Wie Gott in Katastrophenzeiten an seine Geschöpfe denkt
Auch in Corona-Zeiten kann man noch den Regenbogen sehen

Dirk Schürmann

© Soundwords, online seit: 12.05.2020, aktualisiert: 15.05.2020

Warum Corona?

In einer Zeit wie dieser – in der aktuellen Coronakrise – fragen sich sicher viele: Wie denkt Gott eigentlich über diese Krise? Ist Gott aktuell besonders zornig über die Menschen – mehr als sonst vielleicht? Ist es ein Gericht? Wenn ja, für wen? Und weshalb? Warum sind ganz besonders auch fast alle Christen betroffen, indem ihre Zusammenkünfte zunächst nicht mehr erlaubt bzw. mittlerweile mit Auflagen versehen sind?

Auf Fragen findet man oft schnelle Antworten, und man wird feststellen, dass diese Antworten ganz unterschiedlich ausfallen. Doch wir sollten uns nicht zu schnellen Antworten hinreißen lassen, sondern uns zunächst einmal selbst fragen, was Gott uns persönlich damit sagen will.

Da ist zunächst die Frage für solche, die noch keine Gewissheit für ihre ewige Zukunft haben: Falls das Virus mich ganz hart trifft und ich einmal zu den Toten gehöre, deren ansteigende Zahl wir jetzt jeden Tag im Internet nachlesen können: Kann ich wirklich Gott begegnen, ohne sein Gericht fürchten zu müssen?

Diese Frage sollten wir nicht so leicht abtun mit: Ich habe nichts wirklich Schlimmes begangen, und die kleinen Sünden wird Gott schon vergeben, denn die hat ja jeder getan. – Gottes Urteil ist eindeutig: „Alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Röm 3,23). Daher steht auch ganz allgemein für alle Menschen fest: „Es ist den Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht“ (Heb 9,27).

Es gibt nur einen Weg, diesem Gericht zu entgehen, und der ist völlig unabhängig davon, ob man einen Mord begangen hat oder nur mal eine kleine Notlüge geäußert hat, und zwar durch „die Buße zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus“ (Apg 20,21). Gott kann keine Sünde, auch nicht die kleinste, ungesühnt lassen. Doch Er sandte seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde, damit Christus für Sünder stirbt und es dadurch möglich wird, dass wir „umsonst gerechtfertigt werden durch die Gnade Gottes, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist; den Gott dargestellt hat als ein Sühnmittel durch den Glauben an sein Blut“ (Röm 3,24,25). Wer an dieses „Sühnmittel“, an die Person Jesus Christus, glaubt, der wird von Gott für gerecht erklärt (Röm 3,26) und „kommt nicht ins Gericht“ (Joh 5,24). Es genügt nicht, dass irgendein Glaube uns Kraft gibt, wie aktuell manche meinen; es kommt darauf an, was der Inhalt meines Glaubens ist. Es gibt einen rettenden Glauben, aber auch einen Glauben, der mich in einer falschen Sicherheit wiegt.

Und als Christ?

Aber auch als wahrer Christ, der seine Sünden vor Gott bekannt und das Sühnungswerk des Herrn Jesus für sich in Anspruch genommen und jetzt Frieden mit Gott hat und das Gericht nicht mehr fürchten muss, sollte man sich fragen: Was möchte Gott mir sagen? Wie wichtig sind mir die irdischen Dinge, auf die ich jetzt verzichten muss: keine Feier, kein Friseurbesuch, kein Beisammensein mit Freunden am Abend, keine Besuche, kein Urlaub, kein Shoppingerlebnis usw. Wie wichtig sind für mich die Versammlungsstunden? Bricht mein Glaubensleben ohne sie zusammen? Habe ich mich bisher eigentlich hauptsächlich durch Mitgeschwister tragen lassen?

Doch kommen wir jetzt zu der Frage zurück: Wie denkt Gott eigentlich über diese Krise oder, etwas konkreter, was denkt Er über seine Geschöpfe?

Dazu möchte ich auf ein paar Katastrophen hinweisen, die wir im Wort Gottes finden.

Die Sintflut

Eine furchtbare Katastrophe wird uns in den ersten Kapiteln von 1. Mose beschrieben: eine Flut, die die gesamte Menschenwelt und die Tiere auf der Erde auslöschte bis auf ganz wenige, die in einer Arche gerettet wurden.

Wir sehen da: Es war ein Zeitpunkt gekommen, dass Gott es nicht mehr ertragen konnte mit der Bosheit des Menschen und ein schreckliches Gericht über die Erde brachte. Bis auf Noah und seine Familie wurde die ganze Menschheit ausgerottet. Der Höhepunkt der Sintflut wird in 1. Mose 7,24 beschrieben:

1Mo 7,24: Die Wasser nahmen überhand auf der Erde hundertfünfzig Tage.

Der Ruheort auf dem Ararat

Damit gab es keine Überlebensmöglichkeit mehr für irgendjemand außerhalb der Arche. Dann ist es ganz merkwürdig, dass Kapitel 8 anfängt mit den Worten: „Gott gedachte an Noah und an alle Tiere und an alles Vieh, das mit ihm in der Arche war“ (1Mo 8,1). Es ist erstaunlich, dass es hier heißt, dass Gott an Noah denkt. Und auch an die anderen Geschöpfe, die mit ihm in der Arche waren. Der Heilige Geist möchte uns im Wort Gottes extra darauf hinweisen: Gott kümmert sich um seine Geschöpfe. Er denkt an sie.

Wir lesen dann weiter: „Gott ließ einen Wind über die Erde fahren, und die Wasser sanken. Und die Quellen der Tiefe und die Fenster des Himmels wurden verschlossen, und dem Regen vom Himmel wurde gewehrt“ (1Mo 8,1.2). Das Gericht hatte ein Ende. Und dann heißt es in Vers 4: „Und im siebten Monat, am siebzehnten Tag des Monats, ruhte die Arche auf dem Gebirge Ararat“ (1Mo 8,4).

Der besondere Tag der Ruhe

Die Arche, die Noah, seiner Familie und den Tieren Schutz geboten hatte, fand jetzt einen Ruheort. Und es ist erstaunlich, dass hier der genaue Tag angegeben wird: „im siebten Monat, am siebzehnten Tag des Monats“. Gott hat darauf Wert gelegt, und ich denke, der Grund ist der: Dieser Tag soll auf einen anderen Tag hinweisen, der viele, viele Jahre später stattfand. Denn dieser Tag, der siebzehnte Tag des siebten Monats, ist ein ganz besonderer Tag: Im siebten Monat des normalen Jahres redete der HERR zu Mose und sagte: „Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein, er soll euch der erste sein von den Monaten des Jahres“ (2Mo 12,1).

Damit wurde der siebte Monat der erste Monat des religiösen Jahres der Juden, und am vierzehnten Tag dieses Monats sollte das Lamm geschlachtet werden. Es ist ein Bild von dem Augenblick, wo „unser Passah, Christus, geschlachtet worden ist“ (1Kor 5,7). Und wir wissen, was drei Tage nach diesem Ereignis stattfand: Da ist Christus aus den Toten auferstanden. Das heißt, dieser siebzehnte Tag des siebten Monats ist der Auferstehungstag.

Wie viele Christen wohl an Ostern daran denken, was dieser Tag für uns bedeutet? Für uns ist das Gericht vorbei, die Wasser des Gerichts sind über unseren Herrn Jesus hinweggegangen, die Strafe hat Ihn getroffen. Wir aber sind von dem Gericht verschont geblieben. Wir sind mit Ihm gestorben, aber in Ihm vor dem Gericht geschützt, so wie Noah in der Arche, und wir haben einen Ruheort erreicht. Wir ruhen jetzt auf einem vollbrachten, von Gott akzeptierten Werk.

Die Bedeutung der Auferstehung

Die Auferstehung spricht davon, dass Gott dieses Werk seines Sohnes angenommen hat; dass Christus alles in Ordnung gebracht hat. Durch sein Werk ist alles das ans Licht gekommen, was Gott wollte: Seine Gerechtigkeit, seine Gnade, seine Liebe sind in vollem Maße sichtbar geworden, und seine Pläne für eine neue Schöpfung können jetzt Wirklichkeit werden. Das bestätigt die Auferstehung. Sie ist das Zeichen Gottes für diese Sicherheit! Und auf diesem Boden ruhen wir, geschützt durch die Arche, geschützt vor dem Gericht, aber hinübergebracht auf diesen neuen Boden, auf diesen Auferstehungsboden, auf dem wir für alle Ewigkeit vor dem Gericht in Sicherheit sind.

Das ist die erste Stelle, von der wir lesen, dass Gott in Verbindung mit Noah an etwas gedacht hat im Zusammenhang mit dieser großen Katastrophe, die über die Erde gekommen war.

Der Regenbogen

Aber wir lesen noch ein zweites Mal in der Geschichte Noahs, dass Gott an etwas denken wollte. Im nächsten Kapitel lesen wir: „Der Bogen wird in den Wolken sein; und ich werde ihn ansehen, um zu gedenken des ewigen Bundes zwischen Gott und jedem lebendigen Wesen von allem Fleisch, das auf der Erde ist“ (1Mo 9,16).

Ich wurde an den Regenbogen erinnert, nachdem ich im Internet einen Teil der Rede der Queen von England gesehen hatte. An einer Stelle wies sie darauf hin, dass die Kinder in England mit Bildern vom Regenbogen – wenn ich das richtig in Erinnerung habe – die Pflegekräfte moralisch unterstützen wollten. Warum sie nun gerade einen Regenbogen gezeichnet haben, ist mir da zwar nicht klargeworden. Doch ich wurde an den Bund Gottes erinnert, den Er nach der großen Katastrophe der Sintflut mit den Menschen gemacht hat.

Noahs Trauma

Was mag in Noah an Angst hochgekommen sein, nachdem er sich auf der zerstörten Erde vielleicht eine Hütte gebaut hatte und plötzlich die Wolken kamen und der Regen auf sein Hüttendach prasselte: Angst, dass es vielleicht doch wieder losging, dass wieder eine Flut kam. Möglicherweise hatte es vor der Flut gar keinen Regen gegeben. Es gibt manche Anzeichen dafür in der Bibel.

Wolken und Regen waren nun für Noah unauslöschlich mit diesem traumatischen Erlebnis der schrecklichen Sintflut verbunden, mit dieser furchtbaren weltweiten Katastrophe, die über die ganze Menschheit gekommen war. Wir können uns vorstellen, wie durch jede Wolke dieses Trauma wieder hochkam.

Gottes Trost

Doch jetzt geht Gott mit ihm einen Bund ein: Noah hatte ein Brandopfer auf einem Altar geopfert „und der HERR roch den lieblichen Geruch“ (1Mo 8,21). Ja, da war vor der Flut so viel Böses zu Gott emporgestiegen und jetzt auf einmal gibt es „lieblichen Geruch“ für Ihn nach dem Gericht. Aber dieser Geruch kam nicht von Menschen, er kam von einem Opfer. Er wies voraus auf das Opfer, das der Herr Jesus einmal stellen würde, womit Er Gott vollkommen zufriedenstellen würde hinsichtlich aller seiner Eigenschaften.

Und dann sagt Gott in seinem Herzen: „Nicht mehr will ich fortan den Erdboden verfluchen um des Menschen willen; denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an; und nicht mehr will ich fortan alles Lebende schlagen, wie ich getan habe. Fortan, alle Tage der Erde, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1Mo 8,21.22). Und dann schloss Er mit Noah einen Bund, und sagte: „Ich errichte meinen Bund mit euch. Und nicht mehr soll alles Fleisch ausgerottet werden durch die Wasser der Flut. Und keine Flut soll mehr sein, um die Erde zu verderben. … Meinen Bogen setze ich in die Wolken, und er soll das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und der Erde. Und es wird geschehen, wenn ich Wolken über die Erde führe, so soll der Bogen in den Wolken erscheinen, und ich werde meines Bundes gedenken, der zwischen mir und euch ist und jedem lebendigen Wesen von allem Fleisch“ (1Mo 11,13-15).

Gott hat hier ein Versprechen gegeben: Auch wenn Er wieder Wolken über die Erde bringt, würde Er die Menschheit nicht mehr in dieser Weise auslöschen. Es ist leider nötig, Wolken zu bringen. Und hier in diesem Zusammenhang haben die Wolken zunächst einmal die Bedeutung, dass sie eine Erinnerung an das Gericht sind: an das, was in der Sintflut, als „die Fenster des Himmels“ (1Mo 7,11) aufgetan wurden, über die Erde gekommen war. Aber dann wird doch in den Wolken ein Bogen erscheinen: ein Zeichen Gottes, ein Bundeszeichen, dass Er sich über seine Geschöpfe erbarmt und sie nicht verderben will.

Schönheit auf dunklem Hintergrund

Wenn heute ein Regenbogen erscheint, dann vor einer dunklen Wolkenwand und von der Sonne angestrahlt. Und das ist es, was Gott zeigt: Es gibt nicht nur die Wolken. Es gibt nicht nur das Dunkle. Es gibt auch die Sonne. Und das Sonnenlicht wird gerade durch den Bogen in einer besonderen Vielfalt und Herrlichkeit sichtbar. Die Spektralfarben zeigen das Licht auf eine besonders schöne Art und Weise. Das wird erst vor den dunklen Wolken sichtbar.

Der Bogen ist unbeweglich

Auch wenn die Wolken sich hin und her bewegen, vielleicht vom Wind getrieben werden, sich auflösen, sich wieder sammeln und sich in Regen entladen, wenn alles in Unruhe ist: Der Bogen bewegt sich nicht. Er steht über allem Wind. Er steht da als das Zeichen Gottes, dass Er seinen Geschöpfen gegenüber barmherzig sein will. Und daran dürfen wir uns, wie ich finde, auch in diesen Zeiten – wo über die ganze Erde eine Katastrophe gekommen ist, deren Ausmaß wir wahrscheinlich noch gar nicht richtig erahnen können – immer wieder erinnern: dass Gott doch immer noch mit seinen Geschöpfen in Erbarmen handelt. Insbesondere dann, wenn wir wieder einmal einen Regenbogen sehen, werden wir daran erinnert.

Wir denken auch daran, dass die Zeit des Gerichtes noch nicht angebrochen ist. Es ist noch immer Gnadenzeit. Und Gott wird sich seiner Geschöpfe auch wieder erbarmen. Er wird nach dem Winter den Sommer wieder kommen lassen, wie wir das gerade wieder erleben dürfen. Nach dem Frost kommt auch die Wärme wieder. Und es wird nicht aufhören: Saat und Ernte. Das hat Gott verheißen.

Die Katastrophe zur Zeit Hesekiels

Ich denke dann an eine andere Katastrophe in der Schrift, wo wir wieder den Bogen sehen. Diese Katastrophe verlief allerdings für viele völlig unbemerkt. Sie lief ganz im Gegensatz zur Sintflut oder einer schweren weltweiten Seuche vielmehr im unsichtbaren Bereich ab. Wir lesen davon in Hesekiel. Da lesen wir zunächst in Hesekiel 1 von einem Gesicht, das Hesekiel am Fluss Kebar hat. Und dieses Gesicht wird in diesem Kapitel sehr ausführlich beschrieben und dann heißt es ganz am Ende dieses langen Kapitels:

Hes 1,27.28: Und ich sah etwas wie den Anblick von glänzendem Metall, wie das Aussehen von Feuer innerhalb desselben ringsum; von seinen Lenden aufwärts und von seinen Lenden abwärts sah ich etwas wie das Aussehen von Feuer, und ein Glanz war rings um ihn. Wie das Aussehen des Bogens, der am Regentag in der Wolke ist, so war das Aussehen des Glanzes ringsum. Das war das Aussehen des Bildes der Herrlichkeit des HERRN.

Dieses Bild erschien dem Hesekiel noch einmal. Wir lesen davon in Kapitel 8. Da lesen wir, dass die Herrlichkeit Gottes, des Gottes Israels, da war wie das Gesicht, das Hesekiel in der Talebene gesehen hatte. Das Gesicht mit diesem Regenbogen erscheint ihm also jetzt hier wieder im Zusammenhang mit einem anderen Gesicht. Und das, was ihm jetzt gezeigt wird, ist etwas ganz Furchtbares: Er sieht alle Gräuel, die im Haus des Herrn, im Tempel, ausgeübt werden.

Es ist auffällig, wie oft dieses Wort „Gräuel“ in Hesekiel 8 vorkommt: ein Gräuel nach dem anderen. Alle möglichen Götzen und Götzendienst innerhalb des Heiligtums Gottes. Und diese furchtbaren Götzendienste führte sein eigenes Volk aus. Und Gott sagt zu Hesekiel: „Menschensohn, siehst du, was sie tun, die großen Gräuel, die das Haus Israel hier verübt, damit ich mich von meinem Heiligtum entferne?“ (Hes 8,6). Jetzt stand eine weitere, ganz große Katastrophe bevor. Wieder war das Böse so schlimm geworden, dass Gott eine Katastrophe bringen musste: Er musste sich von seinem Heiligtum, das Er auf der Erde hatte und in dem Er gewohnt hatte, entfernen.

Gott zieht sich von der Erde zurück

Und nachdem dann all diese bösen Taten im Haus des HERRN und im Vorhof beschrieben sind, sehen wir, wie sich die Herrlichkeit des Gottes Israels entfernt. Zunächst „von dem Cherub, über dem sie war, zur Schwelle des Hauses hin“ (Hes 9,3). Die Wolke der Herrlichkeit Gottes war über dem Cherub der Bundeslade. Doch jetzt bewegt sie sich zunächst zu der Schwelle des Hauses. Dann geht es weiter „an den Eingang des östlichen Tores des Hauses des HERRN“ (Hes 10,19). Und hier wird dann immer wieder Bezug genommen, dass es doch dasselbe Gesicht war, das am Fluss Kebar gewesen war. Dreimal werden wir daran erinnert. Es wird damit aber auch immer wieder gesagt: Denk daran, es ist dieses Gesicht mit dem Regenbogen. Dann kommt der nächste Schritt der Entfernung: „Die Herrlichkeit des HERRN erhob sich aus der Mitte der Stadt und stellte sich auf den Berg, der im Osten der Stadt ist“ (Hes 11,23). Und dann lesen wir unmittelbar im nächsten Vers: „Und das Gesicht, das ich gesehen hatte, hob sich von mir weg“ (Hes 11,24).

Da ist Gott, der hier auf der Erde gewohnt hatte, über der Bundeslade. Er hat die Erde verlassen. Wir wissen, dass es der Herr Jesus war, der unter seinem Volk wohnte als der Jehova oder Jahwe des Alten Bundes. Er hat seine Wohnung hier auf der Erde aufgegeben. Das war eine ganz große Katastrophe für Israel.

Folgen der Gottesverfinsterung

Aber nicht nur für Israel war das eine Katastrophe; die ganze Welt bekam davon etwas zu spüren.

Es ist bestimmt kein Zufall, dass gerade in dieser Zeit – wir sind jetzt hier ungefähr im Jahr 586 v.Chr. – drei große Weltgeistesströmungen entstehen:

  • Einmal entsteht die griechische Philosophie, die bis heute die abendländische Kultur und Denkweise beeinflusst. Ihr Begründer Thales sprach gerade zu dieser Zeit zwar nicht von der Gottesverfinsterung, die wir hier bekommen, sondern von einer Sonnenfinsternis. Er sagte sie vorher, indem er wahrscheinlich den Zeitpunkt berechnete; er war nämlich auch ein großer Astronom.
    Und er war gleichzeitig derjenige, der die griechische Philosophie begründet hat. Sein Schüler Anaximander war einer der ersten Evolutionisten. Schon Thales selbst hatte den Ursprung des Lebens im Wasser gesucht, und sein Schüler ging dann davon aus, dass der Mensch von Fischen abstammt.
  • Aber es war auch die Zeit, in der eine weitere Geistesströmung entstand durch die Lehre des Zarathustras oder auch Zoroaster genannt. Er verführte mit seiner Lehre bis ins erste Jahrtausend Millionen von Menschen.
  • Und das dritte Ereignis, das in dieser Zeit stattfand, war die Erleuchtung von Buddha. Und der Buddhismus hat ja noch heute Millionen von Menschen in seinem Bann.

Das heißt: Nicht nur hat Gott seine Gegenwart von der Erde weggezogen, nein, Satan hat mit seinen Dämonen gewissermaßen diese Gelegenheit genutzt und mächtige Geistesströmungen entstehen lassen, wo die Menschen sich selber Gedanken gemacht haben: über ihre Beziehung zu der Schöpfung; über das, was sie überhaupt als Schöpfer anerkennen wollten; über sich selber und über ihre moralischen Verpflichtungen. All das ist gerade in dieser Zeit entstanden, als Gott seinen Wohnort auf der Erde verließ. Es war wieder eine ganz große Katastrophe, die über die Erde hereingebrochen ist.

Der Regenbogen geht mit

Und doch sehen wir gerade auch in dieser Zeit den Regenbogen wieder. Und wir sehen ihn hier über diesem Gesicht, und dieser Regenbogen, der geht mit in den Himmel zurück.

Er ist jetzt bei Gott, und das ist das Zeichen dafür, dass das nicht das Ende sein wird. Die Zeit der Nationen, die damals angefangen haben – denn Gott hatte ihnen, angefangen mit Nebukadnezar, die Regierung übertragen –, wird einmal zu Ende gehen, und Gott wird wieder auf die Erde herabkommen. In dem Herrn Jesus wird Er wieder hier auf der Erde sein.

Der Herr Jesus wird wieder im Volk Israel gegenwärtig sein. Seine Herrlichkeit wird sein Heiligtum wieder erfüllen. Das lesen wir in den letzten Kapiteln von Hesekiel. Und dafür ist dieser Regenbogen Garant. Der Regenbogen bei dem Gesicht der Herrlichkeit Gottes ist die Bestätigung, dass Gott sich seiner Geschöpfe erbarmen wird, auch wenn Er solch ein Gericht bringen musste wegen des Bösen, das sich so übermäßig gezeigt hatte. Dennoch denkt Er an seine Geschöpfe. Er hat seinen Bund mit seinen Geschöpfen geschlossen, und Er wird sich über sie erbarmen.

Die Apokalypse

Und die nächste schreckliche Katastrophe steht möglicherweise kurz bevor. Das ist die, bei der der Herr Jesus wiederkommen und das Gericht über die Erde bringen wird. Wir lesen davon unter anderem in der Offenbarung. Speziell möchte ich auf die Kapitel 4 und 10 eingehen, weil wir da den Regenbogen wiederfinden. Da lesen wir von Johannes:

Off 4,2-5: Sogleich war ich im Geist; und siehe, ein Thron stand in dem Himmel, und auf dem Thron saß einer. Und der da saß, war von Aussehen gleich einem Jaspisstein und einem Sardis, und ein Regenbogen war rings um den Thron, von Aussehen gleich einem Smaragd. Und rings um den Thron waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste … Und aus dem Thron gehen hervor Blitze und Stimmen und Donner; und sieben Feuerfackeln brannten vor dem Thron, die die sieben Geister Gottes sind.

Diese Szene leitet das Gericht Gottes über die Erde ein. Wir hören schon das Donnergrollen des herannahenden schrecklichen Gewitters, sehen schon die Blitze des Gerichtes zucken. Und doch können wir sehen, dass der Regenbogen wieder da ist. Und zwar ist der Regenbogen jetzt um den Thron her. Genau da, wo die Blitze und Stimmen und Donner hervorkommen, da ist ringsum der Regenbogen.

Und damit gibt Gott direkt schon hier das Zeichen: Auch wenn Er ein furchtbares Gericht bringen wird – und ich glaube, das, was wir hier in der Offenbarung sehen, ist so schrecklich, dass wir eigentlich gar nicht daran denken wollen, was dann auf der Erde passiert, wenn dieses Gericht kommt –, ist um den Thron der Regenbogen. Gott denkt an seine Geschöpfe und Er wird auch mit diesem Gericht seine Geschöpfe nicht vollständig vertilgen. Es werden zwar Milliarden Menschen umkommen, aber Er wird die Menschheit nicht wieder so vertilgen wie zur Zeit der Sintflut.

Der Regenbogen ist nur noch grün

Der Regenbogen ist rings um den Thron und „von Aussehen gleich einem Smaragd“. Hier ist von den sieben Spektralfarben nur noch die Farbe Grün übriggeblieben. Gott legt hier einen klaren Schwerpunkt; das Grün wird betont. Der Smaragd, dieser grüne Edelstein, weist auf das Zentrum des Farbspektrums hin. Die Farbe Grün hat in der Farbpsychologie allgemein eine beruhigende Wirkung. Es ist ein Hinweis Gottes darauf, dass, nachdem die Blitze und Stimmen und Donner ihre Aufgabe erledigt haben, die Ruhe doch wiederkommen wird. Weiter ist die Farbe Grün – das sehen wir jetzt im Frühling, wenn man draußen spazieren geht und es überall zu grünen anfängt – das Zeichen des Lebens.

Kein Verwelken

Es ist das Zeichen, dass nach dem Tod des Winters das Leben wiederkommt. Interessant ist aber, dass wir hier nicht lesen „von Aussehen wie grüne Blätter“, obwohl uns das sicher bei Grün viel vertrauter gewesen wäre als „gleich einem Smaragd“. Ich denke, der Grund dafür ist, dass Blätter verwelken und gelb oder braun werden und danach sogar ganz verschwinden. Der Smaragd dagegen ist ein harter Edelstein, der seine Farbe niemals verliert.

Und so wird auch das Grün hier so beschrieben, dass es nicht mehr aufhören wird. Es zeugt um den Gerichtsthron herum von einem Leben ohne Ende. Und für die Ältesten, die wir hier um den Thron herum sehen, hat das jetzt vor dem Gericht schon angefangen: Die Ältesten sind ja ein Bild von den erlösten Heiligen, die zu diesem Zeitpunkt schon im Himmel sind. Sie sind jetzt schon in die Ruhe und in das ewige Leben eingegangen. Aber das wird auch auf der Erde kommen. Ruhe und Frieden werden auch auf der Erde kommen, und alles wird von Leben sprechen, bis sogar eine Zeit kommt, dass der Tod besiegt sein wird.

Das Zentrum des Regenbogens

Der Regenbogen hier ist ein runder Regenbogen im Gegensatz zu dem Regenbogen, den wir jetzt zu sehen bekommen, der immer einen Halbkreis über der Erde bildet. Der Regenbogen in Offenbarung 4 ist ein um den Thron geschlossener Kreis. Ein Kreis mit einem ganz besonderen Zentrum. Wir lesen davon in Offenbarung 5,6: „Ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen wie geschlachtet.“ Hier wird uns das Geheimnis des Regenbogens offenbar. Dass Gott mit dem Menschen so handeln kann in Erbarmen und Gnade und diesen Bogen geben kann, hat damit zu tun, dass es dieses Lamm Gottes gibt. Und dieses Lamm wird im Zentrum dieses Regenbogens gesehen, ein „Lamm wie geschlachtet“. Es erinnert uns an unseren Herrn, der all das, was wir Menschen verdorben haben, gut gemacht hat und der für das, was wir verschuldet haben, bezahlt hat, so dass Gott sich jetzt über uns erbarmen kann und trotzdem nicht seine Gerechtigkeit beugen muss.

Keine Frist mehr

In Kapitel 10 sind wir schon einen Schritt weiter:

Off 10,1-6: Und ich sah einen anderen starken Engel aus dem Himmel herabkommen, bekleidet mit einer Wolke, und der Regenbogen war auf seinem Haupt, und sein Angesicht war wie die Sonne, und seine Füße waren wie Feuersäulen; und er hatte in seiner Hand ein geöffnetes Büchlein. Und er stellte seinen rechten Fuß auf das Meer, den linken aber auf die Erde; und er rief mit lauter Stimme, wie ein Löwe brüllt. … Und der Engel, den ich auf dem Meer und auf der Erde stehen sah, erhob seine rechte Hand zum Himmel und schwor …, dass keine Frist mehr sein wird.

Wir sehen hier den Herr Jesus im Bild eines Engels die Gewalt über die Erde einnehmen. Jetzt ist die Zeit des Gerichtes gekommen. Es gibt keine Frist mehr. Und doch ist der Regenbogen wieder da. Er ist auf seinem Haupt, auch wenn Er wieder mit einer Wolke bekleidet ist. Und wenn diese Wolke jetzt hier auch sicherlich wieder von dem Gericht spricht, das nun in furchtbarer Weise auf die Erde kommen wird, so ist es doch so, dass der Regenbogen auf seinem Haupt ist.

Wir werden darauf hingewiesen: Gott erinnert sich an den Bund mit seinen Geschöpfen, und auch wenn Er ein furchtbar schweres Gericht bringen wird, so wird Er doch, wie ich schon bei Kapitel 4 gesagt habe, seine Geschöpfe nicht alle vernichten: Er wird nach dem Gericht mit einem kleinen Überrest aus Israel wieder neu anfangen, und die Nationen werden durch Israel gesegnet werden. Und es wird nach dem Gericht ein Friedensreich, ein Segensreich kommen, das alles in den Schatten stellt, was es vorher je auf der Erde an Schönem gab. Gott denkt an seine Geschöpfe.

Kein Bedarf mehr für Regenbögen

In dem ewigen Zustand der Vollkommenheit gibt es keine Wolken und keinen Regenbogen. Regenbögen gibt es nur dann, wenn Wolken da sind. Die Zeit für die Wolken ist für die Erde in ihrem jetzigen Zustand. Im ewigen Zustand wird das nicht mehr sein. Dann wird es Tag und Nacht nicht mehr geben, wie Gott das jetzt für die Erde bestimmt hat. Dann werden auch die Blätter nicht mehr verwelken. Dann wird es keinen Verfall mehr geben. Für den Baum des Lebens wird es auch nicht „Saat und Ernte“ – bei Bäumen Blüte- und Fruchtzeit – geben, sondern dieser Baum wird jeden Monat seine Frucht bringen und seine Blätter sind beständig da zur Heilung der Nationen im Tausendjährigen Reich. Diese wunderbaren Blätter werden nicht verwelken. Ihr Grün wird immer frisch sein, immer da sein zum Segen in dem himmlischen Bereich des Tausendjährigen Reichs.

Und im ewigen Zustand wird es überhaupt kein Bedürfnis mehr für den Regenbogen geben. Da wird die Sonne der Herrlichkeit des Herrn immer strahlen. Die himmlische Stadt braucht keine Sonne wie heute mehr, denn „ihre Lampe ist das Lamm“ (Off 21,23), dieses Lamm, das das unsichtbare Zentrum aller Regenbögen, die je erschienen, war.

Doch solange wir noch auf der Erde sind, dürfen wir uns immer wieder – und ganz besonders wenn wir einen Regenbogen sehen – daran erinnern, dass Gott sich seiner Geschöpfe auch in Katastrophenzeiten erbarmt, und so wissen wir, dass auch die Corona-Pandemie einmal zu Ende sein wird und wir während dieser Zeit auf sein Erbarmen hoffen dürfen.


Nach einem Vortrag

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