Das Geheimnis (3)
Die Gemeinde – ein Einschub in Gottes Wegen auf der Erde

Edward Dennett

© SoundWords, online seit: 14.01.2007, aktualisiert: 29.09.2019

Leitverse: Epheser 3

Israel hätte seinen Messias annehmen können

Wenn ein Christ also heute die prophetischen Schriften einfach und nur im Lichte der existierenden Weltordnung liest und versucht, alles mit ihr zu harmonisieren, ohne das behandelte Thema von Israels verantwortlichem Handeln als solches in Betracht zu ziehen, wird und muss er irregeführt werden. Je eingehender die Prophezeiungen studiert werden, desto deutlicher wird es, mit welchem Geschick sie formuliert wurden, um der Alternative von der Treue des eigenverantwortlichen Israels, wenn sie denn gefunden worden wäre, vollen Spielraum einzuräumen. Beim Kommen des Messias gab es für Israel ein reales und absolut mit den Schriften vereinbares Angebot des lange vorhergesagten Reiches Gottes; ein Angebot, das – wenn es angenommen worden wäre – zu der sofortigen Erfüllung der Versprechen geführt hätte, zur Einführung seiner glorreichen Herrschaft. Zu sagen, wie dies herbeigeführt worden wäre, liegt zweifellos jenseits unserer Fähigkeiten, aber zu erkennen, wie es herbeigeführt hätte werden können, liegt in unserem Kompetenzbereich und innerhalb der Grenzen der Vernunft.

Hätte ein Teil von Israel, ausreichend groß, um Ihm einen repräsentativen Charakter zu verleihen, den Messias angenommen, als Er erschien, dann ist es sicherlich keine vergebliche Überbeanspruchung der Möglichkeiten, sich vorzustellen, wie der politisch mächtigere Teil trotzdem mit den Römern gemeinsame Sache gemacht hätte und die Prophezeiungen durch seinen Tod, wie er sich tatsächlich ereignet hat, erfüllt hätte. In diesem Fall könnte die Auferstehung, statt dass eine Aussetzung des Reiches Gottes gefolgt hätte, von einem sofortigen Gericht über seine Feinde gefolgt worden sein; von der Befreiung seiner Anhänger, die durch ihr Eintreten für seine Sache den Zorn der Verfolgung auf sich gezogen hätten. Die siebzigste Jahrwoche Daniels mit ihren gedrängten Ereignissen, die (wie sie es letzten Endes tun werden) mit großer Beschleunigung reifen werden, hätte sofort ihren Lauf nehmen können, und die Prophezeiungen hätten sich buchstabengetreu erfüllen können, ohne Platz zu lassen für ein Interregnum wie das jetzige.

Das Geheimnis ist keine Notlösung, sondern Gottes ewiger Plan

Satan, dem – vergessen wir es nicht – die Ratschlüsse Gottes genauso verborgen sind wie den Menschenkindern, bis sie enthüllt werden, muss es wie ein wunderbarer Triumph seines Einfallsreichtums und seiner teuflischen List vorgekommen sein, als es ihm scheinbar gelungen war, Gottes Pläne umzustoßen und seine prophetischen Lehren Lügen zu strafen, indem er die Verwerfung und Kreuzigung von Gottes König sicherstellte. Dass der Messias die Zügel irdischer Herrschaft in die Hand nehmen und ein himmlisches Reich auf Erden errichten sollte, ging aus dem Wort klar hervor. Dass der Messias gekommen war und kein solches Reich errichtet hatte, war aufgrund der Fakten ebenso klar. So schien es Satan zweifellos unmöglich, dass die Prophezeiungen jemals noch buchstabengetreu erfüllt werden könnten, so dass sie die Wahrhaftigkeit Gottes und seines Wortes bestätigen würden, genauso wie es Tausenden von Gottes Kindern unmöglich scheint, die deshalb ihre Erwartung schon längst aufgegeben und sie eingetauscht haben gegen die fruchtlose Anstrengung, die Prophezeiungen zu vergeistlichen, um sie in eine erzwungene und unnatürliche Harmonie mit den existierenden Gegebenheiten und Ereignissen zu bringen. Während viele der letzteren immer noch an diesem Irrtum festhalten, hat Satan ganz sicher schon längst eingesehen, dass er sich getäuscht hat. Die Offenbarung des „Geheimnisses“, das vergeblich vor den Augen von Gottes Kindern enthüllt wurde, hat er mit klarerer Wahrnehmung mitbekommen.

Auch soll der Leser dies nicht für eine bloße Mutmaßung halten; es ist die Lehre des Wortes selbst. In den Versen Epheser 3,9 und 10 eröffnet der Apostel, dass er den Auftrag hat, „für alle ans Licht zu bringen, was die Verwaltung des Geheimnisses ist, das von Ewigkeit her in Gott verborgen war“, und fügt hinzu: „der alles durch Jesus Christus geschaffen hat, damit jetzt kund werde die mannigfaltige Weisheit Gottes den Mächten und Gewalten im Himmel durch die Gemeinde“. Hier haben wir die Tatsache, dass das Aufzeigen von Gottes mannigfaltiger Weisheit durch die Gemeinde ein vorher geplantes Ziel der Schöpfung war, und zwar ausdrücklich im Hinblick auf die „Mächte und Gewalten im Himmel“. Während nun in Epheser 1,21 und Kolosser 2,10 der Begriff „Mächte und Gewalten“ verwendet zu sein scheint, um Himmelsbewohner in Gottes Gunst zu bezeichnen, wird in Epheser 6,12 derselbe Begriff verwendet für die Todfeinde Gottes und der Menschen, die bösen Geister, andernorts als „der Teufel und seine Engel“ bekannt. Die werden diese mannigfaltige Weisheit zu ihrem Untergang und Entsetzen lernen, so wie die anderen zu ihrer Erbauung und Freude, dadurch, dass Gott seine Fähigkeit unter Beweis stellt, die höchsten und gesegnetsten Ergebnisse zu erzielen mittels genau der Elemente, die seine Pläne am meisten zu vereiteln und seine Absichten zu durchkreuzen schienen.

Das Tausendjährige Reich wird kommen; die Gemeinde ist ein Einschub in Gottes Zeitplan

Ist der Leser einer von denen, die vergeblich von einem sich allmählich ausbreitenden Evangelium träumen, das durch die Vermittlung des Heiligen Geistes die Welt bekehrt und ein Millennium geistlichen Segens einleitet, ohne die leibhaftige Gegenwart des Messias, der in offenkundiger Herrlichkeit auf dem Thron seines Vaters David sitzt? Wenn dem so ist, wird er seine Meinung revidieren müssen, bevor er in der Lage sein wird, „zu sehen, was die Verwaltung des Geheimnisses ist“. Kann ein Kind Gottes damit zufrieden sein, dass Satan solch einen bleibenden Sieg davonträgt? Nämlich dass er die buchstabengetreue Erfüllung der Prophetie vereitelt hätte und Gott auf die Notwendigkeit herabgestutzt hätte, ihr lediglich eine sogenannte geistliche Erfüllung zu verschaffen, von der kein einfacher Leser des Wortes jemals vermuten könnte, dass das ihre Bedeutung wäre?

Nein, Satan hat nicht triumphiert. Gott verzichtet nicht auf seine Absicht. Seine Pläne haben keine Zerschlagung erlitten. Ein Aufschub, aber ein vorhergesehener, hat die sofortige Ausführung verzögert; doch in seinem scheinbaren Sieg hat der Fürst der Finsternis sich selbst überlistet, hat Gottes geheime Absichten ausgeführt, nämlich die Errichtung des Thrones eine Zeit lang auszusetzen, um eine Braut für seinen König vorzubereiten, die mit seiner Herrschaft assoziiert wird – die Gemeinde des lebendigen Gottes – etwas anderweitig Unbekanntes; ein Volk, das Ihm besonders nahe ist, das Ihn anerkennt und an seiner Demütigung und Verwerfung teilhat und auch an seiner Erhöhung und Ehre teilhaben wird; Menschen, die, weil sie mit Ihm leiden, auch mit Ihm herrschen sollen; die just den Platz im Himmel einnehmen sollen, den Satan und seine Engel jetzt innehaben – diese Mächte der Luft, deren Fürst er ist, die „bösen Geister im Himmel“, die Gegner des Segens der Gemeinde, gegen die die Gemeinde durch ihre einzelnen Glieder jetzt im geistlichen Kampf kämpfen muss (Eph 6,12[1]).

Nein, die Prophezeiungen sprachen nur von der Erde; es gab in ihnen keine Andeutung auf ein Volk, das den Platz der satanischen Mächte füllen sollte, kein Wort davon, dass diese enteignet werden sollten zugunsten eines Volkes, das von der Erde erlöst würde. Dies war ein Geheimnis, ein Mysterium, in Gott verborgen, und Satans scheinbarer Triumph gab Anlass zu seiner Enthüllung und Erfüllung, zu Satans völligem und ewigem Untergang und zur Demonstration von Gottes mannigfaltiger Weisheit, seiner Gnade und seiner Ehre. Das Reich Gottes, das Reich, das Satan zunichtezumachen glaubte, wird noch auf Erden errichtet werden – das Tausendjährige Reich aus der neutestamentlichen Prophetie – zur wörtlichen Erfüllung jeder Einzelheit des Wortes Gottes und zur vollen Bestätigung der Treue Gottes und der Wahrhaftigkeit seiner Propheten.

Die jetzige Verwaltung ist also ein Interregnum, ein eingeschobener Zeitraum, in der Tat von Gottes Ratschluss vorausgeplant, aber nicht offenbart, bis das Paulus anvertraut wurde, wie schon erläutert (siehe Graphik). Wenn diese Wahrheit erst einmal erkannt wird, wird sie zum Schlüssel für die Auslegung der Heiligen Schrift und für das „rechte Teilen des Wortes der Wahrheit“, für die Trennung von jüdischen und christlichen Sachverhalten. Bis sie erkannt wird, kann keines der beiden Testamente richtig verstanden werden, und das Christentum wird zu einer Art Bastardjudentum, statt seinen eigentlichen und einzigartigen Charakter zu bekommen. Für die Art und Weise, wie dies geschieht, liefern die  Übersetzer der King-James-Bibel ein gut verfügbares Beispiel.

Verwechslung des Reiches Gottes mit der Gemeinde Gottes

Es liegt mir fern, die Verdienste dieser geliebten Männer Gottes zu schmälern, deren Arbeit wir mitsamt allen Generationen seither größte Dankbarkeit schulden. Ihre Arbeit ist ein Denkmal treuen und sorgfältigen Fleißes und ein Wunderwerk des Erfolgs für ihre Zeit. Aber sie sahen nicht, „was die Verwaltung des Geheimnisses ist“, und weil sie es nicht sahen, hinterließen sie uns in ihren Kapitelüberschriften ein Denkmal der unausweichlichen Folgen der Unkenntnis dieser äußerst wichtigen Wahrheit. Im Einklang mit allen Theologen ihrer Tage griffen sie die irrtümliche Vorstellung auf, das Christentum sei (statt, wie Paulus lehrt, eine eigenständige Sache zu sein und ein bis dahin unenthülltes Geheimnis) nur das vorhergesagte Resultat, die reguläre und zu erwartende Entwicklung dessen, was vorangegangen war – die fertige Blüte aus der Knospe des Judentums. Sie hatten keine Vorstellung von dem eingeschobenen und interregnumartigen Charakter der Verwaltung. Dass die Gemeinde Gottes so verschieden und einzigartig ist im Vergleich zu allem Vorhergehenden, dass sie der Prophetie gänzlich unbekannt war – dieser Gedanke war ihnen völlig fremd; so fremd, dass sie es als selbstverständlich betrachteten, dass die Gemeinde und das Christentum dort zu finden sein müssten und sich den alttestamentlichen Schriften bewusst mit dem Ziel zuwandten, sie darin zu entdecken. Das logische Resultat einer Suche nach dem Nichtexistenten unter Leitung der von vornherein feststehenden Lehre, dass es existent sei, ist leicht vorherzusehen. Die Übersetzer mussten notwendigerweise fälschlich auf die Gemeinde Gottes beziehen, was in Wirklichkeit zu etwas anderem gehörte. Folglich interpretierten sie die prophetischen Ankündigungen, die sich auf Israel und das Reich Gottes bezogen, um und wendeten sie auf die Gemeinde Gottes an. Die logische Konsequenz davon war ein völliges Missverständnis der christlichen Verwaltung und ebenso auch des Tausendjährigen Reiches, das noch folgen muss, in ihren Köpfen und in denen aller, die ihnen gefolgt sind; eine Mischung des Jüdischen und des Christlichen unter Herabsetzung des ganzen Charakters der „himmlischen Berufung“ und einer Fehlanwendung der Wahrheit Gottes.

Der Leser kann eine King-James-Bibel mit Kapitelüberschriften zur Hand nehmen und sich beinahe jede beliebige Überschrift ansehen, in der es um Prophezeiungen über die Zukunft geht, und er kann meine Behauptung sofort nachvollziehen. Er wird die „Gemeinde“ [church] zuhauf in den Überschriften finden, im Text allerdings vergeblich danach suchen. Im Text wird er nur Israel, Zion, Jerusalem o.Ä. finden.[2]

Ein einziges Beispiel wird es klarmachen. Die Überschrift von Jesaja 52 beginnt mit: „(1) Christus überzeugt die Kirche, an seine freie Erlösung zu glauben.“ Wenn der Leser aber in das Kapitel selbst hineinschaut, wird er erkennen, dass es Zion ist, das ermahnt wird, aufzuwachen und seine Stärke anzuziehen; Jerusalem, die heilige Stadt, die aufgefordert wird, sich herrlich zu schmücken und den Staub abzuschütteln; das Volk, das einst nach Ägypten hinabzog, um sich dort als Fremdling aufzuhalten, ist gemeint; das Volk, dem Assur Gewalt angetan hat; und so durch das ganze Kapitel hindurch. Der einzige flüchtige Blick auf die Wahrheit (in der Überschrift) befindet sich in ihrem letzten Teilsatz: „(13) Das Reich Christi soll erhöht werden.“ Das Reich ist zweifellos das, worum es in der Stelle geht, aber schließlich ist „das Reich“ in den Kapitelüberschriften nur eine andere Bezeichnung für „die Gemeinde“ [church], mit der es ständig verwechselt wird.

Das Geheimnis ist der Schlüssel zum Verständnis des Wortes Gottes

Auch brauchen wir uns nicht über die weitverbreitete Verwirrung zu wundern, die in der Auslegung des Wortes vorherrscht, wenn wir die Korrektur der Kritiker[3] bezüglich Kolosser 2,2 akzeptieren, die einige Worte aus dem Vers als Einfügung weglassen. Und zwar heißt es bei King James: „zu allem Reichtum an Gewissheit des Verständnisses zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes und des Vaters und des Christus“. Stattdessen lesen wir gemäß besagter Kritiker zusammen mit dem folgenden Vers: „zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind“. Wenn alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis in dem „Geheimnis“ verborgen liegen, so dass seine Verwaltung, wie sie Paulus gegeben ist, das Auffüllen oder Vervollständigen von Gottes Wort ist, wie es in Vers 25 des vorangehenden Kapitels festgestellt wird (Kol 1,25), dann ist es selbstverständlich, dass dort, wo das „Geheimnis“ nicht verstanden wird, der Schlüssel für das Verständnis von Gottes Wort nicht bei der Hand ist und dass „die Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ verschlossen bleiben müssen, obwohl sie von Gott vollständig enthüllt wurden. „Gott wollte seinen Heiligen“ durch dieses Amt des Paulus (Kol 1,27) „kundtun, was der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses ist“, und leider ist einem Großteil von ihnen der Erwerb dieses Wissens gleichgültig.

Christus und die Gemeinde bilden eine Einheit

Christus ist der Mittelpunkt der Wahrheit und der Wege Gottes, aber der Christus aus Gottes Ratschlüssen ist nicht einfach der Mann Jesus Christus, sondern „so wie der Körper einer ist und viele Glieder hat, so ist auch der Christus“. Es ist „Christus und die Gemeinde“ – das Geheimnis; der zweite (letzte) Adam, nicht allein, sondern mit seiner Eva; vereinigt mit Ihm, sogar unter einem gemeinsamen Namen; wie auch die erste Eva mit dem ersten Adam vereinigt war, war sie doch Gebein von seinem Gebein und Fleisch von seinem Fleisch, so dass es in 1. Mose 5,2 heißt: „Er schuf sie als Mann und Frau und segnete sie und gab ihnen den Namen Adam (= Mensch).“ So wie Adam unvollständig war ohne Eva, so ist der Christus aus Gottes Ratschlüssen und Absichten unvollständig ohne „die Gemeinde, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle (oder Ergänzung) dessen, der alles in allem erfüllt“ (Eph 1,23).

Israels irdische Herrlichkeit und die himmlische Herrlichkeit der Gemeinde

Die Hoffnung der Gemeinde ist die „Hoffnung der Herrlichkeit“. Israels Hoffnung in der Wüste war die Hoffnung auf das Land (5Mo 12,9). Seine Hoffnung in der Zukunft ist immer noch das Land, unter der Herrschaft Gottes und dem Segen des Tausendjährigen Reiches. Wenn damit Herrlichkeit verbunden ist – wie es sicherlich der Fall ist (s. Jes 4 usw.) –, ist es immer noch irdische Herrlichkeit, Herrlichkeit auf Erden. Die Herrlichkeit der Gemeinde hingegen ist himmlische Herrlichkeit, die Herrlichkeit Gottes und Christi. „Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast.“ – „Ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen“ (Joh 17,22.24).

Israels Hoffnung auf den versprochenen Segen beruhte auf des HERRN Gegenwart bei ihnen in der Wolken- und Feuersäule. „Mein Angesicht soll vorangehen, und ich will dich zur Ruhe leiten“ (2Mo 33,14). „Denn woran soll erkannt werden, dass ich und dein Volk vor deinen Augen Gnade gefunden haben, wenn nicht daran, dass du mit uns gehst, so dass ich und dein Volk vor jedem Volk auf dem Erdboden ausgezeichnet werden?“ (2Mo 33,16). „Denn die Wolke des HERRN war über der Stiftshütte bei Tage, und Feuer war über ihr bei Nacht vor den Augen des ganzen Hauses Israel, solange die Wanderung währte“ (2Mo 40,38). „Sie haben gehört, dass du, HERR, unter diesem Volk bist, dass du von Angesicht gesehen wirst und deine Wolke über ihnen steht und dass du, HERR, vor ihnen hergehst, in der Wolkensäule am Tag und in der Feuersäule bei Nacht“ (4Mo 14,14). „Denn wo ist so ein großes Volk, dem sein Gott so nahe ist wie uns der HERR?“ (5Mo 4,7).

Der HERR, bei und unter ihnen in symbolischer Gegenwart, war also die Herrlichkeit von Israels Stellung inmitten der Völker der Erde und die Garantie, auf der ihre Hoffnung auf das versprochene Erbe ruhte. Der Reichtum der Herrlichkeit des „Geheimnisses“ ist Christus in seinem Volk, die Hoffnung auf Herrlichkeit (Kol 1,27).

So groß Israels Vorrecht auch war, den HERRN so nahe bei sich zu haben, wie Er keinem anderen Volk je war, und das Versprechen eines Landes, in dem Milch und Honig fließen, zu haben – diese Herrlichkeit verblasst gegenüber der Hülle und Fülle, dem Reichtum an Herrlichkeit, der zur Pilgergemeinde Gottes in der Verwaltung des Geheimnisses gehört. Diese Herrlichkeit ist die persönliche Verbindung mit dem auferstandenen, erhöhten und göttlichen Haupt, als Glieder seines Leibes, seines Fleisches und seines Gebeins – eine Verbindung, die für sie die unfehlbare Garantie und Basis jener Hoffnung auf Herrlichkeit ist, die vor sie gestellt ist als das Ziel, auf das ihre Reise zugeht. Der Apostel kann dies voller Berechtigung einen „Reichtum an Herrlichkeit“ nennen – eine Herrlichkeit, die in der Tat vor fleischlichen und ungläubigen Augen verborgen ist, so dass „die Welt uns nicht kennt, weil sie Ihn nicht kannte“ – doch wie wirklich und wie unsagbar wertvoll denen, deren Glaube und Erfahrung sie kennt! Mit voller Berechtigung kann er im Vergleich zu Israels Herrlichkeit sagen: „Ja, jene Herrlichkeit ist nicht für Herrlichkeit zu achten gegenüber dieser überschwänglichen Herrlichkeit. Denn wenn das Herrlichkeit hatte, was aufhört, wie viel mehr wird das Herrlichkeit haben, was bleibt“ (2Kor 3,10.11).

„Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit!“ Nehmen unsere Seelen dies auf? Ergreift unser Glaube die Fülle ihres Reichtums? Füllt die Herrlichkeit unseren Blick und stellt sie unsere Herzen zufrieden, bis alle irdische Herrlichkeit vor ihrer Strahlkraft verblasst? Welch ein Erbe ist unseres – Herrlichkeit! „Ein unvergängliches, unbeflecktes und unverwelkliches Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht bewahrt werdet“ (1Pet 1,4). Das ist viel. Mit Macht, und zwar mit Gottes Macht bewahrt zu werden, ist stark und sicher und kostbar, aber es gibt noch mehr. Der Gedanke vor uns geht darüber hinaus. Es ist mehr als Bewahrung, es ist Verbindung, Einheit mit dem Bewahrer. „Wer aber dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm“ (1Kor 6,17); „durch einen Geist sind wir alle zu einem Leib getauft“ (1Kor 12,13); „Glieder seines Körpers, von seinem Fleisch und von seinem Gebein“. Und die ist die besondere, die überschwängliche Herrlichkeit des „Geheimnisses“, und wir haben aus Gnade Anteil daran. Sicherlich sollten wir für solch einen Anteil „den Gott aller Gnade, der uns zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat in Christus Jesus“ (1Pet 5,10) loben und preisen.

Das Zusammenfassen aller Dinge in Christus

Diese Gedanken führen uns nach oben zu dem, was die himmlische Seite des Geheimnisses genannt werden könnte, die uns in Epheser 1,9.10 vorgestellt wird: „Er hat uns ja das Geheimnis seines Willens zu erkennen gegeben nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgenommen hat in ihm für die Verwaltung der Erfüllung der Zeiten: alles zusammenzufassen in Christus, was im Himmel und was auf Erden ist.“ Dies ist kein anderes Geheimnis, sondern eine andere Phase bzw. eine spätere Etappe desselben großen Geheimnisses.

Das dritte Kapitel des Epheserbriefes, das uns bislang zusammen mit dem Kolosserbrief hauptsächlich beschäftigt hat, stellt uns nur die gegenwärtige oder irdische Seite des Geheimnisses vor: die Gemeinde in ihrem Pilgerstatus, auf der Reise zu ihrem Erbe in der Verwaltung, die der Heilige Geist „die Verwaltung des Geheimnisses“ nennt; und das, was durch die Entfaltung und Entwicklung der Wahrheiten des Geheimnisses Ton und Schattierung erhält.

Hier in Epheser 1,10 wird uns eine andere, noch zukünftige Verwaltung vorgestellt, ebenfalls vorangehenden Zeitaltern ein Geheimnis, aber jetzt als Ergänzung des offenbarten Geheimnisses vorgebracht, nämlich die Vereinigung des Himmlischen und des Irdischen in einem Reich Gottes unter dem Zepter des Messias. Diese kommende Verwaltung wird die der Erfüllung der Zeiten genannt – die, in der Gottes Handeln mit dieser Erde (wozu die Zeiten kronoi kai kairoi gehören) vollendet werden wird. Das, was sie charakterisiert, ist das Zusammenfassen, wörtlich das „Mit-einem-Haupt-Versehen“, aller Dinge im Himmel und auf Erden in Christus. Die Ausdrucksweise ist herausragend und eindrucksvoll: mit einem Haupt versehen.

Hat der Leser je gesehen, wie ein Böttcher ein Fass zusammensetzt [head up, ein Ausdruck, der das Wort „Haupt“ enthält]? Er gruppiert die Dauben aufrecht um den Boden [head] des Fasses herum, der in die Nut oder Rille passt, die in jede Daube eingefräst ist, so dass sie die abgeschrägte Kante des Bodens aufnehmen und festhalten kann. Wen alle Dauben in Position sind, zieht er einen Mittelreifen um sie zusammen, und dann wird Reifen um Reifen an das Fass angetrieben, bis alle Einzelteile sich fest zu einem Gefäß verbinden. Wenn er die Reifen an die aufgerichteten Dauben ohne den Boden antreiben würde, würde beim ersten Schlag des Hammers alles durcheinanderfallen. Der Mittelpunkt des Zusammenhalts, um den alle Dauben gruppiert werden, ist der Boden oder Deckel [head] des Fasses. Ist dieser erst einmal in Position, wird das Werk, je größer der Druck ist, umso fester und besser.

Christus ist der Mittelpunkt und das Haupt, in dem alle einzelnen Elemente, himmlisch oder irdisch, zusammengefasst werden sollen. Deren Vereinigung unter der Hand und dem Zepter des Messias war außerhalb der Reichweite der alttestamentlichen Enthüllungen, genau wie die Vereinigung der Juden und Heiden unter der jetzigen Verwaltung.

Ich hatte diesem Teil des Themas etwas vorgegriffen, als ich über die Aussetzung des Reiches und deren Folgen sprach. Dieser Teil ist der Höhepunkt der Herrlichkeit dessen, der auf seinem Haupt „viele Kronen“ trug, als Johannes Ihn in seiner Vision sah, wie Er kam, um „die Verwaltung der Erfüllung der Zeiten“ einzuleiten, von der wir sprechen. „Ihm folgte das Heer des Himmels“, als Er hinabstieg, um den Thron seiner tausendjährigen Herrlichkeit auf Erden aufzurichten (Off 19,12.14).

Praktische Auswirkungen auf unser Leben: Gott will Einheit der Gemeinde

Ich wende mich nun von der Doktrin dieses Themas ab und seinen praktischen Auswirkungen auf unseren Lebenskurs und unser Verhalten zu.

Als diejenigen, deren Schicksal in der „Verwaltung des Geheimnisses“ liegt, geziemt es sich eindeutig für uns, uns nicht nur über ihre wahre Natur und ihren Zweck zu informieren, sondern auch unser Verhalten gemäß ihrer Ordnung und Zielsetzung zu formen. Gott offenbart uns niemals eine Wahrheit, um lediglich unsere Neugier zu befriedigen, sondern damit sie einen gestaltenden Einfluss auf uns ausübt und uns in Übereinstimmung mit ihr bringt.

Gott hat uns offenbart, dass es Ordnung und Plan der Verwaltung, in die Er uns gestellt hat, ist, dass Christus durch seinen Tod nicht nur unsere Seelen retten sollte, sondern„die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammeln sollte“, so dass sie„eine Herde und ein Hirte“ sein sollten (Joh 11,52; 10,16). Während Gott in früheren Zeitaltern Menschen unter den Juden und den Heiden als verstreute Gruppen mit sich versöhnte, ist es sein Wille, dass die durch das Kreuz Versöhnten in einer Einheit gefunden werden sollten, in „einem Leib“ (Eph 2,16). Dieser Leib wird seiner göttlichen Absicht gemäß durch den einen Geist geformt, durch den alle hineingetauft sind (1Kor 12,13). Er „hat den Leib zusammengefügt“ und „hat die Glieder eingesetzt, ein jedes von ihnen im Leib, so wie er gewollt hat“ (1Kor 12,24.18), so dass „der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am anderen hängt durch alle Gelenke, wodurch jedes Glied das andere unterstützt nach dem Maß seiner Kraft und macht, dass der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe“ (Eph 4,16). Aus diesem Grund ist es sein Wille, „dass da keine Spaltung im Leib sein sollte“ (1Kor 12,25).

Wenn nun dies alles der erklärte Wille Gottes ist, was uns und die Verwaltung, unter die Er uns gestellt hat, betrifft, dann muss klarerweise jede Handlung unsererseits, die mit dieser Wahrheit nicht übereinstimmt und nicht auf Grundlage dieses Prinzips geschieht, ein Verstoß gegen seine Pläne und Widerstand gegen seinen Willen sein und demzufolge Sünde.

Hätten wir von Ihm kein weiteres Wort über die einfache Ankündigung „Es gibt einen Leib“ hinaus, so würde das von Gott mitgeteilte Wissen über diese Tatsache uns moralisch genauso unverrückbar verpflichten, wie alle Vorschriften in der Lehre es tun könnten, denn von Gott hergestellte Beziehungen sind eine ebenso gültige Basis für eine moralische Verpflichtung wie von Gott gegebene Vorschriften. Ein Jude war ebenso unbedingt verpflichtet, seinen Vater und seine Mutter zu ehren während er in Ägypten wohnte, also bevor er oder irgendjemand sonst ein Gebot zu diesem Thema gehört hatte, wie er es war, nachdem Gott es vom Sinai herunterdonnerte, wenn auch das Gebot dem zusätzliche Deutlichkeit verlieh. Wenn er ihm in Ägypten nicht nachkam, sündigte er. Wenn er ihm in Kanaan nicht nachkam, sündigte er und beging eine Übertretung.

Nun hat Gott uns sowohl die Tatsache offenbart als auch das Verhalten angeordnet, das sich aus der Tatsache ergibt und uns demnach geziemt. Er möchte, „dass wir der Berufung würdig leben, mit der wir berufen sind“ (Eph 4,1); und insofern wir nicht nur mit einer heiligen und himmlischen Berufung berufen sind, sondern„in einem Leibe berufen sind“ (Kol 3,15), wird bei den detaillierten Anweisungen, die folgen, der Pflicht, „darauf bedacht zu sein, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens“ (Eph 4,3) eine entsprechend herausragende Bedeutung verliehen. Diese Pflicht ergibt sich aus der Wahrheit, dass es einen Leib gibt und einen Geist, so wie auch die Hoffnung unserer Berufung (Herrlichkeit) eine ist und Einheit alles charakterisiert, was kennzeichnend zu ihr gehört: „ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen“ (Eph 4,4-6).

In einer Weise zu handeln, die dieser von Gott gewirkten Einheit entgegensteht, ist der Berufung unwürdig zu wandeln, mit der wir berufen sind, und sich in Opposition zu der ganzen Ordnung und dem ganzen Plan der Verwaltung zu setzen – genau das, was die gesamte Gemeinde Gottes seit Jahrhunderten getan hat. Auf welcher Doktrin aus dem gesamten Bereich der Wahrheit ist so herumgetrampelt worden, welche wurde so gewagt und systematisch beiseitegeschoben wie die der Einheit? Wer würde, wenn er sein Auge über die Christenheit schweifen lässt, einen Moment lang vermuten, dass Einheit eine grundlegende Wahrheit des Christentums sei? Dass diese Leute Bekenner einer Berufung, ein Körper zu sein, wären? Dass der Gründer des Christentums sich auf ihre Einheit verließ (Joh 17,21) als auf einen dauerhaften Beweis seines göttlichen Auftrags? Welch eine Vielzahl von Körpern steht da ausgestellt mit ihren verschiedenen Namen und Eigenschaften! Man kann nach Einheit überall suchen, nur nicht in der Christenheit. Das Judentum ist eine Einheit, obwohl die Nation verstreut sein mag. Der Islam ist eine Einheit; aber die Christenheit, deren herausragendes Kennzeichen die Einheit sein sollte – oh weh, oh weh!

Einheit jenseits aller Spaltungen

Der Katholizismus, der früheste Ursprung der Spaltungen, ist die einzige Sekte, die wenigstens den Schatten der Einheit bewahrt hat. Der Protestantismus hingegen hat den Erfordernissen seiner Position nachgegeben und ihnen seine Doktrin angepasst. Größtenteils hat er dabei Anspruch auf die Freiheit erhoben, die Verpflichtung zur Einheit vollständig zu ignorieren, bestenfalls ab und zu über die Einheit als eine Sache der Vergangenheit zu seufzen. Wie wenige hatten den Mut oder die Treue, der Verpflichtung ins Angesicht zu sehen, zur Wurzel des Übels vorzustoßen, sie zu richten – und dann zu den alten Pfaden zurückzukehren. Die vielleicht subtilste Falle, das raffinierteste Hindernis, dem diejenigen, die nach dieser Wahrheit suchen, ausgesetzt sind, ist die scheinbare Unmöglichkeit, sich von der Spaltung abzuwenden, ohne dadurch genau das beanstandete Übel zu vergrößern, indem man den bereits allzu zahlreichen Gruppierungen eine weitere hinzufügt. Diese Schwierigkeit ist äußerst sophistisch, nur vordergründig bestechend, und hält manch eine Seele davon zurück, Stellung für Gott zu beziehen, aber sie ist ebenso unecht wie sie sophistisch ist. Sich von Spaltungen zu trennen, ist keine Spaltung. Sich von dem zurückzuziehen, was sich seinerseits von Gottes Ordnung zurückgezogen hat, ist nicht die Gemeinde Gottes zu spalten, sondern das abzulehnen, was sie bereits gespalten hat.

Nehmen wir einmal an, die Mannschaft eines Schiffes hat gemeutert, das Schiff in Besitz genommen und ihren Kapitän und die Offiziere in einem Boot ausgesetzt, so wie die Meuterer der „Bounty“ es taten. Wäre es dann Meuterei, wenn ein oder mehrere Einzelne aus der Mannschaft ihren Anteil an dem Verbrechen bereuten, dagegen protestierten, sich von der Gemeinschaft mit den ungesetzlichen Handlungen absonderten und unter Einsatz ihres Lebens oder ihrer Freiheit darauf beständen, nur das Eigentumsrecht der Königin aufrechtzuerhalten und anzuerkennen und zu versuchen, die anderen zur Pflicht zurückzurufen? Könnte man diese wenigen reuigen Getreuen einer weiteren Meuterei anklagen? Oder würden sie nur unter den gegebenen Umständen das Richtige tun? Aber merken wir auf den Unterschied: Angenommen, diese Einzelnen zögen sich nicht von den anderen zurück, um zur Treue gegenüber der Königin zurückzukehren, sondern trennten sich nur aufgrund einer Meinungsverschiedenheit, einer Differenz der Absichten, von den anderen, zum Beispiel in Bezug auf die Navigation des Schiffes. Wie anders wäre dann der Fall gelagert! Genauso ist der Unterschied zwischen einer Rückkehr zur Einheit und sektiererischer Abspaltung.

Der Ursprung aller sektiererischen Abspaltungen waren unterschiedliche Meinungen und Absichten in Bezug auf Details in Prinzipien, Doktrin oder Gebräuchen. Zweifellos war es in vielen dieser Fälle ein gewissenhaftes Bemühen um Gottes Ehre, um die es bei der Aufrechterhaltung dieses oder jenes Lehrsatzes zu gehen schien, aber in keinem Fall drangen die Reformer zur Wurzel der Angelegenheit vor. Bis vor sehr kurzem gab es keinen Fall, in dem man der Zweifelsfrage wirklich auf den Grund gegangen wäre, sich hindurchgrabend, allen Schutt beiseiteräumend, um bis zum Fundament zu gelangen, damit Gottes eigenes Fundament wieder erreicht und darauf aufgebaut werden könnte. Jede neue Sekte hat nur die Gestalt der Dinge, die sie gewohnt war, modifiziert oder ausgebessert; und so hat sie nur eine Sekte verlassen, um eine neue zu gründen. Solange an einem Punkt nicht-schriftgemäßem menschlichem Verderbnis festgehalten wird, befindet man sich immer noch auf sektiererischem Grund, gleichgültig, welchen Anspruch man erhebt. Wenn jedoch das göttliche Fundament erreicht ist und wieder aufgenommen wird, ist das nicht Spaltung, was immer die Menschen sagen mögen, sondern Gehorsam und Treue gegen Gott. Dies und nur dies ist „der Berufung würdig zu wandeln, mit der wir berufen sind.“ Dies allein ist das ehrliche Streben, „die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens zu wahren.“

„Wie bitte?“, ruft ein aufgeschreckter Leser aus. „Wollen Sie es Bemühen um die Wahrung der Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens nennen, wenn Sie den Frieden brechen und sich von jedermann abspalten oder zumindest von allen außer einer bloßen Hand voll Leute, die diesbezüglich ebenso sehr irren wie Sie selbst?“ Ja, antworte ich, das will ich. Ich beabsichtige, ohne Zögern zu sagen, dass der Heilige Geist in Vergangenheit und Gegenwart keine Einheit auf irgendeinem anderen Grund gebildet hat als auf dem des schriftgemäßen Gehorsams Gott gegenüber. Die Einheit einer Sekte ist nicht die Einheit des Geistes und wäre es auch dann nicht, wenn morgen alle Sekten zusammen in einer riesigen evangelischen oder katholischen Allianz zusammengepresst werden könnten. Wenn es der ganzen Christenheit umgehend gelänge, eine Plattform zu vereinbaren, auf der sie sich erneut vereinigen und einen einzigen Körper bilden könnte, würde ich sie verschmähen und mich abseits von ihr halten, ebenso wie ich mich heute von einer gespaltenen Christenheit abseits halte. Jede Plattform der Einheit, außer der, die auf alles verzichtet, was vom Menschen stammt – und letztlich stammen alle Grundsätze von willentlichen Verbindungen vom Menschen und nicht von Gott –, ist die Einheit des Fleisches, nicht des Geistes.

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Anmerkungen

[1] Der Leser wird dies besser verstehen, wenn er Epheser 2,2 und Epheser 6,12 mit 1. Mose 1,6-8 vergleicht und beachtet, wie Gott das Firmament beziehungsweise die Feste (unsere Luft oder Atmosphäre) nennt, und dies wiederum mit 2. Korinther 12,2 vergleicht. Er beachte auch 1. Könige 22,19-22; Hiob 1,6; Lukas 10,18; Johannes 12,31; Römer 16,20; 1. Korinther 6,2-3; Offenbarung 12,7.8 usw.

[2] Anm. d. Üb.: Bezüglich der Seitenüberschriften gibt es verschiedene Versionen der King-James-Bibel. Gemeint ist hier die Version mit ausführlichen Überschriften über jedem Kapitel.

[3] Griesbach, Scholtz, Tischendorf und Alford. (Siehe Textual Criticism S. 59).


Übersetzt aus „The Mystery“
aus The Christian’s Friend and Instructor,  Jg. 3, 1876

Übersetzung: S. Bauer


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...