Besitzen hebräische Christen besondere Segnungen? (2)
Die Spaltung der Gemeinde in Christen aus den Juden und den Nationen

Roy A. Huebner

online seit: 03.02.2017, aktualisiert: 22.09.2018

Die Philipper

Gal 3,29: Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Nachkommen und nach Verheißung Erben.

Christus ist der große Same Abrahams, und weil wir eins sind mit Christus, sind wir der Same Abrahams. Die ethnischen Nichtjuden werden gemeinsam mit den ethnischen Juden, die der wahre Same Abrahams sind, in Philipper 3,2.3 „die Beschneidung“ genannt:

Phil 3,2.3: 2 Seht auf die Hunde, seht auf die bösen Arbeiter, seht auf die Zerschneidung. 3 Denn wir sind die Beschneidung, die wir durch den Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen.

Das „Wir“ ist nicht nur betont, es schließt auch gläubige Juden, Paulus und Gläubige aus den Nationen ein. Alle Gläubigen sind die Beschneidung. Messianische Juden, die aus irgendeinem angeblich geistlichen Grund beschnitten sind, vertrauen auf das Fleisch und rühmen sich darin; sie rühmen sich nicht in Christus Jesus. Darüber hinaus verstümmeln sie sich selbst.

Das Wort Zerschneidung[1] in Vers 2 bezieht sich auf diejenigen, die aus religiösen Gründen an ihren Körpern beschnitten sind[2] (d.h. die physisch der Same Abrahams sind), Christus jedoch nicht kennen. Zerschneidung ist ein Ausdruck, der deutlich machen soll, dass ihre Beschneidung Verstümmelung des Körpers ist. Letztlich läuft Beschneidung genau darauf hinaus; und sie vertrauen auf Fleisch. Wenn Paulus sagt: „Wir sind die Beschneidung“, und dabei dieses „wir“ betont, dann bezieht er sich selbst mit ein: Paulus, der ethnische Jude, einer, der zum „Israel Gottes“ gehört (Gal 6,16). Seine physische Beschneidung bedeutete vor Gott nichts.

Die physische Seite der Beschneidung ist gegenwärtig beiseitegesetzt und wird von Paulus als Zerschneidung verurteilt. Aber Beschneidung in einem höheren Sinn ist zurzeit in Kraft. Die Nachkommenschaft Abrahams muss beschnitten sein, und in Christus sind wir beschnitten. Dr. Arnold Fruchtenbaum sagt, dass Judenchristen jetzt unter dem abrahamitischen Bund seien, und befürwortet, dass Söhne von Judenchristen beschnitten werden. Das ist gleichermaßen ein Werk der Zerschneidung. Ist der Christ nicht vollendet in Christus? Was haben wir in Kolosser 2,10.11 gelesen? „Und ihr seid vollendet ihn ihm.“ Ist der Christ nicht mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus gesegnet (Eph 1,3)? Dr. Fruchtenbaum fügt etwas von geistlicher Bedeutung (seiner Vorstellung nach – nicht etwas, was er im NT gefunden hätte) zu Christus hinzu; all seine Argumentationen aus der Schrift ändern diese Tatsache nicht. Er judaisiert und erzeugt Spaltung in der Gemeinde.

Die Schrift verurteilt nicht nur Zerschneidung, sondern ebenso „Vertrauen auf das Fleisch“ (Phil 3,4). In Philipper 3,4.5 hebt Paulus hervor, dass, wenn jemand meint, auf Fleisch zu vertrauen, er „noch mehr“ auf Fleisch vertrauen könnte. Unter den aufgezählten Dingen sagt Paulus auch, dass er „vom Geschlecht Israel“ ist. Ebenso ist auch Dr. Fruchtenbaum aus dem Geschlecht Israel. Wenn er doch die Einstellung und die Position des Paulus zu diesem Thema übernehmen würde! Er vertraut für die Erlösung zwar nicht auf Fleisch, gleichwohl macht er etwas aus dem jüdischen Fleisch, daraus, vom Geschlecht Israel zu sein – als hätte er, als Teil des Geschlechtes Israel, charakteristische israelitische Segnungen von Gott und als stände er in einer Beziehung zu Gott, wie es Heidenchristen nicht tun. Als einer aus dem Israel Gottes sollte er das tun, was Galater 6,15.16 sagt: „Denn weder Beschneidung noch Vorhaut ist etwas, sondern eine neue Schöpfung. Und so viele nach dieser Richtschnur wandeln werden – Friede über sie und Barmherzigkeit, und über den Israel Gottes.“

Hier gilt ein und dieselbe Richtschnur für gläubige Juden und gläubige Heiden. Dr. Fruchtenbaum behauptet, etwas zu haben, das im Endeffekt eine zusätzliche Richtschnur für das Israel Gottes (das heißt gläubige Juden) ist, aber: „Die Beschneidung ist nichts, und die Vorhaut ist nichts, sondern das Halten der Gebote Gottes“ (1Kor 7,19).

Im Licht dessen, was das Neue Testament über die Beschneidung sagt, ist es bemerkenswert, dass das Neue Testament zu Dr. Fruchtenbaums Besonderheit – das heißt, dass die Söhne gläubiger Juden beschnitten werden müssen – schweigt.

Ich vermute, dass er lehrt, dass Beschneidung immer Zerschneidung ist – es sei denn, man ist ein jüdischer Gläubiger und steht folglich (seiner Ansicht nach) unter dem abrahamitischen Bund. Doch weder lehrt das Neue Testament so etwas noch deutet es so etwas an. Dr. Fruchtenbaum hat einen jüdischen Gläubigen, der himmlisch ist und der in Christus ist, geistlich umgewandelt in einen jüdischen Gläubigen, der unter dem irdischen Bund Abrahams steht. Dies ist ein Weg, jüdische Besonderheiten beizubehalten, indem er die Rechtfertigung der Schrift dafür beansprucht, weil er „vom Geschlecht Israel“ ist (Phil 3,5).

Es ist lehrreich, festzustellen, dass in Philippi ein guter geistlicher Zustand herrschte, der die praktische Antwort auf die Beschneidung in Christus war. Die Philipper führten ihr Leben in der moralischen Kraft dessen, was Beschneidung in Christus bedeutet. Wenn das Thema Beschneidung also hier angesprochen wird, dann geht es nicht um Korrektur wie in Kolosser 2.[3] Ihr Bürgertum – oder die Verbindungen ihres Lebens – war im Himmel, von woher sie auch den Heiland erwarteten (Phil 3,20). Sie lebten in der moralischen Kraft als solche, die den Jordan und Gilgal usw. durchlebt hatten. Sie waren in dem wunderbaren Zustand, dass der Apostel ihnen schreiben konnte: „Wir sind die Beschneidung!“

Gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus

Wir sind in Christus vollendet und es gibt nicht eine einzige geistliche Segnung für den Christen – ob ethnischer Jude oder Heide –, die noch hinzugefügt werden könnte. Der Versuch, dies zu tun, leugnet, dass wir „vollendet sind in ihm“ (Kol 2,10). Außerdem:

Eph 1,3: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus.

Jede geistliche Segnung, die dort in den himmlischen Örtern ist, und zwar in Christus, gilt Gläubigen aus den Juden und den Heiden gleichermaßen. Jede geistliche Segnung, die einzig für gläubige Juden gilt und die Dr. Fruchtenbaum empfängt, weil er unter dem abrahamitischen Bund sei, muss außerhalb der Segnungen der himmlischen Örter liegen. In welcher Sphäre hat er sie denn? Behauptet er, dass gläubige Judenchristen gleichermaßen in Christus sind? Das kann nicht sein, denn dann würden alle Gläubigen sie genauso haben, wie Dr. Fruchtenbaum sie hat. Was seine Ansprüche  angeht, so vermischt er das, was irdisch ist, mit dem, was himmlisch ist, obwohl seine Ansprüche sowieso unbegründet sind.

Drei Gruppen von Menschen

In 1. Korinther 10,32 lesen wir von Juden, Griechen und der Versammlung Gottes; „Griechen“ steht für die Heiden, das heißt für die Nichtjuden. Bevor die Versammlung gebildet wurde, gab es nur die beiden Gruppen Juden und Heiden. Als die Versammlung gebildet wurde, war sie verschieden von diesen beiden, so dass es nun drei Gruppen gibt. Im Tausendjährigen Reich wird es hier auf der Erde wieder nur die ersten beiden Gruppen geben. Als das Kommen des Geistes die Versammlung bildete, wurden alle in einen Leib getauft (1Kor 12,13). Dadurch wurde die dritte Gruppe gebildet, die zuvor noch nie auf der Erde existiert hatte: die Versammlung. Es gab keine „Juden-Versammlung“-Gruppe, so dass es die Gruppen Juden, Heiden und die „Juden-Versammlung Gottes“ gäbe. In welcher dieser drei Gruppen ist Dr. Fruchtenbaum? In der Praxis ist er in zwei von ihnen, obwohl die drei sich gegenseitig ausschließen. Sein Handeln ist auf schwerwiegende Weise nicht in Übereinstimmung mit der Wahrheit dieser Sache. Beschneidung des Körpers (für religiöse Zwecke) kennzeichnet einen Juden und wird jetzt als Zerschneidung bezeichnet. Geistliche Beschneidung trifft zu für jemand, der zur Versammlung Gottes gehört, die ihren Platz in den himmlischen Örtern in Christus hat. Dr. Fruchtenbaum setzt sich für etwas ein, was angemessen ist für einen Juden im Tausendjährigen Reich auf der Erde, der irdische Segnungen und eine irdische Berufung hat. Es ist ein Nein zur himmlischen Berufung.

Die himmlische Berufung

Indem Dr. Fruchtenbaum als gläubiger Jude behauptet, unter dem abrahamitischen Bund zu stehen, hat er sich selbst unter einen irdischen Bund mit einer irdischen Berufung gestellt. Aber in Hebräer 3,1 erfahren die jüdischen Gläubigen, dass sie Teilhaber der himmlischen Berufung sind. Dr. Fruchtenbaum vermischt die Berufungen, wenn er gleichzeitig unter der irdischen Berufung des abrahamitischen Bundes und unter der himmlischen Berufung ist. Außerdem lautet die Aufforderung im Hebräerbrief, aus dem Lager des Judentums hinauszugehen, weil Gottes Langmut mit dem messianischen Judentum jener frühen Tage am Ende war. Dr. Fruchtenbaum versucht, ein Ausweichmanöver um den mosaischen Bund herum, um dennoch etwas aus dem Judentum zu haben, wie Beschneidung, jüdische Feiertage und messianische Gemeinden; er behauptet, dies sei rechtmäßig, weil er angeblich unter dem abrahamitischen Bund sei – ein Konstrukt, das ihn in zahlreiche Vermischungen himmlischer und irdischer Dinge verstrickt. Das Herz konzentriert sich auf jüdische Besonderheiten und ist judaistisch und zwiegespalten, statt auf die himmlische Berufung ausgerichtet zu sein.

Der Same Abrahams

Abraham ist die Wurzel des Ölbaums. Der Ölbaum ist ein Bild von der Linie spezieller Vorrechte, die Gott eingeführt hat durch die Berufung Abrahams zu einem besonderen Platz der Absonderung von der Welt. Gott begann eine neue Sache mit Abraham: die Berufung auf einen Weg der Absonderung von der Welt mit bedingungslosen Verheißungen (das ist der abrahamitische Bund). Abraham ist das Haupt einer eigenen geistlichen Gruppe und seine Nachkommen sind „Samen Abrahams“. Und das führte die Beschneidung ein; sie weist darauf hin, dass Gott das Fleisch vor sich selbst wegschneidet.

Die Tatsache, dass auch wir in Christus beschnitten sein müssen, ist kein Beweis dafür, dass der abrahamitische Bund nicht aufgehoben ist. Im Galaterbrief werden wir „Nachkommen Abrahams“ genannt. Wie kann das sein, wenn wir doch gar nicht jüdisch sind? Weil wir eins sind mit dem großen Nachkommen Abrahams. Die Nachkommenschaft Abrahams muss beschnitten sein – egal, ob der abrahamitische Bund aufgehoben oder in Kraft war. Philipper 3,3 sagt: „Denn wir sind die Beschneidung.“ In Hinblick auf alle Christen – aus den Juden und aus den Heiden – heißt das: Als Nachkommenschaft Abrahams sind wir (sowohl Juden als auch Heiden) auf eine höhere Art und Weise beschnitten als durch eine physisch-körperliche Beschneidung: nämlich durch den Tod Christi. „In ihm“ (Kol 2,11) bedeutet, wir sind beschnitten als in Ihm seiend. Aufgrund dieser innigen Verbindung mit Ihm sind wir als gläubige Heiden Nachkommen Abrahams. Dadurch sind wir Teil des geistlichen Volkes, das in Abraham begann, jedoch auf weit höhere Weise als die irdischen Nachkommen. Nur die sind in Christus, die den Leib Christi bilden zwischen Pfingsten und der Entrückung der Heiligen.

Ist die körperliche Beschneidung, die Dr. Fruchtenbaum für jüdische Söhne jüdischer Gläubiger fordert, „in ihm“? Nein, sie ist nicht „in Christus“. In Übereinstimmung mit der besonderen und höheren Weise, in der wahre Christen die Nachkommenschaft Abrahams sind, sind sie nicht unter dem abrahamitischen Bund. Bündnisse sind für die Erde und die Bündnisse der Verheißung gehören Paulus’ Verwandten nach dem Fleisch (Röm 9,3-5). Der Christ sitzt in den himmlischen Örtern in Christus und hat seinen Platz nicht auf der Erde, wie Israel ihn im Tausendjährigen Reich haben wird. Bündnisse sind für die Erde und Dr. Fruchtenbaum lehrt, dass „messianische Juden“ unter dem abrahamitischen Bund seien. Wenn ein Teil der himmlischen Versammlung unter einem irdischen Bund stände und ein anderer Teil nicht, dann liefe das auf eine Lehre hinaus, die eine Spaltung in der Versammlung einführt. Also sind alle Nachkommen Abrahams beschnitten (wenngleich die Christen auf höhere Art und Weise beschnitten sind), und ebenso wird Israel unter dem abrahamitischen Bund im Tausendjährigen Reich beschnitten sein.[4] Erlöste aus den Nationen im Tausendjährigen Reich werden nicht beschnitten sein, denn sie sind keine Nachkommen Abrahams. Sie werden auch nicht die Stellung von Kolosser 2,10.11 haben, auch Israel nicht.

Das Siegel der Beschneidung und das Siegel des Geistes

Abraham wurde als gerecht erklärt, ehe er beschnitten war. Es kam ein Zeitpunkt in seinem Leben, an dem er als Siegel seiner Gerechtigkeit des Glaubens die Beschneidung erhielt:

Röm 4,9-12: 9 Diese Glückseligkeit nun, beruht sie auf der Beschneidung oder auch auf der Vorhaut? Denn wir sagen, dass dem Abraham der Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet wurde. 10 Wie wurde er ihm denn zugerechnet? Als er in der Beschneidung oder als er in der Vorhaut war? Nicht in der Beschneidung, sondern in der Vorhaut. 11 Und er empfing als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, als er in der Vorhaut war, damit er der Vater aller wäre, die in der Vorhaut glauben, damit auch ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet werde; 12 und Vater der Beschneidung, nicht allein für die aus der Beschneidung, sondern auch für die, die in den Fußstapfen des Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham hatte, als er in der Vorhaut war.

Gott hat die Dinge so geordnet, dass Heiden in das geistliche Volk, das in Abraham begann, eingeschlossen werden können. Abraham wurde für gerecht erklärt, bevor er das Siegel seines Glaubens, nämlich die Beschneidung, empfing (1Mo 17). Folglich war die Beschneidung nicht die Quelle seiner Gerechtigkeit. Beschneidung war ein Bund: „Und er gab ihm den Bund der Beschneidung“ (Apg 7,8).

Der Christ, der himmlischen Ursprungs ist (1Kor 15,48), steht nicht unter einem Bund, denn Bündnisse sind für die Irdischen. Ebenso wenig ist ein jüdischer Gläubiger jetzt unter einem irdischen Bund für die Irdischen mit einer irdischen Berufung, denn er hat eine himmlische Berufung: „Daher, heilige Brüder, Genossen der himmlischen Berufung …“ (Heb 3,1). Dies wurde an jüdische Gläubige geschrieben! Gegenwärtig sind alle, die in Christus sind, ohne physische Beschneidung Nachkommen Abrahams, denn weil sie eins sind mit Christus, dem großen Nachkommen Abrahams, besitzen sie eine Beschneidung in einer höheren Art und Weise. Abraham empfing Beschneidung als das Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens; wohingegen alle die, die in Christus beschnitten sind, ebenfalls versiegelt sind, aber natürlich nicht mit einer körperlichen Beschneidung:

Eph 1,12-14: 12 … damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben; 13 in dem auch ihr, nachdem ihr gehört habt, das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils – in dem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden seid mit dem heiligen Geist der Verheißung, 14, der das Unterpfand unseres Erbes ist, zur Erlösung des erworbenen Besitzes zum Preise seiner Herrlichkeit.

„Zuvor gehofft“ bezieht sich auf das Vertrauen jetzt, also vor den Segnungen des Tausendjährigen Reiches, von denen die Propheten Israels sprachen. Aber wir haben eine weitaus größere Segnung, als Juden und Heiden im Tausendjährigen Reich – jeder in seiner jeweiligen Sphäre – haben werden: Das ist das Siegel des Heiligen Geistes der Verheißung, der uns mit der Segnung, die wir jetzt in Christus haben, verbindet, und Er ist das Unterpfand, die Anzahlung auf das, was noch vor uns liegt. Alle diejenigen in Christus – sowohl jüdische Gläubige als auch Gläubige aus den Nationen –, die auf der Person und dem vollendeten Werk Christi ruhen, haben dieses Siegel. Dies reicht Dr. Fruchtenbaum nicht; er verlangt auch die körperliche Beschneidung, die das Siegel der Gerechtigkeit von Abrahams Glauben war. Er will beides: die Beschneidung, die mit den Irdischen verbindet, und das Siegel des Geistes, das zu den Himmlischen gehört.

Zusammenfassung

Dr. Fruchtenbaum hat sich selbst etwas vorgemacht mit einem System, das den Bund mit Abraham und die Versammlung miteinander vermengt; gleichzeitig bekennt er, ein Dispensationalist zu sein. Tatsächlich vermischt er Israel und die Versammlung:

  1. Er vermischt die himmlische und die irdische Berufung für jüdische Gläubige, indem er zwei Gruppen schafft; die eine hat die himmlische Berufung und die andere hat zwei Berufungen.
  2. Er vermischt die Juden und die Versammlung (1Kor 10,32) für jüdische Gläubige, hat aber nur die Versammlung für Gläubige aus den Nationen.
  3. Er vermischt körperliche (irdische) und himmlische, geistliche Beschneidung für gläubige Juden, hat aber für die Gläubigen aus den Nationen nur die himmlische, geistliche Beschneidung.
  4. Er fügt Segnungen einer irdischen Ordnung für gläubige Juden (als seien sie unter dem abrahamitischen Bund) zu den geistlichen Segnungen hinzu, die Gläubige aus den Nationen haben.
  5. Er beachtet Feste Jahwes, die unter dem mosaischen Bund eingesetzt wurden.
  6. Er will zwei Lebensregeln für Christen; eine in Galater 6,15.16 für alle, aber zusätzliche Lebensregeln für gläubige Juden.
  7. Er gibt körperlicher Beschneidung eine Bedeutung, wohingegen 1. Korinther 7,19 und Galater 5,6; 6,15 sagen, dass sie keinerlei Bedeutung hat. Vergleiche Römer 2,25.
  8. Er will zwei Siegel: das irdische Siegel der Beschneidung und das himmlische Siegel des Geistes der Verheißung.
  9. Er will zwei Beschneidungen für gläubige Juden.  Eine Person jüdischer Herkunft, die aufgrund ihres Glaubens an Christus nie beschnitten wurde, muss beschnitten werden.
  10. Er will zwei Zeichen des Todes für das Fleisch: körperliche Beschneidung und Taufe, obwohl das Bild der Taufe weiter geht als Beschneidung.

Dr. Fruchtenbaum hat ein System aufgebaut, das Verschiedenes hinzufügt für solche, bezüglich derer uns gesagt wird: „Wir sind die Beschneidung“ (Phil 3,3); und: „Ihr seid vollendet in ihm“ (Kol 2,11). Das ist nicht dispensationale Wahrheit; es ist ein judaistisches System für gläubige Juden und eine lehrmäßige Aufspaltung der Versammlung; und das Ziel dieser Aufspaltung ist es, jüdische Besonderheiten in der Versammlung Gottes aufrechtzuerhalten, indem sie versucht, das System zu unterstützen, als ob es in der Schrift gelehrt würde. In Dr. Fruchtenbaums System hat der gläubige Jude all das in Christus, was der Gläubige aus den Nationen hat, aber der jüdische Gläubige hat mehr. Weil der Gläubige aus den Nationen alle geistlichen Segnungen in der Himmelswelt in Christus hat (und genauso auch der gläubige Jude), sind diese zusätzlichen geistlichen Segnungen außerhalb von „in Christus“. Letztendlich wird die jüdische Überlegenheit in der Versammlung Gottes fortgeführt. Lies Epheser 2,11-22 und prüfe nach, ob die Schrift ein solches System zulässt.

Vorheriger Teil Nächster Teil

 

Anmerkungen

[1] J.N. Darby hat geschrieben:

Die jüdische Sache mit Verachtung behandelnd, sagt er „Zerschneidung“. Wir haben kein Vertrauen in das Fleisch; er sagt nicht: „Bosheit, Sündhaftigkeit“, sondern „Fleisch“; und das, was er hier „Fleisch“ nennt, ist religiöses Fleisch: ein Hebräer von Hebräern usw. Er will es nicht Beschneidung nennen. Das ist eine wichtige Sache, die es zu beachten gilt. Im Korintherbrief geht das ein großes Stück weiter, denn neben der neuen Natur haben wir dort eine neue Schöpfung. Das bedeutet: Die alte Sache ist abgeschlossen; jetzt ist alles von Gott. Natürlich, wir sind aus Gott, aber wir gehören zu einer neuen Schöpfung; Er hat uns neu geschaffen in Christus Jesus (Notes and Jottings, S. 199).

Die Herrlichkeit, die er gesehen hatte; seine Kämpfe mit diesen falschen Lehrern; der Zustand, in den sie die Gemeinde gebracht hatten; Jerusalem und Rom; seine Freiheit und seine Gefangenschaft – alles das hatte ihm die Erfahrung eingetragen, was das Judentum im Blick auf die Versammlung Gottes wert war. Solche Lehrer waren Hunde, böse Arbeiter, das heißt solche, die Bosheit und Gottlosigkeit taten. Das war nicht die Beschneidung. Er behandelt diese Sache mit tiefer Verachtung und gebraucht Worte, deren Schärfe durch seine Liebe zu der Versammlung gerechtfertigt wird. Denn die Liebe ist streng gegen die, welche gewissenlos den Gegenstand dieser Liebe verderben. Es war die Zerschneidung.

Hier tritt das Böse ohne Scham ans Licht. Und es ist darauf aus, unter einem schändlichen Schleier von Religion Böses hervorzubringen. Wenn sich diese Haltung in seinem wahren Charakter zeigt, dann ist Milde gegenüber solchen Dingen ein Verbrechen gegen die Gegenstände der Liebe Christi. Wenn wir Ihn lieben, so werden wir im Umgang mit der Versammlung den wahren Charakter des Bösen entlarven, den es zu verbergen sucht. Das ist wahre Liebe und Treue gegen Christus. Der Apostel hatte es gewiss nicht an der Herablassung zu den Schwachen betreffs ihrer jüdischen Vorurteile fehlen lassen. Er hatte diese Herablassung sogar weit getrieben. Seine Gefangenschaft zeugte davon.

Jetzt war die Versammlung seiner Energie beraubt sowie jener geistlichen Unterscheidung, die alles liebt, was gut ist. Dadurch stand sie mehr in Gefahr als je zuvor. Die Erfahrung eines Lebens nie endender Tätigkeit, eines Lebens der größten Geduld, eines vierjährigen Nachdenkens im Gefängnis veranlasste jene scharfen und schneidenden Worte: „Seht auf die Hunde, seht auf die bösen Arbeiter, seht auf die Zerschneidung.“ Die Lehre des Briefes an die Epheser, die Ermahnungen in dem Brief an die Kolosser, die zärtliche Liebe in dem Brief an die Philipper, verbunden mit der Anklage in Philipper 3,2 fallen in denselben Zeitpunkt und tragen alle den Stempel derselben Liebe. (Synopsis, Bd. 5, S. 362)

[2] W. Kelly schrieb:

„Seht auf die Hunde.“ Es ist nicht wahrscheinlich, dass er auf diese Weise von den Schafen spricht, aber das wachsame Auge dieses Unter-Hirten hatte solche entdeckt, deren weltliche Gesinnung es zu offensichtlich machte, dass sie „Feinde des Kreuzes Christi“ waren, obwohl sie extrem übereifrig in der Religion waren. „Seht auf die bösen Arbeiter, seht auf die Zerschneidung“ – ein Wortspiel mit dem Wort Beschneidung. Wir wissen, wie die götzendienerischen Priester sich selbst mit Messern und Speeren ritzten (1Kön 18,28), und es könnte sein, dass sich das Wort auf diese Praxis bezieht. Erstaunlich, wie weit das Fleisch in seiner religiösen Energie gehen kann, völlig entgegen dem Willen Gottes (Bible Treasury, New Series 7:373)

[3] Folglich bringt er in Philipper 4,8 vor sie, was er natürlich zu den Korinthern nicht sagen würde, da er sie viele andere Dinge gelehrt hatte, über die sie nachdenken sollten. Philippi war wie ein leeres Blatt Papier mit einem Flecken darauf (Phil 4,2), der unbedingt beseitigt werden musste. Korinth war fleischlich (1Kor 3,1), mit Sauerteig in der Mitte (1Kor 5) und vielen Dingen mehr. Jede Schriftstelle ist vollkommen an ihrem Platz. Unsere Aufgabe ist es, diesen Platz zu verstehen.

[4] Im Tausendjährigen Reich wird die Beschneidung zum Gedächtnis sein, ebenso wie die Opfer, die in Hesekiel 40–48 beschrieben werden, weil all das unter dem Priestertum Melchisedeks ist, wenn Christus auf seinem Thron Priester ist (Sach 6,13). Das Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks gründet sich auf das ein für alle Mal geschehene Werk, so dass die Beschneidung und die notwendigen Opfer zum Gedächtnis an das vollbrachte Werk sind. Diesen Charakter bekommen sie durch Christi Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks. Das Gedächtnis ist in Übereinstimmung mit der irdischen Berufung [der Israeliten im Tausendjährigen Reich]. Jetzt übt Christus eine himmlische Ordnung des Priestertums aus.


Aus einem unveröffentlichten Manuskript, R.A. Huebner, 25. Februar 2005
Ergänzungen aus Elements of Dispensational Truths, Bd. 3, 2012, S. 331–334
Originaltitel: „A Walk in the Moral Power of Circumcision in Christ. The Philippians“
aus „Part 7.4: The Practice of our Circumcision“

Übersetzung: Philipp-Richard Schulz


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...