Finden wir die Entrückung im Alten Testament?
Zeiten und Zeitpunkte

Frank Binford Hole

© CSV, online seit: 24.12.2005

Leitverse: 1. Thessalonicher 4,13-15; 5,1-2

1Thes 4,13-15: Wir wollen aber nicht, Brüder, dass ihr, was die Entschlafenen betrifft, unkundig seid, auf dass ihr euch nicht betrübet wie auch die übrigen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird auch Gott die durch Jesum Entschlafenen mit ihm bringen. (Denn dieses sagen wir euch im Worte des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden.

1Thes 5,1-2:
Was aber die Zeiten und Zeitpunkte betrifft, Brüder, so habt ihr nicht nötig, dass euch geschrieben werde. Denn ihr selbst wisset genau, dass der Tag des Herrn also kommt wie ein Dieb in der Nacht.

Die beiden ersten Verse des fünften Kapitels stehen in direktem Gegensatz zu Kapitel 4,13-15. Was das Kommen des Herrn für Seine Heiligen, die sogenannte „Entrückung“, betrifft, so waren die Thessalonicher hierüber unwissend und hatten deshalb unnötige Probleme und Sorgen, und der Apostel schrieb ihnen „im Wort des Herrn“, um sie zu belehren. Aber was die „Zeiten und Zeitpunkte“ betraf, waren sie nicht unwissend, und es bestand für den Apostel keine Notwendigkeit, hierüber zu schreiben.

Wir dürfen den Unterschied zwischen diesen beiden Teilen der prophetischen Wahrheit nicht übersehen. Es ist durchaus möglich, über die Entrückung unwissend zu sein, während man gut informiert ist, was die Zeiten und Zeitpunkte betrifft. Es handelt sich also hierbei um zwei völlig verschiedene Dinge. Wäre die Entrückung ein wichtiger Teil der Zeiten und Zeitpunkte, so würde Unwissenheit hierüber gleichzeitig auch teilweise Unwissenheit über jene Zeiten und Zeitpunkte bedeuten. Die Thessalonicher waren jedoch über die Entrückung völlig unwissend, während sie über die Zeiten und Zeitpunkte so gut belehrt waren, dass ihnen der Apostel schreiben konnte: „Ihr selbst wisst genau“, und: „So habt ihr nicht nötig, dass euch geschrieben wird.“

Die Zeiten und Zeitpunkte haben mit der Erde zu tun und nicht mit dem Himmel, wie uns 1. Mose 1,14 zeigt. Der Ausdruck, wie er in diesem Brief benutzt wird, bezeichnet nicht die Bestimmung der verschiedenen Zeitabschnitte der Erdgeschichte durch die Himmelskörper, sondern jene größeren Zeitabschnitte, die alle jeweils ein besonderes Kennzeichen tragen und durch Gottes moralische Regierungswege mit der Erde bestimmt sind. In der Vergangenheit sind solche neuen Zeitabschnitte eingeleitet worden durch Ereignisse wie die Sintflut, die Erlösung Israels aus Ägypten und die Gesetzgebung, die Verwerfung des Königtums der Linie Davids und die Übergabe der Herrschaft in die Hände der Nationen. Ein neues, noch zukünftiges Zeitalter wird anbrechen, wenn der Herr Jesus Seine große Macht ergreifen wird um zu regieren. Das wird „der Tag des Herrn“ sein.

Die Entrückung der Gläubigen geschieht jedoch völlig unabhängig von diesen irdischen „Zeitpunkten“. Sie ist nicht einfach ein Punkt in dem Ablauf der irdischen Ereignisse. Der Herr wird die Seinen in den Himmel rufen, damit sie sich ihrer himmlischen Vorrechte erfreuen können. Die Gemeinde, bestehend aus allen „Herausgerufenen“ der gegenwärtigen Haushaltung, ist himmlisch in ihrer Berufung und ihrer Bestimmung. Sie gehört nicht zur Erde, und das ist der Grund, warum ihre Entrückung von der Erde in den Himmel in dem Ablauf der irdischen Ereignisse nicht enthalten ist. Daher finden wir in den Schriften des Alten Testaments auch nicht den geringsten Hinweis auf die Entrückung [Anm. d. Red.: Diese Aussage gilt für direkte Prophetie]. Ein rechtes Verständnis dieses Themas liefert uns den Schlüssel, der uns viele Teile der Wahrheit über die verschiedenen Haushaltungen erschließt, die uns sonst verschlossen bleiben würden.


Aus Grundzüge des Neuen Testaments, Bd. 4, S. 206-207

Letzte Aktualisierung: 19.07.2016

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