Die Gemeinde wird nicht durch die große Drangsal gehen

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 26.05.2019, aktualisiert: 04.09.2019
Inhalt

Die nachfolgenden Stellen aus Gottes Wort bestätigen, dass die Gemeinde nicht durch die zukünftige siebenjährige Drangsalszeit gehen wird.

Schriftstellen, die beweisen, dass die Gemeinde nicht durch die Drangsal gehen wird

1. Die Drangsal wird nie im Zusammenhang mit der Gemeinde erwähnt

Es gibt acht wichtige Stellen in der Schrift, die direkt von der Drangsal sprechen (Mt 24,3-29; Mk 13,4.24; Off 3,10; 7,14-17; 5Mo 4,30.31; Jer 14,8; 30,4-7; Dan 12,1). Wir würden zu Recht annehmen, dass mindestens einer dieser Abschnitte es erwähnen würde, wenn die Gemeinde durch die Drangsal gehen müsste. Aber tatsächlich gibt es keinen einzigen Hinweis darauf, dass die Gemeinde in der Drangsal sein wird oder eine Verbindung zu ihr hat! (Wenn wir von der Gemeinde sprechen, meinen wir damit Christen, die Glieder des Leibes Christi sind; Röm 12,5; 1Kor 12,13). Das ist überaus wichtig, denn dies bedeutet, dass diejenigen, die an diese falsche Lehre glauben, ihre eigenen Ideen in die Schrift eingebracht haben.

  • In Matthäus 24 und Markus 13 sprach der Herr zu seinen jüdischen Jüngern, die repräsentativ für den jüdischen Überrest der Gläubigen stehen, die in die Drangsal kommen würden. Dies wird durch die Kommentare des Herrn an sie untermauert. Er sprach davon, was sie tun sollten, wenn der „Tempel“ und der „heilige Ort“ durch „den Gräuel der Verwüstung“ geschändet würden. Ebenso sprach Er über das Land „Judäa“, den „Sabbat“, das Zusammenkommen der „Stämme Israels“ und den „Feigenbaum“ – ein bekanntes Symbol Israels. Er sprach auch von dem Kommen des „Menschensohnes“ – ein Titel, der in der Bibel verwendet wird für das Handeln des Herrn mit Israel und den heidnischen Nationen der Erde, jedoch niemals in Verbindung mit der Gemeinde. Wenn sein Kommen für die Gemeinde (die Entrückung) erwähnt wird, wird Er als „der Herr“ oder „der Bräutigam“ bezeichnet. All diese Dinge deuten darauf hin, dass sich der Herr im Hinblick auf die Drangsal nicht auf die Gemeinde bezogen hat (Mt 24,15.16.20.30-32). Christen haben es nicht mit einem materiellen Tempel und einem heiligen Ort zu tun, an dem sie anbeten können. Sie haben auch nichts mit dem Sabbattag etc. zu tun. Diese Dinge gelten ganz offensichtlich für die Juden.

  • Offenbarung 3,10 spricht von der Drangsal, die über die Welt kommt, aber nicht über die Gemeinde. Tatsächlich sagt der Herr in diesem Abschnitt, dass Er die Christen „vor“ dieser „Stunde der Versuchung” bewahren wird!

  • In Offenbarung 7,14 wird von der Drangsal im Zusammenhang mit heidnischen Nationen gesprochen (Off 7,9).

  • In 5. Mose 4,30.31 wird von der Drangsal im Zusammenhang mit Israel gesprochen (5Mo 4,1).

  • In Jeremia 30,4-7 wird die Drangsal als „Drangsal für Jakob“ bezeichnet, nicht als „Drangsal für die Gemeinde“. Die Stelle besagt, dass sich diese Dinge auf Israel und Juda beziehen (vgl. Jer 30,4).

  • In Daniel 12,1 heißt es, dass „die Zeit der Drangsal“ (die große Drangsal) auf „die Kinder deines Volkes“ fallen wird, und Daniels Volk waren bekanntlich Juden.

Diese Hinweise zeigen, dass die Drangsal ausschließlich mit Israel und den heidnischen Nationen der Erde zu tun hat, aber nicht mit der Gemeinde. Die Tatsache, dass die Gemeinde im Zusammenhang mit der Drangsal nie erwähnt wird, sollte an sich ausreichen, um jeden willigen Geist davon zu überzeugen, dass die Gemeinde nicht in der Drangsal sein oder sie durchlaufen wird.

Israel und die Gemeinde – zwei verschiedene Körperschaften

Im weiteren Verlauf wird immer deutlicher werden, dass das, was den meisten Schwierigkeiten in diesem Bereich zugrunde liegt, darauf zurückzuführen ist, dass nicht klar zwischen Israel und der Gemeinde unterschieden wird. Dies ist ein sehr altes Problem in der Christenheit, das auf die ersten Jahrhunderte der Kirchengeschichte zurückgeführt werden kann, als gewisse jüdische Lehrer lehrten, dass Israel zu Pfingsten mit der Gemeinde verschmolzen sei und sie heute ein und dasselbe seien. In dieser irrigen Lehre stellt die Gemeinde das neue Israel dar, das die Erde zum Erbe haben wird. Diese Lehre ist heute allgemein als „reformierte Theologie” oder „Bundestheologie” bekannt, obwohl sie ihren Ursprung lange vor der Reformation im 15. Jahrhundert hat. Dieses Lehrsystem erkennt weder die wahre Natur der Gemeinde noch ihre wahre Berufung und Hoffnung als eine besondere Gemeinschaft von Gläubigen, die zum Himmel gehören. Die Schrift lehrt, dass die Gemeinde mit Christus über die Erde herrschen wird. Das ist etwas anderes als Israel und die heidnischen Nationen, die am Segen auf der Erde teilhaben werden.

Als Ergebnis dieser falschen Lehre haben viele die Absicht Gottes nicht verstanden, nicht nur eine, sondern zwei große Gruppen von erlösten Menschen zu haben, die an der Herrlichkeit Christi am Tag seiner öffentlichen Herrschaft (dem Millennium oder Tausendjährigem Reich) teilhaben werden: Es wird eine himmlische Gruppe von Erlösten geben, bestehend aus der „Braut“ Christi (der Gemeinde), und denjenigen, die als „die Freunde des Bräutigams“ (alttestamentliche Gläubige) bekannt sind. Und dann wird es auch noch eine irdische Gruppe geben, die aus einem Überrest der zwölf Stämme Israels und den heidnischen Nationen besteht.

Gegenwärtig beruft Gott die Gemeinde (die Braut Christi) durch das Evangelium seiner Gnade. Diejenigen, die im Glauben auf dem vollendeten Werk Christi am Kreuz ruhen, sind mit dem Heiligen Geist versiegelt und Teil der Gemeinde. Das ist etwas ganz Neues in den Wegen Gottes: Die Gemeinde existierte weder in alttestamentlicher Zeit noch, als Christus kam und das Evangelium vom Reich Gottes predigte.

Als Er auf der Erde war, sagte Er: „Ich werde … meine Versammlung bauen“ (Mt 16,18). Das zeigt deutlich, dass es sich um eine zukünftige Sache handelte. Die Gemeinde entstand ja erst zu Pfingsten (Apg 2,1-4.47; 5,11; 11,15: „im Anfang“). Das Wort „Gemeinde“ (griech.: ekklesia) bedeutet „herausgerufen“ und beschreibt zutreffend, was Gott derzeit tut, wenn Er Gläubige aus den Juden und aus den Heiden herausruft. Indem der Geist Gottes am Pfingsttag auf die Erde herabkam und sich auf dieser Gruppe von Gläubigen niederließ, hat Er sie mit Christus im Himmel, der das Haupt der Gemeinde ist, vereint (Eph 5,23). Dies wird als Taufe mit dem Heiligen Geist bezeichnet (Apg 1,5; 1Kor 12,13).

In Epheser 3,6 erklärt Paulus diese neue und einzigartige Berufung Gottes und zeigt, dass es etwas ganz anderes ist als das, was die alttestamentlichen Propheten über Israel und die Heiden gesagt hatten. Er legt drei Dinge dar, die diese gegenwärtige Berufung Gottes durch das Evangelium charakterisieren:

  1. Zuerst sagt er: „Damit diejenigen, die zu den Nationen gehören, gemeinsam Erben seien“ (Darby-Übersetzung). Beachten wir: Er sagte nicht, dass „die Nationen“ gemeinsam Erben sein würden, sondern „die aus den Nationen“. Das bezieht sich auf eine Auswahl bestimmter, erwählter Personen aus den Nationen, die auserwählt wurden, um Teil dieser besonderen himmlischen Gesellschaft – der Gemeinde – zu sein (Eph 1,4-6). Die Nationen, aus denen sie berufen sind, bleiben davon unberührt und werden auf der Erde weiterhin als solche leben, heute als auch im Tausendjährigen Reich (Off 21,24).

    Diese besondere Berufung Gottes durch das Evangelium stellt nicht die massenhafte Zuführung heidnischer Nationen zu Gott dar, wie im Alten Testament angekündigt, wodurch sie einen Platz im Königreich des Messias unter Israel haben werden (Sach 2,11; 8,22.23; Jes 11,10; 14,1; 56,3-7; 60,1-5; Ps 22,27; 47,9; 72,10.11). Das, worüber das Alte Testament spricht, ist eine äußere Bekehrung der heidnischen Nationen, die zukünftig stattfinden wird, wenn Christus sein tausendjähriges Königreich errichten wird. Sie werden sich aus Angst vor dem Gericht dem Gott Israels anschließen. Dies wird nicht unbedingt mit Glauben im Herzen zu tun haben (Ps 18,44-47; 66,1-3; 68,28-31; Jes 60,14), obwohl sehr viele wirklich gläubig sein werden (Off 7,9.10). Die gegenwärtige besondere Berufung Gottes darf aber nicht mit dem zukünftigen Ruf an die Heiden verwechselt werden.

    Bestimmte Aussagen in der Apostelgeschichte bestätigen diesen einzigartigen Ruf Gottes, der noch heute ergeht. Lukas, der Verfasser dieses Buches, berichtet, dass Paulus und Barnabas auf dem Weg hinauf nach Jerusalem an bestimmten Orten anhielten, um den Brüdern die gute Nachricht von der „Bekehrung derer aus den Nationen“ zu überbringen (Apg 15,3).

    Hier gilt es nochmals zu beachten: Es ist nicht die Bekehrung der Nationen, sondern eine Bekehrung aus den Nationen. Er erwähnt es kurz darauf noch einmal in Vers 14, dass Gott im Evangelium die Nationen besuchte (und ebenso heute!), um „aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen“ (Apg 15,14). So wird es auch bei der Bekehrung von Saulus von Tarsus erwähnt, denn der Herr sprach zu ihm: „Ich nehme dich heraus aus dem Volk [Israel] und aus den Nationen“ (Apg 26,17). Dies zeigt, dass Paulus durch seine Errettung aus seiner früheren Stellung (als Israelit) herausgenommen und in eine völlig neue Schöpfung Gottes, als Glied in den Leib Christi hineinversetzt wurde (Gal 3,28; Kol 3,11). Später wurde er ausgesandt, um den Nationen das Evangelium zu predigen, damit auch sie durch den Glauben an Christus in diese neue himmlische Schöpfung hineingebracht werden könnten.

    Wie bereits erwähnt, bleiben Juden und Heiden als getrennte Körperschaften auf der Erde, wenn der Ruf des Evangeliums aufhört. Jetzt aber, als Ergebnis dieses gegenwärtigen Rufes Gottes, gibt es eine dritte Körperschaft: „die Versammlung Gottes“ (1Kor 10,32). Deshalb ruft Gott in dieser gegenwärtigen Haushaltung gläubige Juden und Heiden aus ihrer früheren Stellung heraus und bringt sie in etwas Neues hinein: in die Gemeinde. Es wurde schon erklärt, dass das Wort „Gemeinde“ bedeutet: „die Herausgerufenen“. Dieser Begriff drückt die besondere Berufung des Evangeliums sehr treffend aus.

    „Reformierte“ Theologen oder „Bundestheologen“ verwenden fälschlicherweise bestimmte Verse aus der Apostelgeschichte, um zu „beweisen“, dass diese beiden Berufungen ein- und dasselbe seien. Aber ein genauerer Blick auf diese Bibelstellen zeigt, dass sie keine Erfüllung alttestamentlicher Passagen sind, sondern nur deshalb zitiert werden, um aufzuzeigen, dass es schon immer in Gottes Gedanken war, auch die Nationen zu segnen.

  2. Zweitens bestätigt Epheser 3,6, dass die Gläubigen aus den Heiden heute „Miteinverleibte” sind, da der Leib aus ehemaligen Juden und aus ehemaligen Heiden besteht. Das Geheimnis Christi und der Gemeinde offenbart: Juden und die Nationen, die an das Evangelium glauben, werden zu einem lebendigen Organismus, zu einem gemeinsamen Leib geformt. Dabei stehen beide auf dem gleichen Boden der Erlösung und haben gemeinsam Anteil am Segen in dieser neuen Schöpfung Gottes (Eph 2,14-16). Dieser „eine Leib in Christus” (Röm 12,5) ist etwas völlig Neues in der Schöpfung Gottes, das man im Alten Testament nicht findet. Die alttestamentlichen Schriften sprechen nirgendwo davon, dass gläubige Juden und Heiden einen gemeinsamen Segen und Vorrechte miteinander teilen und zu einer Einheit verschmelzen würden. Darüber hinaus verheißt Gottes Wort, dass Christus sowohl über Israel als auch über die heidnischen Nationen herrschen wird (Ps 93,1; Jes 32,1). Aber niemals wird gesagt, dass Er über die Gemeinde, die sein Leib ist, herrscht.

  3. Drittens sagt Paulus, dass diese Gruppe auserwählter Juden und Heiden „gemeinsame Teilhaber seiner Verheißung in Christus Jesus“ seien. Diese Verheißung steht in keinem Zusammenhang mit den Verheißungen an die Patriarchen in alttestamentlicher Zeit. Die Verheißungen, die Abraham, Isaak und Jakob erhielten, wurden ihnen zu ihren Lebzeiten gegeben. Hingegen wurde die Verheißung des „ewigen Lebens“ „vor ewigen Zeiten“ gegeben (Tit 1,2). „Ewiges Leben” ist eindeutig ein Segen des Neuen Testamentes, der eine bewusste Beziehung zum Vater und zum Sohn beinhaltet (Joh 17,3) und den innewohnenden Heiligen Geist hat (Joh 4,14). Die Gläubigen im Alten Testament wussten nichts von einer Beziehung zwischen Vater und Sohn innerhalb der Gottheit. Sie freuten sich nur darauf, für immer auf der Erde unter der Herrschaft des Messias zu leben (Ps 8,1-9 u.a.); auch hatten sie nicht die Innewohnung des Heiligen Geistes. Das ewige Leben wurde zum ersten Mal gesehen, als Christus in die Welt kam und dieses offenbarte; vorher war es „bei dem Vater“ im Himmel (1Joh 1,2).

Aus diesen drei Dingen sehen wir also, dass der gegenwärtige Ruf Gottes keine geistliche Erfüllung der alttestamentlichen Prophezeiungen ist (wie es die Bundestheologen behaupten), sondern etwas völlig anderes. Der gegenwärtige himmlische Ruf steht auch überhaupt nicht im Widerspruch zu Gottes Plan, auf der Erde sowohl Israel als auch die Nationen  unter der Herrschaft Christi zu segnen. Die Bekehrung der Heiden wird an einem zukünftigen Tag stattfinden, aber eine Bekehrung derer „aus“ den Nationen geschieht heute durch den Ruf des Evangeliums. Beim Lesen der Schrift ist es wichtig, diese voneinander verschiedenen Berufungen Gottes nicht zu verwechseln. Der treue „Arbeiter, der … das Wort der Wahrheit recht teilt“, wird diese Unterscheidung in der biblischen Belehrung beachten (2Tim 2,15).

2) Die Gemeinde ist nicht Gegenstand der Prophetie

Es ist eine Tatsache, dass Prophetie im eigentlichen Sinn nichts mit der Gemeinde zu tun hat, sondern einzig mit Christus und seinem Handeln mit Israel und den heidnischen Nationen, die durch die Drangsal in das Tausendjährige Reich gehen. Daniels siebzig Wochen (Dan 9,24-27) zeigen deutlich, dass die Ereignisse um Israel und die Prophetie am Ende der 69. Woche zum Stillstand gekommen sind, als die Juden ihren „Messias weggetan … haben“. Nun bleiben noch sieben Jahre (die 70. Woche), die im Hinblick auf Israel zuerst erfüllt sein müssen und die erst erfüllt sein werden, wenn Gott mit ihnen an einem zukünftigen Tag weiterhin handelt. Wir befinden uns jetzt in „seiner Zeit“ der Gnade Gottes (1Tim 2,5.6), in der Gott die Gläubigen sowohl aus den Juden als auch aus den Nationen herausruft, damit sie ein himmlisches Volk für Ihn sind (Apg 15,14). Die Prophezeiung über die Drangsal hat nichts mit dieser Zeit zu tun. Es ist ein falsches Verständnis der prophetischen Schriften, wenn man versucht, die heutigen Ereignisse (während die Gemeinde noch auf der Erde ist) mit den Ereignissen der Prophetie zusammenzubringen – in der falschen Annahme, sie würden jetzt erfüllt.

3) Der Aufbau des Buches der Offenbarung zeigt, dass die Gemeinde während der Drangsal nicht auf der Erde sein wird

Durch den Aufbau des Buches der Offenbarung lernen wir, dass die Gemeinde nicht mehr auf der Erde sein wird, wenn die Gerichte der großen Drangsal ausgegossen werden.

In Offenbarung 1,19 finden wir drei Punkte zur Einteilung des Buches der Offenbarung:

  • „Was, du gesehen hast“ – das bezieht sich auf das, was der Apostel Johannes in Kapitel 1 gesehen hat.
  • „Was ist“ – das bezieht sich auf die Kapitel 2 und 3, die die Botschaften des Herrn an die sieben Gemeinden enthalten. Diese sind eine moralische Geschichte der bekennenden Kirche auf Erden von der nachapostolischen Zeit an bis hin in die Endzeit.
  • „Was nach diesem geschehen wird“ – das bezieht sich auf die Kapitel 4 bis 22, in denen die große Drangsal beschrieben wird. Dieser dritte Teil wird als „nach diesem“ bezeichnet (Off 4,1), weil er sich auf Dinge bezieht, die geschehen werden, nachdem die Gemeinde ihre Geschichte auf der Erde beendet hat.

Es ist sehr lehrreich, zu sehen, dass sich nach den Kapiteln 2 und 3 eine Tür im Himmel öffnet und Johannes mit „Komm hier herauf“ gerufen wird (Off 4,1). Dies ist nur ein schwaches Abbild davon, wie die Gemeinde in den Himmel gerufen wird, nachdem sie ihren Weg auf Erden durch das Kommen des Herrn (die Entrückung) beendet hat. Von Kapitel 4 bis zum Ende des Buches wird die Gemeinde nicht mehr auf der Erde gesehen (wie zuvor in den Kapiteln 1 bis 3). Und wenn die Gerichte der großen Drangsal in den Kapiteln 6 bis 19 ausgegossen werden, wird die Gemeinde nicht ein einziges Mal erwähnt!

Außerdem zeigen diejenigen, die während der Drangsal wegen ihrer Treue zu Märtyrern gemacht werden, durch den Charakter ihrer Gebete, dass sie keine Christen sind (Off 6,9.10):

  1. Erstens zeigt die Art und Weise, wie sie Gott als „souveränen Herrscher“ ansprechen, dass sie keine Christen sein können. Christen sprechen Gott nicht auf diese Weise an, denn sie sprechen Gott als „Vater“ an (Eph 1,2; Kol 1,2).
  2. Zweitens bitten sie um Rache an denen, die auf der Erde wohnen und sie verfolgt haben. Das ist richtig und passend für einen Juden (vgl. die sog. Rache-Psalmen), entspricht aber sicherlich nicht der Gesinnung eines Christen. Denn Christen segnen diejenigen, die sie verfluchen, und beten für diejenigen, die sie hassen (Lk 6,27.28), rufen aber kein Gericht über ihre Verfolger aus (Röm 12,19-21).

In Kapitel 7 erfahren wir, wer am Ende aus der Drangsal herauskommen wird: die Auserwählten Israels (Off 7,1-8) sowie eine große Volksmenge der Heiden (Off 7,9-17). Aber es gibt hier keine Erwähnung von Christen! Sie kommen gerade nicht aus der großen Drangsal heraus, weil sie auch nicht in diese  hineingegangen sind. Wie bereits erwähnt, werden sie schon vor ihrem Beginn in den Himmel gerufen.

Wir wollen auch beachten, dass der Ausruf „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt!“ oft wiederholt wird, während die Gemeinde auf der Erde gesehen wird (Off 2 und 3). Aber nachdem die Gemeinde als herausgenommen angesehen wird (Off 4,1) und die Drangsal ihren Lauf nimmt, ist der Ausdruck etwas verändert. Dann heißt es: „Wenn jemand ein Ohr hat, so höre er!“ (Off 13,9). Der Zusatz „Was der Geist den Versammlungen sagt“ wird bewusst weggelassen! Der offensichtliche Grund dafür ist, dass die Gemeinde als bereits herausgenommen gilt und der Geist sich nicht länger an die Versammlungen wendet.

Dann schließlich, in Offenbarung 19,11-21, am Ende der (großen) Drangsal, sehen wir die Gemeinde als Teil der himmlischen Heerscharen (der himmlischen Heiligen), die mit dem Herrn für seine Kriegsgerichte aus dem Himmel herabkommen. Um aber mit dem Herrn vom Himmel herabkommen zu können (1Thes 3,13; 4,14; Jud 14 usw.), mussten sie zuvor dort aufgenommen werden. Das Einzige, was damit in Verbindung steht, ist die Entrückung, die – wie wir gezeigt haben – vor Beginn der Drangsal liegt.

Wenn außerdem alle Gläubigen aufgenommen werden, um am Ende der Drangsal bei dem Herrn zu sein, wie einige annehmen, wer wird dann übrigbleiben, um die Erde im Tausendjährigen Reich zu bevölkern? Wenn die Gottlosen in die ewige Strafe geschickt werden, wäre die Erde menschenleer! (Die Gläubigen, die mit dem Herrn in die Luft entrückt wurden, kommen nicht zurück, um auf der Erde zu leben. Sie werden über die Erde aus „den höchsten Örtern“ herrschen; vgl. Dan 7,22.27; 2Kor 5,1).

4) Die Befreiung der Gemeinde unterscheidet sich von der Befreiung Israels

In Offenbarung 3,10 wird der Gemeinde verheißen, dass sie „vor“ der kommenden Stunde der Versuchung gerettet wird. Der nächste Vers zeigt, wie: „Ich komme bald“ (Off 3,11). Das ist die Entrückung. Aber beachten wir, dass Israel keine solche Verheißung gegeben wird. Von ihnen wird gesagt, dass sie in der Zeit der Bedrängnis gerettet werden (Jer 14,8). Gott wird in seiner Gnade einen gottesfürchtigen Überrest von ihnen durch die Drangsal hindurch bewahren.

5) Die Gemeinde hat die Verheißung, von dem kommenden Zorn errettet zu werden

Christen werden aufgefordert, „seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat – Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn“ (1 Thes 1,9.10). Über diese Welt kommt Zorn; es ist das Gericht, das in der großen Drangsal geschehen wird. Dieser „Zorn“ wird im Buch der Offenbarung zehnmal erwähnt (Off 6,16.17; 11,18; 14,10.19; 15,1.7; 16,1.19; 19,15). Dabei sollten wir beachten, dass alle Stellen nach den Kapiteln 2 und 3 liegen, die ja die Zeit der Gemeinde auf der Erde darstellen. Dies zeigt, dass die Gemeinde nicht mehr zugegen sein wird, wenn die Gerichte der großen Drangsal ausgegossen werden. Der Herr Jesus wird sie davon befreien, bevor der Zorn fällt (Röm 5,9).

6) Gott hat die Gemeinde nicht zum Zorn bestimmt

In 1. Thessalonicher 5,9.10 steht geschrieben: „Gott hat uns nicht zum Zorn [dem kommenden Gericht] gesetzt, sondern zur Erlangung der Errettung durch unseren Herrn Jesus Christus.“

In diesem Vers bezieht sich die Errettung nicht auf die ewige Errettung der Seele, da uns dies als Christen bereits zu eigen ist. Es gibt jedoch noch einen anderen zukünftigen Aspekt der Errettung in der Bibel. Zum Beispiel sagt Gottes Wort: „Jetzt ist unsere Erlösung näher als damals, als wir gläubig wurden. Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe“ (Röm 13,11; vgl. Röm 5,9; 8,23-25; Eph 4,30; Heb 9,28; 1Pet 1,5). Dieser Aspekt der Errettung bzw. Erlösung ist die Erlösung unseres Leibes, wenn der Herr kommt und uns aus dieser Welt herausnimmt. „Wir erwarten den Herrn Jesus Christus als Heiland, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit Seinem Leib der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen“ (Phil 3,20.21; vgl. 1Kor  15,51-56).

1. Thessalonicher 5,9 sagt uns, dass die Gemeinde dazu gesetzt wurde, um diese Errettung zu erlangen und nicht den Zorn, der über diese Welt kommen wird.

7) Der Ruf ergeht vor der Verkündung von Frieden und Sicherheit

In seinem Brief an die Thessalonicher erwähnt der Apostel Paulus die Entrückung (1Thes 4,15-18) eindeutig vor der Zeit der großen Drangsal, „wenn Frieden und Sicherheit“ durch das Tier und den Antichristen unter dem Schutz des neubelebten Römischen Reiches versprochen werden (1Thes 5,1-3).

Außerdem zeigt ein näherer Blick auf diese Verse, dass diejenigen, die (in Off 4) „entrückt“ wurden, als eine völlig andere Personengruppe angesprochen werden als diejenigen, denen in der Drangsal „Frieden und Sicherheit“ (in 1Thes 5) versprochen wird. Das wird hier durch den Wechsel von der ersten Person Plural hin zur dritten Person Plural deutlich; vom „wir“, wenn es um diejenigen geht, die entrückt werden, hin zum „sie“, wenn es sich auf diejenigen bezieht, denen ein falscher Friede und falsche Sicherheit in der großen Drangsal versprochen wird. Diese Änderung der Adressaten ist nicht zufällig, denn der Geist Gottes zeigt zwei verschiedene Gruppen von Personen an: einerseits die entrückten Gläubigen, die Gemeinde (1Thes 4,15-18), andererseits diejenigen, die zurückgelassen werden, damit sie durch die große Drangsal gehen.

Paulus zählt sich als Christ zu denen, die auf der Erde sein könnten, wenn der Herr (zur Entrückung) kommt, und sagt „wir“ (1Thes 4,17). Es ist bezeichnend, dass er sich nicht zu denen rechnet, die während der Zeit auf Erden sein würden, wenn von dem Tier „Frieden und Sicherheit“ versprochen wird. Das liegt natürlich darin begründet, dass er sich nicht als einer derjenigen betrachtet, die die Drangsal erleben werden.

8) Das Versammeltwerden (zu Ihm hin) kommt vor dem Abfall

In 2. Thessalonicher 2,1-5 stellt der Apostel Paulus die „Ankunft unseres Herrn“ und unser „Versammeltwerden zu ihm hin“ (die Entrückung) zeitlich vor den Aufstieg des Antichristen und den großen „Abfall“, was in der großen Drangsal geschehen wird. Die Abfolge ist klar: Zuerst findet die Hinwegnahme der Gemeinde statt (2Thes 2,1), dann der Abfall des Namenschristentums nach dem Offenbarwerden des Menschen der Sünde, dem Antichristen (2Thes 2,3.4).

Die thessalonischen Gläubigen erlitten wegen ihres Glaubens an Christus Verfolgungen (2Thes 2,4.5). Falsche Lehrer waren unter sie gekommen (2Thes 2,2), die lehrten, dass „der Tag des Herrn“ und das damit verbundene Gericht nahe seien. Diese Lehre machte ihnen zu schaffen, da sie nun dachten, dass sie durch die Schrecken der großen Drangsal gehen müssten. Paulus schrieb diesen zweiten Brief, um die böse Lehre zu entlarven. Er lehrte sie, dass „der Tag des Herrn“ noch nicht über sie kommen könne, denn zuerst müssten zwei Dinge geschehen: die Offenbarung des „Menschen der Sünde“ (Antichrist) und der große Abfall der Namenschristen.

Einige verwechseln den „Tag des Herrn“ mit der Entrückung. Es gibt jedoch keine Schriftstelle, die dies untermauert. Der „Tag des Herrn“ ist ein Tag des Gerichts, der mit der Erscheinung Christi am Ende der großen Drangsal beginnt. Zu diesem Zeitpunkt wird der Herr öffentlich in die Wege des Menschen eingreifen und seine universelle Macht und Herrschaft über Himmel und Erde einnehmen. Der „Tag des Herrn“ wird während der gesamten Dauer der tausendjährigen Herrschaft Christi andauern, bis schließlich (am Ende des Tages des Herrn) die Himmel und die Erde aufgelöst werden (2Pet 3,10).

9) Der Geist Gottes muss zuerst aus dem Weg sein

1. Thessalonicher 2,6-12 zeigt dieselbe Abfolge aus einer anderen Perspektive. Es heiß dort: „Schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur ist jetzt der da, der zurückhält, bis er aus dem Weg ist, und dann wird der Gesetzlose offenbart werden.“ Diese Verse zeigen, dass die Macht des Bösen in dieser Welt heute durch die Gegenwart und Kraft des Heiligen Geistes auf der Erde daran gehindert wird, ihren Höhepunkt zu erreichen. Wenn der Geist bei der Entrückung „aus dem Weg ist“, dann, und erst dann, wird „der Gesetzlose [der Antichrist] offenbart werden“, um viele zu verführen. Auch hier ist die Abfolge klar: Zunächst gibt es eine Wegnahme (2Thes 2,7) des Geistes bei der Entrückung, dann eine Verführung vieler durch den Antichristen in der großen Drangsal.

Einige mögen fragen: Woher wissen wir denn, wann der Geist aus dem Weg sein, gegangen sein wird? – Das wird aus den drei nachfolgenden Schriftstellen ersichtlich, dass dies bei der Entrückung geschehen wird:

  1. Der Herr verhieß seinen Jüngern in der Nacht seines Verrates, dass der Geist Gottes, wenn Er kommt, um seinen Wohnsitz in der Gemeinde zu nehmen, dies für immer sein würde (Joh 14,16.17). Wenn die Gemeinde also bei der Entrückung aus dieser Welt herausgerufen wird, dann wird auch der Geist Gottes mitgehen, denn der Herr sagte, dass Er (der Geist) sie nie verlassen würde.

  2. In den ersten drei Kapiteln des Buches der Offenbarung, wenn die Gemeinde als auf der Erde betrachtet wird, spricht der Geist mehrfach zu den Gemeinden. Aber nach Kapitel 3, wenn die Gemeinde nicht mehr als auf der Erde betrachtet wird, wird der Geist erst wieder in Offenbarung 14,13 und 22,17 erwähnt, die sich auf eine Zeit nach der großen Drangsal beziehen.

  3. In 1. Mose 24 sucht der Diener (ein Vorbild des Geistes Gottes) eine Braut (ein Vorbild der Gemeinde) für Isaak (ein Vorbild auf Christus). Als die Braut gewonnen war, geleitete der Diener sie nach Hause zu Isaak, der bereits auf sie wartete. Genauso wie der Diener mit der Braut nach Hause gegangen ist, so wird auch der Heilige Geist mit der Gemeinde nach Hause in den Himmel gehen, wenn der Herr für uns kommt. Das bedeutet nicht, dass der Geist Gottes nach der Entrückung aufhört, auf Erden zu wirken. Er wird weiterhin vom Himmel aus auf Erden arbeiten, wie Er es auch schon in alttestamentlichen Zeiten getan hat, zum Beispiel um Seelen zu erwecken.

Diese drei Stellen zeigen, dass der Geist nicht mehr auf der Erde wohnen wird, nachdem die Gemeinde bei der Entrückung aus dieser Welt herausgerufen wird.

10) Christus wird für seine Gemeinde kommen, bevor die Ereignisse der Endzeit geschehen

In 1. Korinther 15,23.24 lesen wir: „Der Erstling, Christus, danach die, die des Christus sind bei seiner Ankunft; dann das Ende.“ Beachten wir die Reihenfolge: Zuerst wird Christus auferweckt, gefolgt von denen, die zu Ihm gehören (was bei der Entrückung geschieht, 1Thes 4,15-18), danach „das Ende“. Dieses „Ende“ bezieht sich ganz allgemein auf alle Ereignisse der Endzeit, inklusive der großen Drangsal und dem darauffolgenden Tausendjährigen Reich (Mt 13,39; 24,3-14; Dan 11,40; 12,4.8.9.13). Könnte es noch deutlicher sein? Das Volk des Herrn wird in den Himmel gebracht, bevor „das Ende“ kommt.

11) Es gibt keine Anweisungen für Christen während der Drangsal

Diejenigen, denen in Matthäus 24,16-26 und Markus 13,14-18 befohlen wird, (während der Drangsalszeit) zu fliehen, sind eindeutig Juden und keine Christen. Wären Christen jedoch tatsächlich dazu bestimmt, durch die große Drangsal zu gehen – warum werden ihnen dann, im Gegensatz zu den Juden, keine Anweisungen gegeben, wie sie sich darauf vorbereiten und wie sie sich dann verhalten sollen? Der offensichtliche Grund dafür ist, dass es in der Drangsal keine Christen geben wird.

Es stimmt, dass sich in dieser Zeit Tausende im Glauben zu Gott wenden werden (Off 7,9), aber sie sind keine Christen. Die Menge der Heiden, die dann unter den Segen kommen wird, wird wiedergeboren werden und einen Platz im Königreich Christi auf der Erde haben (Off 7,10-17). Christen hingegen werden vom Herrn bereits von der Erde hinaufgerufen worden sein, damit sie die Ewigkeit mit Ihm im Himmel verbringen.

12) Die Tatsache, dass das Evangelium von der Gnade Gottes nicht während der großen Drangsal gepredigt wird, zeigt, dass die Entrückung bereits geschehen sein wird

„Das Evangelium der Gnade Gottes“ (Apg 20,24), das heute gepredigt wird, und „das Evangelium des Reiches“ (Mt 4,23; 24,14), das in der großen Drangsal gepredigt wird, unterscheiden sich völlig voneinander. Es sind dies zwei verschiedene Evangelien, die für zwei unterschiedliche Zwecke gepredigt werden. Das Evangelium der Gnade Gottes ruft die Menschen für den Himmel heraus; das Evangelium des Reiches ruft die Menschen zum Segen auf Erden. Das Evangelium, das heute ausgeht, beinhaltet eine himmlische Hoffnung, Berufung und Bestimmung für diejenigen, die glauben (Kol 1,5; 1Pet 1,4; Phil 3,20; 2Kor 5,1.2; Heb 3,1). Hingegen enthält das Evangelium des Reiches, das in der Drangsal gepredigt werden wird, einen irdischen Segen unter der Herrschaft Christi im Tausendjährigen Reich (Mt 24,14; Ps 96).

Das Evangelium des Reiches verkündet die gute Nachricht, dass das im Alten Testament verheißene Königreich (2Sam 7,16; Dan 2,44.45; 7,9-27) kurz vor der Errichtung steht; und diejenigen, die den König im Glauben empfangen, werden Anteil an dessen irdischem Segen haben. Dieses Königreich wurde beim ersten Kommen des Herrn durch Johannes den Täufer gepredigt (Mt 3,1.2). Der Herr und seine Jünger predigten es ebenso (Mt 4,23; 10,7). Ihre Absicht damit war, die Nation zur Buße aufzurufen, damit sie in einem Zustand wäre, in dem sie den König empfangen könnte. Hätten sie Ihn derart empfangen, hätte Er das Königreich errichtet, so wie es von den alttestamentlichen Propheten vorhergesagt worden war. Aber leider lehnte Israel seinen König ab und verpasste somit die Gelegenheit, dass das Königreich in all seiner Macht und Herrlichkeit unter ihnen aufgerichtet wird. Als Israel seinen König ablehnte, wurde das Evangelium vom Königreich nicht mehr verkündet, weil ihnen das Königreich auch nicht mehr angeboten wurde. Gott hat das Evangelium seiner Gnade stattdessen an die Nationen in die Welt ausgesandt, um aus ihnen „ein Volk zu nehmen für seinen Namen“ (Apg 15,14; vgl. Apg 13,44-48; Röm 11,11). Und dieses Evangelium wird auch heute noch gepredigt. Das Evangelium des Reiches wird vom jüdischen Überrest wieder gepredigt werden, nachdem die Gemeinde in den Himmel gerufen sein wird. Zu jener Zeit wird Gott seine Beziehungen zu Israel dort wieder aufgreifen, wo Er vor fast 2000 Jahren aufgehört hat. Israel wird an einem kommenden Tag gerettet werden (d.h. ein Überrest von ihnen, Röm 9,6-8; 11,26.27), und das Königreich wird durch Macht eingesetzt werden (Off 11,15).

Hierbei müssen wir beachten, dass es keine Erwähnung des Evangeliums der Gnade Gottes für die Zeit der großen Drangsal gibt, das gepredigt würde, sondern nur des Evangeliums des Reiches (Mt 24,14). Der offensichtliche Grund dafür ist, dass dieses Evangelium die Gläubigen (Christen) als zur Gemeinde zugehörig beruft. Und da die Gemeinde nicht in der großen Drangsal sein wird, wird sie auch nicht erwähnt.

Gott sendet nicht zwei verschiedene Evangelien gleichzeitig aus. Das wäre Verwirrung und würde die himmlische Berufung mit der irdischen mitsamt ihren Hoffnungen und Bestimmungen vermischen. Wenn wir diesen Punkt verstehen, erkennen wir, dass es unmöglich ist, dass sich die Gemeinde und der gläubige jüdische Überrest gleichzeitig in der Drangsalszeit auf der Erde befinden. Wenn es so ist, dass das Evangelium der Gnade Gottes Gläubige aus den Juden und aus den Nationen herausruft und sie der Gemeinde hinzufügt, dann würde jedes Mal, wenn ein Jude dem Evangelium glaubt, aus seiner bisherigen Stellung herausgenommen und der Gemeinde hinzugefügt werden (Röm 11,5; Gal 6,16: „den Israel Gottes“). Dann aber würde es nie einen gläubigen jüdischen Überrest geben! Eine sorgfältige Betrachtung dieser Tatsache beweist, dass die Gemeinde und der jüdische Überrest nicht gleichzeitig auf Erden sein können.

Vorbilder im Alten Testament, die bestätigen, dass die Gemeinde nicht durch die große Drangsal gehen wird

Es gibt viele alttestamentliche Vorbilder, die die Tatsache bestätigen, dass die Gemeinde nicht durch die große Drangsal gehen wird. Wenn man etwas anderes lehrt, zerstört man die Wahrheit, die der Geist Gottes in diesen herrlichen Bildern vermitteln will.

13) Henoch und Noah (1Mo 5,21–9,17)

Henoch ist ein bekanntes Vorbild auf die Gemeinde. Er wandelte in Gemeinschaft mit Gott und warnte die Welt vor dem kommenden Gericht (Jud 14.15). Dann wurde er in den Himmel aufgenommen. Henoch hatte den Vorzug, den Tod nicht zu sehen; er wurde lebendig in den Himmel entrückt (Heb 11,5). Hieran kann man erkennen, dass Henoch in den Himmel entrückt wurde, bevor die Erde vom Gericht Gottes getroffen wurde. Die (anschließende) Flut ist ein Vorbote des Gerichtes, das in der Drangsal über die Welt kommen wird (vgl. 2Pet 3,3-10; Lk 17,26.27). Noah und seine Familie gingen in der Arche durch die Flut hindurch; sie sind ein Bild für den verschonten jüdischen Überrest, der von Gott in der Drangsal bewahrt werden wird.

14) Abraham und Lot (1Mo 18–19)

Abraham, der in enger Gemeinschaft mit dem Herrn lebte, ist ein Bild des himmlisch gesinnten Christen, der in Gemeinschaft mit Gott lebt. Lot, der in die Dinge von Sodom verstrickt war, ist ein Bild des irdisch gesinnten Christen, der für die Interessen dieser Welt lebt. Gott war kurz davor, das Gericht über Sodom auszugießen, aber Er würde es nicht tun, bis Lot zuerst aus Sodom geflohen wäre. Der Engel sagte zu Lot: „Eile, rette dich dorthin; denn ich kann nichts tun, bis du dorthin gekommen bist“ (1Mo 19,22). Genauso kommt das Gericht in der kommenden Drangsalszeit über diese Welt. Aber Gott wird nicht zulassen, dass auch nur ein einziger Schlag davon eintrifft, solange Er nicht jeden Christen aus der Welt herausgenommen hat, unabhängig davon, wie weltlich er lebt – wie es Lot leider veranschaulicht (2Pet 2,7.8).

15) Lea und Rahel (1Mo 28–30)

Jakob, der von seinem Vater ausgesandt wurde, ist ein Bild davon, wie Gott, der Vater, seinen Sohn, den Herrn Jesus Christus, in diese Welt sendet (1Joh 4,14). Jakob verließ das Haus seines Vaters aus zwei Gründen: erstens wegen der Sünde (1Mo 27) und zweitens, um sich eine Braut zu nehmen (1Mo 28,2). Als Jakob in das ferne Land kam, sah er Rahel auf dem Feld (die ein Vorbild von Israel ist) und wollte sie zu seiner Frau nehmen. Aus Liebe zu ihr stimmte Jakob zu, sie durch seine eigene persönliche Mühsal zu erwerben. Dies ist ein Abbild des Dienstes und der Mühsal des Herrn Jesus Christus am Kreuz, damit Er auf der Grundlage der Erlösung mit Israel in Beziehung sein könnte.

Als Jakob Rahel als Braut empfangen sollte, wurde er auf verräterische Weise von ihrem Vater Laban betrogen, so dass er nicht sie erhielt, sondern stattdessen Lea. Lea ist ein Vorbild der Gemeinde. Gott hat zugelassen, dass dies dem Jakob geschah, damit wir diesen wunderbaren Vorgeschmack auf seine Wege mit Israel und mit der Gemeinde haben. Es ist die Geschichte von Gottes Wegen mit den Menschen (Gottes Haushaltungen): Als der Herr kam (sein erstes Kommen), war es für Israel, das Er liebte. Aber als nicht sie zu Ihm gebracht wurden (Jes 49,4.5), gab Gott dem Herrn stattdessen die Gemeinde, damit Er eine Braut haben konnte. Nachdem Lea dem Jakob gegeben war, erhielt er später auch Rahel. Dies weist auf die Zeit hin, in der die Vollzahl der Nationen eingebracht wird und die Berufung der Gemeinde vollendet ist (Apg 15,14; Röm 11,25). Gott wird Israel zum Herrn bringen, damit Er sie als seine irdische Braut habe (Hos 2,16.17; Jes 62,4.5).

Jakob hatte zwei Bräute: Lea (Vorbild für die Gemeinde) wurde zuerst empfangen, obwohl er seine Bemühungen zuerst auf Rahel (ein Vorbild für Israel) gerichtet hatte. Während Leas Mutterleib offen und fruchtbar für die Geburt von Kindern war, war Rahels Mutterleib unfruchtbar (1Mo 29,31). Das entspricht der heutigen Zeit: Während die Gemeinde Frucht für Gott bringt, ist Israel unfruchtbar (Jes 54,1; Hos 3,4; Mt 21,19-21).

Der wichtige Punkt dabei ist, dass Lea sieben (eine Zahl, die die Vollzahl andeutet) Kinder zur Welt gebracht hatte, bevor Rahel anfing, Geburtswehen zu haben, um ihre Kinder zur Welt zu bringen (1Mo 30,22; 35,16). Rahels Geburtswehen sind ein Bild von Israels zukünftiger Prüfung in der (großen) Drangsal (Jes 66,7.8; Jer 30,6.7; Mich 4,9.10; 5,3; 1Thes 5,3). Was wir doch für eine erstaunliche Genauigkeit in diesen Vorbildern sehen! Dies zeigt, dass die Gemeinde ihren Lauf und ihr Zeugnis des Fruchtbringens in dieser Welt beendet haben wird, bevor Israel (die echten Juden) in seine Zeit der Geburtswehen in der großen Drangsal eintreten wird.

16) Joseph und Asnat (1Mo 37–50)

Joseph (oder Zaphnat-Pahneach, d.h. „Retter der Welt“, 1Mo 41,45) ist ein weiteres bekanntes Vorbild auf den Herrn Jesus Christus. Er wurde von seinen Brüdern, die ein Vorbild auf die jüdische Nation sind (1Mo 37), abgelehnt und zu den Nationen ins Ausland verschleppt (1Mo 39–41). Nachdem er nach Ägypten gebracht worden war, gab es in diesem Land eine Zeit des Segens, gefolgt von einer Zeit der Hungersnot. Die Zeit des Segens entspricht der gegenwärtigen Haushaltung der Gnade. Und die Zeit der Hungersnot entspricht der kommenden Drangsalszeit. Es ist interessant, festzustellen, dass Joseph, während er von seinen Brüdern (ein Vorbild auf die Juden) getrennt war, eine Braut aus den Nationen erhielt: Asnat (1Mo 41,45). Er erhielt sie in der Zeit des Überflusses, bevor die Hungersnot kam! Asnat ist ein Vorbild auf die Gemeinde. Bevor die Hungersnot begann, wurde sie in sein Haus gebracht, um seinen königlichen Platz auf dem Thron Ägyptens zu teilen. Auch das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Gemeinde vor der Zeit der Drangsal zur Herrlichkeit geführt wird. Während der Zeit der Hungersnot bemühte sich Joseph, die Beziehung zu seinen Brüdern wiederherzustellen (1Mo 42–45). So wird Christus auch mit Israel in der großen Drangsal handeln, um sie wieder zu Sich zurückzubringen: zunächst die zehn Brüder Josephs (ein Vorbild des jüdischen Überrestes), die sich der Ablehnung schuldig gemacht hatten (1Mo 45,1-15); danach wurde die ganze Familie zu ihm gebracht und mit ihm wiedervereint (1Mo 46). Letztere sind ein Vorbild der Stämme Israels, die zum Herrn zurückgebracht werden, nachdem die Juden zu Ihm zurückgebracht wurden (Mt 24,30.31).

17) Mose und Zippora (2Mo 1–12)

Mose ist ein weiteres Vorbild auf den Herrn Jesus Christus. Er war der von Gott bestimmte Befreier für die Kinder Israels, die sich unter der tyrannischen Knechtschaft des Pharaos in Ägypten befanden (2Mo 3,10; Apg 7,35). Der Pharao, Herrscher über Ägypten, ist ein Vorbild Satans, den Gott und Fürsten dieser Welt. Mose hatte Verlangen nach seinem Volk und sehnte sich danach, dass es befreit würde. Als er zu ihnen kam, tötete er einen ihrer ägyptischen Unterdrücker und offenbarte dadurch seinen Wunsch, ihren Feind zu besiegen und sie aus ihrer Knechtschaft zu befreien. Aber seine Bemühungen wurden von seinen Brüdern völlig missverstanden; sie sagten: „Wer hat dich zum Obersten und Richter über uns eingesetzt?“ (Apg 7,35; 2Mo 2,14). Folglich lehnten sie ihn ab. Das ist typisch für die Juden, die auch den Herrn bei seinem ersten Kommen abgelehnt haben. Im Grunde sagten sie über Ihn dasselbe: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!“ (Lk 19,14; Joh 1,11).

Weil Mose verworfen wurde, floh er vor seinem Volk in das Land Midian (2Mo 2,11–4,19). In dieser Zeit des Getrenntseins von seinen Brüdern empfing er eine heidnische Frau: Zippora (2Mo 2,21). Sie ist ein weiteres Vorbild auf die Gemeinde. Zippora schenkte Mose einen Sohn, denn sie Gersom nannten, was „ein Fremder hier“ bedeutet. Dies spricht von dem Wesen, das die Gemeinde in dieser Welt als Pilger und Fremde haben sollte (1Pet 2,11).

Hier ist es wichtig, zu sehen, dass Mose seine heidnische Frau empfing, bevor die zehn Plagen auf Ägypten zu fallen begannen, die wiederum ein Vorbild der Gerichte in der Drangsal sind, die auf diese Welt fallen werden.

Nach vielen Jahren sandte Gott Mose zu seinem Volk Israel zurück, die noch immer unter ihren heidnischen Unterdrückern litten (ein Vorbild der „Zeiten der Nationen“, Lk 21,24; 2Mo 3,10; 4,19). Mose kehrte in das Land Ägypten zurück und begann, sich seinen Brüdern zu zeigen, die ihn einst verworfen hatten. Dies ist ein Vorgeschmack darauf, dass der Herr seine Beziehungen zur Nation Israel wiederaufnimmt, nachdem Er die Gemeinde zu sich in den Himmel geholt hat. Als Mose zu seinen Brüdern in Ägypten zurückkehrte, begann Gott, das Gericht über dieses Land in Form der zehn Plagen zu bringen (2Mo 7–12,36). Gott bewahrte Israel auf wunderbare Weise inmitten all dieser Gerichte, die für sie Zeichen der Bestätigung wurden, dass Gott zu ihren Gunsten handelte (Ps 78,43; 105,27; 2Mo 7,3; 8,22.23). Das spricht davon, wie Gott einen Überrest Israels während der großen Drangsal bewahren wird (Off 7,1-8). Aber wo war Zippora die ganze Zeit über, während die Gerichte über Ägypten fielen? Sie befand sich nicht im Land Ägypten! Mose hatte sie nämlich zurück ins Land Midian geschickt, bevor die Gerichte anfingen (2Mo 18,1.2). Sie erschien erst auf dem Schauplatz, nachdem alle Gerichte über Ägypten hinweggegangen und die Kinder Israels befreit waren. Ebenso wird die Gemeinde nicht öffentlich erscheinen, bevor die großen Drangsal vorüber ist und der Herr wiederkommt, um seine Braut einer staunenden Welt zu zeigen (2Thes 1,10).

18) Das Gericht über Jericho (Jos 2–6)

Die Gerichtsstrafe wurde über Jericho und die Bewohner Kanaans verkündet (2Mo 23,27). Bevor das Gericht über diese Stadt kam, bot Gott denjenigen, die glaubten, einen Zufluchtsort unter dem Zeichen der „Karmesinschnur“ (Jos 2) an. Dieses Vorbild sagt die Geschichte des Gerichtes vorher, das bald auf diese schuldige und zum Untergang verurteilte Welt fällt. In seiner Gnade gewährt Gott all denen eine Zuflucht, die an das Evangelium unter dem Blut Christi glauben. In Josua 6 fiel das Gericht wie angekündigt auf Jericho. Aber bevor es dazu kam, brachte Josua zuerst die Wüstenreise der Kinder Israel zum Abschluss, indem er sie in das verheißene Land brachte. Es ist bedeutsam, dass die Kapitel, die sich mit der Einführung Israels in das Land Kanaan (Jos 3–4) beschäftigen, vor dem Gericht über Jericho stattfanden (Jos 6). Ebenso wird der Herr Jesus, bevor das Gericht über diese Welt hereinbricht, wie Josua im Vorbild die lange Wüstenreise der Gemeinde in dieser Welt beenden, indem Er sie in ihr himmlisches Kanaan ruft. Es ist auch bemerkenswert, dass das Gericht über Jericho zur Zeit der Ernte geschah (Jos 3,15). Das Gericht dieser Welt wird ebenfalls als Ernte bezeichnet (Mt 13,39-42; Off 14,15-20; Joel 3,9-16).

Schriftstellen, mit denen man die falsche Lehre untermauern will, dass die Gemeinde durch die Drangsal gehen werde

In dem Bestreben, denjenigen eine Hilfe zu sein, die in dieser Sache vielleicht noch Schwierigkeiten haben, sollen drei Schriftstellen beleuchtet werden, die man hauptsächlich benutzt, um zu lehren, die Gemeinde werde durch die große Drangsal gehen. Bei jeder dieser Bibelstellen möchten wir mit Gottes Hilfe aufzeigen, wie der Fehler entstanden ist und was der Abschnitt eigentlich bedeutet. Denn die meiste Verwirrung entsteht dadurch, dass die Bibel nicht sorgfältig und unter Gebet gelesen wird.

1) 1. Thessalonicher 2,2.3

2Thes 2,2.3: Lasst euch nicht schnell in der Gesinnung erschüttern noch erschrecken, weder durch Geist noch durch Wort noch durch Brief als durch uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. Lasst euch von niemand auf irgendeine Weise verführen, denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens.

Dies wurde so verstanden, als ob der Tag des Kommens des Herrn für seine Gemeinde (die Entrückung) erst nach dem Auftreten des Antichristen und dem Abfall in der großen Drangsal geschehen werde. Da der Antichrist in der Drangsal offenbar wird und „der Tag des Herrn“ danach beginnt, müsse die Gemeinde demnach in der Drangsal sein.

Dabei wird hier fälschlicherweise angenommen, dass „der Tag des Herrn“ die Entrückung sei. Die Schrift sagt jedoch, dass der Tag des Herrn bei der Erscheinung Christi beginnt und nicht bei der Entrückung, denn es heißt: „ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt“ (Apg 2,20). In der Bibel gibt es etwa zwanzig Hinweise auf den „Tag des Herrn“. Einige von ihnen beziehen sich auf den Beginn bei der Erscheinung Christi (2Thes 2,2; 2Pet 3,10; 1Thes 5,2, u.a.); andere warnen davor, dass dieser Tag „nahe ist“, gekennzeichnet durch den Angriff des Königs des Nordens, der kurz vor dessen Beginn stattfinden wird (Joel 1,15; 2,11; Zeph 1,7-20; Sach 14,1.2, u.a.). Aber es gibt keine Schriftstellen, die aussagen, dass die Entrückung der Heiligen am „Tag des Herrn“ stattfindet. Wenn nun Andersdenkende darauf bestehen, dass der Herr die Gemeinde am „Tag des Herrn“ in den Himmel führe, dann möge man das mit Schriftstellen belegen. Solche Gedanken kommen daher, dass die Schrift nicht sorgfältig erforscht wird (Apg 17,11; 2Tim 2,15).

„Der Tag des Herrn“ ist ein Tag des Gerichts, der mit der Erscheinung Christi beginnt (2Pet 3,4.8-10), nicht schon mit der Entrückung. „Der Tag des Herrn“ ist die Zeit, in der Christus öffentlich in die Wege des Menschen eingreifen wird, indem Er seine universelle Macht und Autorität im Gericht auf der Erde geltend macht, und wird tausend Jahre dauern (2Pet 3,8-10) – das Tausendjährige Reich. Bei der Entrückung macht der Herr seine Rechte auf der Erde nicht durch gerichtliches Eingreifen öffentlich geltend: Er nimmt die Gemeinde zu sich in den Himmel und lässt dann das Böse in der Welt wirken, so dass die westliche Welt den Antichristen empfangen wird. Die Entrückung wird nie als ein Tag des Gerichts für diese Welt betrachtet, sondern als eine Zeit, in der der Bräutigam und die Braut freudig miteinander vereint werden.

Wenn wir diese einfachen und grundlegenden Dinge über den „Tag des Herrn“ verstehen, erkennen wir auch sofort, dass Paulus in 2. Thessalonicher 2,2.3 gar nicht über die Entrückung spricht. Vielmehr zeigte er den Thessalonichern, dass „der Tag des Herrn“ und die damit einhergehenden Gerichte nicht über sie kommen konnten, da zuerst der Antichrist kommen und der große Abfall der bekennenden Christenheit geschehen müssten.

Leider gibt es heute immer noch solche, die den gleichen Fehler machen, der schon den Thessalonichern Mühe machte. Sie verunsichern andere Gläubige, indem sie sie auffordern, sich auf die große Drangsal vorzubereiten, weil die Gemeinde durch sie gehen werde. Auch verwenden sie ironischerweise (im Prinzip) die gleichen drei Methoden, um ihren Fehlschluss zu belegen, wie es schon die falschen Lehrer zu Paulus’ Zeiten taten!

  1. Erstens „durch Geist“ (2Thes 2,2): Die falschen Lehrer behaupteten, sie hätten es durch eine geistliche Offenbarung vom Herrn empfangen.
  2. Zweitens „durch Wort“ (2Thes 2,2): Die Irrlehrer wandten das Alte Testament falsch an, um ihre fehlerhafte Lehre zu unterstützen.
  3. Dann schließlich „durch Brief, als durch uns“ (2Thes 2,2): Sie waren tatsächlich so weit gegangen, einen Brief über ihre irrigen Vorstellungen zu schreiben, und behaupteten, er sei von Paulus.

Diejenigen, die diese falsche Lehre noch heute bringen, behaupten oft, sie durch eine besondere Offenbarung von Gott empfangen zu haben. Sie versuchen auch, die Schrift zur Unterstützung heranzuziehen. Ja, sie benutzen sogar die Schriften des Paulus (wie in diesem Abschnitt) und lehren, er habe gelehrt, dass die Gemeinde durch die große Drangsal gehen müsse.

Ein weiterer Grund, warum diese Auslegung falsch ist, liegt darin begründet, dass sie die nah bevorstehende Ankunft des Herrn zunichtemacht: Das Kommen des Herrn (die Entrückung) wird in der Schrift immer als etwas dargestellt, was jederzeit stattfinden könnte.  Diejenigen, die denken, dass die Gemeinde durch die Drangsal gehen müsse, verwerfen somit den Gedanken, dass Er jeden Moment kommen könnte. Denn sie denken, dass dies ein direkter Angriff gegen ihre Auslegung von 2. Thessalonicher 2,2.3 sei, wonach der Antichrist zuerst offenbart werden müsse. Paulus und die anderen Apostel waren jedoch bemüht, der Gemeinde die Nähe des Kommens des Herrn vor Augen zu stellen, damit sein Kommen eine gegenwärtige Hoffnung sei. Paulus sagte:

  • Phil 3,20.21: Unser Bürgertum ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Heiland erwarten, der unseren Leib der Nichtigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit.

  • Heb 10,37: Noch eine ganz kleine Zeit, und der Kommende wird kommen und nicht ausbleiben.

  • Röm 13,11.12: Jetzt ist unsere Erlösung näher als damals, als wir gläubig wurden. Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.

  • 1Thes 4,16.17: Der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft.

In diesem letzten Vers zählte sich Paulus selbst unter diejenigen, die auf das Kommen des Herrn warteten, indem er „wir“ sagt (siehe auch 1Kor 15,51.52). Das war etwas, worauf er schon in den frühen Tagen der Gemeinde hoffte. auch Jakobus sagt:

  • Jak 5,7: Die Ankunft des Herrn ist nahe gekommen.

Ebenso sagt Petrus:

  • 1Pet 4,7: Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge.

Und Johannes schreibt:

  • 1Joh 2,18: Kinder, es ist die letzte Stunde.

Dies zeigt, dass die Apostel in einer Weise dienten, dass sie das Kommen des Herrn als unmittelbar bevorstehend ansahen.

Zu lehren, dass bestimmte Ereignisse noch stattfinden müssten, bevor der Herr kommt (z.B. das Offenbarwerden des Antichristen und die Schrecken der großen Drangsal), wäre ein direkter Widerspruch zur Lehre der Apostel. Auch zerstört so etwas das nahe Bevorstehen der „glückseligen Hoffnung“ (Tit 2,13).

Wenn man aber der Gemeinde diese „glückselige Hoffnung“ wegnimmt, dann hat dies den traurigen Effekt, dass sie sich in dieser Welt verwurzelt. Und genau das ist zu einem großen Teil geschehen. Im Wesentlichen sagt man: „Mein Herr bleibt noch aus“ (Mt 24,48). Und aus genau diesem Grund hat uns der Herr nie gesagt, wann Er zurückkehren würde. Doch Folgendes hat Er gesagt: „Ich komme bald“ (Off 22,20).

2) Offenbarung 11,15

Eine weitere Schriftstelle, die angeführt wird, um zu beweisen, dass die Gemeinde durch die Drangsal gehen müsse, ist Offenbarung 11,15:

Off 11,15: Der siebte Engel posaunte: Und es geschahen laute Stimmen in dem Himmel, die sprachen: Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Dieser Vers zeigt, dass der Herr kommt (seine Erscheinung), wenn die siebte und letzte Posaune am Ende der großen Drangsal geblasen wird und Er dann durch Gericht die Königreiche dieser Welt in Besitz nehmen wird. Es wurde angenommen, das sei „die letzte Posaune“, von der bei der Entrückung die Rede ist (1Thes 4,15-18; 1Kor 15,51.52). Deshalb werde die Gemeinde auf der Erde sein, um die in Offenbarung 6–11 beschriebene Stunde der Prüfung durchzumachen, die der siebten Posaune in Offenbarung 11,15 vorausgeht. Es wird gelehrt, dass die Gemeinde hinaufgeholt werde, um dem Herrn in der Luft zu begegnen, genauso wie der Herr aus dem Himmel herabkomme, um die Welt zu richten.

Diese Auslegung ist sehr problematisch, denn das Wort Gottes lehrt, dass zwischen der Zeit, in der die Gemeinde in den Himmel gebracht wird, und der Zeit, wenn der Herr aus dem Himmel zurückkehrt, um die Welt zu richten, zunächst eine Reihe von Dingen geschehen müssen, wie es Offenbarung 11,15 zeigt. Es wäre unmöglich, dass nach dieser Auslegung all diese Dinge in diesem kurzen Moment geschehen („in einem Nu, in einem Augenblick“, 1Kor 15,52). Nachdem der Herr die Seinen durch die Entrückung in das Vaterhaus gebracht hat (Joh 14,2.3), wird Er sie sich an seinen Tisch setzen lassen, damit ihnen himmlisches Glück und unaussprechliche Freude zuteilwird (Lk 12,37). Danach wird der Richterstuhl Christi aufgerichtet und das Leben der Gläubigen wird beleuchtet und entsprechend belohnt werden (2Kor 5,10 usw.). Die Gläubigen werden auch eine Zeit des Lobpreises für Gott und den Herrn Jesus Christus am Thron im Himmel haben. In dieser Zeit werden sie in demütiger Anbetung Ihm ihre Kronen zu Füßen legen (Off 4–5). Danach findet die Hochzeit des Lammes im Himmel statt, gefolgt vom Hochzeitsmahl mit den vielen Gästen des Himmels (den Freunden des Bräutigams), die ebenfalls daran teilnehmen werden (Off 19,7.8). All diese Dinge müssen nach der Entrückung geschehen, doch vor seiner Erscheinung auf der Erde. Wie aber könnten all diese Dinge geschehen, wenn die Heiligen in die Luft aufgenommen und dann sofort wieder mit dem Herrn (bei seiner Erscheinung) herabgebracht würden?

3) Matthäus 24,29-31

Hier noch eine weitere Schriftstelle, die verwendet wird:

Mt 24,29-31: Sogleich aber nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden alle Stämme des Landes wehklagen, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her.

Es wird angenommen, dass sich das Kommen des Herrn an dieser Stelle auf die Entrückung beziehe, und demzufolge legt man den Zeitpunkt der Entrückung unmittelbar nach der großen Drangsal. Man kommt so zu dem Schluss, dass die Gemeinde durch die Drangsal gehen werde.

Die hier ertönende Posaune ist jedoch nicht identisch mit der Posaune Gottes, die bei der Entrückung ertönt, sondern vielmehr mit der aus Jesaja 27,13; Psalm 81,3 usw. Diese ruft die zehn Stämme Israels zurück in ihr Land. Außerdem sind hier die „Auserwählten“ nicht die Gemeinde, sondern die Auserwählten Israels (Mt 24,24; Jes 45,4; 65,9; Off 7,1-8; Röm 11,28 usw.).

Das grundlegende Missverständnis besteht also in der Verwechslung von Entrückung und Erscheinung. Einige hauptsächliche Unterschiede sind folgende:

  • Das Kommen des Menschensohnes wird nie als Entrückung bezeichnet; es ist immer die Wiederkunft, die Erscheinung Christi.

  • Die Entrückung ist das Kommen des Herrn für die Seinen (Joh 14,3), während das Kommen des Menschensohnes das Kommen des Herrn mit den Seinen bei seiner Erscheinung ist (1Thes 3,13; 4,14; Jud 14).

  • Die Entrückung ist ein Geheimnis, das erst in neutestamentlicher Zeit bekannt wurde (Joh 14,2.3; 1Kor 15,51.52; 1Thes 4,15-18). Aber das Kommen des Menschensohnes ist etwas, was schon den Gläubigen im Alten Testament bekannt war, weil die Propheten davon sprachen (Dan 7,13.14).

  • „Der Menschensohn“ ist ein Titel, den der Herr annimmt, wenn Er kommt, um die Welt zu richten. Bei der Entrückung kommt der Herr aber nicht, um die Welt zu richten, sondern um seine Braut in den Himmel zu holen.

  • Bei der Entrückung sendet der Herr seine Engel nicht aus, um die Gemeinde (die Braut) zu sammeln, sondern Er kommt, um sie für sich selbst zu nehmen (1Thes 4,16; 2Thes 2,1).

Die Vorstellung einer teilweisen Entrückung

Einige Christen glauben, dass es eine teilweise Entrückung geben werde. Das ist absurd und nicht notwendig zu kommentieren. Denn könnten wir uns vorstellen, dass der Herr nur einen Teil seiner Braut in den Himmel bringt? Was würde Er im Himmel mit einer halben Braut tun? Wie könnte die Hochzeit des Lammes mit nur der Hälfte der anwesenden Braut stattfinden? Welche Schriftstelle haben wir dafür? Lasst uns „alles prüfen, das Gute aber festhalten“ (1Thes 5,21).


Originaltitel: „The Church will not go through the Tribulation“
aus An Outline of Prophetic Events
Christian Truth Publishing, Kanada, 2012

Übersetzung: Frank Cisonna


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...