Satan – und der Feuersee (13)
Offenbarung 19,20; 20,10

Frederick Charles Jennings

© EPV, online seit: 10.03.2005, aktualisiert: 26.07.2016

Leitverse: Offenbarung 19,20; 20,10

Off 19,20: Und das Tier wurde ergriffen und der falsche Prophet, der mit ihm war, der die Zeichen vor ihm tat, womit er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und die sein Bild anbeteten – lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt.

Off 20,10: Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier ist auch auch der falsche Prophet; und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Wir wollen uns nun mit der furchterregenden Bezeichnung „Feuersee“ insoweit befassen, wie es Gott Wohlgefallen hat, uns darüber in Seinem heiligen Wort Aufschluss zu geben.

Der Ausdruck „Feuersee“ kommt nur in der Offenbarung vor, und zwar insgesamt sechsmal im letzten Teil des Buches. Die ersten, die in den Feuersee geworfen werden, sind „das Tier und der falsche Prophet“ (Off 19,20). Ohne durch den leiblichen Tod zu gehen, werden sie lebendig den Qualen des Feuersees überliefert. Die Hinweise der Schrift lassen keinen Raum für die Möglichkeit, dass die beiden Verurteilten durch das Feuer vernichtet werden; denn nach der tausendjährigen Regierung des Messias finden wir sie immer noch im Feuersee, und zwar bei vollem Bewusstsein; „sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Off 20,10). Das Feuer hat also nicht den verzehrenden Charakter, wie wir ihn vom natürlichen Feuer kennen. Handelt es sich überhaupt um natürliches Feuer?

Wir müssen uns zunächst darüber klar sein, dass alles, was uns in dieser Schöpfung umgibt, nicht lediglich dazu geschaffen wurde, dass wir es durch unsere Sinnesorgane wahrnehmen können. Die sichtbaren Dinge bilden gleichsam nur den Vorhof. Um ihre tiefere Bedeutung zu erfassen, müssen wir in das Heiligtum selbst eintreten. Göttliches Licht kann uns belehren. Die ganze Schöpfung, angefangen bei Sonne, Mond und Sternen bis herab zum kleinsten kriechenden Tier, stellt ein Buch voller Geheimnisse für uns dar. Alles in der Schöpfung Gottes legt Zeugnis ab von geistlichen, ewigen Wahrheiten. Der Herr hat uns während Seines Erdenwandels manche kostbaren Lektionen aus diesem Buche der Schöpfung gelehrt.

So wäre es nicht unmöglich, anzunehmen, dass das natürliche Feuer geschaffen wurde, weil unserem Verständnis nur auf diesem Wege etwas aus der unsichtbaren Welt vermittelt werden konnte. Die Bibel benutzt die irdischen Begriffe in ihren Mitteilungen über himmlische, ewige Dinge.

Die Aussage des Herrn, dass das Feuer der Hölle „für den Teufel und seine Engel bereitet“ ist (Mt 25,41), enthält mindestens zwei wichtige Wahrheiten. Zunächst war es durchaus nicht die ursprüngliche Absicht Gottes, Menschen des höllischen Feuers teilhaftig werden zu lassen. Sodann wird aus dieser Stelle klar, dass es sich nicht um das Feuer handelt, das Gott in den Dienst des Menschen stellte. Das Feuer des Gerichts ist ausdrücklich für gefallene Geister „bereitet“; es übt seine Wirkung nicht auf Materie, sondern auf Geister aus.

Im Alten Testament finden wir ähnliche Bilder und Symbole, die uns unsichtbare und ewige Wahrheiten vermitteln sollen. So wird die Hölle im Hebräischen als „Gehenna“ bezeichnet, wörtlich übersetzt „Tal Hinnoms“. Dies war der Ort außerhalb Jerusalems, wo der Unrat der Stadt verbrannt wurde. In Markus 9,43ff., wo der Herr das Wort Gehenna (Hölle) benutzt, nimmt Er offensichtlich auf Jesaja 66,24 Bezug, wenn Er von dem Wurm spricht, der nicht stirbt, und von dem Feuer, das nicht erlischt: „Sie werden hinausgehen und sich die Leichname der Menschen ansehen, die von mir abgefallen sind; denn ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht erlöschen, und sie werden ein Abscheu sein allem Fleische.“ Die Leichname, der Wurm und das Feuer sind zunächst durchaus wörtlich und stofflich zu verstehen. Doch die Leichname deuten bildlich auf den „zweiten Tod“ hin; der Wurm auf das nagende, anklagende, nie zum Schweigen zu bringende Gewissen jedes einzelnen Verdammten; das Feuer auf das ewige Erleiden des Zornes Gottes, ein Feuer, das durch nichts gelöscht werden kann. Gottes Zorn wird stets mit einem Feuer verglichen; wir lesen von dem Entbrennen Seines Zornes, von der Glut Seines Zornes und von seiner verzehrenden Wirkung (vgl. z.B. Heb 12,29).

In dem Feuer des Feuersees sehen wir somit ein Bild des furchtbaren Zornes Gottes, der nach Gottes Heilsplan den Menschen nie treffen sollte. Dieser Zorn Gottes traf Seinen geliebten Sohn im Gericht während jener drei finsteren Stunden auf dem Kreuz. Das buchstäbliche Feuer, durch welches das alttestamentliche Sündopfer verzehrt wurde, fand dort sein Gegenbild in dem verzehrenden Gericht, das Gott an Seinem Sohn vollzog. Niemand von uns wird leugnen, dass unser hochgelobter Herr am Kreuz das Gericht und den Tod schmeckte, den wir als Sünder verdient hatten (Heb 9,27). Doch wurde der Herr durchaus keinem buchstäblichen Feuer ausgesetzt in jenen Stunden des Gerichts. Da dieses Gericht unser Teil gewesen wäre, dürfen wir logischerweise daraus schließen, dass auch unser Gericht in Gottes Zorn und nicht in tatsächlichem Feuer bestanden hätte.

Warum die Bezeichnung „See“? Er deutet auf die Beschränkung, Einengung hin. Denken wir an das Tote Meer (eigentlich „See“); es liefert uns ein gutes Beispiel. Es hat keinen Abfluss! Der „Todesfluss“ (Jordan) ergießt sich ständig in diesen See, aber es gibt keinerlei Abfluss. So ist das Böse im Feuersee für ewig eingeschlossen, auf allen Seiten begrenzt durch das Machtwort Dessen, der einst sprach: „Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter, und hier sei eine Schranke gesetzt dem Trotze deiner Wellen!“ (Hiob 38,11). Dort gibt es keinen Thron, denn die Herrschaft des Teufels ist beendet. Er, der aus größerer Höhe stürzte, versinkt auch tiefer als alle anderen Geschöpfe in die Schmach und Qual des Feuersees.

Es ist eine Tatsache, dass Gott nie den früheren Zustand, der durch Sünde verdorben wurde, einfach wiederherstellt. Er schafft stets etwas Besseres. Ehe Böses in Satan gefunden wurde, befand sich die Schöpfung in einem Zustand, der von Gott als „sehr gut“ bezeichnet wurde. In dem soeben betrachteten ewigen Zustand ist zumindest an einem Punkte noch Böses vorhanden – im Feuersee; dort ist „Weinen und Zähneknirschen“, und dort befinden sich das Tier, der falsche Prophet, Satan mit seinen Engeln und bald auch alle, die „nicht gefunden wurden im Buche des Lebens“. Kann dies eine Verbesserung gegenüber dem Urzustand der Schöpfung bedeuten, wie sie aus der Hand des Schöpfers hervorging? Wäre eine völlige Beseitigung des Feuersees, jenes Sammelbeckens alles Unreinen, wie es bildlich im „Tophet“ im Tale Hinnom dargestellt wurde, nicht weit besser? Nun, allein die Tatsache, dass Gott diesen Ort der Strafe nicht einfach auslöscht, ist für den kindlichen Glauben Beweis genug, dass dieses nicht besser wäre; denn Er hat stets alles wohlgemacht. Die völlige Ausrottung alles Bösen würde die Verherrlichung Gottes schmälern (vgl. Ps 76,10). Es ist stets Seine Weise, aus dem „Fresser Fraß“ hervorkommen zu lassen und „aus dem Starken Süßigkeit“ (Ri 14,14).

Der Feuersee vervollständigt gewissermaßen die Szene der weltweiten, ewigen Glückseligkeit. Er weist auf eine Seite des göttlichen Wesens hin, die in dem ewigen Glückszustand sonst keinen Ausdruck fände. Alles andere verkündet Gottes Güte; der Feuersee aber redet von Seiner Strenge, und auch diese gereicht zu Seiner Verherrlichung (Röm 11,22). Während des sündlosen Zustandes der ersten Schöpfung blieb die Frage offen, wie Er handeln würde, wenn Seinem Willen Widerstand entgegengesetzt würde und Böses Eingang fände. Würde es Ihn überwältigen oder würde Er nichts anderes tun können, als die gesamte Schöpfung vernichten? Der Sündenfall ist eingetreten und hat dazu dienen müssen, Gott in der Vollkommenheit Seiner Handlungsweise zu offenbaren. Er liebte. Er liebte die Welt so sehr, dass Er Seinen Sohn dahingab. Er fand den Weg, die Verbindung zu Seiner gefallenen Schöpfung aufrechtzuerhalten, ohne Seiner Heiligkeit Abbruch zu tun. Nachdem die endgültige Abrechnung stattgefunden hat, ertönt ein Lobgesang, der in der ursprünglichen Schöpfung nie gehört worden ist – das „neue Lied“ der Sünder, die durch den Tod Seines Sohnes erlöst sind; und dies ist ohne Zweifel „weit besser“.

So ist die Erschaffung und Existenz Luzifers, des „glänzenden Morgensterns“, der nun der Teufel ist, Satan, der Drache, die alte Schlange, Beelzebub, Apollyon, Leviathan, Abbadon – seine Existenz ist (wie die des Pharao, der ein Bild von ihm war) dadurch gerechtfertigt, dass er ein ewiges Zeugnis bleibt für die Macht, die Heiligkeit und die Strenge Gottes. Auch seine Knie werden sich beugen, auch seine Zunge wird zu dem universalen Bekenntnis beitragen, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters. Alles wird Seine Wege von Ewigkeit zu Ewigkeit rechtfertigen. Jetzt allerdings sehen wir noch „durch einen Spiegel, undeutlich“ (1Kor 13).

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Originaltitel: „Der Feuersee“
aus Hilfe und Nahrung, Ernst-Paulus-Verlag, 1982, S. 307–312


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