Das Buch Daniel (12)
Daniel 12

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 11.04.2012, aktualisiert: 29.01.2018

Leitverse:  Daniel 12

Die große Trübsal

In diesem Schlusskapitel werden wir zu den letzten dreieinhalb Jahren mitgenommen, die der Herrschaft Christi vorausgehen werden – zu der Zeit der großen Drangsal, die das Leid der Juden und die Zerstreuung von Gottes irdischem Volk beenden wird (Dan 12,7).

Vers 1

Dan 12,1: 1 Und in jener Zeit wird Michael aufstehen, der große Fürst, der für die Kinder deines Volkes steht; und es wird eine Zeit der Drangsal sein, wie sie nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, der im Buch geschrieben gefunden wird. 

Zu seinem Trost und zur Ermutigung des gottesfürchtigen Überrestes wird Daniel versichert, dass zu jener Zeit – der Zeit des Endes – Michael, der große Engelsfürst, der zum Beschützer von Gottes irdischem Volk bestimmt ist, zu ihren Gunsten auftreten wird. Hinter all den Prüfungen, die sie zu ertragen haben mögen, werden sie der Unterstützung der geistlichen Mächte in der unsichtbaren Welt versichert. Der besondere Grund für diese geistliche Hilfe wird sein: Es wird für das jüdische Volk eine „Zeit der Drangsal sein, wie sie nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht bis zu jener Zeit“. Dennoch wird diese große Drangsal das Leid des Volkes beenden und zur Erlösung der Gottesfürchtigen führen, deren Namen im Buch des Lebens geschrieben stehen.

Offenbarung 12,7-17 gibt weitere Einzelheiten in Bezug auf diese besonderen Tätigkeiten Michaels und seiner Engel zu dieser Zeit an. Es ist offensichtlich, dass diese Textabschnitte sich auf dieselbe Zeitspanne beziehen – die dreieinhalb Jahre (vgl. Dan 12,7 mit Off 12,14). Dann erfahren wir von dem Kampf im Himmel zwischen Michael und seinen Engeln und dem Drachen und seinen Engeln. Michael wird den Sieg davontragen, so dass es für Satan keinen Platz mehr im Himmel gibt, der mit seinen Engeln auf die Erde geworfen wird. Unmittelbar darauf folgt auf Erden die Zeit beispielloser Drangsal für die „Bewohner der Erde und des Meeres“. Das besondere Ziel der Verfolgung Satans wird „die Frau“ sein bzw. Israel, die den Knaben, Christus, geboren hatte. Überdies lässt der Textabschnitt deutlich erkennen, dass die besondere Wut Satans gegen die Gottesfürchtigen in Israel gerichtet sein wird, hier beschrieben als „die Übrigen ihrer Nachkommenschaft, die die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben“ (Off 12,12.13.17). Es ist nun klar, dass es zur Zeit des Endes während der Herrschaft des Antichristen inmitten des vom Glauben abgefallenen Volkes einen gottesfürchtigen Überrest geben wird, der Jesus Christus bekennen und die Gebote Gottes halten wird. Solche Leute werden dem Herrn sehr kostbar sein, und wie der Überrest in Maleachis Tagen wird für sie vor Gott ein Buch der Erinnerung geschrieben werden (Mal 3,16).

Zwei weitere Schriftstellen werfen ein helles Licht auf diese beispiellose Zeit der Drangsal. In Jeremia 30 sagt der Prophet, indem er die Zukunft betrachtet: „Denn siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich die Gefangenschaft meines Volkes Israel und Juda wenden werde, spricht der HERR; und ich werde sie in das Land zurückbringen, das ich ihren Vätern gegeben habe, damit sie es besitzen.“ Die teilweise Rückkehr unter Esra und Nehemia erfüllt diese Prophezeiung offensichtlich nicht. Sie bezieht sich auf noch zukünftige Tage. Die Prophezeiung fährt fort, uns zu sagen, dass dieser endgültigen Erlösung „eine Zeit der Drangsal für Jakob“ vorausgehen wird, ein Tag solch großen Leides „ohnegleichen“ (Jer 30,3-7).

Dann, im Neuen Testament, bezieht sich der Herr auf diese Zeit der Drangsal, von der Er sagt: „Denn dann wird große Drangsal sein, wie sie seit Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nicht wieder sein wird.“ Der Herr sagt explizit, dass Er sich auf die Zeit bezieht, wenn „der Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist“, an heiliger Stätte stehen wird (Mt 24,21.15). Während dieser schrecklichen Zeit wird hinter den Kulissen Satan der Anstifter all der Bedrängnis sein. Der Antichrist wird der Feind innerhalb des Landes sein, während das Oberhaupt des Römischen Reiches und der König des Nordens die großen Feinde außerhalb des Landes sein werden.

Verse 2.3

Dan 12,2.3: 2 Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden erwachen: diese zu ewigem Leben und jene zur Schande, zu ewigem Abscheu. 3 Und die Verständigen werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste, und die, welche die Vielen zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne, immer und ewig. 

Zu dieser Zeit wird es eine große Wiederbelebung des jüdischen Volkes geben. Indem der Engel die Auferstehung als ein Bild verwendet, zeigt er, dass das Volk von seiner erniedrigten Stellung als Staub der Erde aufstehen wird, um noch einmal seinen besonderen Platz als eigenständiges Volk einzunehmen. Dennoch werden einige als die Gottesfürchtigen aufleuchten und zum ewigen Leben erwachen, während die Masse noch im Unglauben verharren wird. Für solche wird diese Wiederbelebung des Volkes nur zur Schande und zu ewigem Abscheu führen.

Die Gottesfürchtigen, die hier „die Verständigen“ genannt werden (Dan 12,3), werden in der Zeit dieser großen Drangsal ein klares Zeugnis für Gott und für Christus ablegen. Sie „werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste“. Durch ihr Zeugnis werden sie „viele zur Gerechtigkeit weisen“.

Vers 4

Dan 12,4: Und du, Daniel, verschließe die Worte und versiegle das Buch bis zur Zeit des Endes. Viele werden es durchforschen, und die Erkenntnis wird sich mehren. 

Nachdem der Engel diese Offenbarung abgeschlossen hat, weist er Daniel an, die Worte zu verbergen und das Buch zu versiegeln bis zur Zeit des Endes. Für die Christen sind diese Dinge nicht versiegelt. In der Offenbarung wird Johannes, der für die Gemeinden von Gottes Volk Zeugnis ablegt, gesagt: „Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches; denn die Zeit ist nahe“ (Off 22,10.16). Die Christen, die im Licht des Kommens Christi wandeln, sehen, dass die Zeit nahe ist, und haben das volle Licht der Prophetie, um sie in dieser dunklen Welt zu leiten. Für die Welt und die Juden ist, solange die Gemeinde hier ist, die „Zeit des Endes“, auf die sich diese Prophezeiungen beziehen, noch nicht gekommen. Bis zu dieser Zeit sind diese Dinge für sie unverständlich so wie ein versiegeltes Buch. Bis zu dieser Zeit geht die Welt ihren Weg, beschäftigt mit ihren eigenen Interessen, an Wissen zunehmend, doch völlig unwissend in Bezug auf die Gedanken Gottes und das kommende Gericht.

Verse 5-7

Dan 12,5-7: 5 Und ich, Daniel, sah: Und siehe, zwei andere standen da, einer hier am Ufer des Stromes und einer dort am Ufer des Stromes. 6 Und einer sprach zu dem in Leinen gekleideten Mann, der oben über dem Wasser des Stromes war: Wie lange wird das Ende dieser wunderbaren Dinge dauern? 7 Und ich hörte den in Leinen gekleideten Mann, der oben über dem Wasser des Stromes war, und er erhob seine Rechte und seine Linke zum Himmel und schwor bei dem, der ewig lebt: Eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit. Und wenn die Zerschmetterung der Kraft des heiligen Volkes vollbracht sein wird, dann werden alle diese Dinge vollendet sein. 

Die Prophezeiung schließt mit dieser letzten Vision von zwei Engeln, von denen einer an einem Ufer des Flusses Hiddekel [Tigris] steht und der andere am anderen Ufer. Daniel hörte einen fragen: „Wie lange wird das Ende dieser wunderbaren Dinge dauern?“ „Diese wunderbaren Dinge“ beziehen sich auf „die Zeit der Drangsal“, von der der Engel gesprochen hat. Nun erfährt Daniel aus Gottes Wort, bekräftigt mit einem Schwur, dass die Zeit der Drangsal dreieinhalb Jahre lang dauern wird; des Weiteren, dass, wenn dieser Zeitabschnitt vollendet ist, die Zerstreuung von Gottes irdischem Volk ein Ende haben wird, die Verfolgung der Gottesfürchtigen aufhören wird und die Gerichte Gottes über die lebenden Völker enden werden.

Verse 8-10

Dan 12,8-10: 8 Und ich hörte es, aber ich verstand es nicht; und ich sprach: Mein Herr, was wird das Ende davon sein? 9 Und er sprach: Geh hin, Daniel; denn die Worte sollen verschlossen und versiegelt sein bis zur Zeit des Endes. 10 Viele werden sich reinigen und weiß machen und läutern, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; und alle Gottlosen werden es nicht verstehen, die Verständigen aber werden es verstehen. 

Angesichts all dieser Offenbarungen muss Daniel gestehen, dass er zwar gehört, aber nicht verstanden hat. Also fragt er noch einmal: „Was wird das Ende dieser Dinge sein?“ Daniel verspürte den tiefen Wunsch, zu wissen, zu welchem Ende bzw. Ziel sie führen würden. Wir wissen, dass sie zu den Herrlichkeiten und dem Segen des Reiches Christi führen werden. Doch während die Offenbarung, die Daniel gegeben wurde, von den Gerichten spricht, die dem Reich vorausgehen, und uns so bis zu dem Reich hinführt, bleibt es Jesaja und anderen überlassen, die Herrlichkeiten der Herrschaft Christi zu entfalten.

Daniel soll nun seiner Wege gehen, denn die Worte werden versiegelt bis zur Zeit des Endes. Er erfährt jedoch, dass all das kommende Leid für sein Volk von Gott verwendet werden wird, um die Gottesfürchtigen zu prüfen und zu reinigen. Niemand aus dem gottlosen Volk, das gottlos handelt, wird es verstehen, „die Verständigen aber werden es verstehen“. Dies scheint die Antwort auf Daniels Bemerkung zu sein: „Ich verstand es nicht.“ Er soll warten und Gott fürchten, und zu gegebener Zeit wird er verstehen, denn Gottesfurcht ist der Anfang der Weisheit [Ps 111,10].

Verse 11.12

Dan 12,11.12: 11 Und von der Zeit an, da das beständige Opfer abgeschafft wird, und zwar um den verwüstenden Gräuel aufzustellen, sind 1.290 Tage. 12 Glückselig der, der ausharrt und 1.335 Tage erreicht! 13 Du aber geh hin bis zum Ende; und du wirst ruhen und wirst auferstehen zu deinem Los am Ende der Tage.

Daniel wird ganz eindeutig gesagt, dass von der Zeit an, wo das tägliche Opfer abgeschafft wird, es 1290 Tage dauern wird, und dann wird der glücklich sein, der ausharrt und 1335 Tage erreicht. Beide dieser Zeitangaben gehen über die dreieinhalb Jahre hinaus, die mit der Abschaffung des Opfers beginnen. (Siehe Daniel 9,27 und Matthäus 24,14.15). Der Grund dafür ist nicht klar, aber es mag sein, um Zeit zu lassen für die Versammlung von ganz Israel nach dem Gericht über den Antichristen. Der Tag wird die genaue Bedeutung dieser Zahlen klarmachen. Alles, was wir wissen, ist, dass es von der Abschaffung des Opfers bis zum Ende der Herrschaft des Antichristen dreieinhalb Jahre dauern wird (oder 1260 Tage nach jüdischer Rechnung) und bis zum Beginn des vollen Segens 1335 Tage.

Vers 13

Dan 12,13: Du aber geh hin bis zum Ende; und du wirst ruhen und wirst auferstehen zu deinem Los am Ende der Tage.

Angesichts dieser ernsten Ereignisse wird Daniel ermutigt, zu warten und mit Frieden in seiner Seele zu ruhen, denn, so wird ihm versichert, er wird am Ende der Tage zu seinem Erbteil im kommenden Reich auferstehen.

Vorheriger Teil


Aus The Book of Daniel: An Expository Outline, 1936

Übersetzung: S. Bauer


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