Die Weltherrschaft
Frühere Weltherrschaften und die kommende Weltherrschaft

Frank Binford Hole

© Beröa-Verlag, online seit: 01.10.2001, aktualisiert: 10.09.2018

Einleitung

Ein Geist der Unruhe hat heute beinahe die ganze Welt erfasst. Sie ist zu einem so offensichtlichen Merkmal unserer Zeit geworden, dass selbst der oberflächlichste Zuschauer dies bemerkt.

Zusammenprall von Machtansprüchen, Kriege, Aufstände und Unruhen sind nichts Neues auf dieser Erde. Wann hat es diese Dinge nicht gegeben, seitdem die Sünde in die Welt gekommen ist? Obwohl wir das bejahen müssen, wagen wir doch zu behaupten, dass die gegenwärtige, weitverbreitete Unruhe und Umwälzung solche Ausmaße angenommen hat, dass man sie das vorherrschende Merkmal unseres Zeitalters nennen kann. Ja, nach der Bibel, unserem Führer, erwarten wir darin sogar noch eine weitere Zunahme.

Wesenszüge der heutigen Unruhen

Die heute bestehende Unruhe zeigt zwei Wesenszüge, die beachtenswert sind:

  1. Sie ist in ihrem Ausmaß praktisch weltweit. Jedes Land von einiger Bedeutung leidet darunter und auch viele kleinere Länder sind davon betroffen. Früher fand sie sich mehr in unterentwickelten Ländern vor; heute ist die Unruhe in den zivilisierten und reichen Nationen ausgeprägter. Ob die Zivilisation östlich ist und aus alter Zeit stammt wie in China oder westlich und modern ist wie in Europa und Amerika spielt keine Rolle. Das eiserne Regiment des Kommunismus, das Millionen von Menschen umgebracht hat, um zum Ziel zu gelangen, scheint die Unruhe überwunden zu haben; aber unter der Oberfläche ist sie doch vorhanden. In Ländern mit größerer politischer Freiheit bläst der Wind der Aufwiegelung und des Umsturzes sehr stark. Er droht, bald zu einem Orkan auszuarten.

  2. Die heutige Unruhe berührt jedes Gebiet menschlichen Denkens und Handelns. So war es bis jetzt noch nie. Weltreiche sind gekommen, haben ihre Blüte gehabt und sind zerfallen. Doch in der Welt der Philosophie und der angewandten Wissenschaften herrschte dabei Ruhe. Heute stellen wir auf allen Gebieten gewaltige Änderungen fest. Der menschliche Geist arbeitet mit beinahe übernatürlicher Energie, um neue Ideen und Theorien zu entwickeln, auf sozialem, politischem und religiösem Gebiet, und um unglaubliche Erfindungen zu machen.

Was bedeutet das alles? Diese Frage steht in den Gedanken jedes nüchternen Beobachters sicher zuvorderst. Für den Christen, der sich vor dem Wort Gottes beugt und das Licht, das es verbreitet, annimmt, ist es nicht so schwierig, die Antwort zu entdecken. Die Geschichte gibt uns bestenfalls unvollständige Einzelheiten früherer Ereignisse. Nur die Bibel enthüllt uns den goldenen Faden der göttlichen Absicht, der sich durch die ganze Geschichte hinzieht. Lasst uns versuchen, unter der Leitung des Heiligen Geistes Gottes diesen wahrzunehmen und so die göttliche Antwort zu erlangen.

Verschiedene Regierungsformen

Den meisten unserer Leser wird es bewusst sein, dass vor der Flut keine Regierung bestand. Jenes Zeitalter gipfelte in solcher Gewalttat und solchem Verderben, dass Vernichtung die einzige Abhilfe war (s. 1Mo 6,1-13).

Auf der gereinigten Erde wurde eine Regierungsform in der Person Noahs eingesetzt (1Mo 9,1-6). Nach dem Verfall Babels scheint die Autorität von der Hauptlinie der Nachkommen Noahs abgewichen zu sein. Jede Familie begann, sich ihrem eigenen Stammeshaupt zu unterordnen. Die Idee des Königtums tauchte auf. Von Gottes Seite her gab es keine weitere Entwicklung in Bezug auf Regierung, bis Er Sein Volk Israel aus Ägypten rief. Von da an übte Er, der große Jahwe-Gott, in ihrer Mitte Seine Regierungsgewalt aus.

Der Augenblick, den Er dazu wählte, ist sehr bedeutsam. Ägypten, eines der ältesten Völker, hatte die höchste Blüte erreicht. Sie hatten die fremde Dynastie der „Hirtenkönige“ vertrieben und sich unter der Herrschaft der eingeborenen, mächtigen und kriegerischen Pharaonen vereinigt. Ihre Eroberungen führten sie bis zum Euphrat. Zu jener Zeit machte Gott Seinen Anspruch an Sein Volk geltend und versetzte dem Unterdrücker einen heftigen Schlag. Das bedeutete für dieses Reich den Anfang des Niedergangs. Gott führte Sein Volk trotz seiner Halsstarrigkeit in das verheißene Land. Der HERR erhob Anspruch auf dieses Land als das Seine und nahm es durch Sein Volk in Besitz. Er beanspruchte dieses Land zum Zeichen, dass die ganze Erde Ihm gehöre. In Verbindung mit dem Durchzug durch den Jordan wird von Ihm zweimal als vom „Herrn der ganzen Erde“ gesprochen (Jos 3,11.13).

Kurz nachdem das Volk im Land der Verheißung angekommen war, wurde es überdrüssig, länger ein Eigentumsvolk zu sein, mit Gott als ihrem einzigen, aber unsichtbaren Führer. Sie forderten einen sichtbaren, menschlichen König. Gott ließ dieses schwerwiegende Abweichen von Ihm zu. Nach der bitteren Erfahrung mit dem Mann nach ihrem eigenen Herzen erweckte Er David, den Mann nach Seinem Herzen. Er setzte ihn zum Hirten über Sein Volk und erweiterte sein Königtum, indem Er die Armeen Davids mit Erfolg krönte. Die Krone – die eigentlich nicht nur Herrschaft über Israel, sondern die zukünftige über die ganze Welt bedeutete (vgl. Ps 89,27, auf den Messias aus dem Samen Davids bezogen) –, wurde auf sein Haupt gesetzt und seinem Samen bestätigt. Er trug sie für kurze Zeit und nach ihm sein Nachfolger Salomo.

Dann kam die unvermeidliche Geschichte des Niedergangs. Das Königreich wurde geteilt, und nur der kleinere Teil folgte den Trägern von Davids Krone. Ihre Macht nahm ab, als der Abfall, trotz gelegentlicher, von Gott gewirkten Erweckungen, immer ausgeprägter wurde.

Schließlich kam das Ende. Zedekia, der letzte Träger der Krone – obschon er sie nur noch dem Namen nach trug – fügte zu seinen vielen Sünden noch Verrat hinzu und verunehrte den Namen seines Gottes. Daraufhin wird in der Schrift nicht weniger als viermal erwähnt (2Kön 25; 2Chr 36; Jer 39; 52), dass Jerusalem in die Hand der Babylonier fiel und die Herrschaft in die Hand Nebukadnezars kam. Es begannen „die Zeiten der Nationen“ (Lk 21,24).

Gerade zu jener Zeit schrieb die Feder des Propheten Hesekiel beachtenswerte Worte nieder. Als die Krone, die eigentlich nicht nur die Herrschaft über Israel, sondern die zukünftige Krone der Welt bedeutete, durch Gottes Vergeltungsgericht von der Stirn des letzten abtrünnigen Fürsten aus der Linie Davids fiel, wurden folgende Worte geschrieben. Sie sind so wichtig, dass wir sie in vollem Wortlaut wiedergeben:

  • Hes 21,30-32: Und du, Unheiliger, Gesetzloser, Fürst Israels, dessen Tag gekommen ist zur Zeit der Ungerechtigkeit des Endes! so spricht der Herr, Jahwe: Hinweg mit dem Kopfbund und fort mit der Krone! Dies wird nicht mehr sein. Das Niedrige werde erhöht und das Hohe erniedrigt! Umgestürzt, umgestürzt, umgestürzt will ich sie machen; auch dies wird nicht mehr sein – bis der kommt, welchem das Recht gehört; dem werde ich’s geben.

Wie wunderbar aufschlussreich! Wie beleuchtet dieser Lichtstrahl die dunklen Seiten der menschlichen Geschichte seit jenem Tag! Die Krone wurde tatsächlich fortgenommen. Könnte man eine umfassende Geschichte der Welt zusammenstellen, so ergäbe sich nichts anderes als eine Aufstellung verschiedenartiger Anstrengungen von Menschen und Völkern, sich zu erheben und nach dieser Krone zu greifen. Aus dieser Aufstellung wäre aber auch die sichere und kundige Art und Weise zu erkennen, in der Gott sie demütigte und umstürzte, wenn sie ihr Ziel erreicht zu haben schienen.

Gott gewährte Daniel ein Gesicht darüber (Dan 7). Es bestätigte den Traum Nebukadnezars in Daniel 2. Für einen kurzen Augenblick schien es, als ob die Krone diesem großen König gehörte. Aber indem er sich über die Maßen erhob, wurde er tief erniedrigt und mit Wahnsinn geschlagen, wie Daniel 4 es beschreibt. Nicht lange danach fiel sein großes Babylon und wurde gestürzt. Das Gleiche widerfuhr den nachfolgenden Weltreichen dem persischen, griechischen und römischen. Jedes dauerte seine Zeit und wurde am Ende gestürzt.

Es gibt keine Weltherrschaft mehr

Seit der Auflösung des römischen Weltreiches gab es kein Reich mehr, das praktisch die ganze zivilisierte Welt in seiner Gewalt hatte. Wohl gab es Leute, die vor etwa hundert Jahren von einem britischen Weltreich sprachen, da Königin Victoria als Kaiserin von Indien ausgerufen wurde. All das ist jedoch vorbei und seine Auflösung – wenn überhaupt von einem Reich gesprochen werden konnte – ist praktisch zu Ende. Zwei große Weltkriege haben stattgefunden; und heute gleichen Asien und Europa bewaffneten Heerlagern. Die Krone der Weltherrschaft ist verloren, sie ist „nicht mehr“. Mächtige Nationen wünschen, sie wiederzugewinnen, aber sie zögern. Sie fürchten, wenn sie andere stürzen, selbst gestürzt zu werden.

Der gegenwärtige Zustand des außerordentlich unsicheren Gleichgewichts kann aber nicht für alle Zeiten andauern. Es gibt nicht wenige, die sich dessen bewusst sind und nebelhaft von einem kommenden „Harmagedon“ reden. Sie meinen damit jene große Auseinandersetzung, in die die ganze zivilisierte Welt verwickelt sein wird. Sie scheinen aber zu vergessen, dass in Offenbarung 16,13-16, wo dieser Ausdruck gebraucht wird, nicht von einem schrecklichen Kampf von Mensch gegen Mensch die Rede ist. Dort handelt es sich vielmehr um anmaßende und gottlose Auflehnung der vereinigten Streitkräfte der Menschen gegen Gott. Es ist nur zu leicht möglich, dass diese Warnungen vor kommendem Unglück das Herannahen des wirklichen Harmagedon einleiten. Ihre Worte, wie die des Kajaphas in Johannes 11,49-52, können mehr bedeuten, als sie sich selbst bewusst sind.

Neue Kräfte von großer Stärke sind in den letzten Jahren aufgetreten. In Ländern, wo immer noch eine gewisse Form von Christentum vorhanden ist, vereinigen sie sich rings um die Idee „der Bruderschaft aller Menschen“, gegründet auf „der allumfassenden Vaterschaft Gottes“. Die neue fortschrittliche, humanistische Theologie, der Unitarismus, der Sozialismus entwickelten sich alle aus dieser Grundidee. Noch eindrücklicher ist der atheistische Kommunismus, der heute das Denken und Tun großer Völker beherrscht, die ungefähr ein Drittel der Menschheit ausmachen. All das in den Händen Satans ist wohl eine Vorbereitung für den letzten großen politischen Zusammenschluss der Menschheit, um bereit zu sein für den Antichrist.

Der kommende König

Manche meinen, der Messias, dem die Krone wirklich gehört, sei schon gekommen. Er ist tatsächlich hier gewesen, aber nicht, um Seine Rechte geltend zu machen. Er erlaubte vielmehr den Menschen, ihre Stunde zu haben, und ließ es der Gewalt der Finsternis zu, sich zu offenbaren, auf dass Er durch Seinen Tod die Erlösung vollbrächte. Satan, der sich die Krone widerrechtlich angeeignet hatte, bot sie Ihm tatsächlich an, als er Ihn in der Wüste versuchte. Jesus lehnte sie ab und wählte nicht diesen einfachen und kurzen Weg zur Herrlichkeit, sondern den mühsamen Pfad, der durch den Tod und die Auferstehung führte – „Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ (Lk 24,26).

Aber Er sagte deutlich voraus, dass ein anderer Fürst kommen und die Krone aus der Hand Satans annehmen würde – in der Meinung, es sei die wahre Krone der Erde. „Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmet mich nicht auf; wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen“ (Joh 5,43).

In den Tagen der kommenden großen Dreieinigkeit des Bösen – der Drache, das Tier und der falsche Prophet, von denen wir in Offenbarung 13 lesen – wird es scheinen, als ob die Prophezeiung Hesekiels ungültig gemacht sei und das Gegenteil davon sich bewahrheite. Die Menschen werden sich dermaßen zu einer sogenannten „Bruderschaft“ zusammengeschlossen haben, dass nur die Erscheinung eines skrupellosen „Übermenschen“ nötig ist, um die Zügel der Macht zu ergreifen und die schrecklichste Tyrannei einzuführen, die die Welt je erlebt hat. Wenn dieser Zustand der Dinge gekommen sein wird, kann nichts mehr die Menschen aus dem Netz befreien, das sie ihren eigenen Füssen gelegt haben. Eine große Mehrheit wird sich sogar über die errichtete Gewaltherrschaft freuen. Sie werden sagen: „Friede und Sicherheit“, und glauben, dass die Krone nun für immer gefunden und kein Umsturz mehr zu befürchten sei.

Aber „wenn sie sagen: Friede und Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie“ (1Thes 5,3). Die letzte Zeile der Verheißung Hesekiels wird eine plötzliche Erfüllung finden. Der letzte, große Umsturz wird im wahren Harmagedon stattfinden. Zuerst werden das Tier und der falsche Prophet und ihre Armeen vernichtet werden durch die plötzliche Erscheinung dessen, „dem das Recht gehört“. Kurz nachher, so beurteilen wir es, werden die eindrucksvollen Mächte des Nordens, Gog, der Fürst von Rosch, Mesech und Tubal und ihre vielen Verbündeten eine gewaltige Niederlage erleiden (Hes 38-39). Der letzte und endgültige Umsturz wird dann stattgefunden haben.

An jenem Tag wird die lang verlorene Krone auf dem Haupt des einst verworfenen Menschen aus Nazareth, unseres anbetungswürdigen Herrn Jesus, gesehen werden. Sie wird geschmückt sein, nicht nur mit Edelsteinen der Schöpfung, sondern mit den noch herrlicheren Juwelen der Erlösung. Auf diesem Haupt wird ihr bleibender Platz sein, obwohl am Ende der tausendjährigen Friedensherrschaft Christi Satan nochmals einen Aufstand zustande bringt (Off 20,7-10). Aber diese Erhebung wird sofort niedergeschlagen, so dass es nie mehr zu einem Umsturz kommen wird. Auf Seiner heiligen Stirn wird die Krone ihren bleibenden, ihren ewigen Ruheplatz finden.

Was sollen wir sagen im Blick auf diese Dinge? Lasst uns erstens nicht beunruhigen durch die Unruhe und den Geist der Auflehnung und Umwälzung, der heute die ganze Welt erfüllt. Lasst uns vielmehr damit beschäftigt sein, das Banner eines treuen Zeugnisses für den Herrn Jesus und des Evangeliums, das Ihn zum Inhalt hat, wehen zu lassen. Gott ändert Seine Pläne über Sein Tun niemals, wie es die Menschen ausnahmslos tun müssen. Die Belehrungen, die der Herr am Anfang gab, gelten immer noch – der Heilige Geist kam und wir folgen den ersten Jüngern, zu denen Er sagte: „Ihr werdet meine Zeugen sein“ (Apg 1,8).

Und weiter, lasst uns niemals mit der Welt zusammenarbeiten noch ihre Systeme und Bestrebungen unterstützen. All das bahnt, obwohl sie es nicht wissen, den Weg für den Antichrist. Lasst uns in Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn bleiben, wenn unser Verhalten gegenüber den Menschen der Welt so sein soll, wie die Schrift es uns sagt: „So viel an euch ist, lebet mit allen Menschen in Frieden. Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten“ (Röm 12,18.21).

Zum Schluss sollten wir den Gedanken in unseren Herzen festhalten, dass alle Unruhe und alle Umstürze nur sein werden, „bis Er kommt“. So wollen wir unsere Augen gegen Sonnenaufgang richten, in Erwartung des lang ersehnten Tages, und sagen: „Amen; komm Herr Jesus!“


Originaltitel: „Die Weltherrschaft“
mit freundlicher Genehmigung des Beröa-Verlages, Zürich
aus Halte fest, Jg. 1976, S. 265ff.


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