Das Herz erreichen ...
... nicht nur das Gewissen

John Nelson Darby

© EPV, online seit: 07.02.2001, aktualisiert: 05.06.2025

Leitverse: Johannes 13,14-15 „(14) Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, euch die Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen. (15) Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit, wie ich euch getan habe, auch ihr tut.“ 

Joh 13,14-15:  Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, euch die Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit, wie ich euch getan habe, auch ihr tut.

Die Peitsche und der Stock [vgl. Spr 26,3 „Die Peitsche dem Pferd, der Zaum dem Esel, und der Stock dem Rücken der Toren.“] können – auch wenn sie gerecht angewandt werden – das Herz des Menschen nicht gewinnen. Nicht die Gerechtigkeit herrrscht unter den Heiligen Gottes, sondern die Gnade herrscht durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben [Röm 5,21 „damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“].

Wie viele Sünden hätten weggewaschen werden können (Joh 13,1-20), die nun unbereinigt zurückbehalten werden! Wie viele Brüder hätten für Gott und für die Heiligen wiedergewonnen werden können, die nun für alle Zeiten entfremdet sind, weil wir nur auf das Gewissen eingeschlagen und dabei versäumt haben, das Herz zu gewinnen. Ich glaube sagen zu dürfen: Wir haben nicht einmal versucht, das Herz anzurühren! Wir haben das Böse nicht überwunden, weil wir es nicht durch das Gute überwunden haben [vgl. Röm 12,21 „Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.“]. Wir waren schnell bereit, den Platz eines Richters einzunehmen und Recht zu sprechen [vgl. Jak 4,11 „Redet nicht gegeneinander, Brüder. Wer gegen seinen Bruder redet oder seinen Bruder richtet, redet gegen das Gesetz und richtet das Gesetz. Wenn du aber das Gesetz richtest, so bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter.“]; aber so sind wir weit davon entfernt, das Werk unseres demütigen Meisters zu tun [Joh 13,14 „Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, euch die Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen.“].

Wie wenig verstehen wir es, dass gerechtes Handeln allein – auch wenn es vollkommen gerecht ist – die Seelen nicht wiederherstellt. Wie maßvoll und wahr das gerechte Urteil auch sein mag: Es rührt das Herz nicht an, es macht das Herz nicht weich, und es unterwirft das Herz nicht, damit es Belehrung empfängt. Bedenken wir, dass solch eine Seele nicht mehr an ihrem rechten Platz vor Gott ist.

Das Gewissen macht nicht den ganzen Menschen aus. Wird das Gewissen erreicht, ohne dass auch das Herz angerührt worden ist, so wird das die gleiche Folge haben wie bei dem ersten Sünder unter den Menschen: Eine solche Seele wird sich sozusagen unter den Bäumen im Garten verstecken, um der unerwünschten Stimme zu entfliehen [vgl. 1Mo 3,8-10 „(8) Und sie hörten die Stimme Gottes des HERRN, der im Garten wandelte bei der Kühle des Tages. Und der Mensch und seine Frau versteckten sich vor dem Angesicht Gottes des HERRN mitten unter die Bäume des Gartens. (9) Und Gott der HERR rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? (10) Und er sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten, und ich fürchtete mich, denn ich bin nackt, und ich versteckte mich.“].


Originaltitel: „Das Herz erreichen, nicht nur das Gewissen“ 
in Hilfe und Nahrung, 1993, S. 118. 
Engl. Originaltitel: „Righteousness without Grace“
in The Bible Treasury, Jg. 15, 1884, S. 380.
Quelle: www.stempublishing.com

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