ist eine andere Sache, und dies ist es, was wir in dem Schlusskapitel des Buches Hiob finden.

Wir haben von „dem Ausharren Hiobs“ gehört. Die „Hiobsbotschaft“ ist in der Tat sprichwörtlich geworden. Wohl kaum ist in der Geschichte der Welt jemals ein solches Missgeschick auf einen Menschen an einem Tage gehäuft worden. Die verschiedenen Vorkommnisse trafen so miteinander verbunden ein, dass jeder Gedanke an Zufall ausgeschlossen ist und es klar war, dass dies alles von einer unsichtbaren Welt aus geleitet wurde. Hiobs Freunde und er selbst sahen dies nicht, aber er harrte aus und ließ Gott Zeit, seinen scheinbar dunklen Plan zu einem hellen Ende auszuführen.

Unser Ausharren mag im Vergleich zu dem Hiobs sehr gering sein. Wir mögen kaum die Geduld aufbringen, die zweiundvierzig Kapitel seines Buches durchzulesen, während er in all den Leiden und Versuchungen ausharrte, die darin berichtet werden. Der Apostel Jakobus sagt zu seinen Mitgläubigen: „Das Ende des Herrn habt ihr gesehen.“ Wir mögen uns wohl fragen, ob wir es gesehen haben? Es ist noch wert, angesehen zu werden. Es wird unsere schwache Geduld stärken, wenn wir es betrachten. Lasst uns mit diesem Gegenstand vor Augen Hiob 42 lesen.

Hiob 42,1-17: Und Hiob antwortete dem HERRN und sprach: Ich weiß, dass du alles vermagst und kein Vorhaben dir verwehrt werden kann. Wer ist es, der den Rat verhüllt ohne Erkenntnis ? So habe ich denn beurteilt, was ich nicht verstand, Dinge, zu wunderbar für mich, die ich nicht kannte. Höre doch, und ich will reden; ich will dich fragen, und du belehre mich! Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche. Und es geschah, nachdem der HERR diese Worte zu Hiob geredet hatte, da sprach der HERR zu Eliphas, dem Temaniter: Mein Zorn ist entbrannt gegen dich und gegen deine beiden Freunde; denn nicht geziemend habt ihr von mir geredet wie mein Knecht Hiob. Und nun nehmt euch sieben Stiere und sieben Widder und geht zu meinem Knecht Hiob und opfert ein Brandopfer für euch. Und Hiob, mein Knecht, möge für euch bitten; denn ihn will ich annehmen, damit ich nicht an euch tue nach eurer Torheit; denn nicht geziemend habt ihr von mir geredet wie mein Knecht Hiob. Da gingen Eliphas, der Temaniter, und Bildad, der Schuchiter, und Zophar, der Naamatiter, und taten, wie der HERR zu ihnen geredet hatte; und der HERR nahm Hiob an. Und der HERR wendete die Gefangenschaft Hiobs, als er für seine Freunde betete; und der HERR mehrte alles, was Hiob gehabt hatte, um das Doppelte. Und alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle seine früheren Bekannten kamen zu ihm; und sie aßen mit ihm in seinem Haus, und sie bezeugten ihm ihr Beileid und trösteten ihn wegen all des Unglücks, das der HERR über ihn gebracht hatte; und sie gaben ihm jeder eine Kesita und jeder einen goldenen Ring. Und der HERR segnete das Ende Hiobs mehr als seinen Anfang; und er bekam 14000 Stück Kleinvieh und 6000 Kamele und 1000 Joch Rinder und 1000 Eselinnen. Und es wurden ihm sieben Söhne und drei Töchter geboren. Und er gab der ersten den Namen Jemima und der zweiten den Namen Kezia und der dritten den Namen Keren-Happuch. Und so schöne Frauen wie die Töchter Hiobs wurden im ganzen Land nicht gefunden. Und ihr Vater gab ihnen ein Erbteil inmitten ihrer Brüder. Und Hiob lebte nach diesen Dingen 140 Jahre; und er sah seine Kinder und seine Kindeskinder, vier Geschlechter. Und Hiob starb, alt und der Tage satt.

Nachdem wir diese Verse gelesen haben, wollen wir uns bemühen, kurz zusammenzufassen, was wir hinsichtlich des Endes der Handlungen Gottes mit ihm gesehen haben.

1. Erkenntnis Gottes

Hiob 42,5: Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen.

Hiob war bereichert durch eine vermehrte Erkenntnis Gottes, denn er sagt: „Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen.“ Mit diesen Worten stellt er seine frühere Kenntnis, die er nur durch bloßes Erzählen erlangt hatte, in Gegensatz zu der, die ihm durch persönliche Erfahrung zuteilgeworden war. Er hatte, wenn wir es so ausdrücken wollen, die aus zweiter Hand erhaltene Kenntnis ausgewechselt mit solcher aus erster Hand. Vorher wusste er etwas über Ihn, jetzt kannte er Ihn selbst.

„Nun hat mein Auge dich gesehen.“ Genau genommen war es nicht sein natürliches Auge, denn der Herr war in dem Wirbelwind, und da war keine sichtbare Gestalt vor seinen Augen, sondern sein geistiges Auge. Er hatte einen persönlichen Begriff von und eine Berührung mit Gott erlangt. Lag darin kein Gewinn für ihn? Das war ein gewaltiger Fortschritt.

Dies ist, genau genommen, der erste große Zweck aller Handlungen Gottes mit jedem Gläubigen auch in heutiger Zeit. Jede Versuchung, die unseren Weg durchkreuzt, hat dies zu ihrem Ziel, denn es gibt gewisse Dinge, die nur in der Schule der Erfahrung gelernt werden können. Wir unterschätzen keineswegs das Studium der Bibel. Das sei ferne. Es gibt Dinge, die nur in der Schule eifrigen Bibelstudiums zu lernen sind. Dorthin müssen wir gehen und dort müssen wir sitzen, wenn wir unterwiesen sein wollen in den Gedanken Gottes, um von unseren Gedanken befreit zu werden. Gesunde Lehre ist von größter Wichtigkeit, und dort allein, mit dem Geist Gottes als Lehrer, können wir sie erhalten. Doch um in der erfahrungsgemäßen Erkenntnis Gottes zu wachsen, müssen wir in die Schule der Erziehung eintreten, eine Schule, die uns eine lebenslange Studienzeit anbietet.

Die Schrift ist voll von Beispielen, die uns den Wert der Schule göttlicher Erziehung zeigen. Eine besonders eindringliche Lehre empfangen wir durch das, was uns in Johannes 11 von den Schwestern in Bethanien erzählt wird. Sie machten eine sehr ernste Erfahrung, denn es muss über alle Worte hinaus schmerzlich für sie gewesen sein zu wissen, dass alles gut werden würde, wenn nur der Herr erschiene, während sie diese seltsame Verzögerung, diese scheinbare Gleichgültigkeit erlebten, bis der Tod ihres Bruders eintrat und ihre Hoffnungen zu Staub zerfielen. Wie setzten sie noch bis zum Schluss ihre Hoffnung darauf, dass Jesus um ihren Kummer wusste. Wie kam dadurch nicht nur ihr Vertrauen zu seiner Macht, sondern auch zu seiner Liebe ans Licht. Doch durch das, was geschah, gewannen sie eine Einsicht in sein göttliches Mitgefühl, welches nie, auch während der Ewigkeit im Himmel, in solcher Weise kennengelernt werden kann.

Nun, ist es genau so bei uns in diesen Tagen. Lasst uns ernstlich darum beten, damit wir dieses „Ende des Herrn“ nicht vermissen in all den Versuchungen, denen ins Auge zu sehen wir berufen sind. Wenn dies der glückliche Ausgang der Geschichte unserer schwierigen Umstände ist, so gibt uns das Kraft, sie mit Geduld zu tragen.

2. Selbsterkenntnis

Hiob 42,5.6: Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche.

Indem Hiob diese Kenntnis Gottes gewann, gewann er auch auf eine praktische Weise die Erkenntnis seiner selbst, denn er fügt hinzu: „Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche.“ So ist es immer. Je mehr wir Gott kennen, desto mehr im entgegengesetzten Sinn, lernen wir auch uns kennen. Selbsterkenntnis auf diese Art – wie bei Hiob – zu lernen, ist sehr schmerzlich, doch auch sehr heilsam, denn sie führt zur Befreiung vom Ich, was von größter Wichtigkeit ist.

Es gab eine Zeit in der Geschichte Hiobs, als seine Verhältnisse in jeder Hinsicht wesentlich anders lagen. Er beschreibt dies in Kapitel 29 und die Worte „ich“, „mir“ und „mein“ sind hier sehr oft zu finden. Er hatte Blühen und Gedeihen und war aufs Höchste zufrieden mit seinen Werken. Vers 11 dieses Kapitels steht in vollem Gegensatz zu den Versen 5 und 6 des 42. Kapitels (Hiob 42,5.6.11). Damals stellte er fest: „Wenn das Ohr von mir hörte, dann pries es mich glücklich, und wenn das Auge mich sah, so legte es Zeugnis von mir ab.“ Dagegen sagt er jetzt: „Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche.“ Als das Auge mit Hiob erfüllt war, dann war eine Geschichte zu erzählen, doch nachdem der HERR seinen Blick füllte und Hiob sich im Lichte seiner Gegenwart erkannte, dann lautete die Geschichte ganz anders. Diese Selbsterkenntnis kann nur auf dem Weg der Erfahrung erlangt werden. Die Wertlosigkeit unserer Natur wird uns mit großer Geduld in den Schriften vorgestellt, und wir tun gut, ihre ernsten Zeugnisse zu glauben, und uns, als davon überführt, demütig vor Gottes Wort zu beugen. Doch ist es eine Sache, an die Wertlosigkeit des Fleisches zu glauben, und eine andere, dies durch demütigende Erfahrungen kennengelernt zu haben. In Römer 7,18 sagt Paulus nicht: „Ich glaube“, sondern: „Ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt“, und jenes Kapitel beschreibt uns die schlimmen Erfahrungen, durch die er jene Kenntnis erlangte.

Haben wir diese so sehr nötige Lektion gelernt? Es ist die enge Pforte, die zu dem weiten Raum der Segnungen in der Freiheit des Geistes führt. Es ist ein Teil von dem „Ende des Herrn“ in allen unseren Versuchungen.

3. Charakteränderung

Hiob selbst war völlig verändert, sein Charakter stimmte mehr mit der gnädigen Natur Gottes überein. Diese Tatsache mag vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick gesehen werden, doch liegt sie ohne Frage dem zugrunde, was wir in Hiob 42,7-10 vor uns haben.

Hiob 42,7-10: Und es geschah, nachdem der HERR diese Worte zu Hiob geredet hatte, da sprach der HERR zu Eliphas, dem Temaniter: Mein Zorn ist entbrannt wider dich und wider deine beiden Freunde; denn nicht geziemend habt ihr von mir geredet, wie mein Knecht Hiob. Und nun nehmet euch sieben Farren und sieben Widder, und gehet zu meinem Knechte Hiob und opfert ein Brandopfer für euch. Und Hiob, mein Knecht, möge für euch bitten; denn ihn will ich annehmen, damit ich nicht an euch tue nach eurer Torheit; denn nicht geziemend habt ihr von mir geredet, wie mein Knecht Hiob. Da gingen Eliphas, der Temaniter, und Bildad, der Schuchiter, und Zophar, der Naamathiter, und taten, wie der HERR zu ihnen geredet hatte; und der HERR nahm Hiob an. Und der HERR wendete die Gefangenschaft Hiobs, als er für seine Freunde betete; und der HERR mehrte alles, was Hiob gehabt hatte, um das Doppelte.

Die drei Freunde Hiobs hatten sich bis jetzt noch nicht so gedemütigt wie er. Wie in Hiob 42,1-5.7 berichtet wird, hat Hiob von Gott in rechter Weise geredet, während dies bei seinen drei Freunden nicht der Fall war. Sie hatten nur aufgehört zu sprechen, hatten nur ihre Hand auf ihren Mund gelegt, weil Hiob sie zum Schweigen gebracht hatte. Nun wurden sie von Gott belehrt, welchen Weg sie gehen sollten. Sie hatten erstens ein Zeugnis abzulegen durch ein Opfer, auf dem einzigen Grund, auf dem ein sündiger Mensch Gott nahen kann, und zweitens sich zu demütigen, indem sie die Fürsprache des Mannes suchten, den sie angeklagt und übel behandelt hatten. Sie hatten demütige Bittsteller zu sein, während Hiob als ein Priester Gottes handelte. Das war „das Ende des Herrn“ gewiss sehr wünschenswert hinsichtlich der drei Freunde.

Doch was war es bei Hiob? Gewiss, er ist körperlich noch elend, seiner irdischen Besitztümer beraubt und noch in Sacktuch und Asche, doch erwies er sich in diesem Zustand als ein Geistesfürst unter den Menschen. Benachteiligt wie er war, hatte er doch mit seinen Beweisgründen diese fähigen Männer überführt und sie zum Schweigen gebracht. Sie hatten Grausames und Ungerechtfertigtes zu ihm gesagt, und er hatte ihnen in heißen Worten mit beißendem Spott wieder vergolten. Doch jetzt ist das Wortgefecht vorüber, und die drei Freunde nähern sich dem Aschehaufen Hiobs mit Opfertieren und in ganz veränderter Gesinnung.

Wenn andere Männer des Ostens von diesen seltsamen Dingen gehört hätten und herzugeeilt wären, so hätten sie einen zu Herzen gehenden Anblick gehabt. Der Herr hatte den drei Freunden gesagt, dass der Mann, der so scharf gegen sie gekämpft hatte, jetzt für sie eintreten würde. Die Opfer werden gebracht, und der kranke, wie ein Bettler gekleidete und niedergebeugte Patriarch erhebt sich und handelt wie ein Fürst und wie ein Priester. Der Hiob, den sie kannten, ist verschwunden, aufgegangen in einem neuen Hiob, der nach dem Charakter Gottes gebildet ist, den er jetzt kennt. Das Zorngefühl, die Feindseligkeit, der Spott, alles ist vergangen, und anstelle dessen wird Gebet gehört, und zwar nicht Gebet für ihn selbst noch ein Schrei um Befreiung von den Beulen und der Armut, sondern Gebet für sie – eine warme, herzempfundene Fürsprache.

Wie Kapitel 29 bezeugt, hatte Hiob gedacht, dass er groß sei. Jetzt aber war er wirklich groß, und zwar von einer Größe, die ewig bleibt. Betrachten wir diesen beraubten, mit Beulen bedeckten Mann in bewusster Nähe Gottes, wie er in Liebe für diese drei begünstigten und gesunden Männer bittet, die noch vor kurzem seinen ganzen Ärger erweckt hatten. Das war ein wunderbarer Triumph der Gnade Gottes. Wie sehr war Hiob in geistlicher Gnade gewachsen. Das Ende Gottes in all seinen Leiden war sehr wertvoll, wenn wir zunächst einmal an diesen Punkt allein denken.

4. Vermehrter Segen

Hiob 42,12: Und der HERR segnete das Ende Hiobs mehr als seinen Anfang; und er bekam vierzehntausend Stück Kleinvieh und sechstausend Kamele und tausend Joch Rinder und tausend Eselinnen.

Gott segnete Hiob im Überfluss. Er wandte seine Gefangenschaft und gab ihm zweimal so viel als er zuvor besaß. Dies tat Er, nachdem Hiob für seine Freunde Fürbitte getan hatte und nicht früher. Die Segnungen jener Tage waren irdisch und materiell im Gegensatz zu den „geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern in Christus“ (Eph 1,3), die heute das bestimmte Teil des Christen sind. Gott ließ sie aber nicht auf Hiob kommen, bis er völlig an Geist und Charakter umgebildet war. Als er schließlich, in die Nähe Gottes gebracht, Priesterdienst in einer Weise ausübte, die die Güte und das Wohlwollen Gottes widerspiegelte, dann änderten sich auch alle seine äußeren Umstände. Die Geschwüre verschwanden, die Gesundheit kehrte zurück, der Platz in der Asche wurde verlassen, Gütigkeiten und Wohltaten wurden ihm von denen erwiesen, die ihn noch vor kurzem verurteilt und sich von ihm weggewandt hatten. Gott gab ihm derart Gelingen, dass er schließlich zweimal so viel sein Eigen nannte als vordem. Hiob war also selbst in materieller Hinsicht durch die Handlungsweise Gottes kein Verlierender, sondern ein Gewinnender.

Auch dies ist ein großer Zweck aller Erziehungsmaßnahmen Gottes und gehört zu dem „Ende des Herrn“. Heute handelt es sich allerdings um geistliche Segnungen. Mancher älter gewordene Christ wird es bezeugen, dass gerade die Prüfungen und Leiden unter der Hand Gottes das Mittel gewesen sind, um ihn zu einem Genuss der geistlichen Gaben zu führen, der doppelt so groß war als der, den er am Anfang hatte. Was uns betrifft, so müssen wir daran denken, dass „Gott uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung“ und dass seine „Gaben und Berufungen unbereubar“ sind. Die geistlichen Segnungen sind unser, aber sie zu schätzen, sie zu verwirklichen, sie zu genießen, ist etwas anderes, und hier kann es bei einem jeden von uns noch eine große Zunahme geben. Dass wir hierin zunehmen sollen, ist ein Teil der Absicht Gottes in seinen Handlungen mit uns.

5. Besondere Offenbarung

Hiob 42,13: Und es wurden ihm sieben Söhne und drei Töchter geboren.

Schließlich gab Gott dem Hiob eine zwar etwas verborgene, aber sehr gewaltige Versicherung in Bezug auf einen der Hauptpunkte seiner Herzensübung, durch die er hindurchgegangen war. In dem ersten Kapital lesen wir von Hiobs Sühnopfern und von den ernsten Wünschen für seine Kinder und außerdem, wie sie plötzlich in einer Weise hinweggerafft wurden, die in seinem Innern beängstigende Zweifel und Befürchtungen in Bezug auf sie aufkommen lassen konnte. Kapitel 14 zeigt uns seine Bedenken und inneren Kämpfe wegen der Auferstehung, die in seinen Tagen noch nicht der Gegenstand einer klaren unmissverständlichen Offenbarung war. „Wenn ein Mann stirbt, wird er wieder lebend?“, war seine besorgte Frage, und wir haben den eingehenden Bericht, wie er versucht, eine bestätigende Antwort zu finden aus dem Vergleich mit einem abgehauenen Baume. Er kam zu dem Ergebnis, dass der Tod nicht das Ende des Menschen sei, sondern dass schließlich eine Verwandlung kommen und er in Antwort auf den Ruf Gottes auferstehen würde. Doch das war bestenfalls nur ein Schluss, zu dem er durch tiefes Nachsinnen gekommen war, und nicht eine klare Offenbarung von Gott. Die Stunde dazu war noch nicht da. Sie kam erst, als Christus von den Toten auferstand und Leben und Unverweslichkeit ans Licht brachte. Durch seine besondere Arithmetik gab Gott dem Hiob eine Andeutung, die ihn in seinen Vermutungen bestärken sollte. Sie sah zunächst fehlerhaft aus, aber sie war völlig richtig und von tiefer Bedeutung.

In Vers 10 wird klar festgestellt, dass „der HERR alles, was Hiob gehabt hatte, um das Doppelte mehrte“ (Hiob 42,10). Das wird durch Einzelheiten in den Versen 12 und 13 dargelegt, so dass wir sehen können, dass diese Feststellungen sich nicht nur auf Schafe, Kamele, Rinder und Esel bezogen, sondern auch auf Söhne und Töchter (Hiob 42,1.13). Wir können die Richtigkeit leicht nachprüfen, wenn wir uns zu Hiob 1,3 wenden. Wir finden, dass dies stimmt in Bezug auf die Schafe: 14000 gegenüber 7000; in Bezug auf die Kamele: 6000 gegenüber 3000; in Bezug auf die Rinder: 1000 Joch gegenüber 500; in Bezug auf die Esel: 1000 gegenüber 500; doch wenn wir zu den Kindern kommen, finden wir eine sonderbare Unstimmigkeit: nämlich nur sieben Söhne und drei Töchter gegenüber derselben Zahl wie früher. Warum das? Der Herr gab ihm doch ohne Vorbehalt und ohne Einschränkung zweimal so viel als vorher. Stoßen wir hier auf einen Fehler? Keinesfalls. Es war eine gnädige Andeutung für Hiob, die sein Glaube ohne Zweifel zu deuten wusste. Hätte Gott ihm vierzehn Söhne und sechs Töchter gegeben, so wäre der Schluss berechtigt gewesen, dass seine früheren Kinder für ihn genau so unwiederbringlich verloren wären wie seine früheren Schafe, Kamele, Rinder und Esel. Da Gott ihm aber jetzt nur sieben Söhne und drei Töchter gab, so brachte Er damit tatsächlich zum Ausdruck, dass die ersteren nicht völlig verloren, sondern dass seine Gebete und Fürbitten erhört worden seien und dass es eine Auferstehung gebe, in der er und sie sich wiedersehen würden.

So war auch dies ein Teil von dem „Ende des Herrn“ im Fall Hiobs. Dies muss seinen Glauben außerordentlich bestärkt und sein Herz mit Freude und Lob erfüllt haben. Wenn er in späteren Jahren auf diese seltsamen und schweren Prüfungen zurückblickte, wird er gefühlt haben, dass sie es wert waren, erlebt zu werden. Das Ergebnis war ja, dass er in jeder Hinsicht bereichert wurde und Gott in ihm verherrlicht war.

Diese Dinge, die zuvor geschrieben wurden, sind zu unserer Belehrung geschrieben. Haben wir auch dadurch gelernt? Im Neuen Testament haben wir die Versicherung, „dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken“ (Röm 8,28). Alle Dinge, ohne Einschränkung. Sowohl die Schwierigkeiten, die über uns in der Gemeinde kommen, als auch die im Hause oder im Geschäft, die Schwierigkeiten von unseren Brüdern oder die von der Welt oder die von unseren persönlichen Fehlern. Alle sind eingeschlossen. Die Tatsache ist, dass wir, wenn alles sich so gegen uns zu verschwören scheint, ganz besonders berechtigt sind, auf Gott zu schauen mit der Frage, was sein Ende wohl sein mag, und in Geduld zu warten, um es zu sehen. Vielleicht dürfen wir es jetzt schon sehen, um uns daran zu erfreuen; doch ob nun so oder ob nicht, bei der Ankunft des Herrn wird es vollkommen offenbar.

„Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn“ (Jak 5,7).


Originaltitel: „‚Das Ende des Herrn‘“
aus Der Dienst des Wortes, 1930, S. 121–131
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