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Leitvers: Johannes 3,6
Joh 3,6: Was aus dem Fleisch
geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist.
Inhalt
Einleitung
Unser Zustand von Natur aus
Was ist denn nun die Wiedergeburt?
Es gibt wohl wenig Gegenstände, die zu
mehr Schwierigkeiten und Verwirrungen Anlass gegeben haben, als die Wiedergeburt
oder die neue Geburt. Sehr viele, die selbst Gegenstände dieser neuen Geburt
sind, wissen nicht, was sie ist und sind oft mit Zweifel erfüllt, ob sie
dieselbe je erfahren haben. Es gibt viele, die, wenn sie ihre Wünsche in Worten
ausdrücken könnten, sagen würden: „Ach, wenn ich doch einmal gewiss wüsste,
dass
ich aus dem Tode zum Leben hinübergegangen wäre! Wenn ich einmal die volle
Überzeugung hätte, dass ich wiedergeboren wäre; wie glücklich würde ich dann
sein!“ — So sind sie mit Furcht und Zweifel gequält von Tag zu Tag und von Jahr
zu Jahr. Oft haben sie Hoffnung, dass diese große Veränderung mit ihnen
vorgegangen sei; aber bald steigt wieder etwas in ihnen auf, das sie veranlasst,
alle ihre früheren Hoffnungen für Täuschungen zu halten. Sie urteilen nach ihren
Gefühlen und Erfahrungen und nicht nach den einfachen Unterweisungen des Wortes
Gottes, und deshalb müssen sie notwendigerweise immer wieder in Zweifel und
Ungewissheit versinken.
Es würde mir nur lieb sein, mit meinem Leser im Lichte der heiligen
Schrift
eine Unterweisung dieses so wichtigen und interessanten Gegenstandes
vorzunehmen. Es ist zu befürchten, dass sehr viele Missverständnisse, die darüber
verbreitet sind, daher kommen, dass man so oft die Wiedergeburt und deren
Früchte anstatt Christus predigt. Die Wirkung wird der Ursache vorausgestellt,
und dies muss notwendig immer Gedankenverwirrung hervorbringen.
Lasst uns jetzt nacheinander folgende Fragen betrachten:
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[Teil 1] Was ist die Wiedergeburt?
-
[Teil 2] Wie wird sie hervorgebracht?
-
[Teil 3] Was sind die Folgen?
[Teil 1] Was ist die Wiedergeburt?
Viele betrachten sie als eine Änderung der
alten Natur, hervorgebracht, ohne Zweifel, durch den Einfluss des Geistes Gottes.
Diese Änderung, geht, nach ihrer Meinung, allmählich von Stufe zu Stufe vor
sich, bis endlich die alte Natur vollständig unterjocht ist. Diese Ansicht über
diesen Gegenstand birgt aber zwei Irrtümer in sich: zuerst einen Irrtum in
Betreff unserer alten Natur, und dann in Betreff der wirklichen Persönlichkeit
des Heiligen Geistes. Sie leugnet die hoffnungslose Verdorbenheit der
menschlichen Natur und sie betrachtet den Heiligen Geist mehr als einen Einfluss und nicht als eine Person.
Was unseren wahren Zustand von Natur
betrifft, so stellt ihn das Wort Gottes als einen ganz und gar unverbesserlichen
Ruin dar. Wir wollen die Beweise liefern.
„Und der Herr sah, dass der
Menschen Bosheit groß war auf Erden, und alles Dichten und Trachten
ihres Herzens nur böse war immerdar“ (1Mo 6,5).
Die Worte „alles“, „nur“ und „immerdar“
schließen jede Idee eines wiederherzustellenden Zuges in dem Zustande des
Menschen vor Gott völlig aus. Wiederum:
„Der Herr schaut vom Himmel
hernieder auf die Menschensöhne, zu sehen, ob ein Verständiger da sei, der
Gott suche. Aber alle sind abgewichen und allesamt verdorben; da
ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer“ (Ps 14,2-3).
Hier schließen ebenfalls die Ausdrücke „alle“, „allesamt“, „keiner“,
„auch nicht
einer“ eine wiederherzustellende
Eigenschaft im Zustande des Menschen, als gerichtet in der Gegenwart Gottes,
vollständig aus. Nachdem wir nun einen Beweis von Mose und einen anderen von den
Psalmen erhalten haben, lasst uns auch einen oder zwei von den Propheten nehmen.
„Warum soll man weiter euch
schlagen, so ihr des Abweichens nur desto mehr macht. Das ganze Haupt
ist krank, das ganze Herz ist matt. Von der Fußsohle bis aufs Haupt ist nichts Gesundes an
ihm“
(Jes 1,5-6).
„Es ist das Herz ein überaus
tückisch und heillos Ding, wer kann es ergründen?“ (Jer 17,9)
„Alles Fleisch ist Gras, und
alle seine Güte wie die Blume des Feldes. Das Gras ist verdorret, die
Blume verwelket“ (Jes 40,6-7).
Obiges wird für das Alte Testament
genügen. Wir wollen uns jetzt dem Neuen Testament zuwenden. Wir lesen in Johannes 2,24-25:
„Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht, weil er alle kannte und nicht bedurfte,
dass jemand Zeugnis
von dem Menschen gäbe; denn er wusste, was in dem Menschen war.“
„Was aus dem Fleisch geboren
ist, ist Fleisch“ (Joh 3,6).
Vergleiche auch Römer 3,9-19. Weiter
lesen wir in Römer 8,7-8:
„Weil die Gesinnung des
Fleisches eine Feindschaft wider Gott ist; denn sie ist dem Gesetz Gottes
nicht untertan; denn sie vermag es auch nicht. Die aber, welche in dem
Fleische sind, können Gott nicht gefallen.“
„Ihr hattet keine Hoffnung, und
wäret ohne Gott in der Welt“ (Eph 2,12).
Diese Anführungen könnten vervielfacht
werden; aber es ist unnötig. Es sind Beweise genug angeführt worden, um uns mit
dem wahren Zustande der menschlichen Natur bekannt zu machen. Er ist „verloren“
— „schuldig“ — „entfremdet“ — „ohne Kraft“ — „nur böse“ — und
„böse
immerdar“.
Wie nun, so dürfen wir mit Recht fragen,
kann das, wovon in einer solchen Weise gesprochen wird, verändert oder
verbessert werden?
„Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln oder ein Leopard seine Flecken“ (Jer 13,23)?
„Was krumm ist, kann nicht
gerade werden“ (Pred 1,15).
Und je genauer wir das Wort Gottes
untersuchen, desto mehr werden wir erkennen, dass es nicht die göttliche Methode
ist, das Zerfallene und Verdorbene wieder zu verbessern, sondern etwas ganz Neues einzuführen. Ebenso ist es in Betreff des natürlichen Zustandes des
Menschen. Gott sucht ihn nicht zu verbessern. Das Evangelium beabsichtigt nicht,
die alte Natur des Menschen wiederherzustellen, sondern ihm eine neue zu geben.
Es sucht nicht einen neuen Lappen auf ein altes Kleid zu setzen, sondern ein
gänzlich neues Kleid darzureichen. Das Gesetz suchte etwas in dem Menschen, aber
fand es nicht. Gebote und Satzungen wurden gegeben, aber der Mensch gebrauchte
sie, um Gott beiseitezusetzen. Das Evangelium, im Gegenteil, zeigt uns
Christus als den, der das Gesetz verherrlichte und zu Ehren brachte; es zeigt
uns Ihn als den, der am Kreuze starb und alle Satzungen und Forderungen an
dasselbe nagelte; und es zeigt uns Ihn als den, der aus dem Grab wieder
auferstand und als Sieger seinen Platz zur Rechten der Majestät in den Himmeln
nahm; und endlich erklärt es, dass alle, die an seinen Namen glauben, Teilhaber
seines Auferstehungslebens und eins mit Ihm sind (lies mit Aufmerksamkeit
folgende Stellen: Johannes 20,31; Apostelgeschichte 13,39; Römer 5,4-11; Epheser 2,1-6; 13-18;
Kolosser 2,10-15).
Es ist von der größten Wichtigkeit, in
dieser Grundwahrheit recht klar und fest zu sein. Wenn ich denke, dass die
Wiedergeburt eine gewisse Änderung meiner alten Natur ist und dass diese
Änderung sich allmählich entwickelt, so werde ich, als notwendige Folge, mit
steter Angst und Besorgnis, mit Zweifel und Furcht, mit Niedergeschlagenheit und
Trauer erfüllt sein, wenn ich merke, dass Natur Natur ist und bis ans Ende
nichts als Natur bleibt. Kein Einfluss noch Wirken des Heiligen Geistes kann
je das Fleisch geistlich machen. „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch“, und kann nie etwas anderes sein; und
„alles Fleisch ist wie
Gras“
— wie verwelktes Gras. Das Fleisch wird nie in der Schrift als eine Sache
dargestellt, die zu bessern ist, sondern als eine Sache, die Gott als „tot“
betrachtet, und welche wir berufen sind zu „töten“ — zu unterwerfen und zu
verleugnen in all ihren Gedanken und Wegen. In dem Kreuz des Herrn Jesu Christi
sehen wir das Ende alles dessen, was unserer alten Natur angehört.
„Die aber, welche des, Christus
sind, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Lüsten gekreuzigt“ (Gal
5,24).
Er sagt nicht: „Die, welche des Christus
sind, verbessern das Fleisch oder versuchen, es zu verbessern“; nein, sondern:
„Sie haben es
gekreuzigt.“ Es ist ganz und gar unverbesserlich, und darum ist es
in Christus auf dem Kreuze völlig von Gott beseitigt worden. Gott fordert nichts
vom Fleisch, und darum sollten auch wir es nicht tun. Er betrachtet es als tot;
und ebenso sollten wir es betrachten. Er hat es vor seinem Angesicht hinweggetan und dafür sollten wir es stets halten. Gott erkennt es nicht an. Es
hat keine Existenz vor Ihm. Freilich ist es in uns; aber Gott gibt uns das
schöne Vorrecht, es als tot anzusehen und zu behandeln, wozu wir durch die
Energie und die Kraft des in uns wohnenden Heiligen Geistes befähigt sind. Sein
Wort an uns heißt:
„Also auch ihr haltet euch der
Sünde für tot, Gott aber lebend in Christo Jesu, unserm Herrn“ (Röm 6,11).
Dies ist ein unermesslicher Trost für ein
Herz, das sich jahrelang mit der hoffnungslosen Arbeit der Natur- oder
Selbstverbesserung beschäftigt hat. Es ist ein unermesslicher Trost für ein
Gewissen, das in der allmählichen Verbesserung dessen, was ganz und gar
unverbesserlich ist, eine Grundlage für seinen Frieden gesucht hat. Es ist
endlich ein unermesslicher Trost für jede Seele, die vielleicht seit Jahren mit
Ernst nach der Heilung getrachtet, die aber gemeint hat, dass die Heilung in der
Verbesserung dessen bestehe, was die Heiligkeit hasst und die Sünde liebt — das
Fleisch! Für alle solche ist es unendlich wichtig, das wahre Wesen der
Wiedergeburt zu verstehen. Niemand, der es nicht selbst erfahren hat, kann sich
die tiefe Qual und die bittere Täuschung vorstellen, die eine Seele empfindet,
welche in dem eitlen Wahn, dass die Natur der Verbesserung fähig sei, nach
jahrelangem Kampfe findet, dass Natur Natur bleibt. Und gerade im Verhältnis zu
der Qual und der Täuschung wird die Freude bei der Entdeckung sein, dass Gott
keine Verbesserung der Natur, d.i. des Fleisches sucht, dass Er dasselbe als tot
und uns als in Christus lebend, eins mit Ihm und angenommen in Ihm, für immer
und ewig ansieht. Ja, zu einem klaren und völligen Verständnis dieser Wahrheit
gekommen zu sein, ist eine göttliche Befreiung des Gewissens und eine wahre
Erhebung des ganzen moralischen Wesens.
Es ist eine neue Geburt — die Mitteilung
eines neuen Lebens — das Einpflanzen einer neuen Natur — die Bildung eines neuen
Menschen. Die alte Natur bleibt, was sie ist, und die neue Natur, völlig von
jener unterschieden, wird eingeführt. Sie hat ihre eigenen Gewohnheiten, ihre
eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Und diese alle sind geistlich, himmlisch,
göttlich. Ihr ganzes Streben ist nach oben gerichtet. Sie trachtet immer nach
der himmlischen Quelle, aus der sie hervorgegangen ist. Wie in der Natur das
Wasser stets bis zu derselben Höhe emporsteigt, von der es kam, ebenso steigt
auch in der Gnade die neue — die göttliche Natur immer wieder zu ihrer eigenen
Quelle empor. Die Wiedergeburt ist für die Seele, was die Geburt Isaaks für das
Haus Abrahams war (1Mo 21). Ismael blieb unverändert derselbe Ismael; aber
Isaak wurde eingeführt. Ebenso bleibt die alte Natur dieselbe; aber die neue
wird eingeführt. „Was vom Geist geboren wird, das ist Geist“ (Joh 3,6). Er
teilt das Wesen oder die Natur seiner Quelle. Ein Kind hat die Natur seiner
Eltern, und der Gläubige ist ein Teilhaber der göttlichen Natur (2Pet 1,4).
„Er hat uns gezeugt nach seinem eigenen Willen“ (Jak 1,18).
Mit einem Worte, die Wiedergeburt ist vom
Anfang bis zum Ende das Werk Gottes. Gott ist der Wirkende, der Mensch ist der
glückliche, begünstigte Gegenstand seines Wirkens. Seine Mitwirkung wird nicht
gesucht in einem Werke, das immer den Stempel einer allmächtigen Hand tragen muss. Gott war es allein in der Schöpfung — und Er
muss es auch allein sein in dem
geheimnisvollen und herrlichen Werk der Wiedergeburt.
Teil 2 = Wie wird die neue
Geburt hervorgebracht?
Teil 3
= Was sind die Folgen der Wiedergeburt?
aus Botschafter des Heils in
Christus 1863
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