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Leitverse: 1. Chronika 12,1.9.17.19—20.24
1Sam 13,14: ... Der HERR hat sich einen Mann gesucht nach seinem Herzen, und der HERR hat ihn
zum Fürsten über sein Volk bestellt; denn du hast nicht beobachtet, was der HERR
dir geboten hatte.
1Chr 12,1: Und diese sind es, welche zu David nach Ziklag kamen, als er sich noch vor Saul,
dem Sohne Kis', verborgen hielt; auch sie waren unter den Helden, die ihm im
Streite halfen,
1Chr 12,9: Und von den Gaditern sonderten sich ab zu David, nach der Bergfeste in die
Wüste, tapfere Helden, Männer des Heeres zum Kriege, mit Schild und Lanze
gerüstet, deren Angesichter wie Löwenangesichter, und die den Gazellen auf den
Bergen gleich waren an Schnelle.
1Chr 12,17: Und es kamen einige von den Kindern Benjamin und Juda nach der Bergfeste zu
David.
1Chr 12,19—20: Da kam der Geist über Amasai, das Haupt der Anführer: Dein sind wir, David, und
mit dir, Sohn Isais! Friede {o. Heil; so auch nachher}, Friede dir und Friede
deinen Helfern! Denn dein Gott hilft dir! — Und David nahm sie auf und setzte
sie zu Häuptern von Scharen. Und von Manasse liefen einige zu David über, als er mit den Philistern wider
Saul in den Streit zog ...
1Chr 12,24: Und dies sind die Zahlen der Köpfe der zum Heere Gerüsteten, welche zu David
nach Hebron kamen, um ihm das Königreich Sauls zuzuwenden nach dem Befehl des
HERRN ...
Inhalt
Einleitung
Absonderung zu ...
Positive Absonderung im Alten
Testament
Positive Absonderung im Neuen
Testament
Absonderung zu etwas sehr
Kostbarem
Die Kraft der Absonderung
Wovon bist du so
begeistert?
In der Welt verworfen
Was können wir dieser Welt
noch bedeuten?
Falsch verstandene Absonderung
Hochmut und Stolz
Die Taufe — ein Akt der Absonderung
Schlussgedanken
Provokante Behauptung vorweg: Wer sich nicht absondern will, der ist
überhaupt kein Christ!
Wenn wir über Absonderung gemeinsam nachdenken, was die Schrift dazu sagt, dann
werden wir entdecken, dass in dieser Wahrheit zwei große Seiten vorhanden sind.
Und das muss ich sehr stark betonen, weil in der Regel in neun von zehn Fällen immer
nur eine Seite — und zwar die negative — der Absonderung zum Thema gemacht
wurde. Man hat sich zu viel und einseitig damit beschäftigt, wovon wir uns
abzusondern haben, anstatt es vor die Herzen zu stellen, zu wem wir uns
absondern sollten. Obwohl die negative Seite der Absonderung nicht minder
wichtig ist. Wir dürfen hier nicht das eine gegen das andere ausspielen.
Aber das ist nicht die einzige Weise, wie die Schrift von Absonderung redet. Und
ich möchte hinzufügen, wenn wir die positive Seite, wie die Schrift von
Absonderung redet, nicht verstehen, dann werden wir die negative Seite nicht
gottgemäß und zur Freude und Ehre Gottes verwirklichen können. Es würde nicht
mehr als eine pharisäische Absonderung sein.
Absonderung kann etwas sehr Schönes sein und ich bin davon überzeugt, dass, wenn
wir den Herrn richtig kennengelernt haben, uns die Absonderung dann gar
keine Mühe mehr machen wird, sondern sie wird uns ein Bedürfnis sein. Je mehr wir den
Herrn Jesus kennenlernen, desto weniger schwer fällt uns die Absonderung vom Bösen.
Aber wenn wir unseren jungen Leuten oder auch anderen Gläubigen, die
gemeindemäßig einen anderen Weg gehen, immer nur erzählen, wovon sie sich
abzusondern haben und es versäumen, ihnen die positive Seite zu zeigen und
vorzuleben, dann wird die Absonderung auch weiterhin ein Schreckgespenst für uns
selbst und für die junge Generation bleiben. Obwohl ich auch an dieser Stelle
anmerken möchte, dass, wenn Gott uns nicht auch die positive Seite der Absonderung
gegeben hätte, wir Gott dennoch gehorsam zu sein hätten, was die Absonderung vom
Bösen angeht. Wie dankbar dürfen wir indes sein, dass Gottes Ziel nicht die
Absonderung vom Bösen an sich war, sondern die Absonderung für Sich und zu
Seinem Sohn hin. Die Absonderung zu Ihm ist das große Ziel, welches auf dem Weg
der Absonderung vom Bösen erreicht wird.
Wir müssen ihnen erzählen, "wozu wir abgesondert" wurden. Wir müssen, wie einst
Andreas, der zu Petrus lief und ihm vom Herrn Jesus erzählte, voller
Begeisterung erzählen, wen wir gefunden haben, und dann nehmen wir die Leute mit
zu dem, den wir gefunden haben. Andreas sagte: "Wir haben den Messias gefunden",
und der Herr sagt dann: "Komm und sieh."
Und weil ich mir eine gottgemäße Absonderung überhaupt nicht ohne die positive
Seite vorstellen kann, möchte ich auch damit beginnen, etwas darüber zu sagen.
Die negative Seite der Absonderung kann man in dem sehr ausführlichen und nicht
minder wichtigen Artikel "Absonderung
vom Bösen" von H.C. Anstey finden.
1Chr 12,9: Und von den Gaditern sonderten sich ab
zu David
...
Wir lesen in 1. Chronika 12,1, dass David sich in die Bergfesten zurückzog,
um vor König Saul sicher zu sein. Nun waren schon viele nicht mehr zufrieden
mit der Regierung Sauls und es hätte ja ausgereicht, wenn sich die
Unzufriedenen einfach von Saul trennten und allein in die Bergfesten zogen.
Aber das Großartige an dieser Stelle ist nicht, dass jene, die bei Saul waren,
aufgefordert werden, sich von Saul zu trennen, sondern wir lesen, dass sie sich
derart von dem verworfenen König David angezogen fühlten, dass sie sich
freiwillig zu ihm hin absonderten. Wenn wir diesen Punkt bei der
Absonderung gut verstehen, können wir hier im Prinzip abbrechen, dann haben wir
das Wesentliche verstanden.
Denn indem sie von David angezogen wurden, trennten sie sich von allem, was
nicht in Übereinstimmung war mit dem Herzen Davids. Und so wird es uns auch
ergehen, wenn wir wirklich zu Ihm — dem Herrn Jesus, dem wahren David — abgesondert
sind, dann trennen wir uns dadurch automatisch von den Dingen, die nicht in
Übereinstimmung mit dem wahren David sind, obwohl wir dennoch zu lernen haben,
das Böse zu lassen und das Gute zu tun. Aber dies wird uns leichter fallen,
wenn wir beachten, zu wem wir abgesondert wurden und wie lieb uns der hat, zu
dem wir abgesondert wurden. Dann brauchen wir nicht mehr so oft zu sagen:
"Dieses
oder jenes darfst du nicht."
Und dass sie von David förmlich angezogen wurden, das kommt in den Worten
Amasais in Vers 19 zum Ausdruck:
1Chr 12,19: ... Dein sind wir, David, und mit dir, Sohn Isais! Friede,
Friede dir, und Friede deinen Helfern! Denn dein Gott hilft dir!...
Wir sehen hier einen Verworfenen, aber einen Verworfenen, der für Gott
kostbar war, deshalb habe ich den Vers aus 1. Samuel 13,14 vorangestellt. Und
jeder, der auf der Seite Gottes stehen wollte, ging zu David hin, weil Gott mit
ihm war. Und der Mann, der nach dem Herzen Gottes war (1Sam 13,14), wurde auch
der Mann nach dem Herzen dieser Menschen, die zu ihm kamen.
Das ist das große Ziel der Absonderung, dass ich mich auf die Seite dessen
schlage, der bei Gott kostbar ist und dass diese Person auch mir kostbar und
groß wird. Es wird sicherlich nötig sein, verschiedene Dinge zu verlassen und
mich von ihnen zu trennen, aber es wird bei Weitem aufgewogen durch den, zu dem
wir abgesondert sind.
Ps 4,4a: Erkennet doch, dass der HERR den Frommen für sich abgesondert hat!
Wenn der Herr uns absondert, dann finden wir nicht nur den Gedanken, dass Er
uns "von etwas absondert", sondern dass Er es ist, der uns für Sich selbst
absondert.
Können wir hieraus nicht schließen, dass Gott auch uns abgesondert hat, damit
wir zu Seiner Freude da sind? Und das können wir heute natürlich nur deshalb
sein, weil wir die Seite des verworfenen Davids, den Herrn Jesus, gewählt haben.
Was für eine Freude für Gott, wenn Er Menschen sieht, die sich auf die Seite des
Verworfenen, aber doch bei Ihm Auserwählten, geschlagen haben.
4Mo 6,2.5—6.12: ... Rede zu den Kindern Israel und sprich zu ihnen: Wenn ein Mann oder eine
Frau sich weiht, indem er das Gelübde eines Nasirs {Abgesonderter, Geweihter} gelobt,
um sich für den HERRN abzusondern, ... Alle die Tage des Gelübdes seiner
Absonderung soll kein Schermesser über sein Haupt gehen; bis die Tage erfüllt
sind, die er sich für den HERRN absondert, soll er heilig sein; ... Alle die Tage,
die er sich für den HERRN absondert, soll er zu keiner Leiche kommen. ... Alle die
Tage seiner Absonderung ist er dem HERRN heilig. ... Und er soll die Tage seiner
Absonderung nochmals für den HERRN absondern und ein einjähriges Lamm zum
Schuldopfer bringen; ...
Es steht hier nicht zuerst, "wovon" der Nasir sich abzusondern hat, sondern
"für wen". Das Gelübde eines Nasiräers mag ein sehr spezieller Fall im Alten
Testament sein, aber dürfen wir daraus nicht auch lernen, dass es darum geht,
für unseren Herrn da zu sein? Der Nasiräer verzichtete auf gewisse irdische
Freuden, die an sich nicht verkehrt waren, aber er tat es für den HERRN. Auch
wir dürfen uns an dieser Stelle ermuntern, die Prioritäten in unserem Leben so
zu setzen, dass wir den irdischen Dingen den rechten Stellenwert zuteilen.
Absonderung ist also zu dem wahren David — dem Herrn Jesus — hin. Wenn wir uns
in dieser Welt auf die Seite des Verworfenen stellen, dann beinhaltet dies, dass
wir uns von denen absondern, die Ihn verworfen haben.
Wenden wir uns jetzt zum Neuen Testament. Wenn wir uns persönlich oder auch
als Versammlung heutzutage absondern, dann finden wir dort denselben Gedanken
wie im Alten Testament – wir sondern uns ab zu einem Verworfenen, aber einem
Verworfenen, der bei Gott kostbar ist.
Damit sondern wir uns auch ab von allem, was mit Seinen Rechten nicht rechnen
will.
In Matthäus 18,20 heißt es:
Mt 18,20: Denn wo zwei oder drei versammelt sind zu meinem Namen
hin, da bin ich in ihrer Mitte.
Die Welt hat den Herrn Jesus nicht gewollt, dass Letzte, was die Welt von dem
Herrn Jesus sah, war das Grab. Und wenn wir nun zum Herrn Jesus kommen wollen,
dann müssen wir bildlich diese Welt verlassen – durch die Öffnung des Grabes
gehen – uns mit dem Tod des Herrn Jesus eins machen (damit verurteilen wir das
Böse!) und dann werden wir auf der anderen Seite den Herrn Jesus finden. In der
geistlichen Welt können wir den Herrn Jesus dann in unserer Mitte sehen, so wie
die Jünger den Herrn am Auferstehungstag buchstäblich in ihrer Mitte hatten –
aber auch da war der Herr schon auferstanden, auch die Jünger hatten damals
schon Zugang zu dieser Auferstehungswelt.
Das Einzigartige hier ist, dass wir zu Seinem Namen hin zusammenkommen, das
schließt jeden anderen Namen aus — jeder, der die Gegenwart des Herrn erleben
will, muss sich um Ihn versammeln, muss seinen Platz verlassen und dort
hingehen, wo mindestens zwei oder drei von Herzen die Rechte des Herrn anerkennen
wollen.
Sehen wir uns 1. Petrus 2,4 einmal an:
1Pet 2,4: Zu welchem kommend, als zu einem lebendigen Stein,
...
Dieser Vers zeigt auch noch einmal den Grundsatz an, dass wir uns aufmachen zu
Ihm. Wir verlassen etwas, um etwas Besseres zu bekommen. Wir kommen gleich noch
einmal auf diesen Vers zurück.
Gehen wir noch schnell zu Hebräer 13,12—15 um zu sehen, dass wir dort den gleichen
Grundsatz finden:
Heb 13,13—15: Darum hat auch Jesus, auf dass er durch sein eigenes Blut
das Volk heiligte, außerhalb des Tores gelitten. Deshalb lasst uns zu ihm
hinausgehen, außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend. Denn wir haben hier
keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Durch ihn nun lasst
uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen,
die seinen Namen bekennen.
"Zu ihm hinausgehen" — Wir gehen zu Ihm hinaus, um geistliche Schlachtopfer
zu bringen ... "Opfer des Lobes" — da, wo man heute nicht mehr bereit ist, in
Wirklichkeit "sich zu ihm zu versammeln" oder wie hier "zu ihm hinauszugehen",
dort kann man zuallererst beobachten, wie der Dienst des Lobes, des Dankes und
der Anbetung vernachlässigt wird. Legen wir den Prüfstein an jedes christliche
Zeugnis hier auf der Erde an!
Da, wo man von Herzen zu Ihm hinausgegangen ist, da findet man den Dienst der
Anbetung in Geist und Wahrheit — keine Gefühlsduselei, keine Show, kein starres
Festhalten an gut gemeinten Traditionen, keine festgefahrene Liturgie, sondern
wahre Anbetung. Ist das bei uns so? Im persönlichen Leben und in der Gemeinde?
Lasst uns Ihm stets ein Opfer des Lobes darbringen. So wie das beständige
Brandopfer, das ständig in Gang gehalten wurde, so sollte auch unser Lob und unser
Dank "stets" dargebracht werden.
Kommen wir noch einmal auf 1. Petrus 2,4 zurück:
1Pet 2,4—8: Zu welchem kommend, als zu einem lebendigen Stein, von
Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, werdet auch ihr
selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, ein heiliges
Priestertum, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch
Jesus Christus. Denn es ist in der Schrift enthalten: "Siehe, ich lege in Zion
einen Eckstein, einen auserwählten, kostbaren; und wer an ihn glaubt, wird nicht
zuschanden werden." Euch nun,
die ihr glaubt, ist die Kostbarkeit; den Ungehorsamen aber: "Der Stein, den die
Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden", und "ein Stein des
Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses", die sich, da sie nicht gehorsam sind, an
dem Wort stoßen, wozu sie auch gesetzt worden sind.
Hier lesen wir dreimal von etwas sehr Kostbarem. Und das ist tatsächlich das
ganze Geheimnis der Absonderung. Wie sollte ich die Kraft für irgendeine
Absonderung haben, wenn ich nichts von der Kostbarkeit verstanden habe? Wenn wir
nichts davon verstehen, was der Herr Jesus für Gott bedeutet, und wenn wir nicht
sehen, welche Kostbarkeit uns geschenkt wurde — "Er, der doch seines eigenen Sohn
nicht geschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat, wie wird er uns mit ihm
nicht auch alles schenken?" lesen wir in Römer 8 —, wie sollten wir dann wirklich
auf eine gottgemäße Art und Weise abgesondert sein? Es würde nichts als Last,
Qual, Heuchelei und stinkendes Pharisäertum bedeuten.
Wenn wir die Kraftquelle sehen möchten, wie wir uns auf gottgemäße Art
absondern sollen, dann müssen wir zwei Dinge sehr gut verstehen:
1) Wir müssen verstehen, was der Herr Jesus für Gott bedeutet
Wir müssen verstehen, was Gott zu Seinem Sohn sagte, als Er im Jordan getauft
wurde und der Himmel sich öffnete: "Dieser ist mein geliebter Sohn
...", "... dieser
ist mein Auserwählter", "... dieser ist der Kostbare." So wie David der Mann nach
dem Herzen Gottes genannt wurde, so ist das der Herr Jesus in vollkommener
Weise.
2) Wir müssen verstehen, was der Herr Jesus für uns bedeuten kann
Und jetzt stellt Gott Ihn vor unsere Augen und sagt: "Euch, die ihr
glaubt, ist die Kostbarkeit." Hast du noch Schwierigkeiten mit der Absonderung?
Dann beschäftige dich mehr mit dem Herrn Jesus und erkenne noch mehr Seine
Kostbarkeit.
Die Frage in diesem Zusammenhang ist: Wovon bist du begeistert? Du bist
begeistert von dem Film "Der Herr der Ringe", du siehst die Filme, kaufst dir
die Figuren, hängst dir Poster ins Zimmer, kaufst dir Bücher usw. und ich will
dazu jetzt gar nichts sagen (obwohl es dazu sicher etwas zu sagen gäbe), aber
ich frage dich: Hat dich der Herr Jesus schon einmal so sehr begeistert? (Du
kannst hier auch anderen Dinge einsetzen, z.B. Haus, Garten, Auto, Beruf,
Karriere usw.) Es geht mir nicht darum, dieses oder jenes zu verbieten, sondern
es geht mir darum, dass wir verstehen, was unser Herz gefangen hält und wovon
wir wirklich begeistert sind. Und wenn wir von einer Sache begeistert sind, dann
deshalb, weil wir uns viel damit beschäftigt haben. Deshalb können wir nur in
dem Maße vom Herrn Jesus begeistert sein, wie wir uns mit Ihm beschäftigen.
Wir müssen uns fragen, wo wir den Herrn Jesus finden. Denn wir sind uns
sicher alle bewusst, dass diese Person bei der Welt nicht kostbar ist; im
Gegenteil, sie hat Ihn hinausgeworfen. Und so müssen wir auch verstehen, dass,
wenn wir Ihn besitzen wollen, wir Ihn nicht mehr in dieser Welt finden, deshalb
heißt es auch: "... weil sie nicht von dieser Welt sind, gleichwie ich nicht
von
dieser Welt bin", aber es heißt auch: "... dass wir noch in der Welt sind."
Wir gehören einer anderen Welt an, während wir aber noch auf diese Welt
unsere Füße stellen. Wir bringen nun etwas von dieser jenseitigen Welt auf diese
Erde. Wir scheinen als Himmelslichter in unsere irdischen Umstände hinein. Und
wirken so wie das Salz dem Verderben entgegen. Und zwar in allen Bereichen
unseres Lebens: in Schule, Beruf, Ehe, Familie, Politik (wer sich dazu berufen
fühlt).
Absonderung hat also auch damit zu tun, dass wir von der Welt abgesondert
leben und jenseits des Grabes in der Auferstehungswelt des Herrn Jesus leben.
Aber Absonderung allein von dieser Welt ist nicht genug! Und das beweisen uns
die Pharisäer. Sie waren die Abgesonderten jener Tage. Pharisäer bedeutet
wahrscheinlich sogar "die Abgesonderten". Aber wir haben hier eine ganze
Gesellschaft von Leuten, die nur ausgewählte negative Aspekte der Absonderung
kannten, sie wussten genau, was man durfte und was man nicht durfte und sie
erfanden noch viele menschliche Regeln, sie wollten mit den Heiden und denen,
die es mit dem Gesetz nicht so ernst meinten, wie sie es verstanden, nichts zu
tun haben. Denn zu wem waren sie abgesondert? Zu Gott, zu Jahwe? Wie konnten sie
zu Gott abgesondert sein und gleichzeitig den, der bei Gott auserwählt und
kostbar ist, verwerfen? Hier sehen wir also, wo man hinkommt, wenn man nur die
negative Seite (und dazu noch eine oftmals falsch verstandene!) der Absonderung
betont. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Absonderung vom Bösen an sich
pharisäerhaft ist. Denn Absonderung vom Bösen ist per se eine gute Sache.
Doch wenn wir nicht mehr haben, dann verschiebt sich sehr schnell der
Blickwinkel von dem, was wirklich gut und was wirklich böse ist. Wir sehen dies
daran, dass sie die Krausemünze verzehnteten, aber die Dinge wie Gericht und
Barmherzigkeit vergaßen (Mt 23,23).
Diese Art der Absonderung macht einen dann schnell hochmütig. Man hat,
äußerlich betrachtet, keinen Anteil an dieser bösen Welt, man rühmt sich dessen,
dass man mit alledem nichts zu tun hat, doch zur gleichen Zeit verwirft man den
Gesalbten Gottes. So kann es auch heute immer wieder dazu kommen, dass manche
sehr stark darauf achten, dass bestimmte Dinge, die sie für weltlich halten,
nicht geduldet werden und doch auf der anderen Seite die Wirkungen des Geistes
blockieren. Viele Gemeinden ersticken heutzutage an dieser Blockadepolitik,
wobei alles, was anders ist als gewohnt — auch wenn es durch die Korrektur des
Wortes kommt —, gleich verurteilt und blockiert wird. Es gibt viele, die
argwöhnisch auf alles achten, was im Volk Gottes an Bösem passiert, die aber
gleichzeitig versäumt haben, sich einen Bezugspunkt zu suchen, bei dem sie in
Ruhe und Frieden sein können.
Doch es bleibt bestehen, wenn ich mich zum Herrn Jesus absondere, dann muss ich
ganz praktisch in meinem Leben auch alles das verwerfen, was mit diesem
Auserwählten und Kostbaren nicht in Übereinstimmung ist. Das kann im Berufsleben
sein, das kann bei der Partnerwahl sein, das kann bei der Wahl der Freunde sein,
die einen schlechten Einfluss auf mich haben könnten, das kann auch unsere
Häuser betreffen, dass wir uns so einrichten, dass wir verantwortlich mit den
Medien unserer Zeit umgehen (Fernsehen, Video, Internet usw.) — dann können wir
eigentlich keinen Bereich unseres Lebens ausklammern.
Der Herr Jesus sagte sogar bezüglich der Pharisäer: "Alles, was sie euch sagen,
tut." Das Böse zu meiden, war nicht das Schlechte, aber sie suchten nicht das
Gute zu tun. Sie kannten nur die "Absonderung von" und nicht die
"Absonderung
zu".
Vielleicht ist die Taufe das erste große Zeugnis im Leben eines Christen,
womit er sagen möchte: Ich verlasse diesen Bereich der Welt, über der das Gericht eine
beschlossene Sache ist und ich wähle die Seite des Verworfenen, der aber
gleichzeitig bei Gott der Auserwählte und der Kostbare ist, "denn zu welchem
kommend, als zu einem lebendigen Stein". In der Taufe sterben wir bildlich
gesehen unserm alten Leben und stehen dann auf, um in Neuheit des Lebens mit
einem guten Gewissen unseren Weg zu gehen. Wir stehen dann auf der Seite dieses
lebendigen Steines. Die Taufe ist äußerlich betrachtet der erste große Schritt
eines Christen auf dem Weg der Absonderung. Er stellt sich öffentlich auf die
Seite des Herrn Jesus und wenn wir dann praktizieren, was wir in der Taufe zum
Ausdruck bringen, nämlich, dass wir auf der Seite des Herrn stehen, dann wird
das Thema Absonderung für uns kein Schreckgespenst mehr sein.
Zu Beginn hatte ich die These aufgestellt, dass man ohne Absonderung
überhaupt nicht sagen könnte, dass jemand ein Christ ist. Ich hoffe, dass diese
Behauptung nun Hände und Füße bekommen hat und wir gesehen haben, dass es
unmöglich ist, sich Christ zu nennen, ohne die Seite des Herrn Jesus öffentlich
und in seinem Herzen eingenommen zu haben.
Absonderung allein vom Bösen, die an sich richtig ist, kann uns zum Pharisäertum
führen, aber Absonderung zu Ihm führt uns zu einer gottgemäßen Absonderung vom
Bösen. Das ist der Weg, den ich in der Schrift gefunden habe.
Ist die Absonderung ein Schreckgespenst? Ich denke nicht; ohne Absonderung
könnten wir jede Gemeinschaft mit dem Herrn vergessen. Kein Christ kann ohne
Absonderung leben. In der richtigen Anwendung der Absonderung liegt alle Kraft
und aller Segen verborgen. Absonderung sollte kein Schrecken, sondern ein
Vorrecht sein.
Ich bin absichtlich in erster Linie auf die positive Seite der Absonderung
eingegangen, weil ich glaube, dass sich aus dieser positiven Seite gewisse
Konsequenzen vielfach automatisch ergeben — und diese kann man in dem Artikel
"Absonderung
vom Bösen" von H.C. Anstey nachlesen.
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