Satan – sein Aufenthaltsort in den himmlischen Örtern (8)
Epheser 2,2; 6,12

Frederick Charles Jennings

© EPV, online seit: 14.02.2005, aktualisiert: 07.03.2018

Leitverse: Epheser 2,2; 6,12

Eph 2,2: … in welchen ihr einst wandeltet nach dem Zeitlauf dieser Welt, nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams.

Eph 6,12:
Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut {eig. Blut und Fleisch}, sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern.

Wir wollen uns auch hier zunächst die allgemein verbreiteten Ansichten über den Aufenthaltsort des Teufels näher anschauen. Sie gehen in unserem Fall weit auseinander. Viele meinen, Satan habe seinen Wohnort in der Hölle, andere, auf der Erde; nur seine Anwesenheit im Himmel möchte man ganz ausschließen. Außerdem hält man ihn für allgegenwärtig, ohne räumliche Beschränkungen, als könne er sich gleichzeitig an jedem Ort der Erde aufhalten. Die Hölle wird allgemein als sein Reich angesehen, und man glaubt, dass er dort als Herrscher regiert, und nicht etwa, dass er dort als Gefangener seine gerechte Strafe leidet.

Versteht man unter dem Ausdruck „Hölle“ (hebr.: gehenna) den „Feuersee“, so wissen wir klar aus Gottes Wort, dass Satan sich dort nicht aufhält und erst nach mehr als tausend Jahren an diesen Ort der Qual gelangen wird (Off 20). Meint man dagegen den im Neuen Testament mit „Hades“ übersetzten Aufenthaltsort der Verstorbenen, so ist dies eine sehr vage und nicht fest umrissene Vorstellung. Die Schrift nennt den Teufel den „Fürst dieser Welt“, den „Fürsten der Gewalt der Luft“ (Eph 2,2) und das Heer seiner bösen Geister „die Weltbeherrscher dieser Finsternis“ (Eph 6,12). Dies vermittelt uns unbestreitbar den Eindruck, dass die Erdatmosphäre der gegenwärtige Aufenthaltsort der abgefallenen Himmelsheere ist, der „geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern“ (Eph 6,12). Wir haben ja bereits gesehen, dass die Erde, und damit auch die dazugehörige Lufthülle, im Anfang Satan unterstellt worden war.

Die Schrift unterscheidet deutlich drei verschiedene „Himmel“. Da der Apostel Paulus uns mitteilt, dass er in den „dritten Himmel“ entrückt worden war, müssen zwei andere Himmel existieren, wobei unter dem „dritten“ wohl der von der Erde am weitesten entfernte Himmel zu verstehen ist. Der erste Himmel ist somit der die Erde umhüllende Lufthimmel, der zugleich mit der Erde hinweggetan werden wird. Die Vögel, jene für die unsichtbaren Geister symbolischen Geschöpfe, die die Luft durchstreifen, werden „die Vögel des Himmels“ genannt (Jer 4,25; Mt 13,32). Betrachten wir die Stiftshütte als ein von Gott gegebenes Abbild der „himmlischen Örter“, so handelt es sich hier um den Vorhof, der mit der umgebenden Welt in Berührung stand, wie die Lufthülle mit der Erde. Hier also müssen wir uns den Aufenthaltsort des Teufels und seiner Heere vorstellen; er ist „der Fürst der Gewalt der Luft“. Der zweite Himmel umfasst den eigentlichen Weltraum. In ihm bewegen sich ungezählte Sterne und Lichtträger (auch diese, wie wir gesehen haben, Abbilder der „Heere des Himmels“). Dieser Raum würde dem „Heiligen“ in der Stiftshütte entsprechen und reicht bis zur Grenze, die der Mensch mit den stärksten Instrumenten, die er sich bauen mag, noch erreichen kann. Es ist die Grenze der Erkenntnismöglichkeiten des Menschen, wenn ihm nicht göttliche Offenbarung zu Hilfe kommt. Daraus ergibt sich, dass sich der „dritte Himmel“ nicht nur außerhalb aller menschlichen Sichtmöglichkeiten, sondern auch außerhalb aller menschlichen Vorstellungen und Gedanken befindet. Mit den Worten des Apostels könnten wir ihn die „unaussprechlichen“ Himmel nennen. Er umschließt sowohl das Paradies, den vorläufigen Aufenthaltsort der „entkleideten“ Gläubigen, wie auch das „Vaterhaus“, den endgültigen und ewigen Aufenthaltsort der Erlösten, der zugleich auch der jetzige Wohnort Gottes ist. Natürlich können wir keinerlei Abgrenzungen ziehen, denn was „über den Sternen“ liegt, liegt auch außerhalb unseres Begriffs- und Fassungsvermögens. Doch ist uns dieser Ort andererseits nicht so fern, dass Stephanus und Paulus nicht Einen dort klar erkennen konnten, der den Blicken der anderen verhüllt war.

Wegen unseres begrenzten Fassungsvermögens kann Gottes Wort von diesen himmlischen Dingen nur in Bildern und Gleichnissen zu uns reden. Satan scheint jedoch aufgrund der ihm ursprünglich verliehenen Stellung Zutritt zu dem gesamten Weltall und zu den drei Himmeln gehabt zu haben. Die Erde mit dem dazugehörigen Lufthimmel waren sein Wohnort und sein Herrschaftsbereich. Als Herrscher über diesen Bereich hatte er auch freien Zugang zu Gottes Thron. Die „heiligen Versammlungen“ des Volkes Israel, bei denen es sich zu gewissen Anlässen um Jahwe versammelte, scheinen ihr Gegenstück in den himmlischen Örtern zu haben. „Seine Diener, Täter seines Wohlgefallens“ versammelten sich als „Söhne“ um den Vater im Himmel, um von ihrer Tätigkeit in den verschiedenen Bereichen Seines Weltalls Rechenschaft abzulegen (Hiob 1). Der Gedanke liegt nahe, dass sich der Dienst und die Herrschaft der Engel noch auf andere Welten außer der unsrigen erstreckt. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Bezeichnung „Heer des Himmels“ in Gottes Wort sowohl für die uns wahrnehmbaren Sterne (z.B. 5Mo 4,19) wie auch für die für uns nicht wahrnehmbaren Geisteswesen (1Kön 22,19) benutzt wird, wodurch eine Verbindung zwischen beiden angedeutet wird. Übrigens werden sowohl die Sterne wie auch ihr „geistiges Gegenbild“, die Engel, in der Schrift als Gegenstand abgöttischer menschlicher Verehrung genannt (5Mo 4,19; Kol 2,18).

Die Sternenwelten könnten somit unter der Herrschaft geistiger Fürstentümer stehen, da selbst in dem kleinen Bereich unserer Erde die einzelnen Weltreiche mit Engelfürsten identifiziert werden (Dan 10), die in „Persien, Griechenland“ usw. für die Durchführung bzw. Verhinderung der göttlichen Ratschlüsse streiten. Diese Ratschlüsse haben stets das eine Ziel, Israel unter seinem Messias als Haupt unter den Nationen einzuführen.

Die Schrift sagt uns auch etwas über den zukünftigen Dienst der himmlischen Erlösten. Wir lesen in Epheser 2,7: „Auf dass er in den kommenden Zeitaltern“ (d.h. in der Ewigkeit) „den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade in Güte gegen uns erwiese in Christus Jesus.“ Wem soll dieser Reichtum Seiner Gnade gezeigt werden, wenn nicht jenen „Fürstentümern und den Gewalten in den himmlischen Örtern“, denen jetzt schon durch die Versammlung „die gar mannigfaltige Weisheit Gottes“ kundgetan wird? (Eph 3,10). Die Anwesenheit verworfener und verlorener Sünder, wie wir sie einst waren, in der höchsten Herrlichkeit, einsgemacht mit dem Sohne Gottes, dem Herrn der Herrlichkeit, wird allein schon „seine Gnade“, „den Reichtum seiner Gnade“ und „den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade“ kundwerden lassen. Die Worte „Seine Knechte werden ihm dienen“ (Off 22,3) deuten möglicherweise darauf hin, dass wir die wunderbare Entfaltung Seiner Gnade uns sündigen Erdbewohnern gegenüber allen Welten des Universums bezeugen werden, wodurch immer weitere Kreise in neue Lobgesänge über die Gnade Gottes ausbrechen werden. Wäre das nicht ein würdiger und glücklicher Dienst? So wie die Erlösten Israels Gottes Heil der ganzen Erde verkündigen werden (vgl. Jes 66,19; Ps 67,7; 96; 98,3), so werden die himmlischen Erlösten den Ruhm Seines Namens bis an die äußersten Enden der himmlischen Örter kundmachen.

Wenn Satan sich zur Zeit noch in den himmlischen Örtern befindet, wie haben wir dann aber die Schriftstellen zu verstehen, die von seinem Fall und seiner Ausweisung aus dem Himmel berichten? Wir erinnern an die Stellen: „Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte?“ (Jes 14,12), „Ich schaute den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ (Lk 10,18), oder: „Jetzt ist das Gericht dieser Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden“ (Joh 12,31). Diese Stellen scheinen zu bezeugen, dass Satan bereits in weit zurückliegender Vergangenheit aus dem Himmel hinausgestoßen wurde und aus dieser Welt, als der Herr am Kreuz starb. Demgegenüber sehen wir aber im ersten Kapitel des Buches Hiob seinen ungehinderten Zutritt in die Gegenwart Jahwes inmitten der „Söhne Gottes“; in der Gegenwart wissen wir ihn noch in den himmlischen Örtern als Fürst der „geistlichen Mächte der Bosheit“, die den himmlischen Erlösten den Genuss ihres Erbes zu rauben suchen. Und sogar zu einem zukünftigen Zeitpunkt (Off 12) finden wir ihn immer noch im Himmel, wo er sich offenbar die ganze Zeit über aufgehalten hat.

Daraus geht hervor, dass die diesbezüglichen Aussagen der Schrift nicht im streng buchstäblichen Sinn zu deuten sind. Der „Sturz aus dem Himmel“ (Jes 14) ist im sittlichen Sinne zu verstehen; er redet von dem völligen Verlust einer Stellung höchster Bevorzugung unter der Gunst des Schöpfers. In ähnlicher Weise redet der Herr von Kapernaum: „Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, bis zum Hades wirst du hinabgestoßen werden“ (Mt 11,23). Auch hier ist ganz offensichtlich von dem hohen Vorrecht die Rede, das die Stadt genossen hatte, und weder von einer buchstäblichen „Erhöhung bis zum Himmel“ noch von einem tatsächlichen Hinabstoßen in die Hölle. Der Himmel deutet hier höchste Bevorzugung, der Hades tiefste Erniedrigung und Verlust der Vorrechte an. In der Stelle aus Lukas 10 hatten die zurückgekehrten Siebzig soeben dem Herrn berichtet: „Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen.“ Es ist daher durchaus verständlich, wenn der Herr Jesus Sich sowohl im Rückblick auf Satans Verlust aller Vorrechte bezog, als „Böses in ihm gefunden“ wurde, wie auch in der Zukunft bereits den endgültigen Sturz des Feindes der Menschheit voraussah. Dieses Gericht Satans ist so sicher, dass es bereits als eine vollendete Tatsache angesehen werden kann.

Der angeführte Abschnitt aus Johannes 12 wiederum zeigt uns „Griechen“ (Proselyten aus dem Heidentum), die durch die jüdische Lehre nicht befriedigt worden waren und daher den sehnlichen Wunsch hatten, Jesus zu sehen. Die Heiden kommen zu dem „Lichte Israels“ (Jes 60). Der Herr wird in diesem Evangelium ja in Seinem göttlichen Charakter geschaut; Er ist der Gott „nicht der Juden allein, sondern auch der Nationen“. Der Herr erkennt die tiefe Bedeutung des Augenblicks und spricht von Sich selbst als dem Sohn des Menschen, in dem allein alle Nationen der Erde gesegnet werden. Doch um diesen Segen hervorzubringen, musste „das Weizenkorn in die Erde fallen und sterben“. Vor Seinem Auge stehen das Kreuz und Seine Leiden, die Er (entsprechend diesem Evangelium) in göttlicher Erhabenheit auf Sich nehmen würde, und Er ruft aus: „Jetzt ist das Gericht dieser Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden.“ Durch Seinen Tod wurde das Gericht für den bußfertigen Sünder hinweggetan; für die ungläubige Welt dagegen würde dieser Sein Tod die Grundlage des zukünftigen Gerichts bilden. Damit war auch das Hinaustun Satans aus dieser Welt besiegelt; es besteht kein Hindernis mehr, das Gericht an ihm zur festgesetzten Zeit auszuführen. Nachdem das Passahlamm zugunsten des Volkes Gottes geschlachtet war, stand der Ausführung des göttlichen Gerichts über Ägypten nichts mehr im Wege.

Doch warum hat Gott den Satan nicht schon längst beseitigt? Warum hat Er all seiner Bosheit und dem daraus entspringenden unsäglichen Leid nicht längst ein Ende bereitet? Das ist eine ganz natürliche Frage, die oft von Heiden an die Missionare gestellt wird. Wenn Gott nur Seine Macht hätte entfalten wollen, so wäre dies sicherlich schon sogleich nach dem Fall Satans geschehen. Wie aber, wenn Gott durch die Manifestation des Bösen gerade die unermessliche Tiefe Seiner Liebe und Weisheit kundmachen wollte, indem Er aus dem „Fresser“ Nahrung und aus dem „Starken“ Süßigkeit (Ri 14,14) hervorkommen ließ? Indem Er einer geknechteten Menschheit Freiheit und Segnung schenkte? Dies lässt uns etwas von Gottes Beweggrund für das lange Gewährenlassen des Bösen erahnen. Um volles Verständnis über Seine Handlungsweise zu erlangen, lasst uns den Schall der „siebenten Posaune“ abwarten, bei deren Ton „das Geheimnis Gottes vollendet“ sein wird (Off 10,7), auch bezüglich der Zulassung und Duldung des Bösen in dieser Welt. Gottes Tun wird dann von allen gerechtfertigt werden, wie es heute bereits seitens Seiner Kinder geschieht.

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Originaltitel: „Der Aufenthaltsort und das Schicksal Satans in den ‚himmlischen Örtern‘“
aus Hilfe und Nahrung, 1982, S. 237–243


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