Die moralische Herrlichkeit des Herrn Jesus (10)
Als der große Geber

John Gifford Bellett

© Beröa-Verlag, online seit: 26.09.2001, aktualisiert: 01.08.2016

Leitverse: Lukas 10,38-42

Lk 10,38-42: Es geschah aber, als sie ihres Weges zogen, dass er in ein Dorf kam; und eine gewisse Frau, mit Namen Martha, nahm ihn in ihr Haus auf. Und diese hatte eine Schwester, genannt Maria, die sich auch zu den Füßen Jesu niedersetzte und seinem Wort zuhörte. Martha aber war sehr beschäftigt mit vielem Dienen; sie trat aber hinzu und sprach: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich allein gelassen hat zu dienen? Sage ihr nun, dass sie mir helfe. Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha! Du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge; eines aber ist not. Maria aber hat das gute Teil erwählt, welches nicht von ihr genommen werden wird.

Die kleine Szene in Bethanien, die dieses Kapitel abschließt, ist kennzeichnend für das Lukasevangelium, in dem uns tiefe Belehrungen über große, grundsätzliche Wahrheiten gegeben werden.

Die zwei hier genannten Schwestern waren in ihrer Gesinnung völlig verschieden voneinander. Sie wurden auf die Probe gestellt, ob die Gesinnung Christi in ihnen wirksam war; und das Urteil Gottes in dieser Sache ist für uns von größtem Wert.

Das Haus, das wir hier betreten, gehörte der Martha. Der Heilige Geist teilt uns dies mit, weil es wichtig ist, dass wir das Haus mit ihr verbinden in unseren Gedanken. Mit bereitwilligem Herzen nahm sie den Herrn in ihr Haus auf und traf für Ihn die beste Vorsorge, die ihr möglich war. Dies entsprach seiner Arbeit und seinem ermüdenden Dienst, dachte sie. Martha wusste gut, dass seine Wege landauf landab die Wege des barmherzigen Samariters waren, der auch dort zu Fuß ging, wo andere reiten mochten. Sie liebte Ihn zu sehr, um nicht seine Müdigkeit wahrzunehmen und für Ihn besorgt zu sein.

Aber Maria hatte kein Haus für Ihn! Sie war dem Geist nach ein Fremdling – wie Er selbst. Sie öffnete Ihm dafür ihr durch den Glauben geheiligtes Herz und gab Ihm darin einen Raum. Sie nahm ihren Platz zu seinen Füßen ein und hörte seinem Wort zu. Sie wusste genauso gut wie ihre Schwester Martha von seiner Müdigkeit, aber sie hatte auch erkannt, dass in Ihm eine Fülle war, die über jede Müdigkeit triumphierte. Und anstatt Ihm mit ihren Händen zu dienen, wollte sie vielmehr von Ihm einen Gewinn für ihr Herz haben. Hierin liegt der Unterschied zwischen den beiden Schwestern. Marthas Auge sah seine Müdigkeit; sie wollte Ihm geben. Marias Glaube erfasste seine Fülle; sie wollte von Ihm empfangen.

Hier wurde nun Geist und Gesinnung des Sohnes Gottes offenbar. Der Herr nahm die Fürsorge der Martha an, solange es sich um eine einfältige und fleißige Sorge um seine gegenwärtigen Bedürfnisse handelte; sobald sie sich jedoch mit ihrer Gesinnung in Rivalität zur Einstellung ihrer Schwester Maria brachte, erfuhr sie die Zurechtweisung des Herrn, und sie musste lernen, dass Ihn Maria durch ihren Glauben weit mehr erquickte, als sie mit all ihrer Fürsorge es je hätte tun können. Der Glaube Marias stellte dem Herrn in gewisser Weise seine eigene, göttliche Herrlichkeit vor. Nicht dass Er das nötig gehabt hätte; aber der Glaube Marias erwartete von Ihm, dass Er trotz seiner Ermüdung in der Lage sei, sie zu nähren und zu erfrischen. Sie saß zu seinen Füßen und hörte seinem Wort zu. Da war kein Tempel, kein Licht der Sonne nötig (Off 21,22.23), denn der Sohn Gottes war gegenwärtig, und Er bedeutete ihr alles. Das war eine Ehrung, die Er schätzte. Und in der Tat, wie glücklich war sie in diesem seinem Geheimnis!

Als Er ein anderes Mal durstig und von der Reise ermüdet an der Quelle Jakobs saß, da vergaß Er dieses alles, sobald Er lebendiges Wasser austeilen konnte, das kein Schöpfgefäß aus einem anderen Brunnen hervorzubringen vermocht hätte. Bei dieser göttlichen Quelle lebendigen Wassers hielt auch Maria sich hier auf, um trotz seiner Müdigkeit von Ihm Gebrauch zu machen.

Was für Wahrheiten werden uns hier enthüllt! Unser Gott beansprucht für sich selbst den Platz oberster Gewalt und souveräner Güte. Er will, dass wir Ihm gegenüber Schuldner seien. Dass wir seine Fülle genießen und wertschätzen, ist Ihm wertvoller als aller Dienst, den wir für Ihn tun können. Wenn Er auch größeren Anspruch erheben könnte, als was die ganze Schöpfung Ihm geben könnte, ist es doch vor allem sein Wunsch, dass wir seine Liebe und seine unergründlichen Reichtümer ausbeuten. Durch unser Vertrauen in Ihn können wir Ihn am meisten ehren; denn es ist ein Bestandteil der göttlichen Herrlichkeit, zu geben, zu segnen und aus seiner unerschöpflichen Fülle Gutes für uns hervorkommen zu lassen. Unter dem Gesetz hätte Er von uns empfangen sollen, unter der Gnade aber gibt Er uns.

Unser Herr sagte: „Geben ist seliger als nehmen.“ Für alle Ewigkeit will Er diesen Platz, den Platz des Gebers einnehmen; denn „ohne allen Widerspruch wird das Geringere von dem Besseren gesegnet“ (Heb 7,7). Selbstverständlich wird Er von allem, was Odem hat, gepriesen werden; aber von Ihm selbst, von dem Thron seiner Herrlichkeit, wird ein beständiger Strom der Segnung ausgehen – Licht zur Freude, Wasser zur Erquickung und die Blätter des Baumes zur Heilung. Und unser Gott wird seine eigene Freude daran finden und seine eigene Herrlichkeit darin entfalten, dass Er für immerdar der Geber bleibt.

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Aus The Evangelist, S. 241
Übersetzung mit leichter sprachlicher Anpassung von SoundWords aus Halte Fest, 1964


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