Satan – aus seinem Gefängnis losgelassen (12)
Offenbarung 20,7-9

Frederick Charles Jennings

© EPV, online seit: 16.02.2005, aktualisiert: 26.07.2016

Leitverse: Offenbarung 20,7-9

Off 20,7-9: Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden, und wird ausgehen, die Nationen zu verführen, die an den vier Ecken der Erde sind, den Gog und den Magog, sie zum Kriege zu versammeln, deren Zahl wie der Sand des Meeres ist. Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umzingelten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt; und Feuer kam [von Gott] hernieder aus dem Himmel und verschlang sie.

Das Tausendjährige Reich wird unter den Strahlen der „Sonne der Gerechtigkeit“ eine Zeit ungeahnter Segnungen sein; die Erkenntnis des Herrn wird die Erde bedecken „wie die Wasser den Meeresgrund“. Doch der Zustand ungetrübter Vollkommenheit ist noch nicht angebrochen. Die Zeit des Reiches findet ihr Ende. Satan wird losgelassen, um vor seiner endgültigen Verdammnis noch einen letzten Dienst zu verrichten. Noch einmal soll die Menschheit durch seine Verführung auf die Probe gestellt werden, damit offenbar wird, dass nichts außer der souveränen Gnade Gottes in der Lage ist, den Menschen wirklich zu verändern und sein böses Herz für Gott zu gewinnen.

Die Erde befindet sich noch in einem Zustand des Glückes und Friedens unter ihrem rechtmäßigen König, dem Sohne des Menschen. Es gibt weder Kampf noch Gewalttat, nicht einmal in der Tierwelt; alles erglänzt in paradiesischer Harmonie und Schönheit. Aber trügt der Schein nicht? Haben die tausend Jahre gerechter Regierung vermocht, jedem Menschen neues Leben, ein neues Herz, eine Wiedergeburt zu vermitteln? Ach, es zeigt sich bald, dass das aus dem Fleische Geborene stets unabänderlich Fleisch bleibt (Joh 3,6). Satan gelingt es aufs Neue, die Nationen zu verführen, „die an den vier Ecken der Erde sind“ (Off 20,8). Diese Bezeichnung mag nach F.W. Grant andeuten, dass sich diese Nationen so weit wie möglich von dem im Zentrum gelegenen Jerusalem und von der dort ausgeübten Herrschaft des Lichtes zurückgezogen haben und nun eine leichte Beute der Verführung Satans werden.

Zwei weitere Namen werden in diesem Zusammenhang genannt: „Gog und Magog“ (Off 20,8). Was haben sie zu bedeuten? Sie weisen uns auf den Ursprung jener Völkerscharen hin, die auf Satan hören. Die Verführten stammen nicht aus dem Volk Israel, sondern aus den Heiden. Magog war der zweite Sohn Japhets; Gog wird als Anführer der Kriegsscharen genannt, die gegen die „offenen Städte … ohne Mauern … Riegel und Tore“ hinaufziehen (Hes 38,11). Er stammt „vom Lande des Magogvolkes“ (Hes 38,2, siehe Fußnote). Die Wurzel des Wortes Gog („Dach, Gipfel“) deutet übrigens auf „Erhabenheit, Überheblichkeit“ hin. Es scheint, dass die Geschichte sich in dem Auftritt dieser heidnischen Mächte wiederholt. Der in Hesekiel 38 und 39 beschriebene letzte Ansturm auf das Land Israel, bei welchem der Assyrer als letzter Feind vernichtet wird, scheint diesen Angriff heidnischer Völkerschaften nach dem Ausklang des Tausendjährigen Friedensreiches im Bilde vorzuschatten. Bei dem Angriff Assurs sollte bereits „der Grimm zu Ende sein und mein Zorn sich wenden zu ihrer Vernichtung“, wie Gott dem Volke Israel prophetisch voraussagte (Jes 10,25). Diese Stelle sowie Hesekiel 38,17; 39,22 zeigen, dass es sich in Hesekiel und Offenbarung 20,8 um verschiedene Ereignisse handelt.

Gog und Magog schließen hier in Offenbarung 20 alle die ein, die „Nationen“ in dem tieferen moralischen Sinn sind, dass sie „Gott nicht kennen“ (1Thes 4,5). So endet die Geschichte der Nationen der Erde, wie sie in 1. Mose 10–11 begonnen hatte, nämlich in Hochmut und Gericht. Wie der Sand des Meeres an Zahl, revoltieren sie gegen Gott und Seinen Christus. Bis zum Ende ist die Gesinnung des Fleisches Feindschaft gegen Gott (Röm 8,7).

Die Mächte des Bösen, die sich während der Friedensherrschaft nach den „vier Ecken der Erde“ zurückgezogen hatten, sind nun schnell mobilisiert und ziehen zum Kriege hinauf, um „die geliebte Stadt“ zu vernichten (Off 20,8.9). Beachten wir, dass die Stadt Jerusalem hier nicht mehr als „Sodom und Ägypten“ (Off 11,8), sondern als „die geliebte Stadt“ bezeichnet wird. Doch um diese Stadt herum befindet sich „das Heerlager der Heiligen“ (Off 20,9). Der Gedanke liegt nahe, dass es sich hier um gottesfürchtige „Heiden“ handelt, die sich (im Gegensatz zu den vor dem Lichtglanz geflüchteten Bösen) von der königlichen Stadt anziehen lassen.

Doch eine Schlacht findet nicht statt. Die himmlischen Mächte sind in jenen Tagen zu eng mit der Erde verbunden, als dass die bösen Mächte irgendeine Aussicht auf Erfolg haben könnten. Feuer fällt vom Himmel und verschlingt die Armeen des Teufels. Satan selbst, jenes vom Schöpfer mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ausgerüstete Wesen, dessen Weg wir bis hierher zu verfolgen suchten, wird in den Feuersee geworfen; nicht um dort zu herrschen, sondern um sein Teil in abgrundtiefem Elend, in Erniedrigung und Hoffnungslosigkeit zu verbringen – für alle Ewigkeit; das ist sein endloses Ende.

Nun wird der Richterstuhl des Christus zum letzten Mal aufgerichtet. Wir sahen ihn bereits im Himmel, nachdem Satan aus dem Himmel geworfen war, bei dem Offenbarwerden der Heiligen; dann auf der Erde, nachdem Satan auch diesen Schauplatz verlassen musste; in dem heiligen Licht dieses Richterstuhles werden die Gläubigen (Schafe) von den Ungläubigen (Böcken) geschieden (Mt 25). Jetzt, nachdem Satan seinen Platz sowohl im Himmel wie auf der Erde endgültig eingebüßt hat, sehen wir den Richterstuhl zum dritten Mal; doch die vor ihm Versammelten sind ausnahmslos unbußfertige Sünder aus dem menschlichen Geschlecht. Sie müssen das schreckliche Schicksal ihres Verführers im Feuersee teilen.

Das Wort Gottes hat uns die Person, das Werk, die Stellung und das endgültige Schicksal Satans in bewundernswerter Übereinstimmung vom Anfang bis zum Ende übermittelt. Alle Bücher der Bibel, die über ihn berichten, überzeugen Gewissen und Verstand durch ihre Harmonie davon, dass es sich nicht um die Berichte einzelner Schreiber, sondern um eine Dokumentation des einen göttlichen Autors der Bibel handelt.

Die Bibel gibt uns stufenweise Aufklärung über den Teufel. Zunächst hinter der Schlange völlig versteckt, wäre er uns völlig unbekannt geblieben, wenn nicht spätere Schriftstellen neues Licht auf ihn werfen würden. Nach der Seite Gottes hin sehen wir ihn stets in Auflehnung gegen die scheinbare Ungerechtigkeit, menschliche Schuld zu vergeben. Den Menschen dagegen versucht er stets von der Ungerechtigkeit der Handlungsweise Gottes zu überzeugen. Auf diese Weise ist er stets bemüht, eine Kluft zwischen Gott und dem Menschen zu schaffen. Dann erschien der Sohn Gottes auf diesem Schauplatz und stellte den Teufel, wie auch alles andere, durch Sein Licht völlig bloß. Doch dem Teufel gelingt es, die Menschen aufzuwiegeln, bis er mit ihrer Hilfe den wahren Erben hinaustut, Ihn tötet und selber das Erbe antritt. Wir mögen wohl staunen, dass Gott dieses zuließ und bis heute noch Satan gewähren lässt. Doch blicken wir auf die Versammlung (Kirche), so sehen wir einen Grund für diese Zulassung, der Gottes würdig ist und allein Seinem Ratschluss entspringen konnte. Wenn die Zahl der himmlischen Erlösten voll sein wird, dann bricht jener herrliche Morgen an, der alle Erlösten lobsingend und triumphierend um den Herrn schart. Der Teufel wird aus dem Himmel verbannt werden, wo er uns heute Tag und Nacht verklagt. Nach einem tausendjährigen Aufenthalt im Abgrund wird er noch einmal kurz losgelassen, um dann sein ewiges Gericht im Feuersee zu finden.

Leugnet man die Person Satans, was hat das zur Folge? Dann werden nicht nur die Sünde und die seltsam durcheinandergewürfelten Verhältnisse auf der Erde unerklärlich, sondern wir verlieren auch jede Offenbarung. Satans Existenz und Wirken zieht sich so klar durch die ganze Schrift hindurch, dass man ihn nicht heraustrennen kann, ohne das Ganze zu zerstören. Wer Satan leugnet, leugnet auch Christus, den Sohn Gottes, und verliert damit alles.


Aus der Monatszeitschrift Hilfe und Nahrung, Jahrgang 1982
Ernst-Paulus-Verlag, S.304-307


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