Ein großer Kontrast
Prediger 2,4-11; 1. Könige 4,29-34; 10,1-8; Philipper 3

Frank Binford Hole

© SoundWords, online seit: 22.12.2009, aktualisiert: 02.02.2018

Leitverse: Prediger 2,4-10; 1. Könige 4,9-14; 10,1-9

Pred 2,4-10: Ich unternahm große Werke: Ich baute mir Häuser, ich pflanzte mir Weinberge; ich machte mir Gärten und Parkanlagen und pflanzte darin Bäume von allerlei Frucht; ich machte mir Wasserteiche, um daraus den mit Bäumen sprossenden Wald zu bewässern. Ich kaufte Knechte und Mägde und hatte Hausgeborene; auch hatte ich einen großen Besitz an Rind- und Kleinvieh, mehr als alle, die vor mir in Jerusalem waren. Ich sammelte mir auch Silber und Gold und Reichtum der Könige und Landschaften; ich verschaffte mir Sänger und Sängerinnen und die Wonnen der Menschenkinder: Frau und Frauen. Und ich wurde groß und größer, mehr als alle, die vor mir in Jerusalem waren. Auch meine Weisheit blieb mir. Und was irgend meine Augen begehrten, entzog ich ihnen nicht; ich versagte meinem Herzen keine Freude, denn mein Herz hatte Freude von all meiner Mühe, und das war mein Teil von all meiner Mühe.

Einleitung

Von allen Männern, deren Leben im Alten Testament berichtet sind, zeichnete Salomo sich durch seine intellektuellen Fähigkeiten aus. Wenn wir 1. Könige 5,9-14 (1Kön 4,29-34) und die ersten Verse von 1. Könige 10 lesen, sehen wir, dass Gott Salomo nicht nur außergewöhnliche geistige Kräfte gegeben hatte, sondern dass Salomo auch große literarische und poetische Fähigkeiten und großes Wissen über alle Themen der Naturgeschichte hatte. Obendrein hatte er auch großes Verständnis über „den Namen des Herrn“, denn die Königin von Scheba wurde hiervon angezogen: „Und die Königin von Scheba hörte den Ruf Salomos wegen des Namens des Herrn.“ Salomo war offenbar das Wunder seiner Zeit.

Wenn wir uns dem Neuen Testament zuwenden, dann können wir, wenn wir uns auf solche beschränken, die nur Menschen waren, wohl sagen, dass kein Mann so auffallend und beeindruckend war wie Saulus von Tarsus. Wie Salomo hatte Saulus hebräische Wurzeln (Phil 3,4-6), und in religiösen Dingen nahm er eine ausgezeichnete Stellung ein, denn er schrieb, dass er „in dem Judentum zunahm über viele Altersgenossen in meinem Geschlecht, indem ich übermäßig ein Eiferer für meine väterlichen Überlieferungen war“ (Gal 1,14). Auch er ist ein Mann mit hervorragenden geistigen Fähigkeiten.

Wir finden hier also zwei ausgezeichnete Männer, die große Ähnlichkeiten hatten. Wenn wir jedoch anschauen, welcher Geist sie beseelte, den Weg zu verfolgen, den sie gingen, und wenn wir das Ende dieser Männer betrachten, könnte es keinen größeren Gegensatz geben. Zum einen lebten sie natürlich in ganz unterschiedlichen Haushaltungen und Zeitepochen, in denen die Wege Gottes mit den Menschen an sich schon unterschiedlich waren. Salomo wurde unter Gesetz geboren und ging seinen Weg diesem Licht entsprechend, während Saulus von Tarsus, der später der Apostel Paulus wurde, in das Licht Gottes in Christus gebracht wurde – in der Gnade seiner sühnenden Leiden und seiner Auferstehungsherrlichkeit.

Alles, was das Herz begehrt

Der erste Unterschied ist, dass Salomo alle guten Dinge dieses Lebens im Überfluss genossen hat, während Paulus von diesen Dingen nichts besaß. Wenn wir Prediger 2,4-10 lesen, gewinnen wir einen Eindruck von dem überschwänglichen Reichtum Salomos: „Ich unternahm große Werke: Ich baute mir Häuser, ich pflanzte mir Weinberge; ich machte mir Gärten und Parkanlagen und pflanzte darin Bäume von allerlei Frucht; ich machte mir Wasserteiche, um daraus den mit Bäumen sprossenden Wald zu bewässern. Ich kaufte Knechte und Mägde und hatte Hausgeborene; auch hatte ich einen großen Besitz an Rind- und Kleinvieh, mehr als alle, die vor mir in Jerusalem waren. Ich sammelte mir auch Silber und Gold und Reichtum der Könige und Landschaften; ich verschaffte mir Sänger und Sängerinnen und die Wonnen der Menschenkinder: Frau und Frauen. Und ich wurde groß und größer, mehr als alle, die vor mir in Jerusalem waren. Auch meine Weisheit blieb mir. Und was irgend meine Augen begehrten, entzog ich ihnen nicht; ich versagte meinem Herzen keine Freude, denn mein Herz hatte Freude von all meiner Mühe, und das war mein Teil von all meiner Mühe“ (Pred 2,4-10).

Lesen wir nun die Worte des Paulus in Philipper 3,8: „Um dessentwillen habe ich alles eingebüßt und achte es für Dreck, damit ich Christus gewinne.“ Was „gewann“ Paulus dafür hinsichtlich der Welt? Richten wir unseren Blick nach 2. Korinther 11,23-28: „Sind sie Diener Christi? (Ich rede als von Sinnen.) Ich noch mehr. In Mühen überreichlicher, in Gefängnissen überreichlicher, in Schlägen übermäßig, in Todesgefahren oft. Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Schläge weniger einen. Dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht habe ich in der Tiefe zugebracht; oft auf Reisen, in Gefahren durch Flüsse, in Gefahren durch Räuber, in Gefahren von meinem Volk, in Gefahren von den Nationen, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern; in Mühe und Beschwerde, in Wachen oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße; außer dem, was außergewöhnlich ist , noch das, was täglich auf mich andringt: die Sorge um alle Versammlungen.“ Könnte der Kontrast noch größer sein?

Alles, was ich tun kann, tue ich

Kommen wir zu dem nächsten großen Unterschied. Wovon waren diese beiden Männer durchdrungen? Wenn wir Prediger 2,10 lesen, können wir wohl sagen, dass Salomo, wie man so schön sagt, eine „schöne Zeit“ hatte. Er ging jeder Freude nach, die in seiner Reichweite stand. Sein Motto schien gewesen zu sein: „Alles, was ich tun kann, tue ich“, wenn es irgend Freude und Befriedigung versprach. Nach welchem Prinzip lebte Paulus? Wir finden es wieder in Philipper 3: „Eins aber tue ich“ (Phil 3,13). Und was war das eine? Das, was hinter ihm war, was er verloren hatte, vergaß er, aber er streckte sich aus nach dem, was vorn war, nach „der Berufung Gottes nach oben“ (Phil 3,14). Auch dieser Kontrast könnte nicht größer sein.

Ich, mir, mein …

Das Leben Salomos war von Egoismus geprägt. Wenn wir die oben zitierten Verse noch einmal lesen und auf das Wörtchen „ich“, „mir“ und „mein“ achtgeben, werden wir das erkennen: „Ich unternahm“; „ich machte mir“; „ich kaufte“; „ich sammelte mir“; „ich verschaffte mir“; „ich wurde groß“; „meine Weisheit“; „mein Herz hatte Freude“. Sein Leben wurde zu einer Art Selbstbefriedigung. Sein Motto war: „Das Leben ist für mich – ich selbst.“

Und der Apostel Paulus? Nun, lesen wir wiederum den Philipperbrief: „Denn das Leben ist für mich Christus“ (Phil 1,21). Es gibt keinen größeren Kontrast, als wenn jemand für sich selbst oder allein für Christus lebt.

Freude im irdischen Erfolg

Für eine gewisse Zeit lief für Salomo alles gut. Er nahm an Weisheit und Größe zu, und sein Ruhm wurde sogar im Ausland bekannt. Er konnte schreiben: „Mein Herz hatte Freude von all meiner Mühe, und das war mein Teil von all meiner Mühe.“ Er fand seine Freude in dem unermesslichen Erfolg seiner Mühe (Arbeit).

Worin fand Paulus seine Freude? Als er seinen Brief an die Philipper schrieb, war er ein Gefangener in Rom. Und was lesen wir dort? „Ich tue für euch alle das Gebet mit Freuden“ (Phil 1,4); „Wird doch auf alle Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich, ja, ich werde mich auch freuen“ (Phil 1,18); „Erfüllt meine Freude, dass ihr gleich gesinnt seid“ (Phil 2,2); „Aber wenn ich auch als Trankopfer über das Opfer und den Dienst eures Glaubens gesprengt werde, so freue ich mich und freue mich mit euch allen“ (Phil 2,17); „Freut euch in dem Herrn allezeit!“ (Phil 4,4) etc.

War Paulus so froh, weil er aus einer Urlaubsatmosphäre den Philippern einen Brief schreiben konnte? Überhaupt nicht, denn seine Umgebung war alles andere als gemütlich oder wohlhabend. Seine Freude war ganz auf den Herrn gerichtet, und das ist die Freude, die bleibt. Salomon freute sich über seine eigene Mühe (Arbeit). Paulus freute sich über den Herrn. Ein weiterer Gegensatz, der nicht größer sein könnte.

Ein bitteres Erwachen

Schließlich stellen wir fest, dass Salomo von der Freude, die er erlebte, in der Vergangenheitsform spricht; er sagte stets: „Mein Herz hatte Freude“, nicht: „Mein Herz hat Freude.“ Schlimmer noch, am Ende musste er sogar zugeben: „Und ich wandte mich hin zu allen meinen Werken, die meine Hände gemacht hatten, und zu der Mühe, womit ich mich wirkend abgemüht hatte: Und siehe, das alles war Eitelkeit und ein Haschen nach Wind; und es gibt keinen Gewinn unter der Sonne.“ Seine Enttäuschung war vollständig.

Und was ist mit Paulus? Wir wenden uns noch einmal zum Philipperbrief: „Ich habe gelernt, worin ich bin, mich zu begnügen … Ich habe aber alles empfangen und habe Überfluss“ (Phil 4,11.18).

Während also der Mann, der alles hatte, was das Herz begehrt, am Ende vor der großen Leere stand und erkennen musste, dass alles Eitelkeit und ein Haschen nach Wind war, fand jener, der alle Dinge des Lebens „verloren“ hatte, sein Genüge in Gott und war „erfüllt, … nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus“. Der Kontrast im Blick auf das Ende ist ebenso stark wie der Kontrast im Blick auf das Leben dieser Männer.

Und wir?

Diese Dinge sprechen eine klare Sprache. Wir wollen diese Zeilen als Herausforderung für unser Leben aufgreifen. Sicher wird kaum jemand diesen grenzenlosen Reichtum und derartige geistige Fähigkeiten besitzen, aber wir leben doch in einer Zeit, wo wir von faszinierenden Erfindungen und elektronischen Geräten überschüttet werden. Selbst derjenige, dem nur geringe finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, ist heute in der Lage, viel Zeit damit zu verbringen, anderen Menschen zuzuhören, die Hunderte von Kilometern weit entfernt sind, oder Musik zu hören, die woanders gespielt wird. Man kann sogar Szenen beobachten, die ganz woanders auf der Welt stattfinden. Er kann sein Auto packen und zu einem Zielort hinfahren. Oder wir sitzen im Flugzeug und fliegen mit 1000 km/h durch die Luft. Das alles sind sehr faszinierende Dinge. Aber wir werden, wie Salomo, am Ende feststellen, dass es alles „Eitelkeit und ein Haschen nach Wind“ ist.

Viele Menschen leben insbesondere in kommunistischen Ländern viel einsamer und ärmlicher als wir und werden obendrein oft noch verfolgt; und doch hören wir von ihnen, dass sie im Wesentlichen zufriedenere Menschen sind als wir und mutig für Christus einstehen. Sie haben kaum Zugang zu den Dingen, die uns heute so wichtig sind, und stehen deshalb viel weniger in Gefahr, ihre Zeit mit solchen Dingen zu vergeuden; und doch haben sie eine Freude, die uns anscheinend abhanden gekommen ist, und erfahren großes zahlenmäßiges Wachstum.

Wir genießen in den westlichen Ländern seit zwei Jahrhunderten als Christen viele geistliche Vorrechte und Segnungen. Aber gerade deswegen sollten wir uns nicht überheben und wie die Laodizeer in Offenbarung 3 denken: „Ich bin reich und bin reich geworden“, während wir nicht erkennen, dass wir in Wirklichkeit der „Elende und Jämmerliche und arm und blind und nackt“ sind. Wenn wir die Dinge richtig einschätzten, würden wir erkennen, dass wir viel zu viel auf dem Weg Salomos gegangen sind und zu wenig auf den Wegen des Apostels Paulus. Wir waren zu viel mit den Gütern und Freuden dieser Zeit beschäftigt und zu wenig mit den bleibenden Wirklichkeiten des ewigen Lebens, obwohl diese nur durch Glauben in der Kraft des Geistes Gottes gekannt werden.

Wir wollen das feierliche Wort unseres Herrn nicht vergessen: „Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein“ (Mt 19,30). Wenn der Tag des Herrn kommt und wir, die wir so privilegiert waren, vor dem Richterstuhl des Christus stehen — was wird wohl das Urteil unseres Herrn sein in Bezug auf unser Leben und unseren Dienst für Ihn in dieser Welt?


Originaltitel: „A great contrast“
frei übersetzt aus Scripture Truth, Bd. 39, 1956–1958, S. 246–248


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