Ist Philosophie etwas Unchristliches?
Kolosser 2,8

Dirk Schürmann

© SoundWords, online seit: 20.09.2004, aktualisiert: 20.07.2016

Leitvers: Kolosser 2,8

Kol 2,8: Sehet zu, dass nicht jemand sei, der euch als Beute wegführe durch die Philosophie und durch eitlen Betrug, nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt, und nicht nach Christus.

Viele haben aus obigem Vers geschlossen, dass hiermit Gottes Wort jede Art von Philosophie – weltliche und selbst christliche – grundsätzlich verurteilt. Wir glauben allerdings, dass nicht nur die christliche Philosophie, sondern auch jede andere Philosophie nicht per se hiermit verurteilt werden kann.

Es geht in dieser Schriftstelle darum, nicht durch Philosophie verführt zu werden (= „als Beute weggeführt werden“), andernfalls müsste man nämlich auch konsequenterweise jede Tradition (= „Überlieferung der Menschen“) an sich verurteilen, die ja im gleichen Vers erwähnt wird (auf der gleichen Stufe!). Das wollen sicher die wenigsten, und auch Gottes Wort tut dies nicht. Philosophie (= „Weisheitslehre“) ist ja an sich nichts Verwerfliches, genauso wenig wie Biologie, Physik oder Psychologie. Auch Paulus war in aller Weisheit erzogen worden, und auch Mose hatte die Weisheit der Ägypter nicht von sich gestoßen. Aber eine Weisheit, die nicht auf Christus bezogen wird, ist eine verwerfliche Weisheit, denn in Ihm wohnt die ganze Fülle (damit auch die Weisheit) der Gottheit leibhaftig. Kolosser 1,28; 2,2.3 sind an dieser Stelle sehr interessant. Trotzdem kann eine bestimmte Philosophie korrekt das Denken bestimmter Menschen beschreiben, auch wenn es verwerflich wäre, danach zu leben. So beschreibt Nietzsches Philosophie beispielsweise sicherlich ziemlich korrekt, wie ein Mensch denkt und handelt, für den Gott tot ist.

Klar ist natürlich, dass keine Philosophie, auch keine christliche, das Recht hat – wie übrigens auch keine Biologie, Physik und andere Wissenschaften –, sich in irgendeiner Weise dort hineinzumengen, Spekulationen darüber anzustellen, Einteilungen darin vorzunehmen, wo Gott uns durch sein Wort mit Autorität belehrt. Auch haben wir die Philosophie nicht nötig, um unseren Glauben zu bereichern. In ihrem Bereich jedoch hat auch die Philosophie als Wissenschaft ihre Berechtigung, um zum Beispiel Denkstrukturen, Menschenbilder oder menschliche Verhaltensweisen zu beschreiben. Die Philosophie kann dann auch für Christen nachvollziehbare Analysen machen und Zusammenhänge aufzeigen, wenn sie die Offenbarung Gottes durch sein Wort berücksichtigt.

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