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Leitverse: 1. Korinther 12,9.28
1Kor 12,9.28: [Denn dem einen wird … gegeben] … Gnadengaben der Heilungen
… Und Gott hat einige in der Versammlung
gesetzt: … dann Wunderkräfte, dann Gnadengaben der Heilungen …
Inhalt
Einleitung
Die Heilungen des Herrn Jesus
Wie heilte der Herr Jesus?
Heilungen durch die Apostel
Heilungen gehören der
Vergangenheit an?!
Die Gabe der Heilung
(1. Korinther 12,9.28)
Aus welcher Quelle
geschehen die Heilungen?
Nicht nur die Apostel
taten Zeichen und Wunder
Art und Weise der Heilungen
Das Gebet um Heilung
(Jakobus 5)
Zusammenhang zwischen
Krankheit und Sünde
Schlusswort
In der letzten Zeit wurde in eher konservativen Kreisen der deutschen
Christenheit wieder vermehrt über Zeichen und Wunder und hier speziell in Form
von Heilungen gesprochen. Es gibt viele, die sich für diese Dinge bereitwillig
öffnen und mindestens genauso viele, die hier die ganz große charismatische
Verführung über die deutsche Christenheit hereinbrechen sehen.
Wer von diesem Artikel erwartet, am Ende genau aufgezeigt zu bekommen, was
heute echt und was unecht ist, der sollte an dieser Stelle abbrechen. Wir
möchten nur gerne einige Dinge ganz allgemein zu bedenken geben, um vielleicht
zu einer ausgewogeneren Sichtweise zu kommen, als sie vielleicht heutzutage
vielfach — unter den besten Beweggründen — verbreitet wird. Dabei ist in
etlichen rezenten Büchern, Artikeln oder auch Vorträgen ein großes Dilemma
erkennbar. Während die eine Seite über bestimmte Heiler nur Negatives zu
berichten wissen, scheinen andere wiederum nur die positiven Seiten sehen zu
wollen. Als Johannes zu dem Herrn Jesus einmal sagte: „Wir sahen jemand Dämonen
austreiben, der uns nicht nachfolgt“, anerkannte der Herr zum einen die Wunder,
die in seinem Namen geschahen, aber Er forderte die Jünger auch nicht auf, sich
diesem Menschen anzuschließen. Diese Ausgewogenheit des Herrn Jesus wünschen wir
uns für unsere Zeit.
Die Zeichen und Wunder (in Form von Heilungen), die der Herr Jesus tat,
wurden in der Regel von der Predigt begleitet, obwohl es auch hier Ausnahmen
gibt, wie z.B. in Markus 1, wo wir von vielen Heilungen hören, die nicht in
unmittelbaren Zusammenhang mit einer Predigt zu bringen sind. Jedoch scheint die
deutliche Linie in der Schrift zu sein, dass die Predigt durch die Zeichen und
Wunder bestätigt wurde. So heißt es z.B. in Markus 1,39: „Und er predigte in
ihren Synagogen und trieb die Dämonen aus.“ Der Herr Jesus heilte sowohl echte Krankheiten (funktional und organisch) als
auch Besessenheit.
Er heilte in der Kraft des Geistes. Das geht aus Lukas 4,18-19 hervor: „Der
Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu
verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Befreiung auszurufen und Blinden
das Gesicht, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden, auszurufen das angenehme Jahr
des Herrn {Jes 61,1-2}.“ Der Geist Gottes kam bei seiner Taufe am Jordan wie
eine Taube auf Ihn herab. Hier begann der Herr seinen öffentlichen Dienst. Es
ist wichtig, dass wir erkennen, dass der Herr diese Zeichen und Wunder in der
Kraft des Geistes tat. Denn der Herr Jesus sagte seinen Jüngern in
Apostelgeschichte 1, dass sie „nach nunmehr nicht vielen Tagen“, die Taufe mit
dem Heiligen Geist erleben würden und Er sagte ihnen: „Ihr werdet Kraft
empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist.“ — Das ist sehr wichtig
festzuhalten, weil es etwas ganz einzigartig Gewaltiges ist, dass der Herr Jesus
uns mit derselben Kraft ausgestattet hat, in der Er selbst auf dieser Erde
gewirkt hatte. Es ist ähnlich unfassbar, wie die Tatsache, dass uns der Vater mit
der gleichen Liebe liebt, wie Er den Herrn Jesus geliebt hat. Das ist wahrlich
anbetungswürdig!
Also, wir halten fest, der Herr predigte das Wort und sein Wort wurde durch
die darauf folgenden Zeichen und Wunder bestätigt. Es war ein mächtiges Zeugnis
für jeden Juden, denn das Alte Testament hatte es vorausgesagt, dass der kommende
Messias diese Wunder und Zeichen tun würde. Interessanterweise sagt der Herr
Jesus am Ende von Markus 16 das gleiche zu seinen Jüngern, dass auch ihnen die
Zeichen und Wunder folgen werden, wenn sie ausgehen würden, um zu predigen.
Doch bevor wir zu den Jüngern kommen, wollen wir uns noch ein wenig damit
beschäftigen, wie der Herr Jesus Kranke heilte und woher diese Menschen kamen. Das ist bereits sehr aufschlussreich. Es gibt da keine Standardregel, die uns
sagt so und so ist es immer gewesen. Der Herr Jesus heilte Menschen, die
überhaupt nicht nach Ihm gefragt haben oder überhaupt fragen konnten, wie z.B.
den Gadarener, der sogar noch fragte: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesu,
Sohn Gottes, des Höchsten?“ An einigen Stellen lesen wir, dass er alle heilte,
also alle Kranken der anwesenden großen Volksmenge. — Aber der Herr Jesus heilte
auch Menschen aus dem Volk Israel, die in einzigartigem Glauben zu Ihm kamen,
wie z.B. der Aussätzige in Markus 1 oder die blutflüssige Frau in Markus 5. Der
Herr Jesus nahm sein nicht nur der Ungläubigen an, sondern besonders jenen im
Volk Gottes, die „auf Erlösung warteten in Jerusalem“ (Lk 2) und wir fügen
hinzu in ganz Israel. Es waren gerade jene in Israel, die wirklich ein offenes
Ohr hatten — Er kam in erster Linie oder zuerst für das Haus Israel. Der Herr
Jesus handelte auf verschiedene Art und Weise. In Johannes 9 heilt Er den
Blindgeborenen und dieser bekehrt sich zum Herrn und in an anderer Stelle
beantwortet der Herr den bereits vorhandenen Glauben einer Person mit einer
Heilung.
Wir halten also fest, dass der Herr Jesus auf einzigartige Weise und doch so
verschieden auf die Bedürfnisse des Menschen reagierte und dabei genau den
Auftrag ausführte, den Er vom Vater empfangen hatte. Er hatte den Auftrag, das
Wort bzw. die Propheten zu erfüllen, die vorhergesagt haben, dass der kommende
Messias diese Zeichen und Wunder tun würde.
Nun wollen wir über die Jünger selbst sprechen. Wir sagten schon, dass der
Herr Jesus sie mit der gleichen Kraft ausgestattet hatte, mit der Er selbst hier
auf der Erde tätig war und tatsächlich traten die Jünger auch in seine Fußspuren
und taten ähnliche Zeichen und Wunder, die uns in der Apostelgeschichte auf
vielfältige Art und Weise beschrieben werden.
Die Kraft, die der Herr seinen Jüngern dort in Apostelgeschichte 1 verheißen hat, steht
nun auch heute jedem Christen zur Verfügung und die spannende Frage ist, ob sich
diese Kraft zu jeder Zeit im Christentum auf gleiche Weise kundgibt. Hier wurden
in den vergangenen Jahrhunderten große Fragezeichen gesetzt oder besser gesagt,
es wurde davon ausgegangen, dass der Geist Gottes eben nicht in der gleichen Art
und Weise wirkt, wie zu Beginn des Christentums. Und die Schrift scheint dies zu
bestätigen, da es außer in der Apostelgeschichte und im 1. Korintherbrief
keinerlei Stellen in den Briefen gibt, die uns deutlich machen, dass sich diese
Kraft auch noch am Ende der Apostelzeit auf gleiche Weise kundgetan hätte.
Doch eines tut die Schrift auch nicht, sie gibt uns keinen
direkten Hinweis darauf, dass es die Zeichen und Wunder in unserer Zeit nicht
mehr gibt oder dass wir in unserer Zeit nicht mehr mit Heilungen oder sonstigen
Wunderkräften zu rechnen hätten. Das mögen vielleicht alle jene bedenken, die
sehr schnell dabei sind, jegliche Wunderkräfte oder Heilungen gleich dem Satan
zuzuschreiben. Nichts anderes taten übrigens die Pharisäer, die die
Wunderwirkungen und Heilungen des Herrn in Matthäus 9,34 dem Obersten der
Dämonen zuschrieben. F.B. Hole schreibt zu diesem Vers: „Nie zuvor hatten sie
von solchen Befreiungen gehört, wie sie hier durch die Macht des Reiches Gottes
in Gnade gewirkt worden waren. Nur die Pharisäer hatten dafür keine
Empfindungen und nicht nur das. Da sie die hier wirksame Macht nicht zu
leugnen vermochten, wichen sie absichtlich ihrer Wirkung aus, indem sie sie
boshafterweise dem Teufel selbst zuschrieben.“
Man hört in diesem Zusammenhang immer wieder, dass Stellen wie
Markus 16,20 und Hebräer 2,4 angeführt werden, um zu beweisen, dass die Zeichen
und Wunder der Zeit des Anfangs angehörten und nun Vergangenheit sind. In diesen
Versen würde es sich schließlich um Worte in der Vergangenheitsform handeln —
„mitwirkte, bestätigte, mitzeugte“. Leider steht diese Art der Beweisführung auf
sehr wackeligen Boden. Denn ein kurzer Blick in den Grundtext verrät, dass alle
jene Ausdrücke im Partizip Präsens stehen und dies bedeutet, dass diese Worte
zeitlos sind. Das heißt, es kann sowohl Vergangenheit, Gegenwart als auch
Zukunft bedeuten, abhängig vom Bezugswort, auf das sich das Partizip bezieht. Man könnte auch übersetzen: „mitwirkend, bestätigend,
mitzeugend“. Dabei hilft es auch nicht viel, dass das Wort „predigte“ (in Mk
16), auf das sich diese Partizipien beziehen, kurz zuvor tatsächlich in der
Vergangenheitsform steht, da man ja daraus auch nicht schließen kann, dass man
nun in Zukunft nicht mehr predigen dürfe, nur weil es hier in der Vergangenheit
steht.
Wie gesagt, sagen wir nicht, dass es sich hier nicht auch
tatsächlich um eine vergangene Sache handeln könnte, was wir aber sagen, ist,
dass
es uns nur fraglich erscheint, weit reichende Konsequenzen aus jenen Stellen
abzuleiten.
Auch zu 1. Korinther 12,9.28 müssen wir noch ein Wort sagen.
Hier finden wir die einzigen beiden Stellen, wo der Apostel Paulus von der „Gabe
der Heilung“ und von den sog. Wunderkräften spricht, die manche Christen
offenbar empfangen hatten. Interessant an dieser Bibelstelle ist, dass auch diese
an keiner anderen Stelle nur auf die Anfangszeit begrenzt wurden, sondern der
Geist Gottes teilt uns dies mit, wie er uns mitteilt, dass die Frauen beim Beten
oder Weissagen eine Kopfbedeckung tragen sollten oder in der Gemeinde schweigen
sollten. Fangen wir also an, die Gabe der Heilung auf die Anfangszeit zu
beschränken, dann fragen wir uns, ob wir dann nicht Tür und Tor öffnen für die
Lehre, dass auch die Kopfbedeckung und das Schweigen der Frauen in der Gemeinde
nur auf die Anfangszeit begrenzt waren.
Sagen wir damit nun, dass wir glauben,
dass es die Gabe der Heilung auch heute noch gibt? Ja und Nein. Ja, wir halten
dies theoretisch für möglich und nein, weil uns auch Stellen wie Epheser 4 sehr
vorsichtig machen, weil dort unter den Gaben z.B. die Gabe der Heilungen nicht
mehr auftaucht und auch in den anderen späteren Briefen nichts darüber zu finden
ist. Zudem gibt uns die Schrift etliche Beispiele (Epaphroditus, Timotheus,
Trophimus, Paulus(?)), die nicht geheilt wurden, obwohl es sehr sinnvoll
erschienen wäre, diese zu heilen, wenn man zudem bedenkt, dass diese Männer ja in
Verbindung mit Paulus standen und Paulus auch die Gabe der Heilungen hatte. Was
wir aber hier ganz deutlich sagen wollen, ist, dass wir es für falsch halten,
eine bestimmte Lehrmeinung derart hochzupuschen, dass man jene, die an der
Ausübung dieser Gabe in der Jetztzeit glauben, gleich in die Ecke von Verführern
und Irrlehrern schiebt — wenn es auch für manche berechtigt ist, weil sie neben
dieser Lehre noch andere wirkliche Irrlehren, die die Person des Herrn oder sein
Werk angreifen, bringen. Jedoch sind wir davon überzeugt, dass mit dieser Gabe — wenn es denn auch eine Gabe für die Jetztzeit wäre
— auch viel
Missbrauch betrieben wird. Scharlatanerie ist hier ein Problem.
Aber es gibt noch ein wesentlich
Gefährlicheres. Für Kranke ist der Wunsch nach Heilung verständlicherweise oft sehr groß. Das bringt viele dazu, zu übersehen,
dass, selbst wenn eine Heilungsgabe nicht von unten ist, das noch nicht heißt,
dass ich mich von so jemand heilen lassen darf, da es sein kann, dass die Person, die diese Heilungsgabe hat, fundamental böse Lehren hat, und ein Gang zu dieser Person wegen Heilung mich zum Teilhaber seiner bösen Lehren macht (
2Joh 11). Wir selbst halten die heutigen und vor allen Dingen in der letzten Zeit aufgekommenen Zeichen und Wunder (besonders in Form von
Massenheilungen) auch für sehr zweifelhaft und sehr beunruhigend, selbst wenn
man mal nur davon ausgeht, dass nur zwanzig Prozent von dem, was die Kritiker schreiben, der
Wahrheit entspräche. Doch wollen auch wir nicht über das Wort hinausgehen und
allzu schnell dem Teufel bestimmte Dinge zuschreiben. Wir wollen zudem
bedenken, dass jemand, der eine Gabe vom Herrn empfangen hat, diese auch missbrauchen kann oder sie auf der einen Seite für eine gute Sache einsetzt, aber
andererseits in vielen anderen Punkten der Schrift nur wenig Licht besitzt und
sogar falsche Lehren bringt oder durch anders geartete Erziehung und Kultur
verschiedene Praktiken verwerflicher erscheinen, als sie wirklich sind, weil sie
uns so fremd sind.
Der Herr gibt nicht eine Gabe, weil jemand am richtigen Platz
ist oder so ein ausgezeichneter Christ wäre oder gerade mal das Glück gehabt
hat, in einer bevorrechtigteren Kultur aufgewachsen zu sein, dann wäre es keine
Gnadengabe mehr. Als Johannes in Markus 9 jemanden „uns“ nicht nachfolgen sah,
der auch noch Dämonen austrieb, da ging er entsetzt zum Herrn und berichtete es
Ihm. Jener war tatsächlich nicht am richtigen Platz. Er war nicht wie die Jünger
beim Herrn und zog auch nicht zusammen mit den Jüngern aus, um die Dämonen
auszutreiben. Was sagte der Herr nun zu Johannes? „Beruhige dich“ — dürfen wir
es mal etwas salopp sagen? — „Reg dich ab, Johannes, wehre ihm nicht, es ist
niemand, der ein Wunderwerk in meinem Namen tun und bald übel von mir zu reden
vermögen wird; denn wer nicht wieder uns ist, ist für uns.“ — Wir sollten
natürlich keine falschen Lehren stützen, verschweigen oder proklamieren — der
Herr bewahre —, aber wir dürfen jene, mit denen wir erhebliche Mühe haben, dem Herrn
überlassen. Der Herr sagt in Markus 9 nicht: „Prima Johannes, weißt du was, dann
folge jenem doch nach und lass dir die Hände auflegen.“ Nein, das sagt der Herr
nicht, aber Johannes sollte lernen, alles anzunehmen, was „irgend“ für den Herrn
getan würde, und sei es, dass jemand einen Becher Wasser für einen der „Kleinen“
bereitstellen würde.
Wenn es heutzutage Zeichen und Wunder gibt, dann wollen wir
nicht gleich den Teufel dafür verantwortlich machen. Wir müssen nüchtern die
Fakten prüfen und alles anerkennen, was im Namen des Herrn gemacht wird— dabei
sollten wir aber auch bedenken, dass der Herr uns in Matthäus 7 von der Möglichkeit
berichtet, dass viele am letzten Tag sagen werden: „Herr, haben wir nicht in
deinem Namen …?“ Deshalb sollten wir auch alles beim Namen nennen, was gegen
Ihn gemacht wird und Aufklärung betreiben und lieber einmal zu vorsichtig sein,
als zu schnell etwas Falschem die Hände aufzulegen. Die Pharisäer schrieben die
klaren Wirkungen des Geistes dem Obersten der Dämonen zu und machten sich
damit der unvergebbaren Sünde der Lästerung wider den Heiligen Geist schuldig.
Wir können uns nicht vorstellen, dass man sich heutzutage dieser Sünde schuldig
machen kann, weil die Offenbarungen des Geistes Gottes eben heute immer durch
fehlbare Menschen vonstatten gehen, dies war eben bei dem Herrn Jesus
einzigartig. Nicht nur, dass der Geist Gottes sein in einzigartiger Weise
offenbarte, auch die handelnde Person — der Herr Jesus — war vollkommen rein und
sündlos. An Ihm war nichts, aber auch gar nichts unecht, unrein, ungerecht oder
in irgendeiner Weise unvollkommen. Alles, was Er tat, geschah in völliger
Abhängigkeit von seinem Vater. Das war das Einmalige jener Zeit, und deshalb wog
es auch so schwer, als die Pharisäer Ihn ablehnten. Aber der Geist der Pharisäer
ist heute noch sehr aktiv und wir müssen uns wohl alle davor hüten. Wer müsste
das nicht von sich selbst bekennen?
So stellen wir also fest, dass die Kraft der Zeichen und
Wunder, besonders in Form von Heilungen, an die Jünger übertragen wurde (Apg
1,8; 5,12-16). Weiter müssen wir feststellen, dass nicht nur die Apostel von
dieser Kraft Gebrauch machten, sondern auch Gläubige wie Philippus (Apg 8,6.7),
Stephanus (Apg 6,8) und Barnabas (Apg 14,3; 15,12) und wir auch von ihnen nicht
lesen, dass sie diese Kraft irgendwie von den Aposteln übertragen bekommen haben.
Auch 1. Korinther 12 erweckt den Eindruck, dass diese Gabe der Heilung eine
allgemeine anerkannte Gabe war, die verschiedene Christen empfingen. Es gibt
einige Indizien (keine Beweise), dass diese Gabe in späteren Zeiten aufhörte,
aber es gibt keinerlei wirklichen Beweise aus dem Wort Gottes dafür, die
unzweifelhaft forderten, dass diese Gabe ganz aufhören würde.
Zum Schluss noch ein Wort zu der Art und Weise, in der
Heilungen in der Bibel geschahen. Dies ist nicht unwichtig, da auch hier viele
versucht sind, vorschnell zu urteilen, nur weil etwas in einem eigenartigen
Rahmen geschieht, der so wenig von Ordnung und Frieden — wie man meint — geprägt
ist. Zumal es auch eine Bibelstelle gibt, die
besagt, „alles geschehe anständig und in Ordnung“.
In Apostelgeschichte 3,7.8 ist die Rede davon, dass ein Kranker
„aufsprang“ und „springend“ Gott lobte, so auch in Apostelgeschichte 14,11. Außerdem
berichtet uns Apostelgeschichte 14,10, dass Paulus bei einer Heilung „laut“ sprach. Bei den
Heilungen des Herrn lesen wir des Öfteren davon, dass jene, die von Dämonen
befreit wurden, „laut schrien“ und sich sogar vor ihm wälzten („und ihn sehr
zerrend“, Mk 9,26). Eigenartig ist auch die Heilung durch Petrus, die
anscheinend allein durch seinen Schatten (Apg 5,15-16) vollzogen wurde (obwohl es
nicht eindeutig ist, ob sie nur in den Schatten des Petrus kommen wollten oder
ob sie dadurch auch wirklich geheilt wurden!) oder denken wir an die Tücher des
Paulus, die auf die Kranken gelegt wurden (Apg 19,11.12). Man fragt sich allen
Ernstes, wenn es solche Manifestationen des Geistes Gottes heute noch gäbe, wie
würden diese aussehen? Andererseits ist es durchaus denkbar, dass diese Zeichen
und Wunder eben ein besonderer Bestandteil der Anfangszeit waren, denn wenn wir
z.B. den Zusammenhang in Apostelgeschichte 5 betrachten, wo man den Schatten des Petrus
aufsuchte, dann lesen wir dort von der Begebenheit mit Ananias und Sapphira,
eine Geschichte also, die auch eher zu den einmaligen Ereignisse der Anfangszeit
gehörte.
Auch bei der erstaunlichen Heilung durch die Tücher des Paulus sollten
wir berücksichtigen, dass es dort heißt: „Und nicht gemeine Wunderwerke
tat Gott durch die Hände des Paulus.“ Nicht nur, dass dieses Wunder durch einen
der ausgezeichnetsten Apostel geschah, selbst für jenen war dies eine „nicht
gemeine“ — sprich: normale — Angelegenheit. Es war auch für den Apostel Paulus
etwas Besonderes. Dies ist zwar kein Beweis dafür, dass es nicht auch heute noch
einzigartige Dinge geben kann, aber es zeigt mit Sicherheit, dass diese Dinge
nicht an der Tagesordnung waren oder sein müssen für die Vielzahl der Christen
heute weltweit. Nebenbei sei noch darauf hingewiesen, dass natürlich nicht die
Tücher des Paulus irgendeine Bedeutung oder Kraft in sich selbst hatten. Wir
sehen das in der Geschichte des Herrn Jesus mit der blutflüssigen Frau, wo jene
Frau das Gewand des Herrn berührte und daraufhin geheilt wurde. Der Herr Jesus
sagte dann nicht zu ihr: „Mein Gewand hat dich geheilt“, sondern: „Dein Glaube
hat dich geheilt.“
Noch ein Wort zu Jakobus 5,14-15. Auf diese Schriftstelle sind
wir hier absichtlich nicht eingegangen. Hier sollte es allein um Zeichen und
Wunder in Bezug auf eine spezielle Heilungsgabe gehen, wie sie in 1. Korinther 12
berichtet wird. Jakobus 5 hingegen ist viel allgemeiner und handelt nicht von
der „Gabe der Heilung“, sondern von dem „Gebet um Heilung“. Hierzu haben wir
einen Artikel von J. G. Fijnvaandraat veröffentlicht, der sich
u.a. auch mit
dieser Problematik auseinandersetzt.
Wir haben versucht, deutlich zu machen, dass wir in einem
gewaltigen Spannungsfeld leben, wenn wir uns dieser Thematik anhand des Wortes,
und des Wortes allein, nähern wollen. Die einen warnen — sicher auch nicht immer
unberechtigt — vor falschen Propheten unserer Tage; die anderen warnen —
vielleicht auch nicht immer unberechtigt — davor, ein Wirken des Geistes vorschnell der
Tätigkeit des Teufels zuzuschreiben. Und wie oben bereits erwähnt, haben wir
sicher nicht das letzte Wort bei dieser Thematik und möchten jeden Leser bitten,
selbst anhand des Wortes Gottes diese Thematik zu untersuchen. Worüber wir jedoch
neu intensiver nachdenken müssen, ist, dass die Macht des Teufels und auch
bestimmte Sünden mehr mit dem Thema Gesundheit im Zusammenhang stehen, als
vielleicht bisher angenommen. Aus der Geschichte der Freunde Hiobs, die bei
ihrem Freund fälschlicherweise eine Sünde vermuteten, als auch aus Johannes 9,
wo es um den Blindgeborenen geht und der Herr deutlich sagt: „Weder dieser hat
gesündigt noch seine Eltern“, haben wir gelernt, dass es gefährlich ist, wenn
jemand krank ist, gleich zu denken, dass Sünde im Spiel ist. Leider haben wir die
Aussage dieser Beispiele oft viel zu weit überzogen, indem wir die Verbindung
von Krankheit und Sünde fast ganz verdrängt haben, so dass in unserem Denken
Krankheit kaum oder gar nicht mit der Macht des Teufels oder unserer Sünde in
Verbindung stehen. Viele Bibelstellen sprechen hier eine andere Sprache (beste
Beispiele sind sicherlich 1. Korinther 11,30; Jakobus 5,15.16 und Johannes 5,14),
und das müssen
wir wieder neu sehen lernen, um einen ausgewogenen und objektiven Blick zu
erhalten. Es ist zwingend nötig, wenn wir krank sind, uns zu fragen, welche
Sünden es in unserem Leben noch zu bereinigen gibt und welche Sünden vielleicht
immer wieder vorkommen und womit wir dem Teufel dadurch die Möglichkeit
verschaffen, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Paulus sagt im Epheserbrief:
„Gebet nicht Raum dem Teufel.“ Auch okkulte Bindungen und eine „Wurzel der
Bitterkeit“ (Heb 12,15), die — etwas allgemein gesagt — eigentlich immer dann
vorliegen, wenn ich nicht in der Lage bin, jemandem, der mir etwas angetan hat,
einen Segen zu wünschen, können ernste Krankheiten hervorbringen. Dabei
wollen wir uns nicht gegenseitiger Sünde bezichtigen, wenn der Mitbruder oder
die Mitschwester krank daniederliegt. Hier sollten wir weiterhin Hiob und den
Blindgeborenen nicht vergessen.
Jeder muss hier vor dem Herrn und in der Gemeinschaft mit dem
Herrn zu einer Überzeugung gelangen. Wenn wir durch unsere wenigen Gedanken
erreichen könnten, dass die Positionen weniger verhärtet würden, hätte der
Artikel seinen Dienst getan und unser Gebet wäre erhört. Was wir heute sicher
nicht brauchen, sind weitere Trennungen wegen dieser Dinge, sondern eine offene
Kommunikation über diese Dinge und eine feste Grundlage im Wort Gottes, wobei es
auch mal sein kann, dass der eine über bestimmte Dinge weniger krass denkt als
der andere.
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