Die Lehre des Paulus (5)
2. Timotheus 3,12; 1. Korinther 4,13; 2. Korinther 6,4-10; 2. Timotheus 4,1-5

Clifford Henry Brown

© SoundWords, online seit: 15.06.2011, aktualisiert: 29.10.2019

Leitverse: 2. Timotheus 3,12; 4,1-5; 1. Korinther 4,13; 2. Korinther 6,4-10

Einleitung

Dies ist der dritte und letzte Vortrag dieser Serie über die Lehre des Paulus. Im ersten Vortrag haben wir Paulus’ Lehre im Licht der Geschichte betrachtet und festgestellt, dass er ein besonderer Zeuge war für das Enthüllen dieser wunderbaren Offenbarungen. Der zweite Vortrag hat einen Überblick über das Wichtigste in diesen Offenbarungen gegeben. Dabei haben wir einige der Dinge erwähnt, die seine Lehre angreifen – das sind der Ritualismus und der Einfluss des Rationalismus. Das eine oder das andere oder auch beides kann uns dessen berauben, was Paulus uns durch den Heiligen Geist vermittelt hat.

Heute Abend möchte ich von den Problemen sprechen, mit denen die Gemeinde Gottes zu kämpfen hat. Da wir in den Tagen der Endzeit leben, ist es für uns weit schwerer, die Lehre des Paulus zu befolgen, als es zu seinen Lebzeiten war.

Die Geschichte der Gemeinde Gottes

Wenn jemand ein Unternehmen startet, wie etwa eine Aktiengesellschaft, gibt er einen Werbeprospekt heraus, der vielleicht ganz ansprechend ist, und erzählt den Kapitalanlegern, wie gut die Erträge sein würden: Eine Aktie für 10 Dollar würde vielleicht in kurzer Zeit ihren Wert verzehnfacht haben. Dass es nicht fehlschlagen kann, beweist die Aktiengesellschaft durch Zahlen, Argumente und Statistiken. Es kann also nur ein durchschlagender Erfolg werden. Was die Einführung des Christentums in die Welt betrifft, haben wir Verheißungen bekommen: eine Gemeinde, die Annahme in der Welt, die Ausbreitung der Wahrheit und dann die Vollendung von allem am Ende der Zeitalter. Es scheint so, als ob da genau das Gegenteil vorhergesagt wird. Wenn wir die Geschichte der Gemeinde beobachten, wie sie in den sieben Sendschreiben in Offenbarung 2 und 3 beschrieben wird, bemerken wir, dass es mit den meisten bergab geht: Ihre Geschichte endet damit, dass Christus sogar eine von ihnen vor Abscheu ausspucken wird.

Die Schreiben des Apostels wimmeln von Ankündigungen über kommende schwierige Zeiten. In den letzten Tagen wird man kaum wahren, echten Glauben finden auf der Erde. Der Glaube vieler wird erkalten, die Wahrheit wird abgeschafft, die Menschen werden es ablehnen, Gottes Wort zu hören und aufzunehmen – besonders die Lehre, die Paulus eigen ist. Wie anders sieht das aus als das, was die Menschen suchen! Wir befinden uns am Ende des Zeitalters der Gemeinde (wenn wir es als Zeitalter bezeichnen können). Durch die Verwirrung, die Satan herbeigeführt hat, ist es sehr schwierig, eine klare Linie zu erkennen. Wer bemerkt nicht heutzutage das Chaos in der Christenheit? Es ist nicht verwunderlich, dass die Menschen ohne Hoffnung herumstolpern, so etwa wie zu der Zeit, als Israel ohne König war: Jeder tat, was recht war in seinen Augen. Man ist zu der bitteren Feststellung gelangt, dass alles, was man noch tun kann, ist, das Beste daraus zu machen und sich mit dem Chaos abzufinden!

Christus kommt mit der Gemeinde zum Ziel

Was Israel angeht, hatte es keinen König, und jeder tat, was recht war in seinen Augen. Du und ich, wir können das nicht von der Gemeinde Gottes sagen. Keinesfalls! Die Herrschaft über die Gemeinde können wir Ihm nicht entreißen. Er hat nicht seine leitende Stellung gefährdet, indem Er sie abhängig gemacht hätte von der Treue des Menschen. Er hat nicht die Bewahrung des Leibes Christi in Menschenhände gelegt und Menschen diese Verantwortung übergeben. Nein, denn es ist seine Sache: „Ich werde meine Versammlung [Gemeinde] bauen, und die Pforten des Hades [der Hölle] werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Wenn Christus kommt, um seine Gemeinde zu holen, wird Er sie sich selbst heilig und untadelig darstellen, ohne Flecken oder Runzel [Eph 5,27]. Sie wird genauso sein, wie Er sie haben wollte: fleckenlos, verherrlicht. Sie wird mit Ihm vereint sein, denn es ist sein Werk, seine Verantwortung; dadurch wird Er verherrlicht. Er hat sie geschaffen, sie ist das Ergebnis seiner Bemühungen.

Wir werden heute Abend nicht viel über diesen Aspekt sagen. Es ist überaus schwierig, zu klären, welche Verantwortung der Mensch in Verbindung mit der ihm anvertrauten Wahrheit trägt und ganz besonders, was die Gemeinde Gottes anbelangt. In der Abschiedsrede vor seinen Jüngern malte der Herr Jesus ein recht düsteres Bild im Blick auf die Annahme ihres Zeugnisses in dieser Welt. Wir lesen ein paar Bibelstellen dazu: „Wenn die Welt euch hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieb haben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, darum hasst euch die Welt“ (Joh 15,18.19). „Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid gutes Mutes, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33). „Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie ich nicht von der Welt bin“ (Joh 17,14).

Womit die Gemeinde rechnen sollte

Ich wage zu sagen, dass man aus diesen Worten mit ziemlicher Sicherheit schließen kann: Es war nie unseres Herrn Absicht, die Gemeinde zu einer anerkannten Institution in dieser Welt zu machen. Mit anderen Worten: In den Kapiteln Johannes 14 bis 17, als der Herr sich von seinen Jüngern verabschiedet, nimmt Er sie sozusagen mit ins Allerheiligste. Der Grundgedanke des Plans, den Er umreißt, ist folgender: Ich lasse euch zurück in einer Welt, die euch ablehnt; euer Zeugnis wird niemals angenommen werden.

Das Christentum war nie dazu bestimmt, eine beliebte Sache in der Welt zu werden. Ich sage – und ich glaube, mit Recht –, dass biblisches Christentum in der Tat nie beliebt gewesen ist in der Welt. Oh, ich weiß, dass heute die Kirche stolz ist auf den Einfluss, den sie mittlerweile auf weltliche Angelegenheiten ausübt, und die Welt rühmt sich der Annäherung der Kirche. Die Welt meint, sie brauche die Kirche, und dieselbe hat sich zweifellos nach und nach der Welt auf vielfältige Weise angepasst. Jedoch ist in Gottes Wort geschrieben, dass die Kirche auf dieser Erde angefeindet wird. Paulus beschreibt es so in seinen Schriften; er hat auch diese Erfahrung in seinem eigenen Leben und seiner Lehre gemacht und die Gläubigen entsprechend unterwiesen.

Paulus’ Leben und Dienst als Vorbild für uns

In 2. Timotheus 3,12 sagt er:

2Tim 3,12: Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.

Ich mache darauf aufmerksam, dass er nicht sagt: „Alle, die das tun“, sondern: „Alle, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.“

Wenn wir unser Zeugnis als Gläubige so verbrämen und zurechtmachen, dass es für die Welt akzeptabel wird, werden wir vielleicht der Verfolgung entrinnen. Aber wenn wir danach trachten, Gott wohlgefällig zu leben in Christus Jesus, wenn das das Ziel unseres Lebens ist und unser ernster Wunsch, dann werden wir abgelehnt und verfolgt werden. So sagt es Gottes Wort. Wie war es Paulus ergangen? Wie ich in meinem vorhergehenden Vortrag bemerkt habe, wurde der Apostel behandelt wie „der Kehricht der Welt …, ein Abschaum aller“ (1Kor 4,13).

In 2. Korinther 6 spricht Paulus über seinen Dienst. Lesen wir ab Vers 4:

2Kor 6,4-10: Wir erweisen uns selbst in allem als Gottes Diener, in vielem Ausharren, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufständen, in Mühen, in Wachen, in Fasten; in Reinheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Güte, im Heiligen Geist, in ungeheuchelter Liebe; im Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes; durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Unehre, durch böses Gerücht, als Verführer und Wahrhaftige; als Unbekannte und wohlbekannte; als Sterbende, und siehe, wir leben; als Gezüchtigte und nicht getötet; als Traurige, aber allezeit uns freuend; als Arme, aber viele reich machend; als nichts habend und alles besitzend.

Oh, was für ein Dienst! Was für ein Dienst! Diesen Mann berief Gott, um uns die Wahrheiten über die Gemeinde zu vermitteln. Paulus sagt: „Ich … ergänze in meinem Fleisch das, was noch fehlt an den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung“ [Kol 1,24]. Die Gemeinde sollte zu einer Institution in dieser Welt werden, die bei den Ungläubigen Hass und Widerstand hervorrufen würde. Paulus’ Zeugnis war nicht beliebt. Als er auf dem Areopag in Athen stand und zu den Griechen sprach, die ihn kritisierten, wurde er „Schwätzer“ [Apg 17,18] genannt. Es war nicht das einzige Mal, dass er mit ähnlichen Titeln belegt wurde. Wie vielen Schwierigkeiten begegnete er in seinem Dienst; was für ein Leben hatte er!

Paulus war jemand, der sich nicht scheute, mit seinen Händen zu arbeiten. Er arbeitete, um den Heiligen nicht zur Last zu fallen, er verdiente sich seinen Lebensunterhalt selbst. So konnte ihm niemand nachsagen, dass er des Geldes wegen im Dienst des Herrn stand. Um das Evangelium ohne Bezahlung zu verkünden, war er war bereit, als Zeltmacher zu arbeiten.

Das Sich-zur-Schau-Stellen in der Gemeinde

In ersten Brief an die Korinther verwirft der Apostel alle natürliche Weisheit:

1Kor 3,19-23: Die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott, denn es steht geschrieben: „Der die Weisen fängt in ihrer List.“ Und wiederum: „Der Herr kennt die Überlegungen der Weisen, dass sie nichtig sind.“ So rühme sich denn niemand der Menschen, denn alles ist euer. Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges: alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes).

„So rühme sich denn niemand der Menschen“! Ist es nicht traurig, dass die Kirche der Christen zu einem riesigen Schauplatz geworden ist, wo Menschen nach Anerkennung streben? Sie haben verschiedene Dienstgrade erlangt, sie haben ihre Titel, die sie manchmal eifersüchtig verteidigen. Die Menschen schmücken sich mit akademischen Graden und Titeln und treten so auf in der Gemeinde Gottes, als ob dort Platz wäre für jemand anderes als Christus! Ist das nicht traurig? Wie muss Satan sich freuen über solch ein Sich-zur-Schau-Stellen!

Prüfe alles anhand von Gottes Wort

In 2. Timotheus 4,1-5 sagt der Apostel:

2Tim 4,1-5: Ich bezeuge ernstlich vor Gott und Christus Jesus, der Lebende und Tote richten wird, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: Predige das Wort, halte darauf zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise ernstlich zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre. Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, indem es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren, sich aber zu den Fabeln hinwenden. Du aber sei nüchtern in allem, leide Trübsal, tu das Werk eines Evangelisten, vollführe deinen Dienst.

Willst du dem Herrn dienen? Ich bin sicher, das ist dein Wunsch. Wenn ich einen Vergleich ziehen darf: Es gibt keine Drohnen in Gottes Bienenstock. Jeder Einzelne von uns hat das Vorrecht, ein Zeuge Christi zu sein und überall Brüder und Schwestern zu haben. Willst du dich ein klein wenig engagieren im Dienst des Evangeliums? Du hast dazu die Gelegenheit. „Vollführe deinen Dienst!“ Wie kannst du das bewerkstelligen? Indem du beständig – jeden Tag, jede Stunde – danach trachtest, alles durch das Wort Gottes zu prüfen. Denn wir können uns so leicht daran gewöhnen, von Gottes Wegen abzuweichen, dass wir das als selbstverständlich hinnehmen und keine Fragen stellen. So fängt es nämlich an: zuerst mit kleinen Abschweifungen, die sich nach und nach zu gefühllosen Schwielen in unserem Gewissen entwickeln. Wir passen uns an und akzeptieren sie als Teil des ursprünglichen Planes.

Liebe junge Gläubige, wir sollen alles anhand des Wortes Gottes prüfen, solange wir auf dieser Erde wandeln. Man hält ein kleines Treffen hier und ein anderes dort. Welche Gründe finden wir für solche kleinen Zusammenkünfte? Wir leben in einer Christenheit, die aufgespalten ist in unzählige Splittergruppen. Wenn wir dann [in unserer eigenen Gemeinde] kein von Gott inspiriertes biblisches Zeugnis abgeben, können wir die Tür hinter uns zumachen, weggehen und uns den Splittergruppen um uns herum anschließen! Gibt es irgendetwas, was den Kampf wert ist? Steht nicht Wichtiges auf dem Spiel? Oder haben wir einen selbständigen Kurs eingeschlagen oder sind einem falschen Leiter gefolgt? Wenn dem so ist, dann ist das ein Trauerspiel! Ich erinnere mich an eine Bemerkung von William Kelly: „Ich glaube, einige unter uns haben unter Illusionen gelitten.“ Lohnt es sich, darauf zu bestehen, einzig und allein den Namen des Herrn Jesus anzuerkennen? Lohnt es sich, sich zu weigern, diesen Namen aufs Spiel zu setzen oder sich ablenken zu lassen durch irgendwelche menschlichen Machenschaften außerhalb des Wortes Gottes? Ich bin fest überzeugt, dass es sich lohnt; andernfalls würde ich heute Abend nicht hier stehen.

Ich denke an einen Bericht in den Evangelien, wo die Jünger ganz außer sich zum Herrn kamen und sagten: „Wir sahen jemand … Dämonen austreiben in deinem Namen; und wir wehrten ihm.“ Der Herr antwortete etwa so: „Wehrt ihm nicht, denn niemand wird ein Wunderwerk in meinem Namen tun und bald darauf übel von mir reden können“ [Mk 9,38.39]. Ich hoffe, ich habe diese Lektion gelernt: dass ich mich freue über jede Stimme, die sich heute in dieser armseligen, verrückten Welt erhebt, um Christus groß zu machen. In dieser Woche hörte ich in einem Haus jemand am Radio sprechen in A.T.; ich hörte ihn Christus verherrlichen und mein Herz jubelte. Ich denke, mein Herz ist nicht so verhärtet, dass ich mich nicht freuen könnte, wenn man über Christus Gutes sagt. Das tat Paulus in Philipper 1: Er freute sich, dass Christus verkündet wurde, und wollte das Predigen über Ihn nicht verbieten, obwohl es in dem Fall eine Verkündigung aus Streitsucht war. Deshalb würde ich niemand den Mund stopfen, sondern würde danach streben, ein treuer Zeuge des Wortes Gottes zu sein – wenn es in der heutigen abtrünnigen Welt überhaupt möglich ist. Ich würde danach trachten, dem Weg zu folgen, den sein Wort klar aufzeigt.

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Teil 1 des dritten Vortrags Paul’s Doctrine

Übersetzung: Christel Schmidt


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...