Das Johannesevangelium (5)
Johannes 5

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 25.07.2004, aktualisiert: 26.01.2018

Leitverse: Johannes 5

Die Wege der Gnade in der Befreiung von dem Gesetz

Johannes 3 stellt uns die Beiseitesetzung des Fleisches durch das Werk des Heiligen Geistes in uns und die Verurteilung der Sünde durch das Werk Christi für uns vor (Joh 3,6.7.14).

Im vierten Kapitel, in der Geschichte der Frau am Brunnen, lernen wir den Weg der praktischen Befreiung von der Macht der Sünde durch ein neues Leben in der Kraft des Geistes kennen, mit dem Ergebnis, dass der Gläubige nicht länger der Sünde dienen soll. Wie der Apostel sagen kann: „Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm 8,2).

Johannes 5 stellt uns den Weg praktischer Befreiung von der Grundlage des Gesetzes und der Schwachheit des Fleisches vor. Der Mensch wird durch die Macht des Sohnes Gottes von der Schwachheit, die die Sünde über ihn gebracht hat, erhoben und von dem Gesetz befreit, das ihm nicht helfen kann. Das Kapitel besteht aus vier großen Teilen:

  1. am Teich (Joh 5,1-9)
  2. das Ruhen Gottes als Folge der Erlösung des Menschen (Joh 5,9-16)
  3. die Herrlichkeit der Person, die die Erlösung des Menschen und die Ruhe Gottes sichert (Joh 5,7-29), und
  4. schließlich die verschiedenen Zeugnisse von der Herrlichkeit Christi (Joh 5,30-47).

Die Begebenheit von dem Mann am Teich oder die Befreiung von dem Gesetz (Joh 5,1-9)

Verse 1-9

Joh 5,1-9: Nach diesem war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Es ist aber in Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der auf hebräisch Bethesda genannt ist, welcher fünf Säulenhallen hat. In diesem lag eine Menge Kranker, Blinder, Lahmer, Dürrer, [die auf die Bewegung des Wassers warteten. Denn zu gewissen Zeiten stieg ein Engel in den Teich herab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, ward gesund, mit welcher Krankheit irgend er behaftet war.] Es war aber ein gewisser Mensch daselbst, der achtunddreißig Jahre mit seiner Krankheit behaftet war. Als Jesus diesen daliegen sah und wusste, dass es schon lange Zeit also mit ihm war, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, dass er mich, wenn das Wasser bewegt worden ist, in den Teich werfe; indem ich aber komme, steigt ein anderer vor mir hinab. Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bett auf und wandle! Und alsbald ward der Mensch gesund und nahm sein Bett auf und wandelte. Es war aber an jenem Tage Sabbat.

Die Szene am Brunnen von Sychar wurde benutzt, uns Gottes Weg von der Befreiung von der Macht der Sünde zu zeigen. Der Teich von Bethesda soll uns nun Gottes Weg der Befreiung von dem Gesetz zeigen. Samaria und sein verderbtes Volk zeigen das Bedürfnis nach Befreiung von Sünde fort. Jerusalem und seine religiösen Juden dienen als Beispiel für das Bedürfnis nach Freiheit vom Gesetz.

In den fünf Säulenhallen am Teich war eine große Menge kranker Menschen. Einige waren blind, manche lahm, andere hatten verkrüppelte Hände und Arme, alle aber brauchten Heilung. Diese kranken Menschen warteten rund um den Teich, in dem die Gesundheit, die sie so bitter nötig hatten, erlangt werden konnte. Zu einer bestimmten Zeit, nach der Vorsehung Gottes, bewegte ein Engel das Wasser, und die kranke Person, die nach der Bewegung des Wassers zuerst in den Teich stieg, wurde geheilt.

Hier werden zwei Dinge deutlich:

  1. Der Segen der Heilung wurde durch den Teich erlangt.
  2. Dieser Segen konnte nur durch die Anstrengung der kranken Person erhalten werden.

Damit ist der Teich ein eindrucksvolles Bild von dem Menschen unter Gesetz. Sowohl in dem gesetzlichen System der Juden als auch in der Vorsorge Gottes gab es Segen für den Menschen. Der Segen unter dem Gesetz oder nach Gottes Vorsorge kann jedoch nur durch eigene Anstrengung des Menschen sichergestellt werden. Für diese andauernden Bemühungen muss der Mensch Kraft haben. Daraus folgt, dass es unter dem Gesetz dem Menschen, der sich in den schlimmsten Nöten befindet und die Hilfe am meisten benötigt, am wenigsten möglich ist, das Heil zu erlangen. Die Krankheit, von der er geheilt werden muss, raubt ihm die Kraft, sich das Heilmittel zu verschaffen. Dies war der traurige Zustand des Menschen, der achtunddreißig Jahre lang krank war.

Die körperlichen Bedürfnisse dieses Mannes können wir mit unseren geistlichen Bedürfnissen vergleichen. Die Macht der Sünde, von der wir befreit werden mussten, beraubte uns der Kraft, Befreiung durch unsere eigenen Bemühungen zu erlangen. Der gelähmte, kraftlose Mann hatte lange Jahre mühevoll darum gekämpft, gesund zu werden, jedoch vergeblich. Schließlich wird er zu dem Punkt gebracht, an dem er bekennt, dass er einen Heiland braucht. Er hatte Befreiung von seinen gesetzlichen Anstrengungen nötig, um seine Gesundung zu erlangen und er brauchte eine Kraft, die stärker war als die Kraft, die ihn bis zu diesem Zeitpunkt getragen hatte. Auf die Frage des Herrn antwortet er: „Herr, ich habe keinen Menschen, dass er mich … in den Teich werfe.“ Er gesteht seine äußerste Kraftlosigkeit und die Nutzlosigkeit aller seiner Anstrengungen ein und gibt damit zu, dass er jemand anderes bedarf, wenn er aus seinem traurigen Zustand befreit werden soll. Sofort stellt er seine eigenen Bemühungen ein und hält nach einem Erretter Ausschau und findet diesen Erretter in unmittelbarer Nähe. Der Herr sagt zu ihm: „Stehe auf, nimm dein Bett auf und wandle!“ Der Mann ist von seinen eigenen Anstrengungen befreit, um das ersehnte Heil zu erlangen. Das Ergebnis ist, dass er gesund und fähig gemacht wird, das zu tragen, was ihn zuvor getragen hatte.

Der Gelähmte ist somit ein eindrucksvolles Bild des Menschen, wie er in Römer 7 beschrieben wird, bei dem der Wille, das Gute zu tun, vorhanden war, dem jedoch die Kraft dazu fehlte. Sobald er jedoch herausfindet, dass alle gesetzlichen Anstrengungen, sich selbst von seinen Lüsten zu befreien, vergeblich sind, und die Seele ruft: „Ich elender Mensch! Wer wird mich retten?“, findet er einen Erlöser in unmittelbarer Nähe und kann sagen: „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ So finden wir in Christus Einen, der uns von unseren eigenen gesetzlichen Bemühungen befreit und uns befähigt, genau das zu überwinden, was uns überwunden hatte.

Allerdings müssen wir bedenken, dass wir hiermit die Befreiung vom Gesetz meinen. Das Prinzip des Gesetzes ist, dass wir überwinden durch das, was wir tun. Der Mensch in Römer 7 hatte das Bestreben, nach seinem Grundsatz zu handeln; er strengte sich an, seine Lüste durch eigene Anstrengungen zu überwinden. Die Befreiung vom Gesetz bedeutet praktisch, dass wir von unseren eigenen Bemühungen befreit werden. Wir werden von dem mühsamen Kampf befreit, das Fleisch und die Macht der Sünde zu überwinden. Wir brauchen nicht nur die Erlösung von unseren Leidenschaften und Lüsten, sondern Befreiung von unseren eigenen Bemühungen, diese zu überwinden. Anstatt gegen unsere Leidenschaften und Lüste zu kämpfen und ständig Niederlagen zu erleiden, müssen wir auf den Herrn blicken und in Ihm den Erretter finden.

Das Prinzip des Teichs ist, dass „Gott denen hilft, die sich selbst helfen“. Aber Christus zeigt, dass Er einem Menschen hilft, der seine ganze Hilflosigkeit eingesteht. Die Kraft ist in Christus; Befreiung hängt von dem Befreier ab.

Die Ruhe Gottes wird durch die Erlösung des Menschen erreicht (Joh 5,9-15)

Verse 9-15

Joh 5,9-15: Und alsbald ward der Mensch gesund und nahm sein Bett auf und wandelte. Es war aber an jenem Tage Sabbat. Es sagten nun die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, es ist dir nicht erlaubt, das Bett zu tragen. Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sagte zu mir: Nimm dein Bett auf und wandle. [Da] fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm [dein Bett] auf und wandle? Der Geheilte aber wusste nicht, wer es sei; denn Jesus war entwichen, weil eine Volksmenge an dem Orte war. Danach findet Jesus ihn im Tempel, und er sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, auf dass dir nichts Ärgeres widerfahre. Der Mensch ging hin und verkündete den Juden, dass es Jesus sei, der ihn gesund gemacht habe.

Nachdem der Mensch geheilt worden war, lesen wir: „Es war aber an jenem Tage Sabbat.“ Die Bedeutung des Sabbat ist die „Ruhe von der Arbeit“, wie Gott bei der Schöpfung „ruhte am siebenten Tag von all seinem Werk“ (1Mo 2,2; 2Mo 20,11). Die Schöpfungsruhe wurde durch die Sünde unterbrochen, und nun kann es so lange keine Ruhe für Gott oder den Menschen geben, wie der Mensch unter der Macht der Sünde und des Todes steht. Ist der Mensch durch das Werk und die Macht Christi von der Sünde befreit und geheilt, „an jenem Tag“ wird der wahre Sabbat sein.

Diese Ruhe kann nicht durch die eigenen Bemühungen des Menschen unter dem Gesetz erreicht werden. Das Gesetz sagt: „Tu dieses und du wirst leben“; aber der Mensch konnte das Gesetz nicht halten. Sein Versuch, nach dem Gesetz zu handeln, offenbarte nur das Böse der Sünde sowie seine äußerste Schwachheit und somit seine Unfähigkeit, die Ruhe Gottes durch eigene Werke zu erreichen.

Dennoch bestand der Mensch, der nicht die wahre Bedeutung des Sabbat kennt, auf der äußerlichen Einhaltung des Sabbats, um sich so einen guten Ruf auf religiösem Gebiet zu verschaffen. Während der Mensch jedoch auf der äußeren Einhaltung bestand, ist er doch gegenüber der Sünde, die in diese Ruhe eingebrochen war, völlig gleichgültig. Die Segnung der Sabbatruhe ist für ein Volk, das das Gesetz hält, nicht für ein Volk, das das Gesetz bricht. Der Mensch mag damit zufrieden sein, in der Gegenwart von Sünde und dem damit verbundenen Elend zu ruhen. Gott kann nicht da ruhen, wo Sünde und Elend sind. Seine Heiligkeit verlangt, die Sünde zu richten. Seine Liebe drängt Ihn, für die Erlösung des Sünders tätig zu werden.

Die Antwort des Mannes auf diese jüdischen Gegner ist für jeden überzeugend, der Christus gegenüber nicht mit Feindschaft erfüllt ist: „Der mich gesund machte, der sagte zu mir: Nimm dein Bett auf und wandle.“ Der Eine, der die Gewalt und Macht hatte, sein Bedürfnis zu erfüllen, gab ihm die Erlaubnis, sein Bett am Sabbat zu tragen. Wer anders als solche, die vom Bösen angetrieben werden, würden die Autorität dessen, der eine solche Macht hat, in Frage stellen?

Sofort fragen die Gegner mit unverhohlener Feindseligkeit: „Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm dein Bett auf und wandle?“ Was auch immer ihre Gedanken und Absichten sind, ist es doch wahr, dass alles auf die Frage hinausläuft: „Wer ist dieser Mensch?“ Das ist immer noch die Frage: Wer ist diese herrliche Person, voll von Gnade und Wahrheit, die gekommen ist, um unter den Menschen zu wohnen? Alle Segnungen für den Menschen hängen von der Herrlichkeit seiner Person ab, die uns in den folgenden Versen so wunderbar vorgestellt wird.

Der Mann selbst wusste nicht, wer es war, denn Jesus, der das Land als Fremder durchzog, war von dort weggegangen, da eine Volksmenge an diesem Ort war. Er war nicht hier, um die Nation als solche zu segnen, denn sie hatten Ihn bereits abgelehnt und sich gegen Ihn gewandt. Er suchte und rettete seine Schafe und rief sie aus dem Volk heraus. So geht der Herr dem geheilten Mann nach und findet ihn in dem Tempel. Es scheint, dass sein Herz von dem Segen berührt war, den er empfangen hatte, denn sofort begibt er sich zu dem Tempel, um Gott zu loben. Der Herr warnt ihn: Hinter der Krankheit des Körpers steckt ein Nachgeben gegenüber der Sünde, und diese Sünde hat ihre Folgen in den Regierungswegen Gottes.

Der Mann geht darauf fort und erzählt den Juden, dass es Jesus war, der ihn geheilt hatte. Wahrscheinlich hat der Mann in Einfalt gehandelt, indem er nicht um ihre Boshaftigkeit wusste und dachte, sie hätten ebenfalls den Wunsch, diese wunderbare Person kennenzulernen. Er war offensichtlich von der mächtigen Tat erfüllt, die vollbracht worden war, denn er nimmt zweimal Bezug darauf (Joh 5,11.15). Sie sind mit der Tatsache beschäftigt, dass ihr stolzes Einhalten des Sabbat missachtet wurde: „Darum verfolgten die Juden Jesus und suchten ihn zu töten, weil er dies am Sabbat tat.“

Die Herrlichkeit der Person, die den Menschen erlöst und die Ruhe Gottes sicherstellt (Joh 5,17-31)

Die Juden hatten die Frage gestellt: „Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm dein Bett auf und wandle?“ Wir sehen nun die Herrlichkeit dieses Mannes, der von der Macht der Sünde und der Last des Gesetzes frei machen kann und den Menschen zur Ruhe Gottes bringen kann. Wenn seine Herrlichkeit offenbar wird, dann deshalb, damit alle den Sohn ehren.

Verse 17-19

Joh 5,17-19: Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke. Darum nun suchten die Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte, sich selbst Gott gleich machend. Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was irgend er tut, das tut auch der Sohn in gleicher Weise.

Der Herr eröffnet die Unterredung, indem Er sagt: „Mein Vater wirkt bis jetzt und ich wirke.“ Diese Worte sind von großer Bedeutung und Tiefe, über die es gut nachzudenken gilt, da sie die Herrlichkeit Christi als Sohn offenbaren und somit der Anklage der Juden, dass „er dies am Sabbat tat“, beantworten. Was, so mögen wir fragen, ist der Charakter der Werke des Vaters und des Sohnes? Die Weltgeschichte zeigt, dass die Werke der Menschen durch Gewalt und Verdorbenheit gekennzeichnet sind. Die größte Macht des Menschen zeigt sich in der Erfindung von Dingen, die dazu dienen, Leben zu zerstören. Diese Szene in Jerusalem ist ein Beweis für den Charakter der Werke des Menschen, denn in diesem Moment suchten die Juden den zu töten, der soeben einen Menschen von einem Sterbebett hatte aufstehen lassen. Im Gegensatz zu den Werken des Menschen, lassen die Werke des Vaters und des Sohnes den Menschen vom Tod aufstehen und bringen ihn zu Leben und Segen.

Darüber hinaus hatte der Vater „bis jetzt“ gewirkt. Es ist wahr, der Vater wird nur als solcher offenbar gemacht, als der Sohn in die Welt kommt. Aber hinter all dem, was Gott schon von Beginn der Zeit an in der Welt getan hat, sehen wir nun die Hand des Vaters, die in Übereinstimmung mit der Absicht und der Gnade seines Herzens wirkt, um den Menschen von Sünde und Tod zu erlösen. Wir sehen also das Werk des Vaters in der Verheißung im Garten Eden, in seinem Handeln mit Abel und Henoch, in der Flut, in den Verheißungen gegenüber den Patriarchen sowie in den Aussprüchen der Propheten.

Dann fügt der Herr hinzu: „… und ich wirke.“ Dies bringt die Herrlichkeit seiner Person zum Vorschein. Die Juden interpretieren dieses Wort des Herrn sehr richtig, als sie sagen, dass Er sich Gott gleichmacht. Es war die Versicherung seiner Göttlichkeit und somit die Offenbarung der Herrlichkeit seiner Person. Es zeigt die Gleichheit des Sohnes mit dem Vater, denn alles was der Vater tut, tut der Sohn in gleicher Weise. Darüber hinaus ist der Sohn nicht unabhängig von dem Vater tätig. Alles wird in vollkommener Übereinstimmung getan, angetrieben von demselben Gedanken und derselben Zuneigung, denn „der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut“.

Mensch geworden, entsprach der Herr vollkommen diesem Verhältnis zu seinem Vater. So kann Er, während Er erklärt, dass seine Herrlichkeit gleich der des Vaters ist, sagen: „Der Sohn kann nichts von sich selbst tun.“ Obwohl gleich dem Vater, empfängt Er alles von dem Vater. Die Gleichheit göttlicher Personen ist nicht gleichbedeutend mit Unabhängigkeit zwischen ihnen, wie wenn es zwei Götter gäbe. Zwei souveräne und allmächtige Wesen kann es niemals geben. Somit kann der Herr sagen: „Denn was irgend er [der Vater] tut, das tut auch der Sohn in gleicher Weise.“

Die Tatsache aber, dass der Sohn nichts aus sich selbst tut, sondern nur die Dinge, die Ihm der Vater zeigt, zeigt uns, dass alles Handeln des Sohnes darin besteht, den Vater zu offenbaren. Wenn die Juden den Sohn sahen, sahen sie den Vater; wenn sie den Sohn ablehnten, so lehnten sie auch den Vater ab. Diese Passage stellt uns nicht nur die Herrlichkeit des Sohnes vor, sondern sagt uns auch, dass in allem, was Er tat, Er den Vater darstellte. In Johannes 4 werden wir durch die Quelle lebendigen Wassers, die ins ewige Wasser quillt, zum Vater gebracht, und wir beten an. Hier wird der Vater in der Person des Sohnes zu uns gebracht.

Vers 20

Joh 5,20: Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm größere Werke als diese zeigen, auf dass ihr euch verwundert.

„Der Vater hat den Sohn lieb.“ Diese Aussage zeigt, dass es auf der Erde Einen gab, der fähig war, die Liebe des Vaters zu zeigen. Zu sagen, dass der Vater einen Heiligen liebte, selbst den allergrößten Heiligen – so wahr dies auch ist –, hätte die Größe der Liebe des Vaters nicht in angemessener Weise ausgedrückt. Die Menschen beweisen die Armseligkeit ihrer Liebe durch die Kleinheit der Gegenstände, denen ihre Zuneigung oftmals gilt. Je größer das Objekt der Liebe, desto größer der Charakter der Liebe. In dem Sohn finden wir jede moralische Qualität in Vollkommenheit. Des Vaters Liebe ist so groß, dass sie mit keinem geringeren Gegenstand als dem Sohn zufrieden gestellt werden kann.

Dann wird die Herrlichkeit des Sohnes in einer anderen Weise gezeigt. Seine Werke verkünden seine Herrlichkeit. Er hatte bereits das Wasser in Wein verwandelt, den Sohn des reichen Mannes geheilt und den Mann am Teich gesund gemacht. Dies waren Werke, die in Verbindung mit der Segnung des Menschen auf der Erde standen. Jedoch gibt es größere Werke, die der Vater für den Sohn hat und die über die Bande des Todes hinausgehen und in Verbindung mit dem ewigen Leben stehen.

Verse 21-23

Joh 5,21-23: Denn gleichwie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, also macht auch der Sohn lebendig, welche er will. Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohne gegeben, auf dass alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.

Der Herr fährt fort und zeigt, dass die größeren Werke das Werk der Auferstehung, das Werk der Auferweckung und das Werk des Gerichts sind. Diese größeren Werke betreffen alle Menschen, ob Gläubige oder Ungläubige. Die Gläubigen werden auferweckt und lebendig gemacht: Die Ungläubigen und Gegenspieler, wie die Juden, zu denen der Herr sprach, werden unter sein fremdes Werk des Gerichts kommen.

Lebendigmachen gibt Leben – ein Leben, das Gott lebt. In einem geistlichen Sinn ist der Gläubige jetzt lebendig gemacht; er ist für Gott aus einem Zustand, in dem er geistlich tot war, geistlich lebend (Kol 2,13). Mehr noch, Lebendigmachen bezieht sich nicht nur auf die Seele eines Gläubigen, sondern auch auf den sterblichen Leib, der mit dem Kommen Christi vollkommen vom Tod erlöst sein wird und unsterblich gemacht wird (Röm 8,11; 1Kor 15,53). Ungläubige werden vom Tod auferstehen; von ihnen wird nicht gesagt, lebendig gemacht zu werden.

Wenn die Menschen, wie die Juden, es ablehnen, den Sohn in gleicher Weise wie den Vater zu ehren, werden sie Ihm die Ehre geben müssen, wenn sie Ihm als dem Richter begegnen. Ihn als den Sohn abzulehnen, heißt, den Segen zu verfehlen; Ihm als dem Richter zu begegnen, besiegelt ihr trauriges Los. Es gilt, dass „alle Menschen“ den Sohn ehren sollen. Lebendig gemachte Seelen, in der Kraft eines neuen Lebens, erkennen Ihn mit Freuden als den Sohn an. Der Böse wird im Gericht gezwungen werden, Ihn als den Sohn anzuerkennen. Außerdem werden sie nicht nur dafür gerichtet, dass sie den Sohn abgelehnt haben, sondern dass sie auch den Vater abgelehnt haben. „Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.“

Vers 24

Joh 5,24: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tode in das Leben übergegangen.

In den folgenden Versen unterscheidet der Herr zwischen moralisch tot und physisch tot. Ein wichtiger Aspekt von Tod ist Trennung. Entweder die Trennung von Seele und Leib wie bei dem physischen Tod oder die Trennung zwischen Gott und der Seele wie bei dem moralischen Tod. Von Letzterem spricht der Herr zuerst in Johannes 5,24-27. Er zeigt, wie solche, die für Gott tot sind in Sünden und Vergehungen, lebendig gemacht werden können und dass solche sein Wort hören und dem Vater glauben, der Ihn gesandt hat. Sie entgehen nicht nur dem Gericht, sondern haben Leben, und im Leben dieses Lebens gehen sie aus dem Zustand, in dem sie tot für Gott waren, in einen Zustand, in dem sie Gott leben. Sie gehen vom Tod in das Leben hinüber.

Verse 25.26

Joh 5,25.26: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass die {o. eine} Stunde kommt und jetzt ist, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben. Denn gleichwie der Vater Leben in sich selbst hat, also hat er auch dem Sohne gegeben, Leben zu haben in sich selbst;

Es ist die Verantwortung des Sünders, zu hören und zu glauben. Diese Verse stellen jedoch eher das souveräne Handeln des Sohnes im Lebendigmachen des moralisch Toten vor. Als Resultat dessen hören sie die Stimme des Sohnes Gottes und leben.

Die Stimme des Sohnes Gottes zu hören, bedeutet nicht einfach, bestimmte Worte zu hören, die von dem Herrn ausgesprochen wurden. In Apostelgeschichte 13,27 erfahren wir, dass das Volk in Jerusalem jeden Sabbat die Aussprüche der Propheten hörte und doch die „Stimme der Propheten“ nicht kannten. Offenbar können wir die Worte hören und doch die Stimme nicht verstehen. In 1. Korinther 14,10 lesen wir wiederum: „Es gibt vielleicht so und so viele Stimmen in der Welt, und keine Art ist ohne bestimmten Ton.“ Die Stimme ist demnach die wahre Bedeutung der Worte – die Botschaft, die die Worte enthalten. Die Bedeutung der Stimme des Sohnes Gottes ist die Offenbarung Gottes in Liebe, der dem Menschen gegenüber in souveräner Gnade handelt.

Somit ist die Stimme etwas Besonderes und Eigentümliches in Bezug auf das Zeugnis einer Person. Die Propheten hatten eine Stimme – diese war ganz besonders und speziell für ihr Zeugnis. Johannes der Täufer spricht von sich selbst als einer Stimme. Es gab in seinem Zeugnis etwas, was eine ganz besondere und eigene Bedeutung hatte. Da ist das, was einzigartig und eigentümlich für die Stimme des Sohnes Gottes ist – und seine Schafe hören seine Stimme (Joh 10,3).

Wenn die besondere Bedeutung der Stimme des Sohnes Gottes gehört wird, leben die Seelen. „Die sie gehört haben, werden leben.“ Sie gehen vom Zustand des Todes in den des Lebens, wo man Gott kennt. Des Weiteren hat der Sohn des Menschen die Gewalt, Gericht auszuüben. Die Menschen lehnen Christus als den Sohn Gottes ab und suchen Ihn als Sohn des Menschen zu töten. Gott wird Ihn sowohl als den Sohn Gottes als auch als den Sohn des Menschen von denen ehren lassen, die Ihn verworfen haben. Das kann nur im Gericht stattfinden angesichts der Tatsache, dass sie Ihn abgelehnt haben. Deswegen übt Er sowohl als der Sohn Gottes als auch als der Sohn des Menschen Gericht aus (Joh 5,22.27).

Verse 28.29

Joh 5,28.29: Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die {o. eine} Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören, und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse {eig. das Schlechte} verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts.

In Johannes 5,24-27 finden wir, welche Wirkung das Hören der Stimme des Sohnes Gottes hat. Es führt zum Leben. In den Versen 28 und 29 gibt es einen Unterschied zwischen dem Wesen der Stimme und deren Wirkung. Sie wird eine echte physische Wirkung in der Auferstehung der Toten aus ihren Gräbern haben. Es ist gesagt worden, bei Gott käme zuerst die moralische und dann physische Folge. In Vers 25 heißt es, wenn von den Gläubigen die Rede ist: „Die sie gehört haben, werden leben“ (Joh 5,25). Hier in Vers 29, der Gläubige und Ungläubige einschließt, wird nichts vom Leben gesagt, sondern nur, dass solche, die „seine Stimme hören … hervorkommen werden“ (Joh 5,29).

Es gibt zwei Auferstehungen: die Auferstehung des Lebens und die Auferstehung des Gerichts. Die Frage, an welcher Auferstehung wir teilhaben, wird hier von moralischen Grundsätzen abhängig gemacht – davon, Gutes oder Böses getan zu haben. Sie richtet sich nicht nach Glauben oder Unglauben. Es ist wahr, dass kein Mensch ohne Glauben an Gott Gutes tun kann. Ebenso kann das, was Gott als „Gutes tun“ bezeichnet, sich sehr von dem unterscheiden, was der Mensch als „Gutes tun“ ansieht. Wo Leben ist, zeigt sich dieses durch Gutes tun.

Beides, „Leben“ und „Gericht“ machen Auferstehung erforderlich. Wenn das Leben in seinem angemessenen eigenen Bereich gesehen und genossen werden soll, muss der Körper vom Tod auferstehen. Wenn der Mensch gerichtet werden soll, muss er ebenfalls vom Tod auferstehen. Die Auferstehung ist notwendig, um die Herrlichkeit Christi darzustellen.

Die verschiedenen Zeugnisse der Herrlichkeit Christi (Joh 5,30-47)

Verse 30.31

Joh 5,30-31: Ich kann nichts von mir selbst tun; so wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Wenn ich von mir {o. über mich, betreffs meiner; so auch Joh 5,32.36.37 usw.} selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr.

Ab hier finden wir die Darstellung des Herrn von den unterschiedlichen Zeugnissen der Herrlichkeit seiner Person – Zeugnisse, die diejenigen, die Christus verworfen haben, ohne Entschuldigung lassen. Dort gab es in der Tat das eigene Zeugnis des Herrn von sich selbst. Dies war nicht bloß das Zeugnis eines Menschen, der sprach und nach seinen Gedanken handelte, oder eines Menschen, der nach seinem eigenen Willen tat. Es war das Zeugnis dessen, der den Platz des vollkommen abhängigen Menschen angenommen hatte. In Übereinstimmung mit seinem Platz konnte Er nichts aus sich selbst tun. Hinter seinem Zeugnis nach außen gab es das verborgene, unsichtbare Leben in Gemeinschaft mit dem Vater und in Abhängigkeit von dem Vater. Deshalb kann Er sagen: „So wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ Sein Urteil wurde nicht durch das gebildet, was Er von Menschen hörte, oder dadurch verformt, dass Er seinen eigenen Willen zu tun suchte. Allzu häufig ist unser Urteil fehlerhaft, weil unser Verstand von anderen Menschen und von unserem Streben nach unseren Gedanken zu handeln beeinflusst wird.

Wie vollkommen sein Zeugnis jedoch auch ist, es wäre dem Gesetz nach nicht durch sich gültig, das besagt, dass das Zeugnis zweier wahr ist. Jemand hat gesagt: „Das Zeugnis eines Menschen kann absolut wahr sein; so wahr in sich wie das zweier Menschen. Für andere wäre es jedoch nicht auf dieselbe Art wahr, es ist eine Bestätigung erforderlich.“ Deshalb verlangt Er nicht von den Menschen, dass sie aufgrund seines alleinigen Zeugnisses an Ihn glauben. Es gibt vier weitere Zeugen, die der Herr uns der Reihe nach vorstellt. Wir finden:

  1. das Zeugnis Johannes des Täufers (Joh 5,32-35)
  2. das Zeugnis seiner Werke (Joh 5,36)
  3. das Zeugnis des Vaters selbst (Joh 5,37.38)
  4. das Zeugnis der Schriften (Joh 5,39-47).

Verse 32-35

Joh 5,32-35: Ein anderer ist es, der von mir zeugt, und ich weiß, dass das Zeugnis wahr ist, welches er von mir zeugt. Ihr habt zu Johannes gesandt, und er hat der Wahrheit Zeugnis gegeben. Ich aber nehme nicht Zeugnis von {o. vonseiten; so auch Joh 5,41.44} einem Menschen, sondern dies sage ich, auf dass ihr errettet werdet. Jener war die brennende und scheinende Lampe; ihr aber wolltet für eine Zeit in seinem {o. ihrem} Lichte fröhlich sein.

Johannes der Täufer gab Zeugnis von Christus und der Wahrheit, und sein Zeugnis war wahr. Der Herr brauchte kein Zeugnis von Menschen, aber um den Juden in Gnade zu begegnen, damit sie gerettet würden, weist der Herr sie auf das Zeugnis Johannes des Täufers hin. Johannes war zu dieser Zeit eine „brennende und scheinende Lampe“ inmitten der Dunkelheit, die dem Kommen Christi vorausging. In seinem Licht waren die Menschen für eine Zeit willens sich zu erfreuen, denn er galt als ein Prophet (Lk 20,6).

Vers 36

Joh 5,36: Ich aber habe das Zeugnis, das größer ist als das des Johannes; denn die Werke, welche der Vater mir gegeben hat, auf dass ich sie vollbringe, die Werke selbst, die ich tue, zeugen von mir, dass der Vater mich gesandt hat.

Es gab jedoch noch ein größeres Zeugnis als das von Johannes. Die Werke, die der Vater Ihm zu tun gegeben hatte – die großen Zeichen des Evangeliums des Johannes –, die die Vollendung der Werke des Vaters waren (Joh 5,17), gaben Zeugnis von der Herrlichkeit seiner Person als dem Einen vom Vater Gesandten.

Vers 37.38

Joh 5,37.38: Und der Vater, der mich gesandt hat, er selbst hat Zeugnis von mir gegeben. Ihr habt weder jemals seine Stimme gehört, noch seine Gestalt gesehen, und sein Wort habt ihr nicht bleibend in euch; denn welchen er gesandt hat, diesem glaubet ihr nicht.

Dann finden wir, dass der Vater selbst direkt Zeugnis von seiner Person gab. Bei der Taufe hatte die Stimme aus dem Himmel gesagt: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“ Was seine Gegner anging, so war dieses Zeugnis ohne Einfluss auf sie, denn obwohl der Vater gesprochen hatte, hatten sie niemals seine Stimme gehört. Als Er sprach, hörten sie dies nur wie ein Donnern. Offenbar hatte sein Wort keinen bleibenden Platz in ihren Herzen, da sie dem von Ihm Gesandten nicht glaubten.

Vers 39.40

Joh 5,39.40: Ihr erforschet die Schriften {o. erforschet die Schriften}, denn ihr meinet, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen; und ihr wollt nicht zu mir kommen, auf dass ihr Leben habet.

Schließlich gibt es das Zeugnis der Schriften, derer die Juden sich so sehr rühmten, da sie dachten, darin Leben und Segen zu finden. In der Tat taten sie gut daran, die Schriften zu untersuchen, denn diese zeugen von Christus. Aber wie schade: Obwohl sie in den Schriften aufgingen, kamen sie nicht zu dem, von dem die Schriften sprachen und in welchem allein Leben und Segen gefunden werden kann. Der Herr sagt nicht: „Ihr könnt nicht zu mir kommen“, sondern: „Ihr wollt nicht zu mir kommen.“ Es stimmt, dass der Mensch tot ist in Sünden und Übertretungen und dass er nicht kommen kann; genauso wahr ist es jedoch auch, dass er in der Sünde lebt und nicht kommen will.

Vers 41.42

Joh 5,41.42: Ich nehme nicht Ehre von Menschen; sondern ich kenne euch, dass ihr die Liebe Gottes nicht in euch habt.

Das Motiv des Herrn bei seiner Einladung an die Menschen, zu Ihm zu kommen, bestand nicht darin, dass Er Ehre von den Menschen erhalten wollte, sondern dass der Mensch Segen von Gott empfangen kann. Die Tatsache, dass sie nicht zu Christus kommen wollten, zeigt ihren Zustand auf und war ein Beweis dafür, dass die Liebe Gottes ihnen nichts bedeutete; sie hatte keinen Platz in ihren Herzen.

Vers 43

Joh 5,43: Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmet mich nicht auf; wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen.

Der Herr war im Namen des Vaters gekommen und stellte die Liebe vor, die im Herzen des Vaters war. Indem sie es ablehnten, Christus zu empfangen, lehnten sie ein Zeugnis ab, das, obwohl es die Liebe des Vaters Herz offenbarte, das Böse und die Eigenliebe ihrer Herzen auf das Äußerste verurteilte. Diese Ablehnung Christi würde sie dem schrecklichen Einfluss des Antichristen, der in seinem Namen kommen wird, zugänglich machen. Er wird an das Verlangen des Menschen nach Größe, Macht und Ruhm appellieren. Nach ihrem sündigen Zustand wird er mit keinem Wort fragen. Er wird keine moralischen Veränderungen im Menschen verlangen, nur dass der Mensch ihm Macht und Herrlichkeit gibt. Diesen Menschen, der so exakt nach ihren Herzen ist, werden sie bekommen.

Vers 44

Joh 5,44: Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmet und die Ehre, welche von Gott allein {o. von dem alleinigen Gott} ist, nicht suchet?

Ihr eigener schlechter moralischer Zustand machte es ihnen unmöglich, an Christus zu glauben und die Wahrheit zu empfangen. Das Suchen nach Ehre und Wertschätzung von den Menschen hinderte sie daran, den Platz der Niedrigkeit einzunehmen und Segen und Ehre von Gott zu empfangen, nachdem sie ihren wahren sündigen Zustand anerkannt haben.

Verse 45-47

Joh 5,45-47: Wähnet nicht, dass ich euch bei dem Vater verklagen werde; da ist einer, der euch verklagt, Mose, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. Denn wenn ihr Mose glaubtet, so würdet ihr mir glauben, denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubet, wie werdet ihr meinen Worten glauben?

Mose, an den zu glauben sie bekannten, war ihr Ankläger. Hätten sie wirklich und wahrhaft an Mose geglaubt, hätten sie auch an Christus geglaubt, denn dieser hatte von Christus geschrieben.

Der Herr schließt die Unterredung mit einem eindrucksvollen Zeugnis von der Wichtigkeit und dem Wert der Schriften des Mose. Er weist der Form, in welcher die Mitteilungen Moses gegeben werden, größeren Wert zu als der Form seiner Mitteilungen. Die Worte Moses waren geschrieben, seine waren mündlich. Die Schriften Moses und die Worte des Herrn hatten die gleiche göttliche Autorität, der dauerhafte Wert der durch Inspiration geschriebenen Worte ist größer als das inspirierte gesprochene Wort.

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Übersetzung: J. Meister


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...