„Der eine Leib“ vs. „Die Einheit der Versammlungen“

Frank Binford Hole

© SoundWords, online seit: 14.11.2012, aktualisiert: 24.05.2019

Was ist eine „Haushaltung“ oder „Verwaltung“?

In der King-James-Übersetzung erscheint das Wort dispensation („Haushaltung“) im Brief an die Epheser zweimal, und zwar in Epheser 1,10 und 3,2. In beiden Fällen bedeutet das hier übersetzte griechische Wort „Hausordnung“. Da es eng verbunden ist mit dem Wort für „Verwalter“, wird es manchmal mit „Verwaltung“ übersetzt [Anm. d. Red.: so auch in der Elberfelder Übersetzung]. Ganz allgemein können wir sagen, dass eine Verwaltung die Regierung oder die Ordnung ist, die Gott zur jeweiligen Zeit einführen möchte.

Das Geheimnis der zukünftigen Verwaltung

Eph 1,9.10: … 9 indem er uns kundgetan hat das Geheimnis seines Willens, nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgesetzt hat in sich selbst 10 für die Verwaltung der Fülle der Zeiten: alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln, und das, was auf der Erde ist, in ihm.

Epheser 1,10 schaut voraus auf die herrliche Herrschaft, die in dem kommenden Zeitalter aufgerichtet werden wird. Der besondere Höhepunkt dieser Herrschaft wird die Vereinigung aller Dinge im Himmel und auf Erden unter einem Haupt – Christus – sein. In Verbindung damit gab es ein Geheimnis, „das Geheimnis seines Willens“ (Eph 1,9); doch das Geheimnis ist nun ein offenes Geheimnis für „uns“, d.h. für die Heiligen dieser jetzigen Haushaltung. Das kommende Zeitalter ist das Thema vieler glühender alttestamentlicher Schriftstellen, die sicherlich die Herzen der Heiligen in der Zeit vor Christus entflammt haben. Sie beleben und beflügeln auch heute noch unsere Herzen; dennoch werden wir entdecken, dass diese Verse vom messianischen Zeitalter der Herrlichkeit reden, wenn Israel sich unter dem Messias sammelt und zum Oberhaupt über die Nationen wird und die Nichtjuden erst an zweiter Stelle gesegnet werden. Nur in einzelnen Fällen, wie z.B. in Hosea 2,21, wird auf die himmlische Sphäre angespielt. Gottes Wille in dieser Hinsicht umfasste allerdings mehr als nur Irdisches. Nach seinem Wohlgefallen beschloss Gott, eine umfassendere und größere Einheit der Herrlichkeit zu schaffen, nicht nur die aller Dinge auf Erden (bestehend aus Israel und den Nationen), sondern auch die aller Dinge im Himmel (bestehend aus der Kirche und den Engelscharen): Sie alle sollten ihr einigendes Haupt in Christus finden. Kein alttestamentlicher Heiliger hatte jemals dieses Geheimnis erahnt, aber uns ist es in vollem Umfang offenbart worden.

Diese Verwaltung liegt noch in der Zukunft. Epheser 3,2 handelt jedoch von der gegenwärtigen Verwaltung, die zwar eine viel begrenztere Zeitspanne betrifft, von ihrem Charakter her dafür aber viel vertrauter und inniger ist. Der Apostel spricht von der Verwaltung der Gnade Gottes, „die mir in Bezug auf euch gegeben ist“, d.h., er war ihr Verwalter in Bezug auf die Nationen, wie z.B. die Epheser. Da dem so ist und wenn wir bedenken, wie völlig verloren und hoffnungslos die Nationen waren (Eph 2,12), so erkennen wir unschwer, dass wir jetzt in einer Zeit der Verwaltung der Gnade Gottes leben. Das zukünftige Zeitalter wird stattdessen die Verwaltung seiner Herrlichkeit sein.

Das Geheimnis der jetzigen Verwaltung

Eph 3,2-5: 2 … (wenn ihr nämlich gehört habt von der Verwaltung der Gnade Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist, 3 dass mir durch Offenbarung das Geheimnis kundgetan worden ist – wie ich es zuvor in kurzem beschrieben habe, 4 woran ihr beim Lesen mein Verständnis in dem Geheimnis des Christus wahrnehmen könnt …, 5 das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden ist, wie es jetzt offenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist …

Den AT-Gläubigen nicht offenbart

Auch mit der jetzigen Verwaltung ist ein Geheimnis verbunden. Es ist ein Geheimnis aus der Perspektive all derer, die vor dem Tod und der Auferstehung Christi gelebt haben, vor der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten und vor der sich anschließenden Übergangszeit und der Offenbarung von Gottes erstem Gedanken in Verbindung mit der Kirche. Zur Zeit der Abfassung des Epheserbriefes hatte der Heilige Geist das Geheimnis den Aposteln und Propheten enthüllt (Eph 3,5), es jedoch unabhängig davon Paulus kundgetan (Eph 3,3). Nur Paulus war der Verwalter des Geheimnisses in Bezug auf die Gläubigen aus den Nationen (Eph 3,2).

Den NT-Gläubigen offenbart

Was ist nun das besondere Geheimnis der Verwaltung, das uns jetzt offenbart worden ist? Nur drei Bibelstellen liefern uns Einzelheiten, obwohl einige andere darauf anspielen. Diese drei befinden sich in Epheser 2,11-22; 3,6 und Kolosser 1,27. Dass die erste dieser drei Schriftstellen (Eph 2,11-22) das Geheimnis enthüllt, beweisen die Verse in Epheser 3,3.4. Dort bezieht der Apostel sich auf das vorher Geschriebene, um zu zeigen, was er über dieses Thema weiß. Es ist übrigens bemerkenswert, dass er das früher Geschriebene „kurz“ nennt, obwohl es der längste und ausführlichste Abschnitt der drei Abschnitte ist. Er nennt es deshalb so, weil es eine sehr knappe Zusammenfassung des Themas ist, und wir können erwarten, darin eine große Fülle und Tiefe zu finden.

Das Geheimnis der Verwaltung handelt also von Gottes Wirken unter den Nationen, durch das eine Auswahl von ihnen mit einer Auswahl aus Israel in die Fülle des Segens Christi gelangt. Beide erhalten diesen Segen durch genau dieselben Bedingungen; nicht nur das, sondern das geschieht auf einer Grundlage und in Beziehungen hinein, die beide völlig neu sind.

Diese Kernaussagen werden wir zuerst anhand der entsprechenden Schriftstellen erklären:

Das Geheimnis in Epheser 2

Eph 2,11-22: 11 Deshalb erinnert euch daran, dass ihr, einst die Nationen im Fleisch …, 12 dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, entfremdet dem Bürgerrecht Israels, und Fremdlinge betreffs der Bündnisse der Verheißung, keine Hoffnung habend, und ohne Gott in der Welt. 13 Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden. 14 Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und abgebrochen hat die Zwischenwand der Umzäunung, nachdem er in seinem Fleisch die Feindschaft, 15 das Gesetz der Gebote in Satzungen, weggetan hatte, damit er die zwei, Frieden stiftend, in sich selbst zu einem neuen Menschen schüfe 16 und die beiden in einem Leib mit Gott versöhnte durch das Kreuz, nachdem er durch dieses die Feindschaft getötet hatte. 17 Und er kam und verkündigte Frieden, euch, den Fernen, und Frieden den Nahen. 18 Denn durch ihn haben wir beide den Zugang durch einen Geist zu dem Vater. 19 Also seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und ohne Bürgerrecht , sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, 20 aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, indem Christus Jesus selbst Eckstein ist, 21 in welchem der ganze Bau, wohl zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, 22 in dem auch ihr mitaufgebaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist.

  1. Beide, Juden und Gläubige aus den Nationen, sind einsgemacht, da „die Zwischenwand der Umzäunung“ und „die Feindschaft“ weggetan sind „in seinem Fleisch“, d.h. durch den Tod Christi (Eph 2,14.15). Beide sind versöhnt „in einem Leib“ (Eph 2,16). Beide haben Zugang zu dem Vater durch einen Geist (Eph 2,18). Das befugt uns, zu sagen, dass beide in diese Einheit gelangen unter genau denselben Bedingungen.

  2. Sie kommen jedoch nicht hinein auf der ehemaligen Grundlage, wie sie in Verbindung stand mit dem Gesetz, das Israel gegeben wurde. Es ist nicht so, dass Gläubige aus den Nationen jetzt Anteil erhalten an der bevorrechtigten Stellung Israels vor Gott. Durch das Blut Christi sind sie „nahe geworden“ in Christus Jesus (Eph 2,13). Sein Tod machte es in der Tat möglich; aber dadurch schuf Er „in sich selbst“ die beiden „zu einem neuen Menschen“ (Eph 2,15). Beide werden zu Gott gebracht in einem Leib, aber als versöhnt durch das Kreuz (Eph 2,16). Beide haben Zugang zum Vater, aber durch einen Geist (Eph 2,18) und nicht durch Satzungen wie früher. Es ist offensichtlich, dass beide hineingebracht werden auf einem neuen Fundament. Die Stellung im alten fleischlichen Adam, die für beide gleichermaßen galt, ist beiseitegesetzt; das nationale Vorrecht der Juden, alleine Gottes Volk zu sein, ist ebenso beiseitegesetzt. Die Auswahl aus beiden, aus den Juden sowie aus den Nationen, ist „versöhnt durch das Kreuz“, ist „ein neuer Mensch“ in Christus Jesus.

  3. Die Beziehungen, in die sie kommen, übertreffen bei weitem die Beziehung, in der Adam sogar vor dem Sündenfall stand. Sie übertrifft auch Israels nationale Beziehung mit Gott. Juden und Nichtjuden verschmelzen nicht zu einer Nation, sondern zu einem Leib (Eph 2,16). Sie haben vielmehr Zugang zu dem Vater (Eph 2,18) als zu Gott. Außerdem sind sie „Hausgenossen Gottes“, eingebaut in das, was dazu bestimmt ist, ein „heiliger Tempel im Herrn“ zu sein, und „werden mitaufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist“ (Eph 2,19-22) als eine gegenwärtige Sache.

Das also ist in wenigen Worten das Geheimnis der jetzigen Verwaltung. Epheser 3,6 sagt dasselbe aus, aber kürzer.

Das Geheimnis in Kolosser 1

Kol 1,27: … denen Gott kundtun wollte, welches der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses ist unter den Nationen, das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.

Kolosser 1,27 behandelt dasselbe Thema noch kürzer, aber von einem anderen Standpunkt aus, wenn es dort heißt, dass „der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen“ darin besteht: „Christus in [oder unter] euch [d.h. Nichtjuden], die Hoffnung der Herrlichkeit.“ Die Propheten hatten vorausgesagt, dass der Messias auf der Grundlage der Erlösung unter seinem Volk sein würde und dass in Verbindung damit Herrlichkeit auf der Erde aufgerichtet würde. Dass Christus jedoch in einer Auswahl aus den Nationen sein würde, war eine erstaunliche Sache, noch nie dagewesen, und weckte die lebhaftesten Erwartungen, dass sein Erscheinen in einer Herrlichkeit von noch größerem Ausmaß stattfindet.

Obwohl andere Schriftstellen sich nicht präzise oder direkt auf das Geheimnis beziehen, so werfen sie doch zusätzliches Licht darauf. 2. Korinther 3 zum Beispiel wirft Licht auf Kolosser 1,27. Wir müssen diese Abschnitte allerdings übergehen, denn unser Ziel ist die praktische Anwendung dieser Wahrheiten im Leben der Heiligen, welche die Kirche bilden.

Das Geheimnis in Epheser 3

Eph 3,2-7: … 2 wenn ihr nämlich gehört habt von de Verwaltung der Gnade Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist, 3 dass mir durch Offenbarung das Geheimnis kundgetan worden ist – wie ich es zuvor in kurzem beschreiben habe, 4 woran ihr beim Lesen mein Verständnis in dem Geheimnis des Christus wahrnehmen könnt –, 5 das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden ist, wie es jetzt offenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist; 6 dass die aus den Nationen Miterben seien und Miteinverleibte und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium, 7 dessen Diener ich geworden bin nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist nach der Wirksamkeit seiner Kraft.

Epheser 3 ist, außer dem ersten Vers, wie ein Einschub. Da der Apostel den Ephesern Anweisungen hinsichtlich ihres Wandels gab, empfand er offenbar, es sei nötig, diesen Anweisungen Nachdruck zu verleihen, indem er seine besondere Autorität über solche wie sie herausstellte. Er hatte durch direkte Offenbarung vom Herrn nicht nur Kenntnis von dem Geheimnis; er besaß auch die Autorität, denn die Verwaltung oder „Hausordnung“ in Bezug auf alles, was im letzten Abschnitt von Kapitel 2 erwähnt ist, war, soweit es die Nationen betraf, ihm gegeben worden (Eph 3,2). Mit dieser Botschaft war er zum Diener berufen (Eph 3,7). Sein Auftrag bestand darin, unter den Nationen den unergründlichen Reichtum des Christus zu predigen, damit jeder erkenne, was es mit der Gemeinschaft (oder Verwaltung – Übersetzung von J.N. Darby) des Geheimnisses auf sich hatte.

Das Geheimnis in der Praxis ausleben

Er verkündete diese neu offenbarte Wahrheit nicht nur als eine Tatsache, sondern er sorgte auch dafür, dass, was die praktische Verwaltung dieser Wahrheit anging, diese Wahrheit auch durch die Heiligen veranschaulicht und ausgeübt wurde. Egal, ob sie aus den Juden oder aus den Nationen waren – diese Heiligen waren zusammen und standen gänzlich über den rassischen oder religiösen Feindseligkeiten, die sie von Natur aus charakterisierten. Sie waren zusammen in der seligen Erkenntnis und dem Bewusstsein der neuen Grundlage, die in Christus aufgerichtet war, und der neuen Beziehung zu dem Vater, zu Christus und untereinander, in der Kraft des Heiligen Geistes.

Es gab also auf der Erde einen praktischen Ausdruck dessen, was das eigentliche Geheimnis ist, das charakteristische Merkmal der gegenwärtigen Verwaltung; und durch diesen praktischen Ausdruck wurde die mannigfache Weisheit Gottes vor den himmlischen Gewalten zur Schau gestellt. Die Einheit, die zwischen Juden und Nichtjuden in der Kirche aufgerichtet ist, wird immer noch aufrechterhalten vor den Augen der himmlischen Mächte und bezeugt immer noch Gottes Weisheit, denn es gab keine Spaltung der Kirche in einen jüdischen und einen nichtjüdischen Bereich. Spaltungen hat es leider gegeben – fast unzählige –, die sehr klar die Torheit der Menschen in Gottes Augen aufzeigen. Aber keine Spaltung ist so wie die ursprüngliche tiefe Kluft, die durch die Weisheit Gottes so wunderbar beseitigt wurde. Vergessen wir es nicht: Wir sprechen von der Verwaltung des Geheimnisses und nicht von dem grundlegenden Einssein des Leibes an sich.

Dann schließt sich ab Vers 14 bis zum Ende das wunderbare Gebet des Apostels an:

Eph 3,14-19: 14 Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus …, 17 dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, indem ihr in Leibe gewurzelt und gegründet seid, 18 damit ihr völlig zu erfassen vermögt mit allen Heiligen, welches die Breite und Länge und Höhe und Tiefe sei, 19 und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, damit ihr erfüllt sein mögt zu der ganzen Fülle Gottes.

Er bittet um ein mächtiges Wirken des Geistes am inneren Menschen dieser Heiligen aus den Nationen: dass Christus in ihren Herzen wohne durch den Glauben und dass sie mit allen Heiligen eintreten möchten in die Fülle dieser herrlichen Dinge. Ein mächtiges Wirken in ihren Herzen ist unerlässlich, um diese ehemaligen Anbeter Dianas emporzuheben in Erkenntnis und Genuss ihrer Seele auf das Niveau dieser erhabenen und heiligen Dinge, während sie noch in Ephesus lebten und die Straßen der Stadt bevölkerten. Ein nicht geringeres Wirken [des Geistes] brauchen auch wir an unserem inneren Menschen.

Die Einheit des Geistes bewahren in dem Band des Friedens

Epheser 4,1 nimmt den Faden von Epheser 3,1 wieder auf. Der Apostel leitet seine praktischen Anweisungen mit ganz liebevollen Worten ein, untermauert sie jedoch mit dem Gewicht und der Autorität von Kapitel 3. Der wichtige Auftrag dieser Heiligen aus Ephesus – und auch unser Auftrag – besteht darin, würdig der Berufung zu wandeln, mit der sie und auch wir berufen worden sind (Eph 4,1). Eine übermenschliche Aufgabe! Diese zu erfüllen ist nur möglich, wenn des Apostels Gebet in uns verwirklicht wird.

Eph 4,1-3: Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn, dass ihr würdig wandelt der Berufung, mit der ihr berufen worden seid, 2 mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander ertragend in Liebe, 3 euch befleißigend, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens. 4 Da ist ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung. 5 Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, 6 ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in uns allen ist.

Der zentrale Punkt der Bemühungen soll sein, „die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens“. „Die Einheit des Geistes“ war und ist eine Tatsache. Wir haben die Einheit nicht selbst gemacht noch können wir sie zerstören. Aber in den Reibereien und Spannungen des täglichen Lebens können wir sie bewahren oder sie loslassen. Die Ermahnung besteht darin, die Einheit in dem vereinenden Band des Friedens zu bewahren. Vers 3 beinhaltet also die wichtigste Ermahnung dieses Abschnittes. Die Verse Epheser 4,4-6 verstärken die Ermahnung, indem sie uns daran erinnern, dass Einheit das herausragende Merkmal des christlichen Lebens und Bekenntnisses in jedem Bereich ist. Vers 2 nennt uns die so wichtigen moralischen Eigenschaften, mit Hilfe derer allein die wichtigste der Ermahnungen praktiziert werden kann.

Es kann uns helfen, wenn wir einmal kurz darüber nachdenken, wie sehr dies die Gläubigen in Ephesus beeindruckt haben musste: Die Gemeinde in dieser großen Stadt bestand vorwiegend aus nichtjüdischen Gläubigen (Eph 2,2; 4,17), obwohl auch Juden dort lebten (Apg 19,1-7; 20,21). Daher gab es viel Gelegenheit für Reibung und Ärger; doch in Christus war Frieden zwischen ihnen gemacht worden (Eph 2,14.15). Und dass dieses Band eine einende Wirkung hatte, sollte zum Ausdruck kommen durch ihr Bemühen, die Einheit des Geistes zu bewahren. Die „Einheit des Geistes“ wird so genannt, weil der eine Geist das wesentliche und belebende Prinzip des einen Leibes ist, in den sie berufen worden waren.

Moralische Eigenschaften, um die Einheit bewahren zu können

Für die Bewahrung dieser Einheit müssen vier bedeutsame moralische Kennzeichen praktiziert werden:

  1. Demut
    Diese Haltung ist genau das Gegenteil der Gesinnung Adams. Er würde sich selbst erhöhen; ein demütig Gesinnter erniedrigt sich jedoch, so wie es in Philipper 2 beschrieben wird. Das ist unumgänglich und besonders wichtig für den Nichtjuden, wenn er es mit einem jüdischen Heiligen zu tun hat. Die Empfehlung des Paulus, ihres früheren Zustands zu gedenken (Phil 2,11.12), sollte diese Haltung fördern.

  2. Sanftmut
    Das Gegenteil der Einstellung von jemand, der sich selbstbewusst in den Vordergrund drängt. Auch das ist sehr wichtig für den Nichtjuden, denn die göttliche Reihenfolge, selbst in Bezug auf das Evangelium, war: „dem Juden zuerst als auch dem Griechen“.

  3. Langmut
    Die geduldige und fortgesetzte Annahme von persönlichen Schwierigkeiten und sogar von erlittenem Unrecht. Dazu sind nur Demütige und Sanftmütige fähig.

  4. Einander ertragend in Liebe
    Dies ist eng verbunden mit Punkt 3 und seiner Ergänzung. Die Liebe erträgt das, was uns in anderen nicht gefällt, anstatt sie auf grobe Weise zu korrigieren.

All diese Dinge sind für den Nichtjuden im Umgang mit einem Juden notwendig. Durch die Erziehung des Juden im Gesetz […] neigt er zu einer engen, ichbezogenen, gesetzlichen Sicht der Dinge. Die Dinge, die in Apostelgeschichte 15 und Römer 14 erwähnt sind, zeigen dieses. Einzig und allein Langmut verbunden mit alles ertragender Liebe kann beide, Juden und Nichtjuden, in Frieden zusammenleben lassen. Dass der Jude diese Eigenschaften im Umgang mit seinen nichtjüdischen Brüdern genauso braucht, ist selbstverständlich. […] Diese vier ausgezeichneten Eigenschaften sind unerlässlich für beide Seiten.

Sie sind für uns heute nicht weniger entbehrlich, sondern noch mehr, wenn das möglich wäre. Derzeit gibt es keine Schwierigkeiten und keine Kluft zwischen Juden und Nichtjuden, doch über die Jahrhunderte wurde gerade die Tatsache, dass die Gemeinde eine von Gott aufgerichtete Einheit ist, weitgehend aus den Augen verloren und das wesentliche Merkmal dieser Einheit, wie sie in Epheser 2,11-18 beschrieben wird, immer weniger beachtet. Mehr als je zuvor brauchen wir das Bekenntnis des Apostels: „Da ist ein Leib und ein Geist“, und die Ermahnung, „die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens“.

Die Tatsache des einen Leibes nicht vergessen

Einige unserer Leser, die sich schon lange „auf der Grundlage des einen Leibes“ versammeln, könnten solche Hinweise als überflüssig für sich selbst ansehen; doch wir sind überzeugt, dass sie nicht unnötig sind. Die Neigung, die Tatsache des einen Leibes und des einen Geist zu übersehen, erreicht unsere Gedanken in vielen subtilen Formen.

Ein anderer „Leib“ innerhalb des einen wahren Leibes?

Nehmen wir ein typisches Beispiel: Der Heilige Geist macht bestimmte Gläubige – also Glieder des Leibes Christi – durch die Schrift auf bestimmte Teile der Gesamtwahrheit aufmerksam, welche die Kirche betreffen, ihre Stellung, Vorrechte und Bestimmung, zusammen mit ihrer Verantwortung, ein Zeuge Christi auf Erden zu sein während der Zeit seiner Verwerfung und Abwesenheit. Und um zu praktizieren, was sie gelernt haben, ziehen sie sich von vielen religiösen Einrichtungen rein menschlichen Ursprungs zurück und kehren zurück zu der Schlichtheit der göttlichen Ordnung, welche die Apostel eingesetzt haben. All das tun sie im schlichten Gehorsam zum Wort Gottes, ohne an sich selbst zu denken. Aber wenn im Lauf der Jahre die Energie des Glaubens nachlässt, tritt die Beschäftigung mit sich selbst wieder auf, und in manchen steigt die Frage auf, welche Stellung sie als Folge ihres Handelns nun einnehmen. Nichts ist nun leichter, als anzunehmen, dass sie dadurch, dass sie eine von Menschen gegründete Einrichtung verlassen und die schriftgemäßen Grundlagen der Gemeinde eingenommen hatten, einen erneuerten korporativen Status erlangt haben, der nur ihnen gehört und an dem andere Gläubige keinen Anteil haben. [Anm. d. Red.: Gemeint ist, was man heute in Deutschland „die Einheit der sich schriftgemäß versammelnden Versammlungen“ nennt.]

Die Spitzfindigkeit dieser Idee kann man daran erkennen, dass es absolut möglich ist, so etwas zu erwägen, während man beharrlich an der Wahrheit des „einen Leibes“ festhält. Man kann die Wahrheit des einen Leibes verkünden und darum kämpfen und sie in seinem Denken gleichzeitig so idealisieren, dass man nichts Widersprüchliches in der Vorstellung von einem anderen „Leib“ sieht – besonders wenn dieser andere „Leib“ sich innerhalb des „einen wahren Leibes“ befindet, den der Geist ursprünglich gebildet hat. So halten wir leicht etwas für selbstverständlich, was nach Gottes Gedanken, wie sie uns in seinem Wort offenbart sind, gar nicht existiert. Schließlich gibt es nur einen einzigen Leib. Es versteht sich also von selbst, dass wir nichts Korporatives haben sollten außer dem einen KORPUS. Selbst wenn bestimmte Glieder des einen KORPUS nach jahrhundertelanger Abweichung von der Wahrheit des einen KORPUS dahin zurückkehren, bringt sie das nicht wieder zu einer „Körperschaft“ zusammen, als wenn sie jetzt ein kleiner innerer KORPUS in dem einen KORPUS geworden wären. Gott hat einen Leib geschaffen, und nie wird Er sich um mehr als einen kümmern, was immer wir auch tun.

Die Auswirkungen dieses Gedankens in der Praxis

Wir wollen diesen Gedanken nicht weiterführen, sondern nur noch zwei Bemerkungen machen. Erstens: Wir bekämpfen nicht einen bloßen Gedanken, eine abstrakte Vorstellung, etwas, was keine praktische Auswirkung hätte. Wenn dieser Gedanke genährt wird, führt er zu Konsequenzen im Wandel und besonders zu einem schwerwiegenden „Gemeinde-Verhalten“, wie wir es nennen könnten. [Anm. d. Red.: ein beschönigender Ausdruck z.B. für die sogenannten „Trennungsbriefe“.] Zweitens: Wir möchten betonen, dass wir mit unseren Ausführungen das meinen, was uns als einen festen Kreis oder Körper kennzeichnet, und nicht einen gemeinsamen Weg. Gott denkt nämlich auch an ein kollektives Leben und Zeugnis, sogar in Zeiten des Versagens und des Verfalls. Das macht Er uns klar in Schriftstellen wie 2. Timotheus 2,22 [„Strebe aber nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden mit denen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen“]. Der Kernpunkt der vorigen Ausführungen ist der folgende: Wenn die, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen, mit allem Ernst nach Gerechtigkeit, Glaube, Liebe und Frieden streben, erhalten sie allein dadurch keinen speziellen korporativen Status. Sie haben zwar eine korporative Stellung, aber es ist die von Gliedern des „einen Leibes“, der ursprünglich von Gott eingesetzt worden ist.

Nachdem wir kurz betrachtet haben, dass die Bekräftigung des Apostels „Da ist ein Leib und ein Geist“ für uns heute so notwendig ist, bleibt uns nur noch hinzuweisen auf die Ermahnung, die er auf diese Tatsache gründet. In religiösen Kreisen ist Einheit ganz in Mode, doch man denkt keineswegs an die „Einheit des Geistes“. Um es auf den Punkt zu bringen: Wie können wir die Einheit des Geistes bewahren, wenn wir diese eben erwähnte kleinere Einheit [den kleinen KORPUS innerhalb des einen Leibes] im Sinn haben? Um es gelinde auszudrücken: Es wird früher oder später irgendeine Gelegenheit geben, wenn die Ansprüche der beiden Einheiten aufeinanderstoßen. Das fast sichere Ergebnis wird sein, dass man sich eher den Ansprüchen des kleineren, aber doch fassbareren „Leibes“, den wir selbst geschaffen haben, beugt als den Forderungen des größeren, von Gott geschaffenen „Leibes“, den man aber weniger gut erkennen kann.

Die Gesinnung Christi zeigen

Und dann die Art und Weise, in der die Einheit bewahrt werden muss! Es geht um die Gesinnung Christi, und diese muss in den Gliedern seines Leibes gezeigt werden. Das sind nicht Dinge, die man schnell abarbeiten kann, um einer drohenden Trennungskrise zu entgehen, sondern sie müssen durch den Heiligen Geist in die Fasern unserer Seele eingewebt werden. Wir brauchen diese Dinge ständig. Wir haben sie gleichermaßen nötig, um einerseits einen ernsten, mit der Schrift begründeten Ausschluss durchzuführen oder um uns von der Sünde eines Hymenäus und eines Philetus zu trennen als auch anderseits einem reumütigen Heiligen, der gesündigt hat, die Liebe Christi zu bezeugen.

Demut, Sanftmut, Langmut, Ertragen in Liebe: Welch großartige Vierergruppe Christus-ähnlicher Umgangsformen! Wir könnten fast sagen, dass diese Punkte eine Kurzfassung von 1. Korinther 13 sind. Wir können sie nur praktizieren, wenn in unseren Herzen Liebe, die göttliche Natur, hervorgebracht wird. Hierin sind wir überführt. Genau hier haben wir versagt. Hier muss auch die Wiederherstellung ansetzen. Möge Gott sie in uns vollbringen durch seinen Geist.


Originaltitel: „The Secret of the Dispensation“, 1960;
zuerst veröffentlicht in Christ and the Assembly: Being Papers Issued as a Supplement to Scripture Truth, 1943
Quelle: http://www.stempublishing.com/authors/various/Christ_Assembly.html#a8
Bibelstellen und Zwischenüberschriften stammen von SoundWords.

Übersetzung: Christel Schmidt


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...